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VEREINES FÜR LANDESKUNDE 



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VON 



NIEDERÖSTKRREICH. 



RKDMWKKT 

VON 

DR ANTON MAYER, 

5 E K. K F. T A l-t UNI") A U S S C ȟ S S M I I" O L I E H. 



nkik folc;k. 



XVI. JAHRGANG 1882. 



WIEN 

VKULAfi IM) KHiKSIT.U IHM VEKKINES. - rHilVK V'»N |,. W. SKH»KI. «v SOHX 

1H82. 



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III 

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INHALT. 



Aufsätze : Seite 

Herzog Albrecht I. und die Dienstherren von Oesterreich. Von Dr. 

Gottfried Friess .379-42« 

Besitzverhältnisse znr Babenbergerzeit in Niederösterreieh. Von Johann 

Wendrinsky 83-112 

Besprechungen: 

Josef Haydn von C. F. Pohl. Beapr. von II 114 Uft 

Scriptores ordini* S. Benedi et i qui 1750- IHM) fuerunt in Imperio Au.«tri;ico- 
Hnngarico. Vindobonae 1K81. Hiunptibus Ordinl*. In aedib. Leon. Woeil, Besp. 
von A. Mayer 307-399 

Beiträge zur Chronik der Stadt Baden bei Wien. Von Dr. H. Rollet 1880. Be»p. 

von A. Mayer 309—310 

Dachsberge in Niederösterreich, das Geschlecht der. Von Dr. Anton 

Kersehbauiuer 294 — 307 

Favianis, Wien und Mautern. Von Dr. Friedrich Kenner 3 — f>3 

Munzwesen in Österreich, zur Z» i it K. Rudolfs I. von Habsburg, das. 

Von l'niv.-Prof. Dr. Arnold Luschin v. Ebengreuth 349— 37H 

Münzwpsen während d^r Zeit von H>22— 1 6f>0, Beiträge zur Geschichte 

des österreichischen. Von .lohann Newald 117— 1 48 

Oesterreieher an italienischen Iniversitäten zur Zeit der Reception de6 

römischen Rechts. Von l-nivers.-Prof. Dr. Arnold Luschin v. 

Ebengreuth 54-72, 23« -273 

Ortschaften im Viertel unter dem Wiener -Walde, verschollene. Von 

Stephan Neill 148-236 

Porträts König Rudolfs von Habsbur«: und dessen Grabstein». Über die 

authentischen. Von Dr Eduard Freiherr v. »Sacken 427—442 

Rechts- und Verwaltungsgeschichte, Beiträge zur niederösterreichischen. 

Von Dr. Gustav Winter 72-83, 273—294 

Rudolf von Hamburg und der österreichische Staatsgedanke. Von l : niv.- 

Prof. Di. Heinrich R. v. Zeissberg • . .311-318 

Ruhestätten der ersten österreichischen Habsburger, die. Von Dr. Karl 

Lind 327-540 

Sphragistische Denkmale Albrechts ,de6 ersten habsburgischen Herzogs 

von Oesterreich, und seiner Gemahlin Elisabet. Von Dr. Karl Lind. 523—526 



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Stamuiwappen des Hauses llabsburj:, das. Von Dr. Eduard Gaston . 443 — WZ'i 

Grafen von Pettenegg 

Weistümer, zur Literatur der. Von M. A. Becker........ 113 

Vereinsnachrichten : 

Bibliothek XIII 

Ehrenmitglieder • XI 

Gedenkfeier • XJI, XIII, XV 

») Festsitzung X\r, XIX 

b) Medaille XVI 

c) Festschrift XVI 

General- Versammlung III— XI 

Mitglieder XI, XIV, XVIII, XXII 

Sommer-Versammlung • XIII 

Spenden XI, XIII 

Vereinsamende XVIII, XXII 



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I. 



AUFSÄTZE. 



- -* 



Blitt. 4. Verein« f. Landesk. 1882. l, 2 ■. 3. \ 



Favianis, Wien und Mautern.*) 

Von Dr. Friedrich Kenner. 

An den römischen Ort Favianis. in welchem St. Severin lebte und 
starb, knüpft sich eine sehr alte Streitfrage. Es handelt sich um die 
Entscheidung, ob der genannte Ort mit dem heutigen Wien identisch, 
also in Ober-Pannonien (zwischen Greifenstein und der Leitha), oder ob 
er im benachbarten Ufer-Noricum (zwischen Inn und Greifenstein) zu 
suchen sei. Seit der Mitte dieses Jahrhunderts hat sich ein Umschwung 
in den Ansichten der heimischen Schriftsteller vollzogen, welcher lange 
vorbereitet war und Jenen, der mit der Literatur der Frage vertraut 
ist. nicht mehr in Erstaunen wird versetzen können. Im Gegensatz 
zu den vorhergehenden Zeiten verlor die Identität plötzlich ihre An- 
hänger. Fast alle Autoren, die seit 1849 über diesen Gegenstand 
schrieben, traten auf die Seite der Gegner der Identität: ja in dem 
letzten Decennium gewann die Ansicht, dass Favianis in Mautern gesucht 
werden müsse, an Boden. Alois Huber hat sie zuerst aufgestellt; 1 ) ich 
selbst kam von einem andern Gesichtspunkte zu demselben Ergebnisse 
und suchte, was Huber von seinem Standpunkte aus gewonnen, weiter 



*) Am '23. März d. J. erfolgte nach kurzem Krankenlager der allgemein 

V 

bedauerte Tod des Herrn Regierungsrathes Alois Adalbert Sembera, als das 
MamiBcript der folgenden Abhandlung bereits im Drucke war. Da diese in keiner 
Weise gegen die Persönlichkeit des Verstorbenen, die wir vielmehr hochgeachtet 
haben, gerichtet ist, sondern gegen eine von ihm noch in jüngster Zeit öffentlich 
vertretene literarische Ansieht und gegen die Begründung, die sie 
dnrch ihn gefunden, haben sich weder der Verfasser, noch die Redaktion durch 
den traurigen Fall veranlasst gesehen, jene Abhandlung zurückzuziehen. Sie 
geben die vorstehende Erklärung ab, um etwaigen Mißdeutungen in dieser Rich- 
tung im Vorhinein zu begegnen. 

*) Gesch. der Einführung und Ausbreitung des Christentums in Südost- 
deutsehlaiid. 1. 385, IV. 313. 

1* 



zu führen : ') unabhängig von uns gelangte Otto Kämmel zu der gleichen 
Bestimmung. 2 ) Es fehlt nicht an Anzeichen, dass diese bei Fachgenossen 
noch weitere Verbreitung finde. 

Dagegen traten für die Identität zwischen 1849 und 1882 nur 
zwei Autoren auf: Dr. Hippolyt Tausehinsky (1862) 8 ) und Herr Re- 
gierungsrath Professor Dr. Alois Senibera, Letzterer zum ersten Male 
in diesen Blättern, 4 ) dann in neuester Zeit wieder, indem er „zur Er- 
innerung an den 1400. Todestag des heil. Severin, 8. Jänner 1882, 1 * 
eine Brochüre durch den Buchhandel veröffentlichte, 5 ) die ein Wieder- 
abdruck der erstgenannten Abhandlung mit einigen Veränderungen ist. 
Die letzteren bestehen teils in Weglassungen, teils in Zusätzen, welche 
die Gleichstellung von Favianis und Mautern zum Gegenstande haben. 

Auf diese Schrift zu antworten, halten wir aus zwei Gründen für 
notwendig. Die Ansichten der zuletzt genannten Gegner der Identität, 
welche Favianis in Mautern suchen, sind in Büchern niedergelegt, die 
rtwar von Fachgenossen benützt werden, aber keine Verbreitung in weiteren 
Kreisen haben ; es mangelt daher diesen ein Behelf, sich über den Gang, 
den die Streitfrage in den letzten Jahren genommen, ein Bild zu machen, 
sowie über die Gründe, warum für Mautern der Ruhm reklamiert wurde. 
die Wohnstätte eines so grosseu Mannes gewesen zu sein. Aus Sembera's 
zweiter Schrift wird es unmöglich, eine Anschauung darüber zu gewinnen : 
sie geht insbesondere auf die Gleichstellung von Favianis und Mautern 
nur sehr oberflächlich ein, berührt nur wenige Nebensachen und ignoriert 
die tieferliegenden Beweise ganz und gar. Es schien billig und wünschens- 
wert, in einer für die Geschichte des Landes so wichtigen Frage auch 



*) Zur Topographie der Röuierorte in Niederösterreich in den Ber. un<? 
Mitt. des Altert.-Ver. zu Wien. XVII. (1878), S. 277 f. — Favianis. Eine Dar- 
stellung des Streites um diesen Ort und seine Lage. Ebenda. IX. (1880). S. 49 f. 
— Wenn ich im Folgenden öfter auf diese beiden Abhandlungen zurückweise. 
so geschieht es. um zu zeigen, was schon in den Jahren 1878 und 1880, also 
bevor Sembera's gleich zu nennende Schrift vom Jahre 1871 wieder abgedruckt 
wurde (1882), gegen dessen Ausführungen vorgebracht, von ihm aber mit Still- 
schweigen übergangen worden ist. 

■) Die Anfänge des deutsehen Lebens in Oesterreich bis zum Ausgange 
der Karolingerzeit. Leipzig 1879. S. 317 f. 

») Sitzungsber. der k. Akad. d. W. XXXVIII., S. 31 f. 

4 ) Wo lagen die heiden Aufenthaltsstätten des heil. Severin, Comagena und 
Astura, und ist der stabile Wohnsitz des heil. Severin, Faviana das heutige Wien 
oder nicht? Blatt, d. Ver. f. Landesk. v. NiederüHterr. N. F. V. 09. 

6 ) Wien, der Wohnsitz und Sterbeort des heil. Severin. Nachgewiesen von 
Alois Adalbert Sembera. k. k. Kegierungsrath und Universitäts-Professor. 
Wien 1882, Alfred Holder. 



der Ansicht der Gegner eine grössere Verbreitung zu geben, um dem 
Leser ein Urteil möglich zu machen. 

Der andere Grund ist in dem Wunsche zu suchen, vor einem 
grösseren Publikum die Gründe zu beurteilen, mit welchen neuerdings 
die Identität verfochten wurde. Die Fachmänner sind sich über ihren 
Wert längst klar: aber den weiteren Kreisen fehlt auch in dieser Be- 
ziehung ein Hilfsmittel, sich zu orientieren. 

Daher haben wir dankbar die uns mit grosser Liebenswürdigkeit 
gebotene Gelegenheit ergriffen, an jener Stelle, an weicher unser Herr 
Gegner für die Identität gekämpft hat, gegen sie aufzutreten. Wir 
werden zunächst die von ihm aufgeführten Gründe prüfen und dabei 
uns mit dem Sachverhalte vertraut machen, hierauf seine Einwendungen 
gegen die gegnerischen Ansichten erörtern, zum Schlüsse diese selbst, 
wie sie heute bestehen, darlegen. 

Die Fachmänner werden wenig Neues in unserer Schrift finden; 
den freundlichen Leser ausserhalb der Fachkreise bitten wir aber, unsere 
Ausführlichkeit aus dem Bestreben zu erklären, in einer uns so wichtigen 
Sache gründlich vorzugehen. 

I. 

Schon in der kurzen Einleitung, welche unser Gegner seinen 
Gründen für die Identität vorausschickt, überrascht er uns mit der Mit- 
teilung, dass St. Severin „aus dem Süden auf der Donau in's Ufer- 
Noricum gekommen sei und an der Grenze des Landes in dem kleinen 
Orte Asturis gelandet habe u . Auch später heisst es, es sei ein anderer 
naher Ort, namentlich Altenberg, als Landungsplatz des heil. Severin 
nicht ausgeschlossen. 

Wir werden die Angabe des Verfassers, der Heilige sei aus dem 
Süden gekommen, für ein Versehen halten dürfen, da die von ihm 
citierte und aufgeführte Stelle des Originales (Eugipius C. I) 1 ) de par- 
tibus Orientis hat. Aber die Ansicht, der Heilige sei den Strom auf- 
wärts fahrend in Asturis gelandet, wird zu oft angedeutet, als dass nicht 
ein bestimmtes Motiv die Ursache sein sollte. Weder die erwähnte Ori- 
ginalstelle, noch überhaupt sonst ein Ausdruck des Eugipius rechtfertigt 
diese Angabe, die auch an sich so unwahrscheinlich als möglich ist; 
es muss also ein ausserhalb dieser Quelle liegender Grund den Ver- 



') „Tuno itaque sanctissimus Dei famulus Severinus de partibus Orientis 
adveniens in vicinia Norici Kipensis et Pannonioruin parvo, quod Asturis dicitur, 
oppido morabatur etc." 



fasser daraufgeführt haben. Wir glauben ihn zu errathen. Wenn der 
Hejlige, wie es in der Natur der Sache liegt, vom Oriente herzu- 
wanderte, so musste er zuerst Ober-Pannonien durchmessen und also 
auch das heutige Wien, damals Vindomina, berühren, erst dann gelangte 
er auf der Heeresstrasse oder auch auf Fusssteigen über die Grenze 
nach Ufer-Noricum. Nun ist Wien nach des Verfassers Ansicht Favianis : 
in der Vita des Eugipius taucht aber der Heilige zuerst in Asturis auf r 
verweilt hier, geht daun nach Comagenis und erst von dort aus kommt 
er zum ersten Male nach Favianis. Also darf er dies nicht schon einmal 
berührt haben. Dies ist nur so möglich, dass der Heilige auf dem 
linken Ufer zuwanderte und sich nach Asturis übersetzen oder, dass .er 
sich längs Ober-Pannonien auf der Donau nach diesem Orte hinauf- 
führen Hess. 

Wir dürfen über diese Auskunft nicht staunen; sie mag uns nur 
eine erste Probe jener gezwungenen Auslegungen sein , zu welchen 
die Identitisten sich auch sonst genötigt sehen. Andere Beispiele werden 
folgen. 

Wir gehen nun auf die Gründe ein, mit welchen Öembera die 
Identität von Favianis und Wien nachgewiesen hat. 

1. Der erste derselben ist die geographische Lage des Land- 
striches, welchen zu St. Severins Zeiten die Rügen einnamen, also des 
sogenannten, später von den Langobarden besetzten Rugilandes. Dieses 
sei nichts anderes, als die Campi des Paulus Diaconus, nämlich „das 
Marchfeld in der alten Bedeutung des Wortes mit der Westgrenze 
bis beiläufig Stockerau". Da nun Favianis nach Eugipius nur durch die 
Donau von den Eugen getrennt gewesen sei, müsse es dem Marchfelde 
gegenüber gesucht werden, wodurch die Lage bei Wien ziemlich genau 
präcisiert sei 

Die hier angezogene Stelle des Paulus, die über St. Severins 
Wohnort, über das Rugiland und die Campi wichtige Angaben macht, 
findet sich im ersten Buche seiner Geschichte der Langobarden: wir 
geben sie hier ausführlich. Im 19. Capitel heisst es: n In dieser Zeit 
(487 n. Chr.) entbrannte zwischen Odoaker, der schon seit einigen 
Jahren in Italien geherrscht hat, und dein Feletheus, der auch Feva 
hiess, dem Könige der Rügen, heftiger Streit. Dieser Feletheus sass in 
jenen Tagen auf dem jenseitigen Ufer der Donau, das diese von 
Noricum scheidet. In diesen Grenzstrichen vonNoricum 
war damals das Kloster des heil. Severin, der sich einem 
enthaltsamen, heiligen Leben gewidmet hatte und schon durch viele 
Tugenden berühmt war. Bis ans Ende seines Lebens wohnte 



er in dieser Gegend, sein Leichnam aber ruht jetzt in Neapel." ') 
Paulus erzählt weiter, wie St. Severin schon oft dem Rugenkönige und 
seiner bösen Gemahlin Giso ihr unrechtes Treiben verwiesen und. da 
sie seine Worte verachteten, lange vorher verkündet habe, was ihnen 
nachmals widerfahren sei. Nun sei Odoaker mit grosser Heeresraacht 
gekommen, habe mit den Eugen gekämpft, sie bis zur Vernichtung ge- 
schlagen und das Land verwüstet. „Hierauf wanderten die Langobarden 
aus ilren Sitzen und kamen nach Rugiland und blieben da, weil 
es einen fruchtbaren Boden hatte, einige Jahre". 2 ) 

Im folgenden Capitel (20) fälut dann Paulus fort: „Mittlerweile 
starb 'judeos, auf ihn folgte sein Sohn Olaffo. Als auch (-latTo starb, 
bestieg dessen Sohn Tato als der siebente König den Thron. Die 
Langobarden zogen jetzt auch aus Rugiland und wohnten 
in deij offenen Ebenen, welche in der Sprache der Bar- 
bar e n F e l d genannt wurden.'' 3 ) 

Wir erfahren aus diesen Stellen, dass jener Teil des Rugilandes. 
der Favanis benachbart war und in dem Feletheus lebte, der Provinz 
Nor i cum gegenüber lag, nicht der Provinz Ober-Pannonien, ferner, 
dass die Langobarden das „Feld" erst besetzten, nachdem sie Rugi- 
land verlassen hatten, also dass das „Feld 1 * nicht mehr zum 
Rugiland gehörte. Also, Paulus sagt das gerade Gegenteil von dem 
aus, was unser Gegner aus seinen Worten folgert. 

Es ist nun keineswegs ausgemacht, dass das „Feld* das March- 
feld sein müsse : vielmehr suchen es angesehene Historiker in der Ebene 
zwischen der Donau und Theiss. 4 ) Wir lassen diese Frage hier bei 

M „Qui Feletheus Ulis dichus ulteriorem Dsinubii ripaiu incolehat. quam a 
Noiici finibus idem Danubius separat. In bis Norieorum finihus beati 

tmic erat Severini coenobium. Qui cum hisdem in low in ad vitae 

usqie inetas habitasset. nunc tarnen eins eorpusculum Neapolim tonet. 1 ' 

*) „Tunc Langohardi de suis regionihus egressi venerunt in Rugiland. quae 
latinc oloquio Rugorum patria dicitur atque in oa. quia erat solo fcrtilis. aliqtiantis 
(tomiriorati sunt annis". 

s ) ..-- — Egressi quoque Langohardi de Rugiland hahitaverunt in campis 
patontihus. qui barharico sermone ..Feld" appcllantur 1 '. Die origo dentis Lango- 
bardorum. aus welcher Paulus schöpfte, hat nach der (iothaer Handschrift I. 4: 
„Et ptst Claflbnoni rcgnavit Tatto. Eo tempore rediernnt Langohardi (de Rudilanda) 
in eaupis Kilda. Feeenint ibi annos tres. u Monuiii. (Jena, bist. Scrippt. Lango- 
hard. p. 8. 

4 ) So Büdinger. Oesterr. Gesch.. S. 57, Note 1, wo er darauf hinweist, 
dass räch Einhard (Annal. a. 796) die Langobarden den Hauptring der Avaren 
zwischen Douau und Theiss „Feld" genannt haben. Auch Wi et er sh ei in. (»esch. 
d. Völkerwanderung. IV. 480. sucht die Campi patentes in jener (fegend. 



8 

Seite und betrachten die Aeusserungen des Eugipius, aus denen sich 
die Ausdehnung des Rugilandcs ergiebt. Für die westliche Grenze hat 
sohon Alois Huber 1 ) auf Capitel 22 hingewiesen, nach welchen die 
Erteilung der Handelslicenz für die oberen norischen Donaustädte dein 
Eugenkönig zustand, indem die Bürger von Batavis des heil. Sererin 
Verwendung bei dem Könige zur Erlangung jener Licenz nachsuchten, 
der Heilige aber seine Fürbitte verweigerte, sie für überflüssig erklirend, 
da Batavis bald zu Grunde gehen werde; „wozu brauche man eine 
solche Licenz in Orten, an denen weiterhin doch kein Kaufmain er- 
scheinen könne (quid ergo necesse est locis mercimonia providere, ubi 
ultra non poterit apparere mercator?)*. Diese Worte beweisen, dass die 
Bataver nicht um die Licenz baten, mit ihren Waaren ins Rigiland 
zu kommen, sondern dass der Markt in Batavis selbst und dei loci, 
auf die St. Severin anspielt, gehalten werden dürfe. Da die Jastello 
oberhalb von Batavis damals bereits zerstört waren, geht der eDen an- 
geführte Ausdruck „loci" auf die Castelle des oberen norischtii Ufer- 
landes, welche bald darauf in die Hände der Feinde fielen, oder von 
ihnen hart bedrängt wurden (Batavis C. 22, Joviacum C. 24, Lauriacum 
C. 30), und deren Einwohner er alle zusammen in die unterm Ufer- 
städte abführte (C. 31). Wenn der Rugenkönig die Handelslicanz den 
oberen Uferstädten zu erteilen das Recht hatte, musste wol chs linke 
Donauufer bis in jene Gegenden unter seiner Herrschaft stehen. 8 ) Es 
hindert nicht, dass gegenüber von Joviacum (Schlägen bei Efferding) 
Heruler sassen (C. 24), da sie sehr wol als eine kleinere Gefolgschaft 
gedacht werden können, die von Odoakers Zug zurückgeblieben war 
und, wie es Sitte gerade dieses Stammes gewesen, herumschweifte und 
bald da, bald dort erschien, um Beute zu machen. 3 ) 



*) Geschichte der Einführung und Ausbreitung des Christentums in Süd- 
ostdeutsohland. IV. 323. 

*) Otto Kämmel a. a. 0. S. 123 sehliesst aus dem eben erwähnten Abzug 
der Bewohner des oberen Uferlandes von Lauriacum ostwärts, dass das Gebiet 
der Rügen nur bis zur Ens gereicht habe. Ich glaube mit Unrecht. Dem es 
handelt sich hier nicht um das rechte, sondern um das linke Ufer. Auek war 
das Motiv des Abzuges die Nähe und das tributäre Verhältnis der unteren Städte 
zu den Rügen, durch welches diese zum Schutze der Römer verpfli eh te t *aren. 

8 ) Sembera führt (S. 4. Note 3) gegen die Ausdehnung des Eugcn- 
landes bis Linz (Palluianns Ansicht) den Umstand auf, dass die Rügen in diesem 
Falle ja nicht nötig gehabt hätten, von den Ostgothen den Durchzug nach Italien 
durch Ober-Pannonien zu erbitten, was diese verweigerten (Eugipius C. 5) denn 
sie hätten ja alsdann den Weg über die norischen Alpen frei gehabt, wenn ihr 
Gebiet in der That sich so weit westwärts erstreckt hätte. — Ich habe schon 



Bezüglich der östlichen Grenze, oder vielmehr bezüglich des 
Marchfeldes, wenn dieses nicht mit den Campi patentes des Paulus 
zusammenfallt — was wir, wie gesagt, dahingestellt sein lassen — 
haben wir zwischen einer älteren und jüngeren Epoche zu unter- 
scheiden. Den Wendepunkt bezeichnet Eugipius augenscheinlich im 
5. Capitel, wo er erzählt, St Severin habe den König der Eugen, 
Flaccitheus, den die Furcht vor den Nachstellungen der Gothen quälte, 
damit getröstet, dass diese bald abziehen werden und er dann in 
Ruhe regieren und sein Gebiet vergrössern könne (quia cito securus eis 
discedentibus tu desiderata prosperitate regnabis), wenn er sich 
vorläufig nur selbst jedes aggressiven Vorgehens enthielte und sich auf 
strikte Defensive einschränkte. Dies traf ein und Eugipius fügt hinzu, 
der König sei incrementis auctus prosperioribus gestorben, Worte, die 
auf einen Länderzuwachs nach Abzug der Gothen im Jahre 473 hin- 
deuten. Diese incrementa prosperiora sind keineswegs in Pannonien 
selbst zu suchen ; denn die Gothen verliesscn dieses Land eben deshalb, 
weil es vollständig ausgesaugt war ; ! ) sondern es waren die ebenen 
Landstriche am linken Donauufer vom Kampflusse ostwärts und von der 
Thaya südwärts. In der That erwähnt aus dieser späteren Zeit Eugipius 
einer Ansiedlung der Eugen gegenüber von Tuln. Nach Capitel 33 
brachte einer der Grossen aus des Königs Gefolge (unus ex optimatibus 
Felethei regis) auf die Nachricht, dass der Heilige sich eben in Coma- 
genis aufhalte, seinen halbtodten Sohn über die Donau (transjecto Da- 
nuvio) herüber, dass er ihn gesund mache. Ohne Zweifel sass dieser 
Optimat in jenem transdauubianischen Eömercastell bei dem späteren 
Orte Triebensee, wo mau Fundamente von sehr starkem Mauerwerk und 
römische Münzen aufgefunden hat. 2 ) — Dies ist, nebenher gesagt, der 



einmal dagegen bemerkt und wiederhole dies hier, dass jeder Heerführer bestrebt 
sein rausste, den fast ebenen Weg durch Ober-Pannonien zu gewinnen, um nicht 
den beschwerliehen über die Alpen machen zu mifssen: insoferue war das An- 
suchen des Rugcukönigs Kehr erklärlich, auch in dem Falle, wenn ihm der Weg 
über den Rottenmanner oder Radstätter Tauern offen stand. Dass er diesen, nach- 
dem die Gothen seine Ritten abgeschlagen hatten, nicht benützte, wie kurze Zeit 
darauf Odoaker gethan, dass er überhaupt den Gedanken nach Italien zu ziehen 
fallen Hess, hatte seinen Grund in den Abmahnungen des heil. Severin vor ge- 
walttätiger Vergrößerung seines Reiches, wovon Eugipius in demselben Capitel 
spricht. — Vgl. Zur Topographie der Römerorte in Niederösterreieh in den Ber. 
und Mitt. des Altert.-Ver. zu Wien. XVII. (1878), S. 311. Sep.-Abdr. S. 3f>. 

*) Büdingen Oesterr. Gesch. S. 52. — Jordanes ('. 56. 

*) A. Keraehbaniner in den Blatt, d. Ver. f. Landesk. v. Niederösterr. 
1878, 8. 88. 



10 

am meisten gegen Osten vorgerückte Punkt der Bilgen, den Eugipius 
selbst anmerkt. — Also, nach 473 mögen rugische Ansiedlungen sieh 
zwischen Thaya, Kamp und March in der offenen, ungeschützten Ebene 
an der Donau gefunden haben ; sie hatten damals von pannonischer 
Seite her nichts mehr zu fürchten. 

Allein vorher, so lange die Gothen Pannonien inne hatten, d. i. 
zwischen 454 und 473, war die Lage der Dinge einer Ausdehnung der 
Rügen im Marchfelde höchst ungünstig; man wird ihrer höchstens an 
den Rändern der Ebene annemen können. Sie lebten mit den Gothen 
in offener, heftigster Feindschaft. Diese waren an Zahl ihnen überlegen 
(innumera multitudine C. 5); sie schlugen denn auch die verbündeten 
Stämme der Sueven, Rügen und Sarmaten an der Bolia (Eipel) aufs 
Haupt (c. 470) *) und erlangten dadurch ein grosses Uebergewicht über 
die Gegenden jenseits der Donau, wohin sie ohne Zweifel vom west- 
lichen Ober-Pannonien aus ihre Streifzüge ausdehnten ; sie hatten dazu 
selbst eine Art von Rechtstitel, indem die Römer auch jenseits der 
'Donau Castelle angelegt hatten, die mit dem System der Befestigung 
von Pannonien zusammenhiengen ; wenn die Gothen auch diese Castelle 
beanspruchten, als zu Pannonien gehörig und als nötig für die Erfüllung 
der ihnen übertragenen Aufgabe, diese Provinz zu behaupten und zu 
beschützen, so folgten sie eigentlich nur einer sehr alten römischen 
Tradition. Von einem solchen Streifzuge überliefert uns Eugipius in 
demselben Gapitel 5, das hiefür so lehrreich ist, in der That ein Bei- 
spiel. Kaum war K. Flaccitheus von der Unterredung mit dem Heiligen, 
in der dieser ihn getröstet und in der er ihm Beschränkung auf die 
Defensive empfohlen hatte, weggegangen, so erfuhr er, dass eine Schaar 
barbarischer Räuber einige Rügen gefangen genommen habe, und liess 
sofort bei St. Severin anfragen, was er nun thuii solle. Dieser ant- 
wortete, er solle ja die Räuber nicht verfolgen und den Fluss nicht 
übersetzen (cave ne amnem transea9). sonst werde er in den Hinter- 
halt fallen, der ihm an drei Steilen bereitet sei, und getödtet werden. 
Zwei von den gefangenen Rügen, denen es gelungen war, zu entkommen, 
bestätigten die Vorhersagung des Heiligen von dem Hinterhalte genau. 
Ich bezweifle nun, dass unter amnis die Donau zu verstehen sei: denn 
diese wird stets mit dem Namen (Danuvius) genannt, manchesmal auch 
mit Nebenbezeichnungen, die auf ein grösseres Wasser hindeuten, wie 
Danuvii fluenta (C. 3), Istri fluenta (C. 10), inter utraque flumina, Enum 



*) Jovdanes C. 54. Vgl. hierüber Wietersheiin, Gesch. der Völker- 
wanderung. IV., S. 432 und 451. 



11 

seilicet et Dannviuin (C. 19), in ripa fluminis (C. 23), in litore Danuvii 
(C. 3). 1 ) Nirgends aber wird sie amnis genannt. Ich glaube vielmehr, 
dass hier von einem der Residenz des Rugenkönigs nahen Nebenfluss 
der Donau auf dem linken Ufer, Noricuin gegenüber, die Rede sei. 
Dies kann nur der Kampfluss sein, die natürliche Schutzwehr des 
Rugengebietes gegen die von der Ebene andringenden Gothen , jene 
Linie, über welche K. Flaccitheus nach des Heiligen Rath ja nicht 
hinausgehen dürfe. Dass aber jene barbarischen Räuber Gothen waren 
oder doch in ihrem Auftrage handelten, erhellt aus dem Anfang des- 
selben Capitels (5), in welchem von der Furcht des Rugenkönigs vor 
den Nachstellungen der Gothen die Rede ist, die durch das angeführte 
Beispiel eben bestätigt werden sollen. 2 ) 

Nach unserer Ansicht also waren die Verhältnisse in den Jahren 
454 — 473 derart, dass Ansiedlungen der Rügen im Marchfelde stets 
den Ueberfällen der Gothen ausgesetzt waren, von diesen vielleicht gar 
nicht geduldet wurden : es ist zu folgern, dass sich die Ersteren damals 
hinter die natürlichen Schutzlinien, welche das Marchfeld umgeben, 
zurückzogen: vor allem ist es unwahrscheinlich, dass die Residenz des 
Rugenkönigs im offenen Felde gestanden habe. 

Dies stimmt nun genau zu den Aussagen des Paulus Diaconus. 
Die Resftenz des Rugenkönigs und das ihr nahe Favianis mit dem 
Kloster des Heiligen bestand schon in jener ersten Epoche. Eugipius 
erzählt im 4. Capitel die Gründung des Klosters, im 5. spricht er erst 
von den Besuchen des K. Flaccitheus bei dem Heiligen und wie ihn 
dieser tröstete und berieth. Es liegt also in den damaligen Verhältnissen 
begründet, was Paulus aussagt, dass die Residenz des Rugenkönigs 
weiter oben an der Donau, Noricum gegenüber, lag. Daher muss, auch 
wenn das Marchfeld mit den Campi patentes des Paulus nicht zusammen- 
fällt, dieses und Ober-Pannonien bei der Frage, wo Favianis lag, aus 
dem Spiele bleiben. Wir dürfen diesen Ort in keinem Falle gegenüber 
vom Marchfeld suchen. 

2. Den zweiten Grund findet die Schrift, von der wir sprechen, in 
dem Umstände, dass St. Severin während seines Aufenthaltes in Comagenis 
von den von einer Hungersnot heimgesuchten Einwohnern von Favianis 

*) Nur in Oapftel 20 wird die Donau ohne Namen durch fluvins und 
Humen angedeutet. 

a ) Eugipius gebraucht hier und an andern Stellen den Ausdruck Räuber 
oder Raub erse haar für heutemaehende Germanen nach alter römischer Sitte 
welche inschriftlich schon unter K. Commodiis (180—192) beglaubigt ist. (\ J. L. 
III. 1. 3385. Vgl. Jung, Kömer und Romanen, S. 193. N. 3. 



12 

dahin gerufen wurde, um ihnen Rath und Hilfe zu bringen. Favianis sei 
also von Comagenis, mag man darunter Tuln oder St. Andrä vor dem 
Hagentliale verstehen, in nicht grosser Ferne gelegen und sei ein be- 
deutenderer Ort an der Donau gewesen, welche Merkmaie wol bei keinem 
Orte so gut zuträfen, als bei Wien. 

Ich halte an der Bestimmung von Comagenis auf Tuln fest, weil 
der Ort als Station der Donauflottille unmittelbar am Stromufer 
gesucht werden muss, dann weil die Angabe im Itinerarium Antonini 
(p. 234) mit 24 römischen Meilen und jene der Tabula mit 23 römischen 
Meilen ([X] VI + VII) Distanz von Vindobona (Wien) aus auf die nächste 
Nähe von Tuln hinweisen, endlich weil die Römerfunde an diesem Ort 
und in seiner nächsten Umgebung erkennen lassen, 1 ) dass die Donau an 
dieser Stelle des rechten Ufers keine allzugrossen Veränderungen her- 
vorgebracht habe. 

Tuln liegt 23 römische Meilen von Wien entfernt, wohin unser 
Gegner Favianis verlegt : von Mautern, wo wir diesen Ort suchen, liegt 
es 26 römische Meilen ab. Tuln steht also fast in der Mitte zwischen 
Mautern und Wien, ebenso weit oder, wenn man will, ebenso nahe von 
dem einen als von dem andern entfernt und man wird, was unser Gegner 
für die Identität von Favianis und Wien aus der betreifenden Distanz 
folgert, ebenso gut für die Identität von Favianis und Mautern aus dem 
Abstände dieser Orte geltend machen können; Boten der bedrängten 
Stadt konnten ebenso schnell bei dem heil. Severin eintreffen, ob sie von 
Wien oder von Mautern ausgesendet wurden. Ein zwingender Grund, 
Favianis in Wien zu suchen, liegt darin wahrlich nicht. 

Dass Favianis ein bedeutender Ort gewesen sei, ist eine jener un- 
begründeten Ansichten der Identitisten, welche entstanden sind, indem sie 
den Begriff des Municipium Vindobona mit allen Konsequenzen auf Favianis 
übertrugen. Eugipius sagt von dieser Stadt nichts aus, was eine solche 
Vorstellung rechtfertigen könnte. Er nennt sie nicht Municipium, wie etwa 
das rätische Quirttanis (C. 15), sondern civitas und oppidum. Nach ihm 
war sie der Sitz eines Tribuns, in jener Zeit also ein Punkt von mili- 
tärischer Wichtigkeit, ebenso wie das benachbarte Adjuvense (Ips), von 
dem wir auch weiter nichts wissen, und wie Augustana (Traismaner) oder 
Comagenis; zu dem gewann sie für St. Severin eine grosse Bedeutung 
durch. die gegenüber bestehende Ansiedlung der Rügen und die Resi- 



l ) A. Kersch baumer, Gesch. der Stadt Tuln, S. 462 f. — Frh. von 
8 a c k e n im Archäol. Wegweiser durch das V. 0. W. W. unter Tuln. — A. D u n g e 1, 
Mitt. der k. k. Centr.-Comm. XVI., S. CVII. 



13 

denz ihres Königs. Beides aber begründete noch keine Entwicklung des 
Gemeinwesens zu einem höheren Grad der bürgerlichen Verfassung, viel- 
mehr musste die Lage an der Grenze gegenüber einem Volke, das die 
diesseitigen Römer recht wol auszubeuten verstand, einer solchen ent- 
gegenstehen und auf die Wohlhabenheit der Einwohner einen verderblichen 
Einfluss ausüben, wenn gleich in späterer Zeit ihre Zahl durch die Zu- 
wanderung von Bewohnern der oberen Uferstädte zunam. Eugipius rühmt 
ihre Wohlthätigkeit für die Armen, die sie bewiesen, ob wol sie in Folge 
der harten Herrschaft der Barbaren — er meint hiebei den Tribut, welchen 
sie diesen zahlen mussten — in die Lage kamen, selbst Hunger zu leiden. ') 

3. Der dritte Grund besteht in der Sendung des Mönches Mar- 
cianus und des Bruders Renatus nach Noricum (C. 37); „als diese am 
dritten Tage nicht zurückkehrten, sei St. Severin um sie besorgt 
gewesen". Nach dieser Stelle sei Favianis in einem anderen Lande gelegen 
gewesen, als Noricum, nämlich n mit Rücksicht auf die schon erwähnte 
Nachbarschaft des Rugenlandes in Ufer-Paunonien (sie) zwischen dem 
Ealenberge und der Leitha". 

Es ist auch in diesem Falle nützlich, die erwähnte Stelle nach dem 
Originale mitzuteilen. Eugipius sagt: Den Mönch Marcianus, der nachher 
als Presbyter vor uns dem Kloster vorstand, hatte er (St. Severin) nach 
Noricum mit dem Bruder Renatus entsendet. Und während der dritte 
Tag verfloss, sagte er zu den Brüdern: Betet, Theuerste, weil in dieser 
Stunde den Marcianus und Renatus eine grosse Gefahr bedroht, aus welcher 
sie durch die Hilfe Christi werden befreit werden. Diese Worte zeichneten 
die Mönche sofort auf und fanden, als jene, die nach sehr vielen Monaten 
zurückkehrten, Tag und Stunde anzeigten, in welcher sie den Barbaren 
entkommen waren, die Aufzeichnung bestätigt. 2 ) 

Nicht deshalb also, weil die entsendeten Mönche am dritten Tage 
nicht schon zurückkehrten, forderte St. Severin die Brüder zum 
Gebete auf, sondern er sah im Geiste eine grosse Gefahr, die sie im 
Verlaufe des dritten Tages bedrohte, und sah auch ihre Rettung voraus. 
Ungeachtet der letzteren kehrten sie erst nach sehr vielen Monaten zurück. 



l ) — quamvis ex duro barbarorum imperio fauiis anjrustiam sustinerent. C. 17. 

3 ) Mareianum monaehum, qui postea presbyter ante nos monasterio j»rao- 
fuit, ad Noricum cum Renato fratre direxerat. Et cum dies tertius laberet ur, 
ait fratribus: „orate, carissimi. quia gravi r hae hora tribulatio Mareianum eom- 
priniit et Renatuin, de qua tarnen Christi liberabuntur auxilio 1 *. Tune inonaehi, 
quae ab eo dieta sunt, protinus annotantes, Ulis post inenses plurimos redeuntibus 
diem horamque periculi, qua barbaros evaserant, indieantibus, sieut signaverant, 
approbarunt. 



14 

Der Unterschied zwischen der Aussage des Originales und jener unseres 
Herrn Gegners mag unbedeutend erscheinen, gewinnt aber einiges Gewicht, 
wenn wir näher zusehen. 

Schon Markus Wels er hat die Vermutung ausgesprochen, dass 
mit dem Ausdruck Noricum nicht die ganze Provinz dieses .Namens, 
sondern nur der binnenländische Teil (Noricum mediterraneum) gemeint 
sei. 1 ) W. Glück hat dieselbe Auslegung gegeben 2 ) und neuestens hat 
M. Büdinger 3 ) den Ausdruck auch erklärt. Die Bezeichnung „uferländisches 
Noricum 44 (Noricum ripense), welche Eugipius selbst noch in den ersten 
Capiteln seiner Schrift gebraucht, in denen er die älteren Erlebnisse und 
Thaten des Heiligem erzählt (0. 1 — 11), verschwindet im späteren Teile 
der Vita, und zwar mit Recht. Das norische Uferland wurde noch zu 
Lebzeiten des heil. Severin eine tributäre Provinz der Rügen, 4 ) gehörte 
also faktisch zum Gebiete der Rügen, während *Mittel-Noricum faktisch 
römische Provinz blieb. Es gab also nur mehr eine römische Provinz 
dieses Namens, es gab kein uferländisches und kein binnenländisches 
Noricum mehr, sondern nur ein Noricum schlechtweg. 

Dass diese Erklärung die richtige sei, bestätigen die Stellen der 
Vita, in denen von Noricum schlechtweg die Rede ist; ich habe sie 
schon an einem andern Orte zusammengestellt, in der Absicht dies zu 
zeigen. 5 j und wiederhole sie hier zu gleichem Zwecke. 

In Capitel 17 wird erzählt, der heil. Severin habe brieflich auch 
die Völker von Noricum (Norici quoque popuios), nicht blos di<* 
Gemeinden des Landes, in dem er unmittelbar wirkte, aufgefordert, einen 
Zehent zum Unterhalt der Armen zu geben. Als er nach dieser Gewohn- 
heit Einige, welche erbettelte Kleider zu ihm brachten, fragte, ob auch 
aus der Stadt Tiburnia eine ähnliche Sammlung geschickt w T erde und 
diese antworteten, auch von dorther werde baldigst eine Sendung kommen, 
gab er ihnen voraus bekannt, dass die Einwohner von Tiburnia mit der 
Uebersendung zögerten und dass ihre Gaben deshalb den Barbaren 
werden preisgegeben werden müssen. Dies traf ein; die Bürger von 
Tiburnia wurden von den Gothen, die sie belagerten, gezwungen, die 



l ) In seiner Ausgabe des Eugipius (1595), Oap. 17. 

a ) Sitzungsber. der k. Akad. d. W. XV11. (1855), S. 77. Note. 

8 ) Sitzungsber. der k. Akad. d. W. XCI. (1878), S. 797, Note. 

4 ) C. 31. Vgl. damit das durum barbarorum imperium, durcli welches die 
Körner in den Donaustädten selbst in Mangel geriethen. C. 17, — und die injusta 
barbarorum dominatio in C. 40. 

6 ) Zur Topographie der Kömerorte iu den Ber. und Mitt. des Altert.- Ver. 
zu Wien. XVII. (1878;, S. 309, Sep.-Abdr. 33. 



15 

schon vereinigte Sammlung, welche sie gezaudert hatten, an den Mann 
Gottes (St. Severin) zu schicken, den Feinden auszuliefern. 

Ferner heisst es im 21. Capitel, St. Severin habe den Presbyter 
Paulinus, der einige Tage zum Besuche bei ihm war, beim Abschied 
aufgefordert, sich zu beeilen, nach Hause zu kommen, weil ihn die 
bischöfliche. Würde erwarte. Auch diese Vorhersagung gieng in Erfüllung, 
„denn die Bürger von Tiburnia, welches die Hauptstadt von Noricum 
ist, zwangen den vorgenannten Mann, die Würde des höchsten Priester- 
amtes zu übernemen". l ) Tiburnia war die Hauptstadt von Noricum 
mediterraneum ; wäre in unserer Stelle der uferländische Anteil der 
Provinz gemeint, so würde Lauriacum, wo damals St. Gonstantius Bischof 
war (C. 30), genannt worden sein. 

An einer andern Stelle (C. 25) verkündete St. Severin irgend 
einem Manne aus Noricum, quidam de Norico, Namens Maximus, der 
ihn ebenfalls besucht hatte, sein (des Maximus) Vaterland werde sehr 
bald schwerer Verheerung preisgegeben sein. Auf das kehrte Maximus 
schleunig mit Briefen zurück, welche ihm St. Severin an den heil. 
Paulinus mitgab. Nach dem Inhalt dieser Briefe schrieb St, Pauliuus 
in allen Orten (Castelle) seiner Diöcese ein dreitägiges Fasten aus, nach 
dessen Vollendung die Alemannen in grossen Schaaren einbrachen und 
alles verwüsteten, während die Castelle unversehrt blieben. Also, das 
Vaterland des Maximus aus Noricum ist der binnenländische Teil der 
Provinz mit der Hauptstadt Tiburnia, wo St. Paulinus Bischof war. 

Endlich gehört hieher jene schöne Erzählung in Capitel 29, welche 
die Wanderung des eben genannten Noricensis Maximus über das Hoch- 
gebirge zu dein heil. Severin betrifft. Von feurigem Glauben entbrannt, 
begab er sich mitten im Winter, in welchem die Wege jener Gegend 
durch starrende Kälte verschlossen sind, zu dem Heiligen in tollkühner 
Wagnis oder vielmehr, wie es nachher an den Tag kam, in unverzagter 
Hingebung, begleitet von sehr vielen, die auf ihrem Nacken Kleider für 
die Armen und Gefangenen trugen, Liebesgaben der Noriker, um sie 
zu St. Severin (nach Favianis) zu bringen. Auf dem Gipfel der Alpen 
schneite es über Nacht so dicht, dass sie von allen Seiten, auch von 
oben her (durch die beschneiten Baumäste) wie in einer Fallgrube ein- 
geschlossen wurden. In dieser verzweifelten Lage sah Maximus im 
Schlafe den heil. Severin vor sich stehen und hörte seine Worte, sie 
sollten sich nicht fürchten und die Wanderung fortsetzen. Dies thaten 



*) „Nam cives Tiburniae, quno »»st metropolis Noriei, «oegerunt praedictum 
virum »umini sacerdotii suseipere prineipatum". 



IG 

sie nun auch und wurden von einem grossen Bären, der vor ihnen her 
den Weg bahnte, fast 200 Milien weit, auf sicherem Wege, zu den 
Wohnungen der Menschen (usque ad habitacula hominum) geleitet. Der 
Heilige war durch seine Sehergabe von der Art ihrer Rettung schon 
in Kenntnis und verrieth dies, indem er, als ihm die Ankommenden 
gemeldet wurden, ausrief: „Der Name des Herrn sei gepriesen! Es 
mögen eintreten, denen der Bär den Weg bahnte". In dieser Erzählung 
erscheinen die Norici deutlich als Bewohner des binnenländischen Noricum 
charakterisiert, indem gesagt wird, dass sie die Alpen (summa Alpiuui 
cacumina) überschreiten mussten, um von ihrer Heimath zu St. Severiu 
zu gelangen. 

Bei Eugipius finden sich nur die eben angeführten Stellen, in 
welchen er von Noricum und Norici schlechtweg spricht. Und alle diese 
Stellen bringen diese Namen durch Hinweisung auf Tiburnia oder auf 
den Bischof St. Paulinus von Tiburnia oder durch die Andeutung des 
Weges über das Hochgebirge in so enge Verbindung mit dem binnen- 
ländischen Anteil der Provinz, dass ein Zweifel über den Sinn dieses 
Ausdruckes nicht mehr gestattet ist. 

Selbstverständlich konnte bei diesem Verhältnis der Dinge St. Severin 
die Rückkehr der beiden nach Noricum gesendeten Männer Marcianus 
und Renatus nicht schon am dritten Tage erwarten: man macht einen 
Weg von 200 Milieu (40 deutsche Meilen) nicht in drei Tagen hin und 
wieder zurück. Wol aber war dies möglich, wenn der heil. Severin in 
oder nächst Wien sein Kloster hatte und jene Männer in die nächst- 
liegenden Teile von Ufer-Noricum schickte. Wir sehen also, die Auffas- 
sung, die unser Gegner von jener Stelle hat, beruht nicht auf dem Texte 
des Originales, sondern ist in diesen hineingetragen und eine Folge der 
Ansicht, welche Favianis mit Wien identificiert. Es sei nebenher bemerkt, 
wie sehr dabei der Sinn jener Stelle auch in anderer Beziehung mis- 
verstanden wird. Eugipius erzählt den Vorfall in Oapitcl 37 als einen 
Beweis der prophetischen Gabe des Heiligen. Ohne dass irgend ein Grund 
zu einer Besorgnis um die Abgesandten vorlag, erkannte dieser vermöge 
seiner Sehergabe zu einer bestimmten Stunde des dritten Tages die Ge- 
fahr, in der sie in der Ferne schwebten und ihre Befreiung. Hingegen, 
wenn nach der Deutung Sembera's ihr Ausbleiben am dritten Tage, an 
dem ihre Rückkehr längstens erfolgen konnte, die Ursache einer Besorgnis 
für den Heiligen war, so wird uns die letztere als etwas ganz Natürliches 
— zumal in jenen gefahrlichen Zeiten — erscheinen : dann bedurfte es 
wahrlich nicht der Sehergabe, um besorgt zu sein. Endlich ist es ganz 
gegen den Sinn der betreffenden Stelle überhaupt an eine Besorgnis zu 



17 

denken, da ja der Heilige zugleich die Gefahr und die Befreiung ver- 
kündigte. Dies gab Anlass zu erbaulichem Gebete, aber zu keiner Furcht. 

Wir sehen also, schon lange bevor Seinbera diesen seinen dritten 
Grund für die Identität wiederholte, war die Unhaltbarkeit desselben 
dargethan. 

4. In seinem vierten Grunde bespricht der Verfasser jene 
topischen Namen, welche Eugipius aus der Nähe von Favianis er- 
wähnt und die sich in der Umgebung von Wien wieder finden : Ad 
Vineas. Burcus (sie), Tigantia (Bach) und die St. Johanneskirche bei des 
Heiligen Kloster. 

Man hat sich in unserer Frage von jeher viel mit diesen Orts- 
namen gequält, in beiden Lagern; ich glaube mit Unrecht, weil die 
Angaben, von deneu sie begleitet werden, genauer besehen, zu wenig 
prägnant sind, um auf einen einzelnen, heutigen Ort mit zwingender Be- 
stimmtheit bezogen werden zu können ; sie können vielmehr und wurden 
in der That mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit auf die ver- 
schiedensten Oertlichkeiten gedeutet. Dabei ist es charakteristisch, dass 
die Identitisten sich ihrer mit Vorliebe bemächtigt haben, während sie 
andere, in der That prägnante topische Angaben konsequent übersehen. 

Es würde also an und für sich nach unserer Meinung keine Be- 
einträchtigung der Streitfrage sein, wenn wir diese Namen nicht weiter 
berücksichtigten. Allein der Umstand, dass ein Uebergehen dieses Punktes 
im geguerischeu Lager in dem Sinne gedeutet werden könnte, als suchten 
wir ihm aus dem Wege zu gehen, bestimmt uns, auch darüber Bemer- 
kungen zu machen. 

Nach Eugipius, Capitel 4, begab sich St. Severin, nachdem er 
schon in Favianis eingetroffen und der Stadt Hilfe gebracht hatte, in 
einen entfernteren Ort (in locum remotiorem), der ad Vineas genannt 
wurd<\ zur Contemplatiou, zufrieden mit einer kleinen Zelle ; er wurde 
aber durch göttliche Offenbarung angetrieben, zurückzukehren, so dass 
er, obwol ihn die Ruhe der kleinen Zelle ergötzte, doch gehorsam dem 
Befehle Gottes nicht weit von der Stadt (haud procui a civitate [Favianis]) 
ein Kloster gründete, wo er sehr viele im heiligen Berufe auszubilden 
anfieng, mehr durch Handlungen, als durch Worte sie belehrend. Er 
selbst aber gieng öfter zu einem abgelegenen Gebäude (secretum habi- 
taculum), welches eine Milio (24 Minuten;, nach andern Handschriften 
fünf Milien (eine deutsche Meile) von Favianis entfernt lag und Burgum 
genannt wurde, um dort, ungehindert von den Besuchen der Menschen, 
die zu ihm zu kommen gewohnt waren, in beständigem Gebete mit Gott 
zu verkehren. 

BUtt. d. Vereines f. Lamlesk. 1882. 1, 2 u. 3, 2 






18 

In einem dem Weinbau so günstigen Landstriche, wie es die 
Umgebung von Wien ist, glaubte man in dem Ortsnamen ad Vineas 
eine Bestätigung der Identität von Favianis und Wien zu finden, man 
rieth bald auf lleiligenstadt, bald auf Sievering. §embera glaubt ihn mit 
vieler Wahrscheinlichkeit „auf den Nussberg bei Heiligenstadt (vielleicht 
die Lieblingsschlucht Beethovens)" beziehen und damit auch „den Namen 
Heiligenstadt (Heiligenstätte, locus sanctus) als Andenken an den dortigen 
Wohnort des heil. Severin (Pfarre und Nachbarhaus bei St. Jakob) u 
erklären zu können. 

Wie ich schon in meiner letzten Abhandlung über Favianis bemerkt 
habe, 1 ) steht dieser Bestimmung ein gegründetes Bedenken entgegen. 
Man darf von einem Ortsnamen erwarten, dass er ein charakteristisches 
Merkmal angebe, durch welches der damit bezeichnete Ort von jedem 
andern Orte der Umgebung unterschieden werden könne, dies besonders 
in unserem Falle, in welchem diese Umgebung etwas weiter zu nemen 
ist, als die nächste Nähe von Favianis, da ad Vineas ein entfernterer 
Ort (locus remotior) genannt wird. 

In einem mit Weinbau gesegneten Landstriche wird nun nicht blos 
an einer und der andern Terrainstelle, sondern es werden an vielen 
Stellen Weingärten oder Weinberge, wenn man so will, existieren: es 
würde also in einem solchen Landstriche nicht genügen, einen bestimmten 
einzelnen Ort von andern mit d«'iu blossen Ortsnamen ad Vineas zu 
unterscheiden, sondern es müsste irgend ein Beisatz, sei es der Name 
des Besitzers oder ein Wort, das eine individuelle Eigenschaft eines be- 
stimmten Weingartens irgendwie bezeichnet, beigefügt werden, um diesen 
zu charakterisieren. 

Dagegen in einem Landstriche, der dem Weinbau nicht günstig 
ist, in welchem nur ausnarasweise, an besonders sonnig gelegenen Stellen 
Wein gezogen wird, werden nur wenige Weingärten vorhanden sein ; da 
genügt der allgemeine Name ad Vineas, um eine bestimmte Oertliehkeit 
aus einem weiteren Umkreise hervorzuheben und von andern Terrain- 
steilen zu unterscheiden. Es möge gestattet sein darauf hinzuweisen, dass 
auch heutzutage Ortsnamen, wie: Weingarten, Im Weingarten, Weinberg 
u. dgl. gerade in der Umgebung von Wien nicht vorkommen, wol aber 
in den an Weinbau weniger ergiebigen Gegenden des Landes. 2 ) 

M Ber. und Mitt. des Altert.-Vcr. zu Wien. XIX. (1880). S. 5fi. Note 1. 
Sep.-Abdr. S. 8. 

-) Vgl. die Ortschaft Weingarten (Herrschaft Ternl»erg) bei Pitteu. Kine 
Vorstadt von Linz, nahe der Kapuzinerkinrhe. heisst Weingarten, tiiu Seliloss 
bei Kefennarkt im Mülil kreis heisst Weinberg; ein Ort bei St. Polten Weinburg. 



19 

In gleicher Weise giebt auch in unserem Falle der Name ad Vineas 
durch den Mangel eines näher bezeichnenden Beisatzes zu erkennen, dass 
dtr betreffende Ort nicht im Weinland unter dem Wienerwalde, sondern 
in den weiter aufwärts gelegenen, weinannen Gegenden des nori sehen 
Uferlandes gesucht werden müsse. Mehr können wir für unsere Frage 
aus jenem Namen mit Bestimmtheit nicht folgern. Doch sei hier im 
Vorübergehen erwähnt, dass an einer andern Stelle seiner Schrift (Neue 
Ausgabe S. 13) unser Gegner die Bestimmung von Favianis auf Mautern 
u. A. damit bekämpfen will, es seien in der Nähe dieses Ortes zwar 
Weingärten vorhanden, jedoch mitten unter Getreidefeldern, von denen 
sich „wol" keiner zu dem Gebet- oder Lieblingsorte des Heiligen ge- 
eignet hätte. An und für sich ist diese Behauptung insoferne unrichtig, 
als es bei Mautern. zwischen Hundsheim und Furt, dann gegen Palt 
hin zahlreiche Weingärten auch in grösseren Compiexen giebt, wie ich 
aus der mündlichen Versicherung eines ihrer Besitzer weiss. Abgesehen 
davon aber unterstützt die Aussage Sembera's meine Ansicht, indem das 
Auftreten eines Ortsnamens ad Vineas in einer Gegend, in welcher im 
Ganzen und Grossen der Weinbau doch sporadisch auftritt, leichter zu 
erklären ist, als in der weinreichen Umgebung von Wien. Es muss 
übrigens wiederholt betont worden, dass es sich dabei nach dem Wort- 
laute des Originales keineswegs um die nähere Umgebung von Mautern 
haudelt. In dieser Hinsicht stoben sich der Ort ad Vineas und das 
Burgum gegenüber, jenes als die ursprüngliche und entfernter liegende 
Zuflucht des Heiligen, um ungestört beton zu können, dieses als die 
nähere, spätere. Da nun letztere ein oder fünf Milien von Favianis ent- 
fernt war. müssen wir den Ort ad Vineas in einer beträchtlich grösseren 
Entfernung von Mautern suchen. 

Der Name Burg us oder Burgum bezeichnet ein kleines Castell. 
einen befestigten Wachposten, dergleichen an tauglichen Punkten, jenen 
Stellen der Donau gegenüber, angelegt waren, an welchen die latruneuli. 
die jenseitigen germanischen Kaubschaaren, Gelegenheit landen, unbemerkt 
herüber zu kommen Uripam omnem burgis a solo exstruetis item prae- 
sidifjjs per loca opportuna ad clandestinos latruneulorum transitus oppo- 
sitis munivit - ). 1 ) Sie lagen an exponierten Stelleu der Reiehsgrenze, 
zwischen grösseren Castellen, sowol um deren Verbindung herzuhalten, 



dazu kommen Weinlin«: hei IV«rgstall, <lie Weinzierl am Uiedenhervr. am Walde 
bei Scheibbs und bei Per«: (OU>rÖsterreieh. .Mühlviertel) u. a. m. 

') Diese Definition «jiebt wörtlich ein bei Batta gefundener InsehriftKtein 
aus der Zeit des K. Com modus vom Jahre 18f>. C. J. L. III. 1, 3385. 



20 

als auch etwaige Bewegungen der Feinde zu liberwachen, Uebergänge 
derselben über die Grenze selbst hintanzuhalten oder den nächst grös- 
seren Castellen durch Signale anzuzeigen. Das war ihre Aufgabe auch 
in späterer Zeit. 1 ) Sie haben als kleinere Werke meist keine eigenen 
Namen, sondern werden mit dem Gattungsnamen schlechthin Burgi oder 
Burga genannt. 

Etwa achtzig Jahre, bevor St. Severin nach Noricum kam, wurden 
die Castelle an der mittleren Donau von Neuem hergestellt. Aus dieser 
Zeit stammen zwei Inschriften, die nicht minder lehrreich für den Begriff 
Burgus sind, als die obenangeführte Inschrift aus Batta. 

Bei Ips bestand ein solches Werk, das nach dem Wortlaute der 
betreffenden Inschrift die auxiliares Lauriacenses im Jahre 370 erbaut 
hatten („hunc burgum a fundamentis ad summam manum perduxserunt 
perfectionis")*: *) von einem andern kleinen Castelle, welches bei Gran 
stand, sagt eine dort gefundene Inschrift „Foseanus, der praepositns der 
legio 1 Martioruni, habe mit den ihm zugewiesenen Soldaten diesen Burgus. 
welcher den Namen Commercium trägt, im Jahre 371 binnen 48 Tagen 
von Grand aus aufgebaut" („ — a fundamentis et construxit et ad sum- 
mam manum operis in diebus XXXXVIII fecit pervenire"). 8 ) Man ersieht 
aus der Dauer des Baues, dass es sich hier nicht um ein grösseres 
Castell handelte: beide Burgi sind aber von Soldatenhänden hergestellt 
worden, waren also militärische Werke. Da solche Bauten in der Nähe 
von allen grösseren Standlagern vorkamen, kann das Burgum bei Favianis 
nicht mit voller Beweiskraft zur Bestimmung dieses Ortes verwendet 
werden. 

Nur auf zwei Merkmale, welche in den Worten des Eugipius 
„secretum habitaculum. <[Uod burgum appellabatur ab accolis" liegen, 
möchten wir hinweisen. Es war nach dem Begriffe des Wortes Burgum 
erstlich ein gemauertes Gebäude, das aber zweitens längst verlassen war, 
d. h. keine Besatzung hatte. Dieses letztere stimmt sehr gut zu den da- 
maligen Verhältnissen von Ufer-Noricum, wo es selbst in den grösseren 
Castellen, wie Favianis war. an Soldaten, Waffen und Sold mangelte 
(C. 4 und 20), während gleichzeitig in Ober-Pannonien die Ostgothen 



l ) Jnstinian. Codex. I. 27. 2 „UM ante invasioneiu Vandaloruin res publica 
fines habuerat et ubi custodes antiqui servabant. sicut ex ehiustris et luiriri* 
outenditiir' 4 . 

a ) Cwrp. Inser. lat. III. 2. 5«370a. 

8 ) Ebenda. III. 1. 3653. 



21 

die Grenzeastelle besetzt hielten. 1 ) Ein solches verlassenes Burgum bei 
Favianis wählte sich nun der Heilige, um unbehindert von den Menschen 
dem Gebete obliegen zu können. 

Was macht nun unser Gegner aus dem Burgum des Eugipius? 
— Ein Kieferwäldchen oder überhaupt ein Wäldchen! (S. 21). 
Durch vieljährige eingehende Studien ist er zur Ueberzeugung gelangt, 
dass die ältesten oder vorhistorischen Bewohner Niederösterreichs Slaven 
waren ; er giebt auch an, durch welche Folgerungen er zu diesem 
Schlüsse gekommen sei (S. 19). Daher werden auch viele heutige Orts- 
namen von Niederösterreich , darunter Favianis und Wien , Döbling, 
Weidling, Liesing, Rodaun, Mödling, Kaienberg, Als u. s. w. aus 
slavischen Wurzeln erklärt. 

Nun findet sich in der Vaticanischen und der Mailänder Abschrift 

i 

der Vita des Eugipius statt burgum „burcus u geschrieben; letzteres 
„ zeige ohne Zweifel auf eine slavische Bevölkerung in der Umgebung 
von Wien hin. Burek, Genit. : burku, bedeute in der Sprache der nächsten 
Slaven im Pre&sburger Komitate ein Kieferwäldchen (überhaupt ein 
Wäldchen, böhm. borek) und mit einem entsprechenderen Worte lasse 
sich der locus secretus in der bezogenen Stelle des Eugi- 
pius kaum wiedergeben/' 

Wir verweilen hier einen Augenblick. Es fällt uns nicht bei, den 
Herrn Gegner auf das Gebiet der slavischen Philologie zu begleiten und 
seiner Ansicht über die Nationalität der vorhistorischen Einwohner von 
Niederösterreich entgegenzutreten. Das ist nicht unsere Sache. 2 ) Näher 
liegt es uns aber zu fragen, woher es kommt, dass der geehrte Herr 
Verfasser den Ausdruck s e c r e t u m h a b i t a c u 1 u in, den er selbst 
wörtlich nach Eugipius citiert, sechs Zeilen weiter in einen ..locus 
secretus" umwandelt? 

Ein Kieferwäldchen kann allerdings ein locus secretus sein ; kann es 
aber auch ein habitaculum secretum genannt werden ? Uns scheint, der 
Herr Verfasser selbst hat gefühlt, dass dies nicht möglich sei ; er glaubt 
sich nun helfen zu können, indem er einen Ausdruck einführt, den das 
Original in der ganzen betreffenden Stelle nicht enthält. 



M Dass ihnen diese von K. Marcianus eingeräumt wurden, ist selbstver- 
ständlich: bezüglich ihrer Nachfolger, der Langobarden, ist dies auch ausdrücklieh 
bezeugt. Proeop. de belli» Gotli. III. 33. 

*) Gegen die im ersten Abdruck jener Schrift vorgebrachten Ableitungen 
von Ortsnamen aus dem Slavischen hat schein 1872 Dr. M. Mueh an derselben 
Stelle sieh ausgesprochen. S. Blatt, d. Vor. f. Landesk. v. Niederösterr. N. F. 
VI. < 1872), S. HO f. 



22 

Wenn nach der in Ips gefundenen Inschrift ein im Jahre 370 von 
den Soldaten erbautes Fort Burgus heisst, müssen wir nicht schliessen, 
das von Eugipius aus der Zeit um 454 erwähnte Burgum von Favianis 
sei eben auch ein solches Fort gewesen? Die Form Burcum, gleichen 
Sinnes wie Burgum, aber mit c geschrieben, kehrt in französischen Ur- 
kunden des XIII. Jahrhunderts wieder. 1 ) Es kann hier aber auch ein 
Schreibfehler (bureus für burgus) unterlaufen, der sich bei der in dem 
Vaticanischen und in dem Mailänder Codex (ersterer stammt aus dem 
Ende des IX., dieser aus dem Ende des X. oder dem Anfange des 
XI. Jahrhunderts) *) angewendeten Schreibweise zu leicht jius der Aehn- 
lichkeit der verwechselten Buchstaben erklärt, als dass wir ein Recht 
haben sollten, das Wort Burgus, das in der Ipser Inschrift lateinisch 
ist, für Favianis auf eine slavische Wurzel zurückzuführen. 

Um in unserer Betrachtung weiter zu gehen, verlegt Sembera jenes 
Wäldchen bureus nach Sievering „mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit", 
wie er ad Vineas auf den Nussberg verlegt, und zwar aus zwei Gründen : 
1. weil die Nachbarschaft von Sievering — waldig ist, 2. weil die Tra- 
dition an diesem Orte (welche uns noch beschäftigen wird) auf diese 
Weise aufrecht erhalten werden kann (S. t>). 

Beide Gründe sind ebenso triftig, als es jene sind, mit welchen 
er S. 13 die Gleichstellung von Favianis und Mautern widerlegt. Wir 
erwähnen ihrer bei dieser Gelegenheit, um dem Leser zu zeigen, welches 
Gewicht diese haben. Er sagt dort, es finde sich in der Umgebung von 
Mautern kein „einsames, zur ungestörten Andachtsverrichtung geeignetes 
Wäldchen , bureus genannt , und kein solcher Obstgarten , wo der 
unfolgsame und genäschige Küster Maurus mit seinem Begleiter hätte 
entfuhrt und über die Donau (doch wol nicht nach Krems oder Stein) 
in Sicherheit gebracht werden können 1 * (Eugipius, Vita C. 10). 

Der Bachnamen Taguntia oder Tigantia hat nach Sembera eine 
grosse Aehnlichkeit mit dem Namen Tagnitz (sie) oder Dagnitz, ..wenn 
auch dessen Entfernung (von Wien) mit der in der Vita (0. 4) ange- 
gebenen nicht ganz übereinstimmt". Alle Abschriften der Vita geben 
diese Entfernung auf zwei römische Milien (gleich 48 Minuten Weges) 
an, während die Dagnitz an ihrer nächsten Stelle 14 Milien von Wien 
entfernt ist. Dieser Umstaud macht die Beziehung der Tigantia auf die 
Dagnitz illusorisch, während die Fladnitz in der That in der bezeichneten 
Entfernung bei Mautern vortiberfliesst. 



*") Sauppe Prooemium p. IX. 
a ) Du Gange, Glossarium s. v. 



23 

Endlich macht der Verfasser aufmerksam auf den Umstand, dass 
in der Nähe von Favianis eine St. Johanneskirche genannt werde, 
ebenso wie in Boiotro (Beiderwies bei Passau) eine Taufkirche dieses 
Heiligen neben der von St. Severin erbauten Cellula bestand ; auch in 
Wien habe eine St. Johanneskirche (St. Johann an der Als) existiert. 1 ) 
Dieses Zusammentreffen spreche für die Identität von Favianis und Wien. 

Die beiden von Eugipius genannten St. Johanneskirchen werden 
die eine, von Boiotro, Baptisterinm (C. 22), die andere, von Favianis, 
basilica (C. 23) genannt; wahrscheinlich waren beide Taufkirchen, wie 
deren in ältester Zeit neben den Kathedralen und, wie wir aus unseren 
Fällen ersehen, auch neben jenen Kirchen, deren Vorsteher das Recht 
zu taufen hatten, abgesondert bestanden ; sie waren zumeist dem heil. 
Johannes dem Täufer gewidmet und sind gewöhnlich sehr alt. Da ihrer 
an verschiedenen Orten vorkommen, glaube ich, dass sie in unserer 
Frage, so wenig als die Burgi, für die Gleichstellung eines heutigen 
Ortes mit Favianis verwendet werden können. 

Wenn sich übrigens Sembera auf das St. Johanneskirchlein an der 
Als beruft, so genügt es vielleicht, darauf hinzuweisen, dass auch 
ausserhalb Mautern eine kleine St. Johanneskirche bestand und 
noch heute besteht, die wir unserem Grundsätze bezüglich dieser topischen 
Anzeichen getreu in den älteren Abhandlungen nicht erwähnt haben. 
Alois Huber *) sagt über sie: „Und dass die kleine einzeln stehende 
St. Johanneskirche nächst Mautern, in der noch wöchentlich celebriert 
wird, die Erinnerung an das ursprüngliche Baptisterinm des Missions- 
sprengeis bewahre, scheint sicher zu sein". Es wird, so denken wir, 
dem Kirchiein bei Mautern die gleiche Beweiskraft zukommen, wie jenem 
an der Ais. 

5., 6. Wir lassen einstweilen den fünften Grund bei Seite, da wir 
später auf ihn zurückkommen werden und wenden uns dem sechsten zu. 

Erst mit diesem berührt unser Gegner einen der Kernpunkte der 
Frage, freilich, um ihn mit wenigen Worten abzuthun. Der Anonymus 
Valesii (oder nach G. Waitz der Bischof Maximian von Ravenna, 540 bis 
552) bezeichnet den heil. Severin als monachus intra Pannoniam. 3 ) 
also als Mönch innerhalb von Pannonien, das besage nichts anderes, als 

*) Sie stand an der Stelle des heutigen bürgerlichen Versorgungshanses 
(Währingerstrasse). K. Weiss, Gesell, v. Wien. I. 171. 197. 

*) Gesch. der Einführung und Ausbreitung des Christentums in Südost- 
dentschland. IV., 313. 

•) Gott. gel. Anzeigen 1H65. 112. - Ssiuppe im prooeminin zur Vita 
8. Severini p. VIII. 



24 

Favianis sei ein pannonischer Ort gewesen; umsomelir müsse dies für 
sicher gelten, als der Anonymus sich ausdrücklich auf die Schrift des 
Eugipius beziehe und als er für eine historische Quelle ersten Ranges 
anzusehen sei. 

Schon in meiner letzten Schrift über Favianis habe ich hervor- 
gehoben, dass nicht blos der Anonymus Valesii, sondern ein, Eugipius 
noch näher stehender Zeitgenosse einen ähnlichen Ausdruck gebraucht 
und zwar in einem Briefe, den er an Eugipius selbst und obendrein 
über dessen Vita St. Severini schrieb. Dieser Zeitgenosse ist der Diacon 
Paschasius. Eugipius hatte ihm seine Schrift zugesendet und ihn ge- 
beten, er (Paschasius) möge dieselbe als Materiale oder als Skizze be- 
trachten und in einem, der Wunder des heiligen Mannes, dessen Thaten 
sie erzähle, würdigen, zierlichen Stile bearbeiten. Darauf antwortete nun 
Paschasius in dem eben erwähnten Briefe, er halte eine Umarbeitung für 
nicht nötig, Eugipius habe so lebenswahr und klar geschrieben, dass er 
nichts hinzufügen zu können glaube. 

Beide Briefe, jener des Eugipius an Paschasius und die Antwort 
des Letzteren, sind erhalten und den meisten Abschriften der Vita, sowie 
ihren Publikationen als eine Art von Vorrede beigegeben. Jeder von ihnen 
enthält eine für unsere Frage wichtige Stelle über St. Severin. Eugipius 
sagt gegen Ende seines Schreibens, dass er über das Vaterland und die 
Abstammung des Heiligen keinen Nachweis habe. Der Heilige habe ein- 
mal eine direkte Anfrage darüber zurückgewiesen, und Niemand habe 
weiter darüber zu fragen gewagt. Seine Sprache habe aber den Lateiner 
verrathen und bekannt sei, dass er früher in dem Streben nach einem 
vollkommeneren Leben in eine Einöde des Orients gereist und von dort 
späterhin, angetrieben durch göttliche Eingebung, zu den Städten von 
Ufer-Noricum gekommen sei, welche dem oberen Pannonien benach- 
bart und durch häufige Einfälle der Barbaren bedrängt gewesen seien. 1 ) 
Nach dieser Aeusserung des Eugipius kam der Heilige in das untere 
Ufer-Noricum, also in die Gegenden zwischen der Ens und dem 
Wienerwalde, mit andern Worten in das Viertel ober dem Wienerwalde. 

Paschasius hingegen sagt zu Anfang seines Antwortschreibens, 
Eugipius habe ein vorzügliches Werk geschrieben, indem er das L«*ben 
und die Sitten des heil. Severinus, welcher die G r e n z - P r o v i n z e n der 
Pannonier bewohnte, 2 ) auf das Wahrhaftigste dargestellt habe. 



l ) „ atqne inde post ad Noriei ripensis oppida, Pannen hie supo- 

riori vi ei na divina compulsum Visitation? venisso — — u 

*) — — beati Severini finitimas Pannoniorum provincias inoo- 
leutis — — 



25 

Selbstverständlich kann der hier vorwaltende Widerspruch nur ein 
scheinbarer sein. Denn Niemand wird glauben wollen, dass Paschasius, 
der doch eben die Schrift des Eugipius gelesen, der Aussage des Letz- 
teren entgegen, absichtlich oder irrtümlich den heil. Severin als Bewohner 
des oberen oder unteren Pannonien habe bezeichnen wollen. Es kommt 
also auf die Erklärung dieses Widerspruches an. Wie ich wiederholt 
bemerkt habe, 1 ) bezeichnet der Name Pannonia ohne Beisatz superior 
oder inferior und der im Stile jener Zeit dafür gesetzte Volksname Pan- 
nonii nicht eine der beiden Provinzen dieses Namens — letztere werden 
stets und auch von Eugipius durch Beifügung von superior (0. 1) und 
inferior (C. 5) gekennzeichnet — sondern bald diese beiden Provinzen 
zusammen, im Gegensatz zu einer andern Provinz, bald das gesammte 
Verwaltungsgebiet, welches nach seinen wichtigsten Provinzen Pannonia, 
zeitweise auch Illyricum hiess. Nach der Organisation des K. Diocletian, 
Ende des III. Jahrhunderts, umfasste die Dioecensis (sie) Pannoniarum 
die Provinzen: Pannonia inferior, Savensis, Dalmatia, Valeria, Pannonia 
superior, Noricus ripariensis (sie) und Noricus mediterranea. 2 ) Dieselbe 
Organisation finden wir am Ende des IV. oder Anfangs des V. Jahr- 
hunderts, also nur 50 und einige Jahre vor St. Severins Aufenthalt in 
unseren Ländern, in der Notitia dignitatum verzeichnet. 3 ) Der Name der 
Diöcese ist hier Illyricum, die Provinzen sind dieselben, nur wird Pan- 
nonia prima und seeunda, nicht superior und inferior genannt. 

Auch im VI. Jahrhundert dauert dieses Schema fort; wenn gleich 
schon beträchtliche Teile des Verwaltungsgebietes dem römischen Namen 
unwiederbringlich verloren waren, hielt man doch an demselben als einem 
hergebrachten geographischen Begriff, vielleicht auch um der Ansprüche 
willen, die nie aufgegeben wurden, fest. Nur linden wir wieder häufiger 
den Namen Pannonia für die Diöcese angewendet. 

Als die Ostgothcn unter Theoderich ein neues germanisches Reich 
in Italien gründeten, das unter scheinbarer Oberhoheit des oströmischeu 
Kaisers stand (493 — 520), erhielt der König auch Illyricum, d. i. alles 
Land bis zur Douau, also das Gebiet der Diöcese dieses Namens zu- 
gewiesen. 4 ) l r nd als nach seinem Tode die Langobarden nachrückten 



') Vgl. Zur Topographie der Könierorte in Niederüsterrei<*h, Her. u. Milt. 
des Altert.- Ver. in Wien XVII. (1878) S. 3()7 (Sop.-Abdr. S. 31) und Fuvianis, 
ebenda XIX. (188Ü) S. 52 (Sep.-Abdr 8. 4). 

*) Seeek, Ausgabe der Notitia, Berlin 1876, S. 249. 

») Occ. C. 2. — Seeek a. a. O. S. 109, 28 f. 

*) Es ändert an der Absicht der Zuteilung nichts, dass von Xoriciiiu nur 
das Binnenland ihm direkt unterstand, die Geriiianenstänime des Uferlandes, so- 



26 

(546). bekamen sie von Justinian d. Gr. Noricum und Pannonien, 1 ) so 
wie es Theoderich besessen hatte; gleichwol spricht Paulus Diaconus 
in der Geschichte der Langobarden immer nur von Pannonia und Pan- 
nonii, sowol beim Einzug als beim Auszug des Volkes im Jahre 568 ; 
er nimmt also Pannonia ebenfalls im weiteren Sinne des ganzen Ver- 
waltungsgebietes. 2 ) Bekanntlich überliessen im letztgenannten Jahre die 
Langobarden vertragsmässig ihre bisherigen Wohnsitze den Avaren. Dass 
diese auch Noricum bis zur Ens hinauf besetzten, ist aus den Eingen, 
die sie im Uferlande selbst anlegten, bekannt. 

Der Ausdruck Pannonia (Pannonii) schlechthin ist also in zwei- 
fachem Sinne gebraucht worden, bald in einem engeren Sinne für den 
wichtigsten Bestandteil des Verwaltungsgebietes, d. i. für die beiden 
Provinzen des Namens Pannonia im Gegensatz zu andern Provinzen des- 
selben Verwaltungsgebietes, bald in weiterem Sinne für die Gesammtheit 
des letzteren. Den crsteren Fall erläutert Eugipius trefflich selbst, indem 
er zu Beginn des ersten Capitels sagt: „In der Zeit, als der Hunnen- 
könig Attila starb, wurden beide Pannonien (utraque Pannonia) und die 
übrigen Grenzgebiete an der Donau (ceteraque confinia Danuvii) durch 
die schwankende Lage der Dinge beunruhigt. Damals nun verweilte der 
heilige Diener Gottes, Severinus, aus den Gegenden des Orientes an- 
kommend, an der Grenze von Noricum ripense und Pannonien (in vicinia 
Norici ripensis et Pannoniorum) in einora kleinen Städtchen, das Asturis 
heisst." Hier bezeichnet Pannonii die beiden Provinzen dieses Namens 
(utraque Pannonia), im Gegensatze zu Noricum ripense. 

Dagegen Paschasius, welcher den gedachten Brief im Jahre 511 
schrieb, als die Herrschaft Theoderichs noch feststand, zielt mit dem 
Ausdruck finitimas Pannoniorum provincias incolentis auf das gesammte 
Verwaltungsgebiet Pannonien, von welchem die beiden Noiica nur die 
an der äussersten Grenze desselben liegenden Bestandteile bildeten. In 
diesem Sinne gebrauchen dann auch der Anonymus Valesii und Paulus 
Diaconus den Ausdruck Pannonia und Pannonii. Besonders deutlich zeigt 
sich dies in der Stelle, welche die Historia miscella (I. 15) über Odoaker 



wie von Raetien und Vindelicien aber nur in einwn gewissen Abhängigkeits- 
verhältnis zu ihm sich befanden. 

*) Procop. de bello Goth. III. 33. Die JVo^wor no/.tj beruht wol nur auf 
einer ungenauen l'ebersetzung von Civitas, ein Wort, das in später Zeit nicht selton 
für Provinz (als Inbegriff aller Bürger) gebraucht wird. 

*) Z. B. II. 75, IV. 11, IV. 37. 



27 

hat: es heisst hier: 1 ) r Odoaker zog mit einer sehr tapfereu Menge von 
Herolern, vertrauend überdies auf die Hilfe der Turceiinger und Skiren, 
schleunig von den äussersten Grenzen Pannoniens nach Italien 
und kam, während er noch sein Heer durch die nori sehen 
Gefilde führte, von St. Severins, des Dieners unseres Herrn Christus, 
Kufe hörend, zu diesem, um ihn um den Segen zu bitten". 

Da eben damals die Ostgothen die beiden Pannonien im Auftrag 
des oströmischen Kaisers besetzt hielten und den Germanen, wie Eugi- 
pius bezuglich der Rügen selbst sagt (C. 5), den Durchzug nach Italien 
durch Ober-Pannonien verwehrten, musste Odoaker durch Noricum 
dahin ziehen. Seine Begegnung mit dem heil. Severin hatte statt, eben 
während er das Heer durch Noricum führte. Wenn Paulus bei dieser 
Sachlage sagen konnte, Odoaker sei ab extremis Pannoniae fmibus auf- 
gebrochen, so muss also auch die norische Donaustrecke zu diesen 
äussersten Grenzen Pannoniens gehört haben. Dieser Ausdruck stimmt 
vollkommen mit jenem des Paschasius (finitimas Pannonionim provin- 
cias incolentis) überein. Beide betrachten Noricum als einen Teil . von 
Pannonia, d. h. sie fassen dieses als Verwaltungsgebiet, nicht als die 
Provinzen Pannonien auf. 

Damit klärt sich jener scheinbare Widerspruch in den Briefen von 
Eugipius und Paschasius in vollkommen sachgemässer Weise auf; der 
Eine bezeichnet speciell die Provinz, der Andere im Allgemeinen das 
Verwaltungsgebiet, in welchem St. Severin lebte. Um diese Bezeichnungs- 
weise recht anschaulich zu machen, wiederholen wir an dieser Stelle 
ein von uns schon öfter angewendetes Beispiel. Wir werden vollkommen 
im Rechte sein, wenn wir einen Mann, der in Salzburg oder in Vorarl- 
berg oder in Görz oder in der Bukowina sich bleibend aufhält und da- 
selbst stirbt, einen Oesterreicher nennen; wir werden mit Recht sagen 
können, er habe in einer der Grenzprovinzen von Oesterreich oder er 
habe innerhalb Oesterreichs gelebt. Aber es wäre falsch, wenn wir um- 
gekehrt aus der letzteren Bezeichnungsweise folgern wollten, dass er in 
Ober- oder Unterösterreich gelebt habe oder, der Ort, an dem er sich 
bleibend aufgehalten, in Ober- oder Unterösterreich gelegen gewesen sei. 
Ebenso sind Paschasius und der Anonymus Valesii im Rechte, wenn sie 
von dem heil. Severin sagen, dass er ein Bewohner der Grenzprovinzen 



*) „Odoacer cum fortis.sima Herolorum multitiuline, fretus insuper Turci- 
Iingorum sive Scirorum auxiliis, Italiaiu ab extremis Panuoniai» finihus 
properare eontendit, qai, dum ad hu«; per Nori co nun rura exereituni ducit. 
copnita Severini fama, Christi domini servi, qui Ulis tu im; degebat in loeis, 
ad cum benedictionem petiturus accessit." 



28 

von Pannonien gewesen sei, dass er innerhalb von Pannonien gewohnt 
habe; aber es wäre grundfalsch, wenn wir daraus folgern würden, dass 
er in Ober- oder Unter-Pannonien sich aufgehalten habe. 

7., 8. In anderer Weise suchen die Identitisten den scheinbaren 
Widerspruch zwischen Eugipius und Paschasius zu erklären. Bevor wir 
darauf eingehen, ist es nötig, zu beobachten, wie die schon öfter ange- 
führten Stellen des Paulus Diaconus in der Langobarden-Geschichte und 
in der Historica miscella von unserem Herrn Gegner behandelt werden. 
Sie weisen so direkt auf den bleibenden Aufenthalt des Heiligen in 
Noricum hin, dass sie eine grosse Schwierigkeit für die Identitisten bilden ; 
man darf neugierig sein, in welcher Weise sie sich gegenüber von diesen 
Hindernissen beneinen. 

Sembera verwendet nun beide Stellen glattweg als den siebenten 
und achten Grund für die Identität von Faviauis und Wien. 

Man traut da wol kaum seinen Sinnen, wenn man liest, die erste 
Stelle des Paulus (in der Langobarden-Geschichte, I. 19: „in Ins Nori- 
cornm finibus beati tunc erat Severini coenobium") sei ein indirekter 
Beweis (S. 7), dass Faviauis in — Wien, also in Ober-Pannonien zu 
suchen sei ; denn Wien liegt ja doch an der Grenze von Noricum, also, 
wie Paulus sagt, „in his Noricorum finibus". Wir erlauben uns zwei 
Bemerkungen hiezu zu machen. Uns scheint, wenn dies gefolgert werden 
sollte, müsste es bei Paulus heissen, in his Pannoniae oder Pannonio- 
rum finibus, nicht in his Noricorum finibus; heutzutage wenigstens 
würden wir sagen, wenn z. B. von Salzburg die Rede wäre, „in den 
Grenzstrichen von Oesterreich 1 *, aber wir würden nicht sagen „in den 
Grenzstrichen von Bayern** ; wir würden die Grenze nach dem Lande 
bezeichnen, in dem der betreffende Ort liegt, nicht nach jenem Lande, 
in dem er nicht liegt. Zweitens übersehen die Identitisten kon- 
sequent, dass hier von der Grenze zwischen Noricum und Pannonien ja 
gar nicht die Rede ist, sondern von der Grenze zwischen Noricum 
und Rugiland, d. h. von der Donau. So unzweideutig, als es nur immer 
möglich ist, schickt Paulus voraus, dass das jenseitige Ufer, auf dem 
König Feletheus wohnte, nur durch die Donau von Noricum getrennt 
sei, und bezieht sich sofort auf diese Abgrenzung, indem er sagt: in his 
Noricorum finibus. Wenn Sembera in einer Note dazu bemerkt, dass 
Paulus als späterer Zeuge kein so grosses Gewicht habe und dass die 
Grenze zwischen Pannonien und Noricum manchesmal geändert worden 
sei, wie z. B. in Betreff von Petovio (Pettau), so wird dies wenig helfen, 
ihn aus der Verlegenheit herauszubringen. Denn wir können Paulus sofort 
aus des Eugipius Brief an Paschasius kontrolieren ; in diesem lieisst es, 



29 

dass St. Severin zu jenen Orten von Ufer-Noricuin, welche Ober- 
Pannonien benachbart sind, gekommen sei ; es heisst aber nicht, er sei 
zu oberpannonischen Orten, die dem Ufer-Noricum benachbart sind, ge- 
kommen. Daraus folgt, dass Paulus seine Quelle, den Eugipius, aufmerk- 
sam gelesen hat und richtiger wiedergiebt, als es noch immer in unseren 
Tagen geschieht. Die Grenze von Ufer-Noiieum und Ober-Pannonien war 
aber — selbst wenn sie hier in Betracht käme — nachweisbar schon 
im ersten Jahrhundert dieselbe, welche §embera selbst, und mit Recht, 
für das fünfte Jahrhundert annimmt, nämlich die uralte Grenze zwischen 
dem Viertel ober und unter dem Wienerwald, welche dem bei Greifen- 
stein an die Donau heraustretenden Höhenzuge folgt. 1 ) An dieser Grenze 
ist nichts geändert worden. 

Die andere Stelle des Paulus aus der Historia miscella (I. 15) 
erfährt eine ebenso eigentümliche Interpretation. Die Worte „qui, dum 
adhuc per Noricorum rura exercitum ducit, cognita Severini fama 
Christi domini servi, qui Ulis tuuc degebat in locis" sind unserem 
Gegner ebenfalls ein Beweis — und zwar der achte (S. 8) — dass 
Favianis in Wien zu suchen sei. Die Noricorum rura und die Uli loci 
sind ihm nämlich zwei verschiedene Oertlichkeiten, das folge aus 
den verschiedenen Ausdrücken : rura und loci. Da die rura als norisch 
bezeichnet werden, müssen daher die „loci*, in denen der Heilige lebte, 
ausserhalb der Noricorum rura gelegen haben: würden beide Bezeich- 
nungen auf dieselbe Gegend gehen, so hätte Paulus wiederholen müssen 
„qui illis tunc degebat in ruribus". Auch hier ignoriert unser Gegner 
das entscheidende Wort und zieht eine Nebensache in den Streit herein. 
Das entscheidende Wort ist, wie man sieht, nicht der Ausdruck loci, 
der zur Abwechslung für rura gebraucht ist, sondern das Wort illis: 
mit diesem Worte weist Paulus auf die rura hin, so gut als wir heute 
mit dem Ausdruck ..in jenen Gegenden" auf eine vorhergehende oder 
nachfolgende genauere Bezeichnung, welche Gegenden wir meinen, hin- 
deuten wollen. 

9. Um uns nicht länger bei solchen Kunststücken der Interpretation 
aufzuhalten, ziehen wir nun die Art und Weise in Betrachtung, in 
welcher die Identitisten jenen scheinbaren Zwiespalt zwischen des Eugi- 
pius und des Paschasius Aussagen zu lösen versuchen. Sie hat, wie 
wir glauben, das Entstehen der Identitätslehre bedingt: daher gehen 
wir zunächst auf deren Genesis ein. 



l ) Ueber diese Grenze habe ich gehandelt in den Her. und Mitt. 'h*s 
Altert.-Ver. zu Wien. XVII. (1878), S. 289 (Sep.-Abdr. S. 13;. 



30 

Während die Chronisten des hohen Mittelalters, von denen noch 
die Eede sein wird, die Odoaker betreifende Stelle aus der Historia 
miscella getreu wiederholen, finden wir bei dem jüngeren Bischof Otto 
von Freisingen (f 1158) zum Ersten Male einen Zusatz in die Stelle 
aufgenommen, welcher von einer neuen Auffassung der Lage von Favianis 
Zeugnis giebt. 

Wir setzen hier beide Stellen zur Vergleichung nebeneinander : 



Historia miscella I. 15. 
Odoacer cum fortissima Hcro- 
lorum multitudine fretus insuper 

ig 



Bischof Otto, Chronicon IV. 30. 

Odoacer natione Rhugus ex 
Ultimi s Pannoniae finibus 



Tnrciliugorum sive Scirornm auxi- ! cum Sciris - Tureelingis, Herulis ad 
,.. T ,. . A . ! invasionem ems proeinetum movjt. 
Ins Itaham ab extremis P an- ffic e ferra sua egregsils , 

noniae finibus properare con- dum per inferiores Noricas 

tendit. qui, dum adhuc p e r N o r i- partes v e 1 s u p e r i o r e m P a n- 

corum rura exercitum ducit, cog- noniam transiret, virum Dei Seve- 

nita Severini fama, Cliriati Domini rinum > Rnvennatensium episcopum, 

. .... A , . A . . . ! qui verbum Dei praedicans ]uxta 

servi, qui ilbs tuuc degebat in locis, , radiceg ( m0 ntis) Comogenis 

ad enm benedictionem petiturus ac- ; cellam construxerat, adiit eum- 

cessit. que de eventu rei consuluit. 

Man sieht daraus deutlich, dass Bischof Otto seiner Erzählung 
jene der Historia miscella zu Grunde legt, aber den Zusatz „per infe- 
riores Noricas partes v e 1 s u p e r i o r e m P a n n o n i a m" einschiebt 
und die Lage des Klosters des Heiligen am Fusse des Kaienberges 
genauer beschreibt, um damit seiner Ansicht von der Lage von Favianis 
an der Stelle von Wien zu entsprechen. In einer andern Schrift iden- 
tifiziert er beide Orte ausdrücklich. ] ) 

Dies ist das erste und älteste Auftreten der Identitätslehre; eine 
ältere Spur derselben haben weder die Verteidiger, noch die Gegner der 
Identität aufzufinden vermocht. Bischof Otto muss uns also als der erste 
literarische Vertreter derselben gelten. An einem andern Orte habe ich 
die Vermutung ausgesprochen, 2 ) dass er seine Ansicht schon am Hofe 
seines Vaters, des heil. Leopold, Markgrafen von Oesterreich, am Kaien- 
berge vorgefunden habe und in ihr bestärkt worden sei durch den Klang 
des Namens Wienne des vor dem Kaienberg liegenden Ortes mit. seinen 
damals sicher noch ausgedehnten Ruinen einer Römer-Stadt, deren alten 
Namen Vindobona man aber wahrscheinlich nicht kannte. Wienne, 



\) De rebus gestis Krideriei impt.*ratoris. I. 32. 

2 ) Favianis. Ber. und Mitt. des Altert.- Vcr. zu Wien. XIX. (1880». S. 57 
(Si.'p.-Abdr. S. y). 



31 

oder wie Bischof Otto zum ersten Male und wol absichtlich schreibt: 
Vienis, ist dem zweiten Teile im Ortsnamen Fa — vianis sehr ähnlich. 
Nicht minder mögen ihn die Angaben von Paschasius und Anonymus 
Valesii (wenn er diesen kannte), die Paunonia als das Land bezeichnen, 
in dem St. Severin lebte, in seiner Ansicht bestärkt haben. 

Damit schien nun auch jener öfter genannte Widerspruch gelöst. 
Der Heilige lebte in Fa — vianis, dem Vienis des Bischofs Otto, und 
wirkte sowol hier, als auch in den benachbarten unteren Landstrichen 
von Ufer-Noricum. Mit dieser Lösung beruhigten sich die Identitistcn 
von jeher und auch noch heute. Für das XIT. Jahrhundert ist dies be- 
greiflich : eine sachgemässe Erklärung des scheinbaren Widerspruches 
aus der Organisation der römischen Provinzen war damals nicht möglich : 
eine tiefer eingehende Kritik gab es nicht. Aber auffallend ist es, dass 
von allen späteren Tdentitisten Keiner gemerkt hat, wie sehr diese Lösung 
zu dem Geiste, der in der Schrift des Eugipius herrscht, im Wider- 
spruch steht, und dass sie dem Andenken des Heiligen nicht zur Ehre 
gereicht. 

Fassen wir einmal des Eugipius Nachricht über die Aufgabe, welche 
der Heilige zu erfüllen hatte, und über die Art. wie er selbst sie auf- 
fasste, ins Auge. 1 ) In einer Einöde des Orients, in die er sich zurück- 
gezogen, vernimmt er den Ruf des Herrn: gehorsam macht er sich auf 
und gelangt, wunderbar durch die Gefahren einer unernicsslich langen 
Wanderung geführt ( „itineris immensi pericula se mirabiliter transiisse 
signilicans ki ) zu den Städten des Uferlandes von Noricum, die Pannonien 
benachbart sind. Hier wirkt er in Asturis, Commagenis und Favianis. 
Da ^schleicht ihn die Sehnsucht nach der Einsamkeit, er begiebt sich 
in einen entfernteren Ort ad Vineas, um Betrachtungen anzustellen ; allein 
auch von hier treibt ihn der Ruf Gottes hinweg, so dass er, obwol ihn 
die Ruhe seiner kleinen Zelle ergötzte, doch seine Sehnsucht bezwingt 
und, gehorsam gegen die Befehle Gottes, in der Nähe von Favianis sein 
ältestes Kloster erbaut. Nur nach dem fünf (nach dem Lateranensischen 
i.'odex eine) Milien entfernten Burguni begiebt er sich noeh zuweilen, 
um dem ungestörten Verkehre mit Gott nachzuhängen : aber je mehr er 
sich nach der Einsamkeit zurücksehnt, um so mehr wird er durch 
häufige Offenbarungen ermahnt, seine Gegenwart den bedrängten 
Gemeinden nicht zu entziehen. (Sed «jiianto solitudinem incoleie 
cupiebat, tanto crebris revelationibus monebatur, ne praesentiam suain 
populis denegaret afflictis.) 

*) Vgl. in. Abb. Zur Topographie «1er Römerorte in Nie«bTösterr. in <leu 
Bor. .und Mitt. den Altert.-Ver. zu Wien. XVII. <1878>, S. 306 (Sep.-Abdr. S. 30>. 



82 

Seine Berufung lautet also klar und unzweideutig auf die Städte 
des unteren norisehen Uferlandes, sie verlangt von dem 
Heiligen nicht blos zeitweilige Anwesenheit in denselben, sondern 
den fortdauernden Aufenthalt in ihrer nächsten Nähe. 
Das hängt zusammen mit dem Wesen seiner Mission, die nicht allein 
in der Anregung eines intensiveren religiösen Lebens, sondern auch in 
der Hilfe in den zeitlichen Nöten der Einwohner jener Städte, namentlich 
im Schutze gegen die häufigen Ueberfalle der Barbaren besteht. In der 
That befreit der Mann Gottes Comagenis (G. 2), Favianis (C. 4), Lau- 
riacum (C. 30), er übernimmt im eigentlichen Sinne des Wortes die 
Verwaltung des Landes, ordnet die Armenpflege, er steht für die Rettung 
Einzelner aus den Händen der Barbaren ein und hält Fürst und Volk 
der Rügen in den gehörigen Schranken. Auch die Ostgothen, welche 
das binnenländische Noricum überfallen, lassen das ihnen bequemer ge- 
legene Uferland unbesucht. 

Der Heilige selbst ist sich dieser geistlichen und weltlichen Auf- 
gabi», die ihm in diesem Lande von Gott gesetzt ist, vollkommen be- 
wusst und spricht dies auch deutlich aus. Die angebotene Bischofswürde 
lehnt er mit den Worten ab, es genüge ihm, das Opfer der ersehnten 
Einsamkeit gebracht und durch Gottes Ruf in jene Provinz gekommen 
zu sein, um den zahlreichen Sehaaren Bedrängter beizustehen. 1 ) Aehnlich 
sagt er, indem er die Einwohner des oberen norisehen Uferlandes vor 
ihrer gewaltsamen Abführung durch die Rügen schützte, zu dem Könige 
Feletheus. er (St. Severin) vertraue, dass der Herr, welcher ihn aus- 
ersah, um diesen (den Norikern des oberen Uferlandes) in ihren Un- 
glücksfallen beizustehen, auch sein (des Severinusj Versprechen, sie zu 
freiwilliger Wanderuug in die den Rügen zlnspfliehtigen Städte zu ver- 
mögen, erfüllen werde. 2 ) Die bedrängten Leute, von denen der Heilige 
in diesen Stellen spricht, sind unzweifelhaft die römischen Einwohner 
von Ufer-Noricuui. Das ergiebt sich mit völliger Klarheit aus dem Zu- 
sammenhange, in welchem die letztangeführte Stelle erscheint, und aus 
den Verhältnissen jener Zeit, in welcher beide Pannonien unter dem 
kräftigen Schutze der Ostgothen standen, welche dem Rugenkönige grosse 
Furcht eintlössten und seine Gelüste im Zaume hielten, während Ufer- 
Noricum diesen aus nächster Nähe preisgegeben war. 



! ) „ sitfticere sibi dicens. «|iiod aolitudine desiderata privatus ad illam 

proviiu-iam diviiütus venisset. ut turbis tribulantium frequtiiitihua inter esset. C. 9. 

a ) „Confido mim in Domino meo, quod ipse. qui nie fecit ho nun eala- 
uiitatibus interesse. in perducendis eis iduiicuin faciet promissorem". C. 31. 



33 

Damit entfiel in Ober-Pannonien die eine Aufgabe, die St. Severin 
zu erfüllen hatte. Auch für die andere, auf das religiöse Leben bezüg- 
liche, fehlten hier die Bedingungen, indem nicht nur die im Lande herr- 
schenden Ostgothen der arianischen Lehre anhiengen, sondern auch die 
Römer in Pannonien schon seit langer Zeit, nach dem Zeugnisse von 
Sulpicius Severus seit 400, auf das Heftigste von ihr ergriffen waren. 1 ) 
Also, auf Ober-Pannonien lautete weder die Mission des Heiligen, noch 
fand er dort die Verhältnisse, welche der Inhalt seiner Berufung vor- 
aussetzen lässt. 

Wenn er die südlichen Teile von Ufer-Noiicum bis Cucullis und 
das rätische Quintanis, sowie Batavis besuchte, so hat er dabei, wie bei 
allen seinen Handlungen und vielen seiner Reden einer göttlichen Ein- 
gebung Folge geleistet; wir erkennen dies deutlich aus der Weise, wie 
Eugipins die Aufforderung an den Heiligen, dahin zu gehen, aüffasst 
(C. 1 1 : quod non sine nutu divini muneris agebatur). Würde ein solcher 
Ruf den Mann Gottes auch nach Ober-Pannonien geführt haben, so würde 
nicht immer blos von Favianis, wenn dies in jenem Lande gelegen ge- 
wesen wäre, und seiner nächsten Umgebung die Rede sein, sondern 
auch von Carnuntum, Aequinoctium, Aquae und andern Römerorten des 
Viertels unter dem Wienerwalde. 

Sowie nun St. Severin seine Wünsche dem klar erkannten Rufe 
Gottes gehorsam unterordnete, ebenso finden wir, dass die Unglücksfälle, 
welche einzelne Personen oder auch ganze Städte trafen, die Strafe für 
ihren Ungehorsam waren, weil sie den Worten des Heiligen nicht glaubten 
oder sie zu leicht namen oder geradezu verachteten.*) Diese Strafen sieht 
der Heilige voraus, darum warnt er insbesondere vor dem Ungehorsam. 
Um so weniger dürfen wir voraussetzen, dass er selbst an dem Wortlaute 
seiner Berufung gedeutelt, und ihn sich in irgend einem Sinne ausgelegt 
habe, der nicht strikte in ihm ausgedrückt war. Wenn ihn der Herr nach 
Ufer-Noricum schickte, so musste er einfach nach Ufer-Noricum gehen, 
es ziemte sich für ihn nicht zu grübeln, warum er dahin und nicht in 
die Nachbarprovinz geschickt sei und ob es nicht doch besser wäre, in 
letztere zu gehen und excurendo von dort aus erstere zu versehen. 

l ) Jung, Römer und Romanen. S. 199. 

*) Beispiele bieten: C. 1. Untergang von Asturis. — C. 8. Ungehorsam 
der Königin Giso. — C. 10 des Pförtners Maurus. — C. 12 des Einwohners von 
Cucullis. — C. 22 des Presbyters von Batavis. — C. 24 des Presbyters Maxiinia- 
nuB and der Einwohner von Joviaeum. — 0. 27 von den Römern in Batavis. — 
C. 80 von dem Lauriacenser. - - (-.44 von Ferderuchus. 

Blfctt. d. Vereines f. Landeek. 188». 1, 2 «. 3. 3 



ä4 

Wenn man diese Umstände erwägt, so ist es keineswegs eine 
pedantische Auffassung der Angaben des Eugipius, sondern eine not- 
wendige Folgerung aus dem Wortlaut und dem Inhalt der Mission, wie 
aus dem Charakter des Heiligen, wenn wir behaupten, er habe sich in 
Ober-Pannonien nicht niederlassen können und dürfen. Er würde dem 
klar erkannten Rufe Gottes entgegen gehandelt haben, wenn er es vor- 
gezogen hätte, in dem ungefährdeten Ober-Pannonien sich anzusiedeln und 
nur zeitweise die ufernorischen Städte zu besuchen oder im Falle einer 
Gefährdung immer aus weiter Ferne sich rufen zu lassen. Das schiefe 
Licht, welches daraus auf den Heiligen fallt, ist nicht die geringste 
Schattenseite, welche der Identitätslehre anhaftet. 

Damit entfallt auch Sembera's fünfter Grand für die Identität. Er 
behauptet, es sei undenkbar, dass der Heilige während seines 30 jährigen 
Aufenthaltes an der Donau die so bedeutende Stadt Vindobona oder 
Vindomina nie besucht habe. Sie werde von Eugipius nicht genannt, mau 
müsse daher schliessen, dass eben Favianis Wien sei (!). 

10. Um nun wieder zu Bischof Otto zurückzukehren, so ist er 
wie gesagt, wenn vielleicht nicht der Begründer, so doch der älteste 
uns und unsern Gegnern bekannte literarische Vertreter der Identitätslehre. 

Es steht nun unwiderleglich fest und kann in keiner Weise von 
unseren Gegnern umgestossen werden, dass es die älteren Quellen, 
Eugipius und der ihn korrekt benützende Paulus Diaconus (in der 
Langobarden-Geschichte wie in der Historia miscella) sind, welche Ufer- 
Noricum als das Land bezeichnen, in dem der heil. Severin sein Kloster 
hatte ; dass hingegen die Identitätslehre zum ersten Male erst im 
XII. Jahrhundert nachweisbar, also fast sieben Jahrhunderte jünger 
ist, als die Urquelle. 

Nicht wir Gegner der Identität vertreten also eine neue Ansicht, 
sondern ihre Verteidiger thun dies ; von dem aus bester Quelle, von 
dem Schüler des Heiligen selbst überlieferten Thatbestand weichen die 
Identitisten ab, während wir, ihre Gegner, ihn festhalten. 

Es geht daraus mit vollster Klarheit hervor, welchen Wert der 
zehnte Grund hat, den Sembera als den Hauptgrund anführt; dies ist 
die historische Tradition. 

Sie ist , wie wir aus seiner Ausführung entnemen , teils eine 
schriftliche, teils eine mündliche. Die schriftliche besteht in den Stellen 
der Werke des Bischofs Otto, die wir schon oben angeführt haben, 
dann in den mit des Bischofs Ansicht innerlich genau zusammenhängenden 
Bezeichnungen von Wien als Favie und Favianis in den drei bekannten 



35 

Urkunden seines Bruders, des Herzogs Heinrich Jasomirgott, ! ) endlich 
in den Mönchsglossen mehrerer Abschriften der Vita St. Severini, von 
denen die älteste eben auch dem XII. Jahrhundert angehört; sie schreiben 
zu Favianis eine diesen Namen mit Wien identifizierende Bemerkung. 

Diese Belege bilden eine historische Tradition nur für die An- 
sicht des Bischofs Otto, nicht aber daffir, dass eine ähnliche 
Ansicht schon vor Letzterem bestanden habe. Es handelte sich aber 
nicht darum, nachzuweisen, wie des Bischofs Otto Ansicht Wurzel ge- 
fasst und sich ausgebreitet habe; das wissen wir zur Genüge aus der 
weitläufigen Literatur der Streitfrage: sondern es handelte sich um den 
Nachweis, dass die Identitätslehre des Bischofs Otto keine Neuerung 
in sich schliesse, dass er nur eine alte, lange vor ihm schon bestandene 
Ansicht überliefert habe. Diesen Nachweis vermögen die Identitisten 
nicht zu geben. Wir aber, ihre Gegner, sind in der Lage, Zeugnisse 
des Gegenteils zu bringen; wir können nachweisen, dass der ursprüng- 
liche, von Eugipius und nach ihm von Paulus Diaconus dargestellte 
Thatbestand auch späterhin, namentlich aber in der ersten Hälfte des 
XII. Jahrhunderts, also noch unmittelbar vor Bischof Otto festgehalten 
worden ist. Die Zeugnisse, welche wir sofort aus unserer älteren Schrift 
wiederholen werden, 2 ) verlegen den Schauplatz der Begegnung Odoakers 
mit St. Severin, und den Ort, an dem Letzterer wirkte und starb, nach 
Noricum, nicht nach Ober-Pannonien. Damit ist erwiesen, dass des 
Bischofs Otto Ansicht in der That eine Neuerung in sich schliesse. 

Die gesta episcoporum Neapolitanorum/ 1 ) welche dem in der 
zweiten Hälfte des IX. Jahrhunderts lebenden Johannes Diaconus zu- 
geschrieben werden, wiederholen wörtlich die Stelle aus der Langobarden- 
Geschichte des Paulus. Ekkehardus Uraugiensis (aus dem Kloster Aura 
unweit Kissingen, gestorben nach 1129) führt in seinem Chronicon uni- 



*) v. MeilTer, Regesten 46, 51, 71. Ich habe schon in der Abhandlung 
über Favianis ('S. 63 [15]) hingewiesen, dass, während in allen andern Urkunden 
gleicher Zeit von Wienne schlechtweg die Rede ist, nur in solchen Urkunden, 
welche Benediktinerklöster (Schottenstift und Admont) betreffen, der Identität von 
Wien und Favianis Erwähnung geschieht. Offenbar wollte der Herzog darauf 
hinweisen, dass in der Stadt, in der er residierte, das älteste Kloster, jenes des 
heil. Severin, das Vorbild der späteren Benediktinerklöster, bestanden habe. Auf 
die thatsächlich bestehende innige Verbindung zwischen St Severins Schülern 
und den ältesten Benediktinern werden wir noch zu reden kommen. 

*) Favianis. Ber. und Mitt. des Altert.-Ver. zu Wien. XIX. (1880), S. 54 
(Sep.-Abdr. S. 6). 

•) C. 18. Muratori rer. ital. Scrippt. 1. 2, p. 297. — Monum. German. 
histor. — Scrippt. rer. Langobard. p. 408. 

3* 



36 

veraale ') die andere Stelle, jene aus der Historia miscella auf: eben 
diese finden wir bei Sigebertus Gemblacensis, 2 ) aus Gembloux (Prov. 
Namur), der die Chronik des Eusebius von 385 — 1111 fortsetzte, fast 
wörtlich benützt. Damit sind des Paulus Angaben, nach welchen St. 
Severin in Noricum lebte, bis nahe in die Zeit des Bischofs Otto 
überliefert geblieben. Auch die Chronisten, welche Bekanntschaft mit der 
Vita des Eugipius verrathen, verlegen den Schauplatz von St. Severins 
Leben und Thätigkeit nach Noricum oder speciell nach Ufer-Noricum. 
Der Verfasser des älteren, bis 1130 reichenden Teiles der Annales 
Ratisponenses 3 J sagt zum Jahre 471, damals habe St. Severin „in 
Norico ripensi" gelehrt; in den Annales Sti. Rudberti 4 ) — sie sind 
nach dem Urteile von Hieron. Petz im älteren Teile von einem Geist- 
lichen des XII. Jahrhunderts geschrieben — heisst es zum Jahre 477 
„Hoc tempore Odoacer cum Herulis Noricum transiens ad Severinum 
venit Favianas. u 

Wir sehen also : zwischen Paulus und Bischof Otto hielt man un- 
entwegt an der Ansicht, dass St. Severin in Noricum gelebt habe, fest, 
und zwar nicht blos im fernen Gembloux und in Aura, sondern auch 
in Regensburg und Salzburg. Das ist. wie uns scheint, auch eine 
historische Tradition, und zwar eine um so gewichtigere, als 
die betreifenden Chronisten aus denselben Quellen schöpften, wie Bischof 
Otto, von diesem aber vollkommen unabhängig sind; denn sie sind 
älter, als er. 

Hingegen, die Verfasser der ersten Dokumente, welche für die 
Ausbreitung und Befestigung der Ansicht des Bischofs Otto sprechen, 
stehen zu diesem in einem nachweisbaren Verhältnisse, welches ihnen 
die Autorität des gelehrten Kirchenfürsten besonders nahe legte. So die 
Verfasser der Urkunden seines Bruders Heinrich Jasomirgott. Ausserdem 
haben ja zu seiner Zeit nur zwei Chronisten seine Ansicht aufgenommen. 
Gotifredus von Viterbo,*) der als Schreiberund Kaplan des Oheims 
des Bischofs Otto und seines Vetters, der Kaiser Barbarossa und Heiu- 
rich VI., zu dem Bischof sicher in näherer Beziehung stand und eine 
Chronik (Pantheon) bis zum Jahre 1186 führte, wiederholt wörtlich die 



l ) Monum. German. histor. — Scrippt. VI. p. 128 und 138. — Watten- 
bach, Geschiehtsquellen 1878, II. 145—151. 

*) A. a. 0. Scrippt. VI. p. 311. 

s ) A. a. 0. Scrippt. XVII. p. 579. 

4 ) Hieron. Petz, rer. Austr. Scrippt. I. 328. — Monum. German. histor. 
Scrippt. IX. 766. 

*) Monum. German. histor., Scrippt. XXII. 18b. 



H7 

Stelle, welche Otto in seiner Chronik hat; ebenso bemerkt der Verfasser 
der Chronik von A dm out, 1 ) geschrieben um 1205, zum Jahre 453: 
„Sanctus Severinus monachus superiorem Pannoniam intrat". Das Kloster 
Admont stand seit Heinrich Jasomirgott unter der Vogtei der österrei- 
chischen Herzoge. Wir sind weit entfernt zu behaupten, dass die beiden 
letztgenannten Chronisten nur aus höfischen Rücksichten die Ansicht des 
Bischofs Otto aufgenommen haben ; aber es liegt nahe aus ihrer Stellung 
zu folgern, dass sie mit den Werken des Bischofs vertraut und von 
seiner Gelehrtheit zu sehr überzeugt waren, um seine Ansicht nicht 
zu teilen. 

Uebrigens war letzteres in den geistlichen Kreisen auch späterhin 
nicht durchwegs der Fall. Von einem sehr wichtigen Platze, dem Stifte 
Krems münster lässt sich erweisen, dass man dort noch zu Anfang 
des XIV. Jahrhunderts an der Ueberlieferung hieng, St. Severin habe 
in Noricum gelebt ; *) von einem andern Benediktinerstifte in Oberöster- 
reich, Garsten, gilt dasselbe. In den Nachträgen (Auctarium) zum 
Chronicon Garstense a ) aus derselben Zeit heisst es zum Jahre 491 (sie) 
„Sanctus Severinus monachus in Norico migravit in Dominum 41 . 

Endlich mag hier noch die Aussage des Martyrologium Eo- 
manum Platz finden, von der wir allerdings nicht wissen, in welche 
Zeit sie zurückgeht. Da sie aber auf des Eugipius Vita beruht, so ist 
wahrscheinlich, dass sie weit älter ist, als die in sehr grossem Ansehen 
stehende Ausgabe des Martyrologium, welche Baronius auf Befehl des 
Papstes Gregor XIII. im Jahre 1586 veranstaltete; in dieser heisst es 

zum 8. Januar (p. 19): Eodem die apud Noricos Sancti Severini 

abbatis , qui apud eam gentem Evangelium propagavit et Noricorum 
dictus est Apostolus. 

Ebenso wie die Aussagen der Chronisten und der Urkunden müssen 
wir die Mönchsglossen beurteilen, welche Sembera hereinzieht ; nur solche 
von ihnen würden ein Gewicht haben, von denen nachgewiesen werden 
könnte, dass sie vor der Zeit des Bischofs Otto in die Codices einge- 
tragen wurden. Gleichzeitige und spätere können für die Sache der Iden- 
tität nichts beweisen ; man muss von diesen nur immer vermuten, dass 
sie unter dem Einflüsse der Ansicht des Bischofs Otto entstanden seien. 

Die mündliche Tradition bilden die „Wiener Sagen über das 
Kloster des Heiligen bei St. Johann an der Als, von dessen zweitem 



') Hieron. Petz, Scrippt. rer. Auetr. II. 163. 
*) Monum. German. histor., Scrippt. IX. 550. 
») Ebenda. IX. 562. 



38 

Kloster bei St. Jakob in Heiligenstadt und von seinem Gebetsort in den 
Weinbergen." 

Was sind das für Sagen? Welchen Inhalt haben sie? Auf diese 
Frage werden wir immer nur hören, der heil. Severiu habe am ersten 
und zweiten Ort gelebt und sich ad Vineas bei Heiligenstadt oder Sievering 
zurückgezogen. Diese Art von „Wiener Sagen** könnte man noch ver- 
mehren. Eine „Sage" knüpft das Burguni der Vita an den Namen Purkers- 
dorf, eine andere liudet die niedrige Zelle des Heiligen, die Odoaker nur 
gebückt betreten konnte, in Heiligenstadt, wieder eine andere verlegt ad 
Vineas nach Sievering eine dritte nach Grinzing. Wir verlangen aber 
von einer Sage mehr! Wir verlangen, dass sie einzelne legendarische 
Züge aus dem Leben des Heiligen festhalte, wenn sie wirklich aus einer 
sehr alten Zeit herrühren solle. Aber bei der Allgemeinheit der von 
Sembera vorgebrachten „Sagen" und bei ihrem Schwanken zwischen 
einzelnen Lokalitäten müssen wir immer denken, dass sie alle in der 
Gelehrtenstube zu Wien entstanden und von dort aus in weitere Kreise 
gedrungen seien, dass sie also, sogut als die schriftliche Tradition, für 
das Fortbestehen der Ansicht des Bischofs Otto und ihre Popularisierung 
Zeugnis geben, aber nicht für die Identität selbst. 

Es ist aus der Jahrhunderte langen Herrschaft dieser Ansicht in 
Wien zu erklären, dass ein Altar in der Kirche zu Sievering dem heil. 
Severinus geweiht wurde, wenngleich noch im Jahre 1330 die damals 
errichtete und erst im XVH. Jahrhundert in eine Kirche umgewandelte 
Kapelle daselbst bezeichnender Weise nicht den heil. Severin , sondern 
den heil. Andreas als Patron erhielt. Es mag sein, dass die Zugehörig- 
keit dieser Kirche als Filiale zur Kirche von Heiligenstadt auf der Iden- 
titätslehre, nicht auf einem andern Grunde beruht. Im allerbesten Falle 
kann aber dieses Verhältnis nicht über das XIV. Jahrhundert hinaufreichen, 
sie fallt also innerhalb die Zeitgrenze, in welcher die Ansicht des Bischofs 
Otto für Wien schon die massgebende war. 

Dass Cuspinian, ein Verfechter der Identität, der nach Eugipius 
gleichwol Noricum für das Land, in dem St. Severin lebte, hält l ) — 
er erstreckte aber seine Grenzen bis an die Leitha — Sievering aus 
Verehrung für den Heiligen ankaufte, hat doch mit unserer Frage nichts 
zu thun. Endlich wird von unserem Herrn Gegner noch ein*» handschrift- 
liche Chronik vom Jahre 1510 angeführt, welche den Heiligen wohnen 
lässt in „villa sui nominis, scilicet villa S. Severini, quam laici corrupto 
vocabulo vocant Süfring". 

l ) Vgl. meine Bemerkungen über diesen Atitor in der Abhandlung Favianis, 
Ber. und Mitt. des Altert.-Ver. zu Wien. XIX. (1880), S. 67 (Sep.-Abdr. S. 19). 



39 

Das ist durchaus falsch. Nicht Säfring ist die corrupte Form des 
Ortsnamens, sondern Sievering. Der Volksmund hat die echte, alte Form 
getreu aufbewahrt. Das wusste man im XV. und XVI. Jahrhundert nicht, 
aber im XIX. kann man wissen, dass der Ort in einer Urkunde aus der 
Zeit vor Bischof Otto, von 1096 — 1136, „Suiteringen", in einer andern 
vom Jahre 1156, also aus der Zeit des Bischofs selbst, „Suuveringen" 
heisst, 1 ) woraus sich woi Süvring oder Süfring, aber nicht Sievering 
bilden kann. 

IL 

1. Nachdem unser Gegner mit den hier beleuchteten Gründen die 
Identität „nachgewiesen" hat, geht er daran, die Ansicht Hub er s, 
Favianis sei in Mautern gelegen gewesen, 2 ) speciell und hierauf die A n- 
si chten der Gegner der Identität im Allgemeinen zu widerlegen. 

Einige Proben, mit welchen Gegengründen Huber abgewiesen wird, 
haben wir bereits oben gegeben. 

Gegen ihn wirft Sembera weiter ein, seine Ansieht beruhe auf der 
Prämisse, Asturis sei das heutige Osterburg; dieses sei falsch, „wodurch 
die ganze Beweisführung Hubers zu nichte wird". Es ist sicher, dass 
Asturis nicht in Osterburg gesucht werden kann. Anderseits aber ist es 
unrichtig, dass mit jener Prämisse die ganze Beweisführung Hubers zu 
Boden falle. Jeder, der die andern Gründe des Letzteren kennt, wird 
wissen, dass sie in keinem Zusammenhange mit jener Prämisse stehen, 
also auch aufrecht blieben, wenngleich die eine Behauptung fiel. 

2. Dann wird bemerkt, St. Severin hätte gewiss sein Kloster nicht 
in Mautern gegründet, das in einer Niederung an der Donau gelegen, 
den Ueberschwemmungen und Zerstörungen des Stromes ausgesetzt ge- 
wesen sei, wie dieser denn auch die dortige St. Agapituskapelle weg- 
gespült habe. Nun habe St. Severin die St. Johanneskirche in Boiotro 
bei Passau auf felsigen Boden gebaut (S. 13, N. 1), sie sei heute 
noch erhalten (S. 14, N. 1). Sicher würde er also sein ältestes und 
grösstes Kloster, das von Favianis, auf einem weniger gefährdeten Terrain 
angelegt haben. 

Allein in unserem Falle kommt das Terrain eben gar nicht in Be- 
tracht. Indem der Heilige hier sein Kloster gründete, folgte er einem 

») Meiller, Regesten, S. 37 Nr. 50. — Fontes m\ Austr. IV. 17, 200. 
VIII. 201. - Vgl. m. Abhandlg. Favianis a. a. 0. S. 56. Note 3 (Sep.-Abdr. 
S. 8) und M. Much, Blatt, d. Ver. f. Landesk., N. F. VI. (1872), S. 84, Note. 

*) Gesch. der Einführuns: und Ausbreitung des Christentums in Südost- 
deatBchland. I. 385 und IV. 313 f. 



40 

göttlichen Befehle (C. 4 ad praedictum oppidum [Favianis] remeare 

divina revelatione coinpellitur, ita ut, quainvis eum quies cellulae delectaret, 
dei tarnen jussis obtemperans inonasteriuni haud procul a 
civitate construeret). Damit ist doch deutlich genug gesagt, dass 
St.' Severin sowol durch göttliche Eingebung aus der Ruhe der Einsamkeit 
zurückgerufen, als auch durch göttlichen Befehl angewiesen wurde, wo 
er das Kloster zu gründen habe. Es war dadurch jede Frage nach dem 
Terrain abgeschnitten, selbst dann, wenn er eine Wahl zwischen mehreren 
Baugründen gehabt hat und nicht etwa gerade mit jenem Platze sich 
begnügen musste, der ihm zu seinem Vorhaben geschenkt wurde. 

3. Wenn endlich Sembera sagt, es sei von Ueberresten eines Klosters 
bei Favianis keine Spur in Mautern und auch keine Tradition habe sich 
erhalten, so werden wir diese Behauptung bald näher prüfen können. 

4. Die andern Gegner der Identität werden von Sembera einem 
summarischen Verfahren unterworfen. Es wird behauptet, sie stützen 
sich auf zwei Gründe, ') die nicht schwer zu widerlegen seien : auf die 
Angabe des Eugipius, dass Batavis (Passau) von Favianis 100 Milien 
und darüber entfernt sei, während Passau von Wien 200 Milien abliege, 
letzteres also nicht wol Favianis sein könne; — dann dass Favianis 
identisch sei mit dem Orte Fasiana oder Fafiana der Notitia, dieser 
Ort werde in Ufer-Noricum aufgeführt, also sei auch Favianis dort, nicht 
in Ober-Pannonien zu suchen. 

Der erste Grund bezüglich der Meilenzahlen macht ihm keine 
Schwierigkeiten. Eugipius besass nach Cassiodor keine grosse weltliche 
Gelehrsamkeit; ihm stand eine „Postkarte von Ober- und Niederösterreich 4 * 
Und „ein Meilenzeiger des k. k. Wiener Postkursbureau" nicht zu Gebote, 
er schrieb die Vita im fernen Neapel eine lange Reihe von Jahren später, 
als er selber in der Gegend war; wie könne man von ihm verlangen, 
dass er die Distanzen auf eine Viertel-Milie angebe? 

Unser Gegner fordert also weltliche Gelehrsamkeit, um 
sich die beiläufige Entfernung der Hauptpunkte jener Gegenden, die man 
als junger Mann durchwandert hat, zu merken. Wir halten diese Ent- 
deckung für einen Scherz und reden nicht weiter darüber, zumal da 
Eugipius selbst sagt, er habe nicht blos aus eigeuer Erinnerung, son- 
dern auch „ex quotidiana majorum relatione" aus täglicher Mitteilung 
der älteren Brüder die Erlebnisse des Heiligen aufgezeichnet; 2 ) er selbst 



') Im ersten Abdruck wurden doch wenigstens vier Gründe aufgezählt uiid 
widerlegt; allerdings waren auch unter diesen die wichtigeren nicht genannt. 
2 ) Brief an Paschasius, Sauppe, S. 1, 2. 



41 

empfiehlt 1 ) namentlich den Pförtner Deogratias, eine treue Seele, dem 
Paschasius als Gewährsmann , wenn dieser über irgend einen Punkt 
nähere Aufklärung wünsche. Es ist freilich zu fürchten , dass diese 
Brüder, welche nach verschiedenen Richtungen mit Briefen oder um 
Almosen zu sammeln das Land durchstreiften , zu wenig „weltliche 
Gelehrsamkeit" besassen, um zu wissen, wie weit einzelne Orte aus- 
einander lagen. 

Die Gegner der Identität verlangen übrigens von Eugipius keine 
Distanzangaben auf eine Viertel-Milie ; aber sie fragen mit Recht, warum 
er, wenn Favianis in Wien, also 200 Milien von Passau entfernt lag, 
nicht einfach ducentis milibus (vgl. Cap. 29) sagt, sondern centum et 
ultra. Das Eine wie das Andere entspricht seiner Schreibweise, es ent- 
spricht aber nicht seiner sonstigen Sorgfalt bei örtlichen Angaben, statt, 
zweihundert, hundert und darüber zu sagen. Uns scheint noch immer, 
dass er mit letzterer Distanzangabe eine andere Gegend, als jene von 
Wien im Auge habe. 

Unser Gegner fühlt sich, anstatt die Folgerungen aus jener Distanz- 
angabe zu ziehen und darnach die eigene Auffassung zu korrigieren, 
gedrängt, wegen des Versehens, das Eugipius oder seine Abschreiber 
gemacht, diese zu verteidigen — was insoferne unnötig ist, als hier 
eben kein Versehen vorliegt. Er verteidigt ihn aber damit, dass ja auch 
in andern Quellen, wie in den Itinerarien und in der Peutingerischen 
Tafel viele Unrichtigkeiten vorkämen, die ganz einfach durch die ent- 
sprechenden Aenderungen an den Distanzziffern behoben werden, zumal 
wenn man bestimmt wisse, wo die fraglichen Endpunkte heute liegen. 
Das hätten die Gegner der Identität selbst in so vielen andern Fällen 
gethan, warum wenden sie nicht das gleiche Mittel bei Eugipius an? 
Der verständige Welser habe die hier in Rede stehende Angabe auf 
200 Milien geändert, und in den meisten Handschriften der Vita sei 
schon in sehr alter Zeit eine solche Korrektur vorgenommen worden ; 
im Capitel 24 gebe eine italienische Handschrift (der Codex Lateranensis) 
die Entfernung von Passau und Salzburg auf 20 römische Milien an, 
während beide Orte 75 Milien von einander liegen. Darnach hätten 
österreichische und bayrische Abschreiber einfach die nötige Korrektur 
vorgenommen und statt 20, 75 Milien eingesetzt. 

Dieser Vorschlag, den Eugipius zu emendieren, hat uns — wir 
müssen es gestehen — verblüfft. 

') Ebenda, S. 2, 6. 



42 

Die Meilenzahlen der Itincraricn und der Tabula sind — ich 
wiederhole auch hier eiue schon einmal gemachte Bemerkung ! ) — in 
römischen Ziffern geschrieben, von denen jedes einzelne Zeichen einen 
bestimmten numerischen Wert hat , so dass , wenn beim Abschreiben 
das Eine oder Andere übersehen oder verfehlt wird, die Differenz eine 
sehr bedeutende sein kann. Und jeder wird zugeben, dass derartige Ver- 
sehen, da es sich um einzelne Zeichen handelt, sehr leicht möglich 
sind, nicht blos in Folge von Nachlässigkeiten des Kopisten, sondern 
auch in Folge schlechter Erhaltung des Originales oder einer weniger 
deutlichen Handschrift. Da sind also Korrekturen einzelner Ziffern gerecht- 
fertigt, ausgenommen in solchen Fällen, in welchen alle Handschriften 
dieselbe Ziffer aufweisen; dann ist diese unantastbar. 

Hingegen Eugipius schreibt seine Distanzzahlen nicht mit Ziffern, 
sondern er schreibt die Zahlworte Buchstab für Buchstab 
nieder: so heisst es in dem Falle, von dem wir hier insbesondere 
sprechen, nicht „quod C et ultra milibus aberat u , sondern „quod cen- 
tum et ultra u. s. f." In Capitel 24 schreibt er nicht „XX et amplius", 
sondern „viginti et amplius". Und obendrein stimmen die besten Ab- 
schriften in diesen Zahlen , die stets mit Buchstaben ausgeschrieben 
sind, überein. Es kann nun vorkommen, dass durch Versehen ein und 
der andere Buchstabe des Zahlwortes ausgelassen oder verwechselt wird, 
z. B. etwa vigiti und vigniti statt viginti, aber es ist undenkbar, dass 
aus blossem Versehen centum et ultra statt ducentis und septuaginta 
statt viginti gesetzt wäre. 

Das Beispiel jener Emendation, auf welches Sembera sich beruft, 
müssen wir hier des Näheren erörtern. 2 ) Es betrifft die Erzählung des 
Eugipius von dem Tode eines ungehorsamen Presbyters Maximianus 
(C. 24). Der heil. Severin, damals in Passau anwesend und eiuen 
Ueberfall des Ortes Joviacum voraussehend , liess dessen Einwohner 
durch einen Boten warnen, sie sollen den Ort ohne Zaudern verlassen. 
Sie glaubten dem Boten nicht, offenbar wol, weil sie kein Anzeichen 
von dem drohenden Einfall der Germanen hatten. Da schickt der Heilige 
einen zweiten Boten mit der noch dringenderen Aufforderung an Maxi- 
mianus, dass doch wenigstens dieser sich rette, sonst werde er noch in 
der nächsten Nacht zu Grunde gehen. Auch diese Botschaft war ver- 



! ) Zur Topographie der Röinerorte in Niederösterr., Ber. und Mitt. des 
Altert.-Ver. zu Wie» XVII. (1878) S. 314 (Sep.-Abdr. S. 38). 

*) Vgl. m. Abhandig.: Die Römerorte zwischen der Trann und dem Inn. 
Sitzungsber. der k. Akad. d. W. Bd. XCI. (1878), 592. 



43 

geblich. Der Bote eilte sofort wieder nach Batavis, ohne die Gastfreund- 
schaft des Maxiniianus anzunemen. In derselben Nacht fielen die Heruler 
plötzlich ein, verwüsteten den Ort, machten viele Gefangene und hiengen 
den Presbyter auf. 

Im Mailänder Codex heisst der Letztere Maximus ; dieser Umstaud 
erklärt uns, warum man in dieser Erzählung statt Joviaco, Juvavo ') 
und statt der im Originale angegebenen Entfernung „viginti et amplius 
milibus", „septuaginta et amplius milibus" einsetzte. Man bezog die 
Erzählung des Eugipius auf die Legende des heil. Maximus, der bei 
einem Einfalle der Barbaren in Salzburg mit fünfzig seiner Genossen 
über eine Felswand des Mönchsberges herabgestürzt wurde. 

Beide Erzählungen haben ausser der ungefähren Aehulichkeit des 
Namens nichts gemein. Der Schauplatz heisst Joviaco in der einen, 
Juvavum in der andern, die Entfernung des ersteren beträgt zwanzig 
und einige, jene des letzteren aber 75 Milien von Batavis. Der heil. 
Maximus stirbt als Märtyrer durch den Sturz vom Felsen mit vielen 
Genossen, Maximianus wegen Ungehorsam, allein und durch den Strick. 
Der plötzliche Ueberfall des Ortes Joviaco — das heutige Schlägen an 
der Donau zwischen Engelhartszell und Efferding — ist durch die 
dortigen Krümmungen des Stromes und die Gräben am jenseitigen Ufer 
erklärt; er konnte dort aus der nächsten Nähe her erfolgen. Salzburg 
aber liegt 15 deutsche Meilen von der Donau, eine Strecke, welche eine 
feindliche Schaar nicht rasch durchmessen kann, ohne dass dem Ein- 
falle die Schreckenskunde und die Flüchtigen vorausgeeilt wären ; Salz- 
burg konnte also von den Herulern auch nicht leicht überrascht werden. 

Joviaco (Schlägen) liegt nun von Batavis auf dem an Krümmungen 
reichen, beschwerlichen Landweg 38, auf dem Wasserweg, der für Eil- 
boten selbstverständlich der geeignetere war, 26 Milien ab. Damit steht 
des Eugipius Angabe viginti et amplius vollkommen im Einklang. 

Also die Emendation, auf welche sich Sembera beruft, ist eine ganz 
und gar ungerechtfertigte, die Angaben des Eugipius sind vielmehr an 
dieser Stelle durchaus richtig. 

Nach dieser Darlegung wird man es begreiflich linden, dass wir 
seinen Vorschlag, geradezu in Capitel 24 statt zwanzig und mehr, siebzig 
Milien und mehr, und in Capitel 22 statt hundert und darüber, zweihundert 
einzustellen, nicht anneinen ; wir würden die Verantwortung dafür nicht 
tragen können. 

') Der Codex von St. Emmeram setzt Jopia und septuaginta et amplius ein. 



44 

Ueber den Ortsnamen Fafiana, den die Notitia bringt, wird sich 
unten Gelegenheit geben, eingehender zu sprechen. Hier sei nur im Vor- 
beigehen aufmerksam gemacht auf die eigentümliche Konsequenz der 
Identitätslehre, welche ihre Anhänger zwingt, eine widersinnige Behauptung 
an die Stelle einer einfachen Thatsache zu setzen. Es ist eine einfache 
Thatsache, dass Fafiana in Ufer-Noricum lag und Favianis bei Eugipius 
unter den ufernorischen Städten erscheint. Die natürliche Folgerung ist, 
dass beide Namen denselben Ort bezeichnen. Das dürfen aber die lden- 
titisten beileibe nicht zugeben, sie müssen vielmehr das Widersinnige 
behaupten, dass nicht Fafiana und Favianis, sondern dass Favianis und 
der gleichzeitig Vindomina genannte Römerort identisch seien! 

in. 

Es obliegt uns nunmehr noch, dem Leser die Ansicht der Gegner 
der Identität in ihrem wahren Gewände vorzuführen und ihn mit den 
Gründen bekannt zu machen, die sie bestimmen, sowol die Identität zu 
verwerfen, als auch Favianis nach Mautern zu verlegen. 

1. Ihre Gründe gegen die Identität beruhen in der Haupt- 
sache auf den Aussagen des Eugipius selbst; wir können uns. da die 
meisten derselben uns an diesem Orte schon wiederholt beschäftigt 
haben, über sie kürzer fassen. Die entscheidende Stelle ist jene in seinem 
Briefe an Paschasius, in welcher das dem Heiligen durch göttliche Ein- 
gebung zugewiesene Missionsgebiet klar und unzweideutig auf die Städte 
von Ufer-Noricum, die Ober-Pannonien benachbart sind, bestimmt wird. 
(Vgl. S. 24, 31.) Damit steht im Einklang, dass der Heilige nach der 
chronologischen und geographischen Folge, die namentlich in den ersten 
Capiteln der Vita getreulich eingehalten ist, zunächst an der östlichen 
Grenze des norischen Uferlandes in Asturis erscheint, von hier nach 
dem westlich davon gelegenen Comagenis und schliesslich nach Favianis 
gelangt. Er geht also im Uferlande die Donau entlang aufwärts ; Favianis 
kann nicht unterhalb Comagenis gesucht werden. Mit Recht hat ferner 
schon Blumberger 1 ) bemerkt, dass Eugipius bei allen Orten, die in 
Ufer-Noricum liegen, eine genauere Bezeichnung des Landes w r eglässt, 
eine solche oder eine Beschreibung der Lage aber beifügt bei jenen 
Orten, die ausserhalb des Uferlandes liegen. So erscheint Tiburnia in 
Capitel 17 in Beziehung auf den kurz vorhergehenden Landnamen Nori- 
cum und wird in Capitel 21 metropolis Norici genannt. Quintanis be- 
zeichnet Eugipius schon bei der ersten Nennung (C. 15) als munieipium 



l ) Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen, 1849, 2, S. 360. 



45 

Raetiarnm secnndarura. Batavis wird ebenfalls, indem er die Stadt zum 
ersten Male nennt (C. 19), nach der Lage völlig beschrieben (Batavis 
appellatur oppidum inter utraque fluraina, Enum videlicet atque Danu- 
vium, constitutum). 

Nach dieser Gewohnheit des Eugipius müsste Favianis, wenn es 
mit Wien identisch sein sollte, an der Stelle, in der zum ersten Male 
von diesem Orte die Rede ist (C. 3), als municipium Pannoniae superioris 
bezeichnet sein. Davon ist keine Spur; es wird in Capitel 3 und 4 
civitas, in Capitel 22, 31 und 42 oppidum genannt und in keiner Stelle 
ein Landname beigefügt; also gehörte es zu den ufernorischen Orten, 
so gut als die oppida Asturis, Comagenis, Joviaco und Juvao und das 
Castelluin Cucullis, bei denen gleichfalls das Land, in welchem sie lagen, 
nicht bezeichnet wird. 

Damit wieder steht die Stelle in Capitel 31 in Einklang, in welcher 
von den Donaustädten die Rede ist, die den Rügen zinspflichtig waren 
(„in oppidis sibi [Feietheo] tributariis, ex quibus unum erat Favianis, quae 
a Rugis tan tu ra modo dirimcbantur Danuvio u ); zu diesen gehörte auch 
Favianis. Diese tributären Städte konnten nur in Ufer-Noricum liegen, 
nicht in Ober-Pannonieu, welches wie schon öfter erwähnt unter dem 
Schutze der Ostgothen stand, deren grosse Zahl ein Schrecken schon 
des Rugenkönigs Flaccitheus war (quorum iunumera multitudine terreba- 
tur, C. 5.). Die Rügen waren zufrieden, wenn sie von den Ostgothen 
nichts zu leiden hatten; wie sollten sie dazu kommen, oberpannonische 
Städte, namentlich die angesehene Stadt Vindomina, weichen Namen 
Wien damals nachweisbar hatte, 1 ) in das Joch der Zinspftichtigkeit zu 
bringen. Wien bestand noch unter dem Namen Vindomina, als Jordanes 
um 552 die Geschichte der Gothen schrieb ; an den norischen Uferstädten 
war aber schon zur Zeit, als Eugipius die Vita des Heiligen verfasste, 
d. i. im Jahre 511, die Vorhersagung des Letzteren eingetroffen ; „diese 
Orte, jetzt von vielen Menschen bewohnt, werden in eine so wüste 
Einöde verwandelt werden, dass die Feinde in der Meinung Gold zu 
finden, selbst die Gräber der Todten öffnen werden. Die Wahrheit dieser 
Vorhersagung hat der Ausgang der neueren Ereignisse bewiesen." 2 ) 



■) Jordanes C. 50. Ornata patria civitatibus plurimis, quarum prima Sirmis. 
extrema Vindomina. 

f ) C. 40. „— — Haec quippe loca nunc frequentata cultoribus in tarn 
v a b t i b s i ni a m s o 1 i t u d i n e in redigentur, ut hostes aestimantes auri se quippiam 
reperturos etiatn mortuoruui sepulturas effodiant. Cuius vaticinii veritateui eventus 
rerntn praesentium eomprobavit." Wenn Sembera im ersten Abdruck seiner Schrift 
8. 86. dazu bemerkt, Favianis könne eben wieder auferbaut worden Bein, so trifft 



46 

Es ist ferner zwar nicht ein Hauptgrund, aber es stimmt mit der 
Lage von Favianis im unteren Ufer-Noricum überein, dass seine Ent- 
fernung von Batavis nur centum et ultra, nicht aber ducentis milibus 
betrug. Zu diesen Aussagen stehen endlich die Angaben, St. Severin 
habe in den äussersten Grenzprovinzen der Pannonier gewohnt und er 
habe zu verschiedenen Male Brüder nach „Noricum" geschickt, sowie 
Gä9te von dort empfangen, nicht im Gegensatz, sie lassen sich vielmehr 
sehr wol und in sachgemässer Weise mit dem von Eugipius dargestellten 
Thatbestande vereinigen. (Vgl. oben S. 24 f.) Dazu kommt, dass der 
Letztere durch Paulus Diaconus und die Chronisten bis zur Mitte des 
XII. Jahrhunderts überliefert ist als die im hohen Mittelalter ausschliess- 
lich geltende, mit der Urquelle im Einklänge stehende Ansicht 
über den Schauplatz der Wirksamkeit und den Sterbeort des Heiligen : 
die in des Bischofs Otto Schriften zum ersten Meile auftretende Identi- 
tätslehre unterbricht diese Tradition, ohne sie gänzlich verdrängen zu 
können ; noch im XIV. Jahrhundert herrscht sie in oberösterreichischen 
Benediktinerstiften. (Vgl. oben S. 34 f.) 

Alle Versuche der Identitisten, das Gewicht dieser Gründe durch 
Ignorieren oder durch Künste der Interpretation abzuschwächen, haben 
sich bisher erfolglos gezeigt; sie können und werden auch nie eine 
Wirkung haben, da ihre Ansicht von vorneherein sich in Gegensatz zu 
den Aussagen der Urquelle setzt. 

2. Die Bestimmung von Favianis auf das heutige 
Mauter n gieng meinerseits von dem Gesichtspunkte aus, nicht die bis- 
her angewendeten örtlichen Merkmale, welche sich als zu weuig prägnant 
erwiesen hatten, der Bestimmung zu Grunde zu legen, sondern andere, 
früher zu wenig gewürdigte. Und zwar sollte nicht blos des Eugipius 
Schrift für den Ort Favianis, sondern auch die Notitia dignitatum für 
den Ort Fafiana darauf hin geprüft werden. Würden sich aus beiden 
Quellen Merkmale ergeben, welche nur auf einen und denselben* heutigen 
Ort in Niederösterreich bezogen werden können, so war die denkbar 
grösste Wahrscheinlichkeit gewonnen, erstlich, wo Favianis gelegen habe, 
zweitens, dass dieser Ort derselbe sei, der in der Notitia unter dem 
Namen Fafiana aufgeführt wird. 1 ) 



er abermals neben das Ziel. Denn gesetzt, dass dies der Fall, so war erst noch 
zu beweisen, dass und warum der als Vindomina fortbestehende Ort Favianis 
genannt worden sei. 

*) Vgl. darüber meine Abhandlung: Zur Topographie der Römerorte und 
Favianis, in den Ber. u. Mitteil, des Altert.-Ver. zu Wien. XVII. (1878) S. 305 f. 
(Sep.-Abdr. S. 29) und XIX. (1880) S. 94 f. (Sep.-Abdr. S. 46 f.) 



47 

Nach der letztgenannten Quelle war Fafiana ein Liburnarierposten ; 
es lag dort jene Abteilung der ersten norischen Legion, deren Soldaten 
auf den Grenzdienst zu Land und Wasser eingeschult waren. Da die 
Libnrnarier in der Notitia nur auf der Donaustrecke zwischen Passau 
und Raab genannt werden, sonst aber durchaus nicht vorkommen, weder 
am Bhein. noch am Euphrat, den beiden andern Grenzströmen des 
Kelches, so ist klar, dass diese Truppengattung speciell mit Rücksicht 
auf die Schwierigkeiten des Grenzdienstes an bestimmten Stellen der 
genannten Donaustrecke errichtet worden ist. 

Um diese Steilen aufzufinden, dienen zwei Anhaltspunkte, ein nega- 
tiver und ein positiver. Nach dem ersteren sind erstlich alle jene Orte 
ausgeschlossen, an welchen Abteilungen der Donauflottille stationierten, 
nämlich Lauriacnm an der Mündung der Ens, Arelate an der Mündung 
der Erlaf, Comagena an der Mündung des Tulnbaches und Vindobona 
(Wien). Wir können daraus folgern , dass nicht die Auenbildung im 
Donaustrome, die bei all den genannten Orten vorhanden ist, jene 
Schwierigkeiten verursachte. 

Zweitens sind ausgeschlossen alle jene andern Orte, an welchen 
nach der Notitia Cohortes oder Alae von Hilfstruppen lagen, d. i. für 
Niederösterreich Ad Mauros (Melk), Augustiana (Traismauer an der 
Mündung der Traisen), Austura (bei Zeiselmauer, als Asturis bei Eugi- 
pius vorkommend). 1 ) 

Da die Römer ihre Donau-Castelle nur an den Mündungen der 
Nebeuflüsse, im Winkel, den diese und der Strom bilden, anlegten, so 
folgt aus dem ersten, negativen Anhaltspunkte, dass der Liburnarierposten 
Fafiana, da er weder an der Mündung der Enns, noch der Erlaf, noch 
der Melk, noch der Traisen, noch des Tulnbaches gesucht werden kann, 
nur an einem der zwei noch übrig bleibenden bedeutenderen Zuflüsse 
der Donau gelegen haben konnte, an der Mündung der Ips oder an 
jener der Fladnitz. 

Damit stimmt der andere positive Anhaltspunkt überein, die Lage 
der zwei uns genau bekannten Liburnarierposten, Joviaco und Carnuntum. 
Sie liegen an Durchbruchstellen des Stromes. Vorzüglich die Lage 



M Die Posten Lacu felieis und Cannabiaca der Notitia übergehe ich hier, 
da beide nicht an der Donau, sondern landeinwärts lagen, also für unseren 
Zweck nicht in Betracht kommen. Lacu felieis lag hei Mauer an der Url, Cauua- 
biaca, wie ich an anderer Stelle nachzuweisen versuchte, bei Cetium (St. Polten). 
Vgl. Zur Topographie der Römerorte, in den Ber. u. Mitteil, des Altert.-Ver. zu 
Wien. XVn. (1878) S. 317 (Sep.-Abdr. S. 41). 



48 

des ersteren ist charakteristisch. Bei dem heutigen Schlägen hat sich 
die Donau in jähen Krümmungen ihren Lauf durch felsiges Gebirge 
erzwungen, das an beiden Seiten schroff in den Strom abstürzt. Die 
Heeresstrasse (der Limes) konnte hier nicht am Ufer, sondern inusste 
über die Höhen landeinwärts geführt werden, wodurch die Ueberwachung 
der Grenze erschwert wurde, während anderseits die Zugänge, die vom 
Innern des ßarbarenlandes zu dem jenseitigen Donauufer führten, die 
Gefährdung der Grenze vergrösserten ; diese Zugänge werden durch die 
Thäler von Nebenflüssen, die eben dort am linken Ufer in den Strom 
münden, gebildet. 

Genau dieselben Merkmale finden wir im unteren norischen Ufer- 
land an jenen beiden Stellen, welche weder als Flottillenstationen noch 
als Stationen von Hilfstruppen genannt werden, an der Mündung der Ips 
und der Fladnitz. In beiden Fällen haben wir enge Stromschluchten, in 
dem einen jene zwischen Grein und Melk, im andern die zwischen Schön- 
bühel und Traismauer; in beiden Durchbruchstellen macht der Strom 
grosse Krümmungen, einmal zwischen Persenbeug und Säusenstein, daun 
bei Rossatz und Mautern. Dort gieng der Limes landeinwärts, hinter 
dem Sittenberg, von Arlape nach Ad ponte Ises ') und von da über 
Mauer an der Url (bei Amstetten) nach Lauriacum ; hier wendete er sich 
von Traismauer nach St. Polten (Cetium) und von letzterem Ort nach 
Melk. In der oberen Stromschlucht mündet die Isper, in der unteren 
die Krems und neben ihr, schon in der Ebene, der Kampfluss. 

Diese Uebereinstimmung der Terrainbeschaffenheit legt es nahe, 
für die beiden Stroraschluchten dieselbe Art der Sicherung vorauszusetzen, 
welche für Joviacura und Carnuntum bestand, d. i. durch Libumarier- 
posten. Und in der That führt die Notitia im unteren norischen Ufer- 
lande zwei solche auf: Ad juvense und Fafiana, für welche, wie wir 
bereits gesehen, nur mehr die Mündungen der Ips in der oberen und 
jene der Fladnitz in der unteren Stromschlucht übrig bleiben, da an den 
Mündungen der übrigen Nebenflüsse andere Stationen lagen. 

Nun führt die Notitia die Posten gleicher Art in geographischer 
Folge, von den oberen zu den unteren Stromgegenden vorgehend, auf. 
Also muss der zuerst genannte Posten Ad juvense in der oberen Strom- 
schlucht bei Ips, der Posten Fafiana in der unteren Stroinschlucht an 
der Fladnitz gelegen haben. Mit andern Worten : es giebt keinen andern 
Punkt, an welchem wir Fafiana suchen können, als das heutige Mautern, 



l ) A. Duiigel. Mitt. der k. k. Centr.-Coiniu. XIX. T2. 



49 

wo ja auch in der That Römerfunde zu verschiedenen Zeiten gemacht 
wurden. ') 

Aus Eugipius erfahren wir von Favianis, dass es hart am Donau- 
ufer (C. 31) und — auf dem Wasserwege (Danuvii navigatione) centum 
et ultra milibus von Passau entfernt war (0. 22). Nach Capitel 24, in 
welchem Eugipius einen Wasserweg von 26 Milien Länge zwischen Passau 
und Joviaco auf zwanzig und mehr Milien angiebt, können wir den Spiel- 
raum, der bezüglich Favianis gelassen ist, auf mindestens 125 — 130 Milien 
ausdehnen. 

Damit kommen wir schon 10 — 15 Milien unterhalb von Melk herab, 
also in die untere Donauschlucht, in welcher bis Mautern keine Römer- 
station lag. Letzteres liegt 135 l / 2 Milien Wasserweges von Passau ab. 

Vergleichen wir diese Angaben mit den aus der Notitia für Fafiana 
gewonnenen Merkmalen der Ortslage, so haben beide gemeinsam die aus- 
drückliche Hinweisung, dass die betreffenden Orte hart an der Donau 
liegen; nach beiden müssen sie ferner in der unteren Stromschlucht 
zwischen Schönbühel und Traismauer gesucht werden. 

Die andern, zum grösseren Teile schon von Alois Huber aus der 
Schrift des Eugipius hervorgehobenen Merkmale der Ortslage betreffen 
das linke Donauufer. Gegenüber von Favianis, nicht allzuweit von diesem 
entfernt, stand die königliche Burg der Rügen (C. 8), noch näher gegen 
das Ufer ein vicus der Rügen (C. 8 „in proximo a Favianis vico"), endlich 
wird unmittelbar gegenüber von Favianis eines zahlreich besuchten Marktes 
desselben Volkes Erwähnung gemacht (C. 6 nundinis frequentibus, C. 9 
in nundinis barbarorum). 

Damit sind die Elemente ^ines Hauptortes gegeben ; sie setzen die 
Sicherheit der Lage für die Königsburg und die Kreuzung von Verkehrs- 
linien für den Markt voraus. Diesen Bedingungen entspricht, soweit das 
linke Donauufer der Strecke zwischen Schönbühel und Traismauer gegen- 
über liegt, nur die eine Stelle bei dem heutigen Krems und Stein. Von 
der rechten Seite durch das nahe anstehende Gebirge und die Krems, 
von der linken durch die Wasserlinie des Kampflusses geschützt, hatte 
die Königsburg vor sich den vicus der Rügen und dann die Donau als 
Schutzwehr, hinter sich das Kremsthal als eine Rückzugslinie, die sie 
selbst beherrschte. Die gleichen Vorteile bot die Gegend aufwärts und 
abwärts nicht wieder. Aufwärts steht das Gebirge bis an den Strom 
heraus, abwärts vom Kampfluss eröffnet sich die Ebene, in der zwar 



*) Hormayers Archiv f. Geogr. u. 8. w. 1825, S. 29. — Corpus Inscr. 
lat. III. 2, 5666. - 6567-6569. 

Bliti. d. V«r«iBM f. Landuk. 188*. 1, S «. 9. 4 



60 

bis Triebensee Ansiedlungen von Eugen bestanden (s. oben S. 9), 
aber es ist einerseits nicht denkbar, dass Letztere bei der gefürchteten 
Nachbarschaft der Ostgothen ihre Hauptniederlassung im offenen Feld 
gehabt hätten (s. oben S. 11), anderseits kommt die Gegend unterhalb 
von Traismauer schon wegen des allzugrossen Abstandes von Passau 
nicht mehr in Betracht. 

Ferner bilden die genannten Flüsse Krems und Kamp auf der 
einen, die Fladnitz und Traisen auf der andern Seite von Böhmen und 
von dem Binnenlande von Noricum her einen trefflichen Zugang zur 
Donau, welche ihrerseits gerade an dieser Stelle, in der Stromschlucht, 
die beste Gelegenheit für Zufuhren aus dem oberen Uferlande darbot. 
In ganz Niederösterreich findet sich eine gleich günstige Kreuzung von 
Verkehrswegen nicht wieder. Man darf dabei nicht vergessen, dass die 
Stellung der Eugen zu den Ostgothen die Handelsverbindungen zwischen 
beiden beträchtlich erschwert haben muss und die Erstereu, wenigstens 
bis zum Jahre 473, also in der für uns entscheidenden Epoche, ihren 
Bedarf an Getreide, Salz, Eisen und den, immer eine grosse Eolle 
spielenden römischen Industriewaaren auf nächstem Wege aus und über 
Noricum, nicht von Ober-Pannonien bezogen. Das gab den Verkehrs- 
linien, die sich bei Krems kreuzten, für eben jene Zeit eine erhöhte 
Bedeutung. Eben diese Kreuzung der Verkehrslinien hat eine ähnliche 
Folge auch im Mittelalter gehabt ; auf dem ganzen linken Donauufer von 
Niederösterreich ist kein Gemeinwesen so hoch emporgekommen, als 
jenes der an ihr gelegenen Städte Krems und Stein. 

Während also der Ort Fafiana nach den Angaben der Notitia nur 
in Mautern gesucht werden kann, können die Merkmale, welche Kugipius 
von der, Favianis gegenüberliegenden Ansiedlung der Eugen augiebt, 
nur auf Krems und Stein, gegenüber von Mautern, bezogen werden. 
Beide Quellen treffen hierin zusammen ; darum halten wir Fafiana und 
Favianis für einen ui;d denselben Ort und bestimmen ihn auf Mautern. 

3. Zwischen den Schülern des heil. Severinus, als sie nach Italien 
gezogen waren, und den Söhnen des heil. Benedictus, entspann sich 
eine innige Verbindung und Uebereinstimmung ; um andere Beweise hie- 
für bei Seite zu lassen, 1 ) sei nur erwähnt, dass die Abschriften der 
Vita des Eugipius durchaus aus Benediktinerstiften herrühren. Es fragt 
sich nun, haben die Benediktiner, welche 747 nach Mondsee, 777 nach 



') Vgl. hierüber und über das Folgende die Ausführung in meiner Ab- 
handlung: Favianis, in den Ber. u. Mitteil, des Altert- Ver. zu Wien. XIX. (1880) 
S. 59 (Sep.-Abdr. S. 11). 



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51 

Kremsmunster gekommen waren, dem Schauplatz der Thätigkeit des 
heil. Severin nachgeforscht, als das untere Ufer-Noricum durch die 
Siege Karls d. Gr. über die Avaren von der Herrschaft der Letzteren 
befreit wurde? Es lässt sich dies mit Bestimmtheit voraussetzen; denn 
es liegt in der Natur der Dinge und ist kirchliche Uebung nicht blos 
ideal, sondern auch örtlich an die einstige Thätigkeit hervorragender 
Glaubensboten anzuknüpfen. 

Von diesem Gesichtspunkte aus kann man es nicht mehr als Zufall 
betrachten, dass für die älteste Niederlassung der Benediktiner in Nieder- 
österreich Mautern gewählt wurde; im Jahre 985 wird eine Basilica 
des heil. Agapitus, eines der Patrone von Kremsmünster, in Mautern 
genannt, welche wahrscheinlich damals schon längere Zeit bestand, 
indem schon Ludwig der Deutsche und insbesondere Kaiser Arnulf 
(J. 893) in der Nähe dieses Kirchleins einen weit ausgedehnten Besitz 
diesseits und jenseits der Donau dem heil. Agapitus, d. i. dem Stifte 
von Kremsmünster widmeten. Diese ungewöhnlich grossen Schenkungen 
an jener Stelle lassen sich nur aus dem Plane erklären, dort ein neues 
Benediktinerkloster zu gründen, welches von Kremsmünster aus beschickt 
werden sollte, um in den so lange von Barbaren beherrschten Gegenden 
die christliche Kultur zu verbreiten und zugleich die Slaven am jen- 
seitigen Stromufer dein Christentuine zu gewinnen. Zur Ausführung 
konnte es damals nicht kommen, indem der Krieg Arnulfs gegen Swa- 
topluk und die daran sich knüpfenden Einfalle der Ungarn auf lange 
Zeit die Durchführung des Planes vereitelten. Aber nach Vertreibung 
der Letzteren wurde der Gedanke ausgeführt. Bischof Altmann von 
Passau gründete im Jahre 1072 auf dem nächst Mautern sich erheben- 
den Berge ein Kloster für Augustiner-Chorherren (Göttweig), welches 
1094 von Benediktinern aus Einsiedeln besetzt wurde. Im Stiftbriefe \) 
wird das Kirchlein des heil. Agapitus nochmals genannt, um die Lage 
eines Objektes zu bezeichnen, welches dem neuen Kloster als Besitz 
zugewiesen wird. Dies Objekt ist ein G e m ä u e r (in u r a 1 e) o b e r h a 1 b 
des genannten Kirchleins. 

Da ein blosses Mauerwerk für sich keinen materiellen Wert haben 
konnte, der es erklärlich machte, dass man es im Stiftbrief unter den 
Besitzungen des neuen Klosters mit genauer Angabe seiner Lage aufführte, 
muss es mit ihm eine andere, das religiöse Leben berührende Bewandtnis 
gehabt haben. 



*) Fontes rer. Austr. VIII. 250. 

4* 



52 

Eben die genaue Angabe seiner Lage deutet nun darauf hin, dass 
damals in Mautern noch anderes Mauerwerk vorhanden gewesen sei. Wenn 
wir in Betracht ziehen, dass seit dem Abzüge der Römer im Jahre 488 
das Land auf längere Zeit verwüstet lag, dann von 546— 5G8 die Lan- 
gobarden, endlich von 568 — 799 die Avaren in demselben hausten, so 
wird man den römischen Ursprung jener Mauerreste nicht bezweifeln 
können. Also von den Resten eines Römerortes, der einstens hier 
bestanden hatte, wurde speciell ein Mauerwerk dem neuen Stifte als 
Eigentum zugesprochen. 

Es wird ferner das Kirchlein des heil. Agapitus, das unterhalb 
dieses Mauerwerkes stand, nicht ecclesia, sondern im Jahre 985 basilica, 
im Stiftbrief von Göttweig (1072) capella genannt. Sie war also keine 
Pfarrkirche, sondern eine kleine Gebet- oder Nebenkirche, dergleichen 
an bestimmten, einer frommen Erinnerung geweihten oder durch Wunder 
ausgezeichneten Plätzen, lediglich zur Erbauung des Volkes, nicht aber 
für pfarrliche Verrichtungen aufgeführt zu werden pflegten. 

Das legt uus die Vermutung nahe, dass das nebenan stehende 
Murale für eine geheiligte Stätte gehalten und die Agapituskapelle aus 
diesem Grunde ebendort erbaut worden sei. Da es Benediktiner von 
Kremsmünster waren, die sie errichteten, wie aus der Widmung «in den 
Patron ihres Stiftes hervorgeht, da die Kapelle den ersten Vorposten einer 
neuen erweiterten Wirksamkeit derselben darstellt, endlich da wir vor- 
aussetzen müssen, dass sich die Benediktiner hierin als Fortsetzer der 
ihnen aus der Vita wol bekannten Wirksamkeit des heil. Severin betrachtet 
und dass sie auch örtlich an letztere angeknüpft haben: so müssen wir 
scbliessen, dass sie jenes Murale für einen Ueberrest des Klosters von 
Favianis gehalten haben. 

Mit dieser Folgerung kommt Licht in den schon erwähnten Plan 
einer neuen Klostergründung in der Gegend von Mautern. Man wählte 
dafür den Platz, wo einst St. Severin den Mittelpunkt seiner Wirksamkeit 
hatte, nicht blos um diesseits der Donau den Norikern in geistlichen und 
weltlichen Nöten beizustehen, sondern auch auf Fürst und Volk der Rügen 
jenseits der Donau einzuwirken. Einen ähnlichen doppelten Zweck sollte 
auch das neue Kloster verfolgen, und wenn das Projekt, nachdem die 
Misgunst der Kriegs Verhältnisse gewichen war, wirklich in eben dieser 
Gegend zu Stande kam, so liegt darin ein glänzender Beweis für die 
richtige Wahl des Ortes, sowol was die Thätigkeit des heil. Severin, 
als auch deren Fortsetzung durch das neue Kloster betrifft. 

Wir gestehen gerne, dass wir mit dem Gesagten eine Kombina- 
tion gegeben haben. Allein man wird nicht läugnen können, dass sie 



*8 

auf Thatsachen beruht, mit den geschichtlichen Verhältnissen überein- 
stimmt und eine beträchtliche Stütze in den oben angeführten Umständen 
findet, welche uns nötigen, Favianis in Mautern zu suchen. 



Zum Schlüsse sei uns gestattet, hier noch einen Punkt hervor- 
zuheben. In dem ersten wie im zweiten Abdruck seiner Abhandlung hat 
unser Herr Gegner die Aeusserung gemacht, erst einigen Skeptikern 
der jüngsten Zeit sei es vorbehalten gewesen, an dem 1400jährigen, 
liebgewordenen Glauben an die Wohnstätte des heil. Severin in Wien 
zu rütteln und es sei ihnen gelungen, durch ihre künstlichen Deductionen 
und Suppositionen, es dahin zu bringen, dass man nahe daran war, 
denselben beinahe ganz aufzugeben. 

Wie sich aus der Literaturgeschichte unserer Frage, die ich in 
meiner letzten Abhandlung 1 ) wie ich glaube, ziemlich vollständig mitteilte, 
ergiebt, hat sich schon am Ende des XVI. Jahrhunderts der Geograph 
Abraham Ortelius (1587) gegen die Identitätslehre erhoben und sie 
als ein literarisches Ergebnis des Mittelalters bezeichnet. Ihm folgten im 
XVII. Jahrhundert Georg Braunius (1618) und der Jesuit Brietius 
(1649); dann führte der Bibliothekar des K. Leopold L, Lambecius 
in den Jahren 1665 — 1679 einen vernichtenden kritischen Kampf gegen 
die Identität. Ihm folgten mehr oder weniger selbständig in Oesterreich 
J. Ph. Graf Inzaghi (1671), W. Gf. Purgstall (1701), der be- 
rühmte Hieronymus P e t z (1731), Pater Phil. Hueber (1743), Scheyb 
(1766). In Deutschland, Frankreich und Italien vertraten die Gegner- 
schaft der Identität: P. Franz Pagus (t 1699), der Historiker Lenain 
Tillemont (1712), Dom Eemy Ceillier (1748), Abbe* Godescard 
(1783), Mannert (1792), Joh. Matth. Schröckh (1792), F. G. 
Eichhorn (1816), Fr. H. Th. Bischoff (1837), Forbiger (1848) 
und Böcking. 

Uns scheint nun nach dem Vorgebrachten, dass die Gegner der 
Identität nicht erst der jüngsten Zeit angehören; ob sie den Namen 
von Skeptikern verdienen, d. h. von Leuten, die aus blosser Zwcifelsucht 
eine anerkannte Wahrheit zu erschüttern bestrebt sind, mag der freund- 
liche Leser nun selbst entscheiden. 



*) Favianis, Ber. und Mitt. des Altert.-Ver. zu Wien. XIX. (1880), S. 75, 
77-81 (Sep.-Abdr. S. 27, 29-33). 



54 



Oesterreicher an italienischen Universitäten zur Zeit der 

Beoeption des römischen Rechts. 

Von Prof. Dr. Arnold Luschin von Ebengreuth. 

(Fortsetzung.) 

Acta Consiliarii Aitelli Joannis ab Althan Austriaca memoria et 

sei tu dignissima. Anno domini MDL XIII. 

(fol. 94.) Grato Successori S. P. D. — Etsi vereor amice successor ne 
turpe sit, nie laudatissimoruin antecessorum meorum vestigia secuturuiu et rerum 
geßtaruni tibi et posteris proditurum memoriam, timere minimeque deceat, prae- 
sertim cum meo ine pede metiar et quam parum in hoc scribendi genere possim 
ingerere fatear. Tarnen via ista qua mihi incedendum uideo. ita lubrica, ut in 
ea insistere aut ingredi sine casu aliquo et prolapsione nequeam. Terret animum 
meum qui quieunque ineiderit pristinum lectoris candorem, fidem et benevolentiam 
minime videt. quae si adversa mihi fore putarera, cederem tempori et labore hoc 
supersederem. Sed recreat et reficit me tuum gravissimum Judicium, qui certe 
nee justiciae nee huinanitatis tuae duceres esse raecuui. qui non ambitione aut 
arrogantia, sed officio et necessitate ad hoc scribendi onus impulsus accessi, 
calumnia, odio, et malevolentia a quibus me longe alienum fore sanete proinitto, 
concertare (!) Proinde et te candidc lector, quieunque olim in id scriptum ineides, 
rogo, ut non alia. quam qua edidi mente, Candida nimirum et syueera pro tua in 
viros bonos humanitate et benevolentia id ipsum aeeipere et quidquid absurdi, 
inelegantiae aut in generis vitii habuerit, temporis injuriae et mihi, qui aliis hac 
in parte libenter cedo, tribuere uelis. Ego vicissim deum Optimum maximuni 
testor, me in horum omnium nan'atione latum quidem unguem quod ut inprimis 
historica fides agit. vel amoris, aut odii affectu a rei veritate declinaturum. Vale. 

D. 0. M. A. 

Redeuntibus jam calendis Augusti anni MDLXIH quibus novi Rectoris 
Pata vini electio, quae tum Ultramontanorum celebranda fuit, nemiue autem verum 
ad id dignitatis et honoris fastidium idoneo vei potius aspirante reperto, aliquis 
Cisinontanorum vel Trevisanus a natione sua ad hoc deputatus officium, vel Petrus 
Maciolenus Bergamensis iam eo elapso biennio defunetus, concordi totius Uni- 
versitatis suffragio, non sine maximo Germanorum et aliorum Ultramontanorum 
dedecore et ignominia in annum sequentem Kector electus aut confirmatus fuisset. 
Quod cum vir eruditione et morum integritate elarissimus S. Wolfgangus Lutzius, 
Landspergensis, Bavarus, inelytae tunc nostrae nationis Germauicae consiliarius 
dignissimus videret, mihi quoque Aitello Joanni ab Althan Austriaco, procuratori id 
ipsum significat, nos de futuro Rectorc solliciti, mentem et voluntatem nostratium, 
cum officii tum et iam statutorum nostrorum ratione ad hoc obligati, et negotium 
summopere Bressanis urgentibus. studiose inquirimus. Nullum autem praesentium 
quidem rectoream diguitatem subire volentem invenieutes, tandem in nobilissi- 
mum virum dominum Julium a Kommerstat, qui vel inprimis ad hoc idoneus 
videbatur, tunc Cienigani ob loci aeris et coeli salubritatem clementiam. nee non 
valetudiuis suae observantiam absentem ineidimus, ipsumque ego et antecessor 
meus, 18. Julii equis eo vecti, omni prius negotio dili genter ipsi exposito, nomine 



55 

nationis nostrae. vehementer rogavimus, ut in ipsius et suimet honorem, dignitatem 
et gloriam eonseTvandaui, nobilissimam haue seqne dignissimaiu provinciam non 
graveretur suscipere, (fol. 95) nee enim eruditionem nee suinptns, quae duo 
uiaxiina sunt obstacula, sibi defore. Jpse autem modeste admodum se reeusans, 
plures causas allegat, nobisque Nationis nomine pro suo in se favore et studio 
gratias agit maximas. Nos contra preeibus adeo institiinus ut iis tandein victus, 
mutata sententia 8ub quatuor tarnen eonditionibus locum daret qua nun 

1. Si non sit futura practica, hoc est, si placide quiete et sine omni eoin- 
petitorum dissensione aut animoruui auf armorum electio Hat. 

2. Si inviolata et salva sibi Christiana et Evangelica religione officio 
fungi liceat. 

3. Si eligatur quidam idoueus substitutus et Vicerector, cui interdum 
valetudinis suae conservandae causa abfuturus, rem omnem gubernandam tuto 
cominittere possit. 

4. Si adjungantur sibi aliquot viri morum et consuetudinis bene periti, 
quorum opera. consilio atque autoritate in administranda republica literaria nitatur. 

Hoc responso aeeepto tibi laetiores et quasi voto nostro facti compotes Pata- 
vium reversi sumus, dominus consiliarius nostram nationem 23. Julii rite per bidel- 
lum convocari curavit, quae ob illusti'issimorum Baronuni aliorumque nobilissimorum 
virorum presentiam adeo frequens et celebris comparuit, ut etiani scamna praeter 
solitum nobis deiieerent. In ea praelectis a ine uti procuratore Nationis nostrae 
statu tis ut inoris est. dominus Consiliarius habita luculeuta gratiarum actione 
Nationi officium suum resignavit, et dominum Wiliwaldum Gebhardi Noricum et 
alios eruditione, virtute et morum integritate praestantes Adoleseentes complures 
sibi successores proposuit, verum ego uno eorum recusante ßaronum forte et 
familiarium erga nie gratia, studio et favore magis quam mea vel industria vel 
inerito concordi omnium suffragio et viva voce, nullo penitus discrepantc, deo 
optimo maximo auspice ex procuratore consiliarius designatus sum. Suceessit 
mihi autem ejusdem inelytae nostrae Nationis Gcrmanicae unanimi consensu 
dominus Joannes Schlickh, Augustauus, vir mirae eruditionis et rerum experientiae. 
In locum autem mei collegae nobiüssimi juvenis Domini Constantini von der 
Hayden Antuerpiensis qui nuper Bononiam discesserat, substitutus I). Cornelius 
von der Hoech, Hagensis Hollandus, vir nobilitate, eruditione et autoritate in- 
signis, eonfirmatus est. Oriebatur autem tum duplex conteiitio, una ex parte 
praeeeptorum sese iuique a nobis per statuta a consiliarii dignitate et honore 
exeludi conquerentium, ob eamque causam nee onerum se partieipes fore jaetan- 
tium. Altera autem eorum. qui sibi nostrae nationis matriculam contra ejusdem 
statuta more tarnen reeepto ad sua nomina dauda deferri postulabant. Responsum 
est utrique. His quidem non ex consuetudine sed quodam errore contra statuta esse 
introduetuni, hoc ideoque nee ad consequeutiam trahendum, praesertiin cum in 
eo Nationis autoritas et existjmatio pro quibus summa singulis meinbris debet 
esse contentio nounihil laedantur. Ulis autem, non nostrae esset potestatis abro- 
gare aut saltem corrigere statutum de consiliario noviter eligendo, cum non natio 
sed Universitas, a qua mutuo bibunt, idipsum condiderit. 

(fol. 96.) Et sie utrinque non tarn composita quam sopita re meus antecessor 
conditiones a doinino Hectorando proposito nationi recitavit, quaeque ratione iliis 
satisfieri possit, deliberaret, rogavit. Tum ego cum dominis procuratoribus meo 
aatecessore et aliis quibusdam a Natione ad id mihi deputatis, practices onus 



56 

cum ob temporis angustiain tum etiam ob praedictas conditiones longe diffioillimnm 
in me suscepi. Hicqne peractis Natio dimissa est. Altero autem die nos praefati 
in aedibus meis congregati deliberavimus, qua ratione, conditionibus praesertiin 
8ecundae quae eeteris difficilior videbatur, a Natione responderetur. Cum enim 
revera competitor nullus esset, nee turbulentus ut tristis praetices eventus perti- 
mescendus fuit. Praetere» et idonens substitutiv sive Vieerector item consiliarij 
et advocati non deerant, tarn Gennani quam Itali. Sed et seeundae respondimus 
et omnia literis complexi suinus, easque ego et D. procurator Cornelius Conizanum 
reversi doinino a Kumerstat obtulimus. Quibus leetis respondit se gratifieando 
Nationi quidvis libenter aggressurnm et in eis honorem sumptibus pro virili non 
defuturum. Iuterea Petrus Maeiolenus Bergamensis, Universitatis, Reotor et Bru- 
gora Mediolanensis Vieerector, quorum uterque in officio se coufirmatum fore 
speravit, ni Germanus aliquis sibi obstitisset, patefaeta sibi omni nostra practica 
ubi de se et honore suo inconclamatum esse videut, adversae partis, scilicet 
Vicentinorum, Polonorum et aliarum nationum asseetarum facti dnees omnes 
ingenii et corporis sui nervös et vires intendunt. ut honestissimos nostros conatus 
suis artibus et practicis irritos et inanes faciant, quod ut commodius fieret, suas 
nationes, Mediolanenses et Bergamenses a nobis avertunt omnes. Horum exemplo 
ex Cismonranis quidam nobilis Treuisanus ubi hactenus ex Ultramontanis neminem 
ad Rectoream dignitatem aspiraturum intcllexit, ipse mnltis sumptibus et impensis 
summopere eiusque contendit, donec de nostro subjeeto et Rectorando certior 
factus sibi quoque per nostros repulsam vidit afferri, quamobrem animi impa- 
tientia fractus et sese ab aeeepta injuria vindicaturns omnium Trevisanorum 
animos a nobis alienavit. V T icentini vero, perpetui nostri adversarii et autagonistae 
sibi iudicum et assessorum ipsius Praefecti, qui et ipsi Vicentini erant bene- 
volentiam comitiabant et ad usus suos adjnngebant, in quorum nuinero fuit judex 
de Aquila, judex maleficiorum, et gubernator de Padoa. His adjuneti erant quos 
paulo ante nominavi, Rector et Vicerector, qui simul quisvis facile harum rerum 
ignaro Praetori persuadebant. Poloni denique, ne ipsi soli essent oeiosi, nostros 
in plateis singulatim ineidentes verbis et factis molestant. consiliarium Ungaricum 
nostrarum partium studiosum stricto gladio latronum more invadunt, secumque 
captivum abduetnm minis et metu pene perculsum dimittunt. 

His omnibus accedit, quod maxima pars Bressanorum perpetuo nobiscum 
confoederatorum paulo maturius de nostro Rectore interrogans snasque operas et 
studia promittens, in suspenso et incerto remissa tempore vaeantiarum ut assolet 
domum se contulit, quia etiam nos metipsi triduo ante de Rectore incerti fuimus. 
Nos igitur tali responso Domini a Kumerstat optime contenti ipsi gratias quas 
potuimus egiinus maximas pro sua in nostram uationem humanitate et bene- 
volentia et 27. Julii ab eo reversi ilHco aliarum nationum voces et suffragia 
ostiatim collegimus preeibus et pollicitationibus nostra opinione plures in nostram 
sententiam pertraximus Romanos, Gallos, Provinciales, Burgundos, Ungaros, 
Neapoiitanos. Siculos, Bressanos et Furlanos, non addo (fol. 97.) nostros, qui 
soli numero tanti fuimus, ut adversarii visa illorum frequentia et potentia, fracti 
animo ab omni spe potiundae victoriae prolapsi intercedeute pro se nunc Prae- 
tore nunc Judice maleficiorum, nunc Rectore medicorum nobis snpplices facti' 
rogaut, ut tan dem vcl duorum gladiorum licentiam eis largiamur, se ab omni 
practica non solum quieturos verum etiam magna cum gratulatione nobilium 
Rectorem se domum dedueturos promittunt. Qui cum ex instantia Bressanorum 



57 

nihil prorsus impetrarent et repulsam puterentur, eorainoti nimia profecto nostra 
superbia et duritia fraude et dolo rem tentant et extremis extrema remedia ad- 
hibent, quae omnia felicissime successerunt dum Brugora, ille etüm ubi se 
nihil aut panun certe profeeturum esse uidet, licet et judioes oppositionuin et 
Nationes nonnullas a nobis ßeparaverit, nisi nobis competitorem aliquem et con- 
currentem opponat, Polonos nobis ut ex actis inei antecessoris patet infensis- 
simos sollicitat, ut vel servum aliquem vestibus subornatum et ainictum nobis 
obtrudant, se victoria per fas et nefas facile potituros et ad hoc contributuros, 
fore enim hoc nobis suinmae ignominiac illis auteni utrinque maxiino honori ; 
Polonis quidem, quia Poloiius Rector esset, illis autem, quia simulata aliqua 
causa discedente eo, se et Kectorem antiquum in officiis, ob quod omnis practica 
eoepit, confirmatos fore. Ipsis commentum placet, nobis hercle uon fit verissimile 
Polonum stipeudiatum et dignitate praedicto haud superiorem esse virum nobili- 
tate generis, virtute et divitiis darum atque Optimum Catholicum, nostrum igno- 
bilem, et haereticum. Deinde Praetorem obnixe rogant ut novi Rectoris electionem 
quae ordinarie fit Calendis Augusti propter capitanei collegae sui adversam vale- 
tudinem in octavain Augusti differat. Subito mandat hoc Praetor iutimat id ipsuui 
Vicerector Brugora, atque his datis indueiis Vicentiam Scholares accersitum ut 
nos suffragiorum numero vincant, inittit. 

Nob contra Praefectum adimus, dolum adversarioruin detegimus, dilatiouem 
hanc in nostri et universitatis statutorum, quae volunt ut remota omni exceptione 
ut altero tantum gubernatorum ])raesente praedicto tempore electio celebratur, 
magnum tendere praejudicium conquerimur, praecamur denique ut pro suo in 
nostram Nationem quem pridie exposuerat favore salvis statutis negotii mandet 
fieri exeeutionem. Verum non audimur. Igitur et Capitaneum virum prudentem 
literatum et Praetore nobis aequiorem eadem conquesturi accessimus, qui statim 
ablegato quodam suo consiliario Praetorem amice hortatur, ne electio differatur, 
sed crastino die secundum nostram petitionem et statutorum vigorem ballotetur. 

At Praefectus scntentia non discedens pertinaciter nt ante recusavit. Ego 
itaque et domini Cornelius procurator, Theodoricus a Schwerin, Woisoth (?) et 
Wesel rei indignitatc commoti, adjunctis nobis italicis quoque consiliariis ipsis 
Calendis Augusti ad impediendum dilatiouem Venetias ad clarissimos Patavinae 
scholae Reformatores illustrissimumque Ducem ipsum iter arripimus ibi coram 
de dolo adversariorum et Praetoris facto conquerimur, supplices precamur ut per 
litteras ad Praetorem missas jubeat fieri exeeutionem. 

Interea nostri Germani conduetis aedibus optime armati circiter centum 
fere omnes viri iique fortissimi confluunt, duos duces et alios railites gregarios 
italos numero 10 conscribunt et inontem Albannm ut vocant atque adeo ipsam 
aciem non secus ac quotidie cum hoste arma collaturi, instruunt, exeubias et 
caetera mnnera militaria agentes nostrum summo desiderio reditum expeetant. 
(fol. 98.) Postridie igitur cum domino a Schulenberg, Hartenberg et aliis quibus- 
dam nobilissimi8 viris quos Venetiis ex hospitio nobis itineris comites et laborum 
socios assumpsimns, reversi exoratores, summo mane Praefecto offerimus literas 
quibus magno animi dolore leotis, in crastinum rem integram esse jussit. 

Die autem sequenti, quae erat 4. Augusti hora 16 nostri a nie per bidellum 
diligenter vocati et invitati convencre, ibi fuit iste profecto conventus propter pluri- 
moruih illnstrissimorum Comitnm, Baronum et nobiliuin praesentiam et frequen- 
tiam longe ornatissimam, totique reipnblicae Patavinae incredibili voluptati et ad- 



58 

inirationi. Onniia eniui meorum anteoessorum acta et monumenta percurrens nun- 
quam huic si ad dignitatem sive frequcntiam spectes, siniilem misse reperi. Tunc 
Praetor sub gravissima poena feeit promulgari edictum, ut utraque pars inermis 
ad futuram electionem aeeederet. Positis ergo annis tarn defensivis quam nocitivis 
instante jam 18. (hora) in Capitanci palatimn tota schola Patavina praesente, 
magna undique stipati caterva et frequentia contendimus. ibi nos primum, exclusi 
omnibus aliis nationibus exceptis Praefeeti assessorihus et Oppositionen jndieibus 
in Praetorium Tocati. sensimus, quid posset [talica practica et astucia. Stricto et 
rigoroso contra nos solum iure proceditur, examinamur. numquid omnes Germ an i 
scholares Legistac et Cutholiei simus et an nostris vivamus sumptibus. Examinati 
et legitimati inscribimur numero 1G1 tandem dimittiinnr. Vocautur Poloni. qui licet 
se numero 30 esse jactitarent, tarnen a ine et soeiis simili modo examinati vix 
tres legitimi. Legistae scilicet et qui suis viverent expensis reperti sunt. Ob quod 
cum snmmopere coutenderem ut in supplendam illorum natio abiret numerum (V), 
jam Praetor quidam e nostris satis importuni misericordia (fol. 99) nescio qua 
duetus nunc 20 nunc 18 voces petentibus Polonis, duodecim concessit. Tarnen 
hoc non obstante, cum se nobis numero longe inferiores vidcrent de vic,toria 
desperantes. coramqne Praefecto protestati, se omni suo jure renunciare miuime 
autem se velle Rectorem (iermanuiii haereticum agnoscere, loco ccsserunt. 

Ad quod Praetor: „Scribatur ergo Rector Germanus'*. Quae vox nostros 
adeo securos effecit, ut plerique sui ofh'cii immemores nihil amplius de futuro 
Rectore solliciti de rerum nostrarum statu aliis iuterrogautibus. ante victoriam 
triumphum pollicerentur, dicentes nihil periculi reliquum. agi tautummodo de 
supplendis, Rectoreni nostrum, cui alias gratulatum adduxere, jam scriptum et 
pronunciatum esse. Interea ine et aliis quibusdam sed paucioribus praesentibus 
et pro virili reclamantibus. vertitur folium et iniqua adversariorum procedit prac- 
tica. Nam Caspar, nomine et re Vilanus, publicus notarius hoc Praetoris pronun- 
ciatum sicut et alia plurima quae ex re nostra fucrunt. corruptus ab adversariis, 
neglexit et dissimulavit nee scripto coneepit. Similiter et alii reclamarunt Rectorem 
nostrum non fore legitimum nisi post siugulas nationes examinatas, ab electionariis 
consiliariis ut moris est creetur. Ergo et omnes reliquae Nationes nostrarum 
* partium studiosius singulatim paulo minus nostra, rigorose examinatae pro nostro 
Rectore sua mittunt suftragia. Adversariae autem judieibus Oppositionen ad hoc 
conniventibus confuse, inordinate non nuinera tae (fol. 100) nee legitimatae sed 
palam Artistae et Medici pro legistis, diversarum Nationum scholares pro una 
Natioue, contra statuta et morem consuetum contra sua suflragia dant, unus idein- 
que scholaris bis, ter, quaterque ad ballotandum admittitur. Hinc aeeidit, ut ubi 
in una Nation«; 4, 5 vel sex essent scholares, arte et industria judicum oppositiones 
negligentium et Rectoris antiqui contra statuta ad hoc pro libitu ballota distri- 
boeutis ad 40, 50 et HO exsurgerent. Praeterea fraus eommittebatur in supplendis. 
Cum enim Cltramontani '3. item quinque Cismontani seeundum statuta universitatis 
nationem, pauciores autem supplendam constituant ipsi ad minus haec qui se 
Hispanos, Bohemos et Pedemontanos, quorum nationes tunc vacabant, esse dice- 
rent. cum re vera non essent, subornant. His peractis numerantur vota, viuciiiiur 
suffragiorum numero et quidem majori quam erat fere praesentiuin adversariorum. 
Canit victoriam Rector antiquus et Practori ista admiranti et interroganti: „lu che 
modo pol esser questo"? recitando statutum respondit, ipsins non esse ista in- 
quirere, sed ideo tantum eius requiri praesenttam, ut scandala evitentur. Ad quod 



59 

cum iracunde Praetor: „Adonque ini sono qui per una oocha" ne verbum quidem 
amplius. Tunc comes et caeteri Poloni fraudulentae practiees successu inflati, 
non obstante illoruin protestatione et renunciatione, redeunt et ipsis lateribus 
judicum se adjungunt, nostri autem stetere loco novissimo. Nos summo studio 
contradicentes et reclamanteß rem non ita se habere, justitiam et officium judicis 
imploramuB, rogamus quo jure redeant, cum omnibus renuntiarint et protestati 
sint, rerum non audimur, imo magno judicum et Zaphorum, quos lictores nos 
dicimus, impetu ejecti saepius ad idem. redimus, donec increscente an im or um et 
armon.m ardore, clamore et contentione illorum impetum amplius non sustinere 
nee qnicquam proficere potuimus, coram Praetore de injuria et nullitate totius 
actus prote?*titi recessimus. Verum notarius ut addixi, nihil quod ex re noßtra 
fuit, sie nee protestationem nostram in aeto retulit. et hac ratione causam nostram 
totius fere Universitatis et Reipublieae Patavinae sententia, iustissimam sua negli- 
gentia ut sequetur funditus evertit. 

Altero autem die ego et dominus Brisoth Flander cum nobilissimo quo* 
dam Bressano nostrae practicae capite, Bonsignore, sumpta a Notario actorum 
quam falsam tradidit copia. summo mane Venetias ad impediendam creati Rectoris 
conürmationem contendimus, ubi autem adversarios nostros jam cum litteris a 
praefecto ad illustrissimum Venetorum dominium datis, ut scilicet Rector electus 
confirmaretur, adesse aeeepimus, sine mora clarissimos scholarum Reformatores 
ad im us. literas a Polonis Duci offerendas sibi traditas remoramur, acta et rem 
omnem prouut gesta est ostendimus quamque inique contra nos et statuta sui et 
privilegia Universitatis processum sit, ipsis online legenda ad oculum exhibemus. 

Inter caetera autem haec potissimum : 

Statutum de praerogativa Germanorum quod habetur, fol. 4, versus .,Scitote u 
in statutis Universitatis. 

# 

(fol. 101.) Quot scholares Nationes compleant. fol. 5a, versus: Ultramon- 
tanorum autem. 

Rector vixisse debet quinquennio in studio generali sumptibus et expensis 
suis. fol. 7 a, capitulo VI. 

Nationes singulae separari debeant ad electionem unius electionarij. fol. 8a, 
linea 3. 

Juramentum electionariis ad electionem praestari debeat. fol. 8a, linea 7. 

Rector si quam exceptionem patiatur, quae probata fuerit, inter triduum 
aliu8 eligi debeat. fol. 9a. capitulo 8. 

Ad audiendas oppositiones Rectori electo faciendas Rector antiquus postridie 
sedere debeat. fol. 9, capitulo 8, versus ,,Ut autem". 

Rector suspectus, quo suspectus aliegari possit. fol. 216, cap. 21. 

De voeibus dandis. fol. 40a, cap. 39. 

Delegationes votum fieri non possunt. fol. 426, cap. 41. 

Quae oppositiones debeant fieri consiliariis electionariis. fol. 44 6, versus 
,,Qni non fuerit" et capitulum „Ut Universitas". fol. 456. 

Rectorum Paduae adversus Rectorem Universitatis potestas et jurisdictio. 
fol. 54a, versus „Volumus". 

His et similibus informati clarissimi domini Reformatores summopere nobis- 
ciun condoluerunt, statim senior eorum (?) nobis actus retraetationem ipsamque 
victoriam pollicetur, et diem audiendi utramque partem aequa lance sequentem 
indicit. Interea accedimus Causidicum quendam et nobilem Venetum patronum, 



60 

et supplieem libellum fieri curamus, quem altero die audita utraque parte illustris- 
ßimo Duci Veneto obtulimus. Ex quo bonus dubitabit nemo, quin optime simus 
nostro functi officio et seiet, in practica hac non nostra culpa cuius nos plerique 
hiBimulabunt, sed partim dolo adversariorum, partim judicum oppositionum ini- 
quitate nos succubuisse. 

Erat autem libellus ille cuius copiam cum actis in Nation is nostrae aera- 
rium et arcam imposui, idiomate italico conscriptus, sensus autem et tenor 
fere talis : 

Cum serenissime Princeps et illustrissirae Senatus privilegiis et statu tis 
dominis scholaribus legistis celeberrimae et fidelissimae universitatis Patavinae 
concessis provisum sit, ut calendis Augusti clarissimis vestris gubernatoribus, 
aut ambobus aut tan tum altero eorum pracsentibus omni remota exceptione, uni- 
versitatis Kector creetur, utque hoc ipsum absque omni scandalo et fraude fiat. 
cautum est, ut omnes scholares in clarissimi domini Oapitanei palatium prae- 
dicto die se eonferant, ubi sint duo oportet judices oppositionum a consiliariis 
universitatis noviter electi, qui super habilitatc et inhabilitate oppositionum sint 
jus dicturi, et ut quaelibet Natio separatim introvocetur, numeretur et legitimetur, 
neve dolus aliquis aut frans in supplendis committatur, et ut idem scholaris non 
intrat in unam (Toi. 102) vel duas Nationen nee Artistae pro legistis, et ut talis 
actus legitime et juridice procedat. Quae cum omnia quarto quoque huius mensis 
die, ego consiliarius Germanus, Gallus, Provineialis, Siculus, Furlanus et alii 
seeundum Vniversitatis privilegiorum ordinem et observantiam summo desiderio 
quaereremus, infinitum chaos, ut ex subjeetis apparebit, invenimus. 

Qu am obrem protestati de nullitate ipsius electionis Rectoris uti consiliarii 
et electionarii, maxime autem quod non fuerit observata forma iurameuti scholaribus 
qui ballotaturi erant deferendi. item quia etiam illegitimis personis permissum 
est, palam ballotare, neque uumerarunt separatim nationes ut hactenus seinper 
observatum et provisum fuit, sed credebatur magis muco verbo et simplici allc- 
gationi alieuius studiosi ab antiquo Rectore vel alio quodam curialico dileeti, 
affirmantis sese numero 60, 70 et 80 in una esse Natione, cum reuera ultra 4, 
5 et 6 non essent. Sed et alii 8 infinitis propemodum confusionibus ex parte 
Rectoris et aliorum ut dixi contra nos processum est, eam ob causam, quod ipsuin 
in officio iterum eontirmare vel salarium certum, ut universitatis patronum vel 
advocatum in inelyta hac Venetiarum urbe agere possit, procurare noluerimus. 
Hac ratione factum est, ut Polonus quidam ad hoc officium nee aptus nee ido- 
neus excluso uno Germano habili et jam eleeto primo et pro Rectore idoneo 
publice notato, non sine maxima nostra offensione et praedietarum Natiouum et 
majoris huius studii partis contradictione, eligeretur. 

Quam ob causam nos praedieti praedietarum quoque nationum consiliarij 
ad pedes V. S. abieeti, supplices rogamus, ut dignetur, omne nostrum hoc nego- 
tium clarissimis studii nostri reformatoribus committere, qui debita sumpta infor- 
matione relint super hac nostra supplicatione recognoscere. et si ita ut diximus 
res sese habuerit dignetur inquam pro innata sua bonitate et reuerentia remedium 
per observantiam nostrorum privilegiorum et ordinem salutare, nobis aflferre, ut 
iterum per singulas nationes ballotetur, quae omnes et singulae sint diligenter 
prius numeratae juramento obstrietae, exclusi sint inhabiles alii dentur oppositi- 
onum judices et curiales, qui sint candidi et sinceri, et ut ii, quorum interest, 
dent bailota et ut ballotationes legitimae singulae notentur, consiliarii electionarii 



61 

juridice creentnr qui tandem novnm Rectorem eligurit, qui sit persona idonea et 
a consuetudinibus. Rtatutis nostris non aliena. Et sie prostrati iu gratiam et 
patroeiniuin V. S. humiliter nos conimendamus. 

Serenissimus autein Princeps Patavini praefecti litteris et nostro supplici 
libello a Secretario qnodain sibi praelectis eontrariam nobis dupliei ratione deeidit, 
partim quod nostra protestatio non fulciretur publica fide, et autoritate notarii, 
partim quod ipsa retraetatio actus et reballotatio (fol. 103) multorum scandalorum 
et inutuarum inter nos caedium paritura foret occasionem, rogavitque ut habere- 
inus patientiain. Ad quod cum Bonsignor Franzon Bressanus: Sed nunc quid 
illustrissime Princeps V. S. arbitratur Germanos qui Polonos numero et uiultitu- 
dine longe superant injuriam hanc aequo animo laturos? Vereor equidem, ne 
sese vindicaturi uno autem altero eorum interfecto fugam domum arripiant, quid 
tandem ad hoc V. S. respondet? — Ohare figliuolo paoientia, io non posso far 
altro. — Nos igitur re infeeta magno et justo sane animi dolore recto Patavium 
reversi sumus. Hac practica non nostra profecto culpa, ut ex praedictis quivis 
colligere poterit, sed partim dolo nostroruin adversariorum, partim iniquitate 
judicum oppositionum amissum, multa absurda et mala sicuti plerumque uno 
horum dato, plura sequuntur excipiebant. Nostri enim a recenti sese injuria vin- 
dicatum multa et varia clam et aperte minautur, certe eorum qni re vel facto id 
praestaret, fuit nemo. Quamobrem et Polonorum faotiones et superbia quolibet 
die crescebant Pasquillos et id generis scripta contuineliosa et poemata Brugora 
autore subscripto in quorundam Gennanoruin aedes clam injiciunt, imo etiani 
nostros in plateis inermes sibi obviam factos ex loco superiori ignominiose detur- 
bant. Nostri autem numero quidem et armis Ulis superiores concordia vero longe 
inferiores, quod omnibus Italis magnae fuit admirationi ab illata injuria se non 
solum non vindicant, verum etiani quasi fngati hinc re infeeta discedentes magnam 
Nationi nostrae ignominiae maculam aspergunt. 

Hie fuit, studiose lector, nostrorum laborum. studiorum, sumptuum, curarum 
et vigiliarum linis et exitus. Quae si penitus introspicias et alto omnia tecum 
animo contemplatus fueris, nunquam certe dixeris, nobis Germania, modo boni 
viri haberi et esse velimus, cum factiosis istis rem habendain vel societatem 
ineundam esse, alioquin, ni semper velimus succuinbere, necesse erit, ut deposito 
Gerraanico candore et sinceritate, dolis et fraudibus utamur, verba damus, multa 
simulemus, fallamus et ut fidem frangenti fidem fraugamus eidem, quae autem 
qnantum a bonis viris discrepent et aliena sint, quis non novit? Ita enim ficto 
quodam amore et simulatione nos colunt et sibi conciliant ut, non dicam in nostra, 
sed etiam in re sua, in extrema saepe pericula et discrimina nos abducant sed 
non reducant. Qualis enim illorum in dictis et factis sit fides, constantia et veri- 
tas, praesens nostra justissima causa illorum tarnen arte et practica iniquis judi- 
eibus depravata edocet. Quocirca longe consultius et tutius fore putarem, ut tandem 
tot malis edocti quemadmodum et doctissimus et sapientissimus vir dominus 
Hilmerus Diurckena in actis suis sentit, resipisseremus, ab Italis tarn Bressanis 
quam Vicentinis abstineremus, suas Italis, nostro content! corpore, praoticas reli- 
queremus. Idem enim et Angli et Hispani et ceterae sapientissimae (fol. 104) 
Nationes mornin italicornm non imperitae. faciunt. 

Quamobrem et caeteris, utpote ab omni exterarum Nationis injuria et 
molestia tuti, feliciores in studiis suis versati, horum utinam et nos vocationis 
nostrae memorea, vestigia seqneremur. Cogitaremus profecto, nos non parvam 



62 

imitandae majomm noatromm industriae, expeetationem sustinere, temporis jac- 
turam majoren) non esse, nosque hac non arm omni sed studiorum causa tanquam 
ad florentissimum bonarum artium emporium et mercaturam profectos, inanes 
redire turpissimum fore, dedecorantes et celeberrime urbis Patavinae et doctorurn 
quae longe gravissima est, autoritatem. Haec habui amice lector, quae quotidie 
hinc discessurus datis induciis pro temporis et ingenioli mei tenuitate, quae de 
practica P ata vi na me inclytae nostrae Nationis Germanicae eonsiliario scriberem. 
Existimavi enim ea, tamquam canoneiu et regulam quaudam futuris casibus einer- 
gentihus praebitura et per hoc scitu et memoria posterorum dignissima fore. quae 
omnia ut boni consulas etiam atque etiam rogo. Vale. 

Ne autein nostrorum discessu macula Nationi aspersa ut dixi major fieret 
relicto post se simnl grandi aere alieno, 11. die Augusti Natione nostra rite per 
bidellum convocata, primo omnium protestatio suni, nie a Rectore hoc ad uui- 
versitatem vocatum numquam compariturum esse, quod cum omnibus placere 
intellexi, re ipsa paulo post comprobavi. 

Poloni enim equis vecti et magna cum sollemnitate ut moris est. ad con- 
vivium Rectoris nomine invitaturi me. aedes meas accessere, quos ficta absentia 
seinel atque iterum ita exclusi. Deinde aliquoties ad Universitäten) vocatus respoudi. 
ut hoc itineris labor in posterum supersederet, me enim nunquani eo venturum 
esse. Post universitatis bidellum ofTerentem mihi quoddam sceptrum sive massam 
ut vulgo vocant, et unum par chirotecarum re infecta hoc response) diuiisi: Nos 
injuriarum memores esse, nee puerorum more hisce donis in Rectoris favorem 
alliei velle, ut istas res reportaret a quo aeeeperit et diceret, nostros Rectorem 
Polonuin, uti ipse de nostro Germano protestatio est, minime agnituros. Alterum 
tunc Nationi proponendum habui: Fuerunt ingentes et maximi sumptus quos in 
ejus honorem domi militiaeque, nunc Coniganuui, nunc Venetias magna sein per 
comitum stipata caterva et frequentia ituri, feeimus. Praeterea plures quam ....') 
homines per integrum quatriduum in nostro Monte Albano publico victu alebantur. 
Sed et in arinorum ap parat u plurimum est insumptum peeuniarum, Ins adde Stipen- 
dium militibus, (fol. 105) numeratum singulis quidein dimidium, nonnullis tarnen 
integrum coronatum dueibus vere binos. Locatori aedium 10 coronati dati sunt. 
Multa denique arma militum negligentia amissa et apud alios deposita Nationis 
aere recuperanda et rediinenda fuere adeo ut sumptus ad ... . 9 ) usque coronatos 
ut in libro expensarum notat(um est) exerescerent. Cum autem hoc noster ti(s)cus 
non ferret, nee pai*ata quidem peeunia solvendo esset, natio de iis a me certior 
facta, in illius supplementum indicenti mihi contributionem et collectam, nempe 
dimidium coronatum a singulis capitibus exigendis unanimiter assentiebatur. 
Constituti itaque duo exaetores et quaestores, viri nobilissimi, D. Sebastiauus 
Neusteter Francus et D. Wilibaldus Gebhard Noricus, quibus semper alter pro- 
curatorum tisci adfuit. 

Ex aere collecto exsolui omne Nationis debitum, parum autem imo nihil, 
quod ad aerarii vires, quod caput et fundamentum est nostrae Nationis reticiendas, 
uti nos sperabainus, reponeretur, superfuit eo, quod alii voluerunt, alii autem non 
obstante sua rtde et promissione se Nationis honorem, com m od um et utilitatem 
pro vi(ri)li procuraturos, noluerunt ad id contribuere. Omnium autem ut fere fit, 

l ) Leerer I'latx für die Zahl, welche spiter nnchgetrageo werden sollte. 
3 ) Leerer Platz für die Zahl. 



63 

promptiaaimi fuere tunc tenioris fortnnae et dignitatia hominea, viri boni et fidelea. 
Alii enim, quoruin vel maxime interfuit, cum primas occuparent, Nationia digni- 
tatem et existimationem aalvam et illaeaam eonservari tarriiores et non nisi 
aaepiaaime admoniti, debitum aolvunt, alii, nescio qua causa alia quam sordida 
quadam paraimonia et avaricia ducti, suo more, ut in „libro acceptorum" .Nationia 
conaenau notatum est, nihil omnino contribuere. In quorum numero fuit quidam 
Vienuensis Sebaatianua, nomine Edelman, illustria et generosi Baronis domini 
Frideriei a Stubenberg paedagogua. qui quidem Nationia aumptibua una epula- 
hatur, nihil autem invito procul dubio modeatiHaimo Barone, contribuit, imo etiam 
exaetorea, procuratorea, bidellum et reliquaa publicaa peraonaa ludibrio habuit. 
Ob quod cum aliquantulum aua quidem opinione vehementiua agerem, ne suo 
more, uti nuper ad vexilluni, sie nunc quoque nihil contribueret. cum tarnen 
praeterita hyeme etiam Italis ad 8pectaeuluin suuni conticiendum, locum apectandi 
et alia pollicentibua fidem tarnen fallentibus, trea integros coronatoa profuderit, 
ne nobia in Nationis noatrae existimationem et honorem conaervandum dimidium 
aaltem coronatum iuate petentibua reeusaret, hoc enim aumptua melius eolloeatos 
et apud illuatria Baronia majorea tollerabiliorea quam illoa fore, praeaertim cum 
hoc illuatrisaimorum comitum Fhilippi a Lalaiugo et Stephani Henrici ab Oeber- 
stain et domini in (fol. 106) Neugarten, Baronuni Frideriei Oaroli et Joaunia Sacri 
Koinani Imperii dapiferoruin haereditariorum et Baronuin in Waldpurg, Mauritii 
Uhriatophori Kheuenhuleri. Michaelis Zackhel et aliorum tot nobili8simorum viro- 
rmii, quorum alii plua debito aponte obtulere, exemplo fac(eret). Alioquin rem 
utriaque scaudalo fore, et iis qui dederunt, et qui non dederunt, hoc enim illorum 
exemplo uti tenuioria fortunae et conditionis non contributuroa, illoa suum jure 
repetituroa et sie debito inaoluto Nationein noatram maximum ignominiae dedecua 
aubituram esse. Ipae autem hia non dedit locum, imo ine et totam Nationein 
contumeliia et convitiia excepit, dicens me non eaae prineipem, Nationem parti- 
kulare corpus, nee in ae ullam habere jurisdictioneui, sed et alia hie graviora, 
quae ego omnia 12. tandem die Septembria ipai Nationi, postquain s tat uti euiua- 
que rigorem lenitate quadam adhibita, in aequentem uaque Nationem temperavimua. 
coram exposui. proteatando me nunquam ampliua in Natione compariturum et 
officio plane abdieaturum eaae, ni Natio auam autoritatem et diguitatem contra 
uniua impetum auatineat et tueatur, me et se ab aeeepta injuria vindicet, ut ipae 
errorem suum coram aaltem agnoscat, si non deprecatur, me quidem in condo- 
nanda injuria ut Christiannm concordiae et pacia atudioaum fore facillimum. 

Cum autem parum vel nihil profeciaaem. dimisaa Natione et me et rationea 
meaa tarn aeeeptorum quam expensorum paulisper collegi et in ordinem redegi 
catalogum conailiariorum Germanorum aub finem huiua libri a Ludovico Manhart 
Auguatano inchoatum ab anno salutia noatrae MDLVIII uaque ad praeaentem 
partim noatrae matriculae, partim actorum lectione adjutus perfeci, nostrae Nati- 
onia poculum hinc inde fractum et deperditum aumptibua meia propriia refeci 
et mea arma, aive inaignia argentea et aure obdueta in fronte et planicie 
coopercnli impoaui. nonnullos Baronum et aliorum (ut hac ratione natio aliquan- 
tulum locupleatur) ut aua auperadderent inaignia, quod mihi (?) promiaerunt 
sollieitavi. verum repentinus mens disceasus et alia graviora quaedam negotia 
nie a proposito avocaruut. 

XVII. Octob(ris) me conailiario tertia et ultima celebravimus comitia, in 
quibus prinio eiecti sunt duo procuratores in locum eorum qui nuper diacesserunt 



64 

D. Joannes Rnep Boins et D. Caesar Porquin viri eruditione doctrina et virtute 
praestantes. 

Deinde statutum nuper mitigatum et ad tenipus certum limitatuin quasi in 
perpetuum extensum est, et eominuni toeius nationis sententia conclusum, matri- 
eulam nostram illustribus quidem personis (fol. 107) per Consiliarium vel pro- 
curatores, caeteris autem immatriculandis omnibus ex equo per bidellum deferen- 
dum esse. Postea ego habita gratiarum actione officio ine abdicavi. Successit 
autem tunc mihi in consiliariatu omnium votis et sententia doctissimus vir, 
D. Ernestus Regius, .cui postridie praesentibus DI), procuratoribus et D. Augustino 
Teilingio et D. Joanne Kleinschmit omnium et acceptorum et expensorum rationes 
una cum officio obtuli, precaudo ut ipse Deo optimo maximo adjuvando, debili- 
tatos et prostratos corporis nostri, vires pauliatim erigat et reficiat, nobilissi- 
mumque hoc nostrum collegium jam ad paucos redactum, pene ab interitu vindicet. 

Amen, Laus Deo. 

Aitellus Joannes ab Althan, Austriacus, 
Inelytae Nationis Germanicae consiliarius 
Anno Doiuini MDLXIII, 20. Octob(ris). 

Anualen der deutsehen Nation zu Padua I, fol. 94 — 107. 



V. 

Ergebnisse. 

Mit den achthalbhundert Namen, welche der zweite Abschnitt dieser Arbeit 
dem Leser vorführt, ist die Zahl jener Österreicher auch nicht entfernt erschöpft, 
welche im Zeitalter der Reception des römischen Rechts italienische Universitäten 
des Rechtsstudiums halben besucht haben. Eine absolute Vollständigkeit dieses 
Verzeichnisses wäre jetzt überhaupt nicht mehr zu erreichen, da sich die amt- 
lichen Listen der immatriculierten Scholaren aus dieser Zeit nur sehr lückenhaft 
erbalten haben, und die privaten Nationsmatrikeln, welche oft genügenden Ersatz 
gewähren würden, teils ganz verloren giengen, teils in Privatbesitz oder an 
solche Orte gerathen sind, wo sie nur durch Zufall wieder entdeckt werden 
können. Dies hat sich gerade jetzt von neuem gezeigt. Schon die Versendung 
der ersten Aushängebogen dieses Aufsatzes hat genügt, um mir vordem völlig 
unbekannte Quellen zu eröffnen, und leicht wäre es mir, wieder ein Dutzend 
neuer Namen beizubringen, allein ich verzichte jetzt darauf, um die unausbleib- 
lichen Nachträge nicht allzusehr zu zersplittern. Ohnehin ist das hier gebotene 
Material schon reichlich genug, um ahnen zu lassen, dass dieser regelmässig 
Jahr um Jahr fortgesetzte Besuch italienischer Hochschulen durch Mitglieder 
des österreichischen Adels und vornehmer Bürgergeschlechter nicht ohne Rück- 
wirkung auf das Land geblieben sein kann, in welches die jungen Leute nach 
beendeten Studien zurückkehrten. Man bedenke, dass von obigen Daten mehr 
als 700 in die Jahre 1546— 1625 gehören, dass darunter nicht Weniger als 675 
auf Padua entfallen. 

Wir sind freilich nicht in der Lage, den Einfluss unmittelbar zu erweisen, 
den das Ausland auf diesem Wege durch Sprache, Sitte und Wissenschaft auf 



66 

österreichische Verhältnisse genommen hat. Wir müssen uns vielmehr mit in- 
direeten Zeugnissen begnügen. Wenn wir die Zahl der Studierenden und die 
Daner ihres Aufenthalts in Italien mit dem Besuch der heimischen Unterrichts- 
anstalten vergleichen, wenn wir auf die Zeugnisse ihres spätem Wirkens im 
Lande, und namentlich auf die Stellungen Rücksicht nemen, welche sie in öffent- 
lichen Diensten, nicht selten kurz nach ihrer Heimkunft erlangten, so drängt 
sich die Vermutung auf, dass ein Teil dieses Erfolgs sowie ihrer Leistungen auf 
Rechnung des Besuches italienischer Hochschulen zu setzen sei. 

Gewinnen wir auf solche Weise sachliche Umstände, welche für die Be- 
antwortung unserer Frage von Wichtigkeit sind, so dürfen wir anderseits auch 
das persönliche Moment nicht unterschätzen, das gerade auf dem Verkehr von 
Landsleuten in der Fremde beruht. Freundschaften und Gegnerschaften von der 
Universitätszeit her, beherrschen noch jetzt oft das Leben der Menschen, und 
zwar wirken sie gewöhnlich umso kräftiger, aus je engern Kreisen sie hervor- 
giengeii, und je zahlreicher die Beziehungen waren, welche zwischen den Stu- 
dierenden bestanden hatten. Sehon diese allgemeinen Erwägungen lassen erkennen, 
wie sehr das jahrelange Zusammenleben der Scholaren im Ausland in deren 
späteres Leben eingreifen musste. Nun erwäge man aber noch die mannigfachen 
persönlichen und Korporations-Interessen, welche an den italienischen Universi- 
täten dadurch hervorgerufen werden mussten, dass diese nach Nationalitäten ge- 
gliedert die Verwaltung der Anstalt nicht dem Lehrkörper vorbehielten, sondern 
der Studentenschaft überliessen. Es wird daher nicht überflüssig sein, zu zeigen, 
weiche Oesterreicher in einem Jahre an der gleichen italienischen Universität 
auftraten. Die Erinnerung an den Aufenthalt, den man in der nämlichen Stadt, 
wenn auch nicht zur selben Zeit verlebt hatte, gewährte übrigens auch über den 
Bereich von Mitschülern hinaus nicht selten ein einigendes Band, wenn sich 
ehmalige Paduaner, Bologneser, Sieneser Studenten nach Jahren einmal an 
drittem Orte trafen. Was mögen, beispielsweise, bei der Horner Zusammenkunft 
der evangelischen Stände von Oesterreich ob und unter der Ens (3. Oktober 1608) 
für Erinnerungen an das Universitätsleben im schönen Wälschland ausgetauscht 
worden sein ! Der Bundbrief bezeichnet die Versammlung selbst als gross und 
trägt 166 Unterschriften, darunter nicht weniger als 66 von Leuten, deren 
Namen in der Paduaner Matrikel erscheinen. 1 ) 

Ein genauerer Nachweis all dieser Wechselbeziehungen muss freilich den 
Biographen der betreffenden Personen überlassen werden. Ich mnss mich hier 
darauf beschränken, die Lebensumstände, welche schon im zweiten Abschnitte 
bei den Namen der einzelnen Scholaren mitgeteilt wurden, vermehrt mit nach- 
träglich erkundeten Nachrichten nach andern Gesichtspunkten geordnet vorzu- 
führen, um so das Material zu weiterer Forschung zurechtzulegen. Gelingt es 
mir, zu solcher anzuregen, so werde ich für meine mühsame Arbeit hinlänglich 
belohnt sein. 



') Nämlich entsprechend den Nummern unseres Verzeichnisses im zweiten Abschnitte : 
72; 11«; 126; 188; 149, 151; 155, 157; 163; 166; 173, 170, 178, 179; 244; 247, 251; 281; 281, 
285; 296, 300, 905, 306; 316; 324; 328; 332; 342; 344, 345; 358, 359; 400: 401; 404: 421; 436; 
439; 474, 476; 485; 532: 535; 566; 585; 591; 604, 6U6; 615: 625; 630; 63.). 652: 65«; 664; 708; 
718; 723, 797. Ferner die Freiherren Georg Jakob nnd Weikhard von Anersperg, Hans Andre zo 
Btadl. Karl nnd Wolf von Sanrau nnd endlich Wolf Friedrich von Tattanbach Vgl. den Abdruck 
4m Bundbriefs im Notizenblatt der k. Akad. 1854, S. 324/5. 

Blatt, d. Vereines f. Landesk. 1882. 1, 2 n. 3. 5 



66 

Das erste, wemit wir uns nun beschäftigen wollen, ist die Frage nach 
den allgemeinen Ursachen, welche so viele Oesterreicher zum Besuch italienischer 
Universitäten veranlassten. 

Mit den deutschen Universitäten waren im Laufe des XVI. Jahrhunderts 
wichtige Veränderungen vor sich gegangen. Unter dem Einflüsse der Humanisten, 
der Reformation und der neuen Auffassung von der Bedeutung und Aufgabe der 
Kegentengewalt hörten sie auf, kirchliche Korporationen zu sein, was sie im 
Mittelalter gewesen, und wurden sie zu eigentlichen Staatsanstalten. Dem konnten 
nicht einmal Universitäten in Landen, deren Herrscher treu zur alten Kirche 
hielten, entgehen, beispielsweise die Wiener, welcher die Ferdinandeischc „Neue 
Reformation - vom 1. Jänner 1554 vorschrieb, sich nunmehr die Interessen des 
Staates ebenso vor Augen zu halten, wie sie vorher a parte potiori jene der 
Kirche vertreten habe. 1 ) 

Während also das Studium der katholischen Theologie an Bedeutung cin- 
büsste, erhöhte sich jene der humanistischen Fächer, zumal der Rechtslehre, 
welche durch die Aussicht auf rasches Vorwärtskommen im Staatsdienste be- 
sonders viele Hörer anzog. Das Sprüchlein „Dat Justinianus honores, Galenus 
opes sed pauper Aristoteles friget" mag in jenen Tagen entstanden sein, in 
welchen die Universität Wien einen so glänzenden Aufschwung uam, dass sie 
den ersten Europas beigezählt wurde, sowol was die Zahl der Schüler, als das 
Ansehen der Lehrkräfte betraf. Desto tiefer war der Fall dieser Anstalt nach 
dem Tode K. Maximilians L, des grossmütigen Freundes und Beschützers der 
Künste und Wissenschaften. Den Jahren der Blüte, von welchen einige, wie 
1515, 1510, 1517 jedesmal über 600, und noch 1520 569 neue Schüler brachten, 
folgte mit dem Pestjahr 1521 ein plötzlicher und furchtbarer Rückschlag, von 
welchem sich diese Universität das ganze XVI. Jahrhundert hindurch nicht zu 
erholen vermochte. In den Jahren 1527 und 1528 schwankte die Gesammthcit 
der neu aufgenommenen Studierenden bei allen Fakultäten und Nationen zusam- 
men zwischen 20—30; 1529 wurden in beiden Semestern nur 38, 1530 aber 30, 
1531 32 Scholaren inscribiert ! a ) 

Dieser Vorfall ist nur zu einem Teil auf die nüsslichen Vermögensver- 
hältnisse zurückzuführen, in welche die Wiener Universität gerathen war. Er 
wird auch durch äussere Unglücksfälle: die Pest in den Jahren 1521 und 1527, 
die Türkenbelagerung 1529, nur unvollständig erklärt. Wichtiger war die religiöse 
Bewegung, weil diese nicht nur manchen vom Studium überhaupt abhielt. 8 ) 
sondern auch für die Wahl der Lehranstalt von Bedeutung wurde. Während so 
in Wien die Zahl der Schüler in betrübender Weise abnam und auch die Uni- 

') tauqaam praecipuum reipablicae gubernandae seininarium. Kink, Gesch. der k. Univ. 
Wien, I. 257/8. 

s ) Kink a. a. 0. S. 226, 233, 254 ff. Nach Eders Catalogus Rectorum archygymnaaii 
Viennensis wurden in Wien rora Oktober 1519 bis dahin 1520 in allen Fakultäten und Nationen 
zusammen 569 Studierende intituliert. Für die folgenden 25 Jahre stellen sich die Ziffern des 

Besuchs nach dieser Quelle auf: 

1531 ^ 32 

2 = ? 

3 - 68 

4 -- 81 

5 — 52 

*) K i n k a. a. 0. S. 2ö3, Anm. 295. 



1521 = 209 


15SC ^= 79 


2 — 385 


7 — 68 


» = 299 


H = 96 


4 = 168 


9 = 38 


5 = 113 


1530 — 30 



1536 = 82 


1541 -=-■ 35 


7 ^= 69 


2 — 113 


8 = 122 


3 = 101 


9 ^ 180 


4 = 94 


1540 = 112 


5 = 14». 



61 

versität Prag Spuren tiefen Verfalls zejgte, 1 ) gewahrt man ein fröhliches Auf- 
blühen der deutschen Schwesteranstalten. Schon 1522 treffen wir den Egenburger 
Georg Kirenbeck zu Witteinberg eingeschrieben, im Jahre 1523 folgen ihm an 
Oesterreichern Thomas Sitzenhofer, der Wiener Josef Hohenberg, die beiden 
Weizenkirchner Thomas Linther und Peter Paitzenkircher und der Welser Wolf- 
gang Reiding, und so fort mit jedem Jahr in steigender Anzahl. Zehn Jahre 
später (1533) finden wir Jakob Streithammer aus Wolkersdorf an der neu be- 
gründeten Universität Marburg und mit dem Jahre 1537 setzt auch der Besuch 
der Oesterreicher zu Tübingen ein, nachdem ihnen hier Tiroler, Steirer und 
Krainer den Rang schon abgelaufen hatten.") 

Dem König Ferdinand I. war freilich diese Entwickelung nicht gleich- 
giltig, allein seine Versuche, ihr entgegen zu wirken, erwiesen sich als vergeb- 
lich. Es halfen weder die Reformen an den heimischen Lehranstalten, noch die 
Berufung vorzüglicher Lehrkräfte, durch welche man jenen eine grössere An- 
ziehungskraft geben wollte. Ebensowenig fruchtete endlich auch das „General" 
vom 5. April 1548, durch welches den Unterthanen der Besuch aller deutschen 
Universitäten (Ingolstadt ausgenommen, und Freiburg, das damals österreichisch 
war) streng verboten wurde. 3 ) Stärker als all diese Massregeln erwies sich die 
Gewöhnung, die Mode der „Länderreise", welche sich derart ausgebreitet hatte, 
dass die n. ö. Polizeiordnung vom Jahre 1552 sie als etwas ganz gewöhnliches 
voraussetzte. So finden wir denn in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts 
Studierende aus dem Lande ob und unter der Ens nicht Mos an den genannten 
deutschen Universitäten, sondern auch zu Jena, Helmstädt, Rostock, Strassburg, 
dem nürnbergischen Altdorf u. s. w. Viele schlössen ihren Bildungsgang an den 
deutschen Hochschulen ab. namentlich dann, wenn sie das theologische oder 
philosophische Fach gewählt hatten. Wer aber zu den Fahnen Justinians ge- 
schworen hatte oder Mediziner war, der strebte, wenn anders ihm die Mittel dies 
gestatteten, auch noch den Besuch ausserdeutscher Universitäten an. Die fran- 
zösischen Rechtsschulen zu Dole in ßurgund, zu Bourges, Lyon, Montpellier, 
Orleans, Paris u. s. w. zogen, besonders vor der Bartholomäusnacht, viele vom 
Adel an, aber als wichtiger noch erschienen die italienischen Universitäten. Hie- 
her drängten sich so viele, dass die Privatmatrikeln der deutschen Juristen zu 
Padua für die Jahre 1546—1625 über 8000 Einträge, oder im 80jährigen Durch- 
schnitt einen Jahreszuwachs von mehr als 100 Juristen ausweisen. 

Es war nicht der Ruf der Lehrkräfte und der Methode allein, welcher bei 
den auswärtigen Anstalten in's Gewicht fiel. Wälsche Sprache, Zucht und Sitte 
galt als höfisch, wo hätte man diese besser als an Ort und Stelle lernen können ? 
Charakteristisch für viele ähnliche Fälle ist, was Bischof Urban von Passau 
seinem Neffen, dem 22jährigen Erasmus Gold von Lampoding (Nr. 170) nach- 
rühmte, welcher 1618 Land- Untermarschall in Niederösterreich wurde: er sei 



M Tomek, Geschichte der Präger Universität, Prag 1849, 8. I.'»0, 176, sowie die Worte 
des Rektors Mag. Johann vou Chotiz in seiner Aufzeichnung: conspiciens hoc Studium nostrum 
andique collapsum, desolat« im diminutumve, tum in numero magistrorum tum huccalaureorum 
tum ettam studiosorum . . . (1534.) — Menuroenta histor: Univers: Pragensis vol. III. Statuta, 
ed. A. Dittricb et A. Spirk. 8. 104. 

*)Bergman in Bl. 194, 20t* ; Elze 88, und Catalogus studiosorum scholae Mar- 
purgensis, ed. Jul. Caesar, I., 11. 

•) Codex Auttriaeui, II.. 396. 

5* 



68 

ein saubere Person, ad summum katholisch, sehamhaftig, eingezogen, hat ein 
schönen ingenium, die jura ziemlich studiert, rede behaimisch, französisch, wälsch, 
latein und deutsch, habe 2 Jahr in Behaim, 2 Jahre zu Dole in Burgund und 
sodann zu Padua verweilt, sei auch ein ziemlicher Musicus. — Man sieht, dies 
Empfehlungsschreiben an Herzog Albrecht von Bayern 1 ) — es handelte sich 
1574 um Erlangung eines Dienstpostens beim Bischof von Freising für den aus 
Wälschland Heimgekehrten — betont mehr den Aufenthalt im Auslande und die 
Fertigkeit in den fremden Sprachen, als die 'Rechtsstudien, welche er gleich der 
Musik seinem Stande angemessen betrieben habe. Leider sind uns dergleichen 
Nachrichten, aus welchen wir den Studiengang und Erfolg erschliessen können, 
nur von wenig Oesterreichern des XVI. Jahrhunderts erhalten. Wir wissen, dass 
Mitglieder der Familien Pollheim und Starhemberg zu Jena, Wittemberg, Rostock 
als Studierende der Ehre des Rektorats teilhaft wurden. In der Familien-Chronik 
der Beckh von Leopoldsdorf verzeichnet der österreichische Kanzler Marx I., 
dass sein Sohn Hieronymus (Nr. 34) am 8. Jänner 1543 achtzehnjährig zum 
Zwetler Propste Dr. Johann Rosinus kam und am 1. Oktober 1544 von Wien 
aus auf die Hochschule von Padua gezogen sei. Ebengedachter Hieronymus über- 
liefert uns dann in seinen Aufzeichnungen wie er seine älteren Söhne (11- und 
9jährig) im Jahre 1565 in der R. k. Maj. Landleut Schule zu Wien untergebracht 
habe, ferner 1571, dass er seinen Sohn Christoph „so ziemlet ein Zeit lang zu 
Wien und auch zu Graz neben weiland Herrn Erasems von Gera Söhnen in die 
Schul gangen", mit 10 Jahren nach Prag als Edelknaben untergebracht, seinen 
Sohn Hannibal aber fünfzehnjährig „in der Herrn Jesuiter Collegium und Schuel 
in der Stadt Wien in Kost und Wohnung gethau habe." *) 

Die Zahl dieser Daten Hesse sich zwar noch vermehren, wenn man die 
genealogischen Werke Hohenecks. Wissgrills und Anderer einer genauen Durch- 
forschung unterwerfen würde. AHein abgesehen davon, dass die gewonnene Aus- 
beute nicht sehr reichlich ausfallen dürfte, würden wir durch dieselbe keinen 
Einblick in den damaligen Bildungsgang des Bürgerlebens erhalten. Wir müssen 
daher noch andere Quellen erschliessen. Die schon erwähnte Polizeiordnung der 
fünf niederösterreichischen Lande vom Jahre 1552 erhält im Abschnitt von den 
Vormündern Bestimmungen, welche ihrem Inhalt nach augenscheinlich auch auf 
den Bürger- und Bauernstand Bezug hat. 8 ) Die Gerhaber sollen nämlich ,,die 
Knaben, alsbald sie soviel erwachsen, dass sie die Schuelen besuechen und ler- 
nen mügen, zu der Schuel, und wo die zu der Schuel nicht geschickt, zu Lernung 
anderer Kunst und Händl, davon sie sich erbarlich ernähren mügen oder doch 
zu ehrbaren Diensten halten." „Und wo die Pupillen so Knaben sein etwas zu 
ihrem Alter kommen, und derselben Freund und Gerhaben sie von Lernung der 
Sprachen, Studierens oder anderer Händl und Ursachen halben in fremde Land 
und Ort schicken wollten", so solle dieses mit Vorwissen und Bewilligung der 
Obrigkeit und Zustimmung der nächsten Verwandten des Mündels geschehen. 
Man sieht daraus, dass die Länderreise als ein allen Ständen zugängliches Bil- 
dungsmittel betrachtet wurde, dessen Anwendung aber rücksiehtlich der Pupillen 
aus Gründen der Obervormundschaft von der BilHgung der betreffenden Obrig- 



') Wig. Hundt des Bayrischen Stammenbuchs dritter Teil in Freybergs Saramtang 
histor. Schriften und Urkunden, 111., 352. 
') Archiv VIII. 221, 222, 226, 227. 
»» Syngrioner« Original- Au«gube o. J. fol. XX. 



69 

keit (in Städten des Bürgermeisters, Richters und Raths, auf dem flachen Lande 
des Gerichts- oder Grundherrn) abhängig gemacht wurde. 

Die concreten Ergebnisse, zu welchen man gelangt, wenn man die Univer- 
sitätsmatrikeln oder in deren Ermangelung die Stammbücher der adeligen und 
bürgerlichen Studenten zu Rathe zieht, stehen in vollem Einklang mit den Vor- 
aussetzungen solch einer allgemeinen Vorschrift. Vergebens hatte Sebastian Brandt 
schon zu Ende des XV. Jahrhunderts in seinem „Narrenschiff" gegen dieses in 
die Ferne Schweifen der Deutschen geeifert: 

So sind wir zu Lips Erfort Wien 
zu Heidelberg, Menz Basel gestanden, 
kumen zu letst doch heim mit Schanden 

heisst es im Abschnitt vom unnützen Studieren, und noch kräftiger spricht er 

sich im Kapitel Ueberhebung der Hoffart über den Besuch italienischer und 

französischer Unisersitäten aus : 

' Manch Narr halt sich gar hoch darum 
das er uss welschen Landen kum 
und si zu Schulen worden wis 
z' Bononi, zu Pavi, Paris, 
zur Hoche-Sien in der Sapieuz, 
ouch in der Schul zu Orliens 
und den Roraffen gsähen het 
und Meter Pirr de Conniget 
als ob nit ouch in tütscher Art 
noch war Vernunft, Sinn, Houbter zart, 
do nit man Wisheit Kunst möcht leren, 
nit not so verr zu Schulen keren. 

Einst habe man ja auch gedacht, weise Lehre sei nur überm Meer zu 
Athen zu holen, und später habe mau sie dennoch bei den Wälschen angetroffen. 
Jetzt finde man sie auch im deutschen Land, und nichts würde fehlen, wärs 
mit der Trunkenheit nicht arg bestellt. 1 ) 

Der Warnungsruf Sebastian Brandts verhallte wirkungslos. Der Besuch 
auswärtiger Universitäten durch Deutsche, insbesondere durch Oesterreicher, ist 
das ganze XVI. Jahrhundert hindurch im Steigen, der Kreis, welcher dabei 
durchlaufen wird, ein immer grösserer. Die Reiselust war erwacht, etwas was 
im Zeitalter der geographischen Entdeckungen nicht Wunder nemen kann. Man 
betrachtete das Reisen als Kunst, schrieb ganze Abhandlungen über dessen 
Theorie (De arte apodemica), denen sich Handbücher im Style unseres heutigen 
Bädecker anschlössen, endlich eigene Dissertationen über das Reisen der Studenten 
insbesondere. 

Ohne auf diese zahlreiche Literatur genauer einzugehen, von welcher 
Thurmannus in seiner Bibliotheca academica im Jahre 1700 schon über 30 ver- 
schiedene Schriften unter dem Schlagwort Peregrinationes Studiosorum aufführt, 
begnüge ich mich darauf hinzuweisen, dass wir unter diesen Autoren einen 
Landsmann. Daniel Gruber (Nr. 184), antreffen. In seinem öfters gedruckten 
Discursus Politico-Historicus de Peregrinatione Studiosorum, welchen er 1619 zu 
Strasburg verteidigte, werden zunächst die weit hergeholten Einwürfe gegen das 
Reisen widerlegt. Lycurg, Socrates, Seneca, Thomas Monis kommen zu Wort, 
es werden die Reisegefahren geschildert und die Selbstgenügsamkeit der Russen 



») Ausgabe von Tittinaun 1878, C»p. 27 S. 53 v. 26, C»p. 92 8. 184 v. 11 ff. 



70 

und Chinesen angeführt. Dennoch siegt das verteidigte Thema über alle Bedenken. 
Praktische Winke für den Reisenden sehliessen sich diesen Erörterungen als 
zweiter Teil an: über die Auswahl der Begleiter, Geld und Gepäek. Auch eine 
kleine Sonnenuhr soll mitgenommen werden, dagegen seien solche mit Schlag- 
werk besser wegzulassen, damit man nicht die Aufmerksamkeit der Beutel- 
schneider errege n. s. w. 

Ehe wir uns jedoch in die Frage nach dem Gange und der Ausdehnung 
der von Oesterreichern unternommenen Länderreisen einlassen, dürfte es zweck- 
mässig sein, einige Daten über den Besuch der Universitäten von Padua mit- 
zuteilen , welche ein Hauptziel der reiselustigen Studenten war. Ich greife die 
Jahre 1546—1625 heraus, für welche mir eine Abschrift der Nationsmatrikel 
vorliegt, und stelle in die erste Spalte die Zahl der im betreffenden Jahre über- 
haupt vorkommenden Einträge, in die zweite die Anzahl, welche darunter auf 
Oesterreicher entfällt. In gleicher Weise behandelt die zweite Rubrik die Bolog- 
neser Verhältnisse von 1546—1562. Auch hier ist neben der Gesammtzahl der 
Namen in der Matrikel der deutschen Juristen auf die Oesterreicher insbesonders 
Rücksicht genommen. Dagegen war mir dies zu thun bei der Wiener Universität 
unmöglich, welche ich so gern zur Vergleiehung beigezogen hätte. Ich musste 
mich vielmehr hier auf Wiedergabe der Gesammtzahl der in allen Fakultäten 
und allen Nationen Immatriculierten beschränken, welche Eder in seinem Katalog' 
der Rektoren bis zum Jahre 1558 anführt, die spätere Ausgabe des Sorbait aber 
leider nicht weiter fortsetzt. Die Daten von den italienischen Universitäten 
entsprechen unserm Kalenderjahre, die Wiener dem Schuljahre, das mit dem 
s. Koloraanstage am 13. des vorhergehenden Oktobers begann. 

I. Päd na 

1546 80 9 

7 28 2 

8 50 5 

9 35 4 
1550 40 4 

1 46 7 

2 74 8 

3 77 6 

4 111 19 
1555 17 2 

6 25 1 

7 44 4 

8 93 2 

9 53 2 
1560 26 4 

1 39 2 

2 87 5 

3 123 20 

4 64 11 
1565 60 6 



II. Bolo 


g na 


III. Wien 


Eintrage 
in der Matrikel 
der deutschen 

Juristen 


darunter 
Oester- 
reicher 


Summe der Immatri- 
culierten 
in allen Fakultäten 
und Nationen 


13 


— 


150 


8 


2 


188 


7 


— 


301 


2 


— 


251 


9 


— 


204 


1 


— 


107 


5 


2 


191 


9 


1 


193 


12 


1 


121 


29 


1 


168 


13 


— 


109 


20 


8 


190 


10 


1 


160 


23 


3 


y 


20 


— 


V 


21 


1 


? 


1 


— 


V 


9 

• 


? 


9 

• 


• 


• 


• 


V 


? 


V 



71 



Jahr 


Gesammt- 
Zfthl 


Öster- 
reicher 


Jahr 


Gesammt- 
zahl 


Oester- 
reicher 


Jahr 


GeBamiot- 
zahl 


Oester- 
reicher 


1566 


57 


4 


1586 


146 


10 


1606 


79 


1 


7 


109 


6 


7 


203 


9 


7 


100 


8 


8 


92 


5 


8 


112 


14 


8 


129 


15 


9 


98 


3 


9 


167 


28 


9 


126 


9 


1570 


103 


11 


1591) 


217 


18 


1610 


166 


14 


1 


62 


8 


1 


126 


8 


1 


118 


9 


2 


100 


8 


2 


111 


9 


2 


152 


13 


3 


197 


8 


3 


135 


15 


3 


127 


6 


4 


134 


11 


4 


165 


17 


4 


100 


6 


1575 


98 


5 


1595 


127 


13 


1615 


113 


12 


6 


34 


4 


6 


127 


13 


6 


112 


8 


7 


31 


6 


7 


127 


9 


7 


87 


3 


8 


144 


11 


8 


117 


7 


8 


96 


1 


9 


139 


12 


9 


121 


8 


9 


84 


5 


1580 


122 


13 


1600 


152 


13 


1620 


77 


5 


1 


123 


15 


1 


94 


2 


1 


92 


9 


2 


112 


11 


2 


155 


13 


2 


59 


2 


3 


129 


11 


3 


137 


11 


3 


106 


2 


4 


96 


7 


4 


123 


12 


4 


155 


8 


1585 


129 


8 


1605 


120 


8 


1625 


111 


5 



Wir ersehen aus dieser Zusammenstellung zunächst, wie sehr Padua 
damals die ältere Universität zu Bologna an deutsehen Besuchern übertraf. Auf 
203 Einträge hier während der 22 Jahre 1546—1562 kommen dort 925, also 
mehr als das Vierfache selbst dann, wenn man nur den reinen Zuwachs (203 : 854) 
vergleicht, und alle bei Eröffnung der Paduaner Matrikel am 2. April 1546 ein- 
gezeichneten 71 Namen als dort von früher her vorhandenen Grundstock der 
deutschen Studentenschaft betrachtet und in Abzug bringt. Auffallend stark sind 
unter diesen Zahlen Nieder- und Oberösterreicher vertreten: 20 zu Bologna, 84, 
beziehungsweise 75 in Padua. Der gleiche Vorgang wiederholt sich 
dann durch viel e Jahre, so zwar, dass im 80jährigen Durchschnitt 
(1546-1625) bei mehr als 8000 Daten ein Zwölftel der Einträge (675) 
Angehörige des Landes ob nud unter der Ens betrifft. 

Eine schwere Aufgabe wäre es, all die Gründe nachzuweisen, von welchen 
der Wechsel in der Besuchsziffer abhing, doch kann man diesen Versuch immer- 
hin in einigen Fällen wagen. Wenn in den Jahren 1562/3 die Zahl der Einträge 
87 und 123 gegen jene der beiden Vorjahre (26, 39) auffällig steigt, so hängt 
dies offenbar mit dem Abzug der deutschen Studentenschaft aus Bologna (1562) 
zusammen, von welchem oben die Rede war. Wir werden auch die Blüte Padna's 
im folgenden Decennium zum Teil sicherlich auf Rechnung dieses Ereignisses 
setzen dürfen, sowie umgekehrt die Aussöhnung der deutschen Nation mit Bologna 
mit dem Pestjahr 1576 von Padua zusammenfallt, und daher hier die Frequenz 
auf 34, und 1577 auf 31 Eintragungen herabdrückte. Um so anhaltender ist dann 
der Aufschwung, den Padua seit dem Jahre 1578 nimmt, denn es sinkt nun der 
Zuwachs während 40 Jahren nur viermal (1584, 1601, 1606, 1617) unter hundert, 
wogegen er 1590 seinen Höhepunkt mit 217 Namen erreichte. Das ist die eigent- 
liche Blütezeit der Peregrinatio academica. Die Lust, Italien zu sehen und hier 



72 

eine Weile an den Universitäten zu verleben, iiiubb damals offenbar in Deutsch- 
land weitere Kreise als vorhin erfasst haben, bis der Uskokenkrieg (1616 ff.) 
und die 30jährigen Wirren in Deutschland einen Rückschlag brachten, welcher 
für die Bedeutung der Universität Padua verderblich wurde. 

(Fortsetzuug folgt.) 



Beiträge zur mederösterreichischen Rechts- und Verwaltungs- 
geschichte. 

Von Gustav Winter. 

III. 
Klosterneuburger Urfarordnungen des XV. Jahrhunderts. 

Sie sind dem in nr. II dieser Beiträge. BL f. LK. 1861, 405 erwähnten 
Korneuburger Papier-Codex Sign. I. Bl. 35*— 46* entnommen. 

Bisher sind folgende Klosterneuburger Schifferordnungen publiziert worden : 

1. Verzeichnis der Geld- und Arbeitsleistungen, welche die Schiffer dem 
Probste zu Klosterneuburg schuldig sind, nach 1258. Fontes rer. Austr.. Dipl. 28, 
169 nr. 3. 

2. Des Fergen und der Urfarer Rechte zu Klosterneuburg, XIV. Jahr- 
hundert. Ebd. 198-200 nr. 9. 

3. Weistum über die Gerechtigkeit des Stiftes Klosterneuburg auf dem 
Urfar und den Schifflenten daselbst, XVJ. Jahrhundert. Kaltenbaeck, Pan- und 
Bergtaidingb. 1. 308-310 nr. 60. 

Durch inhaltliche Verwandtschaft und lokale Nähe reiht sich eng an diese 
Stücke das Nussdorfer Schiffertaiding von 1450, Chmel, Geschichtsf. 1, 21 — 27 
— Grimm, Weist. 3, 699-705. 1 ) 

Der Charakter der unten gedruckten Ordnungen ist ein anderer als jener 
der eben angeführten Stücke. Von diesen sind nr. 1 und 2 einfache Aufzeichnungen 
geltenden Rechtes: nr. 3 sowie das Nussdorfer Denkmal sind Weistümer. Den 
Hauptinhalt von nr. 1—3 bilden die Rechte des Stiftes Klosterneuburg auf Ab- 
gaben und Leistungen seitens der Schiffleute. Die hier veröffentlichten Urkunden 
A—C aber sind von den Meistern des Sehifferhandwerks vertragsinässig fest 
gesetzte Normen, es sind gewillkürte Zunftordnungen, in denen von den Rechten 
des Stiftes gegenüber der Zunft nur gelegentlich und wenig die Rede ist. Zwei 
dieser Ordnungen, B und C, sind nur provisorisch und probeweise, auf ein- bezw. 
anderthalbjährige Dauer gesatzt; bei A findet sich keine solche Beschränkung 
ausgedrückt: aber auch A ist durch C aufgehoben, welch letzteres den Inhalt 



') Zu vergleichen sind auch die Entscheidungen des Streites zwischen «lern Stifte Kloster- 
neuburg einerseits und der Gemeine der Schiftleute zu Kloster- und Korneuburg anderseits .über 
die zwei MarkUillen, von 1873, Juli 9 (Arch. f. K. öeterr. GQ. 7, 322 nr. 10) und August 10 
(Fischer, Merkw. Schicks, t. Kloutemeub. 2, 403 nr. 178). 



73 

von A und B vereinigt, durch neue Bestimmungen erweitert, auch das Entlehnte 
weiter ausführt oder bestimmter ausdrückt (C Art. 3, 8, 15, 19), und sonach wol 
das jüngste der drei Stücke ist: 1 ) C enthält in mehr oder minder selbständiger 
Form alle Artikel von A mit Ausname des Art. t>, und alle Artikel von B mit 
Ausname der Art. 5 und 8; neue Bestimmungen bringt C in den Art. 2, 10, 11, 
12 und 22. Im Gegensatz zu den früheren Ordnungen befindet sich C nur in 
Art. 14, verglichen mit B Art. 12. Zwischen A und B besteht keine Gemeinsam- 
keit de* Inhaltes. 

Die im Anhange mitgeteilten Beschwerdeartikel der Schiffleute von Kloster- 
ueuburg gegen jene von Tuttendorf dienen zur Illustrierung der Stücke A—C und 
der im Urfarwesen herrschenden Zustände. 

Der Stadt Klosterneuburg ist das Urfarrecht daselbst und zu Tuttendorf 
durch Kaiser Friedrich III. 1460 verliehen, „also das si (die Bürger) an baiden 
lauten, enhalb und hie dishalb der Tonaw ein urfar schaff und ain zillen 
haben und ir schöffleut und förrigen daselbs leut und guet annemben [und] 
uberfüren, auch leut und guet von Closterneuburg gehn Wien ab und auf 
füren mügen und sollen" (Arch. f. K. österr. GQ. 7, 338 in nr. 28). Die hier 
gedruckten Stücke sind älter, wie der Schriftcharakter und die Erwähnung Leupolt 
des Flözers in A, der anderwärts 1439 bezeugt ist, darthun. 



Urfarordnung zu Klosterneuburg und Tuttendorf vereinbart zwischen den 

Schiffmeistern daselbst. 

Ohne Datum, (c. 1435.) 

Kornettb. Ilad. Sign. I. Bl 35 a —37 n . 

[l.J Wann wir nuczen und fueren wellen das gewaltig 2 ) scheff das da ist 
Leupolten des Floczer 8 ) zu nutz und frumm paiden urfarn, es sei umbsunst oder 
umb gelt, so schollen wir im geben von ieder fart 16 J von ungetailtem guet, 
und schollen auch machen lassen ein treiblein 4 ) von ungetailtem guet als oft des 
uatt beschiecht. 6 ) 

[2.] Wier wellen, das ain ieder maister 6 ) seinem herrn sein schiffung 7 ) 
pewar mit heften,') mit auskern, und sein geschierr 9 ) des nachts einweg trag. 10 ) 

[3.] Wief wellen auch: wann ainem maister seiner schiffung nat ist zu 
machen, [schollen] all maister und knecht die di zeit daselbs in dem urfar sind 



1 ) Jünger als A ist es bestimmt, denn in .4 erscheint unter den Contrahenten Michel 
Rütel, in C Michel de* Hütel witib. 

') Befugt. In C Art. 23 heisst es der amblleut qeiraltifffi schiff unq. 

*) Ist 1439 Kathsherr zu Klosterneuburg, Arch. f. K. Österr. GQ. 7, 33ft nr. 25. 

*) Die Leine, mit der das Schiff .getrieben* (durch f ferde stromauf warte gezogen) wird. 
Vgl. Schmeller-Fr. b. ▼. treiben. 

») Vgl. V Art. «3, 21. 

*) Es dürfte zu lesen sein aines ieden maislers knecht, Tgl. unten C Art. 19. 

»I Schiff. 

*) Du Schiff am Ufer festbinden. 

9 ) Gerätschaften, hier insbesondere Ruder, Treibleine etc. Auch das Wasserfahrzeug 
heisst Qttchirr. 

»•) Vgl. C Art. 19. 



74 

[die] schiffung helfen an das laut zu pringen. und wan si gemacht sind, so 
schollen si helfen das si auf das wasser körn an alle widerred. und welicher das 
nit tet, dem wellen wir kain tail geben. 1 ) 

[4.] Ain ieder maister der ein knecht dingt der weder weib noch kind hat, 
den soll er dingen umb ain jarlan und scholl [in] haben in der kost, darumb 
sol er seinem herren gehorsam sein; ausgenomen der paider urfar ambtleut. 2 ) 
[5.] Wier wellen auch, das ein ieder der an der fart ist, der sol in di 
lostet 8 ) varn mit seiner schiffung ungeschafft. und wan der fuder fort, so sol 
der negst und ainer nach dem andern in di lastat varn; und scholl auch di 
Jostatt albeg geraum bt sein. 4 ) 

[6.) Wier wellen, das kain maister noch knecht kain holz in baiden urfarn 
in den weg nicht legen sol oder andre war. das di weg zu dem urfar geraumbt 
sein; und schullen auch kain schiffung nicht haben di nit in das urfar gehör. 
[7.] Wier wellen: ob ein knecht von dem urfar gieng zu dem wein oder 
spil oder in ander weis, dem sol man kain tail geben, und demselbigen maister 
sol aus seinem tail nichz abgen. wer aber das ain maister oder knecht in gottes 
gewait viel das er krankch wurd, so sol man im ain wochen seinen tail geben 
und nicht lenger.*) 

[8.] Fert ain maister oder knecht ans dem urfar, es sei gen Nusdorff oder 
Wyenn, mit der schiffung, ist er über nacht aus, so sol man im geben ain ieder 
persan 12 wienner phenning zu zerung und nit mer. 8 ) 

[9.] Auch scholl ein ieder absanier in baiden urfarn baiden ambtleuten 
seinen rechten tail geben von tailheftigen guet, es sei in klainem [oder grossen] 
wasser, wiiU 7 ) oder eis, als es von alter herkömen ist. ungeverlieh. 8 ) 

[10.] Wier wellen, das kain maister oder knecht wider des absanier willen 
kain gelt sol absamen noch iunemen. tet er es darüber, so sol man dem maister 
kain gelt noch tail geben, auch dem knecht, und man sol ainem solichen vou 
dem urfar Urlaub 9 ) geben. 10 ) 

[11.] Welicher maister oder knecht das nicht stet wolt halten, dem wellen 
wir chain tail geben und sol auch in dem urfar nit varn. 11 ) tet dan ein knecht 
ein unerbre sach das man zu im bringen 1 *) mocht, dem schollen wir von dem 
urfar Urlaub geben. 

Ich Leupolt Floczer, ich Mert Floczer, ich Mert Nechel, ich Jörg Clammer, 
ich Hanns Summer, ich Mert Hübscher, 18 ) ich Wernhart Schopper, ich Wolfgang 
Perner, ich Ulrich Hagen, ich Hanns Stephel, ich Hanns Raidheppel, ich Michel 



') Vgl. (; Art. 20. 

') Vgl. C Art. 18. 

*) Ladestatt, Ort, wo die Schiffe beladen und entladen werden. 1S0 Leier; anders 
Schmeller-Fr. ], 1509.) 

*) Vgl. C Art. 17. 

») Vrl. C Art. 16. 

•) Vgl. C Art. 15. 

7 ) Handschr. winter. 

•) Vgl. C Art. 21. 

») Abschied, Entlassung. 
•°) Vgl. C Art. 13. 
»») Vgl. C Art. 25. 
") Beweisen. 
") 8« die Handschr. ; in C heisst er Hübscher. 



75 

Rütel verpinden uns alles das stet zu halten als vor geschriben stet mit unser 
aller aufgedrukten petschaden. 

B. 

Urfarordnung »u Klosterneuburg und Tuttendorf, vereinbart (mit Gültigkeits- 
dauer bis 1441, Dec. 25) von den Schiffmeistern daselbst. 

1440, Juni 14. 

Horneub. Cod. Sign. I. Rl. 37 b ~39 b . 

Vermerkt di berednus so di maister an baiden urfarn hie zu Klastemew- 
burkeh und enhalb zu Tuttendorff getan haben an sand Veits abent anno domini 
tausent vierhundert und in dem fierzigistem jar durch aines gemain nuez willen 
land und leuten und mit unser herschaft wissen und willen, wie wir paide urfar 
halten wellen von hinn unz auf di weinachten und von weinachten darnach über 
ain jar ungeverlich, ausgenomen und hindan geseezt paider herren gerechtikait. 

[1.] Von ersten, so schol wir haben zwo puxsen in paiden urfarn, aine 
enhalb aine herdishalb, darin schol das gelt gelegt werden das man dient und 
schol in der wochen zwier ausgetailt werden, und wen man nimbt zu ainem ab- 
samer, der sol di wochen absamen an alle widerred und soll ain wochen enhalb 
zu Tuttendorff austailen, aine hindishalb zu Elosternewnburkch. 1 ) 

[2.] Darnach sol ain iedes urfar sein land retten in gleichem wasser. 9 ) 
beschech sein aber nott an iedem land, so schol ainer dem andern zu hilf farn. 
fert ain maister von Klasterneuburg über di Tuenaw, sein lent oder ross in dem 
urfar, das sol er aunemen. ist aber niemant in dem urfar das anzunemen wer, 
so sol er 1er hinwider haim farn. des geleichen sol ein maister von Tuttendorff 
zu Klosterneuburg tuen unge verlieh. 8 ) 

[3.] Kumbt ein gross wasser oder wint aus, so schollen zulner und ain- 
pemer 4 ) so sollen di zusamen treten und leut, wegen oder ros uberfnern, damit 
si bebart sein, des gleichen in ainem eis. 5 ) 

[4.] Kumbt aus ain gerit,*) so sol ain urfar dem andern zu hilf farn und 
komen wan man ainen ambtman enpeut, es sei enhalb der Tuenaw oder herdis- 
halb ; des gleichen zu den paiden jarmerkten ') zu sand Margareten tag und zu 
sand Kolmans tag; so sol man was gewunnen wird zu Klasternewburkch austailen 
hinz dem ambtman. 8 ) 

[5.] Auch sol man meinen herren brobst sein holden di in sein robat und 
dienst fuern, in ainem gleichen lan halten, es sei in eis oder in ungewiter. 

[6.] Es sol auch richter und rat in baiden steten hie zu Newnburkch und 
auch markthalben 9 ) gefuedert werden wan des nott ist uinb ir gelt. 10 ) 

») Vgl. <; Art. 3. 

') Handschr. reuleu. Vgl. die erste Note zu C Art. 4. 

>) Vgl. C Art. 4. 

•) Führer eines „Einbaams* (Nachen ans Einem Stamme). 

») Tgl. C Art. 5. 

«) Eqnitatns. 

') Zu Korneuburg; s. Bl. f. LK. 1881, 405. 

•) Vgl. C Art. «. 

•) Handschr. merkehten. 

'•) Vgl. C Art. 8. 



76 

[7.] Wir wellen auch: wen di maister zu Newnburg meinem herren dem 
brobst und seinem goczhaus seine robat fuern schullen, es sei welicherlai das 
sei, nichts ausgenomen, 1 ) und ob sein di selbig zeit not geschiecht, so schollen 
di Tuttendorfer paide urfar retten. 8 ) beschech uns in dem traidfuern not ainer 
schiffung oder zwair, di schollen si uns leichen nach unserin vleissigen gepet 

[8.] Wier schollen paide urfar zu Hofflein und zu Enczesdorff was da 
gevelt gleich mit einander tailen ungeverlieh. 8 ) 

[9.] Es sol ainem iedem ainpemer ain zulner zugeben werden mit seiner 
schiffung. ist ain swere war da, di sol der ainpemer an sein zullen nemen, und 
der zulner der im zugeben ist, der sol hinan zu im treten und mit im über di 
Tuenaw farn. ist awer ain ringe war da, di sol der zulner anneinen und der 
ainpemer der im zugeschikt ist mit im über di Tuenaw farn; und sol ain iede 
schiffung sein aigen geschierr und sail haben. 4 ) 

[10. ] Es schol auch ain ieder maister sein guetc wolberuebte schiffung 
[haben], damit leib und guet pebart sei, und sol auch er und sein knecht stetik- 
lichen warten auf sein vart, das im nit ain absanier suech. s ) 

[11.] Wier wellen auch, das kain absamer kainein maister. noch knecht 
nichts leich, si sollen warten auf das austailen [des] gelt, so nein ieder was im 
zugepurt. und welicher nit wart, 6 ) es sei maister oder knecht, dem sol man 
kainen tail geben. 7 ) 

[12.) Get ain maister oder knecht an des absamer willen aus dem urfar 
und versäum bt ain vart oder zwo, dennoch sol man im sein tail geben.*) 



c. 

Urfarordnung zu Klosterneuburg und Tuttendorf, vereinbart zwischen den 
Obersten Fergen und den Fergen (Meistern) daselbst auf die Dauer eines 

Jahres. 

Ohne Datum, (c. 1442.) 
Korneub. Cod. Sign. /. Bl. 39 b —45 a . 

Vermerkt , das di obristen ferigen 9 ) und di maister di ferigeu hie zu 
Rlosternewnburg an paiden urfarn und enhalb zu Tuttendorff ainer Ordnung in 
den urfarn ainhelliklichen sind ainig warden durch gemanies nuez willen lande 



') Vgl. C Art. 7. 

') Hilfe schaffen. 

*) Das in der Einleitung angefahrte Weistum des XVI. Jahrhunderts hat §. 19: hie 
Hdfleiner und zu Ennttesdorff sullen ander schi/fung nit haben noch niemantx über f um umb Ion 
dann nur ir nollurfl und arbaiter. 

•) Vgl. C Art 1. 

s ) Handschr. sag. — Vgl. C Art. 14. 

•) Uandschr. wert. 

') Vgl. C Art. 9, 10. 

•) Vgl. C Art. 14. 

') Ueber die Stellung der nur hier und Art. 4 genannten „Obersten Fergen", welche 
identisch zu sein scheinen mit den in obigen Ordnungen mehrfach genannten , Amtleuten", vgl. 
das in der Einleitung angeführte Weistum des XVI. Jahrh. §§. 6 (Vertreter des Probst«* in der 
Ausübung der niederu Gerichtsbarkeit über die Schiffleute), 7, 2S u. ff. 



77 

und lenten, wie si di selbigen zwai urfar halten und fuern wellen und stillen, 
und ist geschechen mit willen und wissen irer paider herrschaft durch fuedrung 
willen, doch unentgolten irer paider herrschaf\ an irer gerechtikait, und haben 
in di Ordnung furgenouien auf versuechen ein ganz jar. wurd dan verstanden, 
das solich Ordnung laud und leuten zu nucz und fuedrung körn, so sol dan di 

selbig Ordnung [wer aber di selbig Ordnung] 1 ) nimer halten wolt, 

das*) sol der selbig tail dem andern tail vorhin ain quottemer zu wissen tuen, 
dadurch sich der ander tail darnach verrer wiss zu richten, und ist di Ordnung 
fnrgenomen als hernach geschriben stet: 

[1.] Von ersten sollen di zwen obristen ferigen an den paiden lanten ieder 
sein aigne schiffung haben, di wol pebart und guet sein nach gescheft und 
haissen irer herrschaft, und ain ieder maister auch an paiden lanten sein schif- 
fung halten [di] wol pebart und versargt sei. doch also, das ain ainpemer und 
ain zulner zwo zullen auf ein gleicbs darlegen 8 ) miteinander haben schollen; 
und sol auch ein iede schiffung ir aigens geschierr haben. 4 ) 

[2.] Auch schollen si haben ain klaine schiffung au iede in lant durch 
fudrung willen, wie di am nuczisten sei, auf gleichs darlegen. 

[3.] Si schollen haben zwo puxseu, an iedem urfar aine. darin sol das 
gelt so man in den urfarn dient gelegt werden und in der wochen zwier aus- 
getailt werden, und sol ain ieder maister alle wochen alner absamen 6 ) und als 
oft pei dem tail 6 ) darzu geseczt und genomen werden, hiet er aber in der 
wochen eehaft 7 ) not zu schaffen, so sol er di maister pei dem tail erpiten das 
si im erlauben ein maister oder knecht. 

[4.] Es scholl auch iedes urfar sein lant retten in gleichem wasser.*) geb 
sich aber notturft, an welichem lant das wer, so sol ainer dem andern zu hilf 
farn, also: fert ain schiffung von Klasternewnburkch über die Tuenaw, sind dan 
sex oder acht persan oder ros in dem urfar di anzenemen sind, di sol der ferig 
oder knecht die di schiffung fuern daran annemen und mit in uberfaru. wer 
awer niemant in dem urfar das anzenemen ist, so schollen di maister oder 
knecht 1er wider haim faren. des gleichen sollen di maister oder knecht von 
Tuttendorff an dem land zu Klosternewnburg auch tuen hilf und fuedrung. 9 ) 

[5.] So dann grosse wasser oder wint auskörnen, so sullen zulner und ain- 
pemer zusam treten und leut, ros und wagen uberfuern, damit si pebart sein, 
des gleichen in dem eis. 10 ) 

[6.] Wan dan ain gerit auskumbt, auf welichem land das ist, so sol das 
ander urfar darauf das gerit ist, dem andern zu hilf komen und farn dishalb 



M In der Handschr. ist der Text nicht unterbrochen. 
2 } Handschr. der. 
») Konten. 
*) Vgl. B Art. 9. 
•) Vgl. Art. 1. 
•) Teilung. 

7 ) Gesetzlich, rechtsgültig. Handschr. erhaft. 

*) Handschr. wasen. Die Stelle ist schwer verständlich. Vgl. paide urfar retten (= Hilfe 
schaffen) oben Art. 7; and in geleichem weter, wind oder wasser unten Art. 1%: bei jedem Wetter. 
•) Tgl. B Art. 2. 
»•) Vgl. fl Art. «. 



• • 



78 

Tuenau, des gleichen, zu den jarmerkten zu sand Margareten tag und zu sand 
Koliuans tag, und des suntag vor sand Merten tag sol auch also gehandelt wer- 
den, doch das 1 ) das gelt so dar ingeuomen wird zu Klosternewnburg, zu dem 
ambtman ausgetailt werd. 8 ) 

[7.] Auch ist furgenomen, das man unser frawn goczhaus zu Kloster- 
newnburg alzeit gehorsamlich sol fuern, es sei traid, hei oder was das ist.*) und 
also ist in erlaubt von dem brobst deselben 4 ) goczhaus, das si nemen mugen 
was man fuert von des gotzhaus leuten von ainem ross 2 cf, doch von gnaden 
und nit von rechtens wegen, und sullen des gotzhaus leut darüber nit verrer 
dringen, und hinüber sullen si geben von alnem wagen 1 cF. 

[8.] Si schöllen auch richter und ratt in baiden steten Klosternewnburk 
und Koriraeuburg und ander daselbs für ander leut fuedern als oft das nat ist 
oder wuerd, doch umb ir gelt als pillich ist. 5 ) 

[9.] Es sol auch kainer, welicher dan in der woohen absamer ist oder 
wirt, kainem,*) es sei maister oder knecht, von dem gewannen oder von dem 
erarbaittem gelt so in di puxsen gehört, gar nichz leichen, sunder si sullen 
warten auf den tail. 7 ) 

[10.] Auch sol kain absamer nichts auspargen. parigt er awer aus, es sei 
vil oder wenig, so sol er das widerumb mit vleis inpringen, damit es in den 
tail körn und nichts vergessen werd. 

[11.] Es sol auch ein ieder absamer treulich von den leuten absamen und 
darin n niemants gunst oder seines aigen nucz willen, es sei pekchen, fleisehakern 
oder andern, nachlassen oder dester minner oder mer von hin nemen, nuer alain 
den zimlichen lau an gever. 

[12.] Auch sol ain absamer die geraisigen 8 ) oder ander leut, do der lan 
6 oder 7 tf getragen mag, in geleichem weter, wind oder wasser über schiken 
so des not ist. und darumb niemant aufhalten, wurd, das man solich nicht fueder- 
lich uberfuert, welicher das überweist wurd, dem sol man kamen tail geben. 

[13.] Es schol auch weder maister oder knecht an wissen und willen des 
absamer an dem urfar absamen noch innemen. welicher awer dawider tet, so 
sol man dem maister kain tail nit geben und dem knecht Urlaub von dem urfar. 9 ) 

[14.] Auch sol ain ieder maister oder knecht auf ir fart 10 ) in dem urfar 
warten, also das sew ain absamer Hindert bedarf suechen. 11 ) wer aber das er 
die daran di fart ist an dem urfar nicht fund und der absamer ander scbeffleut 
gchikchen muesst di doch an der vart nit wem, so sullen di selbigen dem ab- 
samer gehorsam sein und uberfuern, und die di vart versaumbt haben, den sol 
man kainen tail nit geben. 1 ') 



t 



') Handschr. da» man. 
»I Vgl. B Art. 4. 
») Vgl. Ü Art. 7. 
*) So die Handschr. 
»> Vgl. B Art. 6. 
'i Handschr. komeu. 
') Vgl. ü Art. 11. 

■> Berittone, besonders zum Krieg Gerostete. 

•) Vgl. .4 Art. 10. 

>e i Handschr. fert. 

") Vgl. M Art. 10, 

") Vgl. B Art. II. 



• • 



79 

[15.] Fert ain maister oder kneeht aus dem urfar nawberts oder hingegen, 
ist er über nacht aus, so sol man im geben zu zerung 12 J. 1 ) ist er awer nit 
über nacht aus, so sol man im geben 6 <f zu zerung. wer aber das ain maister 
oder kneeht nit fuederlich in das urfar kern als er doch wol hiet komen inugen, 
und sich williklich underwegen saumiet, dem sol man chain zerung widerkern 
und chain tail geben. 

[16.] Ob ain kneeht aus dem urfar gieng zu dem wein, spil oder ander 
weis, dem sol man kainen tail geben, und des selben knechts maister sol den- 
noch an seinem tail nichts abgen. wer aber das ain maister oder kneeht in 
krankchait körnen, so sol [man] in ain wochen in ierer kraukehait iren tail geben 
und nicht lenger. 2 ) 

[17.] Auch sol ain ieder der an der fart ist mit seiner schiffung in di 
lastat varn ungeschafft. und wan der fuder fert, so sol der nagst darnach und 
also ainer nach dem andern in di laastat varen; und sol di laastat albeg ge- 
raumbt sein. 8 ) 

[18.] Welicher maister ain kneeht dingt der nit weib noch kind hat, den 
schol er dingeu umb ein jarlan und sol in haben in seiner kost, ausgenomen 
der paider urfar ambtleut. 4 ) 

[19.] Auch schollen aines ieden maisters kneeht sein zullen und schiffung 
bebarn mit haften, auskern und sein geschierr des nachts ainweg tragen. 5 ) und 
welich an dem tailtag zu einander geschafft werden, di sullen ainhelliklichen di 
schiffung und geschierr so si nuezen, trewlich pebarn in reiden,*) in slachen 7 ) 
und all ander notturft, damit durch sew nicht verbarlasung geschech. 

[20.] Welicher maister sein schiffung machen oder pessern wil, so sullen 
im all maister und kneeht so die zeit in dem urfar sein, als oft si darzue ge- 
vodert werden, di selbig sein schiffung ans dem wasser helfen an das laut zu 
p ringen, und wan si gemacht ist, so sullen si helfen hinwider an das wasser ze 
pringen an alle widerred. welicher awer des nit tet, dem sol man kainen tail 
geben. 1 ) 

[21.] Auch sol ein ieder absanier in paiden urfarn den ambtleuten iedem 
seinen rechten tail geben von tailheftigem guet, es sei in klainen oder grossen 
wassern, wiut oder eis, als es von alter herkomen ist, an gever. 9 ) 

[22.] Welich absamer den ambtleuten iren rechten tail nit gevallen liess 
wissenlich und gänzlich geb, des in der ambtman überweist, der sol gestrafft 
werden nach inn Haltung der Herrschaft gerechtikait. 



*) Vgl. A Art. 8. 

'i Vgl. A Art. 7. 

*) Vgl. A Art. 5. 

«) Vgl. A Art. 4. 

») Vgl. A Art. 2. 

*} ,, Flächen und Oeffnungen an den W&nden (des Schiffes), wo die Ruderwieden (Ringel 
am hintern und rordern Teil eingelegt werden." S c h m e ] 1 e r - F r. 2, 58. (?) 

7 i Ist es die Fahrte, diw Weg. der „HnfscMag" am Ufer, wo die Pferde des Schiffzuges 
gehen? Vgl. die Nussdorfer Schifferrechte von 1450: der da sein schef hinab gehengt hat in den 
»lag, Chmel, Geschichtsf. 1, 85. 

•) Vgl. A Art. S. 

•) Vgl. A Art. 9. 






80 

[23.] Auch wan das ist das di maister in den nrfarn der ambtleut gewal- 
tige schiffung nuczen in nucz und frunib baiden urfarn, so sullen di maister in 
dan geben von ungetailtem guet von ieder fart 16 J, 1 ) ausgenomen wan di fert 
an den gewaltigen ferten 8 ) sein, so ist man in davon nichts phlichtig. 

[24.] Zu den gewaltigen scherten oder schiffung sullen di maister haben 
aiuen triblein und di machen und pessern lassen von ungetailtem guet als oft 
des not ist oder wirt, als das vormal gehalten ist worden. 8 ) 

[25.] Welicher maister oder knecht in den urfarn das alles und ieglichs 
besunder so vor geschriben stet nicht genzlich stet hielt oder haben wolt, der 
sol gepessert werden ieder von seiner herrschaft und sol auch kain tail haben 
so lang unz er der herrschaft und der maister willen begreift. 4 ) 

Zu urkund der vorgeschriben Ordnung und ainigung haben wier: ich Jörg 
Stainpacher, ich Mert Nechel, ich Mert Hübscher, 6 ) ich Kilian Fruewirt, ich 
Hans Fruewirt, ich Hanns Sumer, ich Wolfgang Stöphel, ich Hanns Stöphel. ich 
Hanns Raydel, ich Paul Stöphel, ich Wenczel Pechem, ich Hans Hagen für uns 
und Michel des Rütel witib unser petschad auf di Ordnung und ainigung gedrukt 
und verpinden uns all mit unsem trewen stet zu halten so vor geschriben stet. 
Gresehechen an etc. 



Anhang. 

Beschwerden der Klosterneuburger Schiffleute gegen jene von Tuttendorf. 

Ohne Datum. (Mitte den XV. Jahrh.) 

Korneub. Cod. Sign. I. Bl. i5 b -46 b . 

V r ermcrkt di inängel und prechen so di von Klosternewburg im urfar haben. 

[l.'| Von erst, wan an das urfar komen enhalb Tuenaw 10 oder 16 men- 
schen und ross, di halten si auf, damit si ir wein und pier mugen vertreiben, 
und wan di selben leut herüber farn und an das land heraus genu, so schelten 
si und geben vil poser wart aus und sprechen 'wir haben muessen warten zwo 
oder drei stund', des gleichen tuen si, wan di wegen auch komen in das urfar, 
und wellen zu vil von in nemen. des vermainen sich di herren hie zu Kloster- 
newburkch beswert sein und geben uns die schuld. 

[2.] Wier haben under uns aufgeseezt: wan in das urfar hie oder enhalb 
Tuenaw [komen menschen] und ros umb 6 oder 7 <F, di sol man über die Tuenaw 
fuern ; *) das dann von iren wegen nit geschieeht, und warten als lang nnz das 
di herderhalbigen hinüber farn gen Tuttendorff, so haissen si di selbigen her 
naw gen zu den selben. 

[3.] So tue wir mer zu wissen: [wan si] in dem weichsellesen als im 
sumer und in andern iren natturften in den görten irer arbait nachgen. so lassen 



>) Vgl. 4 Art. 1. 

a ) So die Handsr.hr.; I. ferigen? 

5 ) Vgl. A Art. 1. 

«) Vgl. A Art. 11. 

*) In A heisst er llulscher. 

«i üben C Art. 12. 



■■ • v* ^v: \\ 



81 

si ire 1 ) hauerknahen über di Tuenaw farn di nicht in das urfar gehorn, damit 
schaden möcht geschechen. 

[4.] Wan si über di Taenaw farn mit irn schiffen herüber gen Kloster- 
newburg und sechent wo] was notturft in dem urfar sei, so genn si mit vleis 
fuder unz das di hiering scheffleut her über di Tuenaw komen und farn di leut 
über, so komen si mit den lern scheffen wider haim, und das ist wider unser 
berednus. 8 ) des gleichen im lesen, so mein herren von Kornnewnburg ir maisch- 
wegen in das urfar bringen und sechen gern das si gefuedert werden, so wissen 
di Tnttendorfer wol, das unser knecht und schiffung zu Wyenn und vor dem. 
perg sein, das si also vil geniessen als wier und das si kain fuedrung nicht 
tuen weder mit leuten, ros und wegen, des wir gegen meinen herren den burgern 
hie und zu Korennewnburg zu wart 9 ) komen. 



IV. 

Korneuburger Bürger- und Rathaherren-Eid aua dem Anfang dea XVI. Jahrhunderte. 

Da diese Eidesformeln einer Handschrift des Korneuburger Stadtarchivs 
entnommen sind, auf die in diesen Beiträgen nicht mehr zurückzukommen sein 
wird, so soll hier eine Besehreibung dieser Handschrift uud eine genauere An- 
gabe ihres Inhaltes Platz finden. 

Sign. P. Papier (Vorsteckblatt Perg.), 169 BU., 4°; starke, lederüber- 
zogene Holzdecken (die rückwärtige zum Teil abgebrochen); von aussen mit 
Rapular bezeichnet. Verschiedene Hände, welche die von 1499—1514 reichenden 
Aufzeichnungen je gleichzeitig eintrugen. — Herr P. Ambros Zitterhofer, 
Pfarrer zu Klein-Engersdorf, hat in neuester Zeit den Inhalt der Handschrift 
sorgfaltig auf einem Blatte verzeichnet, welches dem Codex beigeklebt ist. 

Bl. 1* Vermerkt wie man uinen aid thuen sol (Eidesformel aus einem 
Processe um Heirathsgut). — Bürger-Eid (s. u.). 

l b Rathsherren-Eid (s. u.). 

2* Vorschriften über das Gewicht der Semmeln von 1501 und 150*2. 

3*— 4 h Inventar über Kirchengeräthschafteu (im Anfange defect). Ver- 
öffentlicht von Prof. C. M. Blaas in den Mitteil. d. k. k. Centr.-Comm. f. Kunst- 
u. histor. Denkm., N. F. 7, S. LXXIil nr. 34. - 5-11 leer. 

12* Urkunde ddo. 1345, März 1, Wien: Herzog Albrecht entscheidet einen 
Streit zwischen dem Stifte Klosterneuburg und den Bürgern von Kornenburg 
über ein Fischwasser (Font. rer. Austr., Dipl. 10, 309 nr. 317 aus dem Orig.). — 
12»> leer. 

13»— 17* Bergtaiding des Bisamberges. — 17* — 21 b leer. 



») Handschr. irer. 

*) Vfl. Art. 2 und 7, C Art. 4. 

») In ftblen Ruf. 

BlUt d. Vereinet f. Landert. 1882. 1. 2 u. 3. 6 



-+L* 



82 

22« — 28» Der pecken teichung (Gewichts- und Preisscalen des Brodes). — 
28 b -31 b leer. 

32* Notiz über einen Hausverkauf. — 32 b leer. 

33* Vermerkt, was gelt man zu der beeaüung des halben jars des 
ungelts gtnomen hat. Actum freüag vor Ste/fani er ßn düng [15|1/. — 
33 b -59 b leer. 

60» Notiz über ein Gescheft zu sand Egydien anno etc. [H]99 no . — 
60*— 71» leer. 

71 b — 74» Vermerkt die heuser so die herren verkauft haben, angefangen 
an montag nach st. Pauls tag conversionis a. d. etc. [14] 90»°. — 74 b — 77* leer. 

78* Wer mit Thorstehen, mit der Wacht und in anderen Sachen nicht 
Gehorsam thut, den soll man „weglegen" lassen und strafen, damit sich Andere 
daran stossen, in St. Niklas-Thurm. (Diese Verordnung zu erlassen, verlangte 
an Mittwoch nach Invocavit 1504 die Gemeinde von Richter und Rath.) — 
78 b — 84» leer. 

85» bis zu Ende: Rechtshandlungen verschiedener Art, vor dem Rathe vor- 
genommen und ins Stadtbuch eingeschrieben; Notiaen über Rechnungslegungen, 
Schuldforderungen der Stadt. Weinstener etc. — 166 b Vermerkt die brief so 
Walthasar Prewer und der statschreiber mit inen zu kun. maj. gefürt haben 
a. d. 1502 mitboch post omnium sanctorum. Darunter: der stat hantvest; 1 ) 
Bestätigung von König Ladislaus über vier Briefe; kais. Bestätigung über alle 
Freiheiten; Vidimus von wegen der von Stockerau Entschied; Brief von Herzog 
Albrecht um die Salzkammer; sechs Briefe von kais. Majestät löbl. Gedächtnis, 
„so uns sein majestet in der belegernus hereingeschriben" ; etc. 



Komeub. Ood. Sign. V W. / fl — *. 

Nota den burgeraid : 

Von erst, das wir oder ich wider gemainer stat freihait und hantfesten 
von den löblichen fürstn von Österreich gegeben in kainerlai Sachen handln noch 
tun wellen oder wil; 

daz wir oder ich mit kaufn noch verkaufen mit kainem gast noch aus- 
lender wider gemainer stat freihait handln wellen ; 

daz wir oder ich bevor römischer kun. mt. etc. als herrn und landsfürstu 
und gemainer stat nutz und frumen betrachtn und fuerdern wellen oder wil sovil 

wir kunnen oder mögen ; und wo . i säche oder au andern vermerkt, wo gemainer 

stat freihait gesmellert wolt werden, dawider zu steen und hanthaben so ferr on 
unserm Ä . . 

meinem vermögen »t; 



>) Es ist wol das Privileg Herzag Friedrichs von 1311 gemeint, von welchem Arch. f. 
österr. Oesch. 68, 275 n. ff. 'handelt. 



83 

das wir richter und rate als unsern vorgeern an stat. kon. rat. etc. als 
herrn und landsfursten getrew und gewertig sein wellen als vil on unserm ver- 
mögen ist, 

als uns dez got helf und all heiligen. 



Nota den herrn dez rata: 

• 

Das wir auch dem armen und dem reichen ain götlich recht widergeen 
wellen lassen und nicht ansehen frontschaft, gefaterschaft, miet, gunst oder gab 
noch veintschaft noch kainerlai Sachen ausgenomen, besonder angesehen die göt- 
lich gerechtigkait, und daz wir auch die gehaim dez rata versweigen wellen unz 
an unsern tod, dez bitten wir uns got zu helfen und all heiligen. 



XTeber die Besitzverhältnisse in Niederösterreich 

zur Babenberger-Zeit. 

Von Johann VV e n d r i n s k y. 

Für eine Geschichte Niederösterreichs zur Zeit seiner ersten Dynastie 
scheint mir als Vorarbeit vor Allem die Aufklärung der Besitzverhältnisse 
notwendig, als: Wer war damals im Lande begütert und in welchem Umfange, 
was war landesherrlicher, kirchlicher Besitz u. s. w. , welche ausländische 
Dynasten waren in Oesterreich begütert, was gehörte dem Kaiser (dem Reiche), 
welche Orte bestanden und von wo aus wurden sie kolonisiert u. s. w. Und 
noch viele andere wichtige Fragen des Rechtes, der Kultur, der politischen 
Geschichte werden sich aus einer derartigen Darstelluug der Besitzverhältnisse 
beantworten lassen. 

Ich habe nun — insbesondere aus den reichhaltigen Publikationen der 
Wiener Akademie der Wissenschaften — die Daten zur Darstellung der Besitz- 
Verhältnisse zusammengestellt, zunächst in den beiden Manuhartsvierteln, denen 
ich sohin eine gleiche Zusammenstellung auch für das Gebiet am rechten Donau- 
ufer werde folgen lassen, und gedenke am Schlüsse auch eine Beantwortung 
der obigen Fragen aus dem gesammelten Materiale zu geben. Nachträge — die 
jedenfalls zahlreich sein werden - lassen sich leicht unter den Nummern ein- 
reihen, um dadurch allraälig eine Vollständigkeit zu erzielen, die einen topo- 
graphischen Atlas Alt-Oesterreichs ermöglicht, ein Ziel, so lange schon ange- 
strebt. Mögen auch Freunde der vaterländischen Geschichte so gütig sein, mich 
mit solchen Nachträgen zu erfreuen! 



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(Fortsetzung folgt.) 



113 



Zur Literatur der Weistümer. 

Die nachfolgende Specification ist au6 den Gemeinde-Akten von 
Simniering genommen. Sie gewährt einen Einblick in die Lebensmittel- 
preise jener Zeit und deutet darauf hin, dass die Verpflegung der Teilnemer an 
den Gemeinde- Versammlungen (Pantaiding) auf Kosten der Gemeinde erfolgt sei. 

M. A. Becker. 

Specification 

was in leztgehaltener Bontatung von lezten Juny 1752 vor ein Mittagmahl 

erkauft und bezalt worden, als: 

Primo seind 10 Paar Hendl erkauft worden a 19 Kr., zusammen bezalt 2 fl. 20 kr. 

2*o 10 Paar Tauben a 10 kr 1 „ 40 „ 

3 tio Sechs Achtel Mundmehl 1 „ — „ 

4*« Griene Arbes — „ 7 „ 

5 to seind 5 gens backhen sambt Jungen erkauft worden 3 „ 45 n 

€*• fünf Pfund frischen butter a 13 kr 1 „ 5 n 

7«o Sechs Pfund Rindschmalz a 14 kr 1 „ 24 n 

8*o Vor Bäuschl Gewürtzt und zuckher 1 „ 54 „ 

9»° Vor Wurst und Selchfleisch — „ 45 „ 

10wo Vor Kelch und Salläth — „ 48 n 

Umo Vor Krepssen 1 „ 8 r 

12»« Vor 43 1 /« Pfund Kalbfleisch a 6 kr 4 „ 21 n 

13»° Vor 38 Pfund Rindfleisch a 5 kr 3 „ 10 „ 

Umo Vor l 1 /, Pfund Spöckh - „ 18 „ 

15 mo Vor 2 Pfund Schweinsehmalz a 14 kr — „ 28 „ 

16»o bezalen wir vor Eyer — ,, 36 n 

17»° vor 4 Mass Wein Essig — ., 24 „ 

18 m0 vor Glöser und Kiehlflaschen bezalt — „ 48 „ 

19mo vor Millich Kam und Obers — „ 16 

20 110 vor 1 Emmer Klosterwein 10 „ — 

21 m0 Dann 1 Emmer 8 Mass Peterstorfer Wein 7 „ 12 

22™« Ein Emmer Lufftbier 2 „ — 

23»o vor Mauth und Zöhrung 1 „ 21 n 

24 m « vor da« Zin bezalt 1 „ 8 n 

25»o der Köchin vor 3 Tag bezalt 2 „ — 

26 mo der Abwascherin und Helferin bezalt — „ 51 

27»« Vor der Richterin ihr Bemuehung bezalt 2 n — 

28»« Vor Brod in allem bezalt 1 „ 30 „ 

29«o Vor Holz und Kuchlgeschirr 2 „ 57 „ 

30"* den andern Tag vor ein Spansau sambt Jungen und Sollath . 1 „ — ., 
31m« dann vor ein gans sambt Jungen — r 51 „ 

Summa . . 59 fl. 7 kr 



BlUt. 4. Vereinet f. Landesk. 1882. 1. 8 u. 3. 



114 



Besprechung. 

Josef Haydn.*) 

Nicht bald hat uns die Leetüre eines Buches solche Freude gemacht und 
sind wir mit solch' innerem Behagen an die Besprechung geschritten, wie bei 
P. Pohl's „Josef Haydn - . Ist doch dasselbe auch a tempo als das schönste Denk- 
mal zu dieses unsterblichen Meisters 150. Gedenktag seiner Geburt (31. März 
1732) erschienen. 

Geraume Zeit ist verstrichen, seit der erste Band dieses Werkes erschienen, 
war und in diesen Blättern (IX. Jahrg. 1875. S. 361) besprochen wurde. Dasselbe 
ist seitdem an die Firma Breitkopf & Härtel übergegangen und die jetzige Folge- 
als zweiter Band bezeichnet, wie es ursprünglich auch im Plane lag. Dieser Band 
hat, wie im vorhinein bemerkt werden muss, den grossen Vorteil, dass der bio- 
graphische und musikalische Teil getrennt ist. Derselbe umfasst Haydn's Auf- 
enthalt (1767—1790) im fürstlichen Schlosse Esterhazy am südlichen Ende des. 
Neusiedler Sees. Wir waren gerade über diese Zeit aus Haydn's Leben bisher 
am wenigsten unterrichtet und ist diese Kluft nun auf Grundlage authentischer 
Belege ausgefüllt. Pohl giebt Nachricht über die Entstehung des Ortes [S. 47J 
und ausführliche Beschreibung des fürstlich Esterhazy sehen Schlosses sainmt 
Park und Theater, zählt die daselbst stattgefundenen Feste auf und giebt Nach- 
richt über das musikalische Leben daselbst, über die aufgeführten Opern. Marto- 
nettenspiele und Schauspiele, über die Orchester- und Kammermusik und selbst- 
verständlich über alles Wissenswerte über Haydn's Stellung. Ein Verzeichnis, 
aller Sänger und Musiker bringt Beilage II. Die Opern werden in chronologischer 
Reihenfolge aufgezählt mit Angabe ihrer Handlung und der aufgetretenen Per- 
sonen. Unter den Festen sind hervorzuheben jene bei Gelegenheit der Besuche 
des Fürsten Hohan (1772) [S. 49], Kaiserin Maria Theresia (1773) [S. 61], Erz- 
herzog Ferdinand (1775) fS. 71]. Neben Oper und Orchester war auch ab- 
wechselnd eine Schauspielertruppe angestellt. Von den abwechselnden Vorstel- 
lungen im Verlauf der Sommersaison giebt uns ein Programm aus dem Jahre 
1778 (Beilage I) ein deutliches Bild. Eine interessante Episode bildet die Er- 
zählung der Entstehung der Abschieds-Symphonie (1772) [S. 56], die den Fürsten 
veranlasst, die über Gebühr zurückgehaltenen Musiker nach Hause, d. h. nach 
Eisenstadt, zu entlassen. Als ganzer Körper Hess sich die Kapelle sammt Oper 
zum ersten Male in Wien und 1770 in einem adeligen Hause hören [S. 45]. 
1777 wurde sie sammt dem Marionetten-Theater nach Schönbrunn befohlen, um 
sich vor der Kaiserin und ihren hohen Gästen zu produzieren [S. 78]. 

Haydn. der jährlich Wien besuchte, führte 1775 sein Oratorium „Tobias" 
in der Tonkünstler-Societät (jetziger Haydn- Verein) auf [S. 68] ; ferner im Jahre 
1784 eine Oper im Kärntnertor-Theater in Gegenwart des Hofes [S. 204]. 1785 
reist er eigens nach Wien, um sich in den Freimaurer-Orden aufnemen zu lassen 
[S. 207], und kam damals auch mit dem Vater Mozart s in des Sohnes Wohnung 
zusammen, wo er sich in so herrlicher Weise über das Genie des Sohnes aus- 
sprach [S. 211]. Das Verhältnis zwischen Haydn und Wolfgang Mozart wird 



*) Josef Haydn von C. F. l'ohl, Hand II. resp. I. 2. Abt., Breitkopf & H&rtel. 



115 

hier als ein unvergleichlich edles geschildert. Im genannten Jahre führte Haydn 
in Wien bei Fürst Auersperg [S. 215) seine für die Domkirche in Cadix kompo- 
nierten „Sieben Worte" auf, die damals noch nur instrumental komponiert 
wurden; wir erfahren hier weiter, wie es kam. dass sie Havdn für Chor um- 
arbeitete, in welcher Form sie 10 Jahre später aufgeführt wurden. Auch zur 
Zeit, als Grossfürst Paul mit Gemahlin Wien besuchte (dessen Aufenthalt Ge- 
legenheit giebt, ein kultnr-historisches Bild des damaligen Wien in kunstgeschicht- 
licher und wissenschaftlicher Beziehung zu liefern), finden wir Haydn in Wien, 
der vor der Grossfürstin in der Burg seine Kompositionen aufführen liess. 

Unter den eingeschalteten biographischen Mitteilungen sind hervorzuheben 
jene der Sängerin Polzelli [S. 90]. der Haydn mit glühender Liebe ergeben 
war, die dabei aber unausgesetzt seiue Börse in Anspruch nani. (Fidei lässt sie 
1790 sterben und giebt dies als Hauptgrund an. dass sich Haydn zur Reise nach 
England entschloss, sie starb aber erst 1832 in Kaschau. nachdem schon 1801 
Haydn von seiner Liebe geheilt war.) Ferner wird der Grosshändler Tost 
[S. 229] erwähnt, dem Haydn zweimal 6 Streichquartette dedieierte und dessen 
Haus später elend endete: ferner der Grosshändler Puchberg [S. 238], der 
bekanntlich Mozart so oft aus Geldverlegenheiten half (zugleich eine Ergänzung 
zu Otto Jahn's Mitteilungen über diesen Mann): endlich noch die kunstsinnige 
Dame v. Genzinger, Frau eines beliebten Damenarztes, der Haydn in Verehrung 
zngethan war. Das Jahr 1780 bringt man mit dem Hause Artaria [S. 1(59) 
zusammen, bei dem Haydn fortan eine Reihe seiner Kompositionen verlegte, 
wodurch sieh ein ansehnlicher Briefwechsel entspann. 1781 zeigt uns Haydn's 
Verbindung mit Paris [S. 174]. London [S. 177| und des spanischen Dichters 
Yriarte |S. 179| Lobpreisung Haydn's. 1790 kam «1er König von Neapel |S. 247] 
nach Wien zur Feier einer dreifachen Vermählung. Haydn hatte für ihn schon 
früher Konzerte für die Leier, des Königs Lieblingsinstrument, komponiert und 
war beauftragt, abermals Musikstücke zu schreiben, die Haydn persönlich über- 
reichte, wobei ihn der König nach Neapel einlud. Aber zu spät: schon war der 
Konzertunternemer Salonion [S. 244 j in Wien, der von des Fürsten Esterhazy 
Tod gehört hatte und nun persönlich in Haydn drang, mit ihm London zu be- 
suchen, welches Ersuchen er stets in Rücksicht seines Fürsten abgeschlagen 
hatte. Nun dieser todt war. hatte er keine" Ausrede mehr, er willigte ein und 
beim Abschied war auch Mozart zugegen, der von Haydn rührenden Abschied 
nam [S. 251]. 

Wie im ersten Bande, so bildet auch im zweiten die musikalische 
Chronik Wiens einen belebenden Hintergrund: wir erhalten hier in fortlaufender 
Kette ein treues Bild von den musikalischen Zuständen nach jeder Richtung. 
(Die aufgeführten Opern in den beiden Theatern der innern Stadt sind, wie dies 
schon im ersten Bande war. auch hier aufgezählt in Heilage III.) Besonders ist 
es der musikausübende Adel |S. 158]. der unsere Aufmerksamkeit fesselt und 
uns, selbst nach den reichhaltigen Mitteilungen Hausliek's über dieses Kapitel 
(siehe dessen Konzertwesen), noch immer neue Ergänzungen bietet, namentlich 
gestützt auf die Tagebücher des Staatsmannes Zinzendorf: so erfahren wir hier 
auch, dass schon 1771 ein Oratorium von Händel |S. 161 1 (Timotheus) im fürst- 
lichen Hause zur Aufführung kam. l'eberhaupt blickt aus der Art. wie Pohl 
gerade diese Partie seines Buches behandelt, eine wohlthuende Anhänglichkeit 
an da» alte Wien, die an einem NichtÖsterreicher überrascht: dann aber auch 

8* 



116 

eine Sachkenntnis mit Wiens Vergangenheit, die ein beredtes Zeugnis giebt, dass 
dessen jahrelanges freundschaftliches Verhältnis mit dem verstorbenen Präsidenten 
v. Karajan seine guten Früchte getragen hat. 

Wir erwähnen noch des musikalischen Teils, in dein alle Symphonien, 
Quartette, Konzerte, Klavierwerke, die in jene Zeit fallenden Messen (grosse und 
kleine Orgel-Messe, Cäcilien- und Mariazeller-Messe) und kleineren Kirchen- 
Kompositionen, Oratorien, Opern kritisch besprochen werden, und endlich noch 
ganz besonders den wichtigen Anhang, ein thematisch-chronologisches 
Verzeichnis aller in dieser Zeit entstandenen Kompositionen 
Haydns, das hier zum ersten Male das bisherige Chaos in dieser Richtung 
ordnet. Das beigefügte Porträt ist eine getreue Abbildung eines Miniatur-Porträts, 
das Frau Josefa Freiin von Erggelet, geb. von Henickstein, aus Haydn's eigenen 
Händen erapfieng. Ein dritter und zugleich letzter Band wird da6 Werk beschliessen. 

M. 



■i 



117 



Beiträge zur Geschichte des österreichischen Münzwesens 
während der Zeit von 1622 bis 1650. 

Von Johann Newa Id. 

Die Münz- und Finanz-Katastrophe, welche über die österreichischen 
Länder nach der durch das kaiserliche Patent vom 14. Deceinber 1023 
angeordneten Reduktion der „Kipper münzen", oder wie dieselben 
auch genannt wurden, des „langen Geldes" hereinbrach, hatte für 
alle Bevölkerungsklassen tiefgreifende Verluste zur Folge, namentlich 
aber waren es die Bewohner des flachen Landes, welche dadurch in 
empfindlicher Weise getroffen wurden. 1 ) 

Das genannte Patent hatte für die Einlösung der Kippermiluze 
gegen gutes Geld »»inen dreimonatlichen Termin bestimmt, welcher jedoch 
bald auf das ganze Jahre 1G24, später auch noch über das Jahr lt>25 
ausgedehnt werden rausste. Die Einlösung gieng nur langsam vorwärts, 
denn woher sollte der Bedarf an guten Münzen gedeckt werden, um 
jene Menge leichter Münzen, mit denen die Länder überschwemmt waren, 
einzuwechseln. Man musste also zunächst dahin streben, die Thätigkeit 
in den kaiserlichen Münzhäusern thunlichst zu beleben. 

Schon am 12. Mai 1023 hatte Kaiser Ferdinand II. die Errichtung 
einer neuen Münzstätte zu Pressburg reserviert, welche auch unter 
der Leitung des Wiener Münzmeisters Mathias Kellner von 
K e 1 d e g g eingerichtet wurde. 2 ) Die in Wien bestandene Spanisch e 



M In der Abhandlung ..die lange Münze in Ocster reich", welche 
im 13. Bande, Seite 88. der Wiener Numismatischen Zeitschrift abgedruckt ist, 
habe ich auf Grundlage eingehender arehivaliseher Studien die in den Jahren 
1G22 Jiinl 1023 stattgefundene Kippermünzprägung geschildert, welche zu dem 
Staatshankerott — damals ,,Münz-Oalada" genannt, — vom 14. December 1G23 
führte. Der Wert der in ungeheuerer Menge im Umlauf befindlichen kaiserlichen 
Kippermünzen wurde auf 13., I'ercent herabgesetzt, daher der Verlust 8(>.- Per- 
cent betrug. Der StaaNbankerott vom Jahre 1811 hatte nur einen Verlust von 
80 Percent des frühern Wertes zur Folge. 

s ) In dem betreffenden Akt wird gesagt: „Die .Juden sind nur als Au?- 
wexler und Einlüscr, nicht aber als Verleger zuzulassen, sintemalen es wider die 
Constitutionig Kegni währe, man sie auch weder zu Pn-sspurg oder anderorts 
in Hangern nit gedulden würde. " 

Btttt. d. Vereinet f. Lande**. 1888. 1-H. {» 



118 

M Q n z e l ) hatte mit dem Aufhören der Kippermünzprägung ihre Thätig- 
keit eingestellt. Die Werkstätte, welche im Hause, dermalen Nr. 10 
Schenkenstrasse (Palais Dietrichstein) untergebracht war, wurde nunmehr 
für die kaiserliche Münzprägung benutzt, welche der genannte Munz- 
meister Fellner verwaltete. 

Der Betrieb beider Wiener Münzstätten in kaiserlicher Regie dauerte 
jedoch nur bis December 1623, denn unterm 28. November 1Ü23 wurde 
mit dem Brünncr Münzmeister Balthasar Zwirner ein Vertrag ab- 
geschlossen, dem zu Folge dieser den Betrieb der Münzen zu Wie.n, 
zu Pressburg, in Mähren und Schlesien, wo mehrere Münz- 
häuser eingerichtet wurden, für die Zeit eines Jahres und gegen Reichung 
eines Schlagschatzes von monatlich 40.000 Reichsthaler übernam. 2 ) 

Die Uebertragung des Prägewesens in den bezeichneten wichtigen 
Münzhäusern an den Unternemcr Zwirner, zeigte sich bald als eine 
sehr bedauerliche Massregel. Obwol derselbe im Jahre 1620 Münzmeister 
der insurgierten Mährischen Stände in Brunn war, auch im Jahre 1622 
dort die Kippermünzprägung besorgt, desgleichen zu Oppeln für Bethlen 
(iabor Kippermünzen geprägt hatte, fand er dennoch an dem Erzherzog 
Karl, jüngsten Bruder des Kaisers Ferdinand II. Hoch- und Deutsch- 
meister, auch Bischof von Breslau, sowie an dem Beichtvater des Erz- 
herzogs. Pat«*r Christop l>o ms Schreiner, einflussreiche Gönner. 

Gegen das Ende des Jahres 1623 und Anfang 1624 prägte man 
in Wien gute Thaler. auf denen das Brustbild des Kaisers die grosse 
Halskrause, wie sie auch auf den Kipperthalern vorkam, zeigte. 
Unterm 26. Jänner 1624 ergieng jedoch an den Münzmeister Fellner die 
Weisung, er möge, weil der gemeine Mann die neugemünzten Thaler, auf 
welchen das Brustbild dem auf den alten schlechten Thalern gleich ist, nicht 
annemeu will, „auf ein neues taugliches gepräckh oder hildnuss, dadurch 
dergleichen Münzsorten bei mäniglich allerortens annemblich gemacht 
werden, allsogleich gedenkhen u . Da die Ausfertigung der neuen Münz- 
stempel einige Zeit in Anspruch nam, so erhielt erst unterm 27. Februar 

') Vergleiche die olien erwähnte Abhandlung in der Wr. Num. Zeitschrift, 
Seite 112. 

2 ) Verantwortlich blieben in der Wiener Münze für Korn und Sehrot 
Münzmeister Kellner uml Wardein Mathias Hueber. Es ist dieses die Ursache, 
warum auf den Wiener Münzen vom Jahre 1624 nur das Zeichen des Münz- 
meistern Fellner t (Q) angetroffen wird. Ausgeprägt sollten werden: ganze, \ f 
und \ 4 Thaler im Feingehalt von 14 Loth 1 Qttentcl und pr. Wiener Mark 9 8 / 4 
Stücke Thaler. Die Ausprägung der kleinereu Münzen (Land-, Scheide- und 
1 ^ual-Münzen genannt» fand nach einem geringern Korn statt. 



119 

1624 Zwirner den Auftrag zur neuen Thalerausprägung. 1 ; Dessen Ge- 
schäftsbetrieb hatte mittlerweile zu wesentlichen Beschwerden Anlass 
gegeben. Schon unterm 31. Jänner 1024 brachten die n. ö. Landsehafts- 
Verordneten eine Vorstellung über die grossen Schwierigkeiten ein, welche 
sich aus der Münz-Calada ergeben, dass die Lebensbedürfnisse sehr 
theuer seien, indem nunmehr im guten Geld dieselben Preise verlangt 
werden, wie früher gegen geringes, auch der Münzverleger Zwirner in 
der Einwechslung sehr saumselig sei, und das Vertrauen derart schwinde, 
dass die Zufuhren ganz authören „undt also von Tag zu Tag alles nur 
theurer wirdt." Die Verordneten stellten auch den Antrag, dass ihnen „die 
alhisige und Presspurgerische Münz, und wo etwa sonsten in dem Landt 
•zu besserer gelangung der Ausweohsslung und beförderung des gemeinen 
Nutzes die gelegenheit geben wurde, Münzstellen anzurichten, gegen 
proportionirter Raichung eines gewissen Restaudtgelts, wass der Zwirner 
respective gegen die andere in Hestandt begrifenen Münzen, etwa zu 
geben sich erbotton rt auf ein Jahrlang, einen Monat nach der getroffenen 
Vereinbarung beginnend, überlassen werden möge. 

Unterm 19. Februar 1024 bat Zwirner um Nachlass der ersten 
Monatsrate. Ei erwähnte die grossen Schwierigkeiten beim Einlösen der 
Kippermünzen und sagte ^die Bauern und andere trohen noch täglich, 
wann sie ainen oder andern Müntzoffu-ir antreffen, dieselben zu erwürgen 
und uinbztibringen." 

Schon am 5. März 1024 brachten die drei oberu Stände (Prälaten, 
Herren und Ritterschaft) wegen Parhtlassung der Münzen zu Wien, Press- 
burg und in Mähren eine neue Vorstellung ein „weilen summ um peri- 
culum in mora versiret, ja Jeder Tag und stuudt nur noch grösseres Un- 
haill und Elendt causiret* 1 . Im Verlaufe der Eingabe erklärten die Stände: 
„Wann Unnss dann Selbsten laider mehr denn zu viel bewust, was für 
Noth, Jammer und Elend der Münz halber under denen armen Leuthen 
auf dem Lanndt ist, das Sy auch umb die valvirte ringhaltige Münz- 

l ) Dies»* neuen Thaler. von denen zwei Formen vorkommen, sind von der 
frühern Prägung sehr versehieden. Das Brustbild hat ni«*lit mehr die grosse Hals- 
krause, sondern einen schmalen K ragen um«*eh hur. Die eine seltene Form zeigt 
den Kaiser beinahe bis zur Sehoss hei üb. die zweit»' nur Kopf und Schultern. 
An der Rückseite fehlt der Doppeladler, dafür kommen fünf Wappenschilde vor. 
Durch diese Abänderungen waren die neuen guten Thaler. welche zu Wien in 
den Jahren DJ*2i und 1 G2. r > geprägt wurden, sofort von den Kipperthalern zu 
unterscheiden. Es gibt von dieser Prägung auch HalMhaler. welche aber nur 
sehr selten angetroffen werden. Sümmtliehe Stempel hatte der mit Ilofkammer- 
Erlasa vom 22. April Dilti nun bestellte .Miin/.eisenschneidcr Hanns lieori: Ritter 
angefertigt. 

9* 



120 

sortten nit ain bissen Brodt, zu geschweigen etwas melireres bekhomben 
unnd khauffen können. Ja darbei gleichsamb Hungers sterben, oder sonsten 
in tesperation fallen, gestalt sich dann alberait underschiedlich abscheueh- 
liche Casus zuegetragen haben". Es wird ferner darauf hingewiesen. 
dass Balthasar Zwirner gar nicht im Stande sei, die ringhältigen Münzen 
einzulösen „daherr nun ervolget, das die pagament hauffenweiss aus dein 
Landt geflirrt werden, welches änderst nichts, dann das man bey verrerem 
Zuesehen dessen, weder guettes noch ringhaltiges Geldt im Landt haben 
wird können u . 

Aus Anlass dieser Eingabe sprach sich ddto. 11. März 1024 Münz- 
raeister FVHner in sehr abfalliger Weise über den Geschäftsbetrieb des 
Münzverlegers Zwirner aus. In gleicher Weise äusserte sich auch die* 
Buchhaltern. Sie hob hervor, dass Zwirner den Vertrag nicht zuhalte, die 
Pagament-Liefcranten nicht bezahle, das lange Geld nicht in der patent- 
massigen Weise gegen gute Münze einlöse, wodurch das Silber hier gänz- 
lich fehle und die Münze bald werde feiern müssen, und dass er nur 
in Pressburg präge, weil sich dort für ihn ein grösserer Gewinn ergäbe, 
auch dort leichter, als der Vertrag bestimmt, ausgemünzt werde. Selbst 
die Hofkammer sprach in einem Erlass ddto. 15. März 1(524 „von des 
Zwirners bisher höchst straff liehen übel geführten würthschaft und dem 
zu poden sinkhenden Münzwesen. 1 ' 

Mittlerweile hatten die im Landtag versammelten vier n. ö. Stände 
über ein von ihnen begehrtes Anlehen pr. 150.000 Thaler eine Aeusserung 
eingebracht, in welcher sie hervorhoben, dass in Folge der Kriegs- 
läufe und der Münz-Oalada ihre Kräfte nicht zureichen, um dieses Dar- 
lehen aufzubringen, dass sie aber 100.000 Thaler gegen dem antragen, 
wenn ihnen das Münzwesen in Nieder-Oesterreich, in Mähren und zu 
Pressburg „ohne absäz ailergnädigst und alsobald bestandtweiss über- 
geben und eingeantwortet, auch Niemandts Andern neben denselben zu- 
münzen zuelassen wollten." l ) 

Die verschiedenen Eingaben der Stände wegen Ueberlassung des 
Münzwesens gelangten in der Sitzung des geheimen Käthes am 23. März 

1 ) Punkt 3 dieser Eingabe wirft auf die damals bestandenen Verhältnisse 
ein besonderes Licht. Die Stände bemerken in demselben: Es mögen zur Be- 
streitung der Kriegsnotturften auch die andern Königreich und Länder „sonderlieh 
aber diejenigen Personen, welche Eure Kais. Mt. mit sonders Kuzbarlicuen 
Privilegien, < 'rafft deren Sy Lanndsgüetter zuerkhauften, und dieselbe auch zu 
possedieren befugt, begnadet, auch ins mitleiden ziehen lassen, unnd gnädigst, 
verfügen, das denen Verordneten aiue Verzaichnuss der privilegierten zuegestellt. 
und denselben anbevolohen werde, damit Sy auf erfordern für Sy Verordnete 
erseheinen, und zu etwas Znetragungs und Mithilf gezogen werden inügen. H 



121 

1624 zur Verhandlung. Es wurde beschlossen, in die Pachtgabe der be- 
züglichen Münzstätten an die Stände einzugehen, und wurden zugleich die 
geheimen Käthe Graf Karl Harrach, Graf Maximiliau Trautmannsdorf, ferner 
der Hofkammer-Rath Dr. Berthold und der Kammer-Procurator Dr. Lucas 
Bonanno mit der Vorverhandlung über dies«* Angelegenheit betraut. Ucber 
den Bericht dieser Abgeordneten fasste der geheime Rath unter Vorsitz 
des Fürsten von Kggenberg am 6. April 1624 den Besehluss, dass die 
Pressburger und Wiener Münze den Ständen, vom 24. April be- 
ginnend für die Dauer eines Jahres gegen Reichung eines Schlagschatzes 
von monatlich 20.000 Thaler zu überlassen sei. Das Darlehen von 100.000 
Thaler wäre von denselben alsbald zu erlegen. Mit Zwirner sei bezüglich 
der Mährischen und Schlesisehen Münzstätten zu verhandeln. 

Dieser Letztere hatte unverkennbar von allen gegen ihn vor- 
gebrachten Beschwerden und den diesmaligen Verhandlungen alsbald 
Kenntnis erhalten und suchte rechtzeitig der ihm drohenden Gefahr zu 
begegnen. Mit der Eingabe vom 28. März 1624 entschuldigte er die 
Nichteinhaltung der Schlagschatz-Raten, und betonte die bei der Ein- 
richtung der Schulischen Münzstätten ausgestandenen Leibes- und Lebens- 
gefahren. Mittlerweile waren zwei Schreiben, das eine vom Erzherzog Karl, 
das zweite von dessen Beichtvater Pater Schreiner eingelangt ; in beiden 
wurde auf das wärmste für Zwirner Fürsprache erhoben. Diese Eiugaben 
gelangten unterm 17. April 1624 au die Hofkammer mit der Weisung, 
dass darüber in der nächsten Audienz Vortrag zu erstatten sei. Diesem 
Auftrag entsprach die Hofkammer schon in der am 23. April 1624 
unter dem Vorsitz des Kaisers stattgefundenen Sitzung des geheimen 
Käthes. Trotzdem alle in den beiden Schreiben vorkommenden Ein- 
wendungen auf das eingehendste wiederlegt wurden, resolvirte der Kaiser 
„dass die Rechnungen des Zwirner zu verneinen sind". Am 12. Mai 
1624 ergieng an die .,unterenssischen Verordneten" die Anzeige, dass 
der Münzvertrag mit Zwirner vorläufig aufrecht erhalten bleibe. 

Das Bestreben der Stände, in das Münz- und Geldwesen etwas 
Ordnung zu bringen, war somit gescheitert. 

Als Zwirner seine Stellung wieder befestigt wusste, stellte er als- 
bald ganz abnorme Anträge. Das erste Ansuchen gieng dahin, es möge 
ihm gestattet werden, zu Pressburg „n a c h d e m K r e m n i t z e r Schlag 
mit den B u c h s t a b e n K — B zu münze n" . Die Kammer beantragte 
die Abweisung, indem sie hervorhob, dass dann auch die guten Krem- 
nitzer Münzen in Misskredit kommen würden, „dadurch auch gleichsamb 
ein Climen falsi begangen wurd - . Nun verlangte Zwirner, es möge 
ihm gestattet werden, zu Oppeln drei Monate lang „Hungrische Münz 



122 

wie zu Pressbnrg im gleichen Sehr od t und Kornn auch 
Schiiten und Bildnuss zu münzen". Die Kammer beantragte, 
dieses Ansuchen für immer abzuweisen. 

Ein besonderes Aufsehen rief aber eine Eingabe Zwirners au den 
Erzherzog Karl hervor, worin er verschiedene Besehwerden vorbrachte, um 
Nachlass des Schlagschatzes ansuchte und sogar den Erzherzog um seine 
Verwendung beim Kaiser bat. Dass man diese Beschwerdeschrift in Wien 
sehr ernst nain, geht aus der All; und Weise hervor, wie über sie ver- 
handelt wurde. Sie wurde einer Kommission, bestehend aus dem kaiserlichen 
Statthalter in Mähren, KardJnal Franz von Di e tri ch stein , dem 
geheimen Rath Maximilian Grafen von Trau tmanstorff und späteren 
hochverdienten kaiserlichen Vertreter beim westfälischen Friedens-Kon- 
gress, dem Prälaten von Kremsmünster, Anton Wolf rath, dem spätem 
ersten Fürstbischof von Wien, dem Präsidenten der n. tf. Kammer Hanns 
Balthasar Freih. von Hoyos, endlich aus den beiden Hofkammer- 
Käthen, Unterholzer und Bonazina. zur Erhebung und Bericht- 
erstattung zugewiesen. 

In dem am 24. Juli 1(124 vorgelegten höchst eingehenden Vor- 
trage an den Kaiser wird nachgewiesen, dass an den schlechten Erfolgen 
in den Münzhäusern zu Wien und Pressburg, in Mähren und Schlesien 
nur Zwirners nachlässige Anstalten und schlechter Betrieb die Schuld 
tragen. Ueber die Münzstätte zu Oppeln sagt der Vortrag, dass Zwirner 
dort „1 a n g e (d. h. Kippermünzen ) und gar hu ng arische Münz- 
sorten wieder den contract sträflicher weiss habe fort- 
schlagen lassen", obwol ihm dieses schon unterm 4. Juni unter- 
sagt worden war. 1 ) 

Solche Zustände scheinen über Zwirners Gebaren auch dem Kaiser 
volle Klarheit verschafft zu haben. Es ergieng unterm 20. Juli 1G24 
der Befehl zu seiner Verhaftung und wurde ihm auch der Betrieb in 
allen kaiserlichen Mfinzhäusern. welche er in Pacht hatte, abgenommen. 

Obwol die Wirtschaft des Balthasar Zwirner nur acht Monate 
gedauert hatte, ergaben sich schon aus dem Misstrauen, welches er 
neuerdings, über das kaiserliche Münzwesen brachte, ausserordentliche 



M Die Münzen, welche Zwirner zu Oppeln „mit gleichem Schild und Bild- 
nuss wie die Hungrische Münz zu Presspurg" prägte, sind sehr geringhaltig. 
Ein im kaiserliehen Münzkahinet aufbewahrte* Exemplar dieser Prägung hat 
einen Durchmesser von 24 mm. Die Vorderseite zeigt das ungarische Wappen 
in der Mitte den Hindenschild. zu beiden Seiten des Wappens P--P. d. i. Press- 
purg, und die Umschrift Fer. II. D-G-K-I-S-A-ÜER-HVN-Ii-RKX- Die Rück- 
seite zeigt die Madonna mit der Umschrift: Patrona*Hungari-1624*. 



123 

Nachteile : es waren demselbem Wunden geschlagen worden, an denen 
es durch eine lange Reihe von Jahren zu leiden hatte. Ehe ich diese 
Angelegenheit weiter verfolge, möge es gestattet sein, einer kaiserlichen 
Münzstätte zu gedenken, welche bisher ganz verschollen war, nämlich 
der Münze zu St. Polten. 

Unterm 19. Jänner 1624 wurde von der n. ö. Kammer ein Gut- 
achten abverlangt, wie zu Ips eine kaiserliche Münzstätte aufzurichten 
wäre. 1 ) Von diesem Ort wurde jedoch bald abgesehen, dagegen fand in 
der ersten Hälfte des Jahres 1024 die Einrichtung eines Münzhauses 
in St. Polten, u. z. unter der Leitung des Wiener Münzmeisters 
Mathias Fellner und des Balthasar Zwirner statt. Unterm 19. Juni 
1624 erstattete letzterer die Anzeige, er habe mit Hanns Oraflmider. 
Müller zu St. Polten, wegen Ueberlassung seiner Mühle zu Münzzwecken 
ein Uebereinkommen getroffen. 2 ) 

Dass in St. Polten die Errichtung einer neuen Münzstätte nicht 
besonders günstig aufgenommen und beurteilt wurde , geht aus dem 
Stadtraths-Beschlusse vom 16. Februar 1625 hervor. Das diesfällige 
Rathsprotokoll sagt über diese Angelegenheit: ,,Von dener Khais. Hof- 
kamer Präsitenten ist ein Schreiben des Inhaltes prodieiert worden, dem- 
nach sich die Khais. Majt. zur mehrer Beorderung ihres Landtsfürst- 
lichen Münzwesens and dem Gemainen Man zum Besten eine absonder- 
liche Münzstat alhir aufzurichten allergnädigst verwilliget und angeordnet, 
dass Niemanden, wer der auch sein möchte, auch die Münz-lnteressirte 
selbsten, ohne ihr der Löbl. Camer gehaiss und absonderliche Verord- 
nungen in das aus denen Testen und Pagamenten fallen t gelt nit greifen 
solle, mit begehrn Ein Ehrs. Rath wollte bei dero undergebenen Hurger- 
schaft die Verordnung thun, damit deme gehorsambe Vollziehung ge- 

M Auch in Ob der Enns wollt«* man damals eine nein» Münze errichten 
Kr kam Steyer oder Linz in Frage. Durch die in den Provinzen verteilten Münz- 
häiiser Rollte die Einlösung der Ki[>j>ermünzen und des Bruchsilliers. I'ngnmeiir 
genannt, erleichtert werden. 

*) Nach den mir zugekommenen gütigen Mitteilungen des hochw. Ehren- 
domherrn und Seminar-Direktors in St. Polten. Herrn Anton Krdiuger. und des 
dortigen Buehdruckerei-Besitzers Herrn Friedrieh Sommer war dieses die soge- 
nannte Mühle „an der Hofstatt", jetzt Spitalgasse Nr. (> in St. Polten. Ks war 
mit derselben einst eine Hammerschmiede verbunden. Laut Kathsprotokoll vom 
27. November 1624 ordnete der Stadtrath die Verlautbarung der Verlassensehafts- 
Kdikte: „Auf Absterben Hanusen und Mathiasen der Urafhaider und ihrer lieeden 
Hausfrauen, gewesten Bürgern allhier. dann Michael Poltcndorfcrs auf der Hof- 
stattmühl und seiner Hausfrauen u. s. w." an. 



J24 

soheheii möchte aueh denen Münz-lnteressirten alle gebier und Billig- 
klieit zu ertheillen." 

..Hierauf war durch Ein Khrs. Rath einhellig geschlossen worden, 
weillen weder (lern. Stadt noch der Bürgerschaft von beraelten Münz- 
wesen ein Interesse nit zugewartten, entgegen aber nit allein eisseriste 
Feuersgefahr soudern auch die Verteuerung dess Holz, Khollen und 
andern Victuallis zu spürrn, alss solle solches mit empfahung Paan und 
aeht bei der Köm. Khais. Majt. mit Mehrer ausfuhrung ganz beweglich 
angebracht und um abstellung des ganzen Münzwesens allergehorsambist 
gebeten werden/ 4 Die beschlossene Gegenvorstellung, falls sie überhaupt 
eingebracht wurde, liess jedoch kein Resultat erzielen. 

Der Betrieb wurde in der genannten neuen Münze an den Unter- 
neiner Johann Joachim Edling überlassen, welcher dort die 
sogenannte Walzenprägung einrichtete. 1 ) Eröffnet wurde die Aus- 
münzung am 30. Juli 1024. Am 5. März 1625 erstattete der kaiserliche 
Rath Dr. Pouzou die Anzeige, dass die St. Pöltuer Thaler nicht das 
volle vorgeschriebene Gewicht halten. Er stützte diese Denuntiation auf 
eine von den drei Münzbediensteten Z i e k e r, Breis und Z e h e n t h o f e r 
abgegebene Aeusserung, welche aus dem Grunde von Interesse ist, weil 
sie das M ü n z z e i c h e n d e s E d 1 i n g mitteilt. Die drei Münzbediensteten 
sagen: ^dass sie die jezigen Pöltnerischen gemünzten Reichsthaler gegen 
andere unterschiedliche Sorten Reichsthalern der Ordnung nach abge- 
wogen, und so viel befunden, dass sie zwar dem Nadelstrich nach 
anderen gleich, im Sehrot oder Gewicht zu gering, und also gegen denen 
andern Reichsthalern, an jeder Mark um l j A Thaler zu viel geschrotten, 
neben dem Französischen Bey zeichen ainer Lügen be- 
funden.* 4 

l'eber diese Anzeige veranlasste die Hofkammer sofort eine strenge 
Untersuchung. Am 7. März 1625 wurden hier in Wien bei Wechslern 
und Kaufleuten 22 Mark, d. i. ungefähr 200 Stücke St. Pöltner Thaler 

y ) Auf zwei Stahl walzen, in der Regel von 20— 22 (VutimeW Umfang, 
waren «he Müii/stempcl eingeschnitten, ii. z. für Doppelthaler 4. für einfache 
Thaler 5 bis ti. für Hulbthaler 7 u. s. w. nach der Grösse der Münze. Die eorre- 
spondireuden zwei Walzen wurden in die (sogenannte Walzenstrusse eingelegt, 
und nun liess man die Münzsehröttlinge, welche in Metallstreifen von einer «lein 
l'iiifani: der Walze entsprechenden Länge bestanden, durchlaufen. Das Oi rad- 
biegen fand mittelst leeren, aus hartem Holze hergestellten Walzen statt. Die ein- 
zelnen Geldstücke wurden mit sogenannten Locheisen durchgeschlagen, und folgte 
nunmehr, besonders hei den grössern Sorten, das .,Justiren". In Tirol war die 
Walzenprägung schon unter Kaiser Ferdinand I. in Uebnng. Diese Prägemethode 
erhielt sieh bis in «las Jahr 1765 unter Maria Theresia. 



125 

aufgekauft. Aus diesen wurde durch deu Goldscheider Breis (einer der 
drei Münzbeamten, welche die Anzeige veranlasst hatten) ein Thaler aus- 
gesucht und dieser auf der Kapelle probiert. Er zeigte genau einen Fein- 
gehalt von 14 Loth 1 quent. Eine zweite Probe machte der bei der 
Kommission anwesende Kammergraf in den ungarischen Bergstätten von 
Wendenstein, welche dasselbe Resultat ergab. Um das Gewicht zu 
erproben, liess man zuerst aus den vorhandenen Thalern durch Breis 
10 Stücke, welche ihm als die leichtesten schienen, aussuchen. Sie 
zeigten beim Abwägen das richtige Schrot. Sodann wurden ohne Aus- 
wahl Partien von 10 Stück gewogen, woraus sich sogar ein kleines 
Ueberge wicht herausstellte. 

Tn der Sitzung des geheimen Rathes am 14. März 1625 wurde 
dem Kaiser über das Resultat dieser Untersuchung Vortrag erstattet. 
Auf dem Referats-Bogen befindet sich die Anmerkung: „Se. Mt. haben 
dem Kanzler Verda alberaith anbevolchen, wass Er dem Pouzon an- 
zuzeigen habe.* 

Die in den Jahren 1624 und 1625 mit dem Brustbilde Fer- 
dinands II. und dem Beizeichen der D o p p e 1 1 i 1 i e geprägten Münzen, 
welche an der Rückseite ein grosses vielfeidiges mit einer Krone be- 
decktes und der Vliessordenskette umgebenes Wappenschild, an dessen 
Oberstelle das österreichisch-burgundische Wappen, besitzen, stammen 
somit aus der St. Pöltner Münzstätte. Ich bemerke hiezu, dass in dem 
Katalog über die grosse Münzen-Sammlung Sehulthess, unter Nr. 83, ein 
solcher Thaler vom Jahre 1625 beschrieben wird, auf dem sich neben 
der Doppellilie die Buchstaben J.J.E., d. h. Johann Joachim Edling, be- 
finden. Die Doppellilie findet sich übrigens schon auf böhmischen Thalern 
Rudolfs II.. ferner auf, im Jahre 1619 von den insurgierten böhmischen 
Ständen geprägten Münzen , endlich auf Münzen des Winterkönigs 
Friedrichs V. von der Pfalz vom Jahre 1620. 1 ) 

Edling scheint unter die, damals ziemlich häufig vorgekommenen 
Unternemer gehört zu haben, welche in verschiedenen Münzhäusern ihr 
iTlück versuchten. Seine weitere Thätigkeit in Oesterreich werden wir 
noch kennen lernen. Im Jahre 1627 finden wir ihn iu der im Jahre 
1 626 . neu entstandenen W a 1 d s t e i n'schen Münzstätte zu G i t s c h i n. 

Dass in St. Polten zur Münzprägung eine Walzeneinrichtung in 
Verwendung war, wurde bereits hervorgehoben. Es ist dieses die Ur- 



') Welche von diesen Münzen von dein Kuttenbcrirer und in den Jahren 
1619 und 1820 Präger Münzuieister Paul Skreta. der ebenfalls die Doppellilie 
als Münzzeichen führte, geprägt worden sind, bedarf noch einer sorgfältigen 
arehivalisehen l T ntersuchung . 



126 

saohe, dass von den dort geprägten Thalern und Halbthalern verschiedene 
Varietäten vorkommen. Nach den in den Akten vorhandenen Ausweisen 
über den Umfang der Prägung* müssen dort mindestens 80.000 Stücke 
Thaler und Halbthaler geprägt worden sein, und dennoch gehören diese 
Thaler, noch mehr aber die Halbthaler heute schon zu den grossen 
Seltenheiten. 

Die Entfernung des Unternemers Zwirner machte für sämintliche 
von ihm betriebene Münzhäuser neue Anordnungen notwendig. 1 ) Bezüglich 
Wien und Pressburg führten die mit dem Münzmeister und Münz- 
inspektor Fellner eröffneten Verhandlungen zu dem Münz-Vertrage vom 
U). August 1624. 

Im Punkte 2 desselben wird dem Fellner die Afterpachtgabe der 
Pressburger Münze an J. J. E d 1 i n g gegen dem gestattet , dass 
letzterer, welcher von jeder in St. Polten vermünzten feinen Mark Silber 
1 V 4 Reichsthaler als „freien Kayserl. Münzüberschuss" abführte, zu 
Pressburg, „weilen daselbst viell grösserer nuczen alss hier eingeht, 
ohne allen Irer Mayt. Uncosten l l / 2 Reichsthaler zu raichen hat", und 
soll die Abrechnung alle Mittwoch und zugleich die Abfuhr des Schlag- 
schatzes an Fellner stattfinden. Mit der neuen Ausprägung zu Pressburg 
sollte Montag den 19. August 1624 begonnen werden. Da aber die 

kleinen ungarischen Münzen Pressburger Schlages aus der Zwirner'schen 
Pachtzeit nicht angenommen wurden , gestattete man dem Edling. 
5 Denarstücke, sogenannte „fünfferln", zu prägen. 

Beiden Teilen blieb das vierwochentliche Kündungsrecht vor- 
behalten. 

Auf Grundlage dieses Münz -Vertrages vom 16. August 1624 
schloss nun Fellner über „dass hiesige unterige Kays. Münzhauss* 
mit Israel Wolf, befreiten Hofjuden „undt underschribener seiner habunden 
gesällschanV, ein Uebereinkommen ab. 2 ) Das Prägegeschäft wurde den 
Juden übertragen, Schrot und Korn hatten Münzmeister und Wardein 
zu überwachen, und wurden die Juden diesfalls jeder Verantwortung 

enthoben. 

- - ■ • 

r ) ddto. Salzburg 81. August 1624 legte Erzherzog Karl ein Bittgesuch 
de9 Balthasar Zwirner um Entlassung aus der Haft gegen Kaution und um Nach- 
lass an den rückständigen Schlagschatz raten dem Kaiser vor. Wir sehen, dass 
der Erzherzog den offenbaren Betrüger noch immer nicht ganz fallen gelassen hatte. 

a ) Das untere kaiserliehe Münzhaus war jenes in der Wollzeile. Im obern. 
in der Schenkenstrasse gelegenen, Münzhanse wurde der Betrieb ganz aufgelassen, 
das Haus selbst an den Graten Montecuecoli verkauft. 



127 

Diese hatten aber alle Unkosten, sowie die Besoldung der Münz- 
Offiziere' c. c. zu bestreiten, und von jeder vermünzten feinen Mark Silber 
nach gepflogener Abrechnung an jedem Montag an Fellner 1 11. 15 kr. als 
„kayserl. Schlagschatz" und an diesen letztem als „Amtsbesoldung* von 
jeder Mark 3 Kreuzer „ohne Verkürzung des kays. Schlagschatzes" zu 
bezahlen. Beiden Parteien stand das vierwochentliche Kündungsrecht zu. 

Die wiederholten Anstände, welche sich in der Pressburger Münze 
ergaben, führten schliesslich zur kaiserlichen Resolution ddto. Wien 
7.. September 1024, womit die Uebertragung derselben nach Kremnitz 
angeordnet jedoch auch befohlen wurde, dass in Pressburg vorläufig im 
„itzig seh rot und khorn", bis weitere Weisung erfolge, fortzu prägen ist. 1 ) 
Unter dem gleichen Datum ergieng an Fellner der Auftrag, dass ei dem 
Edling die Pressburger Münze, dem bestehenden Vertrag gemäss, vier- 
wochentlich aufzukünden habe. Nachdem in Pressburg der Münzbetrieb 
durch den Unterneiner J. J. Edling nur ungefähr zwei Monate gedauert 
hatte, so erscheint es als selbstverständlich, dass die von ihm dort aus- 
geprägten Münzen nur selten vorkommen. Die Kipp e r m ü nzc welche 
Zwiruer im Jahre 1624 zu Pressburg und im gleichen Schlag auch zu 
Öppeln geprägt hatte, wurde schon oben beschrieben. Die von ihm in 
Pressburg im Jahre 1624 instruktionsgemäss geprägten (xeld- 
sorten haben auf der Vorderseite das Brustbild des Kaisers mit der ge- 
wöhnlichen Umschrift, die Rückseite zeigt den Doppeladler mit dem 
Wappen von Ungarn und Böhmen, auf der Brust im Herzschild das öster- 
reichisch-burgundische Wappen führend. Neben den Fängen des 
Adlers stehen die Buchstaben B — Z, d. i. Balthasar Zwirner. 

Auf den von dem Pächter Edling in Pressburg geprägten 
Münzen befindet sich ober dem Kopfe des Brustbilder die D o p p e l- 
lilie. das bekannte Münzzeichen des Edling,-) die Rückseite zeigt den 



M Die Pres9burger Münze, bo wie überhaupt das oU*ruugaris<-he Bergw^en. 
stand «Jamal? unter der n. ö. Kammer, deren Präsident Hanns Balthasar Freiherr 
von Hoyos war. Der Kammergraf in den ungarischen Bergstätten war zugleich 
n. ö. Kammerrath. Unterm 18. Juni 1624 wurde als Kammenjraf liesteilt: Hanns 
von Wendenstein auf Prandenberg und Knnsleiten. Auf ihn ward*» im Jahre 
1628 eine Medaille (oval) geprägt, deren Stempel unter Nr. 87 in der grossen 
Stempelsammlung des k. k. Hauptmünzamtes aufbewahrt wird. Virl. Berg- 
mann, Jeton und Medaillen auf Gewerke. Wien 1846. S. 37. 

*) Thaler dieser Prägung von zwei wesentlich verschiedenen Stempeln 
befinden sich in den Sammlungen der Herren: Dr. Alex. Missong. k. k. Notar, 
Ignaz Spöttl und Stefan Delhaes. 



128 

Doppeladler, Umschrift,- auch die Jahrzahl 1624, die Buchstaben B — Z 
aber fehlen.') • 



Die Ereignisse führen uns nochmals in die St. Pöltncr Münzstätte 
zurück. Dass dieselbe auf Kosten des J. J. Edling eingerichtet und die 
Thätigkeit in derselben am 30. Juli 1624 eröffnet wurde, ist bereits 
«rwähnt worden. Beim Betriebe waren als Interessenten beteiligt: Peter 
Martin Pestaluzo, Nicolo Verdema und Stelfano Abisso, ferner die be- 
freiten Hofjuden Laslo Lathner, Veit Prodt, Jonas Apt, Josef Plön, endlich 
Bartholomäus Shnoni. Nach der Einstellung des Betriebes in der Spanischen 
Münze zu Wien hatten mehrere „Betheiligte" au derselben ihre Thätigkeit 
nach St. Polten verlegt. Mit Erlass ddto. Wien, 30. December 1624, 
wurde der Wardein der Spanischen Münze, Martin Turba. .,umb 
seiner bey dem Prespurgerisch Münzwösen erzaigten treu und ehrbar- 
khait wegen 1 * als Wardein für Job. Joach. Edling und Oonsorten nach 
St. Polten bestellt. 2 ; 

Im Anfange des Jahres 1625 brachen zwischen Edling und den 
St. Pöltner Münzinteressenten aus verschiedenen Anlässen Zwistigkeiten 
aus, so dass letztere unterm 27. Jänner 1625 an die n. ö. Kammer 
den Antrag stellten , sie wollen die Münze übernemen, nachdem mit 
Edling sich „vellerley Unordnungen befinden*-, auch sprachen sie sich 
dahin aus, dass Fellner mit ihnen hinauf reise, um „alda bei dem 
Pöldischen Münzwesen alle guete anordnung und bestellung zu treffen." 

Obwol bei der oberwähnten, am 7. März 1625 vorgenommenen 
Untersuchung von St. Pöltner Thalern Edling kein Verschulden nach- 
gewiesen werden konnte, so fand doch bald darauf eine Unterbrechung 

') Eine kleinere, aus der Sammlung Montenuovo stammende Pressburger 
Münze von 1624 hat auf der Vorderseite die Doppellilie, auf der Rückseite die 
Buchstaben B -Z. Diese Eigentümlichkeit dürfte dadurch zu erklären sein, dass, 
um das Prägegeschäft nicht zu unterbrechen, bis zur vollständigen Beistellung 
der neuen Edling'sehen Stempel für die Rückseite einzelner Münzsorten ein 
Zwirnerseher Stempel benützt wurde, während für die Vorderseite schon ein 
neuer Stempel mit dein Münzzeichen des Edling zur Verwendung kam. 

*) Bei der Hinrichtung der Spanischen Münzstätte in Wien, in Folge der 
kaiserlichen Resolution ddto. Wien IG. September 1621. wurden Andrae Händl 
als Münzmeister und Martin Turba als Wardein bestellt. Ihre Buchstaben H und 
T finden sieh auf den in dieser Münze geprägten Geldsorten. Als der Spanische 
Gesandte Graf de Ognate dieselbe an Juden zum Betriebe überliess, änderte sieh 
diese Bezeichnung und es findet sich nun auf den betreffenden Münzen auch 
eine volle Rose, als das Zeichen des Martin Turba. oder ein Hahn als 
das Zeichen des Andrae Händl. 



129 

seiner Thätigkeit als Münzverleger in St. Polten statt. Mit dem Erlass 
ddto. Wien 15. März 1625 erhielt der Hofkammerrath Dr. Berchtold 
den Auftrag, dass er den Münzmeister Fellner in die St. Pöltner Münze 
zu installieren habe, indem demselben das dortige Prägewesen unter 
dessen Haftung und Verantwortlichkeit bezüglich Korn und Sehrot über- 
tragen worden sei. 

In die nunmehr zur Ausgabe gelangte zweite Serie von St. Pöltner 
Münzen gehören auch Thaler, welche jenen, die dort unter Edling ge- 
prägt wurden, ganz gleich, auch wie diese Walzenthaler sind, nur befindet 
sich unter dem Brustbilde des Kaisers an Stelle der Edling'schen 
D o j» p e 1 1 i I i e. das bekannte Mfinzz eichen des F e 1 1 n e r. (Q ' > 

Die Austragung der bezüglich Edling obwaltenden Anstände nam 
eine längere Zeit in Anspruch, denn es wurde mit demselben über die 
Münzstätte St. Polten erst unterm 13. September 1025 ein neuer Ver- 
trag abgeschlossen, welcher die Verpflichtung enthielt, dass der Pächter, 
im Falle in der Wiener Münze ein Mangel an Pagament eintreten sollte, 
von St. Polten damit auszuhelfen habe. Mit der Eingabe ddto. Wien 
22. September 1025 stellte J. J. Edling an die Hofkammer das An- 
suchen, es möge, nachdem er nunmehr über erhaltenen Consens mit 
dem Münzmeister Fellner wegen „Prosequirung des St. Poltgischen Münz- 
wessens ain Oontract geschlossen" der Stadtrath von St. Polten hievon ver- 
ständigt werden. 

Auch die somit neu autgenommene Thätigkeit des rnternemers. 
Edljng im St. Pöltner Münzhause reichte nur über einige Monate hinaus. 
Schon Ende 1025 fand daselbst eine Aenderung statt, indem Edling zum 
Aufgeben des Münzbetriebes veranlasst wurde. 2 ) Durch einige Zeit leitete 

1 » Ein solcher höchst selten vorkommender Thaler befindet sieh in der 
Sammlung Missoug. 

a > l'eber die Ursachen, welche Edling zum Ah/.uge von St. Polten ver- 
anlassten, kamen mir durch Herrn Friedrich So in in er interessante Mitteilungen 
zu. Das Kuthsprotokoll vom 29. August 1625 meldet: „weilen die liegen-Kefor- 
mation in St. Polten glücklich beendet, so wollen sich die ("alvinistcn und Juden 
durrli das Münz- und Schmelzwesen wieder in die Stadt einschleichen. Damit 
nun aber diesem Unheil zeitlich fürgebeugt werde, und weil nicht des khays. 
Herrn Interesse, sondern ihr und der Verleger Privat-Nutzen dabei versirt. hat 
der Kath beschlossen, den Juden und < -alvinisten die Räumung der Stadt binnen 
acht Tagen aufzutragen.* 4 Laut Rathsprotokoll vom 11. September 1625 wurde 
der bei dem ,.allhieigen Schmelzwerk interessirten Judenschaft zur Räumung der 
Stadt noch ein weiterer Termin von zwei Monaten gegeben.'* Kerner meldet das 
Rathsprotokoll vom 24. September 1625: „Herrn Johann Joehem Edlingern, 
Khays. Miinzbefürderer allhier ist auf sein bewegliches Supplieiren und hohe» 
Bitten das Münz- und Sehmelzwesen neben seinen Interessirten bis khünfttig 



130 

dort nunmehr das Münzwesen der Wardein Martin Turba. Wir haben 
somit einer dritten Serie von St. Pöltner Münzen unsere Aufmerksamkeit 
zuzuwenden. In dieselbe gehört ein Thaler vom Jahr 1026, welcher wie 
die unter Edling und Fellner in St. Polten geprägten Vorgänger ein 
Walzenthaler ist, dessen Rückseite vollständig mit diesem letztern über- 
einstimmt, dessen Vorderseite aber unter dem Brustbilde des Kaisers das 
Münzzeichen des Martin Turba, eine gefüllte Kose, zeigt.') 

Das Münzprägewesen hatte mittlerweile nicht nur in Wien, sondern 
in all^n kaiserlichen Münzhäusern eine derart üble Wendung genommen, 
dass selbst die Wiener Münze nicht ausreichend beschäftigt werden 
konnte und die St. Pöltner Münzstätte umsomehr als entbehrlich erscheinen 
musste. Dazu kam, dass der W aide in Martin Turba schon im April 
1(»2G starb. 2 ) welcher Zwischenfall zur gänzlichen Auflassung des dortigen 
Prägebetriebes geführt haben dürfte, da die Akten von dieser Zeit an 
über die St Pöltner Münze gänzlich schweigen. 

Ueber den Umfang des Prägebetriebes im Wiener Münzhause, u. z. 
unmittelbar nach der Entfernung des Zwirner, giebt ein vom Münzmeister 
Fellner vorgelegter Extrakt über den in der Zeit vom 12. August bis 
C. Oktober 1024 abgeführten Schlagschatz Aufklärung. Es wurden ver- 
münzt 15.415 Mark 7 Loth 1 quentl 2 dn. Silber, woraus sich ein 
Schlagschatz von 19.2H9 li. 18 kr. 3 dn. ergab. Feilner sagt weiter: 
„Dann hab ich vom Herrn FMIinger den 5. Sept. 1024 in Abschlag des 
verfallenen Presspurg unndt St. Pöldtenischen versprochenen schlag- 
sehaz empfangen 39ü 1 / 2 Reichs-Taller". 

Für Münzensammler möge noch die Bemerkung gestattet werden, 
dass in Folge kaiserlicher Resolution vom 2. Oktober 1624 Donat 
Stark für die Wiener Münze als Stempelschneider bestellt wurde. Es 
macht sich bereits ein Verfall der Münz-Graveurkunst bemerkbar. Auf 
den unschönen Münzen, für welche Stark die Stempel bis zum Jahre 1037 
geschnitten hatte, trägt der Kaiser einen schmalen Kragenumschlag. 

Martiny verwilligt und zugelassen worden*' : endlich erfahren wir aus dem Raths- 
protokoll vom 17. Oecember H>2». „dass denen Münzverlegern allhier (in St. 
Polten) per deeretum aufzuerlegen ist, weillen der von Einem Ehrs. Rath ihnen 
ertliche 'IVrmin bereits verstrichen, und wollgedacht Ein Ehrs. liath das Miinz- 
wesen. wegen allerhand erheblichen l'rsacheu veriiers allhier zu haben nit zuver- 
statten vermählt, sie die Stadt quittiren. auch den ansehlag so ihnen vor diesem 
gemacht worden unfelbarlichen hezalleu und richtig zu machen haben. 14 

M Ein Exemplar dieses ungemein seltenen Thalers befindet sich in der 
SjtnnnliinLc Missoiii:. 

*) Nach einer briefliehen Mitteilung des Herrn Seminar-Direktors Anton 
E rdi nger in St. Polten wurde Martin Turba dort um 9. April 1(5*26 begraben. 



131 

Die im dritten Jahrzeheiid des XVII. Jahrhunderts in Oesterreich 
unter der Enns herrsehenden Münzzustände lassen sich nur dann ge- 
nügend beurteilen, wenn wir zugleich auch die in Mähren obwaltenden 
Verhältnisse in Erwägung ziehen. Die Administration des Landes Mähren 
war nämlich damals von Böhmen ganz losgelöst, und als kaiserlicher 
Statthalter amtierte dort der Kardinal Franz von Dietrich stein, 
ein energischer, dem Kaiser treu ergebener Herr. 

Von Nikölsburg aus, unterm 23. März 1623, meldete derselbe an 
die Hofkammer, er habe, um das kaiserliche Münzwesen zu fördern, die 
Münzbestandleut ^mit Vergünstigung seiner Behausung zu Brunn, Dar- 
leihung alles des dazugehörigen Münz- Zeuges" unterstützt, sprach aber 
die Besorgnis aus, dass diese doch keine Erfolge erzielen würden. 
Dass auch Zwirner die Brünner Münze betrieb, geht aus einem weiteren 
Berichte des Kardinals vom 24. Juli 1624 hervor. Als jener in Folge 
Hofkammer-Erlasses vom 30. Juli 1624 von den Mährischen Münz- 
stätten entfernt wurde, resolvierte der Kaiser unterm 13. August 1624, 
dass der von Zwirner mit Christoph Spillmann und Marx Löwen, Juden, 
aufgerichtete Kontrakt umzuschreiben sei und die Münzung in Brunn 
und Ol mutz nunmehr .,simpliciter in Unserm Namen geführt werden 
solle u . Diese neuen Untcrneiner kamen jedoch gar nicht zum Betriebe, 
denn der Kardinal schioss einen neuen „ Münzbestand vertrag mit zway 
Bürgern haussässig zu Olinütz , und guettem Vermögens , Namens 
Christoff Wansidler und Martin Fritsch", vorläufig für 6 Mo- 
nate und gegeu Reichung eines Schlagschatzes von 1 rl. Rheinisch für 
jede vermünzte feine Mark Silber. 

Für Numismaten dürfte es nun von Interesse sein, jene Münzen 
kenneu zu lernen, welche von diesen beiden Unternemern zu Brunn und 
Ol mutz geprägt worden sind. Ich bezeichne zunächst als hieher gehörig 
einen Thaler Ferdinands II. vom Jahre 1624. 1 ) Vergleicht man denselben 
mit jenem des Kardinals von Dietrichstein ebenfalls aus dem Jahre 1624, 2 j 
so erkennt man alsbald, dass beide Stempel von demselben Stempel- 
schneider angefertigt worden sind, ja es zeigt sich, dass die Jahrzahl 1624 
auf beiden sogar mit denselben Punzen geschlagen wurde. Der Buchstabe 
B in einem Kreise, unter dem Brustbild des Kaisers, welcher in gleicher 
Form auch auf dem erwähnten Thaler des Kardinals zu sehen ist, be- 
deutet die Münzstätte Brunn; die zusammengezogenen Buchstaben C\V 
nach der Jahrzahl, welche sich auch auf dem Thaler des Kardinals 

*) und *) SchultheHB-Uechherg. Thalerkahinet. Nr. 26H und 3633. 



132 

vorfinden, sind das Zeichen des Bestandinanues Christoph Wansidler. 
Es kommen auch, aber sehr selten, Halbthaler von dieser Prägung vor. 
Mit dem Buchstaben in einem Kreise, d. i. Olmütz. bezeichnete 
Münzen besitzt das k. k. Münzkabinet mehrere kleine Exemplare. Ein 
auf diese Art bezeichneter einfacher Thaler Ferdinands II. vom Jahr 1628, 
so wie ein unschöner kaiserlicher Doppelthaler vom Jahr 1(>29, kommen 
in der Sammlung Spöttl vor. Das k. k. Münzkabinet bewahrt einen 
Thaler des Kardinals von Dietrichstein vom Jahr lf>28. in ganz gleicher 
Weise mit dem Buchstaben bezeichnet. 



An das Vorstehende reihe ich nunmehr die Besprechung eines 
bisher wenig beachteten Münzhauses an. 

Mit der Resolution ddto. Wien 28. August 162(5 geneinigte Kaiser 
Ferdinand II. dem am 8. December 1025 zum Könige von 
Ungarn gekrönten Ferdinand III. die Errichtung einer Münz- 
stätte zu Gl atz. Nachdem Bedenken erhoben worden waren, dass 
dieselbe den Münzhäusern zu Prag und Kutten borg Eintrag machen 
werde, wird in dem Vortrag an den Kaiser gesagt: „dass Se. Mst, auch 
Neu liehen dem Herzog von F r i e d 1 a n d ein neues Münzwerkh so 
den Pragerischen und Kuttenbergischen Münzen viel näher, als das 
Glazerische gelegen ist, verliehen." l ) 

Die für Ferdinand III. in Glatz geprägten Münzen zeichnen sich 
durch besondere Schönheit aus. Einige Stempel sind mit den Buch- 
staben H G markiert, dem Zeichen eines der tüchtigsten Münzgraveure 
jener Zeit, des Hanns Gebhart. 

Der Umstand, dass auf den Glatzer Thaleru Ferdinands III. ent- 
weder das mit der Vliessordenskette umgebene Wappen von Ungarn- 
Böhmen, oder ein Marienbild im Strahlenkreise vorkommt, scheint Ursache 
gewesen zu sein , dass dieselben in den meisten Sammlungen zu den 
ungarischen Thalern gelegt, und dadurch eine arge Verwirrung unter 
den Thalern Ferdinands II. und Ferdinands III. hervorgerufen wurde. 
Auch Schulthess reiht neun Glatzer Thaler Ferdinands III. unter die 
ungarischen Münzen, u. z. die Nummern 2469 bis inklusive 2477. Bei 
Nr. 24(>9 bemerkt er: „Es ist gewiss eine seltene Erscheinung, dass 
Vater und Sohn zu gleicher Zeit, jeder unter seinem alleinigen Namen 
prägen Hessen, was vielleicht daher kam, dass Kaiser Ferdinand II. in 
jener unruhigen Zeit die ungarische Thronfolge seinem Sohne durch der- 

! > Die erste WaldsteiiiHehe Münzstätte befand sich zu Gitsehin. 



133 

gleichen frühzeitige Ausübung der Majestätsrechte desto mehr sichern 
wollte. 1 * 

Ohne weiter in jene historischeu Bedenken einzugehen, welche 
sich gegen die Anname geltend machen lassen, es seien die in Bede 
stehenden Thaler Ferdinands III. von den Jahren 1626 bis inklusive 
1629 in einer ungarischen Münzstätte geprägt worden, genügt 
es. darauf aufmerksam zu machen, dass die ganze Frage dadurch eine 
einfache Lösung findet, wenn wir die Glatzer Münzstätte als das auf- 
fassen , was sie eigentlich war — als eine Privat münz statte 
Ferdinands III., so wie die zu gleicher Zeit an den Herzog von 
Friedlaud verliehene Münze zu Gitschin eine Privatmünzstätte gewesen. 1 ) 

Der Glatzer Prägung verdanken wir eine Reihe der schönsten 
Thaler jener Zeit. Ausser den Stücken, welche das k. k. Münzkabinet 
bewahrt, finden sich ganz exquisite Exemplare in den Sammlungen der 
Herren Spöttl und Delhaes. Den Namen des ersten Glatzer Münz- 
meisters aktenmässig festzustellen, ist mir bisher nicht gelungen. Sein 
Zeichen ist in einer Einfassung eine wellenförmige Querlinie zwischen 
drei Kugeln. Dieses Zeichen findet sich auf Thalern vom Jahre 1627. 
Auf einem Exemplare, welches auf der Rückseite ein grosses vielfeldiges. 
mit der Vliessordenskette umgebenes Wappenschild hat, stehen in der Ver- 
zierung desselben die Buchstaben A — P.*) Auf mehreren solchen Thalern 
wurden diese Buchstaben, unverkennbar absichtlich, mit einer glatten drei- 
eckigen Punze überschlagen. Diesem ersten Munzmeister folgte schon 
im Jahre 1628 Peter Hema, welcher aus Danzig. wo er bedeutende 
Schulden hinterlassen hatte, gekommen war. Er scheint ebenfalls unter 
jene Munzunternemer gehört zu haben, welche an verschiedenen Orten 
ihr Glück versuchten. Seiner Schulden wegen wendete sich sogar König 
Sigismund in. von Polen an den damaligen Präsidenten der schlesischen 

*) Bestätiget wird diese Auffassung durch den Umstand, dass Glatzer 
Münzen Ferdinands III. erst durch spezielle kaiserliche Resolutionen der Umlauf 
zugestanden wurde. So wurde mit der kaiserlichen Resolution ddto. Wien, 1. Sep- 
tember 1627, angeordnet, dass die in (ilatz geprägten Groschen, da Korn und 
Schrot den kaiserlichen gleich sind, überall anzunemen seien. Dass auch auf den 
kleinen Münzen die Münzmeisterzeichen vorkommen, braucht wol nur erwähnt zu 
werden. Dem Hofkammerakt. u. z. bölim. Münz- um! Rcrgwesen iblto. 11. April 
1670, liegt ein Verzeichnis über die in den ungarischen Bergstädten in den 
Jahren 1625 bis inclusive lGf>8 geprägten kaiserl. Thaler bei. Münzensammler 
mache ich auf den ungarischen Thaler Ferdinands II. vom Jahre 1025 ganz 
besonders aufmerksam. In den Jahren 1020 bis inclusive 162!) fand in kaiserl. 
Regie dort keine Thaierprägung statt. 

■> SchuUbess, Nr. 2169, sagt A-R, ich lese A— P. 

B14U. d. Vereines f. Lundesk. 1W82. 4-9. 10 



134 

Kammer, den Burggrafen Karl von Dohna. Das Zeichen Hemas tindet 
sich in der Regel auf den durch ihn geprägten Thalern, es ist fi in 
einem Kreise. (Schulthess, Nr. 2471, 72 und 73, dann 2476 und 2477.) 
Von höchstem Interesse ist ein Goldabschlag von dem Thaler 1628 (in 
Silber ist mir dieser Jahrgang nicht bekanut). Die Vorderseite zeigt 
unter dem Brustbilde Ferdinands 111. die Buchstaben *B ; die Rückseite 
hat das mehrerwähnte Wappen und nach der Jahrzahl zwischen zwei 
Röschen in deutscher Letter den Buchstaben G, unzweifelhaft Glatz be- 
zeichnend. Von besonderer Schönheit ist ein Thaler von 1629, das 
Brustbild hat eine ungewöhnlich breite Halskrause, das Zeichen ■& steht 
nach der Jahrzahl. Auf Peter Heina folgte schon am 1. April 1634 
Hanns Bossner als Münzmeister und Georg Audrae Huebmer 
als Wardein. In der Sammlung Delhaes befindet sich ein Glatzer Thaler 
Ferdinands III. vom Jahr 1636 mit dem Zeichen HR (Hanns Rossner) 
in einem Kreise. Dieser meldete jedoch schon im Jahre 1630 seinen 
Dienstaustritt an, worüber verordnet wurde, dass die Münzung durch 
den Wardein und den Schmiedmeister bis auf weitere Weisung fortzu- 
führen sei. Auf diese Zwischenzeit dürfte sich ein in der Sammlung 
Missong befindlicher Glatzer Thaler von 1636 beziehen, worauf eine 
leere Einfassung ohn«» Zeichen zu sehen ist. Erst am 16. März 1640 
erfolgte die Bestellung des neuen Münzraeisters Georg Werner. Der 
Betrieb in der Glatzer Münze dürfte durch die wiederholte Occupation 
von Schlesien durch die Schweden mehrmals unterbrochen worden sein. 
. Sie war jedoch noch im Jahre 1665 in Thätigkeit. 



Ehe ich die Schilderung der im Wiener Münzhause herrschenden 
wenig erfreulichen Zustände wieder aufneme, sei es gestattet, einige, mit 
dem Münzwesen im Zusammenhange stehende Episoden zu berühren. 

Anfang Februar 1626 wurde die Anzeige erstattet, dass hier in 
Wien, im Hause des Dr. Olitory, verdächtige Personen Metall schmelzen, 
auch ein starkes Hämmern gehört werde, und dass in diesem Hause 
Balthasar Zwirner und sein ehemaliger Buchhalter Constantin Grappler 
aus Nürnberg wohnen. Ferner wurde angezeigt, dass auch im Hause des 
Dr. Ponzon suspecte Leute hantieren und der Verdacht begründet sei. 
es werde in den genannten Häusern Falschmünzerei betrieben, wie denn 
seit einigei Zeit falsche Groschen in der Stadt im Umlaufe vor- 
kommen. 1 ) 

'; Dein betreffenden Hofkamnierakt Hegt noch ein solcher Groschen mit 
der Jahrzahl 1625 bei. Er ist vou sehr schlechtem Gehalt und hat unter dem 



135 

Diese Anzeige kam in der Sitzung des geheimen Rathes am 
7. Februar 1(526 zur Verhandlung. Die Folge derselben war, dass dem 
Bürgermeister Daniel Moser und dem Münzmeister Fellner Erhebungen 
aufgetragen wurden. Diese berichteten dann auch, dass sie den Zwirner 
bei Grappler angetroffen, letzteren verhaftet, dem Zwiruer aber aufgetragen 
hätten, die Stadt nicht zu verlassen. Auch im Hause des Dr. Ponzon 
verhafteten sie verdachtige Personen und beantragten die Untersuchung, 
weiche auch in der Sitzung des geheimen Rathes vom 20. Februar 1026 
"beschlossen wurde. 

Es gehörte gewiss eine grosse Kühnheit dazu, um in Wien Falsch- 
münzerei zu betreiben. Hier legte man dem Zwirner allerdings das Hand- 
werk , allein in demselben Jahre 1(520 taucht»* er in Troppau neuer- 
dings auf. 

Von N i k o 1 s b u r g aus erstattete der Kardinal von D i e t r i <• h- 
stein am 24. November, 1(52(5 die Anzeige über die grossen Falsch- 
münzereien des Balthasar Zwirner in Troppau. Diese Stadt war durch 
den grössten Teil des Jahres 1(52(5 von Mansfeldischen Truppen be- 
setzt. Der Kardinal berichtet: „dass dergleichen falsche Münzen sowol 
in Schlesien, alss alhie in Mähreu allberait hauffenweiss einschleichen, 
was zur höchsten Verschimpfung Er. kays. Mst. gereicht". Die ein- 
gesandten Münzen (einfache Kreuzer. Zweier, Groschen und 21er) wurden 
an das hiesige Münzamt zur Probierung übergeben. Der Münzmeister 
Fellner schildert den schlechten Gehalt dieser Münzen ') und berichtet: 
«*s habe Balthasar Zwirner auf die 24 Kreuzer-Stücke die Jahrzahl 1(523 
gesetzt, „alss ob sie noch von den Alten pagainenten wehren, aber doch 
in den grössten Sorten, alss auch den giosehen sein beyzaichen un- 
erbarerweiss ausgelassen, und anstatt dessen ein Rösel gesetzt, damit 
man nit recht wissen khan, woher sie khumben, oder wehr sie gemünzt 
hat." Fellner beantragt schliesslich, dass alle Müuzcn, welche nicht 
«,das gewöhnliche Münzmeisters beizeichen halten" im Verkehre nicht 
zugelassen werden sollen. 

In diesem Sinne stellte die Hofkanimer in der unter dem Vorsitz 
des Fürsten Eggenberg am 7. December 162(5 stattgefundenen 
Sitzung des geheimen Rathes den Antrag, welcher angenommen, dabei 
aber auch beschlossen wurde: „es sei dem Herzog von Friedland anzu- 

BniatbiMe den halben Greif, wie er auf böhmischen Münzen jener Zeit an- 
getroffen wird. 

*) Bei den einfachen Kreuzern war «Ue Wiener Mark Silber auf 241 tt\ 
45 kr., bei den Zweiern auf 13(5 11. 22 kr., bei den Uroschen und iMern auf 
73 11. 3 kr. ausgebracht. 

10* 



136 

deuten, dass, wenn er Troppau erobert, er sich des Zwirners bemächtigen 
und denselben nach Wien liefern möge. - Es gelang aber diesem raffi- 
nierten Betrüger zu entkommen, denn wir finden auf Münzen des Königs 
Christian IV. von Dänemark vom Jahre 1627 sein Zeichen BZ. 1 ) 

Von Nikolsburg aus, ddto. 22. Juni 1627, verlautbarte der Kardinal 
von Dietrichstein, dass er die Absicht habe, seine seit einigen Jahren 
ruhende Münze nunmehr im Sc liioss Nikolsburg wieder aufzurichten, 
und forderte zugleich zur Einlieferurig von Pagament auf. Der Wiener 
Münzmeister Fellner erhob gegen dieses Unternemen Vorstellungen. 

In der Sitzung des geheimen Rathes am 26. Juli 1627 (unter 
dem Vorsitz des Königs Ferdinand III.) kam diese Angelegenheit zur 
Verhandlung. Graf Maximilian Trautraannstorff machte aufmerksam, dass 
der Kardinal für seine Person kein Recht habe, in Nikolsburg zu münzen, 
sondern zur Münzung nur als Bischof von Olmütz befugt sei. 2 ) Es wurde 
beschlossen, den Statthalter Seyfried Christian Breuner an den 
Kardinal abzuordnen, dass er denselben in der schonendsten Weise zum 
Abgehen von seinem Projekt bewege. Unterm 14. September 1627 
wurde schliesslich der Hofkammer-Rath Bonacina mit dieser Mission 
betraut. Der Kardinal scheint die mündliche Vorstellung nicht gut auf- 

') Vergleich« den Thaler SehulthessNr. 1053, auf den mich Hr. Dr. Missong 
aufmerksam machte. Bei dem Bundesverhältnis des Mansfelders mit Christian IV. 
erklärt es sieh, dass dem Zwirner rechtzeitig Gelegenheit gegeben wurde, von 
Troppau zu entkommen, um seine Münzthätigkeit an einem andern Ort wieder auf- 
zunemcn. Der Berieht des Münzmeisters Fellner verbreitet auch einiges Licht über 
eine bisher etwas unklare Münzpartie. In dem Verzeichnis über die Kippennünzen, 
welches ich in meiner Abhandlung übt*r die lange Münze mitteilte, wird am 
Schlüsse ein im k. k. Münzkabinet aufbewahrtes 15 Kreuzer-Stück, mit der Jahr- 
zahl 1623, dann mit B— Z und einer Hose bezeichnet, erwähnt. Dieses Stück 
dürfte aus der Troppauer Falschmünzerei des Zwirner im .lahre 1620 stammen, 
wohin auch alle ganz geringhaltigen mit einer Kose bezeichneten Kippennünzen 
mit der Jahrzahl 1623 zu zählen sind. Ks gehört hieher auch das 24 Kreuzer- 
Stück vom Jahre 1623 mit einer Hose bezeichnet, welches Dewerdeck: „Silesia 
nuiiiismatiea". Tafel 18. Fig. 103, abbildet, Seite 596 beschreibt, und dasselbe 
als angeblieh in (ilogau gt'präut bezeichnet. Aus dem Bericht der Sehlesischen 
Kammer, ddto. Breslau 4. Jänner 1625, gellt hervor, dass die (ilogauer Münzt* 
im Jahre 1623 «rar nicht im Betriebe war. sondern erst Ende 1624 eröffnet wurde. 
Dieser Betrieb war laut dt»m Bericht der genannten Kammer vom 14. Mai 16i ; r> 
'schon End»» April 1625 wieder eingestellt. 

*) Die Dietrichstein« 1 waren münzberechtigt als Freiherrn von 
Ilolleiiburg. Ks wird dieses ausdrücklich betont in der Resolution Leopolds I. 
vom 23. November 1689, womit dem Obersthofmeister Ferdinand Fürst von 
Dietrichstein, „gleich seinen Vorfahren den Freiherrn von 
Hollenburg in Kärnten 1 * ein Münzrecht zuerkannt wird. 



137 

genommen zu haben, denn von Prag aus ergieug am 24. Jänner 1628 
an ihn ein kaiserlicher Erlass, in welchem die Erwartung ausgesprochen 
wird, er werde die von ihm zu Nikolsburg eröffnete Münzung einstellen. 
Dieser Erlass gab dem Kardinal zu einer Eingabe Anlass, welche er 
von Wien aus, ddto. 10. Februar 1628, an den Kaiser richtete. Er 
verwahrt sich gegen den Gedanken, dass die Nikolsburger Münze nur 
seines Nutzens wegen aufgerichtet wurde, und weiset auf den Umstand 
hin, dass die Friedländische Soldatesca, welche in Olinütz eingelagert 
ist, den Münzbetrieb daselbst unmöglich gemacht und der Münzverleger 
Martin Fritsch auch das Prägegeschäft ganz eingestellt habe. Er, der 
Kardinal, habe das Münzwesen in die sichere Stadt Nikolsburg über- 
tragen und würde dort nur unter kaiserlichem Gepräge. Korn und Schrott 
gemünzt, um die in Schlesien ausgegebenen schlechten Zwirnersehen 
Münzen einwechseln zu können. Er bittet schliesslich, es möge ihm 
gestattet werden, einige Reichsthaler und Dukaten, sonst keine anderen 
Sorten unter seinem Gepräge zu münzen, „damit Ich hiedurch nit ganz 
und gar meiner habenden Münzfreyheit verlustig werde*. 

Aus dem Dargestellten geht hervor, dass Münzen des Kardinals 
von Dietrichstein mit der Jahrzahl 1627 zu Nikolsburg geprägt worden 
sind. 1 ) Es ist aus den Akten mit Bestimmtheit nicht zu entnemen, ob 
sich derselbe durch die Schwierigkeiten , welche ihm bezüglich seiner 
eigenen Ausmünzung in Nikolsburg gemacht wurden, veranlasst fand, 
das Müuzwesen bald wieder nach Olinütz zu übertragen. Vom Jahre 1628 
kommen Münzen des Kardinals mit dem Buchstaben 0. d. i. Olmütz, be- 
zeichnet vor, allein dieselben können auch in Nikolsburg geprägt worden 
sein; die allgemeinen politischen und Kriegszustände jener Zeit scheinen 
sogar für diese Anname zu sprechen. Ferner ersehen wir aus der Eingabe 
des Kardinals, dass die zu Troppau geprägten Zwirner'schen schlechten 
Münzen damals in Mähren und Schlesien in grosser Menge in Um- 
lauf waren. 

Die Stadt Troppau als Ausgangspunkt nemeud . wickelte sich 
im Jahre 1629 eine Münzangelegenheit ab, welche in der Geschichte 
des Münzwesens jener Zeit nicht übergangen werden kann. 

Von Breslau aus, ddto. 23. April 1629, erstattete die Schlesische 
Kammer die Anzeige, das? im Namen des jungen Prinzen Karl Eus üb 
von Liechtenstein zu Troppau Groschen geprägt werden, und legte 

') Die in Nikolsburg geprägten kaiserl. Münzen siml mit einem N be- 
zeichnet V^l. die Nummern 3143 3147 im Killiau'schen Münzeiikataloir. 



188 

Exemplare derselben vor: zugleich meldete sie, dass der Herzog von 
Friedland zu Sag an eine Münze eingerichtet und dem kaiserlichen 
Münzmeister in Breslau. Johann Ziessler, zum Betriebe überlassen 
habe; sie beklagte schliesslich die Nachteile, welche aus den vielen 
Münzstätten für das kaiserliche Münzwesen hervorgehen. 

Unterm 24. Mai 1629 langte bei der Hofkammer die Anzeige des 
mährischen Reutmeisters Max Kempter ein, dass viele Groschen, welche 
der junge Fürst Liechtenstein zu .Troppau prägen lasse, in 
Umlauf kommen. 

Diese Angelegenheit kam in der Sitzung des geheimen Rathes zu 
Brück an der Leitha am 9. Juni 1629 zur Verhandlung. Es wurde 
beschlossen, dass der Fürst zu Liechtenstein, die übrigen Schlesischen 
Fürsten die Münzung einzustellen hätten. Die Ausfertigung des auf diese 
Resolution gestützten Erlasses an den Fürsten Maximilian von 
Liechtenstein als Vormund des jungen Prinzen Karl Euseb ver- 
zögerte sich bis zum 14. September 1629. In diesem Erlasse wurde nun 
der Fürst aufgefordert, das Münzen zu Troppau einzustellen, was jedoch 
seinem diesfälligen Privilegium unpräjudicierlich sein solle. 

Ueber diesen Erlass brachte Fürst Maximilian von Liechten- 
stein eine Eingabe ddto. Fcldsberg 24. Oktober 1629 ein. in welcher 
er sich über die Einstellung der Troppauer Münze beschwert, deren 
Einrichtung grosse Auslagen verursacht habe und seinem Mündel und 
Vetter jährlich höchstens 4000 fl. bringen werde. Er bittet schliesslich 
um die Ruckname des Einstellungs-Dekretes. Ueber diese Eingabe ver- 
handelte der geheime Rath in der Sitzung am 7. November 1629. Die 
diesfällige Resolution gieng dahin , dass es Sc Majestät bei der 
frühern Verfügung verbleiben lassen. Ein Erlass, ddto. Wien 13. No- 
vember 1629. verständigte den Fürsten von dieser abweislichen Erledi- 
gung seines Ansuchens. 

Schon am 16. November 1629. somit nur um drei Tage später, 
ergieng an den Kardinal von Dietrichstein ein kaiserlicher Erlass, worin 
gesagt wird, Fürst Liechtenstein habe sich vernemen lassen, dass er 
mit seiner Münzung, ohngeachtet der an ihn ergangenen Abmahnung, 
fortfahren werde. Der Kardinal habe dieses nicht zuzulassen und allen 
Ernstes dagegen einzuschreiten. Unter demselben Datum erfolgte auch an 
die Schlesische Kammer, sowie an die Schlesischen Stände die Weisung, 
dass sie allen Amtleuten das Annemen „Liechtenstein'scher Usual- 
Münzen" strengstens untersagen. 

So viel mir bekannt ist, kommen mit dem jugendlichen Bilde des 
Prinzen Karl Euseb von Liechtenstein vom Jahre 1629 nur Groschen 



139 

und Kreuzer vor. Das würde jedoch nicht ausschliessen, dass damals 
zu Troppau auch noch andere Sorten geprägt wurden, welche entweder 
nur in geringer Zahl, vielleicht auch gar nicht zur Ausgabe kamen. 



Es ist ein trauriges Bild des unaufhaltsamen Verfalles, welches 
uns die Wiener Münzstätte während der Dauer des dreissigjährigen 
Krieges bietet. Zu dem steten Rückgange im Ertrage und zu den 
Schwierigkeiten im Betriebe , welche uns die Akten in einer ununter- 
brochenen Reihenfolge schildern , kommt ein gänzliches Zurückbleiben 
im Prägeverfahren und in der Einführung verbesserter Einrichtungen 
und Maschinen: daher es uns auch gar nicht überraschen darf, dass 
schliesslich die Wiener Münzsorten gegen jene der übrigen kaiserlichen 
Münzhäuser weit zurückstehen, ja den Eindruck des gänzlichen Verfalles 
der Stempelschneidekunst in Wien hervorrufen. 

Während im Grazer Münzhause die Walzenprägung schon 
im Jahre lf>14, in der Kärntner Münze zu St. Veit im Jahre 1624 
eingeführt war. auch in der St. Pöltner Münze, die doch nur als eine 
Art Filiale betrachtet werden kann . die Walzeneinrichtuug ebenfalls in 
Verwendung war, blieb in Wien das alte Verfahren noch durch eine 
lange Reihe von Jahren in Uebuug. Von der Walzenprägung, welche 
hier Münzmeister Fellner zur Kipperzeit eingerichtet hatte, ist keine Rede 
mehr, ja es scheint, dass die hiesigen Maschinen im Jahre 1(>24 nach 
St. Polten übertragen w r orden waren. 

Die Wiener Münzstätte stand in dieser Beziehung auf ziemlich 
gleicher Stufe mit jener zu Prag. Auch dort hatte der Münzmeister 
Benedikt H u e b iu e r von Sonnlei then im Jahre 1 02 1 die Walzen- 
prägung „mit Durchschnitts- und Ziehwerkh" eingerichtet, weiche jedoch 
bald ausser (lebraueh kamen. 1 ) 

l » Vuin Jahre 1621 kommen mehrere Stempelvarietäten eines Prager Walzen- 
thalers vor. Die Vorderseite zeigt das belorberte Brustbild Ferdinands II. mit der 
Halskrause, jedoch ohne Vliessordenskette, l'nter dem Brustbilde steht 
zwischen Klammern die Wertzahl 120. Die Küekseite zeigt den Doppeladler mit 
dem österreichisch-burgundischen Wappensehilde auf der Brust, unten zwischen 
Klammern einen Stern, das bekannte Münzzeichen des Huebmer. Bei Schulthess 
fehlt dieser Thaler. In Prag stiess die Walzeneinrichtuug hei den „Beichs- 
Müiizgesellen* auf Widerstand, l'ntenn 3. Jänner 1624 wurde für dieselben ein 
kaiserliches Patent erlassen, mit der Zusicherung, dass durch die „zu vormünzung 
des Kleinen geldes Hinrichtung des Ziehwerkh und Durchsehneidt, dardureh das 
Münzen vil geschwinder als durch die Hammer-Arbeit befördert werden khann 4 * 
ihren Privilegien kein Nachteil erwachsen solle. 



140 



Die Ausstattung jener kaiserlichen Münzhäuser mit Walzenroasehinen, 
wo dieselben noch fehlten, fand einen eifrigen Vertreter an dem mit 
der kaiserlichen Resolution vom 18. Jänner 1629 als Berg- und Münz- 
inspektor für Böhmen bestellten Melchior Putz von Kirch am egg. 
Dieser war früher Münzmeister zu St. Veit in Kärnten gewesen. In einem 
eingehenden ,.Memorial" bevorwortete er die Einführung des „Müntz- 
druckhwerkh" an Steile der Hammerprägung. Er hob hervor, dass 
dadurch die Hälfte der Prägekosten erspart werden könne, und berief 
sich darauf, dass der Kaiser bereits in der Sitzung des geheimen Käthes 
zu Enzersdorf am 29. August 1028 geäussert habe: „Es gefall auch 
Ihme die getruckhten unschiedlich Münz-Sorten". Der Ertrag war damals, 
sowol in den böhmischen Münzstätten, als auch im Wiener Münzhause derart 
zurückgegangen, dass man die Kosten scheute, welche die Einrichtung 
der Walzenmaschinen verursacht hätte, es blieb somit die Hammerprägung 
mit ihren Uebelständen aufrecht. 

Nach dem Abschlüsse der für das kaiserliche Münzwesen so un- 
heilvollen Thätigkeit des Unternemers Balthasar Zwirner, Ende Juli 1624, 
und nachdem auch der mit dem befreiten Hofjuden Israel Wolf unterm 
16. August 1-624 vereinbarte Bestandvertrag nur zu bald sein Ende 
gefunden hatte, übernam der oftgenannte Münzmeister Mathias Fellner 
von Feldegg den Betrieb der Wiener Münze gegen dem, dass er für 
jede vermünzte feine Mark Silber einen Sehlagschatz von 48 kr. abstattete, 
dagegen alle mit der Regie verbundenen Auslagen zu bestreiten hatte. 

Der Ertrag der Wiener Münze war im steten Rückgange begriffen. 
In den beiden Jahren 1624 und 1625 erfolgte aus der Umprägung der. 
Kippermünzen ein ziemlich erheblicher Schlagschatz, in den nachfolgen- 
den Jahren nam dessen Bedeutung jedoch wieder rasch ab. Wie oben 
mitgeteilt wurde , hatte sich im Wiener Münzhause in der Zeit vom 
12. August bis 6. Oktober 1624 ein Schlagschatz von 19.269 ri\ 18 kr. 
3 Den. ergeben. Dem entgegen werden in den Jahren 1625 bis 1(534 
folgende Erträge nachgewiesen, u. z. 



im Jahre 1625 

11526 

„ 1627 

1628 

n „ 1629 

„ 1630 

1631 

r? *? 1 1)Om 

„ „ 1 633 
- 1634 



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. 28.776 


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7.686 


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3.706 


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2.752 


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3.021 


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2.219 


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1.526 


1» 


52 


■ 4 


2 



Den. 



141 

Diese Zahlen erklären ganz einfach die Thatsache, dass aus den 
letzten Eegierungsjahren des Kaisers Ferdinand IL Thaler und über- 
haupt Münzen so selten vorkommen. 

Durch den ungewöhnlich geringen Sehlagschatz des Jahres 1634 
im hohen Grade beunruhigt, zog die Hofkammer die verschiedenen Mittel 
in Erwägung, durch welche das Erträgnis der Wiener Münzstätte ge- 
hoben werden könne. Es meldeten sich bereits wieder Unternemer , die 
von der eigentlichen Sachlage kaum genügende Kenntnis hatten , sich 
aber zu überspannten Anboten herbeiliessen , welche später für sie, 
sowie für die Hofkammer neue Schwierigkeiten zur Folge hatten. 

Nach längeren Verhandlungen wurde der Betrieb im Wiener Münz- 
hause dem Virgilius Constanz von Vestenburg übertragen, 
welcher nicht, wie bisher Fellner, von jeder verraünzten Mark Silber 
einen bestimmten Schlagschatz abzustatten hatte, sondern sich zur Be- 
zahlung eines für das Jahr vereinbarten Pachtbetrages verpflichtete. Die 
Höhe dieses „Pauschales" konnte aus den Akten mit voller Bestimmtheit 
nicht entnommen werden. Virgilius Constanz, welcher vom 17. Juli 1625 
bis 31. December 1634 Feld-Kriegszahlmeister war. hatte von dem 
Münzwesen kaum ein genügendes Verständnis, er musste daher den Be- 
trieb seinem Geschäftsführer Christoph Ziegenhorn überlassen. 
Um den hohen Pachtzins hereinzubringen, wurde das alte Mittel einer 
Verschlechterung der kleinen Münzen in Anwendung gebracht, was zur 
Folge hatte, dass Virgilius Constanz und sein Vertrauensmann in Unter- 
suchung gezogen und schon im Jahre 1637 von der Münze entfernt 
wurden. Es war dies die letzte unter den vielen traurigen Erfahrungen, 
welche Kaiser Ferdinand IL auf dem Gebiete des Münzwesens gemacht 
hatte. Er starb während der gegen Constanz eingeleiteten Untersuchung 
am 15. Februar 1637. 

Die von diesem Unternemer in den Jahren 1636 und 1637 im 
Wiener Münzhause geprägten Thaler gehören bereits zu den grossen 
Seltenheiten. Schulthess kannte dieselben nieht. Sie sind die letzten Thaler, 
für welche der Wiener Eisenschneider Donat Stark die Stempel geschnitten 
hatte. Das Münzzeichen des Virgilius Constanz von Vestenburg ist der 
Buchstabe V, über welchen bogenförmig ein C gelegt ist, S5. Dieses 
Zeichen findet sich auf den Wiener Thalern Ferdinands II. von 1636 
und 1637. u. z. unter dem Brustbilde des Kaisers in einem mit einer 
Krone bedeckten Kreise. Das k. k. Münzkabinet bewahrt von dieser 
Prägung eine Klippe vom Jahre 1637. 



142 

Mit der Anzeige vom 22. September 1637 meldete der Wiener 
Münzwardein Hanns Jakob Stadler, dass der Münzmeister und 
Münzinspektor Mathias Fellner von Feld egg am 21. September 
1(537 zu Margarethen gestorben sei. Fellner war ein Beamter von 
makelloser Ehrlichkeit: er war seit dem 13. März 1(112 Münzmeister 
in Wien und hatte als solcher viele und schwere Bedrängnisse durch- 
machen müssen. Die Katastrophe, zu welcher die Kippermünzprägung 
unvermeidlich führen musste, hat er mit offener Sprache' vorausgesagt. 
Bei den im Wiener kaiserlichen Münzhause geprägton Kippermünzen 
hielt er sich genau an die diesfällige Instruktion, sie waren daher besser, 
als das in Böhmen auf Grundlage des unseligen Münzkontraktes vom 
18. Jänner 1022 ausgegebene „lange Geld - , daher sie auch häufig von 
den Münzpächtern eingeschmolzen wurden. 

Die Inspektion über das Wiener Münzhaus wurde dem Hofkammer- 
rathe Georg Friedrich Freiherrn von Staudin g übertragen: 
um die erledigte Münzmeisterstelle bewarben sich der Wardein Hanns 
Jakob Stadler , der n. ö. Buchhalterei-Raitrath Hanns Wilhelm 
Carphin von Cronenfels, und Isaias Jessinsky. 1 ) Den Re- 
gierungsantritt Ferdinands HI. erachtete man zugleich als einen ge- 
eigneten Zeitpunkt für die Durchführung erfolgreicher Reformen im 
Münzwesen. Es wurden diesfalls die drei Reichsmünzer Martin Müller. 
August Rottermund und Josias Kezermann um ihr Gutachten einver- 
nommen, und ergieng von Pressburg aus. ddto. 16. Jänner 1638. die 
Weisung an die hinterlassene Hofkammer, sich über einen von diesen 
eingebrachten Antrag wegen „schleuniger bestel unnd fürderung des anyzo 
zu Wien bestellten Münzwesens u zu äussern. Die verantwortliche Ver- 
waltung der Wiener Münzstätte wurde mittlerweile dem Wardein Hanns 
Jakob Stadler übertragen.") Die Stempel für die Wiener Thaler 



1 ) Jessinsky war in den Jahren 1617 bis 1619 Münzverleger in Wien. Sein 
Münzzeichen war ein Baum in einem Schilde (Schultheis 223). Ueber Anzeige 
des Reichs-Hofrathes Dr. Hanns Ulrich Heimuerle wurde Jessinsky am 19. No- 
vember 1619 verhaftet und durch mehr als 31 Wochen in Arrest behalten. Der 
eingeleitete ,.tiscalische Process* dauerte bis 1637. Unterm 25. August 1637 
stellte der Kammer-Proeurator Dr. Georg Weinzirl den Antrag, es möge demselben 
der ihm zugefügte Schaden von 12.000 fl. ersetzt und Regress an dem I>r. Hemmerlr. 
dessen Denuneiation unbegründet war. genommen werden. 

2 ) Das Münzzeichen desselben ist ein auf einem Fusse oder Ständer 
stehender Kranich, der mit dem zweiten Ständer einen Stein aufhebt, das bekannte 
Symbol de"r Wachsamkeit. Stadler stammte aus Tirol. Sein Münzzeichen lässt sich 
zurückführen auf das Symbol des Erzherzogs Ferdinand von Tirol, des Stifters 



143 

Ferdinands III. bis zum Jahre 1049, welche überaus unschön sind, 
wurden durch den Stcmpelsehneider M a t h e s Pichlet* geschnitten. 

Mit Rucksicht auf den Umstand , dass Jessinsky von der Hof- 
kammer ein bedeutendes Guthaben zu fordern hatte, wurde er von der- 
selben für den erledigten Dienstplatz in Vorschlag gebracht. Mit der 
Resolution ddto. Wien 5. März 1639 bestellte Kaiser Ferdinand III. den 
Isaias Jessinsky als Münzmeister in Wien, gegen dem, „dass Er darumben 
von ain zur andern Zeit er bahre raittungen eingeben soll, undt 
sich entgegen auch der gewöhnlichen besoldung auss denen daselbst 
eingehenden geföllen selbstcn zahlhafft machen möge". 

Während Fellner einen bestimmten Schlagschatz für jede vermünzte 
Mark Silber, u. z. 48 Kreuzer, der Unternemer Virgil Constanz jedoch 
♦•inen Pachtzins per Jahr zu bezahlen hatte, beide übrigens alle Auslagen 
an Arbeitslohn. Beamtcnbesoldung u. s. w. zu bestreiten hatten, übernam 
Jessinsky den Münzbetrieb in amtlicher Regie ».gegen ehrbare Rait- 
tung". Mit der Instruktion vom 17. August 163U wurde in der bisher 
üblichen Weise bezüglich Ausprägung der Silber-Species-Münzen ange- 
ordnet, dass im Korn von 14 Loth 1 Quentl, von der Wr. Mark 9 3 / 4 Reichs- 
thaler auszubringen sind. Der Jahresgehalt des Münzmeisters war mit 
400 fl. Rheinisch und Wohnung im Münzhause, sonst keine Accidenz, 
jener des Wardeins mit 200 fl. und 10 fl. für Schreibereien bestimmt, 
auch bezog derselbe die festgestellten Probirgelder von Parteien, welche 
Gold oder Silber in die Münze brachten. Für Schrot und Korn blieb der 
Wardein Hanns Jakob Stadler verantwortlich , daher auch sein Zeichen 
auf den während des Betriebes durch Jessinsky geprägten Münzen zu 
sehen ist. 

Um die Silbereinlieferung zu beleben , hatte Ferdinand III. bald 
nach seinem Regierungsantritte verordnet , dass den Parteien für die 
Wiener Mark Silber statt wie bisher 14 fl. 8 kr., nunmehr 14 fl. 56 kr. 
zu bezahlen seien. Diese Steigerung des Silber-Ankaufspreises nam selbst- 
verständlich auf das Münzerträgnis einen wesentlichen Einfluss, so dasa 
sich Isaias Jessinskv veranlasst sah, seine Stelle als Münzmeister am 
1. December 1643 aufzukünden. Er schildert den Ertrag des Münzamtes 
als derart gering, dass nicht einmal die Auslagen gedeckt wurden, und der 
Wardein Vorschüsse im Betrage von mehreren Hundert Gulden machen 
musste Das Guthaben des Jessinskv hatte sich auf 13.700 fl. erhöht. 

der Amhras^r Sammlung , welches den in ganz gleicher Weise dargestellten 
Kranich zeigt, mit der Devise: Exeubias tuetur, oder wie es ins Deutsche über- 
tragen wurde: „Er ist bereit, zur Wachsamkeit.' 4 



144 

r 

In der Aeusserung, welche die Bnchbaltcrei unterm 30. December 
1643 über dessen Resignation abgab, stellt dieselbe den Antrag, dass 
„wie bei Fellner die Münze gegen Eeichung eines Schlagschatzes per 
Mark hindanzulassen wäre tt t weil der Eigenbetrieb gegen Verrechnung 
nicht die Unkosten decke ; sie bedauert auch, dass der Silbereinlösungs- 
preis so bedeutend erhöht wurde, und sagt, dass sich nunmehr kaum ein 
Bestandmann finden werde, welcher 8 Kreuzer, aufs höchste 10 Kreuzer 
pr. Mark wird reichen wollen. 

Bei der grossen Schwierigkeit, welche sich bezüglich Wieder- 
besetzung der Münzmeisterstelle ergab, wurde auch das Gutachten des 
böhmischen Ober -Münzmeisters Ulrich Adam Poppl, Herrn von 
Lobkowitz, eingeholt. In einem eingehenden Berichte, ddto. Prag, 
3. August 1644, warnte dieser vor einer Pachtgabe, „uachdeme di* 
Bestands-Inhaber je undt allweg Ihren Nutzen mehr suchen, weil sie 
mit keiner Instruction verbunden seindt", und sagt ferner: ,JEs sei zu 
bedenkhen, dass bey dem Müntzwesen es nit allein umb die Nutzung, 
sondern vielmehr umb Ihr Kays. Mayst. Reputation zu thun ist, damit 
nemblichen die Müntz-Sorten in rechtem valor undt Würdikeit ausgehen, 
undt weile solches zu erhalten viel sicherer ist wan man ordentliche 
raytungen haltet. u 

Obwol der Wardein Stadler unterm 12. Juni 1644 um die Ver- 
leihung der Münzmeister-Stelle gegen Reichung eines ent- 
sprechend zu bemessenen Sc hlagschatzes eingeschritten war, 
gieng die kaiserliche Resolution, ddto. 2. September 1644, dennoch 
dahin, dass er als Münzmeister „auf erbare raittung* bestellt 
werde. Jessinsky war Ende August 1644 gänzlich abgetreten, und mit 
der kaiserlichen Resolution vom 6. December 1644 wurde an Stadlers 
Stelle der „n. ö. Buchhalterei-rait- Diener 44 Georg And rae Seh äffler 
als Wardein bestellt. 



Die letzten Jahre des dreissigjährigen Krieges, welche selbst für 
einen Teil des Landes unter der Enns eine feindliche Invasion gebracht 
hatten, schlugen dem wirtschaftlichen Leben in Wien neue Wunden, nament- 
lich war es das Münzwesen, welchem fort und fort kaum zu überwin- 
dende Schwierigkeiten bereitet wurden. Der Ertrag gieng stetig zurück, 
wie auch in den Belichten wiederholt gesagt wird, dass es „ganz in der 
fever ligen thuet u . 

Der Münzinspektor Freiherr von Stauding war Anfangs August 
1644 gestorben. Unterm 18. August 1644 wurde dem Hofkammer- 



145 

Rath Gabriel Peverelli die Inspektion über das Wiener Münzamt 
übertragen. 

In der Zeit vom 1. September 1639 bis 30. September 1644, 
somit binnen 4 Jahren und 1 Monat, welche Periode in die Amtsver- 
waltung des Isaias Jessinsky fällt, lieferte die Wiener Münze einen 
Ertrag von 2207 fl. 27 kr. 1 Den., daher auf das Einzeljahr durch- 
schnittlich 555 fl. 12 kr. entfallen. Der neue Münzmeister Stadler ver- 
mochte den trostlosen Geschäftsgang nicht zu heben. Im Anfange de» 
Monats April 1646 bewarb sich Johann Conrad Rieht hausen 
um die Üeberlassung der Wiener Münze „sambt allen schlagschatz- 
privilegien und freyer Wohnung auf ein Jahr lang gegen erlegung jähr- 
licher 2000 fl." 

Diese Eingabe wurde von der Hofkammer unterm 28. April 1646 
an den Münzinspektor Peverelli bezüglich Verneinung des Münzmeisters 
Stadler geleitet. In der Aeussemng, welche der Letztere unterm 16' Mai 
1646 abgab, wird hervorgehoben, dass Richthausen seine Anträge zu 
stellen hatte, ehe er, Stadler, durch kaiserliche Resolution zum Münz- 
meister bestellt und beeidet worden war, er verwahrt sich gegen seine 
Entfernung vom Dienste Er betont , dass sich Richthausen über das 
Münzerträgnis täusche und grosse Versprechungen mache, die er dann 
nicht einhalten könne, wie Balthasar Zwirner, der das Amt, mit 30.000 fl. 
Schulden belastet, verlassen musste. 

Stadler beantragt, dass er bereit sei. die Münze gegen Reichung 
eines Sehlagschatzes pr. Mark zu übernemen, „welliches dan die gewöhn- 
liche Reichs- und Münzstetten Manir, nicht aber auf gewisse Jahres- 
paeta, wie solliches ungezweifelt bei einem algemeinen Reichstag wiederumb 
erfrischt, undt einem jeden Münzbefreundten Reichsstandt, seine etwa bey 
lauffendten Kriegswessens eingeführte Ungebür abgestellt werden würdt. u 
Obwol die Silbereinlösung pr. Mark jetzt viel höher als zu Fellners Zeit 
stehe, wolle er durch zwei Jahre pr. Mark fein Silber einen Schlagschatz 
von Vg Reichsthaler, d. i. 45 kr. bezahlen. In dem Bericht vom 8. Juni 
1646 spricht sich auch die Buchhaltern lebhaft gegen Richthausen aus 
und beantragt die Anname des Stadlerschen Vorschlages. 

Mit der kaiserlichen Resolution, ddto. Linz 12. Juli 1646. wurde 
nunmehr an Hanns Jakob Stadler das Wiener Münzamt für zwei Jahre 
gegen Reichung eines Schlagschatzes von 45 kr. für jede vermünzte 
feine Mark Silber überlassen, und unterm 9. September 1647 dieser 
Schlagschatz iu gleicher Höhe auch auf die Mark (iold festgestellt. 
Johann Conrad Richthausen wurde mit der kaiserlichen Reso- 
lution vom 15. September 1646 als Münzmeister iu Brunn für fünf 



14G 

' Jahre und gegen Reichung eines Schlagschatzes von jährlich 600 fl. 
bestellt. 1 ) 

Richthausen scheint in der Umgebung des Kaisers einflussreiche 
Gönner gehabt zu haben, denn schon unterm 26. Jänner 1648 erfolgte 
von Prag aus eine kaiserliche Resolution, dass nach Ausgang der lie- 
standzeit des Münzmeisters Stadler das Wiener Munzmeisteramt dem 
Mährischen Münzmeister Johann Conrad Richthausen iür drei Jahre über- 
lassen we.de. Nachdem von Brunn aus über den Münzbetrieb desselben 
Beschwerden eingelangt waren, erhob die Hofkarumer unterm 20. Juni 
1648 Vorstellung gegen die Uebersetzung nach Wien. Als Erledigung 
erfolgte ddto. Linz 30. Juni 1648 eine neue kaiserliche Resolution, 
welche die Verfügung vom 26. Jänner wiederholte. Mit dem Vortrage 
vom 15. Juli 1648 suchte die Hofkammer Zeit zur Untersuchung der 
gegen Richthausen vorgebrachten Beschwerden zu gewinnen, allein unterm 
20. Juli 1648 erfolgte schon der Auftrag zur „förderlichen Installierung" 
desselben, trotz der gegen ihn vorgebrachten Bedenken. Mit dem ,.ln- 
stallations-Dekret" 4 , ddto. Wien 31. Juli 1648, wurde an Richthausen 
das Wiener Münzamt für drei Jahre „mit N achlas s des gebräu- 
chigen Schlagschatzes" übertragen. Seines Dienstes als Münzmeister 
in Brunn wurde er unterm 31. August 1648 enthoben. 2 ) 

Mit Diplom, ddto. Regensburg 29. Juli 1653, wurde Johann Kourad 
Richthausen zum Freiherrn von Chaos erhoben, und ddto. Wien 
3. März 1655 ei folgte eine kaiserliche Resolution, womit demselben unter 
Berufung auf die Bestellung vom 31. Juli 1648, das Wiener Münzamt „ad 
dies vitae ohne Reichung eines Schlagschatzes' 4 verliehen wurde; im 
Jahre 1659 erfolgte jedoch seine Ernennung zum Oberstkauimergrafen in 
den ungarischen Bergstädten. Johann Conrad Richthausen Freiherr von 
Chaos ist derselbe, der durch sein Testament vom 2. Februar 1663 den 
grössten Teil seines Vermögens zur Erziehung von 60 Waisenknaben 



l ) Als Erträgnis der Mähnsehen Münzstätte hatte der Kentmeistcr Nüster 
nachgewiesen, u. z. 

im Jahre 1*>35 durch die Münzmeister Martin Pritseh und 

Tobias Sonnenschein 94 fl. 45 kr. 

im Jahre 1637 durch Tobias Sonnenschein 342 ., 59 .. 

„ 1639 durch Adam Scheffer 200 „ — .. 

Nusser hatte den Antrag gestellt, die Brünner Münze bei den schweren 
Zeiten au Juden zu verpachten. Die Unternehmer sind bisher alle zu Grunde 
gegangen. 

") Unter dem Münzmeister Stadler wurden im Jahre 1648 nur 886 Thaler 
geprägt, daher Exemplare desselben sehr selten vorkommen. 



147 

bestimmt hatte (die bekannte Chaossche Waisenstiftung). Er starb, 03 
Jahre alt, am 25. Juli 1G63. 

Das Herzschild im Wappen des Münzmeisters Richthausen, später 
Freiherrn von Chaos, zeigt in einem mit dem Mittelpunkt markierten 
Kreise ein Dreieck, dessen Spitze nach unten gekehrt ist. fö\ Es ist 
dieses auch sein Münzuieisterzeichen. Wir finden dasselbe auf sehr 
selten vorkommenden Thaiern vom Jahre 1047 und 1G48. Schuithess 
kannte dieselben nicht. Sie sind Walzenthaler und dem Korne nach 
unverkennbar etwas geringhaltig. Die Vorderseite zeigt das Brustbild 
Ferdinands III., unter demselben in der Umschrift das erwähnte Münz- 
zeichen : auf der Rückseite kommt unter dem Doppeladler ein kleiner 
Schild mit einem einfachen Adler vor. Dieser gab Anlass, dass man 
solche Thaler für Krainer Münzen hielt; allein dem steht die Thatsache 
entgegen, dass damals in Krain keine kaiserliche Münzstätte bestand. 
Aus den oben mitgeteilten Akten geht mit aller Verlässlichkeit hervor, 
dass die in Rede stehenden Thaler Mährische, zu Brunn geprägte Münzen 
sind. Nachdem in den Jahren 1646 bis 1048 Mähren von den Schweden 
okkupirt war, dürfte in der von den Kaiserlichen besetzten Stadt Brunn 
die Münzprägung nur in einem ganz untergeordneten Umfange betrieben 
worden sein, woraus sich auch erklärt, dass Brünner Thaler aus jener 
Zeit so überaus selten anzutreffen sind. 

Unter die ersten, durch Richthausen als Wiener Münzmeister 
geprägten Wiener Thaler gehört ein überaus unschönes Exemplar vom 
Jahre 1049, für welches noch der Eisenschneider Math es Pichler 
den Stempel geschnitten hatte (Schuithess Nr. 328). Dieser Thaler zeigt 
noch die Hammerprägung. Allein in demselben Jahr wurde in Wien die 
Walzenpräguug eingerichtet, denn Thaler und Halbthaler von 1049 zeigen 
nicht nur einen verbesserten Stempelschnitt, sondern auch die Prägung 
durch die Walzenmaschine. Seit dem Jahre 1050, beziehungsweise 
1051, finden sich ziemlieh zahlreich jene Walzenthaler, welche in der 
Umschrift der Rückseite das Wappen der Stadt Wien, darüber 
ein W T , besitzen. 

Die Klarstellung des Verhältnisses der Stadt Wien zu diesen 
Münzen muss ich mir für eine weitere, dem österreichischen Münzwesen 
gewidmete Abhandlung vorbehalten. 



148 



Versuch einer Topographie der verschollenen Ortschaften 

im Viertel unter dem Wienerwalde.*) 

Von Stephan N ei IL 

Adlasdorf. 

Ein Dorf zwischen Leobersdorf und Hernstein, dessen eigentliche 
Lage bisher nicht ermittelt ist, das aber unfern von Lindabrunn, gegen 
Hernstein zu, bestanden haben durfte. 1 ) Keiblinger, welcher durch seine 
Pfarrgeschichte von Leobersdorf, Gainfarn, Grillenberg etc., diese Gegend 
in historisch -topographischer Beziehung so hell beleuchtet hat, nennt 
zwar diese Ortschaft öde , spricht jedoch über deren Lage nicht 
einmal eine Vermutung aus. 2 ) Die älteren Topographen 8 ) führen diesen 
abgekommenen Ort als Adelsdorf an, der 1338 noch urkundlich vor- 
komme, später „durch Kriege vertilgt" worden sei. Zufolge Urkunde 
vom 8. Oktober 1382 vermacht Johanna, Witwe des Grafen Ulrich von 
Pernstein, dem Kudolf von Wallsee Zehente zu Levbesdorf (Leobersdorf), 
Helldolfs (Hölles), Lintaprunu, Adlastorf. Engeschesveld (Enzesfeld neben 
Leobersdorf). Chraymveld (Kleinfeld neben Enzesfeld), Huttenberch 
(Hirtenberg neben Leobersdorf) und Staynabruck. 4 ) Wien am 24. April 
1388 schlössen die Herren Ulrich von Wallsee (Sohn des f Hanns von 
Wallsee-Drosendorf). Heinrich von Wallsee (Sohn des t Friedrich von 
Wallsee-Enns) und Friedrich von Wallsee (Sohn des f Reinpreeht von 
Wallsee-Enns) mit der Abtei Melk einen Leibgedingskauf. Demzufolge 
erhalten die drei Herren von Wallsee auf Lebenszeit alle der Abtei zu- 
stehenden Zehente zu Leubelstorff (Leobersdorf), Huettenberg (Hirten- 
berg), Eissesueld (Enzesfeld), Helldäsch (Hölles), Steinapruck, Adels- 
torf und A r 1 e s t o r f um 1 100 Pfd. Pfg.« welche nach dem Tode der 
drei Leibgedingsinhaber wieder an Melk fallen sollen. 5 ) Wo Ariesdorf lag. 

*) Siehe Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreieh, Jahr- 
gang: 1881. p. 122— 12. ( >, 186— 247. 304-374. wo die verschollenen Ortschafton 
V. T\ M. H. behandelt wurden. 

l ) Man vgl. die folgenden Daten mit jenen, die zu Arlcsdorf eingercihet 
wurden. 

-) Keiblinger. (.»eseh. des Stiftes Melk und seiner Besitzungen IL. 
I. Abteil., p. 591. 

3 > Sehweickhai * Darstellung des Erzherzogtums Oesterreirh u. d.E.. 
I. Abteil. (V. U. W. W.), ß<l. I. p. 5, gestützt auf Huebers Austria ete. und 
Weiskern. Topographie von Niederösterreich L. p. 5. 

*) Notizenblatt der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien I. 375. 

\) Keiblinger 1. e. I. 457. Note 2 und IL 1. 591-592. 



149 

ist nicht aufzuhellen, vermutlieh aber unweit Adelsdorf und in der damals 
weit ausgedehnten Pfarre Leobersdorf; Adelsdorf aber ist ohne Zweifel 
das Dorf, welches unter diesem Namen von Weiskern und Schweick- 
hardt als verschollener Ort im V. U. W. W. und in der Urkunde von 
1382 Adlastorf genannt wird. 

Kaiser Friedrich III. belehnte ddto. Wr.-Xeustadt 30. "März 1465 
Frau Dorothea, Tochter des verstorbenen Andreas Schmidlein und Gattin 
Leopolds von Wulzendorf, mit r ' s Weinzehent zu Krainfeld (Kleinfeld) 
und Adleinstorf, ferner V 6 Zehent zu Lindabrunn, Leubelsdorf (Leobers- 
dorf), Enzesfeld, Hutenberg (Hirtenberg), Wagram (zwischen Leobersdorf 
nnd Kottingbrunn) und am Salhenawerperg (Solenauerberg). 1 ) Steiuabrückl 
und Hölles kommen in Schriften der Abtei Melk von 1514 bis 1534 
als verödet vor, 2 ) wurden aber sodann wieder besiedelt. Um diese Zeit 
dürfte auch Adlasdorf verödet sein und sich nicht mehr erhoben haben. 

Ohne Zweifel sind beide Orte frühzeitig, gewiss im XII. Jahrhundert, 
wenn nicht früher entstanden, denn sie kommen schon im sogenannten 
Falkensteiner Codex °) vor ; ihre Namen sind aber gerade derart, dass 
sie sich einer starken Wandlung in Wort und Schrift leicht fügten. Wie 
beispielsweise heute noch der Volksmund mit Ortsnamen eben nicht 
glimpflich umspringt, 4 ) so that er vor Jahrhunderten desgleichen, wobei 
Urkundenschreiber wacker mithalfen und Ortsnamen nicht selten so 
gedankenlos zu Papier (Pergament) brachten , dass in einer einzigen 
Urkunde ein und derselbe Ort mit drei , vier oder noch mehr ganz 
verschiedenen Namen bezeichnet wird. 

Im Falkensteiner Codex erscheinen nun (als in der Nähe von 
Hernstein gelegene Orte) Arnoltisdorf und Odelansdorf, wovon beide nicht 
mit dem unfern gelegenen Alkersdorf 5 ) südwestlich von Hernstein iden- 
tisch sind, nnd eben diese drei Orte kommen 1377 im Grundbuchs der 
Herrschaft Hernstein als Adnesdorf, Odlesdorf und Alkersdorf vor. Letzteres 
besteht noch, die beiden anderen, nun abgekommenen Orte sind 1388 
wieder gemeinschaftlich, und zwar als Adelsdorf und Ariesdorf beurkundet 



") Ohmel Jos., Regesten K. Friedrich III. (IV.), II. 27<>7. Keiblinger 
i. e. II., I. 599 nnd IL, IL 452. 

*) Keiblinger 1. c. IL. I. p. 624. 

*) Monument, boic. VII. 

*) Statt zahlreicher (wol den meisten Gesehichtsfreumien bekannter) Bei- 
spiele nur eines: Siepmundsherherg (bei Hörn) wird von seinen eigenen Bewohnern 
konsequent „Simashebri" genannt. 

*) Geschildert von M. A. Becker in der Topogr. v. Niederösterreich iL, 
p. 33—34, wo auch Nachrichten über beide abgekommenen Orte zu linden sind. 

Blatt d. Vereinet f. Undesk. 1882. 4-9. U 



150 

(wie schon angeführt wurde), nach 1465, wo Adleinsdorf vorkommt, 
erscheinen beide (so viel ich nachweisen kann) nicht mehr. 

Ariesdorf, Arnoltistorf, 

wurde schon beim Orte Adlasdorf zum Jahre 1388 erwähnt und dürfte 
wahrscheinlich im alten Pfarrbezirke von Leobcrsdorf, gegen Hcrnstein 
oder Piesting hin, gelegen haben. Ariesdorf könnte wol mit Arnoltisdorf 
identisch sein, das schon im XII. Jahrhundert (im sogenannten Falken- 
steiner Codex) beurkundet ist, höchst wahrscheinlich im Dreieck Linda- 
brunn — Hernstein — Piesting lag und und im Ilernsteiner Grandbuche von 
1377 als Adnesdorf neben dem gleichfalls längst verödeten Odlesdorl 
vorkommt. 1 ) Ich hoffe, dass sich noch feststellen lassen wird, wo diese 
beiden Orte ungefähr standen und wie sie sich eigentlich nannten. Für jetzt 
aber lässt sich nur sagen, dass sich in die Namen Arnoltisdorf, Odelans- 
dorf, Adnesdorf, Odlesdorf, Adlasdorf, Adelsdorf, Ariesdorf zwei ab- 
gekommene Dörfer theilten, die unweit Leobersdorf und Hernstein be- 
standen haben. 

Bernhardsthal 

lag nahe der Matzlcinsdorfcrlinie, ausser der Wiener Vorstadt Matzleius- 
dorf, ungefähr in der Gegend des protestantischen Friedhofes, gegen 
Meidling hin. Ein Bernhardsthal, wo Klosterneuburg Besitz erlangte, 
kommt wol schon 1171 vor, es lässt sich aber schwer erweisen, oh 
Bernhardsthal bei Feldsberg 2 ) oder aber der Ort gleichen Namens bei 
Matzleinsdorf 3 ) gemeint ist. Ortolf von Waidhofen, ein Lehensmann 
Ekberts von Perneck, hatte dem Stifte Klosterneuburg tauschweise ein 
Grundstück, genannt Pernhartestal. überlassen, wogegen sein Stiefsohn 
Manegold protestierte. Herzog Heinrich II. entschied aber am 31. März 
1171 in öffentlicher Gerichtsverhandlung zu Gunsten Ortolfs. 4 ) Als 
Wernhersthal ist es 1343 beurkundet. 5 ) In Folge der türkischen Invasion 
verödete es 15*29 und wurde nicht mehr aufgebaut. 

Wissgrill Ö J bemerkt : Das öde Bernhardsdorf und Matzleinsdorf habe 
Johann Freiherr von Listv von seinem Vater Johann (der als Witwer 

') Vgl. Adlasdorf. 

a ) So vermutet M. A. Becker 1. c. II. p. 165. 

8 ) Wie K. Weiss in seiner Topogr. der Stadt Wien (1876) p. 26 annimmt. 

4 ) Fischer, Schicksale von Klosterneuburg II. 62, Nr. 117 und Fontes 
1. c. IV. 349. 

*) K. Weiss 1. c. 26, wo es irriger Weise als eine von Bernhardsthal 
verschiedene Ortschaft augeführt wird. 

•) In der Fortsetzung seines Werkes in der Zeitschrift „Adler" II. p. 35. 



151 

Priester, schliesslich Bischof von Veszprim wurde und 1578 oder 1579 
starb) au sich gebracht. Entweder sollte es hier statt Bernhardsdorf 
richtiger „ Bernhai dsthal k< heissen, oder aber das Dorf „ Bernhardsdorf u 
lag „im Bernhardsthal-, wie dies z. B. nachweisbar mit dem abge- 
kommenen Blind eudorf im Blindenthai bei Mannswerd der Fall war. Die 
Urkunde von 1343 wird jedenfalls die letztere Ansicht rechtfertigen, 
bezieht sich aber keineswegs auf ein Dorf Wernersthal, wie vermutet 
wurde, 1 ) sondern auf Bernhardsthal. 

Als Pfarrer von Heiligenstatt kommt von 1253 — 1258 ein Leopold 
vor. Im Jahre 1253 (o. T., Wien) tritt derselbe als Zeuge auf, da von 
Seite des deutschen Ordens mit dem Stifte Klosterneuburg ein Tausch 
verbrieft wird, und nennt sich dabei Leopold von Pereuharsthal, Pfarrer von 
Heil igen statt, sonst aber kommt er nur einfach als Leopold, Pfarrer von 
Heiligenstatt, urkundlich vor. 2 ) Von welchem Beruhardsthal er sich be- 
nannte, ist unbekannt, nur erfahren wir, dass er ein eifriger Pfarrherr 
war, von dem Propst Conrad 11. von Klosterneuburg 1256 schrieb: „Daz 
er verdient manichvaltichleich den ebigen Lon." 

Blindendorf. 

Ueber dieses Dorf hat bereits Dr. Ferdinand Schranzhofer in 
den Blättern des Vereines für Landeskunde. XV. 248 — 249, einige Mit- 
teilungen veröffentlicht, die besonders deshalb beachtenswert sind, weil sie 
aus Quellen geschöpft wurden, welche dem Geschichtsforscher bislang 
nur selten zugänglich waren, nämlich aus herrschaftlichen Archivalien! 
Aus Schranzhofers Angaben erfahren wir nun genau, wo der Ort sich 
befunden 3 ) und wann er (1529) zu Grunde gieng. Ueber dessen ältere 
Schicksale möge nur noch das Wenige, was ich beizubringen vermochte. 
augefuhrt werden. Vor allem ist da zu bemerken, dass der Ort wol im 
„Bliudenthal** bestanden, keineswegs aber Blindenthai. sondern Blinden- 
dorf geheissen habe. Letzterer Name kommt schon 1083 im Stiftlingsbriefe 
der Abtei Göttweig vor, 4 ) bezieht sich aber auf Blindorf bei Pvhra im 
Gerichtsbezirke St. Polten. Ein Blindendoif findet sich übrigens noch 
jetzt bei Neunkirchen, ein anderes bestand im V. l\ M. B. bei Maisbier- 



*) Vgl. Note 5 ? pag. 150. 

*) Fischer. 1. c. II. 228. 229. 231. 232. 23f). 23«. ferner Fontes 1. I? . 
X. 9. 11. 

s ) Dessen Lage wird anschaulich durch einen Blick auf die Administrativ - 
karte, Sektion 79. 

4 ) Fontes 1. c. VIII. 251. Blindindorf. 

11* 



152 

bäum und wurde schon von mir namhaft gemacht. 1 ) Das 1529 von den 
Türken zerstörte nnd nicht mehr besiedelte Blindendorf, dessen Grund- 
stücke seither zu Mannswerd gehören, grenzte an Schwadorf, Klein-Neu- 
siedl, Fischaraend. Poigen (öde), Manswerd und Gr.-Schwechat. Südlich 
von Blindendorf dürfte das verschollene Mirmitz zu suchen sein. Ueber 
das Alter des Ortes kann ich nur angeben, dass derselbe zwar erst (so 
viel ich feststellen kanni 13*2<> beurkundet, aber aller Wahrscheinlichkeit 
nach weit älter ist. wie ja alle Orte in jener Gegend sehr alt sind. 

Albrecht Haidel und Agnes, seine Hausfrau, verkaufen 1326 (Wien» 
22. Juli) um 8 Pfd Pfg. ein halbes Feldlehen zu Blindendorf an Ulrich 
den Pronner und Liehhart. Sohn des Lindner von Peugen.*) Die Käufer, 
welche nicht fähig waren. Eigen zu besitzen, widmeten die Eigenschaft des 
Lehens zugleich dem Frauenalter der Wiener Burgkapelle. 

Dietrich der ältere, von Weissenberg, hatte von Hartneid von Pilich- 
dorf einen Feldzeheut auf sechs Leheu zu Piintendorf bei Peugen. welcher 
ein landesfürstliches Lehen war. gekauft. Am 19. März 1340 (Wien) 
gab der Käufer dem Herzog Albrecht IT. die Lehenschaft auf. 

Herzog Albrecht V. gab circa 1430 seine Zustimmung, dass Ritter 
Conrad von Stickelberg seinem Vetter Hanns (Sohn des verstorbenen 
Lienhart) von Stickelberg, der noch minderjährig sei, verschiedene 1. t. 
Lehenstücke vermachte, darunter zu Piintendorf bei Peugen V., des 
Getreidezehcnts. zu Nieder-Lanzendorf (bei Maria-Lanzendorf) i i i Wein- 
und Getreidezehent u. dgl. in. Hanns von Stickelberg wurde dann auch, 
etwa 1432. vom Herzoge mit den ererbten Lehenstücken belehnt, wie 
mit einem Hole zu Mannswerd, mit Zehenten zu Peugen und Mannswerd nebst 
dem dritten Teile des Oetreidezehents .,zu Plinttendoif bei Pewgen". 3 ) Die 
Familie Stickelberg war bis zur Abödung Blindendorfs (1529) daselbst 
begütert. König Ladislaus belehnte 1455 (Wien. 1 1. December) obgenannten 
Hanns mit dem dritten Teile des Getreidezehcnts zu Piintendorf bei 
Peugen und den übrigen I. f. Lehensstücken zu Mannswerd. Peugen 
11. s. w. 4 ) 

Zugleich mit Blindendorf gieng auch das altösterreichische Ritter- 
geschlecht von Stickelberg, vorerst im Maunsstamme, zu Grabe. Leopold 

1 ■■ Blätter des Vereines für Landeskunde von Nicderösterr. XV. Jalirg 
p. 1W» f. 

J ) Berichte und Mitteil, des Wiener Altert.- Vcr. VI.. 143 Reg. Nr. 15, 
wo aber statt Pronner Prvnner und statt Peugen Prveii steht. — Blätter des 
Vor. für Lumleek. II. HS. Reg. Nr. 10. 

3 > Notizenblatt der kaiserl. Akad. der Wissenseh. IX. '207 ? 284. 

4 ) Li»rhnowsky 1. e. VI. 2057 f'alier ungenau): Fontes 1. c. II. 80— Kl. 



153 

von Stickelberg, der letzte männliche Sprosse seines Hauses, wurde am 
11. September 1527 von Kaiser Ferdinand I. mit Plintendorf, Rauhen- 
wart, Lanzendorf. Enzesdorf bei Brunn, Grillenberg, Kirchberg und Stetten 
belehnt. 1 ) Er starb bereits gegen Ende des nächsten Jahres 1528 mit 
Hinterlassung einer Witwe, Rosina, und einer einzigen Tochter. 2 ) 

Chogelbrunn. 

Ein nicht unbedeutendes Dorf im dermaligen Gebiete der Gemeinde 
Weidling, auf dem Hermannskogel nahe dem „Agnesbründl" :{ ) und dem 
dortigen Jägerhause, mithin im östlichen Grenz winket der Gemeinde Weidling, 
gegen Grinzing hin. Vom nahen Kogel, dem sogenannten Hermannskogel, 
und einer der dortigen „Brunn<jUellen M hatte dieses längst eingegangene 
Dorf seinen Namen erhalten. Die Ansiedlung selbst möchte ich den 
Babenbergern, aber kaum vor Ende des XII. Jahrhunderts zumuten. Im 
Salbuche des Stiftes Klosterneuburg kommt der Ort nicht vor, was um so 
mehr überrascht, da wir wissen, dass in demselben alle Ortschaften im 
Umkreise von zwei Wegstunden um das Stift namhaft gemacht werden 
(mit alleiniger Ausname des erst in neuerer Zeit entstandenen Josefdorf) 
und Chogelbrunn von letzterem kaum eine Wegstunde entlegen und oben- 
drein ein grösseres Dorf war. Es dürfte daher etwa hier erst um 1200 
eine Ansiedlung von Seite der Grundherrschaft, nämlich den Babenbergern 
(als den Besitzern dieser Gegend), 'begründet worden sein. Sei es wie 
immer, 1231 ist Chogelbrunn schon ein grösseres Dorf und Eigentum 
des Herzogs Heinrich von Medling und wird von diesem um die, für damals 
bedeutende Summe von 200 Pfd. Wr. Plg. dem Stifte Klosterneuburg 
verkauft; Herzog Friedrich 11. gab gleichzeitig zu diesem Besitzwechsel, 
der zugleich ein«' fromme Gabe, also ein eigentlicher Gnadenkauf «zu 
einem Vorzugspreise) war, seine Einwilligung. 4 ) 

Herzog Heinrich starb schon im nächsten Jahre und Chogelbrunn 
sollte jetzt dem Stifte zufallen : Herzog Friedrich aber zog es eigenmächtig 
an sich und gab es zeitlebens nicht mehr heraus, ohwol Bischof Ekbert 
von Bamberg (in seiner Eigenschaft als Reichsverweser in Oesterreich) 
zufolge Urkunde, ddto. Wien. 1. Juni 1237, d.»m Stifte Klosterneuburg 

") Archiv für Kunde «interr. <n'seh.-(Juell.Mi XXVIII. 31."). Note 1. 

2 ) Archiv 1. «. XXVIII. 215, 21«;. 

8 ) Auch Jungfern- und (irriger Weis« 4 » Sievriuger Hründl genannt, da es 
doch im Bereiche von Weidling sich befindet. An diese (Juelle knüpfen sieh viele 
Siigen. 

') Fischer 1. o. I. p. 97— ?W. II. p. 187. - IV*. Cod. dipl. histur. 
1. e. II. p. 75. 



154 

das Dorf ChogelprunnI als rechtmässigen Besitz zusprach. 1 ) Herzog 
Friedrich starb i24r>. und Heinrichs Tochter Gertrud* 1 behielt Ohogel- 
brunn gleichfalls für sich, verkaufte es aber alsbald an Heinrich von 
Liechtenstein. Gertrude. welche mittlerweile die Gemahlin des Markgrafen 
Hermann von Baden geworden war, befand sich mit letzterem 1249 im 
Kahlenbergschlosse. Probst Conrad begab sich dahin und stellte der 
Herzogin vor. dass schon Herzog Friedrich durch die Vorenthaltung des 
Dorfes Kogelbrunn das Stift beeinträchtiget habe, da er doch klar beweisen 
könne, dass er dasselbe mit Herzog Friedrichs Zustimmung vom Herzoge 
Heinrich erhalten habe. Zufolge Urkunde, ddto. Kahlenberg am 23. Mai 
1249, anerkannte zwar Gertrude die Rechtmässigkeit der Ansprüche des 
Propstes Conrad von Klosterneuburg und entschuldigte sich und ihren 
Gemahl über die Besitznahme damit, dass sie in dieser Sache nicht 
gehörig berichtet gewesen, versprach auch, dass sie bei besseren Um- 
ständen dieses Dorf von Heinrich von Liechtenstein wieder einlösen und 
dem Stifte zurückstellen würde, womit sich der Propst zufrieden gab. 2 ) 
Bessere Umstände tiaten aber keineswegs ein, und so schien sich die 
endliche Erlangung Kogelbrunns in weite Ferne zu ziehen, denn am 
4. Oktober 1250 starb Markgraf Hermann, und seine Witwe vermählte 
sich mit Hei zog Roman von Reussen, gab aber Kogelbrunn dem Stifte 
noch immer nicht zurück, sondern liess Heinrich von Liechtenstein auch 
weiterhin in dessen Besitze. 

Nun wandte sich der Propst in dieser Angelegenheit an den Papst 
Innocenz IV. (reg. 1243 — 1254). der sich auch in anderen Angelegen- 
heiten des bedrängten Stiftes eifrig angenommen hatte. Am 5. Juli 1253 
fertigte er zu Assissi zwei Bullen ans : in der ersten ermahnte er den neuen 
Herzog von Oesterreich. Ottokar von Böhmen, und seine Gemahlin Maiga- 
retha, sie möchten dafür sorgen, dass Heinrich von Liechtenstein dem Stifte 
Klosterneuburg das vorenthaltene Dorf cogelbrunn übergeben werde ; 3 ) die 
zweite ist an Ottokar's Vater, König Wenzel von Böhmen, gerichtet, welchen 
der Papst ersuchte, er möge seinen Sohn zur Schlichtung besagter An- 
gelegenheit ermahnen. 4 ) Sechs Tage später, am 11. Juli, beauftragte der 
Papst den Bischof von Freising, dass er Heinrich von Liechtenstein und 
überhaupt diejenigen . welche dem Stifte Klosterneuburg Besitzungen 
entzogen haben, durch Kirchenstrafen zur Zurückstellung zwinge. 5 ) Zwar 

'» Fischer 1 ••. II. 195. 
*) Fi seh er 1. c. II. 207. 
3 ) Fischer I. c II. 233. 
A ) Fischer 1. c H. % J24. 
*) Fischer 1. c. IL 225. 



155 

hatte Papst Innoeenz IV. schon am 27. Juni 1252 von Perusium 
aus dem Bischöfe von Freising den Auftrag ertbeilt, ') das dem Stifte 
Klosterneuburg vorenthaltene Dorf ,.Chogelbrunnen u vonGertrude zurückzu- 
fordern und es dem Stifte hernach anheim zu stellen, allein damals blieb 
der päpstliche Befehl unerfüllt, denn Gertrude hatte ja schon vor Ende 
des Jahres 1250 Oesterreich verlassen und dieses nunmehr, 1252, bevor 
des Papstes Schreiben im Lande eintraf, einen neuen Herrn bekommen, 
nämlich Ottokar von Böhmen, welcher schon Ende November 1251 
hierher gekommen war. Dieser scheint nun doch auf den Liechten- 
steiner, der wol auch den in nächster Aussicht stehenden Kirchenbann 
fürchtete, irgend wie eingewirkt zu haben, da er das Dorf zwar keines- 
wegs dem Stifte gab, sich jedoch desselben entäusserte. 125(5 finden 
wir ps im Besitze des österreichischen Truchsessen Albero von Feldsberg, 
ohne dass wir sagen können, auf welche Weise es dieser an sich gebracht 
hatte. Das Stift mochte des langen und kostspieligen Besitzstreites wo] 
schon müde geworden sein, und da sich der Feldsberger einem Vergleiche 
geneigt zeigte, so giengen beide Teile am 22. Mai des Jahres 1250 
einen Vertrag ein, demzufolge Albero von Feldsberg das Dorf ..Chogeln- 
prunne 1, dem Stifte gänzlich abtrat, dieses ihm dafür aber verschiedene 
Weinzehente und Bergrechte von Weingärten zu Pirchenwart (bei Gauners- 
dorf} und Nussdorf (a. d. Donau) auf Lebenszeit erliess. Nach seinem 
Tode sollten seine Erben diese Giebigkeiten dem Stifte wieder entrichten, 
wie vor Abschluss des Vertrages. 2 ) 

Am 2. December 1201 bestätigte König Ottokar dem Stifte durch 
zwei Urkunden den rechtmässigen Besitz dos Dorfes „Chogelprunne", 
wovon besonders die grössere merkwürdig ist weil die 03 Zeugen der- 
selben mit seltener Genauigkeit; in fünf Rangstufen angeführt werden, 
und zwar der Reihe nach 8 Geistliche. 13 Ministerialen, 7 Ritter, 22 
Knappen und 13 Bürger. 3 ) Es erscheint aber trotzdem zweifelhaft, ob 
das Stift den Ort „Ohogelbrunn" grösstenteils und als Eigen besass. Im 
Rationarium Austriae bei Adrian Rauch 4 ) kommt derselbe (c. 1270) 
vor, und es heisst, er bestehe aus 24 V a Lehen nebst einem Hofe, und 
werde von dem Propste von Klostemeuburg besessen, woraus abzu- 
nemen ist. dass der stiftliche Besitz zu „Chogelbruun u damals ein 1. f. 
Lehen war. Nach dem von Jos. Ohmel herausgegebenen 5 ) Rationarium 

M Fischer 1. e. II. 217. 

u > Fischer 1. e. 1. 114, U. 231. 

n ) Fischer 1. e. II. 247. 

4 ) Fi seher 1. e. II. 1!*0 und Fontes 1. «. X. 13. 

*> Noti/.enblatt 1. c. V. 336. 

«• 



156 

(von c. 1275) bezog der Landesfürst von jedem der 24 Lehen jährlich 
3 Metzen Weizen, vom Halblehen l 1 /^ Metzen, von der Mühle 30 Pfg., 
von Hofstätten 12 Schill. Pfg. Der Hof aber diente 5 Metzen Sommer- 
und 5 Metzen Winterweizen. Im Jahre 1314 verpfändete Herzog Friedrich 
(der Schöne) an Vier seiner Getreuen für geleistete Kriegsdienste l ) einen 
Theil dieser Bezüge aus „Chogelbrunn \ wie folgt: An Engelbrecht von 
Liebeuberg (für schuldige 00 Pfd. Pfg.) 4 Metzen Weizen, ebensoviel 
an Eberhard von Tanpruk (für 57 Pfd. Pfg.), ferner 7 Metzen an Ulrich 
von Ruchendorf (für 100 Pfd. Pfg.), an Ritter Ghadolt (von Wehing?) 
aber S% Lehen (für 100 Pfd Pfg.). Die Brüder Ulrich und Dietrich 
von Wolfkersdorf 2 ) besassen einen Hof zu „Chogelprunue", den sie am 
23. April 1281 zu Wien um 15 Pfd. Wr. Pfg. ihrem Vetter Hermann 
von Ulreichskirchen verkauften. Dieser überliess ihn noch an demselben 
Tage zu einem ermässigten Preise, um nur 10 Pfd. Wr. Pfg., dem 
Stifte Klosterneuburg. 3 ) weicht* Summe der Stiftsamtmann zu „Chogel- 
brunn u , Ulrich, sogleich erlegte. 

Letzterer ist wol noch jener Herr Ulrich von Choglprun, der laut 
Stiftsurbar von 1258 von seinem Hof zu Pirawart (bei Gaunersdorf) jähr- 
lich zu Michaeli 30 Pfg. diente. 4 ) Wenn auch die stiftlichen Besitzungen 
zu Chogelbrunn in diesem Urbare (von 1258), welches übrigens unvoll- 
ständig ist, nicht vorkommen, so scheint das Stift doch schon 1256, 
nach dem Vergleiche mit Albero von Feldsberg, für Chogelbrunn einen 
dort sesshaften Mann, eben jenen Ulrich, als Amtmaun bestimmt zu 
haben, wodurch es erklärlich wird, dass er in Pirawart, wo damals das 
Stift alleiniger Lehenshen war, 1258 einen Hof inne hatte. Ulrich, 
obwol Herr genannt, war übrigens, wenn überhaupt adelig, kaum mehr, 
als jener Gerung von Ohogelnprunne, der am 5. Juli 1248 die Urkunde 
des Grafen Leutold von Hardeck mitbezeugt, wodurch dieser dem Stifte 
Klosterneuburg das Dorf Höflein an der Donau käuflich überlässt. 5 ) Gerung 
von Chogeluprnnl war aber nach der (allerdings nicht immer den Aus- 
schlag gebenden) Stellung seines Namens in dieser Urkunde nur ein 
Knappe und als solcher wahrscheinlich in Diensten des Stiftes stehend. 

Ueber das Verkommen des Ortes schreibt Max Fischer: „Im Jahre 
1346 war dieser Ort noch vorhanden, muss aber bald darauf* oder doch 

') Am Kliein: die Belage im Archiv 1. e. II. p. 550, 551, 552. 

*) Im V. U. M. B. und jetzt fälschlich Wolkersdorf (statt Dorf Wolfkens) 
genannt. 

8 ) Fontes 1. c X. Ti und Fischer 1. c. 2H0. 

4 ) Fontes 1. ,-. XXVIII. 13«. 

6 ) Fischer I. c II. *)7. 



157 

zu Ende des XIV. Jahrhunderts zu Grunde gegangen sein, denn vom Jahre 
1521 findet sich ') ein Meldzettel eines Waldknechtes, in welchem er an- 
zeigt, dass der Wald, welcher auf der Stelle, wo einst das Dorf Chogelbrunn 
sich befand, herangewachsen, jetzt schon im schlagbaren Zustande sei.** 2 ) 
Indessen, um 1521 schlagbar zu sein, musste dieser Wald keineswegs 
seit dem Ende des XIV. Jahrhunderts bestehen, hiezu genügten 30 — 40 
Jahre vollkommen, immerhin aber durfte mit einiger Bestimmtheit sich 
annehmen lassen, dass Kogelbrunn, welches, nebenbei gesagt, 1417 noch 
aufrecht war, iu den unruhigen Regierungsjahren Kaiser Friedrichs III. 
(1440 — 1493), etwa 1484, durch die Cngarn zerstört wurde. Ein Teil 
des ungarischen Heeres unter dem Befehle des königlichen Feldhauptmannes 
Tobms von Boskowitz und Cemahora durchzog am 5. November 1484 
die Gegend von Grinzing bis Ottakring, vertrieb die mit der Weinlese 
beschäftigten Landleute, zerschlug deren zurückgelassene Fasser und 
Bottiche, plünderte die Häuser und zündete mehrere der letzteren an. 3 ) 
Vielleicht gieng bei diesem Raubzuge auch Chogelbrunn in Flammen auf 
und ward nicht mehr aufgebaut. 

Aber 1417, war es. wie schon erwähnt wurde, noch (wenigstens 
teilweise) aufrecht. Es erhellt dies aus zwei Regesten. 4 j Zu Wien, 19. Januar 
1404, bewilligte Herzog AlbreHit IV.. dass Ritter Martin von Vaübach 
sein von ihm zu Lehen erhaltenes Dorfgericht zu Heuthal 5 ) nebst einigen 
Gülten daselbst und zu Kugelbrunn (?) für den Fall erblosen (d. h. kinder- 
losen) Ablebens dem Nikolaus von Scheuerbach vermache. Letzterer 
war ein Bruder der Hausfrau Anna des Martin von Fallbach, welche 
ihren Gemahl kinderlos lies«. Dieser war schon vor dein 10. März 1412 
gestorben, weil an diesem Tage Herzog Albrecht V. den Nikolaus 
Scheuerbeck mit dem Dorlgerichte und 7 Muth Weizengülte zu Chogel- 
brunn, etc. belehnte, welche Besitzungen durch Ableben Mert des Vall- 
baeher's an ihm gefallen waren/') Dem Scheuerbeck kam diese Erbschaft 
»*ben gelegen, da er geldbedürftig war: für ein Darlehen von 1()() Pfd. 
Pfg. verpfändete er die Weizengülte zu Chogelbrunn dem Ritter Burkhart 
von Wartenfels. Dieser trat dann am 23. August 1417 diese Gülte gegen 
Empfang von 100 Pfd. Pfg. dem Herzog Albrecht V. ab. 

Weiter konnte ich über Chogelbrunn Nichts bestimmtes nachweisen. 

"i WoV Im Stiu.sar.-lnv.' V 

*) Fischer I. c. II. l«l. 

8 ) Kiivhl. Topngr. I. Bd.. 2. Tl. p. 2<>- 21. 

*) Aus Lichnowsky 1. c. V. 58«; u. 1732. 

b ) Oede. bei Lau an der Thaya. 

«) Lichnowsky 1. .;. V. 128«. 



158 

Nach Angabe der Kirchliehen Topographie, Band I, 1. Teil p. 141 - 142. 
wurde früher (um 1815) das schon erwähnte „Agnesbrünndl" nächst 
dem abgekommenen Kogeibrunn am Hermannskogel auch „Kogelbrünndl" 
und „Hermannsbrünndl* genannt. 

Chlaitzing. 

Jetzt eine Weingarten ried zwischen Sievring und Neustift am Walde. 
Ueber die Ortschaft Chlaitzing enthält, so viel ich mich bisher orientierte, 
keine der gedruckten Urkunden eine Andeutung, es ist in solchen stets 
nur von Weingärten zu Chlaitzing die Sprache. 

Pitrolf von Tuln, Bürger von Wien und derzeit Kammergraf, und 
seine Hausfrau Mechtild vermachten 1298 (Wien, 21. December) den 
Siechen beim heil. Kreuz in W T ien ihren guten Weingarten zu Chlaitzinge, 
gelegen neben einem Weingarten des Wiener Bürgers Heinrich Haar- 
markter, der lVj, Joch gross ist und den sie sich lebenslänglich zum 
Fruchtgenusse vorbehalten. l ) 

Das (noch ungedruckte) Dienstbuch des Wiener Bürgerspitales 
von 1326 nennt Bergrechtsbezüge von Chlaitzing, Als. Petzleins- 
dorf, etc. *) 

Jacob Poll. Kaplan der Wiener Rathhauskapelle, hatte zu derselben 
zwei Weingärten in Chlaitzing erkauft. Herzog Albrecht bestätigte diesen 
Ankauf 1353, Wien, 15. Juni. 3 ) 

Dem ältesten Zehentregister des Stiftes Klosterneuburg, geschrieben 
1355 (leider nur auszugsweise veröffentlicht!), entnehmen wir folgende 
Stelle : 

XXXIII. In Chlaitzing. 

Henricus in der Schefstrazz I iug. 4 ) 
Thomas von (sie) Ysper I iug. 
Perhtoldus Polio I iug. 5 ) 
Hospitale Civium I iug. 6 ) 



1 ) Ber. u. Mitteil, des Wiener Altert.-Ver. II. p. 218, Nr. 21 eiu unge- 
nügender Auszug. Vollst. Notizenblatt 1. c. IV. (Jö. 

2 ) Altniann. Das Wiener Bürgerspital p. 12. 

s ) Altert.-Ver. 1. c. II. j». 222. (Ungenügend ; der Name des Verkäufers. 
Grösse und Preis der Weingärten ist nicht angeführt.) 

4 > Bürger von Wien. 

5 ) Sohn des vor 1853 gestorbenen Wiener Bürgers Berthold Poll. Dieser 
jüngere Berthold war 1355 von mehr als acht Joch Weingärten, allein in der 
Nähe Klosterueuburgs, dem Stifte zehentpfliehtig. 

e ) Das Bürgerspital in Wien. 



159 

Dne. de s. Jacobo I jug. ') 
Cappellanus de Ottenhaim I jug. 2 ) 
Relicta Pertholdi Poll V quart. 3 ) 
Dni. Theutunici I jug. 4 ) 
Plebanus de Süfring I quart. 5 ) 

Im Ganzen bezog also 1355 das Stift Klosterneuburg von 8 1 /* Joch 
Weingarten zu Chlaitzing den Zehent. 

(rundaker von Polheim verkaufte 1357 (Wien, 28. April) an Jacob 
von Eslarn Weingärten zu „Chlaizingen". 6 ) Der Wiener Burger Heinrich 
Messerer verkaufte 1379 (Wien, 8. Juni) um 120 Pfd. Pfg. einen 
Weingarten zu Chlaitzing an die Wiener Rathhauskapelle. 7 ) 

Thomas Ackermann und Nikolaus Fleischhacker von Grinzing 
erhielten 1457 (Wien, 1. April) von Heinrich Senftleben, Gaplan der 
Wiener Rathhauskapelle, im Namen der letzteren einen Weingarten zu 
„Klaitzing" als Leibgedinge. 8 ; Am nämlichen Tag verpachtete derselbe 
Kaplan zwei Weingärten, gelegen zu „Klaitzing u und Sievring, auf 
zehn Jahre an Thomas Pechmayer zu Cnter-Sievring, Mathias Achtsein- 
nicht und Oswald Tultsch zu Döbling. 

Weiter konnte ich den Namen Chlaitzing nicht verfolgen , doch 
vermute ich. der Ort sei schon zu Anfang des XIV. Jahrhunderts, 
wenn nicht noch früher, eingegangen. Im Jahre 1330 war Chlaitzing 
nicht mehr aufrecht, dagegen taucht in dessen unmittelbarer Nähe ein 
neues Dorf auf „die Newstift*. Vor dem 24. April 1330 finde ich 
das letztere nirgends beurkundet, an diesem Tage aber verpflichten sich 
die Vertreter der vier Nachbargemeinden Ober- und Nieder-Suferingen 
(Sievring), Newstift und Salmandorf (darunter Berchtold an der Newstift) 
zur Entschädigung ihres Pfarrgotteshauses zu Heiligenstatt, da ihnen 
die Errichtung einer Kapelle (sie w r ar 1348 schon Pfarrkirche) im 
Dorfe Ober-Sievring war gestattet worden. Ich bin überzeugt, Chlaitzing 

l ) Das 1783 aufgehobene Chorfrauenstift zu St. Jacob in Wien. 

*) Nämlich Jakob Poll, seit 1342 und noch 1379 Kaplan der Wiener 
(Ottenhaimo-) Hathhauskapelle. Hier sind wol die beiden obenerwähnten Wein- 
gärten gemeint. 

3 ) Die Witwe ile« älteren ttertold Poll. 

4 ) Der deutsehe Ritterorden. 

*j Sievrinp wurde 1330 Pfarrort, der erste urkundlich bekannte Pfarrer 
kommt 1348 und 1349 vor: er hiess Jakob Mediaer. Vgl. Fontes 1. c. X. p. 23f>, 
325. 327. Bezüglich Chlaitzing, Fontes 1. e. XXVIII. p. 189. 

•) Orig.-Perg. im ständischen n. ö. Archiv, Nr. 511. 

r ) Altert.-Ver. 1. e. II. 225. 

•) Altert.-Ver. 1. e. II. 226. 



160 

lag zwischen den beiden Sievring, Salmansdorf und Neustift; als 
Chlaitzing in Abuahme kam, scheint Neustift erst besiedelt worden zu 
sein , ja dieses könnte ganz gut das auf einer andern Stätte neu 
gestiftete Chlaitzing sein, das in herkömmlicher Weise den alten 
Namen seinen Grundstücken überliess und sich nun Neustift nannte. 
Wäre Chlaitzing 1330 noch vorhanden gewesen, so würde es in jener 
Urkunde genannt sein, da es gewiss auch der Pfane Heiligenstatt zu- 
geteilt war. 

Von Chlaitzing führte eine alte Familie den Namen. Im Jahre 1312 
beurkunden „Hainrich genant von Chlaitzing vnd ich Hedbeich sein 
swester - , dass sie der Abtei Heiligenkreuz Schill. Pfg. Gülten zu 
Peisdoif (Paasdorf), die ihr rechtes Eigen sind, verkaufen und ver- 
bürgen sich diesbezüglich mit ihrem Hofe zu Pusemperge (Bisamberg), 
„der da haizzet des Heinriches hof von chlaiczziug u ') 

Heinrich der Chlaitzinger und seine Hausfrau N. verkauften 1333 
(Hadmarsdorf bei Korneuburg, 1. November) dem Frauenkloster zu 
Tuln um 5 1 /* Pfd. Pfg. Gülten und einen Waldanteil zu Molmansdorf 
(jetzt Mollmannsdorf, bei Würniz). 2 ) 

Heiligenkreuz erhielt 1333 (Wien, 2(>. Februar) von Stephan dem 
Chrigler für eine Jahrtagstiftung dessen Weingarten, „der da leit ze 
Chlaitzingen, dez ein halbs Jevch ist u , gekauft von Peter Wisent und 
an seinen (Chriglers) Weingarten, genaunt der Jude, anstossend. a ) 

Chotzdorf. 

Dieses Dorf lag nahe der Stadt Wr.-Neustadt, nicht weit von 
Chatzelsdorf, mit dem es aber keineswegs identisch ist. Das öde Sunzen- 
dorf, von dem später mehr gesagt wird, muss ganz nahe bei Chotzdorf 
bestünden haben. Das Gültenbuch von Heiligenkreuz (aus dem Jahre 
1293—94) meldet: „In Chotzdorf et in Svntzendorf habenius XIIj. 
mansum de quibus IV ür soluunt quilibet VI. sol. et X den. Mich. Item 
unus mansus XXXVI. .den. Reliquorum quilibet solnit LXXX den. 41 4 ) 
Gewiss waren diese beiden Orte benachbart und am linken Leithaufer 
(Sunzendorf wenigstens) gelegen. Von den genannten Mansen lagen 
die vier ersten in Chotzdorf, wie aus jener in vielfacher Beziehung 
bemerkenswerten Urkunde vom 21. Juni 1321 hervorgeht, mittels 

r ) Fontes 1. c. XVI. p. 38 Nr. 42 ohne Datum und Ort. doch sicher zu 
Korneuburg ausgestellt, weil von der Stadt und mehreren ihrer Bürger bezeugt. 
-) Kerschbauiner, Geschichte der Stadt Tuln p. 354. Keg. Nr. 2*20. 
s ) Fontes 1. c. XVI. p. 15(>. Nr. 152. 
*) Gsell, Gültenbuch von Heiligenkreuz p. IG. 



161 

welcher Abt Otto von Heiiigenkrenz für 250 Pfd. Pfg. 30 Pfd. Gülten 
an Herrn Leb den Brunner und seinen Sohn Eberhard, Bürger von 
Wr.-Neustadt, verkauft. M 

In der genannten Urkunde lesen wir : Chunrat Chotstorfer zu 
Chetzleinsdorf (dient) 95 Pfg., 15 Eier und 1 Huhn jährlich zu Michaeli 
von einem Halblehen in Cho(t)sdorf ; Ulrich, d^r Aidem (Schwiegersohn) 
des Summers, sesshaft bei dem Neunkirchner Burgtor (zu Wr.-Neu- 
stadt) auch 95 Pfg., 15 Eier und 1 Huhn von einem Halblehen zu 
Chosdorf; Gertraud, die Egeltichin, die ebenfalls beim vorgenannten 
Tor wohnt, von einem Ganzlehen zu Chostorf 6 Schill. 10 Pfg. (190 Pfg.), 
30 Eier und 1 Huhn: Niklas n vnd sein gemainer(?) u bei St. Ulrich- 
Burgtor 6 Schill. 10 Pfg., 30 Eier und 2 Hühner von einem Ganz- 
lehen zu Chostorf: der Rüpel bei St. Ulrich (Wr.-Neustadt) von einem 
Halblehen in Chostorf 3 Schill. 5 Pfg. (95 Pfg.), 15 Eier und 1 Huhn; 
die Hortin hinter den vier Türmen (zu Wr.-Neustadt) von einem Halb- 
lehen in Chostorf ebensoviel wie Rüpel. Es waren also noch dieselben 
Geld-Dienste von vier Lehen, die schon 1293 gereicht wurden (ein 
Lehen 190 Pfg.), doch waren jetzt zwei dieser Lehen mit je zwei Holden 
besetzt, daher in Halblehen (95 Pfg.) zerlegt, rober die Zeit der Ver- 
ödung des Ortes Chotsdorf habe ich keine Anhaltspunkte, doch scheint 
sie schon vor 1293 stattgefunden zu haben, da es gemeinschaftlich 
mit dem öden Suntzendorf genannt wird und keine Ortsbewohner hat, 
sondern Leute von Neustadt und Katzelsdorf hier vier (beziehungsweise 
sechs) Lohen inne haben. 

Deupthal. 

Zu den ältesten Ortschaften des Landes gehört Deupthal, ein seit 
dem XV. Jahrhundert verschollenes Dorf, das einst nahe der Donau unweit 
Eilend oder Kroatisch-Haslau gelegen war und schon vor 1083 ein Filialort 
der Pfarre St. Petronell, später aber von Fischamend gewesen. Dieses Dorf 
wird im SMftungsb riefe der Abtei Göttweig ddto. 9. September 1083 als 
Diuptal aufgezählt. Bischof Altmann, Göttweigs Stifter, widmete seiner 
geistlichen Pflanzung ein reiches Einkommen besonders im Viertel unter 
dem Wiener- Walde , wo dieselbe schon seit geraumer Zeit wenige 
Besitzungen hatte. Der Stiftungsbrief 2 ) meldet in Bezug Diuptals: Mark- 

M Fontes renuii Austriaeuriim II., XVI. p. ti8— 78, Nr. 75. Ein Sifried 
von Chotzdorf tritt 1204 als Zeuge in einer Hoiligenkreuzer Urkunde auf. 
(Fontes XI. UM.) 

2 ) Abgedruckt Fontes 1. c. VIII. 250. verglichen mit den betreffenden 
Stellen des Saalbuches (abgedr. Fontes 1. c. VIII.) p. 2, Nr. II. u. p. 10. 



162 

graf Diepold (1. von Cham und Vohburg) besitze vom Hochstifte Passau 
zwischen den Flössen Leitha und Fischa mehrere Güter zu Lehen, von 
denen das neue Kloster fortan den Zehent beziehen soll. „Decimationem 
«{Uoque ad Ertpurch. Parochiam ad s. Petrouellam cum dote et ecclesiam 
ad Houelin (Höflein, zwischen Petronell und Brück) cum dote et ecclesiarum 
ipsarum termino antiquitus preh'nito, cum decimatione de omni benefieio 
Deipoldi l ) marchionis infra Vischahe et Litahe posito, ex omnibus villis 
pertiuentibus ad ecelesias Heimburch, s. Petronellam, Houilin, Aschiriehes- 
prucca (Brück), cultis et postinodum colendis, cjuibus primo a me inuestita 
est hec ecclesia et decimationem de Haselawa (Kroatisch-Haslau) et de 
Diuptal, que infra terminum sunt s. Petronelle. Et ultra danubium Liub- 
mannesdorf (Loimersdorf und sein Nachbarort) et Wizilinesdorf (Witzeisdorf ) 
trcs mansus : etc. Diuptal lag mithin noch am rechten Donau-Ufer, also 
im V. U. W. W. Auch in der Bestätigungsurkuude des Bischofs Regin- 
mar von Passau, ausgestellt c. 1124, werden die Zehente von Haseiowa 
und Diuptal aufgezählt. 2 ) Sonst ist aus dem Göttweiger Archive über 
dieses abgekommene Dorf bisher nichts bekannt geworden, doch dürften 
sich in demselben gewiss noch Urkunden vorfinden , die Deupthals 
gedenken. 

Herzog Leopold VI. bestätigte im Juni 1217 dem Spital am 
Semmering ältere, von seinen Vorfahren dahin gemachte Schenkungen, 
darunter zwei Schill. Pfg. Gülten auf drei Mühlen zu Fischamend und 
einen Hof zu Diuptal. s ) Zu Deupthal sass auch ein bisher unbeachtet 
gebliebenes Rittergeschlecht, dessen 1275 zuerst erwähnt wird, als Ohal- 
hoch, ein Bürger von Brück, ein daselbst beündliches Haus der Abtei Heiligen- 
kreuz schenkte. 4 ) Von acht Zeugen sind die letzten die. Ritter Sifried von 
Swabdorf, Heinrich und Otto Gebrüder Vbelmann und Otto von Deuptal. 

Am 22. Juni 1280 verkaufte Otto der Jüngere von Hackenberg 
an Otto den Jüngeren von Haslan das Urfar zu Mautern. Als Zeugen 
erscheinen die Dienstherren: Otto der Aeltere von Haslau, Reinprecht 
und Chalhoch von Ebersdorf und Gottfried von Wildungsmaiier : 
die Ritter: Heinrich von Haslau, Seifried von Horschendorf, Wulting 
von Haslau, Otto von Deuptal und Conrad von Ebergassing. a ) Am 
o. Februar 1289 befand sich Otto mit seinem Bruder Heinrich von 



*) DeipoM, Dipold: vielleicht verdankt Diupfoldsulial (respektive Divpsv 
«lorf» einem Dipuld (Diupold) seine Gründung. 
*) Fontes 1. c. VIII. 2G4. 

s ) Zahn, Urkundenbueh der Steiermark, II. 220. 
4 ) Fontes 1. c. XI. 196— 197. 
ß ) Momunent. boie. XXIX., II. 562. 



163 

Deuptal zu Brück an der Leitha, wo sie neben den Rittern Otto Vbel- 
mann, Wulfing von Haslau und mehreren Dienstherren Zeugen der 
Herren Otto, Chadold und Heinrich Brüder von Haslau sind. 1 ) In einer 
am 30. November 1308 von den Bürgern der Stadt Brück ausgestellten 
Urkunde begegnen uns als Zeugen die Kitter Eberhart von Schwadorf, 
Eberhart von Haslau, Rudolf von Arbaisthal, Otto von Deuptal u. A. 2 ) 

Andere, zugleich die letzten Glieder dieser Familie (wahrscheinlich 
zu den Herren von Haslau in Dienstverhältnissen und Lehensabhängigkeit 
stehend), welche ich namhaft machen kann, sind Chadolt von Teuppthal 
und Elisabet, seine an Nikolaus den Friedreicher von Hundsheim ver- 
ehlichte Tochter. Letztere stellte zu Wien am 12. Februar 1368 den 
Herzogen Albrecht und Leopold um den Hof zu Teuppthal, der ein 
Ganzlehen ist und vorhin ihr freies Eigen war, einen Lehenrevers aus.* 1 ) 
Ritter Eberhard von Guutersdorf verkaufte 1379 den Rittern Georg 
(oder Gerhard?) und Zacharias , Gebrüder Doss , einen Zehent von 
siebenzehn Lehen in den Ortschaften Fisehamend, Haslau. Deuppenthal 
und Gerhardstein (öde). 4 ) 

Ulrich, der Propst, Sigmund, der Erzpriester, sowie der Dechant und 
das ganze Kapitel zu Seckau verkauten am 12. März 1416 dem Sigmund 
von Kranichberg und dessen Brüdern drei öde Höfe zu Petronell, 
Deupthal und Gansberg. 5 ) Um 1429 belehnte Herzog Albrecht V. die 
Brüder Sigmund. Friedrich und Leutold von Kranichberg mit 8 Pfd. Pfg. 
Gülten zu Deupthal in d^r Pfarre Fischamend, „vnd sind genannt das 
Gut auf dem Gütlein, etwenn auf behaustem gut und überlent", welche 
sie von Conrad dem Closner erkauft hatten. ) Von da an verliert sich 
Deupthal aus den mir zu Gebote gestandenen Urkunden und dürfte noch 
im XV. Jahrhundert zu Grunde gegangen sein. 

König Arnulf schenkte im Jahre 892 (4. Oktober) in dem pagus 
ad pergon einer Fi au Irmburch zwei Hüben in Mura und eine Hube in 
Divpsdorf. Meiller 7 ) bezog diese Namen auf Berg (bei Hainburg) und 
Wildungsmauer, wobei er Divpsdorf (er schreibt Diupodorf) als „ver- 
schollen , bei Petronell* anführt. Er nam aber das Diupthal von 



*) Fontes 1. c. XI. 258. Nr. 2*5. 286. 
*) Duellius, Excerpta historico-genealogica p. 185. 
8 ) Lichnowsky, Gesch. des Hauses Habshurg. IV. 841. 
*) Wissgrill 1. e. II. 275 (hat Gerhard Doss) und III. 452 (wo Georg 
steht). — Keiblinger 1. c. IL, IL 733 (gleichfalls Georg Doss). 
Ä ) „Adler", genealog. Zeitschrift, Jahrg. 1874 p. 103. 
■ •) Notizenblatt 1. c. IX. 16. 

7 ) Im Jahrbuche des Ver. f. Landesk. 1. 156, 168. 



164 

1083 (das er Diupothal schreibt) für einen zweiten verschollenen Ort 
bei Petronell. Ob hier nicht dasselbe geltend gemacht werden kann. 
was schon bezüglich Blindondorf- Blindenthai und Bernhardsthal -Born- 
hardsdorf vorgebracht wurde? Sonach scheint Divpsdorf durch die Ungarn 
im X. Jahrhundert zerstört worden zu sein : der neue Ort. der sieh 
hernach wieder im „Divpstbal" erhob, wurde nach dem Namen des 
Thaies, der sich erhalten hatte, benannt. 1 ) 

Die oft höchst eigentümliche Gestaltung von Geineindegrenzen. zu 
deren Betrachtung (in getreuer Nachahmung) die Administrativkarte des 
Vereines für Landeskunde von Niederösterreich sich ganz besonders eignet, 
muss den Forscher unwillkürlich auf den (Tedanken bringen, dieselben 
inüssteu vor Zeiten entweder eine andere Form gehabt haben, oder sie 
gehörten teilweise zu abgekommenen Ortschaften. Edelsitzen, Gehöften 
u. dgl.. deren Grundstücke in späterer Zeit, nach dem Eingehen jener, 
irgend einer benachbarten Ortschaft zugeteilt wurden, wie ich ähnliche 
Fälle ja schon mehrere konstatierte *) und weitere noch nachweisen werde. 
Solch' eine auffallende Grenze 3 ) hat auch das Pfarrdorf Scharndorf. von 
welchem auf jeden Fall Deupthal nicht weit entfernt war und dem auch 
allem Anscheine nach alle, oder doch ein grosser Teil der Grundstücke 
von Deupthal zugefallen sein durften. 

Im Vertrauen auf die liebe heimische „Mundart", die aber der 
Geschichtsfreund hier und da eine ,. Unart 1 - nennen möchte, da sie so 
viele klare in eben so viele unklare Worte umzuknoten verstand, wage 
ich es . zu vermuten , es habe das Deupthal dort bestanden . wo 
vom Burgfrieden Scharndorfs ein keilförmiger Teil zwischen den Burg- 
frieden von Eilend und Kegelsbruuu gegen Kroatisch-Haslau zu sich 
vorschiebt, welcher Teil — „Deckenthal" heisst. Ich betone, dass ich 
nur vermute, es sei hier Deupthal zu suchen, doch hotte ich, seinerzeit 
in die Lage versetzt zu werden, auf Grund neuer Beweismittel mich 
bestimmter hierüber aussprechen zu können. Wie Geschichtskeuner aus 
hundert anderen Beispielen wissen, ist der Sprung von „Deuppenthal" 
f 137!*) zum heutigen „Deckenthal" durchaus nicht autfällig, wie dies 
bezüglich mehrerer Oertlichkeiten in vorliegender Zusammenstellung 
gleichfalls ersichtlich wird. 



M Vgl. Topugr. I. e. II. 144, in welcher Diuptlial mit Divpsdorf für ein um 1 
denselben Ort genommen wird. 

-> Beispielsweise bei Helma, Kapellen, Reih, Stallern etc. 

3 ) Gegen Jlöflein, Eilend (Eilender Wald), Kroat.-Haslan, Iiegelsbrunn. 
Wildungsinauer. Petronell und Rohr. Vgl. Sektion Nr. 80 der Administrativkarte. 



165 



Dietmarsdorf. 

Zwischen Guntranisdorf und Neudorf, ungefähr zwischen der „Süd- 
bahn 4 * und dem „Wr.-Neustädter-Kanal a , beim sogenannten „Teich" 
(Wiesenflur) im Ortsgebiete der Gemeinde Guntramsdorf gelegen. Das Stift 
Klosterneuburg hatte hier 1257 ein verödetes Lehen, und das Urbar von 
1512 meldet: „Dietreichsdorf neben Gunderstorf auf dem Teich beim Ab- 
lass gelegen : daselbst 1 Halblehen, 2 Viertellehen, 1 Hofstatt". ') Ausser 
Klosterneuburg hatten, nachweisbar schon im XIII. Jahrhundert, auch 
Heiligenkreuz und Zwetl Besitz zu Dietmarsdorf. Heinrich von Sulz 
beurkundete 1294 (an sant Urbanstage). dass er aus Liebe und Gunst 
für das Haus . Zwetl und zur Versammlung daselbst auf alles Anrecht 
und die Lehenschaft über ein jährlich (5 Schill. Pfg. dienendes Lehen 
zu Dietmarsdorf verzichtet hat. Dieses Lehen, ein Eigen des Herrn 
Otto von Hackenberg, hatte Heinrich von Sulz dem Hernhart von Dres- 
kirchen (Draiskirchen) verliehen und letzterer hatte es um 8 Pfd. Pfg. 
der Abtei Zwetl „durch sein durft u (aus Not) verkauft: zugleich gab 
Otto von Hackenberg unentgeldlich sein Eigenrecht über dieses Lehen 
der Abtei. 2 ) Dass sich diese Angelegenheit auf unser Dietmarsdorf, nicht 
auf einen anderen Ort mit gleichem oder ähnlichen Namen beziehe, be- 
weist die Ueberschrift (latein) dieser (deutschen) Urkunde im Stiftungen- 
buch von Zwetl: r Littera Hainrici de Svlcz super vno laneo in Dietmars- 
torf iuxta Gvndramstorf" etc. Im Jahre 1324 (zu Allerheiligen) kaufte die 
Abtei Zwetl um c>2 Pfd. Pfg. von Dietreich dem Guntramsdorfer seinen 
Anteil an dem. was sein Vetter Meinhart der Guntramsdorfer und dessen 
Geschwister, „datz Dietmarstorf pei Guntramstorf* 4 von Herrn Rudolf 
von Potendorf zu Lehen hatten. Meinharts Teil bestand in drei Lehen, 
deren jedes zu Michaeli 30 Pfg.. im Fasching und zu Weihnachten je 
»» Hühner, zu Ostern 30 Eier und zu Pfingsten einen Käse im Werte 
von 8 Pfg. diente. Eine (halbe) Mühle dient zu Michaeli 60 Pfg., zu Weih- 
nachten 1 Huhn, zu Pfingsten einen Käse im Werte von 8 Pfg. Von 
der Wiese „Mühlpeunt" werden jährl. 5 Pfg., von einem Acker, der ein 
Eigen ist 1 V* Hühner gedient. Dazu giebt der Verkäufer 25 Joch Aecker „pei 
Dietmarstorf" und 4 Tagwerk Wiesen, die er zu Burgrecht vom 
St. Margreth-Altar zu Dreschirichen (Draiskirchen) hat. wohin zu Michaeli 
davon 00 Pfg. zu dienen sind, ferner einen freieigenen 1 l / i Joch grossen 
Acker zu Dietmarstorf, der an den Ki autgarten der Abtei Zwetl an- 



M Archiv 1. c. II. 99. 
l ) Fontes 1. c. 111. 295. 

Blitt. d. Vereinet f. Lanciert. 1883. 4—9. 12 



166 

grenzt. l ) Der Lehensherr, Rudolf von Potendorf, begab sieh (am Montag 
nach Allerheiligen) 1294 mit Zustimmung seiner Hausfrau Eisbeth „durch 
got vnd Dietreichs willen von Gvndramstorf* 4 zu Gunsten der Abtei 
Zwetl seiner lehensherrlichen Befugnisse auf diese Kaufobjekte «,also, 
daz iz der vorgenanten herren (von Zwetl) vreies aigen sei".-) Im 
Stiftungenbuch von Zwetl wird auch der grossen Wiese bei Dietmars- 
dorf, genannt „Lebwis* gedacht, die zum Stiftshofe in Guntramsdorf 
gehörte. 3 ) 

Heiligenkreuz besass laut Gültenbuch (abgefasst zw. 1293 — 94) 
in unserem Dietmarsdorf einen Mansen, der zu Michaeli 32 Pfg. diente. 4 ) 

Am 12. Februar 1380 kaufte die Abtei von Michael von Wildcek 
und dessen Hausfrau Eisbeth um 126 Pfd. Pfg. viele Gülten zu Dres- 
chirchen (Draiskirchen), Trumpnaw (Trumau), Enzersdorf, Guntrams- 
dorf, ferner folgende zu Dietmarsdorf: Paul auf dem Bach, Dietel von 
Dietmarstorf und Haintzl von Dietraarstorf, jeder von einem Viertelacker 
jährl. 45 Pfg. 5 ) 

Frau Anna, Witwe Heinrich des Haiden und Bürgerin von Wien, 
verkaufte 1454 (Wien, 12. Mai) mit Hand des Burgherrn Caspar Moser, 
Pfarrers zu Lachsenburg, ihren Hof zu Guntramsdorf, genannt Traunhof, 
sammt Zuge hör, darunter „sechzehen Jeuch ackher, gelegen zu Ticmants- 
torf ze nagst des Pharrer zu Laxenburg ackher, dauon man kein zehent 
giebt.« 6 ) 

lieber Zeit und Ursache der Verödung dieses Dorfes ist bisher 
Nichts verlässliches bekannt. 

Eisenbach. 

Für d^n Fall kinderlosen Todes vermachte Hans von Haslau im 
Jahre 1338 seinem lieben Freunde Rcmprecht von Ebersdorf seine leben - 
baren und freien Besitzungen zu Haslau, Fischamend und Götteisbrunn 
nebst den Gehölzen beim Eisenbach. Dieses Vermächtnis bestätigte Herzog 
Albrecht II. am Montag nach dem Sonntag Invocavit desselben Jahres. 7 ) 

Um 1428 belehnte Herzog Albrecht V. die Grafen Hermann und 



*) Fontes 1. l\ III. 671. 
2 ) Fontes 1. c. HI. (554. 
») Fontes l. e. III. 570. 

4 ) Gsell. Giiltenhueh von Heiligenkreuz j». 75. 

5 ) Fontes I. »•. XVI. 339. 

6 ) Keiblinger, Melk 1. c. II., II. 750. 

\) Wiss grill, Schauplatz des Adels IV. 199: derselbe Li der Zeitschrift 
„Adler" Jahrs. V. 112. 



1G7 

Stephan (Vettern) von Montfort mit ererbten, 1. f. Lehen, darunter einem Hofe 
zu Grerhaus bei Kohrau, einem Hofe zu Eysenpach bei Arbaistal etc. 1 ) 

König Ladislaus belehnte 1455 (Wien, 23. Mai) die Grafen Her- 
mann und Johann von Montfort (Brüder) mit deren väterlichem Erbe 
l. f. Lehenschaft, darunter mit dem Dorfe Pachfurt, dem Halsgerichte zu 
Rohrau, dem Zehente zu Haslau und Prellenkirchen und einem Hofe zu 
„Eysempach" bei Arbeisthal. 2 ) 

Wo eigentlich der Eisenbach, der 1338 in Verbindung mit GötteU- 
hrunn genannt wird, zu suchen sei, fallt eben nicht schwer, wenn wir 
denselben für einen rechtsseitigen (aut der Generalstabskarte und der Ad- 
ministrativkarte des Vereines nicht vorkommenden, vielleicht längst abge- 
kommenen) Zufluss des von Arbesthai nach Göttlesbrunn abfliessenden, 
sogenannten Göttlesbrunnerbaches halten. Die Gehölze am „Eisenbach" 
wären vielleicht jene kleinen Laubholzwälder am „Eisenberg", südlich 
von Arbesthai. 

Die Konfiguration der Gemeindegrenze von Arbesthai ist im Ganzen 
eine höchst sonderbare, besonders eigenartig aber in der Richtung gegen 
Wülfleinsdorf hin, eben wo sich der Eisenberg • 1 ) erhebt, indem daselbst 
der Burgfrieden sich in jenen der Nachbargemeinden Göttlesbrunn und 
Stix-Neusiedl förmlich hineinkeilt. 4 ) Diese sonderbare Gestaltung des 
Arbesthaler Gemeindegebietes dürfte höchst wahrscheinlich daher rühren, 
dass jener schmale, vorspringende Teil des dermaligen Gemeiudegebietes 
von Arbesthai einst zur abgekommenen Ortschaft Eiseubach gehörte, 
welch letztere ( wol noch im XV. Jahrhundert) kriegerischen Ereignissen 
zum Opfer gefallen sein dürfte. 

Furt. 

Orte dieses Namens scheinen in Niederösterreich mehrere abge- 
kommen zu sein : ihrer neun bestehen noch. Ein ödes Furt lag zwischen 
Gloggnitz und Weissenbach. Liupolt von Vurt kommt um 1 190 neben seinem 
Nachbar Bernhard von Wizzinbach (Weissenbach) und vielen anderen 
Edlen aus Kranichberg, Köttlach. Klamm. Strasshofen, Doppel bei Haftung 
als Zeuge vor. 5 ) Sonstige, verlässliche Nachrichten über dieses Furt fehlen. 

l ) Notizenblatt 1. c. IX. 173. 

*) Notizenblatt 1. c. IV. 187. 

8 ) Auch Eisberg genannt. 

4 ) Ersichtlich auf den Blättern Nr. 10 und 80 der Aihninistrativksirte des 
Vereines. 

*) rrkundenbuch des Landes ob der Enns I. p. ti87. — Topogr. von Nieder- 
österreich. Herausgegeben vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich IL IM. 
(von M. A. Becker) p. 328. 

12* 



168 



Gauristenne, Gerestenn. 

Eine alte Ortschaft, die schoü vor 1200 an dei Donau, im Dreiecke 
der Ortschaften Kllend — Haslau — Ort bestand. 

Als Herzog Leopold VI. von Oesterreich am 28. Februar 12W 
zu Hainburg dein Schottenkloster in Wien eine Bestätiguugsurkunde über 
alle demselben zugewendeten Schenkungen ausstellte , kommen auch 
zwei Mansen in Gauristenne l ) vor, die ein (ungenannter) Wohlthäter dem 
Kloster geschenkt hatte : wann dies geschah, ist mir nicht bekannt, doch 
musste es zwischen 1 1 1> 1 — 1199 geschehen sein und dürfte der Geber 
jener Beilhold, Pfarrer von Phissenmunt (Fischamend), gewesen sein. 
der vor oder im Jahre 1170 dem neuen, erst 1158 gestifteten Ordens- 
hause alle seine Besitzungen geschenkt hatte, 2 ) die aber im Bestätigungs- 
briefe, den Herzog Heinrich II. im Jahie 1170 hierüber ausstellte, leidei 
nicht namentlich angeführt sind. Ein Anhaltspunkt ist aber trotzdem 
gegeben, indem wir die 11 Gl (22. April, Wien) von Herzog Heinrich 11. 
seiner Stiftung zugewiesenen Güter jenen gegenüberstellen, die es von 
da an bis 1200 (28. Februar; durch Schenkung erlangte: 

1UU. 120U. 

1. Wirochperge. 12 Mansen. Wirochperge, 12 Mausen. 

2. Ebersdorf, 12 Mansen und Ebersdorf, 12 Mansen und 1 Herren- 



1 Herrengut. 

3. Ladendorf, lti Mansen. 

4. Hippelinsdorf. 19 Mausen. 

5. Grihtsansstetten, 1 Hof. 

6. Ruspach. l Hof. 1 Mansus. 

7. Erpurch, 9 Mansen. 

8. Fuldramsdorf, 5 Mausen. 

9. Swechent. 2 Mansen. 

10. Wolfpeizzingen, 1 Mansus. 

11. Hovmat, — Mansen 

12. — 



gut. 
Ladeudorf, 16 Mausen. 
Hipplinsdorf. 19 Mausen. 
Grihtsansteten, 1 Hof. 
Ruspach, 1 Hof, 1 Mansus. 
Erpurch, 9 Mausen. 
Fuldramsdorf, 5 Mansen. 
Swechent. 2 Mausen. 
Wolfpaizzingen, 1 Mansus. 
Hovmat, 5 Mansen. 
Enceinsdorf, 1 1 Mausen. 1 

und die Kirche. 



Mühl 



e 



•) Pez. Tliesaur. VJ.. II. p. 61, Nr. 104. Hormayr. Gesch. Wiens, 
Abteil. I.. IM. I.. Urkundenhueh p. 45 ? Nr. IG. - Fontes l c. XVIII. p 1(5. 
Hauswirth. Abriss einer Geschichte der Wiener Sehottenabtei p. 6. Note »J, 
schreibt mit Berufung auf die Urkunde von Herzog Leopold VJ. „Gaueratein' . 
was in Bezug auf den Originalausdruck rGauristcnnc". wie ihn jene Urkund«* hat. 
nicht richtig ist. 

2 ) Hormayr 1. c. p. 34. Nr. 12. - Pez. Thesaur. VI., II 3. Nr. 1. 
Fontes 1. e. XVIII. p. 8-9. 



169 

13. — Gauristenne, 2 Mansen. 

14. — Iinzinsdorf, 1 V s Mausen. 

15. — Sconenpuhel, 1 Mansus. 

16. — Diersdoif, 2 Mansen. 

17. — Nandinsdorf. 1 Mansus. 

18. — Uelce, 2 Mansen. 

19. — Liucenloch, 2 Mansen. 

20. — Chircheim, 4 Mansen und die Kirche. 

21. — Grauendorf, 2 Mansen. 

22. — Dietriehsdorf, 2 Mansen. 

23. — Stallarn, 4 Mansen. 

24. — Prunnen. 2 Mansen. 

25. — Preitenuelde, 2 Mansen. 

26. — Preitenle, J Mansus. 

27. — Malestorf. 1 Mansus. 

28. — Ropperthesdorf, 1 Mansus. 

29. — Scirneinsdorf, 2 Mansen. 

30. — Wolfmanesdorf, 1 Mansus. 

31. — Heimburc, 3 Hofstätten. 

Die Dotation sn rkunde nennt (ausser den in diese Zusammenstellung 
nicht mit einbezogenen Pfarren und Kirchen zu Pulkau etc.) nur die 
Orte 1 bis 11, in den weiteren zwanzig Orten erhielt das neue Kloster dem- 
nach erst zwischen 1161—1199 Besitzungen. Gauristenne (13) war 
ungefähr 6 — 7 Kilometer von Fischamend entfernt und durfte hier Pfarrer 
Berthold Besitz gehabt haben, welchen er dann 1170 oder noch früher dem 
Schottenkloster gab. Auch die Besitzungen zu Enceinsdorf (12; es ist 
Enzersdorf a. d. Fischa) und Imzinsdorf (14; wahrscheinlich Tnzersdorf 
a. Wienerberg), die vor und nach denen zu Gauristenne angeführt sind, 
dürften Gaben Pfarrer Bertholds sein. Von den genannten einunddreissig 
Orten lagen die meisten im V. U. M. B., nämlich dreiundzwanzig: öde sind 
im Verlaufe der Zeit wenigstens acht geworden (1, 11, 13, 17. 20, 23, 
25, 29), wieder ein Beweis mehr, wie zahlreich Ende des XII. Jahr- 
hunderts schon die Ortschaften in Niederösterreich waren, wo alle diese 
genannten Orte lagen. 

Ob jene zwei Mansen zu Gauristenne lange Eigentum des Schotten- 
klosters geblieben waren, oder nicht, darüber ist nichts bekannt. Abt Conrad 
(Weichselbaum, 1528 — 1541) verfasste 1529 eigenhändig ein Verzeich- 
nis *) aller Stiftsgüter, doch Gauristenne kommt in demselben nicht mehr 

') Möchte es doch veröffentlicht werden! Weil im Türkenjahre 1529 ge- 
schrieben, ist dieses Register, welches viele wichtige und völlig unbekannte Details 



170 

vor, wol aber noch Enzersdorf a. d. Fiseha und auch luzersdorf. währen«) 
Gauristenne violleicht schon dem Andrängen der Donaufluthen erlegen war. 

Am 13. Oktober 1298 beurkundete Albero von Polheim, es habe 
ihm sein Oheim Reinprecht von Ebersdorf seinerzeit vermacht „sin* 
freien aigens ze Grewreichstenn zweif Schilling geltes ovf aeinem Lehen 4 *. 
Nun habe er (Albero) der Abtei Heiligenkreuz von diesen 12 Schillingen 
zur Beförderung des Seelenheiles seiner Gemahlin Dieinut 8 Schillinge 
(1 Pfund) geschenkt, die anderen 4 Schillinge aber von diesem Lehen 
habe er derselben Abtei verkauft und den hiefür bedungenen Preis, 
4 Pfd. Pfg.. bereits erhalten. 1 ) 

Hadmar der Messenneck und Agnes seine Hausfrau verkauften 
1368 (Wien, 31. Mai) an Heiligenkreuz um 21 Pfd. Pfg. eine rechte 
Eigengülte von 2 Pfd. Pfg. „ze Gerolzteün auf einem halben leben 
behausts guts vnd auf einem halben leben vberlent". .Je ein Pfund wird 
zu Georgi und Michaeli gedient. Diese Eigengülten mit ihrer Zugehör 
hatten Hadmar und seine Gattin vor der Hofschranne gegen die Abtei (iött- 
weig rechtlich behauptet, wie sie beide selbst im Kaufbriefe für Heiligen- 
kreuz darüber angeben, dass sie verkaufen obige 2 Pfd. Pfg. „vnd waz zu 
den («genanten gutem geboret ze ueld vnd ze dorfle ez sei gestift't oder 
vugestift, versuecht oder vnuersuecht. wie so daz genant ist, mit allen den 
nützen vnd rechten, als wir dieselben zway pliunt gelts den Geistlichen 
Herren . . . dem Abt-) vnd dem Oonnent datz dem Chüttweigg mit recht in 
der Hofschrann ze Wienn anbehabt haben, als der behab brief sagt, der 
vns darüber geben ist. vnd als wir sie in aigens gewer herpracht haben "V" 1 ) 
Ritter Eberhard von Guntersdorf verkaufte 1379 den Brüdern Zacharias und 
Gerhard (oder Georg V) Doss den Zehent von siebenzehti Lehen zu Haslau. 
Deupthal. Fischamend und Gerhardstein. 4 ) 

Johann von Liechtenstein (-Xikolshurg). „der gewaltige Hofmeister 44 
des Herzogs Albrecht III., besass viele 1. f. Lehensobjekte, darunter 
auch solche zu „Gerolcztenn", Fischamend. Ebergassing. Brodersdorf 
u. s. w.. welche nach seiner Absetzung vom Landesfürsten, dem Herzoge 
Albrecht III. . eingezogen wurden. Dem Falle des Einen folgt meist die 
Erhebung eines Anderen: Die Verdrängung des mächtigen Liechtensteiners 
brachte der Kitterfamilie Inbruck ansehnliche Vorteile. 



über mehr als fünfzig Ortschaften in Niederösterreieh enthält, für die Landes- 
kunde von grosser Wichtigkeit. 

M Fönte» 1. <.-. XI. p. 288. Nr. 322. 

'-) Dessen Name fehlt in der Urkunde. 

3 .) Fontes 1. e. XVI. 28<>-287. 

4 I Wissgrill 1. e. II. 275 hat Gerhard. III. 452 aher Georp. 



171 

Am 7. März 1396 belehnte zu Wien Herzog Albrecht 111. seinen 
Truchsess Georg von Inbruck mit einem Gute zu Deutsch - Broders- 
dorf, das von Hanns von Liechtenstein, dem gewesenen Hofmeister, h einge- 
fallen ist. 1 ) Gleichzeitig belehnte er auch seinen getreuen Diener Hanns 
von Inbruck mit einem Anteile an obgenanntes Gut. 2 ) 

Kurz nachher, am 20. März, belehnte Herzog Wilhelm seinen 
Kammermeister Göschlein 3 ) von Inbruck mit der ihm zustehenden Hälfte 4 ) 
von zwei Zehenten zu Geroicztenn und Ebergassing, sowie mit dem 
halben Werd zu Fischamend, alles erledigt von Hanns von Liechtenstein, 
von welchem es an den verstorbenen Herzog Albrecht III. und von letzterem 
an ihn (Wilhelm) und Herzog Albrecht IV. gefallen war. 5 ) 

Am 2. Februar 1407 verlieh zu Wien Herzog Leopold für sich, 
seine Brüder und Vettern Hanns dem Inbrucker die nach seines Vaters 
Göschlein Ableben an ihn gefallenen 1. f. Lehen : die Veste Mitterndorf, 
das Dorf Brodersdorf, Zehente zu Waltersdorf, Ebergassing, „Gerolzten", 
einen Weinzehent „um Wien 44 etc. 6 ) Mit Hinterlassung eines Sohnes 
Ulrich, der 1414 noch minderjährig war, aber noch vor dem 15. Juli 
1428 starb, seheint Hanns von Inbruck um 1410 gestorben zu sein. 7 ) 
Ulrich dürfte unvermählt geblieben sein, gewiss aber war er kinderlos 
daher er Alexander dem Gradner, seinem Verwandten, die Veste und 
das Dorf Mitterndorf mit Getreidezehenten und sonstiger Zugehör daselbst, 
ferner das Dorf Brodersdorf und einen Getreidezehent zu „Gebolsten* 
mit Zugehör vermachte. Herzog Albrecht V. belehnte den Gradner c. 142f> 
(wie Jos. Ohmel mit einem ? datirt) mit diesen 1. f. Lehenstüeken. 8 ) 

Noch einmal, als „Gerestenn", wird dieser Ort genannt 1455. 
als am 1. Oktober König Ladislaus Hanns und Georg von Rukhendorf mit 
ihrem Erbe (soweit es von ihm lehenbar ist), bestehend in Besitzungen 
zu Bernhardsthal, Fischamend und dem halben Teile des Zehents zu 
„Gerestenn" belehnte. Von da ab fand ich diese Ortschaft in keiner Urkunde 
mehr ; sie scheint im XV. Jahrhundert verkommen zu sein, durch 
Kriegsereignisse oder Ueberfluthung durch die Donau. Zwei Donau-Auen 
zwischen Eilend und Kroat.-Haslau, die heutzutage der Gemeinde Ort 



M Licliiiovvsk v 1. e. V. Nr. 28. 

*) Lichnowsky 1. e. V. Nr. 29. 

*) Göschlein, d. h. (Gottsehalklein) (Jottschalk. 

4 ) l T eber die andere Hälfte verfügte Herzog AlbreHit. 

s ) Lichnowsky 1. e. V. Nr. 18. 

") Lichnowsky 1. e. V. Nr. 83(5. 

') Wissgrill 1. c. IV. 489. - Lichnowsky 1. c. V. Nr. 2079. 

") Notizenhlatt 1. v. VIII. 46«. 



172 

zugewiesen sind, genannt :i Gerstncrin M (!) und (f (rerusteiner-Au u deuten 
die Lage des alten, abgekommenen Dorfes an, welches ich deshalb den 
abgekommenen Ortschaften im V. U. W. W. beizählte, weil es durch- 
wegs mit anderen, diesem Landesteile bestimmt angehörenden Orten 
genannt wird, die unanfechtbare Zuweisung von Uferorten der Donau, 
die schon längst aufgelassen sind, zu einem der beiden Viertel U. M. B. 
und U. W. W. aber ohnehin dermalen schwer möglich ist. 

Gebendorf. 

Ein sehr alter Ort, der am Kaltengaug zwischen Tattendorf und 
Weigelsdorf, schon Anfangs des XII. Jahrhunderts bestand, seit dem 
XV. Jahrhundert aber verödet ist. Um 1130 — 1140 beschenkte Albert 
der Stuchs das Stift Klosterneuburg mit einem Prädium zu Gebenius- 
dorf. 1 ) Otto von Leusdorf schenkte zwischen llt)8 — 1194 demselben 
Stifte, weil es seine Tochter Margaretha in das dortige Frauenkloster auf- 
genommen hatte, zwei Lehen zu Gebnsdorf. 2 ) 

Walchun von Gebeninesdorf und seine Gattin Gisela, die vor 1150 
lebten und wahrscheinlich in unserem Gebendorf wohnten, verpflichteten 
ihre Magd Kuniza zu einem jährlichen Dienste von 5 Pfg. diesem Stifte, a j 
welches hier noch einige Besitzungen, unbekannt ob durch Kauf, Schenkung 
oder Tausch, erwarb : es liess dieselben vom Amtmanne zu Tattendorf 
verwalten. Kurz vor 1258 besass das Stift in Gebendorf vier Lehen, von 
denen (zufolge Urbar von) 1258 zwei verödet waren, daher sie vier 
Freijahre erhielten. 4 ) 

Diese Lehen waren wol 1245 und 124t> von den Ungarn hart 
mitgenommen worden, wurden aber wieder aufgerichtet. Eine Hand des 
XIV. Jahrhunderts schaltete in das 1258 abgefasste Klosterneubuiger 
Urbar, Fol. 23b, folgende Stelle (zum Stiftsamte Tattendorf) ein: „In 
Gebendorf quatuor benef. ijue simul serviunt VII. sol. X den (220 den.) 
miehah. In Pasca simul XII. caseos. In Pent. similiter XII caseos. In 
nat. dei (Weihnachten) similiter XII caseos" 5 ) Im Stiftsurbar von 1512 



>» Fischer 1. c II. p. 27. Nr. 48 und Fontes 1. ... IV. \i){). 

-) Fontes 1. e. IV. 36t>. 

8 ) Fontes 1. c IV. «51. 

*) Archiv 1. c. II. 103. 

5 ) Fontes 1. e. XXVIII. 149. Ungewöhnlich gross gegenüber der liclddieiist«* 
ist der Kasedienst jährlieh zusammen 3ti Stück, was auf bedeutendere Viehzucht 
sehliessen lässt (wenn gleich jeder Käse nur ein sogenannter Pfennigküse war). 
welche übrigens in Gebendorfs Umgebung heute noch, weil ausgedehnte, gute 
Weiden vorhanden sind, stark betrieben wird. 



173 

erscheint kein Haussässiger mehr, das Dorf war schon verödet, die Grund- 
stücke übernam Tattendorf, einen Teil davon wol auch Ober-Waltersdorf. 

Das Stift Heiligenkreuz hatte zu Gebendorf gleichfalls Besitz. Heinrich 
von Brunn, der sich zu Heiligenkreuz seine Grabstätte erwählte, schenkte 
am 1. September 1233 aus diesem Anlasse der Abtei einen Zehent zu 
Truraau und ein Gut zu „Gebeudorph", das jährlich 1 Pfd. Pfg. diente. 1 ) 
Ein Herr von Sachsengang 2 ) beschenkte (vor 1*293) die Abtei mit 
3% Mansen zu Gebendorf. Zufolge Gültenbuch (von 1293—1294) bezog 
Heiligenkreuz 22 Schill. 16 Pfg. von Gebendorf. Von einem halben Mansen 
zu Michaeli \' y Pfd. Pfg. Die 3V 4 Mansen, die von Herrn N. von Sachsen- 
gang sind, dienen 9 Schill. Pfg. Von Aeckern, welche die Bewohner von 
Waltresdorf 3 ) bebauen, 9 Schill. IG Pfg. 4 ) lieber weiteren Besitzzuwachs 
zu Gebendorf ist nichts bekannt, wol aber, wie die Abtei sich ihrer sämmt- 
lichen Besitzungen und Rechte daselbst entäusserte. Ohadolt von Echartsaw 
(Eckartsau, V. U. M. B.) beurkundete 1340 (Wien, 7. März), dass er 
an Heiligenkreuz seine drei Teile an dem Gerichte zu Pavmgarten (Baum- 
garten a. d. March), wovon den vierten Teil Heinrich von Puechaim inne 
hatte, überlassen habe : Abt Wulfing und der Oonvent gaben ihm dafür 
„ alles daz gut, daz sev (sie) gehabt habent ze gebendorf, vnd daz man 
nv pawt gen W T altrestorf, daz da leit bei Druinenaw*) mit alle dev vnd 
darzv gehört zevelde. ze holtz, swie daz genant ist". 6 ) 

Dies weiset auf eine gänzliche Verödung Gebendorfs hin, das aber 
später wieder, wahrscheinlich durch das Stift Klosterneuburg neuerdings 
bestiftet, nochmals verödete und sodann nicht mehr aufgebaut wurde. Genau 
lässt sich die einstige Lage dieses abgekommenen Ortes, der wahrscheinlich 
nur klein und unbedeuteud war, nicht bestimmen (wenigstens auf Grund- 
lage der mir zu Gebote stehenden Belege nicht), gewiss aber kann dies 
geschehen, wenn nur erst die Stifte ihre älteren, für die Geschichte des 
Landes geradezu unberechenbar 7 ) wichtigen Grundbücher u. dgl. endlich 

») Fontes 1. <•. XI. öl und Pez. Thesaur. VI.. 11. p. 84. Nr. 142 (aber 
unvollständig). 

*) Wahrscheinlich Leopold von Sachsengang, der. sowie, sein gleichnamiger 
Sohn, mit Heiligenkreuz in vielfache, freundschaftliche Berührung kam. 

3 ) Waltersdorf, und zwar Oher-Waltersdorf. 

*) Gsell, (liiltenbuch 1. c. p. f>6— f>7. Teher die Schenkung des Herrn 
von Sachsengang ist keine Urkunde vorrindlich. 

6 ) Trumau, begrenzt von Oberwaltersilorf. Letzteres und Tattendorf dürften 
si<-h in die Grundstücke Gebendorfs geteilt haben. 

•) Fontes 1. c. XVI. 176. 

7 ) Besonders deshalb , weil wir zu viel Geschichte und viel zu wenig 
Quellen haben. Jede Seite eines alten Grund-, Dienst- oder Zehentbnches u. dgl. 
würde wichtiges, bisher gänzlich unbekannt gebliebenes Materialc darbieten ! 



174 

der Öffentlichkeit übergäben ! Warum bleiben doch so viele Pfunde 
vergraben, mit denen die Wissenschaften wuchern könnten! 

Gersthaim. 

Eine Hofmarch ! ) in Gersthalm diente zufolge Gültenbuch (1293 bis 
1294) der Abtei Heiligenkreuz jährlich zu Michaeli 40 Pfennige. *) 
Dieser Ort kommt in keiner mir bekannten Urkunde vor und durfte, der 
Reihenfolge im Gültenbuche nach zu schliessen, etwa unweit von Alland 
oder dessen Nachbarorten zu suchen sein. 

Gimmelsdorf, Gymersdorf. 

Vorstadt von Wiener-Neustadt, bestand schon im XIV. Jahrhundert, 
1455 war es gleich Zeraendorf (s. d.) schon in den Befestigungsrayon von 
Wiener-Neustadt einbezogen und wurde 1529 wegen der Türkengefahr 
demoliert. Diese Ortschaft lag vor dem Neunkirchnertor am Kehrbache, 
neben der Ulrichs vorstädt. 3 ) 

Grillenpartz. 

Das Gultenbuch von Heiligenkreuz, abgefasst 1293- 1294, meldet: 
„In Grillenpartz habemus redditus dimidii tal Mich". 4 ) Die gedruckten 
Urkunden der Abtei geben über Grillenpartz keine Auskunft : im Gulten- 
buch erscheinen Fol. XXXI die Orte Weigleinsdorf, Eberreichsdorf, Grillen- 
partz, Dietmarsdorf (öde), Eovhenwart (Rauhenwart). Gvndramsdorf in 
eben dieser Aufeinanderfolge. Grillenpartz dürfte sonach in der Gegend 
eines dieser Orte aufzusuchen sein, und in der That findet sich sowol 
unweit Rauhenwart, als auch in der Nähe des nun verödeten Dietmars - 
dorf je ein Flurname, der sich auf Grillenpartz beziehen liesse. Zwischen 
Rauhenwart und Pellendorf zieht sich eine grosse, zu Pellendorf gehörige 
Ackerflur hin, anrainend an Zwölfaxing und Rauhenwart, welche ..Grillen- 
part'* heisst. 5 ) 

Guntramsdorf (der Nachbarort des abgekommenen Dietmarsdorf) 
hat die Flur „iiii GrüllenbüglV i ) 

l ) Hofmarch bezeichnet den zu einem Hofe gehörigen Bezirk, das geflammte 
Territorium eines Hofes. 

-') Gültenbuch ). c. p. 20 — 21 . 

•) Bö heim. Chronik von Wiener-Neustadt, 2. Aufl. I. y. 19.3. — Alturt.- 
Ver. 1. c. XV. p. 125 ? 129. 

4 ) Gultenbuch 1. c. p. 75. 

*) Ersichtlich auf den Sektionen Nr. 78 und 79 der Adiniuistrutivkarte 
des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich. 

•) Ersichtlich auf der Sektion Nr. 78 der Administrativkarte des Verein»-* 
für Landeskunde von Niederösterreich. 



175 

Sehr alt ist der Name gewiss in beiden Fällen : wahrscheinlich 
wird er vom alten Personennamen Grillo hergeleitet. 

Um 1140 schenkte Eegenbot, genannt der Lange, ein Ritter des 
Grafen Ekbert von Formbach und Putten, durch die Hand seiner Gattin 
Heilica an die Abtei Formbach zwei Güter zu Eaie ') und einen Wein- 
garten zu Grillenporze. 2 ) Unter den Zeugen sind drei Edle aus Liuprandes- 
dorf. (Leobersdorf?) 

Ein anderes Grillenpartz (in Oberösterreich) kommt 1315 vor; 
Libaun von Truchsen belehnte Gottschalk von Hall mit zwei Lehen, 
deren eines zu Premöd, eines zu Grillpartz gelegen." 1 ) Im V. 0. W. W. 
war ebenfalls ein Grillenpartz, das 1350 urkundlich vorkommt 4 ) und in 
der Pfarre St. Peter in der Au lag, aber jetzt nicht zu eruieren ist. 

Grüneck. 

Ein Weiler oder kleines Dorf unweit Heiligenkreuz oder Baden, Ä ) dessen 
das Gültenbuch von Heiligenkreuz (1293 — 1294), wie folgt, erwähnt: „Im 
Grvuech habemus vnum mansum, qui soluit vnum talenlum Mich, et in 
Nativitate domini IT. pullos et II. caseos. In Carnisprivio III. pullos, in 
pascha II. caseos. 6 ) Dies muss also ein gut fundiertes Lehen gewesen sein, 
weil die Abgaben verhältnismässig bedeutend sind. Ein Pfund Pfennige, 
5 Hühner und 4 Käse jährlich. Ein gewisser Philipp hatte von der Abtei 
ihren Hof zu „Gruenech" zu Burgrecht erhalten; 1297 löste ihn dieselbe 
jedoch dadurch wieder an sich, dass sie dem Philipp 20 Pfd. Pfg gab, 
überliess ihn jedoch sofort an Heinrich von Rorbach, dessen Sohn Leopold 
sich mit Philipps Tochter Perzel verehlichte, die den halben Hof erben 
sollte, falls sie ihren Gatten überlebte. Doch schon 1303 (25. Sept.) 
war sie nicht mehr am Leben. Der nun losbrechende Erbstreit w r urde 
in Güte beigelegt, indem Philipp und sein Sohn Heinrich (sie waren 
Bürger von Oedenburg) mit Geld entschädigt wurden, wogegen sie dem 



') Rain, eigentlich „im Rainen", eine grössere Flur südlich vom „Griillen- 
bügl" zu Guntramsdorf, könnte etwa auf diesen mir unbekannten Ort Raie hin- 
weisen. Ueber Reih bei Pilichdorf handelt die erste Reihenfolge der abgekommenen 
Ortschaften (V. V. M. B.) in diesen Blättern XV. 341-342. 

*) Mon. boica IV. 51. 260; auch Keiblinger, Melk 1. c. II.. 1. 588. 

8 i Urkundenbueh von Oberösterreich, V. 141. 

4 > Fontes 1. e. XXXIII. 233. 

6 ) Die Grüneckgasse zu Baden (die wol nach Grüneck führte) kommt in 
Fontes 1. c. XVI. p. 249 im Jahre 1359 urkundlich als Grünechgazze vor. 

*> Gültenbuch 1. c. p. 22. 



176 

Heinrich von Rorbach den ganzen Hof zu lassen hatten. 1 ) Weitere Nach- 
richten über Gruneck kenne ich nicht. 

Hadmarsdorf. 

Vor Zeiten gab es in Niederösterreich mindestens sieben Orte, 
welche den Namen Hadmarsdorf führten ; davon bestehen noch fünf, 
aber der althergebrachte, richtige Name wurde unnötiger Weise bei 
sämmtlichen umgestaltet und heissen dieselben jetzt Harmannsdorf (3), 
oder Hannersdorf (2). 1. Harmannsdorf im Gerichtsbezirke Korneuburg: 
2. Harmannsdorf im Gerichtsbezirke Eggenburg; 3. Harmannsdorf im 
Gerichtsbezirke Kirchschlag : 4. Harmersdorf im Gerichtsbezirke Mank : 
5. Hannersdorf im Gerichtsbezirke Scheibbs. Alle diese Orte sind sehr 
alt, ihr Name auf den deutschen Personennamen Hadmar zurückzuführen. 
Von den verödeten Hadmarsdorf befand sich eines im Gerichtsbezirke 
Raabs, von dem später mehr gesagt werden wird, das zweite zwischen 
Tattendorf und Potendorf, zwischen den Flüssen ..Kaltergang' 4 und 
Fischa. Von letzterem soll hier die Rede sein. 2 ) 

Dieser Ort bestand gewiss schon im XI. Jahrhundert, denn als 
am 7. Jänner 1121 die Pfarrgrenzen von Draiskirchen auf Grundlage 
des alten Herkommens festgestellt wurden, heisst es in der betreffenden 
Urkunde, dass sich die Pfarrgrenzen in südlicher Richtung (von Drais- 
kirchen) erstrecken: „Von Steinintische (Steinabrückl) zum Flusse Piesting 
und nach dessen Lauf und dem des Kaltengang abwärts nach Südost 
zum Dorfe Wolrates (verschollen), bis dahin, wo die Felder des Ortes 
Wolrates am Flusse Fischa enden und wie dieser die Felder der Dörfer 
Hadewartesdorf, Rouzinesdorf (verschollen), Scranewat (Schranawand, 
jetzt nach Unter-Waltersdorf gepfarrt) und (Moos-) Brunn scheidet.- 43 ) 

Weil diese Pfarrgrenzen als altherkömmliche bezeichnet werden, 
war Hadmarsdorf gewiss auch schon ein älterer Ort, als solcher eine 
Filiale der Pfarre Draiskirchen und im Besitze der Kheleute Adalbero 
und Ricgardis, welche c. 1120 — 1125 das Prädium Hadmaresdorf dem 



! ) Fontes 1. e. XL p. 285, Nr. 319 und XVI. p. 11 (wo (iniennaeh steht). 
Nr. 13. 

2 ) Fast alles, was ilie Kirchliche Topographie IV. 283—284 und S «• h w •» i e k- 
hardt (V. V. W. W.) II. 180 über Hadinanulorf bei Tattendorf sagen, bezieht 
sieh auf Hadmarsdorf bei Korneuburg und sogar auf jenes bei Reiupreehtspölla. 
Verlässlieh ist nur das bei Keiblinger 1. c. II.. I. 359 Gesagte, l'nriditig i*t 
die Angabe von Anton Prokesch. (irgend ein) Hadmarsdorf sei durch Donau- 
überrtehweiiiniungen zu Grunde gegangen. (Blatt, für Landesk. X. 80.) 

3 ) Keiblinger 1. c. II.. I. p., 359-360. 



177 

Diakon Adalbero des Stiftes Klosterneuburg um 16 Mark Silber ver- 
kauften, der es dann seinem Stifte überliess, als er c. 1133 nach Jeru- 
salem wallte. 1 ) Diese Besitzung mag sehr bedeutend gewesen sein, weil sie 
auch in der Bulle des Papstes Eugen III. 1146 (Viterbo, 27. December) 
mit aufgezählt wird, „villas Altentoe (Eupeldau), Struphigin (Strüpfing 
bei Gäuserndorf), Ruogestorf (Rugersdorf bei Korneuburg, jetzt fälschlich 
Rückersdorf, bei Schweickhardt gar Riegersdorf genannt), Haselbac 
(Haselbach bei Nieder-Fellabrunn), Stweindorf (?), Tatendorf, Haduartes- 
dorf (bei Tatendorf), Gezendorf (bei Dürnkrut) etc.**, in welcher nur 
die grösseren Besitzungen namentlich angeführt sind.*) Nach dem Urbar 
von 1:258 waren dem Stifte hier in „Hadwarsdorf* 4 vier Hofstätten und 
neunzehn Lehen unterthan, ausserdem eine Mühle, welche jährl. zu 
Michaeli 12 Vfg. diente. 

Hadmarsdorf bildete damals ein eigenes Amt, und der hiesige Amt- 
mann besass eines der neunzehn Lehen, welche Käse, Eier und Pfennig- 
dienste reichten: Jedes Lehen jährl. 18 Pfennige, 30 Eier und 6 Käse, 
drei Hofstätten 12 Pfg., eine aber 15 Pfg., ausserdem jede 5 Käse und 
1 '/« Obulus. Oonrad Sweinein diente überdies von Wiesen und Ueber- 
landen 12 Pfg. Das Stift hielt im Orte jährl. drei öffentliche Gerichts- 
tage.*) Im Jahre 127 7 kaufte dasselbe von Diepold von Baden für 
6 Pfd. Pfg. jene bei Hadwarsdorf gelegenen Wiesen, welche sich, in 
der Flur genannt, „zwischen Gengen** befanden. Dieser Besitzwechsel 
wurde aber erst 1282 durchgeführt. 4 ) Ob in diesem Hadmarsdorf eine 
Kirche bestand, wie Schweickhardt 5 ) angiebt, der auch zum Jahre 1445 
einen bei derselben angestellten Kaplan Namens Ulrich erwähnt, kann 
ich nicht erhärten, da er keinen Beleg dafür angibt, obgleich anzunemen 
ist, dass ein Ort wie Hadmarsdorf, der um die (Mitte des XIII. Jahr- 
hunderts wenigstens von 24 behausten Holden eines einzigen 
Grundherrn (deren wol noch mehrere gewesen sein dürften) bewohnt 
war, eine Kirche haben konnte, um so eher, weil bei Kirchenbauten 
im Mittelalter nicht das Bedürfnis und die Zahl der Ortsbewohner in 
erster Linie massgebend waren , wie dies später der Fall war und 
heute noch ist. sondern weil damals meist andere Ursachen massgebend 



M Fischer 1. e. 11. 21, Nr. 40 und Fontes 1. e IV. 3. Nr. 13. 
*) Fi seher 1. e. II. 142, Nr. 11. 

3 ) Fontes 1. e. XXVIIJ. 149-150. 

4 ) Fischer 1. e. II. 281—282, aber unvollständig: vollständig Fontes. 
J. e. X. 2<J. 

'*) Schweickhardt 1. e. II. 157. 



J78 

waren. Hadraarsdorf war übrigens gute zwei Wegstunden von seiner 
Pfarre (Draiskirchen) entfernt. 

Im XIV. Jahrhunderte dürfte Hadmarsdorf einer der neueren, von 
Draiskirchen abgetrennten Pfarren, Ebreichsdorf oder Tattendorf, zugeteilt 
worden sein. 

Das Gemeindegasthaus in Gainfarn war einst ein Freihof, genannt 
Eisen-, Eisenzeller-, auch Zellerhof, gehörte 1448 der Abtei St. Lam- 
brecht (Steiermark) und wurde von ihr der Herrschaft Gutenstein, von 
dieser aber im XVIII. Jahrhundert an die Gemeinde Gainfarn verkauft. 
In der dortigen Gemeindelade befindet sich ein im Jahre 1738 vom Grafen 
Phillipp Josef von Hoyos (als Besitzer der Herrschaft Gutenstein) er- 
neuertes Grundbüchel über diesen Hof, zu dem nebst andern Grund- 
stücken auch zwei Tagwerk Wiesen „zu Hartmansdorf, gelegen zwischen 
Tattendorf und Potendorf, bei dem Türkenkrieg (1529?; zu Grunde 
gegangen", gehörten. Es heisst „der Neotasty" (Graf Nadasdy) zu 
Potendorf habe diese Wiese durch Process an sich gezogen und es sei 
als Ersatz der Herrschaft Gutenstein bei der Gemeinde Gainfarn seiner- 
zeit ein Kapital hinterlegt worden, dessen Interessen die Herrschaft 
selbst oder der etwaige Bestandinhaber des „Eisenhofes" gemessen 
solle. 1 ) 

Am 14. Juli 1584 verlieh Freiherr Hanns Wilhelm von Roggen- 
dorf, oberster Erblandhofmeister in Niederösterreich, Landmarschall etc. 
als Lehenträger seines Bruders Josef einen Hof zu Gaiufiim „am Ort 
gegen der Wüssmühl (Wiesmühle) zunächst der Tanzstatt gelegen - (wol 
der sogenannte Flansenhof) mit den zugehörigen Gründen, worunter 
9 Tagwerk Wiesen zu Harmanstorf, dem Hanns von Sinzendorf von 
Goggitsch und Veslau.*) 

Heber die Verödung Hadmarsdorfs fehlen genaue Angaben; 1447 
war es noch besiedelt, scheint jedoch im Verlaufe der ungarischen 
Invasion, etwa um 1485 in Abwesen gekommen zu sein, weil im 
Grundbuche des Stiftes Klosterneuburg vom Jahre 1512 kein Bewohner 
dieses Dorfes mehr genannt wird. 

Adelige Männer des Namens Hadmarsdorf werden wol vom 
Xll. — XV. Jahrhunderte urkundlich genannt, doch lässt sich auf dieses 
Hadmarsdorf nur jener Reinher von Hadmarsdorf beziehen, der mit 
Heinrieh von Imcinsdorf, Altmann von Tattendorf u. A. zwischen den 



■) KeibLinger 1. e. IL, II 487. 
2 ) L. c. IL, IL 490. 



179 

Jahren 11G8 — 1186 eine Vergabung Pilgriins von Willendorf an Kloster- 
neuburg bezeugt. 1 ) 

Hadniars&orf befand sich am Kaltengang, im dermaligen Burg- 
frieden von Tattendorf, und scheint die am rechten Ufer des Kaltenganges 
befindliche Wiese „Pottendorferwiese"*) jene zu sein, die im Process- 
wege vom Eisenhof an die Herrschaft Potendorf übergieng. 

Hanifland. 

Ein seit dem XV. Jahrhundert verödetes Dorf, das im Gebiete der 
Gemeinde Grossau, oberhalb des Haidelhofes, zwischen dem Schlosse 
Merkenstein uud dem Wolfgeisthof (zu Potenstein gehörig) stand und 
Filialort der Pfarre Gainfarn war. 

Abt Ludwig I. von Melk (1344—1360) löste vor 1360 die an 
die Familie Gneuss verpfändeten Gülten und Zehenten seiner Abtei zu 
Soos, Vöslau, Gainfarn, Hanifland und Hofstätten (öde) um 100 Pfd. 
Pfg. zurück. 3 ) Dies ist bis jetzt die erste Erwähnung dieses Dorfes, das 
seinen Namen von einst hier betriebenem Hanfbau 4 ) erhielt und gewiss 
lange vor 1360 schon bestanden hat. 

Abt Johann T. von Melk belehnte 1367 Jans von Stadeck mit 
Wein- und Getreidezehenten zu Gainfarn, Hanifland und Hofstätten; 1407 
gab Herzog Leopold IV. für sich und seinen Vetter Albrecht der Abtei 
Melk die Bewilligung, die durch Ableben Hanns des Arnsdorfer ihr heim- 
gefallenen Getreide- und Kleinzehente zu Gainfarn, Hanifland und Hof- 
stätten künftig selbst zu geniessen ; zugleich wurde den dortigen Zehent- 
holden befohlen, ihrer Zehentptlicht unweigerlich nachzukommen. In 
Schriften der Pfarre Gainfarn wird Hanifland 1448 und noch 1460 als 
dort eingepfarrte Ortschaft angeführt, von welcher der Pfarrer zu Gainfarn 
den dritten Teil des Wein- und Getreidezehents habe. Schon 1514 heisst 
es im Zehent-Bestandverlass-Register der Abtei Melk: ,,Item zw hanif- 

l ) Fontes I. c. IV. 601. 

*) Vgl. Sektion 91 der Administrativkarte des Ver. für Landeskunde von 
Niederösterreich. 

*) Keibliiiper 1. e. IL, IL 482. 

4 ) Der Hanfbau wurde, wie Flurnamen und noch sicherer alte Dienst- und 
Zehentbücher beweisen, früher im Lande häutig betrieben, ist aber längst in Abname 
gekommen. Uralt ist Hanfthal bei Laa, schon um 1150 beurkundet. (Urkundenbuch 
0. Oe. I. 479.) Alt Hanfthal bei Waldkirchen. (Einzelne Häuser.) Der Hanfbach 
bei Heiligenkreuz wird schon 1188 genannt, der Hanfthalwald bei Paasdorf 1294. 
die Hauifwiese an der Sehwechat bei Baden 1574. Alte Flurnamen sind: Hanf- 
thal bei Nieder-Russbach, Kammersdorf, Unter- Parsehenbrunn, Böhmiscbkrut etc., 
Hanfland bei Mannersdorf a. d. M., Ober-Stinkenbrunn etc. 



180 

landt zweu drittail traidt zelient, so es (das Dorf) gepawet war, aber 
es ligt öd. Hie hat ain pharer zw gainfarn drittail traidt zehent mit 
vnss" (mit Melk). Zum Jahre 1528 heisst es ebenda:. „Hofstetten vnd 
Haniffland sind bede noch öd vnd vngepawt. Gainfarn vnd Soos hat der 
Schauer erschlagen". 1 ) Hanifland wurde wahrscheinlich zwischen 1482 
bis 1490 im Kriege des Königs Mathias von Ungarn gegen Kaiser 
Friedrich III. zerstört, zu welcher Zeit die benachbarte Veste Merken- 
stein eine besonders hervorragende (traurige) Rolle spielte.-) Von wem 
der Ort übrigens zerstört wurde, lässt sich nur vermuten, keineswegs 
aber bestimmt angeben, indem damals Feind und „Freund 4, gleich arg 
im Lande hausten. Eben diese Thatsaehe erschwert es ganz besonders, 
festzustellen, von wem irgend eine Ortschaft zu Grunde gerichtet wurde, 
wenngleich bekannt ist, wann dies geschah und welcher (äussere) 
Feind eben im Lande war. 

Wie zügellos kaiserliche Truppen noch im XVII. und XVI11. Jahr- 
hundert zuweilen hausten, zeigt deutlich eine diesbezügliche Beschwerde 
der u. ö. Stände, ddto. Wien, 22. Mai 1045. also zu einer Zeit, da 
doch ohnehin ein grimmiger Feind, „der Sehwed", das Land zu verheeren 
begann. 3 ) Ueber das Wüthen ungarischer Truppen 1741 in Gedersdorf 
bei Krems, also in Freundesland, giebt ein tief ergreifendes Bild ein»- 
diesbezügliche Relation, ddto. Krems. 17. März 1742 „über geschehene 
UeberfalL Spolierung und Massacre durch Ihrer kön. im den hungariselie 
Soldatesca". an die junge Königin Maria Theresia. 4 ! 

So viel steht bezüglich Hanifland fest, dass es nicht erst 1529 
von den Türken zerstört wurde, weil es ja zu der Zeit, wie oben an- 
geführt wurde, nicht mehr vorhanden war. Da, wo dieses Dorf und seine 
Grundstücke sich ausbreiteten, befindet sich nun ein grosser, zum Gute 
Merkenstein gehöriger Nadelholz wald, welcher „Hanfland ** genannt wird.'M 
Hanifland (mundartlich für Hanfland) mag wol nur ein unbedeutendes 



M Kei blinger 1. e. U.. II. 4X2. 494, 514. 

*) Vgl. Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterr. XIII. 11. 
29 r 59, 226, 270, 285. 

s ) In der Beschwerde heisst es beispielsweise: „Die Khaiserlichen Völekhei 
bequemben sieh nicht mit der Verpflegung, haben viellerorthen ganze Dörfler und 
Märkht ausgeplündert, sogar Schlösser bestigen und Kirchen beraubt. Ifoss um) 
Vieh entführt vnd in den Quartier selbsten, vneraeht ihnen die Natura vnd Seruie-s 
in Vberfluss geraicht werden muessen, noch vnde.r allerhand vorwand grosses (viel) 
Geldt erpressen, auch auf Verweigerung mit prandt trohen", etc. 

4 ) Abgedruckt im Austria-Kalender 1859. p. 51—52 der „Vaterländisrln-n 
Denkwürdigkeiten lf von G. A. Schimmer. 

ft ) Vgl. Sektion Nr. 90 der Administrativkarte von Niederösterreich. 



181 

Dörfchen gewesen sein, dessen daher auch nur in wenigen Urkunden 
gedacht wird. Schweickhardt *) giebt über dieses abgekommene Dorf 
eine kurze Notiz. 

Hofstätten. 

Nachbarort des vorbeschriebenen Dorfes Hanifland, von welchem 
zufolge urkundlicher Nachricht von 1448 drei „unterhalb des Weges" 
gelegene Häuser der Pfarre Gainfarn, alle übrigen funbekannt wie viel) 
aber der Pfarre Potenstein zugewiesen waren. Bertold von Pergaw 
(Bergan). Hofrichter in Oesterreich, stellte 1365 (30. Mai, Wien) über 
ein \u der Hofteiding zu Wien der Abtei Heiligenkreuz zugesprochenes 
Pfandrecht auf die zu Hofsteten *) gelegenen Besitzungen des (zu Poten- 
stein sesshaften) Herrn Friedrich von Waise (Wallsee) einen Gerichts- 
brief aus. 3 ) Aeltere Nachrichten über diesen jedenfalls nur unbedeutenden 
Ort sind mir bisher nicht vorgekommen. Derselbe stand zwischen 
Gradenweith und Rohrbach und scheint unmittelbar an Hanifland gegrenzt 
zu haben. 

Ueber das Abkommen beider Orte wurde schon unter Hanifland 
das mir bekannt gewordene angeführt, daher, um entbehrliche Wieder- 
holungen zu vermeiden, ich dahin verweise. Hofstätten gehört zu den 
Ortschaften, von denen sich wenigstens ein Ueberrest, und zwar ein 
einzelnes Bauernhaus im Hochstättenwald (statt Hofstättenwald), genannt 
„beim Gröbl auf den Hochstätten", bis jetzt erhalten hat; dasselbe ist 
der Pfarre Potenstein zugetheilt, gehört übrigens zur Ortsgemeinde 
Gainfarn. 4 ) 

Holzbruck. 

Am 9. September 1202 stellte Erzbischof Eberhard II. von Salz- 
burg in Beisein des Herzogs Leopold VI. von Oesterreich für das Dom- 
kapitel Gurk ein Diplom aus, und zwar im Orte Holzbruck, wie aus 
folgenderStelle des Diplomes erhellt: „Data sunt hec apud flumen, quod 
dicitur Swarza, in loco, qui dicitur Holzpruke." Unter den Zeugen sind 



») Nach Huebers Austria II. (V. F. W. VV.j 157. 

1 ) Hofstätten gab und giebt es wol mehrere, doch spricht die Wahrschein- 
lichkeit für das bei Potenstein, keineswegs aber Gewissheit, wie Keiblinger 
I. c. IL, II. 515 annimmt. 

•) Fontes 1. c. XVI. 274. 

4 ) Eine kurze Nachricht über Hofstätten geben die Kirehl. Topogr. IV. 
112-113 und Schweickhardt (V. II. W. W.) 1. c. II. 273—274. 

BUK. d. Vereines f. Landesk. 1882. 4-9. 13 



182 

die Pfarrer von Neunkirchen, Pischelsdorf und Brodersdorf. 1 ) Meiller 
vermutet, Holzbruck sei der Pfarrort Schwarzau am Steinfelde (zwischen 
Neunkirchen und Wr.- Neustadt) bei Putten ; dieses uralte Dorf liegt nun 
allerdings am Flusse Schwarza, der sieh im angrenzenden Dorfe Haders- 
werd mit der Putten (Pitten) vereinigt, worauf beide den Namen Leitha 
fuhren, kommt jedoch schon im XI. Jahrhundert als Swarzaha vor 2 ) 
und wurde stets und bis heute so genannt, daher Holzbruck, wenn es 
überhaupt eine Ortschaft, nicht etwa nur eine Oertlichkeit ist, vielleicht 
eine hölzerne Brücke (Holzbrücke) über einen Fluss, welche wegen ihrer 
Bauart, wegen eines Strassenzuges oder einer Mautstätte bedeutsam war 
und deren es damals wenige gab, wol nahe bei Schwarzau bestauden 
haben könnte, aber nicht damit identisch sein kann. Zur Zeit (1202) 
war übrigens Schwarzau schon Pfarrort, und dass der hiesige Pfarrer 
(der allerdings verhindert, wie auch die Pfarre erledigt sein konnte) an 
der Seite seiner geistlichen Nachbarn nicht seinem Oberhirten sich vor- 
stellte, da derselbe doch in seiner Nähe anwesend war, ist wol nicht 
gut denkbar, wenn gleich möglich. Ist aber Holzbruck doch eine Ort- 
schaft, so lässt sich mit vollster Bestimmtheit nur so viel sagen : Die- 
selbe lag am Schwarzafluss, aber unbekannt, an welcher Stelle dieses 
(von der Quelle der Thierschwarza am Unterberg, bis zur Vereinigung 
mit der Putten) ti9*7 Kilom. (9*2 Meil.) langen Flusses. 

Hurbenau. 

Zu den grüssten Wolthätern der Abtei Heiligenkreuz zählen auch 
Heinrich von Zebing und dessen Sohn Wichard. Krsterer beschenkte 
sie mit eilf Lehen und dem Bergrechte zu Haederichesdorf (Hadersdorf 
bei Poisdorf). Bald nachher, um 1190 — 1210, erhielt die Abtei von seinem 
Sohne Wichard neun Lehen zu Dunzendorf (öde) an der Leitha, vierzehn 
Lehen und acht Hofstätten nebst l Pfd. Pfenniggülten und Bergrechte 
zu Ebersbrunn, einen Weinberg zu Saze (Sossj und überdies den Hof 
Hvrenawe. 3 ) Um 1280 hatten Trutwin von Draeschirichen (Draiskircheu) 



M Meil ler. Bal»enl»erger-Regesten 88/32, Note 328, \\ 219: derselbe in 
den Salzhurger Regesten. Nr. 28 p. 175 und f>12. 

') Der Fluss schon im IX. .Jahrh. Mon. boicaXI. IjVT». XXXI., I. ;">(» u. JJG:">. 
- Fontes 1. {.'. Vl.ll. 137 und 138 etc., auch Jahrb. des Ver. für Landcsk. 1., W8. 

3 ) Fontes 1. e. XI. p. 2fi--27. Nr. 1H und 10. beide Urkunden ohne Datum, 
«loch /.wischen 1190-1210 von ein und derselben Hand (wahrscheinlich gleich- 
zeitig) geschrieben. Die zweite Urkunde enthält Pez, Thesaur. VI., II. p. < s 2. 
Nr. 13B mit dem unrichtigen Datum : 1230, 22. Noveinb.. das einer ganz anderen 
Urkunde (Fontes I. c. XI. p. 74. Nr. 63j angehört. 



183 

und seine Gattin Perthe, von Heiligenkreuz das Prädium „Hurbnowe" 
auf Lebensdauer inne, wofür sie jälirl. 10 Schill. Pfg. dienten. Aul 
dieses Besitztum machte Liuberius von Draiskirchen Anspruch und er- 
hielt 1280 zur Entschädigung von der Abtei ein Pferd, eine Kuh und 
10 Pfd. Pfg. 1 ) 

Der Name Hurbenau wird, so. viel ich mich orientiert habe, weiter 
nirgends erwähnt, wol aber Hurben. worunter wahrscheinlich das vorige 
zu verstehen ist. Diese Ansiedlung — sie scheint nur einen Hof und 
einige Lehen umfasst zu haben — niuss ganz nahe bei Draiskirchen 
zu suchen sein. Schweickhardt schreibt: Hurbenowe, Dorf beim Bache 
Hirbend; gehörte der Abtei Heiligenkreuz. 2 ) Wo aber dieser Bach ist, 
sagt er nicht; ich fand diesen Namen auch weiter nirgends verzeichnet, 
wol aber einen ähnlichen, nämlich den in Vöslau entspringenden 
„Hörm a -Baeh , welcher sich an der Grenze des Ortes Tribuswinkel 
gegen Wienersdorf zu mit dem Schwechatbach vereinigt, woselbst sich 
«ine Au befindet, die wol die „Hörni- (alt Hurben-*) Au - sein könnte; 
sie bestand ohne Zweifel dort oder unweit davon, etwa . näher gegen 
Draiskirchen. besteht beziehungsweise heute noch. 

Eine Strecke von c. 400 Wr. Klaftern oberhalb der Einmünduug 
des Hörmbaches in den Schwechatbach. ganz nahe dem rechten Ufer 
des ersteren, erstreckt sich das zur anstossenden Ortschaft Ovenhausen 
gehörige Hörmfeld. Oyenhausen aber ist eine neuere Ansiedlung, die 
erbt 1772 entstand: ohne dass ich bestimmt anzugeben weiss, dass an 
dessen Stelle einst schon ein anderes Dorf bestand, halte ieh dies doch 
für sehr wahrscheinlich und fasse ich meine Nachforschungen in ein 
Ganzes, so sehe ich mich zu glauben veranlasst, jenes abgekommene 
Hurbenau müsse in allernächster Nähe ch*s Dorfes Ovenhausen. und zwar 
wahrscheinlich am sogenannten „Hörmfeld". das an den .,Hörmbach u 
grenzt, bestanden haben. In letzterem aber erblicke i««h unter etwas 
verändertem Namen (was aber hier keineswegs etwas zu bedeuten hat) 
den Hirbendbach Sehweickhardts. 

Die Namen von Flüssen. Bächen, überhaupt die Namen aller im 
Lande bestehenden sowol, als der abgekommenen Gewässer, in letzterer 
Beziehung besonders jene der vielen aufgelassenen Teiche und Weier. 
wie sie in Urkunden und glaubhaften schriftlichen Aufzeichnungen, sowie 
in Druckwerken vorkommen, dann wie der Volksmund sie benennt oder 



l ) Kirchl. To|iolt. IV. L>Hß— 2H7. Fontes 1 <•. XI. 227 und KciUin-cr. 
Melk 1. e. II., I. 338-33». 

■) Schweickhardt I c. (V. V. VV. W.) II. 283. 

13* 



Ib4 

vor Zeiten benannte, die sollten durchwegs gesammelt, alphabetisch 
gereihet, mit dein Quellennachweis und einer kurzen Erläuterung (wo 
eine solche möglich ist) versehen und baldmöglichst veröffentlicht 
werden. Man sage nicht, solch eine Arbeit sei „für jetzt** nicht durch- 
fuhrbar, es mangle an „Vorarbeiten", sie übersteige die Kräfte eine« 
Einzelnen u. dgl. in. Es kann zwar ein solches Werk nicht sofort voll- 
ständig seiu, aber das lässt sich wol behaupten, auch nie und nimmer 
vollständig werden. Einige Tausend von hochwichtigen topographischen 
Namen könnten gewiss ohne besondere Mühe schon jetzt zusammen- 
gestellt und als Xaehsehlagebuch herausgegeben, die unausbleiblichen 
Nachträge diesem Buche (mit fortlaufender Seitenzahl, aber selbständiger, 
alphabetischer Folge) dann jederzeit leicht beigesellt werden. Welcher 
Gewinn für die Forscher auf mehr denn Einem wissen schaftlichem 
Gebiete! Möchte sich doch bald eine geeignete Kraft dieser Aufgabe 
unterziehen, die ohne Zweifel in mancher Hinsicht ein Bedürfnis ist. ' ) 

l ) Selbstverständlich ist eine Zusammenstellung der Namen aller Fluren 
(Rieden, Feldmarken), besonders der Berge und Hügel, Wälder. Weingärten etc. 
nicht minder wichtig! Gross ist der Gewinn, den die Sprachforschung bisher 
aus unseren Orts-. Fluss- und Bergnamen zog, noch grösser würde «1er Nutzeis 
sein, den sie aus einer Sammlung aller besagten Namen ziehen könnte. Was 
Flurnamen anbelangt, so habe ich seit mehreren Jahren deren so viele verzeichnet, 
als in meinen .geringen Kräften stand : ich werde hierin fortfahren und richte, 
um möglichst viele und verlässliche, hieber bezügliche Namen einst veröffentlichen 
zu können, hiemit an alle Freunde und Förderer der Landeskunde das Ersuchen. 
mir authentische Daten zu diesem Zwecke verschaffen zu wollen: gedruckte 
Quellen benützte ich in dieser Richtung selbst und werde dergleichen auch 
fernerhin ausbeuten, daher ich nur um ungedruckte Belege bitte! Solche sind 
vielen limitierten von Mitgliedern zugänglich und finden sich in reicher Fülle in 
älteren l'rbarien. Dienstbüchern. Zehentregistern, Parzellenprotokollen, Mappen 
etc. etc. Besonders wichtig (nicht nur in dieser Hinsicht!) ist die Durchforschung 
der Gemeindeladen, weil dort in der Kegel ältere Aufschreibungen einfach als 
,.unnütz u beseitigt werden! Auch Eigennamen, wie sie zuweilen einzelne Grund- 
stücke, besonders Weinberge, hatten und noch haben, sind anzuführen. Bei ji»der 
Flur, oder einzelnem Grundstücke ist (wenn möglieh) anzugeben, von welchem 
Objekte sie begrenzt ist und was denn als daselbst vorherrschend kultiviert 
wird. Eine Flur, die beispielsweise vor hundert Jahren als Wald vorkommt, kann 
vor achtzig Jahren schon Ackerland gewesen sein und ist etwa seither in Wein- 
gärten etc. verwandelt worden, welchen Veränderungen nach Thunlichkeit nach- 
zugehen wäre. Ich gebe hier gleich ein Beispiel, wie dergleichen Nachrichten 
in der Regel abzufassen wären: 

Asperg — Simering. 

( 1014.) 
Ackerflur zu Simering. Gerichtsbezirk Schweehat, zwischen den Acker- 
Huren Geiereek und Fnter-Geiselberg. hinter dem Staatsbahnhof und der Jute- 



185 

Wie oben gesagt wurde, kommt der Name Hurbenau nach 1280, 
so viel ich weiss, in keiner Urkunde oder in einer anderen Quelle mehr 
vor, dagegen taucht 1293 — 1294 im Jfriligenkreuzer Gültenbuche der 
Name Hurben auf. eigentumlicher Weise in naher Verbindung mit dem- 
selben Trutwin von Draiskirchen, der vorhin schon genannt wurde. Hier 
hat es den Anschein, als ob Hurben zu Draiskirchen gehörte, ja eine 
später zu erörternde Urkunde von 1348 sagt ausdrucklich „ze Draes- 
chirichen pei der Hurben*. Sollte etwa doch in der Nähe Harbenau's ein 
Hurben bestanden haben oder gehören beide Namen demselben Orte an, 
der sich an der „Hurbenau 44 , die wol auch mit „in der Hurben" be- 
zeichnet werden konnte, an dem „Hurbenbache" abwärts in zerstreuten 
Häusern gegen Draiskirchen hin erstreckte ? Dieser Bach mündete wahr- 
scheinlich einstens näher gegen Draiskirchen zu, beiläufig in der Bach- 
weide hinter Wienersdorf, in den Schwechatbach ein. Somit konnte sich 
die „Hurbenau", oder kürzer „die Hurben", „d'Hurm", \,d'Hörm a 
immerhin am „Hörmbach" entlang bis nach Draiskirchen erstreckt 
haben. Hier die schon erwähnte Aufschreibung im Heiligenkreuzer 
Gültenbuche (fol. XVIII.), und zwar nach dem Originale : 

„In d res chi ich e n 
habemus de domo Trevtwini LX den. Mich. 

Item Wildramus et uxor ejus in Hurben soluit nobis de agris 
usque ad dies vite sue vnuin talentum bis in anno, dim. Georii et dim. 
tal. Mich. 

Item in Hurben habemus II. mansos quilibet LX den. Mich." ') 

Trevtwiu ist eben jener Trvtwin (Trutwin) von Draiskirchen, von 
dem schon gesagt wurde, dass er das Prädium „Hurbnowe" (c. 1280) 
inne hatte, wovon er jährlich 10 Schill. Pfg. (also 300 Pfennige, 
das ist ein Pfund und zwei Schillinge) an Heiligenkreuz zu dienen 
hatte. Wie gross war in der Eegel ein „Predium" ? Was ist überhaupt, 
kurz gesagt, unter dem Worte Prädium zu verstehen? Die Antwort auf 
die erste Frage ist schwierig, jene auf die zweite wol leichter, aber 

Spinnerei, an die zu Ober-Laa gehörige Flur Absberg angrenzend. Die Flur 
Asperg wird zuerst in einem <irenzmarkprotokoll ddto. 1. April 1614 erwähnt, 
welches im Simeringer Gemeindearchive erliegt. 

Ich wünsche nur solche Flurnamen kennen zu lernen, die schon vor dem 
Jahre 1700 vorkommen und deren Lage sieh wenigstens annähernd bestimmen 
lässt: hat eine Flur seither den Namen geändert, wolle dies bemerkt werden. 
Zuschriften werden erbeten unter «1er Adresse des Vereines für Landeskunde 
von Niederösterreich. 

') Dieser letzte Betrag (60 Pfg.) ist von zweiter Hand durchstrichen und 
dafür gesetzt: dim. tal., also ein halbes Pfund, d. i. 120 Pfg. 



186 

unbestimmt. Prädium ist ein Gut, überhaupt ein Besitztum, ein Land- 
gut, aber dessen räumliche Ausdehnung, mag sie nun eine ausgedehnte 
Landstrecke oder nur einen Hof mit wenigen Grundstücken umfassen, 
ist damit nicht einmal angedeutet. In unserem Falle haben wir eine 
Ausnarae, die es zulässt. den Umfang des Prädiums Hurbenau zu 
errathen, obgleich über denselben, wie sich zeigen wird, keine direkten 
«ondern nur indirekte Daten aufzubringen waren. Trutwin und seine 
Gattin haben 1280 das Prädium „Hurbnowe* auf Lebensdauer, gegen 
eine jährliche Abgabe von 300 Pfg. an die Abtei Heiligenkreuz, inne : 
aus dem Gültenbuche Cabgefasst 1 '293— 1294) der letzteren erfahren 
wir, dass jener Trutwin nicht mehr das Prädium „Hurbnowe 44 . das hier 
schon r Hurben fc> genannt wird, inne hat, gleichwol es ihm und seiner 
(hier nicht mitgenannten, daher wol schon verstorbenen) Gemahlin Berta 
auf Lebensdauer war überlassen worden. Trutwin dient der Abtei jetzt 
nur von einem Hause zu Draiskirchen jährlich fiO Pfg. Das Prädium 
Hurben selbst ist nun zerteilt, und dient ein gewisser Wildram (und 
dessen Gattin X.) in Hurben jährlich von Aeckern (dieses zerstückelten 
Prädinmsj. die beide lebenslänglich inne haben, 1 ) 1 Pfd. Pfg. Von zwei 
Mansen in Hurben werden jährlich fiO Pfg. gedient. (Ob von Wildram 
oder sonst wem. wird nicht angegeben.) Diese letztere Giebigkeit wurde 
bald nach 1293 mit V s Pfd. (120 Stück) Pfg. festgesetzt, indem 
r LX den. Mich. 44 durchstrichen und dafür „dim. tal. Mich.** geschrieben 
ist damit kein Zweifel entstehen könne, als habe ein Mansus etwa nur 
30 Pfg. zu dienen. 

Somit bestand nun das vormalige Prädium „Hurbnowe* aus Aeckenu 

von denen gedient wurden 240 Pfg. 

und schliesslich zwei Mansen. welche dienten 120 M 

somit um ! / 4 Pfd. Pfg. mehr als das Prädium 

1280 diente, nämlich 3Ü0 Pfg. = 12 Schill. 

Sonach dürfte der Hof „Hvrenawe" (1190—1210) das Prädium 
„Hurbuowe" (1280) und die vorgenannten Besitzungen in „Hurbeu" ein 
und dasselbe Objekt sein. 2 ) 

*) Wildram war höchst wahrscheinlich ein Sohn Trutwins und scheint ihm 
Letzterer, der seit 13 Jahren (1280—1293) wol gebrechlich (schon um 1280 
machten er und seine Gattin Bertha ihr Testament) und wie es scheint auch 
Witwer geworden war. innerhalb dieser Zeit (vielleicht gelegentlich seiner Ver- 
mählung) mit Zustimmung der Abtei das Leibgedinge übertragen zu haben, indess 
er weiter zu Draiskirchen ein nach Heiligenkreuz dienstbares Haus bewohnte. 

*) Gültenbueh 1. c. p. 42. Der Heransgeber des Gültenbuches, Dr. Benedikt 
Gsell hält Hurbnowe für einen Teil von Hurben. 



187 

Unter Prädium, Gut, ist daher nicht immer ein besonders grosses 
Besitztum zu verstehen, wie dies leider ältere und hie und da auch 
neuere Historiker angenommen haben. Solche Prädien führten oft den 
Namen jener Ortschaft, in deren Bereich sie sich befanden, keineswegs 
aber dieselbe ausmachten. Schweickhardt, Max. Fischer u. A< namen 
nun die an das Stift Klosterneuburg (oder sonst wohin) vergabten oder 
in anderer Weise überlassenen Prädien Gebendorf, Hadmarsdorf u. a. 
ohne weiters für die betreffende Ortschaft selbst, was sich keineswegs 
mit den Thatsachen verträgt, wie sich denn zuweilen auch Prädien ver- 
zeichnet finden, die wol Namen hatten und sehr ausgedehnt waren, je- 
doch (zur Zeit ihrer Beurkundung) noch unbesiedelt waren, daher sie 
auch nichts mit Ortschaften gemein hatten. Allerdings entstanden dann 
im weithin ausgedehnten Bereiche solch eines grossen Prädiums im Ver- 
laufe der Zeit Ortschaften, deren älteste mit dem (schon vorhandenen, 
gewöhnlich vom Oberherrn oder Besitzer gegebenen) Namen des Prä- 
diums bedacht zu werden pflegte. 

Das weit ausgedehnte Prädium des Edlen Rihwin (das nach seiner 
Verurteilung Kaiser Heinrich III. 1050 grösstenteils an Passau schenkte) 
im V. U. M. B. bestand (um jene Zeit und im XIT. Jahrhundert) aus 
den Ortschaften Böhmischkrut (Ohrubaten), Ketlasbrun (Gowazesbrunnen), 
Rihwinsdorf (das öde. Bl. für Landesk. XV. 339 — 341 geschilderte 
Dorf), Walchunschirichen (Walterskirchen) und einigen anderen Orten jener 
Gegend. Rihwins Name erkennen wir in Rihwinsdorf. später Reybesdorf 
und endlich Reibersdorf genannt. 

Von Hürm (1083 Hurivin) nannte sich ein Edelgeschlecht, von 
dem c. 11*20 Wecelin von Hurwen, c. 1125 — 30 Pilgrim von Huruuem, 
c. 1150 Heinrich von Huriwin u. A. beurkundet sind. 1 ) Violleicht stand 
Hurbenau einst mit dieser alten Familie in naher Beziehung? 

Am 2. Februar 1348 verpflichtete sich Chunrat der Löher gegen 
die Abtei Heiligenkreuz „daz Wismat vnd die Aekcher, die da ligent ze 
Draeschirichen pei der Hurben, die ich gekauft hau vnd davon dien 
zwelif phenning ze Purchrecht hinz dem (Stifte) Heiligen Creutz" nur 
an rittermässige Leute, Bürger oder Bauern zu verkaufen. 2 ) Hieraus wird 
ersichtlich, dass Löhers Grundstücke zu Draiskirchen bei (also nicht in) 
der Hurben lagen, welche letztere demnach ganz nahe an Draiskirchens 
Gemeindefrieden heran- oder gar in diesen hineinragte. Im mohrerwähnten 
Gültenbuch (p. 38) lesen wir überdies, dass Eberger Muchsner von zwei 

») Fontes 1. c. IV., Nr. 47 und 158, VIII. p. 03. Nr. k 2G0. 
») Fontes 1. o. XVI. p. 204, Nr. 199. 



188 

Aeckern in ,, Hurben' l 45 Pfg. und von einem Acker „in Olohgazzeir' 
(Alandgasse bei Baden) auch 45 Pfg. jährlich zu dienen hat. 

Judenfurt. 

Iin Rationarium Austriae, abgefasst c. 1275, erscheint (mit Zeming- 
dorf, Harschendorf etc. genannt) Judenfurth, wo dem Landesfürsten ein 
Mansus dienstbar ist. *) Ohne Zweifel lag Judenfurt an einem Flusse, 
und zwar wahrscheinlich in der Nähe von Zillingdorf oder Haischendorf 
bei Ebenfurt, in welcher Gegend einst das Dorf Klingfurt (s. d.) bestand. 
Judenfurt dürfte an der Leitha oder Fischa bestanden haben 

Kabisken. 

um 1165 gab Heinrich von Schwarza durch die Hand seines 
Herrn, des Markgrafen Otakar von Steier, dem Stifte Klosterneuburg 
vier Alioden zu Chabisken, die er bald nachher wieder zurück nam, 
als er das an Herzog Heinrich II. von Oesterreich für 35 Talente ver- 
pfändete Prädium zu Stinkindenprunnen 2 ) dem Stifte überliess. Nach 
Max. Fischer wäre ., Chabisken", oder (wie die zweite diesbezügliche 
Aufschreibung im Saalbuche hat) „Cemchabisken* ein verschollener Ort 
hinter Wr.-Neustadt, in jenem Theiie Niederösterreichs, der bekanntlich 
in jener Zeit noch zu Steiermark gehört hat. 3 ) 

Die bei der Ueberlassnng des Prädiums an Klosterneuburg an- 
wesenden Edlen gehören alle der damaligen Nordsteiermark an : Rapoto 
von Puten, Udalrich von Ezenbach, die Brüder Ulrich und Sifrid von 
Cranichberg, Heinrich von Lanzenkirchen, Sifrid von Hicilines. 4 ) Weitere 
Aufschlüsse über diesen Ort fehlen. 

Klingfurt. 

Ein Dorf, welches in der Nähe von Ebenfurt an der Leitha, 
bestand. Im Urbar der Herrschaft Ebenfurth vom Jahre 1558 kommen 
Haschendorf und Sigosdorf (bei Ebenfurt) als gänzlich verödet vor, 
während Clingfurt mit allen seinen bestifteten Bauern aufgeführt wird; 
im Urbar von 15G9 erscheinen Haschendorf und Sigesdorf als aufrecht, 



•) Notizenblatt 1. c. V. p. 383. 

*) Ob hier eines der beiden Stinkenbrunn im V. U. M. B. genieiut ist, 
wage ich nicht zu behaupten, eher könnte es im V. V. oder 0. \V. \V. /.u 
suchen sein. 

8 ) Archiv 1. e. II. p. 109. - Fontes 1. c. IV. p. 251-252. 

4 ) Fontes 1. c. IV. p. 59 und 66. Nr. 306, 307 und 334. Das „Com" vor 
Chabisken (in Nr. 334) ist nur eine Vorschlagsilbe, die unserem „zu" entspricht. 



189 

dagegen wird Klingflirt nicht mehr erwähnt. Ob feindlicher Einbruch 
oder Ueberschwemmung den Ort in Abwesen brachte, ist mir nicht 
bekannt geworden. 1 ) Das Rittergeschlecht Klingenfurth sass zu Klingen- 
furt bei Walpersbach. 

Krois wiesen. 

Nordwestlich von Alkersdorf (Ortsgemeinde Hernstein), im Burgfrieden 
der Gemeinde Wopfing finden sich Reste eines aufgelassenen Schaff ler- 
hofes, genannt Kroishof. 2 ) Dieser Hof stand an der Stelle des (in den 
Mon. boica VII.) mehrfach erwähnten Gutes Craweswiesen (Kroiswiesen), 
welches Graf Siboto von Falkenstein als Lehen besass. 

Noch in einem Urbar der Herrschaft Hernstein vom Jahre 1614 
wird es mit den Worten erwähnt: „Ein ödes Dorf heisst Khroiswisen, 
hat 6 Feuerstätt gehabt, werden hievon die Gründt verdient mit 
12 Schul. 18 Pfg." 3 ) 

Weitere Angaben über dieses kleine Dörfchen — welches vielleicht 
seit 1529 öde ist — kenne ich nicht. 

Lebern. 

Zerstörtes Dorf bei Perg und Kitsee. So berichtet der verdiente 
Historiker P. Theodor Mayer in Melk (f 1861), macht jedoch keine 
Mitteilung, woher er diesen sonst unbekannten Ort kennt. Gleichzeitig 
erwähnt er ein zweites ödes Dorf, Etlasdorf, welches ober Lebern 
bestand und in einem alten Urbar der Pfarre Haimburg als Udoltsthal 
vorkommt. 4 ) Berg hat in südlicher Richtung eine grosse Ackerried, 
genannt Leberfeld, wo vielleicht Lebern *) stand. 

M Aus den rrbarien der Herrschaft Ebenfurt, welche im Reichs- Finanz- 
Minist.-Arehiv aufbewahrt sind. Vgl. Artikel Ebenfurt im 2. Bande der Topo- 
graphie von Niederöstcrr. 

') Dieser ist als ^Groishof (aufgelassen >" auf Sektion 90 der Administrativ- 
karte (Hernstein— Potenstein) ersichtlich. 

8 ) Topogr. des Ver. 1. e. II. p. 33-34. 

4 ) Im Archiv für Kunde österr. Gesch. -Quell. VI. 28*>. 

*) Dieser bedeutsame Name ist noch vielfach als Bezeichnung von Fluren 
in Anwendung; dem Landbewohner gilt Leber jetzt nur mehr als Grenzhügel 
u. dgl., die eigentliche Bedeutung dieses Wortes ist nur einzelnen Wissenden 
noch geläufig. Von Lee- und Leberfluren erwähne ich : Lebern bei Obergrabern, 
Röschitz, Ernstbrunn, L'ntern-Mallebern. l/nter-Retzbaeh. Ebersbrunn etc., Leefeld 
bei Klein-Stetteldorf und Eggendorf, Tuter-Grub etc., Leeberg bei Nieder-Fella- 
brunn, Leeberg bei Dörfel nächst Kirchberg am Wagrain, Leberfeld bei Unter- 
Retzbach, Leberlüssen bei Drasenhofeu u. dgl. m. und ich nenne hier nur einige 
ans dem V. U. M. B. allein! 



190 

Schon im XII. Jahrhundert finden sieh Adelige des Namens Lebern 
(Lebarn, Lewarn. Levraren etc.). doch mir jenen Reginpreeht von Leuraren 
möchte ich auf Lebern bei Berg beziehen, der c. 1130 — 1140 neben 
Wolfker von Medelich (Medling), Sigloch von Risinperge (Reisenberg) 
u. A. die Schenkung des Prädiums Gebendorf ('s. d.) von Seite des 
Adalbert Stuchs (von Trautmannsdorf) an das Stift Klosterneuburg be- 
zeugte. 1 ) 

Mit dem angeblich nicht mehr bestehenden Dorf«* Etlasthal irrte 
Theodor Mayer höchst wahrscheinlich, indem ein Etlasthal noch aufrecht 
ist. im Volksmunde auch so genannt wird, übrigens aber nicht in Nieder- 
österreich, sondern in Ungarn und zwar in jenem in das österreichische 
Gebiet einschneidenden Grenzwinkel liegt, der Prellenkirchen von Berg 
und Wolfsthal trennt. Es ist Edelsthal (ungar. Nemesvölgy). Ob 
jene 2 Joch Weingarten zu Leubing, welche 1353 von Jakob und 
Colomann, Sühnen des verstorbenen Oolomann von Laa der Pfarrkirche 
St. Martin in Klosterneu bürg geschenkt wurden, *) hier in Lebern bei 
Berg oder etwa in Leiben (bei Weitenegg) oder Loiben (bei Krems) im 
V. 0. M. B. lagen, ist schwer zu sagen, am wenigsten wahrscheinlich 
ist die Annaine/') unter Leubing sei vielleicht Langenlebern zu verstehen, 
wo kaum jemals Weingärten (geschweige einer von zwei Joch) be- 
standen haben. 

Leutweins. 

Der Wiener Bürger Jakob von Chrut beurkundet am 2. September 
1 304. dass er mit Zustimmung seiner Hausfrau Katharina dem Schotten- 
kloster in Wien (5 Pfd. Pfg. Gülten vermacht, gelegen „ze Laeutweins, 
die die purger von Prukke, die daz gut inne haben, * alljährlich dienen 
sollen und zwar in burgrechtsweise, indem er die Eigenschaft dieser 
Gülten, nachdem er sie von des Sunnberger Schwester, der Gott guädig 
sei, einst an sich gelöst, schon vor längerer Zeit dem Schottenkloster 
gegeben hat. 4 ) Wie mag ..des Svnnberger swester, der got genade" 
geheissen haben, wie hiess jener Sonnberger selbst? Darüber schweigt 
die Urkunde. Die angesehene, vielverzweigte österreichische Adelsfamilie 
von Sonnberg stammte aus einem alten, zu Rötelstein (bei Haimburg, 
öde) und Haimburg ansässig gewesenen Ministerialengeschleehte : diese 
vielverzweigte Familie (erloschen Anfang des XV. Jahrhunderts) bediente 

! ) Fontes 1. e. IV. Nr. 4<>9 p. 107. 
') Fönte« l. e. X. p. 347, Nr. 356. 

3 ) Archiv 1. c. II. p. 112. 

4 ) Fontes 1. c. XVIII. p. 115, Nr. 37. 



191 

sich für ihre männlichen Sprösslinge besonders gern des Namens Leut- 
wein und einer dieses Namens scheint den Ort Leutweins benannt, wol 
auch gegründet zu haben. 

Ein Teil der Besitzungen zu Leutweins dürfte von den Sonn- 
bergern an die verwandten Freien von Freienstein gekommen sein : 1 309, 
15. Mai. schenken die Brüder Dietmar, 1 ) Leutwein und Ulrich „die 
Vreyn von Vreinstain vnsers rechten aygens Sechs phfunt geltes. 2 ) die 
do ligent datz dem Levtweins bei der Stat ze Prukke ovf achern" zu 
einem Seelgeräthc an die Schottenabtei zu Wien/ 1 ) Sechs Pfd. Pfg. 
Gülten zu „Lewtweins" bei Brück „auf der Leitha a gelegen, auf 3 Lehen 
verlieh (zwischen 1350 — 1381 annähernd) Heidenreich von Meissau dem 
Friedrich von Utendorf 4 ) (öde, bei Himberg, s. d.) 

Ein Herr von Meissau (etwa Ulrich III. oder Otto IV.) belehnte 
um 1400 Achaz den Hannauer mit G Pfd. Pfg. Geld auf Ueberländ zu 
Leutweins bei Brück, gekauft von Mendlein dem Härder. 5 ) Als mit 
Otto (IV.) von Meissau dieses mächtige Ministerialengeschlecht**) 1440 
erloschen war, kam die Lehenschaft über Leutweins an den Landesfürsten. 
König Ladislaus belehnte 1455 (2(>. März) Melchior den Hannauer mit 
6 Pfd. Pfg. Gülten auf Ueberländ zu „Lewtweins 4 * bei Brück, die er 
von seinem Vetter Georg Hannauer geerbt: falls Melchior vor seinen 
Schwestern Stholastiea und Barbara sterbe, bewilligt der König „aus 
Gnad*\ diese Gülten auf jene Schwestern vererben zu dürfen. 7 ) Sonstige 
verbürgte Nachrichten über Leutweins kenr.e ich nicht. Im Jahre 1304 
(s. oben) scheint diese Ortschaft schon verödet gewesen zu sein, dürfte 
sich auch kaum wieder erhoben haben, während die zugehörigen Grund- 
stücke von Bewohnern der anrainenden Stadt Brück bebaut wurden. Auch 

l ") Die l'rkunde hat irriger Weise statt Dietmar „Gaytinar". 

*) Also "eben so viel, wie „des Sonn berger Schwester" einst besass; ver- 
mutlich als Heimsteuer oder Erbe au die Freiensteiner zur Hälfte gekommen. 

s ) Fontes 1. c. XVIII. p. 129, Nr. 110. 

4 ) Notizenblatt 1. e. VII. p. 303 (Meissauer Lehenbuch). 

b ) Notizenblatt 1. c. VII. 335. Folgendes seheint sich wol auch auf obiges 
Leutweins zu beziehen, doch möchte ich es nicht behaupten. Der Geschiehtskenner 
mag urteilen : Um 14(jO hatten von den Meissauern als Lehen der Herrschaft Gars 
(0. M. B.. am Kamp): Hanns der Neudecker das Dorf „Lewbein" mit seiner Zu- 
gehör. Nikolaus der Neudecker l Hof zu „Lewben", Hanns der Neudecker, Schaffer 
zu „Lewbein" ebenfalls einen Hof allda (Meissauer Lehenbuch. Notizenblatt 1. c. 
VII. HK). 

•) Eine treffliche Schilderung desselben von Herrn Prof. Ignaz Pölzl 
enthalten die Bliitter des Vereines für Landeskunde von Niederösterr. Jahrg. XIV. 
p. l-23 ; 161-18L 382-400 und XV. p. 42-70. 

7 ) Notizenblatt 1. c. IV. p. 92. 



192 

jetzt gehören die Leutweinser Felder — sie liegen zwischen der Leitha 
und der Strasse von Brück nach Höflein — zu Brück. Ehie Ackerried 
zu Höflein, neben einem Wege, der einst dieses Dorf mit Leutweins ver- 
band, heisst davon „beim Leidweiser Weg". 

Meinhartsdorf. 

Am linken Ufer des Wienflusses, wo jetzt ein Teil von Gaudenz- 
dorf (die Planken-, Stiegen- und Storchengasse) und Sechshaus sich aus- 
breitet, lag einst das Dorf Meinhartsdorf. 

Die erste, bestimmt hieher gehörige Nachricht ist vom Jahre 1178; 
Ulrich von Falkenstein verkaufte dem Stifte Klosterneuburg sein Prädium 
„Meinhartisdorf iuxta Murlingin" (also Meinhartsdorf bei Meidling) zu 
dem Vorzugspreise von 70 Pfd. Pfg., da der Verkauf zugleich eine 
fromme Gabe sein soll. Es war dies also ein sogenannter Guadenkauf ; ! ) 
Herzog Leopold V. bestätigte diese Handlung 1179. 2 ) 

Die Aufhellung der Geschicke dieses Meinhartsdorf ist schon dess- 
wegen schwierig, weil mehrere andere Orte, die jetzt Mannersdorf heissen. 
vor Jahrhunderten Meginhartsdorf geschrieben wurden ; geschrieben, doch 
anders lautete die Aussprache. Mau weiss, wie schwer es unseren Vor- 
fahren oft wurde, irgend eine Sache schriftlich genau so wiederzugeben, 
wie sie thatsächlich ausgesprochen wurde. Alle Mannersdorf im Lande 
sind sehr alt und in Urkunden des XII. Jahrhunderts werden sie Megin- 
hartesdorf — von Meginhart, dem altdeutschen Mannesnamen — ge- 
schrieben, welche Schreibart mit Meinhartisdorf, Megenhartsdorf und 
ähnlichen Bezeichnungen gleichzeitig üblich war. Man wollte sich 
eben zuweilen der gewöhnlichen Mundart anbequemen (die ja auch im 
XIX. Jahrhundert noch immer für Solche schwer zu erfassen und schrift- 
lich wiederzugeben ist, die nicht mehr, als eine Art berufsmässigen 
Interesses au ihr haben ; die Sprache unseres Volkes müssen wir aber 
zuerst kennen und lieben, hernach werden wir sie verstehen), doch nicht 
immer haben die Schreiber jener Zeit diese auch begriffen, so wenig 
wie sie der einmal akzeptierten Schreibweise treu blieben, oft nicht ein- 
mal in ein und derselben Urkunde. Ueber Meginhard und Meinhart 
überwog schliesslich Mannhart und so haben wir statt sieben oder acht 
Meginharts- oder Meinhartsdorf jetzt durchwegs Mannersdorf. Aber nicht 



1 ) Fischer 1. c. II. p. 71—72, Nr. 124 und 126, mit der Bemerkung 
über Meinhartsdorf: „Lag unweit des Wienflusses in der Gegend der heutigen 
Hundstiiniierlinie". — Fontes 1. c. IV. p. 116, Nr. 535. 

2 ) Fontes 1. c. IV. p. 117-118, Nr. 540. — Kirchl. Topogr. 1. e. I., 
II. p. 212. 



193 

über Personen- und Ortsnamen *) allein erstreckte sich diese veränderte 
Schreib- und Sprechweise; aus Meinhartisberg 2 ) entstand Manharts- 
berg u. s. f. 

Graf Liupold von Plaien vergabte an Göttweig zwei Lehen und 
Grundstücke mit dem Dienstmanne Meginhard, gelegen zu Meginhartes- 
dorf. Dies geschah zwischen 1172 — 1180 und nicht, wie Johann 
Wendrinsky annimmt, 3 ) schon c. 1130, noch weniger erst um 1196, wie 
in den Mon. boic. angenommen wurde. Wilhelm Karlin, der Herausgeber 
des Göttweiger Saalbuches, vermutet, Meginhartesdorf sei das heutige 
Lang - Mannersdorf (an der Perschling, 0. W. W. im Gerichtsbezirke 
Herzogenburg), weil letzteres in älteren Urbarbüchern (XIV. Jahrhundert) 
der Abtei vorkommt, u. zw. als Meinhartsdorf. Ich möchte diese An- 
name nicht bezweifeln, kann aber aus dem Grund allein, weil mehr als 
hundert Jahre später Göttweig in Lang-Mannersdorf Besitz hatte, nicht 
unbedingt beipflichten ; in der Schenkung ist von Weingärten die Rede, 
solche bestanden aber auch bei Meinhartsdorf nächst Wien und auch 
die Grafen Plaien hatten in dieser Gegend Besitz. 

In der ersten Hälfte des XII. Jahrhunderts, bevor noch der Ort 
Meginhartsdorf beurkundet ist, finden wir im Klosterneuburger Saalbuch 
Meginhardus von Hertilinisdorf (Hütteldorf V), welcher seinen Untergebenen 
Dietmar durch die Hand Hechericis von Meginhardisdorf zu einem jähr- 
lichen Geldzins? an das Stift verbindlich macht. 4 ) Um 1190. dann 



l > Letzter« giengen vielfach aus den ersteren hervor. Diese waren auch 
zumeist die Vorgänger der späteren Familiennamen, welche heutzutage aller- 
dings nur selten sich auf ihr eigentliches Stammwort zurückführen lassen. Ver- 
breitet ist beispielsweise in Niederösterreich der Familienname Mannhart: wol 
wenige, die ihn tragen, wissen, dass er von Meginhard. bezüglich Meinhart sich 
herleitet. 

*i Noch zwischen 1177— 118(> als Meinhartisperge im Saalbuch des Stifte» 
Klosterneuburg. Fontes 1. e. IV. p. 122, Nr. 551. 

8 ) In den Blatt, des Vereines für Landesk. XIII. p. 304. 314, 324, der 
Regesten zur Geschichte der Grafen von Plaien-Hardegg Nr. *8. 199 und 224. 
welchen drei Hegesten eigentlich nur eine Urkunde zu Grunde liegt 
«Tradition des Saalbuches von Göttweig; abgedruckt Mon. boica XXIX., II. p. 63 
und Fontes VIII. p. 78, Nr. 305). Die erste Kegeste (Nr. 88 p.304) verlegt sogar 
<üe Schenkung des Grafen Plaien nach Passau, da sie doch Göttweig zu Teil 
wurde; die Zeitangabe bezüglich dieser Regesten ist bei Herrn Wendrinsky: 
c. 1130 (Nr. 88), c. 1175 (Nr. 11») und endlich bestimmt das Jahr 1175 
(Nr. 224). Nun wissen wir erst nicht, welches Jahr zwischen c. 1130—1175 ihm 
das annähernd wahrscheinliche ist V Ich vermute zwischen 1172—1180. 

4 ) Fontes 1. e. IV. p. 145, Nr. 653; ebenda p. 301 von M. Fischer als 
M. nn der Wien erklärt. 



194 

wieder zwischen 1192 — 1194 wendete Ortolf von Russbach demselben 
Stifte Besitzungen in Meinhartisdorf (so geschrieben e. 1190: das zweite 
Mal steht Meinharsdorf) zu. 1 ) Ob dies Meinhartsdorf an der Wien ist, 
kann ich nicht behaupten, jenes Megcnhartsdorf, das in demselben Saal- 
buch 1171 genannt wird, gehört jedoch ins V. 0. W. W. 2 ) 

Unbekannt ist auch, wo Frau Bertha von Meguhartesdorf wohnte, 
die vor 1150 im mehrerwähnten Saalbuche erscheint und ihre Magd 
Adala dem Stifte zinspflichtig machte. Fischer bezieht auch diese Frau 
auf Meinhartsdorf an der Wien. 3 ) 

Im ältesten Grundbuche des Stiftes Klosterneuburg (1258) kommt 
Meinhartsdorf bei Wien nicht vor, doch ist das kein Beweis, dass 
der Ort damals nicht im Besitze des Stiftes oder etwa abgekommen war, 
denn jenes Grundbuch umfasst überhaupt nicht alle Besitzungen, welche 
1258 dem Stifte gehörten. Im Urbar von 1404 erscheint neben Zohen- 
sunsdorf (öde, s. d.) und Mevrlingen (Meidling) auch „Minhartsdorf". 4 ) 

Eine ausführlichere Nachricht über Meinhartsdorf an der Wien 
haben wir erst aus dem Jahre 1310, da Herzog Friedrich I. zu Wien 
am 24. Juni bezeugt, er habe in Folge der Bitte des Pröpsten Bertold 
von Klosterneuburg dessen Diener Ludwig von Mulinge (Meidling?) 
und seiner Gattin Katharina und beider Erben zu Burgrecht verliehen 
„den hof, der da leit ze Meinharczdorf vf der wienne vf des vorgenanten 
goczhauses aigen ze Nevnburch" mit all seiner Zugehör zu Feld und 
Dorf, gestiftet oder ungestiftet. Ludwig, seine Gattin und Erben sollen 
den Hof versetzen, verkaufen, vertauschen oder vererben können, wie es 
ihnen beliebe, doch müssen sie dem Stifte Klosterneuburg alljährlich 
am St. Michaelstag 10 Schill. Pfg. Burgrecht dienen. 5 ) 

Dieser Hof muss mit vielen Grundstücken dotiert gewesen sein, 
da er 1363, obgleich mit 5 V 4 Pfd. Pfg. Gelddieust belastet, dennoch 
um die (damals) hohe Summe von 85 Pfd. Pfg. verkauft wurde. Jans 
der Chaestler beurkundet am 21. September 13i>3 zu Wien, dass er mit 
Hand des Grundherrn Heinrich Würfel, Bürgers von Wien und derzeit 
Amtmannes des Stiftes Klosterneuburg, seinen Hof „gelegen ze Meinhartz- 
dorf**, den er von seiner Muhme. Jungfrau Elsbet von Hof. geerbt habe, 
und der jährlich dem Stifte Klosterneuburg 10 Schill. Pfg. Grundrecht, 
dem Frauenkloster zu St. Maria Magdalena in Wien 1 Pfd. und Michael 



M Fontes 1. c. IV. p. 92—93, Nr. 429 und 431: p. IIa. Nr. 533. 

2 ) Fontes 1. e. IV. p. 71, Nr. 349. 

°i Fischer 1. c. II. p. 30. Nr. otf und Fontes I. e. IV. p. 103. Nr. 483. 

4 ) Fontes 1. c. XXVIII. p. 198. 

5 ) Fontes 1. c. X. p. 118 — 1 19, Nr. 127. 



195 

dem Chleber 3 Pfd. zu Burgrecht diene, um 85 Pfd. Pfg. an Nikolaus 
den Ekchartzawer (Eckartsau, aber nicht dem gleichnamigen Ministerialen- 
geschlechte angehörig), Harnischmeister Herzog Rudolf IV., und seiner 
Hausfrau Elsbeth verkauft habe. 1 ) 

In den Kriegswirren des XV. Jahrhunderts, wahrscheinlich zur 
Zeit der ungarischen Invasion um 1485, gieng Meiuhartsdorf zu Grunde. 
Obigen Hof, der noch um 1512 als Hof zu „Mannhartsdorf" bestand, 
hatte in letzterer Zeit die Abtei Heiligenkreuz besessen : indes das Dorf 
sich nicht mehr erhob, erscheint der Hof als „bei Meidling" gelegen 
im Klosterneuburger Grundbuch, 1513. 2 ) Jetzt ist die Stelle, wo Mein- 
hartsdorf stand, wieder bevölkert, aber erst seit Ende des XVIII. und 
zu Beginn dieses Jahrhunderts, zu welcher Zeit sich hier an beiden 
Ufern der Wien Gaudenzdorf und Sechshaus entwickelten. 

Mirmitz. 

In der Geschichjte des Frauenstiftes zu St. Nikolaus in Wien be- 
merkt der Autor, Joh. Christoph Stelzhammer, Domherr bei St. Stephan, 
Folgendes : 

..Laut des alten Amtbuches hatte das Kloster Holden an verschie- 
denen Orten um Wien. z. B. den Hof zu Mirmitz bev Schwechat, der 
wahrscheinlich wie Stocking bei Deutsch-Brodersdorf und viele andere 
Orte von den Türken zerstört wurde." 3 j 

lieber das Alter jenes „alten Amtbuches" giebt Stelzhammei leider 
nichts an, ich bin daher auch für jetzt nicht im Stande, hierüber etwas 
mitzuteilen, obgleich ich viele urkundliche Nachrichten über dieses Kloster 
sammelte, um einst dessen Geschichte herausgeben zu können. 4 ) Wenn 
man bedenkt, dass von jenen älteren Ordenshäusern, welche in Wien 
vom XII. bis XIV. Jahrhundert entstanden, gowissermassen nicht ein 
einziges*) seine Speeialgeschichte besifzt, so wird man wol berechtigt 



') Fontes 1. v. X. p. 407—408. Nr. 418. 

a ) Kirch). Topogr. 1. e. I.. 1. p. 21 2. Arohiv 1. «. II. p. 113. Eine kurze 
Erwähnung des Ortes Meiuhartsdorf macht 0. M. Bartsch in seiner Mono- 
graphie über Meidling und 1'ingebung. Wien 1H77 (p. 17). 

*) Kirchl. Topojrr. 1. c. XIII. 208. 

4 ) Dieses Amtbuch scheint nicht mehr vorhanden zu sein? Im k. k. Staats- 
archive ist ein gewöhnlicher Archivsindex (XVII. bis XVI11. Jahrhundert), 51 Blatt 
in Fol., wo aber sind des Klosters Grund-. Dienst- und Zehentbücher etc.? 

5 ) Die einzige, grössere Monographie dieser Art, über die Schottenabtei. 
von Dr. E. Hauswirth. ist nur ein „Abriss einer Geschichte" dieses Hauses 
(1858). 



196 

sein, zu sagen, dies sei aus mehr als einem Grunde beklagenswert: 
Wien, die zweitgrösste katholische Stadt der Welt, in der schon 
seit Jahrhunderten so viele Bausteine zur Klostergeschichte gesammelt 
wurden, es sollte keinen Baumeister haben, der jene Steine zu einem 
Ganzen fuge? Solch' ein Werkmeister der Geschichte eines geistlichen 
Hauses soll aber aus einem solchen hervortreten, wie dies schou 
mehrmals — freilich fast ausschliesslich nur von der Priesterschaft der 
St. Pöltner Diöcese — geschehen ist.') 

Muchersdorf. 

Grenzort der Abtei Heiligenkreuz, zufolge der Stiftungsurkunde des 
Markgrafen Leopold III. , des Heiligen, ausgestellt 1130 vor dem 3. Juni, 
in der es heisst „ — et ab hinc per uiam, que uadit ad siluam attinentem 
ad uillam, que dicitur Sichendorf. ab hinc ad locum, ubi oritur riuulus. 
qui appellatur marchbach. ab hinc per uiam ducentem et iungentem se 
uitj, que< ducit ad draschirch. et ab hinc usque ad fontem, qui oritur in 
loco, qui uocatur Mvchersdorf. et ab hinc ad montem, cui uocabuluin 
Ebenberch." *j Diese von Leopold dem Heiligen 1 136 festgesetzten 
Grenzen sind noch heutzutage in Kraft ! Hier genügt es, aus der Urkunde 
bezüglich der Grenzbestimmung nur das auszuheben, was die Lage des 
verschollenen Muchersdorf aufhellen kann. 

Von Sicheudorf (Sittendorf) wendet sich die Grenzlinie zum March- 
bach (jetzt Marbach), von da zum Draiskirchner Weg und Muchersdorf, 
zum Ebenberg und wieder zum Zusammenflusse des Sattel- und Schwechat- 
baches, von wo aus eben die Gränze des* Klostergebietes ihren Anfang 
nimmt. Muchersdorf lag also oberhalb Siegenfeld, zwischen dem „Reusach- 
berg" und dem „Ebenberg-, ungefähr da, wo sich ober dem „Heuthal" 
der „kleine Bodenberg 14 erhebt. Alle diese angeführten Namen, mit Aus- 
näme von Muchersdorf finden sich auf der Adininistrativkarte des Ver- 



*) Von Ordensmännern, welche die Geschichte des eigenen oder eines 
fremden Hauses schrieben, nenne ich nur Friess (Ardaggen, Hanthaler (Lilien- 
feld), Fräst (St. Polten, Zwetl, Inibach j, Burger (Altenhurg). Keiblinger (Melk 
und Kl. Maria Zell). Fischer (Klosterneuburg). Koll (Heüigenkreuzj, Schwind! 
(Neukloster), Hauswirth (Schottenabtei). Wo aber bleibt die Geschichte anderer 
Abteien und Klöster? Mit Vergnügen und Spannung erwartet man von der 
bewährten Hand des Professors Adalbert Dungel zur 800jährigen Gründungsfeier 
(1083-1883) des Stiftes Göttweig eine Geschichte desselben. 

■) Pez, Thesaur. 1. c. VI., I. p. 318, Nr. 95. Fontes 1. c. XI. p. 2, Nr. 1. 
Eine Uebersetzung der auf die Grenzen bezüglichen Stelle, in diesen Blättern, 
IX. p. 118. 



'197 

eines, Sektion 77 (Baden-Heiligenkreuz Y Jedenfalls verödete diese Ort- 
schaft vor 1294. denn im Gültenbuche der Abtei Heiligenkreuz, weiches 

* 

doch alle umliegenden Orte genau verzeichnet, fehlt sie bereits. 

Muckerau. 

lieber dieses Inseldorf, welches schon c. 1081 bestand (Mon. 
boic. XXVIIL II. 213), sind nachzulesen die Blätter des Vereines für 
Landeskunde. XV. 316 — 318. Die Insel, auf welcher Muckerau sich 
befand, lag in der Donau, zwischen Kritzendorf und Kornenburg. 

Nöttendorf. 1 ) 

Nicht weit von Erdberg (bei Wien) entfernt lag Nöttendorf, ein 
Ort, der gänzlich untergegangen ist. Er hatte 1389 dreizehn Häuser und 
erkannte, wie Erdberg und die Schöffstrasse, als Grundherrschaft die je- 
weilige Gemahlin des ältesten Herzogs von Oesterreich. 2 ) In Folge der 
Türkenbelagerung 1529 gieng diese Ortschaft zu Grunde und wurde 
nicht mehr aufgebaut. 3 ) Es bestanden also noch um das Jahr 1500 
awei Dörfer Namens Nöttendorf, die nicht sehr weit von einander, etwa 
nur drei Wegstunden entfernt waren und beide noch im XVI. Jahrhundert 
eingiengen: Nöttendorf zwischen Rutzendorf und Raasdorf vor 1550, 
obiges Nöttendorf bereits 1529. 

Otichk. 

Jans von Ohirichlinge (Kierling) beurkundet am 21. Jänner 1367, 
dass er dem ^Stifte Klosterneuburg in Anbetracht der Gnade und Treue, 
so seinen Vorfahren und ihm selbst von Seite dieses Stiftes zu Teil 
geworden „vnd auch noch heut ze tage geschieht", alle seine Rechte 
vermacht habe, die er hat in beiden Dörfern' Chrizendorf und Otichk, doch 
nur für den Fall, dass er kinderlos sterbe. 4 ) Das Stift erhielt später 
wirklich Besitzungen zu Otichk, von denen sich zwei Höfe aus den 
älteren Urbarien nachweisen lassen, die später vereinigt wurden und nun 
zusammen den „ weissen Hof" bildeten. Dieser letzte Rest von Otichk 
steht hinter Kritzendorf, auf der gegen Hadersfeld sich hinziehenden 
Anhöhe. Im Klostcrneuburger Saalbuch *) kommt zwischen 1226—1250 



') Nöttendorf im V. V. M. H. ist geschildert in diesen Blättern XV.. 
326 3*27. 

-j Weis 8 K., Topogr. der Stadt Wien p. 20. 

*) Weiss 1. {-.. p. 30. 

4 ) Konten 1. c. X. p. 422, Nr. 434. 

s ) Fontes 1. c. IV. p. 179, Nr. 8ÜÜ. 

BUU. d. Vereine» f. Landosk. 1888. 4-9. 14 



198 

eine Familie von Othtik vor, die gewiss von diesem verödeten Orte sich 

benannte. Hier eine Namensübersicht : 

G u n d o 1 d. 

Gattin N. 

i 
— -*■ 



Heinrich. Friedrich. 

Gattin Kunigund, Tochter Leopolds 
von Beheimreut. 
Ob aber auch jener Gottschalk von Attingen zu dieser Familie 
gehört, der c. 1140 — 1150 das Stift beschenkt«, möchte ich trotz der 
bejahenden Angabe Max. Fischers ! ) für fraglich halten. 

Parz. 3 ) 

Veste und Ortschaft zwischen Trautmanns dorf und Margarethen am 
Moos. Vor 1150, etwa zwischen 1135 — 1145, gab ein adeliger Mann, 
Namens Horand, durch die Hand des hochedlen Sterchfrid dem Stifte 
Klosterneuburg ein Lehen und eine Hofstatt zii Porz. und zwei Lehen 
nebst zwei Hofstätten zu St. Margarethen. 3 ) 

Hiezu bemerkt der Historiker Max. Fischer: „Porz ist gänzlich 
unbekannt, wenigstens im Lande unter der Enns. Ad sanctam Margare tarn, 
so wurde Höflein an der Donau viele Zeit genannt, da die heil. Marga- 
reth daselbst Kirchenpatronin ist." 4 ) Dem steht die Tatsache gegenüber, 
dass Parz ganz nahe bei St. Margarethen (am Moos) stand und dass 
die heil. Margaretha auch hier von jeher Pfarrpatronin ist. Dies schliesst 
allerdings nicht aus, dass auch Höflein (ober Kritzendorf) vor Zeiten 
zuweilen nach der Kirchenpatronin benannt wurde. Von vielen Personen 
des Namens Parz, Porz, Porce etc. (teils Adelige, teils Nichtadelige) 
lassen sich mit Wahrscheinlichkeit auf obiges Parz beziehen : Kberwin 
von Porz (1230). Heinrich von Portz (c. 1240), Trauslibus von Porz 
(1247, Wien 4. Febr.). 5 ) Jans von Parz, seine Gattin Perchte und sein 
Bruder Albrecht nennen 1331 Herrn Hadmar Stnchs von Trautmannsdorf 



! ) Vgl. dessen Angaben über M Attin<ren u und „Oetting" im Archiv I. c. II. 
p. 117 und 131, ferner Fontes I. c. IV. p. 35, Nr. 1(>4 mit der Anmerkung 
p. 234-235 und 317—318. Von den irrigen Angaben sei nur eine erwähnt: 
,,Peheiinrvtte, sieher Böhmisdikrut im V. T\ M. B u (!!) Beheimreit ist ein ab- 
gekommener Ort b»«i Leobendorf, V. l\ M. B. (Vgl. Nachtrag.) 

a ) lieber Partz im V. I. M. B. vgl. Jahrg. XV. p. 332 --333 dieser Blätter. 

*» Fontes 1. e. IV. p. 3f>. Nr. lßo. 

*i L. c p. 235. 

s ) Archiv 1. e. II. p. 395 (wo aber Elbuin de Porce steht) und Fontes I. c. III. 
p. 140. IV. p. 17«. Nr. 704, Monum. boica XXIX.. II. p. 3G3, Nr. 30. 



199 

ihren Lehensherrn. 1 ) Nach Wissgrill besassen 1429 die Herren von 
Ebersdorf, Parz, Rauhenwart, Pellendorf etc. 2 ) Herzog Albrecht V. be- 
lehnte 1431 (Wien, 18. Juni) Wenzel den Pernsdorfer und dessen Bruder 
Hanns mit dem Hofe zu „Porcz", den Zehenten und Gülten am Pellendorfer- 
berge. bei St. Veit und zu Flecz, die sie von dem verstorbenen N. Stuchs 
von Trautmannsdorf zu Lehen gehabt und die in Folge Ableben des 
Letzteren an ihn (Herzog) gekommen waren. 3 ) Herzog Albrecht V. be- 
urkundete 1433, dass er einen Hof zu Porez bei Trautmannsdorf gelegen. 
den ehedem N. der Franczoise zu Lehen gehabt, seinem getreuen Wenzel 
Pernsdorfer auf dessen Bitten und aus besonderer Gnade zu Burgrecht 
verliehen habe, wonach letzterer (und seine Erben) fortan von jedem Joch 
Acker, welches zu diesen Hof gehört, jährlich in das herzogliche Urbar 
zu Trautmannsdorf 7 Pfg. zu dienen habe. 4 ) Um 1434 belehnte Herzog 
Albrecht V. die obgenannten Bruder mit ihrem Erbe, einem Hofe zu Porcz 
und zwölf Joch Aeckern daselbst, nächst dem Acker Wölfleins von Porcz, 
Lehenschaft der Herrschaft Trautmannsdorf. 5 ) Am 2. Juli 1436 haben zu 
Gunsten des Herzogs Albrecht V. Caspar Reyttinger und seine Geschwister 
auf ihren Zehent vom Hofe Parcz, Lehenschaft der Herrschaft Starhen- 
berg, verzichtet. * 

Ritter Coloman von Hundsheim verkaufte 1437 oder 1438 drei Pfd. 
Pfg. Gölten von seinem Dorf Parz bei Trautmannsdorf an Erhard von 
Neudeck und dessen Gattin Walpurga (Tochter des Hanns von Raithaimb 
oder Reutheim) für 43 Pfd. Pfg. 6 ) Kaiser Friedrich III., der Jörg dem 
Mfildorfer, seinem Pfleger zu Medling, Stadt und Schloss Bruck an 
der Leitha in Pflege (Verwaltung) gab, bewilligte 14. r >3 (Wr.- Neustadt, 
12. December), dass derselbe alle Mauton, Renten und Gülten, die dazu 
gehören, nebst dem Aegidijahrraarkt und dem Ungdde zu Trautmannsdorf, 
Saresdorf, Stnchsneusiedl (jetzt unrichtig Stixueusiedl) und Parz, gegen 
Bruck in Burgrechtsweise einneme und zu der Stadt und Veste Schutz 
gebrauche, wie diese Einnamen auch Hanns von Neudeek, PtiVgtT zu 
Puten, dahin eingenommen habe. 7 ) 



l ) I> nullius. Kx«*«»rpt. ttf'tiealug. p. 190. 
j ) Wol nur teilweis«! (Wisa#rill 1. u. II. p. :Jlo.) 
*) Lii'liriowsky 1 «. V.. Rcjr. Nr. 21)95. 

4 > Lichnowskv !. <;. V.. Re<r. Nr. 3217 (ddto. Www, 15. Juni 1433) und 
Reg. Nr. :V28<) (undatiert). 

5 ) Notizeublatt 1. <:. IX. p. %. 

6 ) W ii rm br and. Coll«ut. p. 128. - Wiss-rill 1. c. IV. p. WS. - 
„Adler" I. c. II. (1872) p. 210. 

') Archiv I. «. X. p. 190. 

14* 



200 

Der Ort Paiz grenzte an Trautmannsdorf. Hier ein Beweis für diese 
Thatsache. König Ladislaus belehnte 1455 mit einigen Lehenstücken 
der Herrschaft Trautmannsdorf Hanns den Schnaidpeck , mit 19 Joch 
Aeckern zu Trautmannsdorf „im Feld gen Parcz" gelegen und mit anderen 
19 Joch, ebenda im Feld, gegen Gallbrunn, und mit weiteren 24 Joch im 
, Felde hinterm Dorf. 1 ) Derselbe belehnte 1455 (Wien, IG. Mai) Georg 
Riedinarcher mit zwei Halblehen zu Sarasdorf und 1 Pfd. Pfg. Geld auf 
behaustem Gute und l'eberländen, alles von der Herrschaft Trautmannsdorf 
zu Lehen, und seinem Erbe , welches er jetzt seiner Gattin Helena, 
Tochter Veits von Gilleis, vermacht hatte.*) Johann Pernstorfer empheng 
am 19. Mai 1455 (Wien) von König Ladislaus die obgenannten Leheus- 
objekte zu Parz, Flecz (Flaez) und am Pellendorferberg etc. 3 ) Söldner 
der Stadt Wien (diese* befürchtete schon 1454 von Wencko von ßuckenau 
Schlimmes, weil dieser Parz einnemen wollte) besetzten 14(54 Parz. 4 ) 
Sebald Pögel, Freiherr zu Reifen stein und Arberg, kaufte 1536 von Sig- 
mund von Ebersdorf das Öde Sctll088 und die Ve8te Parz, das Dorf 
Peugen (s. Poigen) nebst dem Wildbann auf Roth- und Schwarzwild. 5 ) 

Dass Parz nach Margarethen am Moos eingepfarrt war, wird aus 
dem Pfarr- Visitationsprotokoll von 1544 ersichtlich, wo es heisst, der 
Pfarrer von Margarethen am Moos habe vom Dorfe ,,Porz" einen 
Getreidezehent bezogen, der aber vor 4ü Jahren (also um 1504) zur 
Herrschait Margarethen am Moos eingezogen worden sei. ) 

Mehr konnte *ich über Parz nicht in Erfahrung bringen , auch 
nicht, an welcher Stelle die Veste einst stand. 

Poigen, 

im XII. Jahrhundert Piugeu, dann Peugen genannt, war ein Dorf unter- 
halb Mannswerd, am rechten Ufer der Donau, welches östlich an Fiseha- 
mend, südlich au Blindendorf, westlich an Manswerd (wohin es einge- 
pfarrt war), nördlich an die Donau grenzte. Die Lage von Poigen lässt 
sich mit Zuhilfename der Administrativkarte Sektion Nr. 79 sehr gut be- 
stimmen, indem auf derselben die zur kaiserlichen Herrschaft Ebeisdorf 
gehörige Au ..Poigenau" ersichtlich ist, welche in der That einen grossen 



M Notizenblatt 1. r. IV. p. 312. 

a ) Notizenblatt 1. e. IV. p. 262. 

') Notizenblatt 1. e. IV. p. 216 und L ; 33. — Lichuowsky 1. c. IV Ke« 
Nr. 1993, 1994. 

4 ) Fontes 1. e. VII. p. 9. 

5 > ..Adler- l. e. VI. (Ih76) p. 104. 

*» Schweickiiardt 1. u. IV. ü92. 



201 

Teil dos einstigen Burgfriedens von Poigen in sich sehliesst, welcher 
fibrigens seinerzeit auch einen Teil des Mannswerder Burgfriedens, und 
zwar die Strecke vom Pestkreuze (an der Fischamender Gemeindegrenze) 
der Poststrasse entlang aufwärts bis beiläufig zum Wegkreuze oberhalb 
der Hutweide (welch' letztere bestimmt einst zu Poigen gehört hat) um- 
fasste. Ausser diesem abgekommenen Dorfe Poigen erscheint in Urkunden 
hänfig auch das noch bestehende, in der Pfarre Neukirchen {(xerichtß- 
bezirk und Dekanat Hörn) gelegene Poigen ,,im Boigreich 1 ". Beide müssen 
den ältesten Ortschaften im Lande unter der Enns beigezählt werden 
und durften ihre Entstehung dem Grafaugesehlee.hte Rebegau-Piuge ver- 
danken. 1 ) 

Poigen im Boigreich *) erscheint früher urkundlich 3 ) als Poigen 
an der Donau, nämlich um das Jahr 1 100, während letzteres zum ersten 
Male um 1125 vorkommt, da ein gewisser Gezo dem Stifte. Klosterneu- 
burg zehn Hofstätten daselbst „apud Piugum sitas", schenkt. 4 ) Welcher 
Familie dieser Gezo angehörte, ist unbekannt, jedenfalls aber einer 
vornemen, wie schon aus der Schenkung selbst, dann aber auch aus 
den Zeugen Ä ) gefolgert werden muss. Ein Gezo 6 ) übergab einige Jahre 
früher, etwa zwischen 1 110 — 1120, demselben Stifte seinen Diener Ohuno 
zu einer jährlichen Abgabe von 5 Pfg., scheint aber mit obigem Gezo 
nicht identisch zu sein, der vielleicht das nicht weit von Poigen gelegene 
Gezendorf (an der Leytha) gründete, welches erst nach 1100 entstanden 



M Piligrim von Kotingin beschenkte c. IKK) Göttweig mit einer Besitzung 
zu Biugin. Fontes rer. Austriacarum 2 VIII. 12, Nr. XXXI. Herr Johann Wen- 
drinsky irrt daher, wenn er (in diesen Blättern p. 88. Nr. f>l) diese Schenkung 
o. 1120 geschehen lässl, da dieselbe schon am 0. September 1108 von Könifr 
Heinrich V. bestätigt wurde. L. e. p. 262. Diese Besitzung wurde e. 1120 von 
Göttweig tauschweise an Graf Gebhard von Finge überlassen und wird aus der 
Tauschakten, 1. e. p. 48, Nr. 0X0 VI, ersichtlich, das* dieses Piuiren nicht das 
abgekommene l»ei Mansvverd, sondern jenes bei Neukirehen war. 

*) Das Boigreich, Beugreieh, Pevchreich ist jene Mulde um Hörn, welche 
im Norden und Osten durch das Manhartsgehirge. im Süden durch den l'atnp. 
im Westen dundi „die Wild" begrenzt ist. Treffende Bemerkungen über diesen 
Landstrich macht Prof. Ignaz Pol/. I in den Blatt, des Ver. für Landesk. XIV. 167. 

s ) Im Saalbiich «1er Abtei Göttweig. wie sehon erwähnt wurde. 

4 ) Fontes 1. e. 2 IV. 32, Nr. 152. 

*) An deren Spitze Adalbert, Markgraf Leopold IV. Sohn «*rs<-heint. 

") Dieser wird prepositus marchionis genannt, war also Verwalter eines 
mark gräflichen Gutes, oder auch ein Hausoffieial, der über eine Dienerschaft die 
Aufsicht zuführen hatte, wie Archivar Max. Fischer in seinen Anmerkungen' zum 
Klosterneuburger Saal buch. Fontes I. e. IV. 221 bemerkt. 



202 

sein durfte, 1 ) sowie Gezen-Neusiedl (jetzt Gramat-Neusiedl), welches schon 
vor 1120 bestand. 

Am 2. Jänner 1136 unterfertigte Markgraf Leopold IV. den Stift- 
brief für die Benediktiner-Abtei Klein-Mariazell, woraus wir erfahren, das* 
die Brüder Heinrich und Rapoto (von Sehwarzenburg-Nezta), Söhne 
des edlen und freien Mannes Haderich, ausser vielen anderen Gütern 
auch ihren ganzen Besitz zu Piugen dem neuen Ordenshause des heil. 
Benedikt zuwendeten. 2 ) Obgleich die Urkunde dieses Piugen ohne allen 
erläuternden Beisatz anführt, möchte ich es doch eher für Poigen bei 
Manswerd, denn für Poigen bei Neukirchen halten. Cm diese Zeit sass 
zu Poigen schon eine adelige Familie, aus welcher jedoch nur wenige 
Personen, die mit Bestimmtheit hieher bezogen werden können, beur- 
kundet sind. 

Zuerst erscheint zwischen 1134 — 1136 Leupolt von Peugen neben 
seinem Gutsnachbar Heidenrich von Manneswerde als Zeuge, da Adalbert, 
Leopold des Heiligen Sohn, Klosterneuburg mit Gezendorf (im V. U. M. B.) 
beschenkt. 3 ) Damals lebte auch Eberhart von Piugen, welcher nach dem 
Jahre 1134 als Zeuge Erchenbert des A eiteren, Burggrafen von Gors, 
auftritt, jedoch eher zu Poigen an der Tafifa als zu Poigen an der Donau 
gehaust haben dürfte, wie denn seine Mitzeugen (Adelige von Buchberg, 
Gors, Idolsberg, Egenburg, Radelbrunn etc.) gleichfalls aus jenein Landes- 
teile stammten. 4 ) Eher dürfen wir Perhtold von Peugin für unser Poigen 
in Anspruch nemen, der um 1160 eine Schenkung der Witwe Albero's 
von Potendorf, Frau Wirat, bezeugt.*) 

Hieher gehört sicher Leopold von Piugen, der um 1176 und 
Heidenrich von Beugen, der zwischen 1186 — 1192 als Zeuge beurkundet 
ist. 6 ) Ein Heidenrich von Peugen, vielleicht der vorgenannte, bezeugte 
(um die Mitte des XII. Jahrhunderts) eine Schenkung Erchengers von 
Zwölfaxing. 7 ) Das Stiftungenbuch von Zwetl 8 ) verzeichnet zum Jahre 
1220 neben Pernger von Manswerd, Eberwin von Portz, Rüdiger von 
Als und einigen anderen Adeligen aus dem V. U. W. W. auch Sighard 



») Fontes 1. e. IV. 18, Nr. 84. 

*) Pez. thesaur. anecdot. VI. 1, S. b20, Nr. ( J7 und Blatt, für Landesk. 
i. c. XII. 135. 

3 ) Fontes 1. e. 2, IV. 38, Nr. 187. 

4 ) Fontes 1. c. 74, Nr. 355. 
*) Fontes 1. e. 113, Nr. 525. 

8 ) Fontes l. e. 2, XI. p. 9, Nr. VI und 1. e. 2, IV p. 138, Nr 610. 

7 ) Fontes 1. c. 2, IV. p. 140, Nr. 620. 

•j Fontes l. c. 2, III. p. 440. 



203 

von Peugen als Schenkungszeugen. Später kommen wol noch adelige 
Personen in Urkunden vor, die sich von Peugen benennen, sie können 
aber nur auf Poigen im V. 0. M. B. bezogen werden. 

Die Abtei Heiligenkreuz besass, unbekannt seit wann, zu Peugen 
einen Mansen, welcher jährlich 6 Schill. Pfg. und einen Kastenmnt 
Weizen diente. 1 ) 

Am 29. December 1287 kam zu Wien zwischen dieser Abtei und 
Kaihoch von Ebersdorf ein Tausch zu Stande, wodurch erstere einen 
Mansus zu Wulzendorf*) für jenen zu Peugen erhielt. 3 ) Heiligenkreuz 
war damals Hauptbesitzer in Wulzendorf, 4 ) Ealhoch von Ebersdorf aber 
Lehensherr über Peugen, somit der Tausch für beide Teile vorteilhaft, 
denn der Mansus zu Wulzendorf lieferte jährlich 2 Pfd. Pfg. und 12 Käse 
(für Weised), welches Erträgnis dem obgenannten so ziemlich gleich war. 

Am 22. Februar 1301 belehnt Kaihoch von Ebersdorf Herrn 
Pilgrim, Sohn Paltrams, Bürger von Wien, mit dem Turme zu Peugen 
sammt dem Hause (Burg) und aller Zugehör jenseits der Spiellauben 
und innerhalb des Wachrains bis an den Stochwerd und den Kalten- 
gang, a ) erkauft von seinen (Kaihochs) Ministerialen, den Brüdern Dietmar 
und Konrad von Meinhartsdorf.") 

Mit dem vorerwähnten Stochwerd war damals Wolfker von Fischa- 
mend belehnt, und es versprach Kaihoch von Ebersdori am 3. August 
1303 dem genannten Pilgrim , Sohn Paltrams, und seiner Hausfrau 
Kunigunde, falls der Stochwerd verkauft wird, denselben nur ihnen und 
ihren Erben zu verleihen. 7 ) Den drei Klöstern, welche hier Besitz hatten, 
gesellte sich am Mittwoch in der Osterwoche des Jahres 1306 das erst 
1305 gestiftete St. Klarakloster in Wien bei. Am genannten Tage er- 
kauften die Aebtissin Adelheid und der Convent von Herrn Leupold von 
Gundramsdorf und dessen Hausfrau Agnes eine Gülte von 2 Pfd. Pfg. 
von einem Ganzlehen „do zwen Holden aufsitzent" im Dorfe Peugen, 
um 25 Pfd. Pfg. Unter den Zeugen ist Heinrich der Peuger. 8 ) Lieb- 

') Gültenbach der Abtei Heiligenkreuz p. 48. 

*) Wulzendorf befand sich jenseits von Folgen, am linken Donauufer, un- 
weit Asparn. 

») Fontes 1. c. 2, XVIII. p. 77, Nr. 61. 

4 ) Vgl. hierüber die erste Abteilung dieser Abhandlung, Blätter des Ver- 
eines für Landeskunde von Niederösterr. XV. 371—373. 

5 ) Kalter Gang, ein kleiner Donauarm hinter Mannsword. 

•) Wissgrill, im „Adler u 1. e. III. 125 aus einer Urkunde im Landes- 
archiv, Manuscript Nr. 9, p. 11, Nr. IG. 
7 ) 1. c. p. 1?5. 
•) Kirchl. Topogr. XI. p. 302 und K ei billiger, Melk, 1. c. IL, 2, p. 731. 



204 

hard, Sohu des Lindner von Peugen, wurde zum Jahre 132t» im Artikel 
über Blindendorf schon erwähnt. Friedrich der Piber verkaufte zu Wien 
am 24. Juni 1338 an Reimprecht von Ebersdorf einen halben Hof zu 
Schwechat. einen halben Werd bei Peugen, eine halbe Wiese bei der 
Fischa und eine Wiese zu Hintberg um 110 Pfd. Pfg.M 

Peugen wird 1340 als bei Blindendorf gelegen erwähnt, worüber 
schon im Artikel Blindendorf berichtet wurde. 

Am 24. November 1347 zu Wien verkauften Pilgrim von Peugen 
und seine Hausfrau Kunigunde. dessen Bruder Andreas von (jetzendorf 
und seine Hausfrau Kathrei gemeinschaftlich das Haus zu Peugen mit 
Zubehör an Herrn Ghalhoch von Ebersdorf. 2 ) Wer. ist dieser Pilgrim 
von Peugen? Ohne Zweifel derselbe Pilgrim, Herrn Paltraras Sohn, der 
1301 mit Peugen belehnt und mit eben dieser Hausfrau. Kunigunde, 
schon 1303 genannt wurde; Pilgiims Bruder Andreas hatte sich im 
nahen Gezendorf niedergelassen, daher die Beinamen von Peugen und 
(Jetzendorf, welche sich beide Brüder. Sprossen einer angesehenen Wiener 
Bürgerfamilie, selbst beilegten. 

Hans von Mannswerd verkaufte 1358 Herrn Peter von Ebersdorf 
(um?) 15 Pfd. Pfg. Gülten zu Peugen und Mannswerd. 3 ) Ausser den 
Harren von Ebersdorf besassen auch die Landesfürsten und das Hoch- 
stift Passau lehensherrliche Rechte zu Peugen. 

Am 1. März 1301 bewilligte Bischof Bernhard von Passau dem 
Ritter Sifrid von Mannswerd jene 12 Pfg.. die er zur Pfarrkirche Manns- 
werd bisher von einer Hofstatt daselbst diente, von nun an von einer 
zu Peugen gelegenen Hofstatt zu dienen. 4 ) 

Um 1430 gab Herzog Albrecht V. seine Zustimmung, als Conrad 
von Stickelberg seinem Vetter Hans, dem Sohne des verstorbenen Lienhart 
von Stickelberg, verschiedene landesfiirstliche Lehenstücke zu Blindendorf. 
Peugen und Mannswerd vermachte. 5 ) Schon um 1432 starb Conrad und 
nun belehnte der Herzog den Erben mit den von ihm lehenbaren Objekten, 
darunter mit dem Hofe zu Mannswerd, genannt ,,am Anger*, und dem 
vierten Teil des Zehents auf den Dörfern Peugen und Mannswerd, ferner 
dem dritten Teile des Getreidezehents zu Plintendorf bei Peugen, Zehenten 
zu Nieder-Lanzcndorf etc. Mit denselben Zehenten belehnte (zu Wien am 



l ) ., Adler 4 - 1. e. VI. 85-8«. 

*) Wissgrill, im ., Adler 44 1. e. VI. 83. 

3 ) WissgrilL im „Adler 4 * 1. c. IL 99. 

4 ) Lang. Re». l>oit*. V. 3. 
& ) NotizenUatt 1. r. IX. 284. 



205 

ll.December) 1455 König Ladislaus den Hans von Stickelberg. 1 ) Anfangs 
März 1455 hatte Ladislaus den Ritter Wilhelm von Enzersdorf mit dem 
vierten Teile des Getreidezehents zu Mannswerd und Peugen, den er von 
seiner Mutter geerbt hatte, belehnt. 2 ) Das St. Dorotheastift in Wien 
kaufte 1434 von Georg Puntsehuh aus Peugen vier Tagwerk Wiesen, 
genannt „Pleylinger" und zu Achau gelegen, um 45 Pfd. Pfg. 3 ) 

Hundert Jahre nachher bestand Peugen nicht mehr. Wol kaufte am 
Pfingsttage nach der Apostelteilnng (im Juli) 1536 Sebald Pögl, Freiherr 
zu Reiffenstein und Arberg, von Herrn Sigmund von Ebersdorf das öde 
Schloss und die Veste Parz. sowie das Dorf Peugen mit dem Wildbanne 
auf Rot- und Schwarzwild, allein es ist hier nur mehr das Terrain 
gemeint, das zum Dorfe Peugen gehört hatte, welches durch die Türken 
1529 verwüstet und nicht mehr aufgebaut worden war, besonders 
desswegen nicht, weil ohnehin, wie das [Jrbar der Pfarre Mannswerd 
von 157G bemerkt, ,,der Donaustrom daselbst grossen Schaden gethan 
und noch thuet", indem er einen guteu Teil der Accker weggerissen hat, 
indes die Mannswerder die noch vorhandenen Gruudstücke bebauen. Nach 
demselben Urbare gebührte von Poigen der Pfarre Mannswerd 2 ! 4 , den 
Herrschaften Ebersdorf und Schwadorf je \ des Getreidezehents. Schliess- 
lich wird in eiuer Anmerkung noch angeführt, dass das Dorf Poigen 
dermalen (nämlich circa 1576) grösstenteils eine Au sei, nur dürften 
zu derselben jene Aecker gehört haben, welche zwischen ihr und der 
Fischamender Poststrasse bis zum Postkreuze liegen und jetzt von den 
Einwohnern Mannswörths und Alberns bebaut werden, und dass der 
Z<dient bis dato wie früher bezogen wird. 4 ) 

Die Bewohner von Poigen mögen wol oft durch die Donau Schaden 
erlitten haben und hatten zum Schutze ihrer Häuser und Grundstücke 
gewiss Schutzbauten, Dämme u. dgl. am Stromufer unterhalten, die nach 
der Verödung des Ortes in Verfall geriethen und so dem Hochwasser 
keinen Widerstand mehr leisten konnten, welches nun von Fall zu Fall 
Grundstücke wegschwemmte. 



') Notizenhkitt 1. v. IX. 207. Lichnowsfc y. Haus Habsburtr I. <-. VT. 
Nr. 20.V7. genauer aber Fönte« 1. «\ 2 II. 80—81. 

■) Notizenblatt 1. <•. IV. 41. 

8 ) Kin-hl. Topogr. XV. 34. 

*) Wissgrill im „Adler" VI. 104. Die Angaben über die Verödung 
Polens sind dem Aufsätze des k. k. Notars Dr. Ferd. SHiranzhofer. mit- 
geteilt in diesen Blattern. XV. 24!) entnommen. 



206 

Potenburg. 

Zwischen Wolfsthal und Berg, ober dem Neuhofe. Von der einst 
ansehnlichen Veste Potenburg haben sich nur spärliche Reste im Wolfs- 
thaler Herrschaftswald, ober dem alten Steinbruche erhalten. Der Wald- 
grund vor der Ruine gegen Berg zu heisst ,, Königs wartlr, daneben 
„die goldene Stiege". 

Von einer Ortschaft Potenburg, die nahe der Veste und mit dieser 
wol schon im XL Jahrhundert entstand, haben wir nur Andeutungen, 
welche auf ein unbedeutendes Dörfchen schliessen lassen ; dagegen war 
die hiesige Veste ohne Zweifel zur Abwehr der Ungarn erbaut worden : 
sie war eine der bedeutendsten Grenzburgen des Landes und ich be- 
dauere, über selbe nicht ausfuhrlichere Mitteilungen machen zu können, 
als dies für jetzt der Fall ist. Zuerst finde ich Potenburg genannt, da 
Ulrich der Stuchs von Trautmannsdorf im Jahre 1256 der Abtei Heiligen- 
kreuz Besitzungen zu Draiskirchen und Pfaffstetten für andere zu Baum- 
garten (welches?) und „Potenburch" gelegene überliess. 1 ) 

Früher schon, am 27. September 1253, erscheint als Zeuge in 
einer Urkunde des Herzogs Ottokar von Böhmen für die Abtei Aldersbach 
unter vornemen Ministerialen auch ein Otto von Pottenburg.*) Gab er 
vielleicht unserer Veste den Namen, oder erhielt er den seinen von ihr? 
Heinrich von Brunn empfieng am 7. December 1312 vom Bischöfe Bern- 
hard von Passau die Neureutzehente, Korn und W T ein, gelegen zu Poten- 
burg, auf Lebenszeit, gegen 1 Muth und ein halbes Fuder Wein, beides 
jährlich nach Schwadorf abzuliefern.'') Derselbe , »Heinrich von Piune, 
Herr zu Pottenburg* 4 gab am 15. August 1314 seiner Schwestertochter 
Christina bei ihrem Eintritte in das Frauenstift zu Tuln eine Gülte zu 
Neunburg (? — Neusiedl? Neudorf?) bei Staatz. 4 ) Ein jüngerer Heinrich 
und sein Bruder Hanns, genannt die „Brunner von der Botenburg*', 
schlössen am 3. Oktober 1310 mit Melk einen Zehent-Tauschvertrag 
bezüglich verschiedener Weinzehente zu Draiskirchen, Leobersdorf und 
Gainfarn. 6 ) 

Die Veste — sie war 1. f. Lehen — scheint vor 1350 schon aus 
dem Besitze der Familie von Brunn fi ) in jenen der von Schaunberg 



') Fontes I. e. XL p. 135, Nr. 137. 
■) Müh. boicu V. p. 376. 
\> Lang, Regest, boica V. p. 239. 

4 ) Kerschbaumer, Gesch. der Stadt Talu p. 347, Reg. Nr. 1G5. 
*) Hueber, Austria. 1. c. p. 78. — Keiblinger 1. c. IL, I. p. 592. 
•) Welcher von den Familien Brunn, deren es in Niederösterreich mehrere 
gab, die genannten Besitzer Potenburgs angehören, kann ich nicht mit Gewissheit 



207 

übergangen zu sein, denn Graf Conrad von Schaunberg verkaufte am 
20. Juni 1351 die Veste Potenburg, die ein herzogliches Lehen ist, 
an Herzog Albrecht III. mit allem, was zur Veste gehört, nebst dem, 
was hinzu gekommen ist, seit er (Schaunberg) die Veste „von den 
Prunern" gekauft hat. Die Wichtigkeit dieser Veste und der Wert ihrer 
Zugehörungen erhellt aus dem (damals) fast beispiellos hohen Kaufpreise 
und den kurz bemessenen Zahlterminen. Die Veste kostete 4200 Wr. Pfd. 
Pfg., von denen der Herzog 1100 Pfd. am 25. December 1351. eben- 
soviel (1100 Pfd.) am 24. April 1352 bar erlegen sollte. Für den 
Rest soll er (Herzog) die Veste Rabenstein (V. 0. W. W.) nebst 
200 Pfd. Geld auf dem Gericht zu Krems zum Pfände geben. 1 ) Der 
Herzog scheint sich nicht lange — vielleicht auch gar nicht — des 
Vollbesitzes dieser bedeutenden Besitzung erfreut zu haben, denn alsbald 
gieng sie auch den damals schier unvermeidlichen Weg — aller Ver- 
pfandungen, welchem Schicksale kaum ein Besitztum der stets geld- 
bedürftigen Landesfflrsten des XIV. und XV. Jahrhunderts entrann. 
Herzog Albrecht III. schlug 1309 (Wien. f>. Juni) dem Ritter Andreas 
Hauser auf die ihm verpfändete Veste zu ,,Bottenburg" für geleistete 
Dienste 60 Pfd. Pfg. und weitere 40 Pfd. Pfg. für seinen Sohn Thomas 
Hauser zu. 2 ) Mithin war dies nur mehr eine Nachtragsverpfandung, was 
aus dem Folgenden noch mehr ersichtlich wird. Ritter Georg Hauser zu 
Karlstein, der ältere Sohn des Andreas Hauser, mit Katharina Hailbeck, 
versicherte 1379 seiner Gattin Magdalena, des österr. Hubmeisters Hanns 
von Tyrna Tochter, ihre Morgengabe uud Heimsteuer, zusammen 600 Pfd. 
Pfg. auf „der Veste Bottenburg gelegen bey Haimburg 41 , die ein Satz 
und Pfand von Herzog Albrecht für 1300 Pfd. Pfg. ist. Herzog Albrecht III. 
gab hiezn seine Einwilligung. 8 ) 

Herzog Albrecht kaufte 1388 (Wien, 20. April) vom Abte Friedrich 
und dem Convente von Göttweig zur Veste Potenburg 12 Schill. Pfg. 
Geld zu Steinabrunn bei Hundsheim, auf 4 Halblehen, um 10 Pfd. Pfg. 4 ) 

Am 21. November 1417 zu Wien stellte Ritter Hans der Schwein- 
beck dem Herzog Albrecht V. die Veste t ,zu der Botemburg" als Leib- 



angeben. Vermutlich jener zu Kotingbrunn. Vgl. über die Familien, genannt von 
Brunn, die Topographie 1. e. II. p. 230 ff. 

M Lichnowsky 1. c. II. 1555. 

*) Lichnowsky 1. c. III., Nr. 900. 

3 ) Senckenberg, Selecta Juris et Hist. IV. 281. — Wissgrill I.e. IV. 
p. 21K, und Lichnowsky 1. c. III., Anhang Nr. 69, mit dem Irrtum, die Ver- 
sicherung, nicht Pfaudsuiunie, betrage 1300 Pfd. 

4 ) Lichnowsky 1. c. III., Nr. 2130. 



208 

geding überliess, den üblichen Revers ans. 1 ) Nicht lange nachher (vor 
1439), wahrscheinlich nach Schweinbecks Ableben, ubernemen der reiche 
Ritter Gerhard von Fronau, dann seine beiden Söhne Gerhard und 
Gamaret (auch Gamerith) die Veste mit aller Zugehör pfandweise. Am 
27. April 1443 gab Gerhard von Fronau dem K. Friedrich ITT. einen 
Pfandrevers um die Veste und Pflege zu ,, Botenburg ". die ihm von 
König Albrecht IT. war verpfändet worden. Von der Schuldsumme sind 
4000 Gulden bezahlt worden und bleiben noch 700 Pfd.. n^bst 100 Pfd. 
für Burghut und 40 Pfd. ,,aus Gnaden* 1 . 2 ) 

König Ladislaus stellte 1454 (16. Mai) den Brüdern Gerhard und 
Gamerith von Fronau einen Schuldbrief über 811 Pfd. Pfg. aus, welche 
Summe er am 21. Juni bezahlen will. Für weitere, schuldige ißoo Pfd.. 
i. e. in Gulden (ä 7 1 /, Schill. Pfg.) 170« rl. 5 Schill. Pfg.. nebst 100 Pfd. 
Burghut und 40 Pfd. als Gnadendaraufgabe versetzte er ihnen wieder 
die Veste „Botemburg" pflegweise mit 2 Monat Aufkündigungsfrist beider- 
seits. Diese riesige Pfandschuld war entstanden, indem K. Albrecht Tl. 
für ein Darlehen Potenburg an Gerhart seu. von Fronau satzweise über- 
lassen hatte. Nun war die ursprüngliche Summe (wie hoch diese war, 
finde ich nicht verzeichnet) mit Hinzurechnung des Burghut- und Jahr- 
geldes nebst einigen Baukosten auf 2411 '^ Pfd. Pfg. angewachsen, 
von welchen nun Ladislaus bis 21. Juni 1454 obige TYilsumme zurück- 
bezahlen sollte. •"') Bald hernach, 14P>0 (Wr. -Neustadt. 20. Deeember). 
bekennt Ulrich von Grafeneck, kaiserl. Hauptmann zu Oedenburg. welchem 
Kaiser Friedrich 111. von Schloss Botenburg (das Gamereth von Fronau 
inne hatte) 4000 Pfd. Pfg. zusagte, dass er diese Summe' erhalten hat. 4 

Potenburg gieng fortwährend von einer Hand zur andern. Ritter 
Erhart Falkensteiner zu Mannersdorf (er war 1471 kaiserl. Pfleger zu 
Starhenberg in Niederösterr.) trat 1479 die V'esten und Pflegschaften 
Rottenstein (Rötelstein) und ,,Wottenburg 4, (Potenburg). die er pfand- 
weise inne gehabt, an den Grafen N. von St. Georgen und Pösing 
ab. f *) Wenige Jahre später (um 1485) bemächtigte sich König Mathias 
von Ungarn Potenburgs , gab es jedoch alsbald wieder zum Pfände, 
wie aus dem Friedensvertrage vom 7. November 1491 hervorgeht. 1 ^ 



1 ) L i c h n o w s k y 1 . c. V.. Nn 1 74o. 
*> Ohmel. Ke.ir. K. Friedrichs IV.. I. 1415. 

8 ) Streun, ixcnealoir. Schriften Bd. I.. Fol. 187. Manuskript Nr. V und 
Funte» 1. e. II. p. 58-59, Nr. 42. 

*) Birk, lieg^sten K. Friedrich IV. j». 58. 

*) Wissgrill 1. ft. III. |». 20. 

*) Blätter des Vereines für Landeak. von XiediTüsterr. XIII. |». :UM, Note 4. 



209 

Potenburg dürfte seit 1529 bleibend zerstört gewesen sein. Früher , 
war die Veste wol öfters belagert worden, doch hatte man sie stets, weil 
als Grenzfeste von Bedeutung, wieder hergestellt; wegen der vorgeschrit- 
tenen Kriegskunst war diese Veste nun ohnehin nicht mehr von be- 
sonderer Wichtigkeit und so verfiel sie. 

Ob unter Potenburg jenes Puotineberch gemeint ist, wo zwischen 
990 — 1025 die Abtei St. Peter in Salzburg (durch Schenkung von Seite 
der adeligen Frau Adala) Besitz erlangte, lässt sich schwer bestimmen. 1 ) 
Spätere. Nachrichten über Besitzungen dieser Abtei in der Umgebung 
Potenburgs sind bisher, so viel ich weiss, nirgends bekannt geworden. 
Als „Wüttenburg", nach Laz ein verfallenes Bergschloss hinter Wolfs- 
thal bei Berg, zählt Schweickhardt*) die Veste Potenburg auf. 

Prellenthai. 

Die Abtei Heiligenkreuz besass zufolge des mehrerwähnten Gülteu- 
buches sowol in Prellenkirchen als in Prellenthal, welches unmittelbar 
nach dem ersteren eingetragen ist, Besitzungen. In Prellenthal diente 
ihr zur Zeit (1293 — 1294) ein Lehen jährlich 60 Pfennige, 25 Metzen 
Weizen, 25 Metzen Gerste und 12 Stück Pfennigkäse. 3 ) Johann von 
Kranichberg versicherte am 20. Jänner 1403 die Morgengabe seiner 
Gemahlin Hedwig v. Starhemberg auf seine Besitzungen zu Prellenkirchen, 
Prellenthal. Tristram be ig, Altenburg, Ottenthal „in der Setz 41 und Zissers- 
' dorf am Wagrain. 4 ) 

Gewiss lag Prellenthal uuweit Prellenkirchen (oder besser, Prellen- 
kirchen lag .jin Prellenthal" wie dies ähnlich bezüglich Blindenthai, Bern- 
hardsthal und Deupthal gezeigt wurde), wahrscheinlich im Burgfrieden 
der letzteren Gemeinde selbst. 

Raifek. 

Verschollen, in der Gegend von Lauzenkirchen zu suchen. Heiligen - 
kreuz hatte schon vor 1294 hier ein Lehen, welches jährlich laut Gülten- 
buch ..I. tal. Mich, et J (V 2 ) metre papaveris et vnum schoet halbes 
et II. caseos et II. pullos' 4 diente. — ä ) Eben so viel diente dieses 
Lehen noch 1321, da es am 2-1. Juni nebst vielen anderen Gutern und 
Gülten an Leb und Eberhard Brunner, Bürger von Wiener-Neustadt, 

') Juvavia (von Kleiuiiiayrii), Anh. 294, Nr. 21. Topographie v. Niederöstcrr. 
II p. 145. 

*> SvhwiMukharrit, V. IJ. W. W. Bd. VII. p. 219. 

*> Gülteiibueh 1. e. p. 02. 

4 \ .Adler 4 - 1. c. Jahrg. 1874, p. 104. 

') Gnltanhiicli I. i\ p. 15. 



210 

verkauft wurde; es heisst im Kaufbriefe: „Eberharts hof in dem Raifek 
(dient) ain phunt phenning, ain schot har (Flachs), aio halben Metzen 
Magen (Mohn), vir ches, zwai huhner an sand Mychelstag 41 . 1 ) 

Rakenthal. 

Ein Dorf zwischen Brück an der Leitha, Wülfleinsdorf und Götteis- 
brunn, dessen Felder wahrscheinlich den letzteren Nachbarorten zuge- 
fallen sind. Wülfleinsdorf hat gegen Götteisbrunn zu die bemerkens- 
werten Fluren: „Ober 1 - und ,, Unter-Ragenthal 1 ', sowie „Kirchthal". Es 
ist auch sehr wahrscheinlich, dass Hakenthal eine Filialkirche hatte, die 
von der Pfarre Brück abhieng. Rakenthal bestand wol schon im XII. Jahr- 
hundert. Im Klosterneuburger Saalbuche *) ist eine Schenkung verzeichnet, 
welche Udalrich von Trautmannsdorf zwischen den Jahren 1179 — 1182 
machte ; als Zeugen kommen vor Hartnid von Eborgassing, Wolfker von 
Wienerherberg, Irnfried von Roetelstein , Albrecht von ,,Rakkintal 4i , 
mehrere Leute aus Trautmannsdorf etc. 

Von 1254 kenne ich die erste Nachricht über den Ort selbst 
(obgleich zu vermuten ist, genannter Albrecht habe denselben bewohnt), da 
Ritter Ohalhoch von Brück zum Heile seiner Seele der Abtei Heiligenkreuz 
ein Lehen in ,,Baykental" schenkt, weiches jährlich 1 Pfd. Pfg. dient.* 1 ) 

Unter den zwölf Geschworenen der Stadt Brück treffen wir 
1308 Konrad den Reikontaler, der wahrscheinlich aus Rakenthal 
stammte. 4 ) Wer Hauptbesitzer zu Rakenthal war, ist uns nicht bekannt. * 
wahrscheinlich ein Kloster; etwa St. Polten? das ja zu Brück und in 
dessen Umgegend so viele Besitzungen hatte. Die Advokatie gehörte 
dem Landesfürsten und Herzog Friedrich (der Schöne) verpfändete 1314 
dem Ritter Georg Veirtag, dessen Schuldner er wegen geleisteter Kriegs- 
dienste am Rhein geworden, für 30 Pfd. Pfg. f> Muth Gerste von der 
Advokatie in ,,Rekcntal i; . r> ) 

Tm Heiligenkreuzer Gültenbuche ist „Raikental" unter der Ueber- 
schrift „In Pruka 4, (an der Leitha) angeführt, woraus man schliessen 
könnte, ersteres sei damals (um 1293) öde gewesen? Es heisst: ,.ltem 
diniidins mansus in Raikental quem habet (in choetensprunn) Ponikel 6 ) 

l ) Fontes 1. r. XVI. p. 70. 

y ) Font?« 1. c. IV. ].. 111*. Nr. 542. 

8 ) Fontes 1. <•. XI. p. 120. Nr. 124. 

4 ) Du ei lins, Kxcerpt. ^euealotj. p. 185. 

ft ) Archiv 1. e. IL p. 553. 

") Vielleicht Friedrieh von Ponikel. der zu Wien am Ib. Februar 1284 
als Zeuse vorkommt? Fontes XI. p. 23G. 



211 

post mortem cognate cantoris serviet nobis dim. tal. et weised (XVI. den. 
Oeorii et Mich.)- Item de quatuor luzze brevibua et vno longo dim. tal. 
Mich." *) Es ist wol dasselbe Lehen, welches 1254 der Abtei geschenkt 
worden war. 

Am 17. September 1319 stifteten Cirvas von Merswang, Jeute, 
seine Gattin, und beider Sohn Jans für sich und den zweiten, schon 
verstorbenen Sohn Ulrich Jahrtag und Begräbnis in der Abtei Heiligen- 
kreuz, zu welcher sie „besuuder genad vnd andacht han 44 mit 2 l j. d Pfd. 
rechten, eigenen Gölten zu Arwaistal (nordwestlich von Eakenthal), 
Galprun (ober Arbaisthal, bei Stüchs-Neusiedl) und „ze Rekental von 
drin (3) Jeuchart acheres an sant Georgen tag vier vnd zwainzich 
phenninge vnd driv huenner, oder (anstatt der Hühner) zwelf phenninge 
ze weinnachten' 4 . 2 ) Philipp von Hundsheim versicherte 1395 (am Donners- 
tag vor dem Quasimodosonntag) die Morgengabe seiner Gattin Agnes, 
geborenen von Pernsdorf, mit dem Getreide- und Weinzehente zu Rucken- 
thal (?) bei Brück an der Leitha, der von Graf Johann von Maidburg- 
Hardeck zu Lehen ist. 3 ) Sonst wird Rackenthal meines Wissens nirgends 
mehr urkundlich erwähnt. 

Rietendorf. 

Zwischen Achau und Himberg, an der Schwechat, stand schon 
zu Anfang des XII. Jahrhunderts eiue Ortschaft Namens Rietendorf, 
auch als Ritindorf, Ryietendorf (!), Ritzensdorf u. dgl. beurkundet, lieber 
die Lage dieses abgekommenen Ortes bemerkt Dr. H. Zeibig : ..es ist 
(Riedendorf) dort zu suchen, wo gegenwärtig ein Haus, genannt Rieden- 
haus. 4 ) und dii» sogenannte Kanzelmühle stehen.*) 

Die Klarstellung der Geschichte dieses Ortes ist für jetzt nicht 
gut möglich, denn da mehrere fast gleichnamige Orte bestehen, andere 
mit ähnlichen Namen abgekommen sind, über alle aber noch sehr wenig 
verlässliche Daten hekanut wurden, so lässt sich vorläufig nur sagen, 
dass Rietendorf bei Achau und Rouzinesdorf (s. d.) im V. l T . W. W.. 

l ) (lültenbueh I. «'. j». 6S. Die eingeklammerten Stellen sind Zusätze von 
zweiter Hand. Choetensprunn ist Götteisbrunn, wo vielleicht Ponikel wohnte. 

*) Fontes 1. c. XVI. p. «2-68, Nr. IW. 

8 ) Wi kb «rill (fortgesetzt in «1er Zeitschrift „Adler - . Jahrg. 187G. p. 77i. 
das „ii" anstatt ..a- in Ruckenthal ein Sehreil)- oder Druckfehler. 

4 ) Eigentlich Kiedenhof (siehe Sektion 7S il««r Administrativkarte des Ver. 
für Landesk.), bezüglich dessen es noch nicht ausgemacht ist, ob er. weil zu 
Rietendorf gehörig, oder weil zum Aufenthalt der Rieden (eigentlich Rüden, der 
Jagdhunde) der Landesfürsten verwendet, so genannt wird. 

6 ) Fontes 1. e.. X. p. 16, Note zu Urk. Nr. XX. 



212 

sowie Riezeudorf (Ritzendorf) im V. U. M. H. abgekommen sind, während 
Rutzendorf im Marchfelde und Ritzersdorf im Gerichtsbezirke St. Polten 
noch aufrecht sind. 

Die Abtei Melk verkaufte 1115 oder 1116 an das Stift Kloster- 
neuburg für 15 Mark Silber das Prädium zu Rietendorf, und der Stifts- 
vikar Opold gab dasselbe seinem Bruder Erchenbert und dessen Gattin 
Hahicin zum lebenslänglichen Fruchtgenusse. l ) 

Zwischen 1177 — 1186 kaufte das Stift ein zweites Prädium zu 
Rietendorf um 49 Pfd. von Rodwin, einem Dienstmanne Herzog Heiu- 
richs (von Medling). Weil es im Stiftsurbare von 1258 heisst, der Hof 
zu Rietendorf liege noch ungebaut, die Mühle zahlte noch drei Jahre 
hindurch nur 3 Pfd. Pfg., so dürfte anzunemen sein, dass der Ort 
(seit 1246 her) Schaden gelitten hatte. 2 ) 

Im Urbar von 1512 erscheinen eine Mühle und ein Hof, doch ist 
kein Besitzer namhaft gemacht. Vor 1262 hatte der Wiener Bürger 
Paltram vor dem Stephansfreithof von Conrad von Heiligenstatt die 
Mühle zu ,,Ryietendorf circa hintperch sitam" gekauft, wovon er dem 
Stifte jährlich l l t Pfd. Pfg. Burgrecht diente. 3 ) 

Das Saalbuch von Klosterneuburg erwähnt auch einen Tausch mit 
Heinrich dem Aelteren, Kastellan von Medilichi (Medling), der drei Lehen 
zu Guntramsdorf für Wiesen zu Rietendorf erhielt; dies mag um 1115 
bis 1130 geschehen sein. 4 ) Gegen Ende des XIII. oder am Anfange des 
XIV. Jahrhunderts lebte Heinrich von Guntramsdorf, welcher Laienbruder 
der Abtei Klein-Mariazeli wurde und derselben Besitz zu Aychaw und 
Rüzensdorf 5 ) zuwendete. 

Herzog Albrecht bewilligte 1382 (Wien, 5. Februar) Jakob dem 
Cherbeck (? wol Cherspeck) die Morgengabe seiner Gattin Anna auf 
den lehenbaren Hof (zu) Rietendorf anzuweisen. 6 ) Leutold von Stickel- 

l ) Fischer I.e. 11. p. 15, 16, 17. Nr. 15—17. Keiblinger, Melk, 1. u. 
1. p. 263. Fontes 1. e. IV. p. 6, Nr. 21-23, p. 25, Nr. 117. 

-) Archiv 1. c. IL p. 121. 

3 ) Fontes X. p. IG, Nr. 20. 

*) Fontes 1. c. IV. p. fc J5, Nr. 118. 

•*') So schreibt K ei blinder, Gesch. von Melk IL, I. p. 731 und vermutet 
K. sei vielleicht Kitzersdorf an der PieJach (0. W. W), unweit Friedau, oder 
flutzendorf im Marchfeld. Dr. Vincenz Stau ff er (Studien und Mitteil, des 
Benediktinerordens, 3. Heft, p. 66) sehreibt hingegen (auch mit Berufung auf 
das Original des Mariazeller Todtenbuehes) „Aychau et Kitzensdorf" und räth 
auf Hitzendorf bei Gross- Kussbach. Ich möchte, weil der Nachbarort Aehau 
(Aichau, Fichau) genannt wird, eher an Rietendorf an der Schwechat denken. 

a ) Lichnowsky 1. c. III., Nr. 1646. 



213 

berg, Hofmeister, bat 1417 (Wr. -Neustadt, 13. Jänner) seinen Herrn. 
Herzog Albrecht V. um die Bewilligung, seinem Vetter Conrad von 
Stickelberg den lehenbaren Riedenhof und Besitz in Rauhenwart ver- 
machen zu dürfen. 1 ) 

Herzog Albrecht V. belehnte um das Jahr 14*27 Ulrich Pretrer 
mit Gölten auf vier behausten Halblehen zu Rietendorf, mit einem halben 
Garten zu Hundsheim etc. 2 ) Derselbe belehnte um 1430 Erasmus den 
Ponhaimer mit dem halben Zehent aui neunzehn Ganzlehen zu Müllersdorf 
an der Zeile (der Häuser) ,,gen Laach wätts", ebenda mit dem ganzen 
Zehent auf 4 1 /* Lehen an der anderen Zeile gegen ,,Riettendorf wärts'v') 
Möllersdorf bei Draiskirchen kann hier nicht gemeint sein; entweder ist 
Möllersdorf nur ein Druck- oder eher ein Schreibfehler, oder es muss 
ein öder Ort unweit Lanzendorf sein. König Ladislaus belehnte 1453 
(Wien, 9. Jänner) für die Treue und die unverdrossenen Dienste Pankraz 
von Plankenstein und Albrecht von Ebersdorf mit dem grossen und kleinen 
Wein- und Getreidezehent in der Pfarre Hintberg (Himberg) zwischen 
Minckendorf (Münchendorf) und dem Rietenhofe und im Markte Hint- 
berg, welche Zehente durch Ableben des Wiener Bürgers Heinrich 
Pflentzl erledigt waren. 4 ) Vom Dorfe Rietendorf ist hier keine Erwäh- 
nung; es mag wol lange schon verödet gewesen sein. Der Hof'') und 
die unterhalb gelegene Mühle sind Ueberbleibsel desselben. 

Auf Ritzersdorf an der Pielach beziehen sich zwei Urkunden von 
Alber von Olecht (Alland) und Friedrich von Fleischess (1342 und 1343), 
in denen jener Ort „Rützesdorf" geschrieben ist. 6 ) Herzog Friedlich II. 
überliess 1243 der Abtei Kl.-Mariazell gegen Abtretung eines Hofes zu 
Ritendorf (jedenfalls das bei Achau) einen jährlichen Forstfutterdienst. 7 ) 



*) Lichnowflky 1. c. V., Nr. 1670. 

*) Notizenblatt I. c. IX. p. 112. 

') Notizenblatt I. e. IX. p. 109. 

A ) Notizenblatt 1. c. IV. p. 22. 

5 j Ausser diesem Riedenhof scheint noch ein zweiter in der Gebend be- 
standen zu haben. Ersteren erkaufte nebst der Herrschaft Achau 1732 Karl Leop. 
Friedr. von (seit 1765 Freiherr) Moser. (Bergmann, Medaillen auf berühmte 
Männer etc. I. p. 261.) Ein vicedomischer „Itiedeuhof" wurde von der Regierung 
für den 14. Jänner 1719 zum Verkaufe ausgeschrieben. (Wiener Diarium, Monat 
December 1748.) Letzterer lag auch im V. (J. W. \V\, dürfte aber mit dem bei 
Achau nicht identisch sein. 

•) Urkdb. von Oberösterr. 1. c. VI. p. 421 und 434. Hier angeführt, um 
Verwechslungen zu vermeiden, die bei Orten mit ähnlichen Namen leicht mög- 
lich sind. 

') Kirchl. Topogr. 1. c. V. p. 14. 

Blfttt. d. Vereine« f. Landes*. 1882. 4-9. 15 



214 



Roching, Rokingen. 

Lag am linken Ufer der Leitha, zwischen Reisenberg und Seibers- 
dorf. An der dermaligen Gemeindegrenze von Seibersdorf gegen Reisen- 
berg zu, steht an der Strasse ein Wegkreuz, genannt „Rokingerkreuz". 1 ) 
Die Reisenberger Felder unterhalb desselben heissen ,,Rokingäcker'\ die 
wol ein Teil der Grundstücke des verödeten Ortes sind. Letzterer kommt 
in Urkunden als Rech mg, Roching, Bokching, Stocking 2 ) und Rokin- 
gen vor. 

Roching — wir behalten den zuerst c. 1275 vorkommenden Namen 
bei — gehörte zu den älteren Ortschaften im Lande. Das um 1275 ab- 
gefasste Rationar. Austr. (welches das Einkommen des Landesffirsten 
aufzählt) nennt zwischen Prodersdorf (oberhalb Seibersdorf au der Leitha) 
und Mitterndorf (sudlich von Reisenberg) das Dorf Roching, woselbst 
acht Lehen je ein Muth Weizen und ein Schwein jährlich zu dienen 
haben.' 1 ) 

Im Jahre 1314 verpfändete Herzog Friedrich der Schöne an 
Ulrich (1.) von Hergau das landeslürstliche Einkommen zu Waltersdorf, 4 ) 
Prodesdorf und Rokching. 5 ) Albero und Pilgrim (Söhne Alhero's) von 
Puechaim kaufte*!) 1392 von Heinrich (Sohn Conrads) von Potendorf die 
Veste Seifriedsdorf (Seibersdorf) und das Gut 6 ) Reching um 1210 Pfd. 
Wiener Pfg. 

Heinrich von Neitperg bekennt 1394 (22. Juni, Wien), «las? er von 
Herzog Albrecht den Satz auf Waltersdorf. Brodersdorf und Rokingen 
für sich und seinen älteren Sohn Albero auf Lebenszeit erhalten habe, 
wogegen sie den Pfandschilling nachgelassen und die Pfandbriefe zurück 
gestellt haben. 7 ) Kaiser Friedrich III. bewilligte 1447 (Wien, 9. Februar), 
dass Freiherr Ulrich von Eitzing den Markt Waltersdorf an der Fischa **) 



x ) Auf der Administrativkarte. Sektion Mannersdorf- Seibersdorf (Nr. 92» 
findet sich der mundartliche Ausdruck ,,Kokin(g)a-Kreiu". 

*) Bokching und Stocking wol nur Lese-, Schreib- oder Druckfehler. 

B ) Notizenblatt 1. c. V. p. 335. 

*) Ks ist Unter-Waltersdorf, dessen Grundstücke heutzutage bis Brodersdorf, 
Soibersdorf und Heisenberg reichen. 

Ä ) Archiv 1. <\ II. p. 544. 

ö ) So drückt sich »I. Albrecht in seiner unkritischen Geschichte der von 
Puechhaiui (18i'9. Jahrg. X. von lloruiayrs Taschenbuch j>. *Ji>) aus; es sollte besser 
..Güter" oder „Besitzungen 11 heissen, weil Potendorf IJoching nicht allein besass. 

7 ) Lichnowsk.v 1. c. III., Nr. 2716. 

") Also bestimmt V n t e r -Waltersdorf, weil der (nahe) Markt Ober -Walters- 
tlorf an der Piesting liegt. 



215 

und etliche Gülten und Guter zu Prodesdorf und Roking, „bei der Leytha' 4 
gelegen, etc., was alles ihm von König Albrecht IL verschrieben ist, an 
Hanns von Korbach (gegen Wiederkauf binnen 9 Jahren) verkaufe. 1 ) 
Letzterer enthielt sich bezüglich der vorgenannten Objecte ziemlich lange 
der damals zeitüblichen und landbräuchlichen Verpfandungen, endlich ver- 
setzte er doch einen Teil: Kaiser Friedrich III. bewilligte 14G3 (Wiener- 
Neustadt, 17. Mai) die Verpfändung der Dörfer Dentsch-Brodersdorf, 
Rocking und der Holden zu Weigleinsdorf (grenzt an Unter-Walters- 
dorf), alles 1. f. Lehenschaft, durch seinen Kath und Kämmerer Hanns 
von Rorbach an seinen und des Reiches Getreuen, Hinko Tamffalld von 
Luczka und dessen Erben. 2 ) 

Nach der Kirchlichen Topographie 3 ) stand „Stoeking" bei Deutsch- 
Brodersdorf und ist von den Türken zerstört worden. (1529?) Das 
Frauenstift St. Nikolaus in Wien hatte zu Roching Besitz ; worin derselbe 
bestand und auf welche Art er an das Kloster kam, ist mir ebenso wenig 
bekannt, als die Zeit, in der er au dieses Kloster gelangt ist. 

Rötelstein. 

Hart an der Donau, eine halbe Wegstunde unter Hainburg. Auf 
einem riesig empor strebenden Felsen zeigen sich die Reste der einst 
bedeutenden Veste Rötelstein später Rottenstein genannt; das gleichnamige 
Dörfchen unter dieser Veste besteht seit dem XVI. Jahrhundert nicht mehr. 
Schon Ladislaus Simtheim (t 1513) nannte in seiner Beschreibung des 
Donauthales die Veste ein ,,zerprochen Slos". Um 1 1 70 sass zu 
Rötelstein bereits eine Adelsfamilie , welche wahrscheinlich von der 
schon seit c. 1132 urkundlich nachweisbaren Familie von Haimbnrg 
abstammt. Irnfried von Rötelstein, ein Bruder Liutwins von Sonnberg, 
(V. U. M. B.) schenkte um 1175 dein Stifte Klosterneuburg, wo sein 
Sohn Liutwin Chorherr war, ein Lehen zu Enzersdoif. 4 ) Ulrich, dann 
Heinrich von Rötelstein mit seinem Bruder Irnfried kommen vor bis 1209, 
nach welcher Zeit ich keinen dieses Namens nachweisen kann. 5 ) 

Die von Hanthaler hieher bezogenen Rötelsteine, die von der Familie 



l ) Archiv 1. e. 1. Heft 2, p. 40. 

-) Archiv 1. ««. X. p. ,W. Nr. G7o. 

8 ) Bd. XIII. p. 208. 

4 ) Fontes 1. «. IV. p. 124, Nr. 550. 

6 ) Fontes 1. c. IV. p. 70, 94, 119, 124, Nr. 34'», 433, 54i> und Fontes 1. «. 
XI. p. 26, Nr. 17. — Hanthaler, Fnsti camp. I. II. p. 591, dann desselben 
Recensu» IJ. p. 208. (Doch geboren viele im Staniiiil>siiinio der Rottensteine von 
Hanthaler aufgezählte Personen zu einer ganz anderen Familie.) 

15* 



216 

Ramsinstein abstammen, gehören — mit Ausname Irnfrieds — nicht zu 
obigem Geschlechte. Dasselbe gilt von Ulrich von Rotenstain, der neben 
Heinrich von Zinzendorf. Ulrich von Perwart und Friedrich Payer 1301 
eine Urkunde Otto des Rainers als Zeuge bekräftigt. 1 ) Streun bemerkt 
hiezu : ..Rotenstain wird gegen Theben über ligen vnd Hanburg. 4 * 

Die Veste Rötelstein finde ich vor 1411 nirgends beurkundet. 
Nach Wissgrill verlieh Herzog Albrecht V. 1411 dem Ritter Wilhelm 
von Enzersdorf den Götzenhof bei Hainburg mit dem W r erd dabei, sowie 
die Veste ., Rotenstein" mit ihrer Zugehörung *) 

Nach J Chmel wurde Wilhelm von Enzersdorf um das Jahr 1423 
vom Herzoge Albrecht V. belehnt, nämlich mit der Veste „zum Roten- 
stain* 4 und dem Dorf darunter, sowie mit dem Urfar gegenüber von 
Theben, mit allem was dazu gehört, doch mit Ausname der Au und 
Fischweide, worüber die Bürger von Hainburg und der Enzersdorfer 
streitig sind, sowie mit Ausname der Freiung, die er in der Veste Roten- 
stain zu haben vermeint. Obiges hat er aus besonderer Gnade zu Lehen. 1 ) 
Am 10. Mai 1459 verweilte Kaiser Friedrich III. zu Rotenstein. 4 ) 

Der Raubritter Ledvenko hatte zu Rotenstein und dem gegenüber 
liegenden Orte Hof an der Marc h je einen Tabor errichtet, welche 1458 
wieder zerstört wurden. 5 ) Mittlerweile war die Veste Rotenstein an Ulrich 
von Rechling gelangt, der sie 1 4(>4 an Wilhelm von Missingdorf, Herrn 
zu Dobra (V. 0. M. B.). verkaufte. ) 

In Baron Hormayrs Taschenbuch für 1830 liest man: Wilhelm 
von Missingdorf sass 14(10 zu Rottenstein, wie die Ruine Wolfsthal früher 
hicss (!) und soll ihn König Mathias von Ungarn als einen Vasall be- 
rufen haben : er s<»i aber, weil beim König verleumdet, nicht gekommen. 
Nun wusste man ihn mit List zu einer Reise nach Pressburg zu be- 
wegen, während einige seiner Gegner die Veste Rottenstein einnamen. 7 ) 
Diese scheinen sich auf derselben nicht lange behauptet zu haben. Erhart 
Falkensteiner moch 1471 kaiserlicher Pfleger zu Starhenberg in Nieder- 



'» \i. von Streun, genealog. Schriften (Manuscr.) 11. Fol. 60. 

*) Wissgrill 1. f. II. p. 418—419 und Archiv 1. e. VI. p. -J8T». 

a ) NotizenMatt 1. c. VIII. p. 4**. 

4 ) Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wieiu 
Bd XXII. p. 86. Reg. Nr. 189. 

Ä ) Seh weiß Ich ard 1. o. V. p. 147. — Jahrbuch für vaterländische Ge- 
schichte. 1. Jahrg., Wien 1861, p. ¥94. - Archiv 1. c LVIII. p. 117 

*) ..Adler" 1. c II. (1872) p. 103. 

7 ) Taschen luioh 1. c. p. 179. 



217 

ästen*.), der die Vesten Rotenstein und Potenburg (s. d.) von Kaiser 
Friedrich III. pfandweise inne hatte, trat diese Pfandobjekte 1479 an 
den Grafen von Pösing und St. Georgen ab. 1 ) 

Kaiser Maximilian I. hatte 1508 (Wr.-Neustadt, 12. April) den 
Brüdern Peter und Christoph Grafen von St. Georgen und Pösing die 
Veste Rottenstein in Niederösterreich „in der Donau* * und das Dörfel 
Rottenstein dabei neuerdings überlassen und eingeräumt. *) Graf Peter 
übergab 1 /> 1 1 (am Mittwoch nach Maria Geburt), nachdem sein Bruder 
Christoph gestorben war, sein Erbe und Gut: Die Veste Rottenstein mit 
aller Zugehör, nur ohne Fischwasser, das er ferner zu seinem Schlosse 
Theben behält, der Stadt Hainburg zur Abthnung ihrer Forderungen. *') 

Wilhelm Gienger, vorher Regierungsrath zu Innsbruck, Pfleger und 
Pfandinhaber der Herrschaft Rottenberg in Tirol, war seit 1571 bis 
zu seinem 158G erfolgten Ableben Pfandinhaber und Hauptmann der 
niederösterreichischen Grenzvesten Hainburg und Rotenstein. 4 ) Letztere 
war aber damals schon lange verfallen, daher Gienger nur den Titel 
eines Hauptmanns von derselben führen konnte. 

Rouzinesdorf. 

In der Nähe des verödeten Hadmarsdorf. ungefähr bei Sehrana- 
wand, Ebreichsdorf oder Trumau, stand vor Zeiten Rouzinesdorf. Dieser 
Ort kommt am 7. Jänner 1120 als Grenzort der Pfarre Draiskirchen 
vor, bestand also spätestens schon 1119. In der schon bei Hadmarsdorf 
erwähnten Urkunde (1 120, 7. Jänner), bezüglich der Pfarrgrenze heisst es 
(wortgetreu) „von Steinintische" (Steinabrückl) zum Flusse Piesting und 
nach dessen Lauf und dem des Kaltengang abwärts nach Südost zum Dorfe 
Wolrates, (öde) bis dahin, wo die Felder des Ortes Wolrates am Flusse 
Fischa enden und wie dieser die Felder der Dörfer Hadewartesdorf (öde), 
Rouzinesdorf. Scranewat (Schranawand) und Brunn (Moos- Brunn) scheidet 
und wie die Felder vom Dorfe Neusiedl oder Gezenneusiedl (jetzt Gramat- 
neusiedl) an die Felder von Ebergassing stossen" etc. Zu welcher Zeit 
der Ort eingieng, ist nicht bekannt. Im übrigen verweise ich auf das 
vorbeschriebene, abgekommene Dorf Rietendorf. :> ) 



') Wissjrrill I. o. III. p. 20. 

") Wiss grill 1. c. III. p. 210-201. 

8 ) Wisüprill 1. c. III. p. 261. 

4 ) Wissgrill 1. c. III. p. 320. — Kciblinger. Melk I. «. 11.. I. p. 781 

6 ) Kciblinger, 1. c. II., I. p. 3f>9. 



218 



Sc h nepf enstei n. 

Obgleich kein Beleg darüber vorliegt, ob eine Ortschaft Namen» 
Schnepfenstein in Niederösterreich bestand, soll dieser Name dennoch 
hier eingereiht werden, weil ihn eine alte Veste trug, welche längst ver- 
fallen ist und über welche auch fast gar nichts bekannt ist. Dieselbe stand 
im Walde hinter Sparbach, nur etwa 300 Meter oberhalb der fürstlich 
Liechtenstein'schen Burg Johannstein. , .Neben (eigentlich ober) derselben* 4 
schreibt Schweickhardt (1833) „befinden sich die kaum mehr bemerkbaren 
Ueberreste der Burg Schnepfenstein, deren Geschichte aber ganz in 
Dunkel gehüllt und wie wir (Schweickhardt) vermuten, auch ohne alles 
historische Interesse (?) ist. Sparbach und Schnepfenstein scheinen bald 
gleiche Besitzer gehabt zu haben." M Edle von Sparbach kommen in 
Urkunden seit 1130 vor, doch nur ein einziger von Schnepfenstein, 
Namens Leopold, der dem Ritterstande angehörte und zwischen 1254 
bis 1 285 als Zeuge auftritt. Dessen Gattin Mechtilde nennt sich 1311 
(da sie sich zu Heiligenkreuz ihre Grabstätte erwählt und einen Jahrtag 
stiftet) Witwe, bezeichnet die verstorbene Frau Diemuth aus Baden als 
Mutter, Ulrich Poll als Bruder: zugleich nennt sie ihre Töchter Gertruds 
und Diemut. 2 ) Ausser diesen kenne ich von dieser Familie keine 
Glieder: dass dieselbe Sparbach besass (ja vielleicht eine Abzweigung der 
Familie Sparbach war), geht aus den Eingangsworten der Urkunde Frau 
Mechtildens hervor: ..Ich Maehtild, hern Leupoltz witib von Snephen- 
stain, dem got gennd, gesezzen ze Sparberbach.V' Vielleicht war um den 
Anfang des XIV. Jahrhunderts die Veste Schnepfenstein schon verfallen, 
daher sich Leopold nach Sparbach gezogen haben dürfte. Sparbach mit 
Schnepfenstein und Weissenbach kaufte lt?52 die Abtei Heiligenkreuz 
vom Frauenstifte zur Himmelpforte in Wien. Um diese Zeit heisst es 
im Bannteiding von Sparbach (abgefasst wahrscheinlich noch 1<>52 oder 
kurz nachher): ..Das Kloster hat das Recht, seine Schäfflerey zu halten, 
wie dann die vorigen Herrschafts-Inhaber auf den alten Purckstall, sonst 
Schnepfenstein genannt, in die 500 Schaff gewinthert." :i ) 

Dass jedoch die später unweit der Ruine Schnepfenstein erbaute 
Veste Johannstein nicht einem Herrn (Johann) von Liechtenstein ihren 



M Schweickhardt 1. c. VI. p. 12«. 

*) Lei) er, die Burgen Kauheneck. Scharfeneck etc. p. 22U. — Fontes 1. e. 
XI. p. 127. 144. 152, 181. 182. 218, 239 und XVI. p. 29. X). 

8 ) Koll Malach. Gesch. v. Heili&enkren/.. p l«ft und Kulte n 1» ä e k : 
Die österr. Rechtshücher, I. p. 75. 



219 

Namen verdankt, wie geglaubt wurde, erhellet aus folgendem Urkunden- 
auszug: 1429, 26. Juni. Herzog Albreeht V. beurkundet, dass er seinem 
Getreuen, Johann Jöchlinger um seiner steten Dienste willen und aus 
besonderer Gnade erlaubt habe, einen Sitz und Veste auf dem Burg- 
stall ! ) bei Sparbach, genannt Schnepfenstein „das er nu nennet Jonen* 
stain" zu erbauen, welche Veste er und seine Nachkommen stets als 
1. f. Lehen inne haben sollen, ohne aber von derselben wider den Landes- 
fürst oder das Landesrecht Gebrauch zu machen. 2 ) Sonst ist mir über 
diese verödete Veste — die jedenfalls gleich damals an anderer doch 
der alten Veste nahe gelegenen Stätte erbaut wurde — nichts 
bekannt. 

Schnozendorf. 

Im Rational*. Austr. von c. 1275 lesen wir: „In Snocendorf villa 
tota ducis. Item tercia pars in Castro peunte de quo profitentur heredes 
quod duci attineant aliquo inpedimento." (Folgt Mitterndorf a. d. Fischa 
etc.) 3 ) 

Es scheinen einst zwei gleichnamige Orte, deren einer etwa im 
V. 0. W. W. lag, bestanden zu haben : Ott Windischeudorfer verkaufte 
1323 (Ulmerfeld, 3. Juni) mit Willen seiner sechs Geschwister seine 
Hube und Lehen zu Snocendorf, Lehen des Bistumes Freising, um 
10 Pfd. Pfg. an den Chorherrn Emicho von Alzei, Pfleger des genannten 
Bistumes. 4 ) 

Dieses Schnozendorf lag wol im V. 0. W. W\, ersteres jedoch 
im V. U. W. W., und zwar am Kehrbache oberhalb Wr.- Neustadt, zwischen 
dem Dillmannshof (am Jägerbach, der dem Kehrbach zufliesst) und 
Haders weni. Der Schafflerhof „Schnozenhof" ober Haders werd erinnert 
noch an das einstmalige Dorf, welches aber nicht in unmittelbarer Nähe 
desselben, sondern näher gegen den Kehrbach zu gestanden hat. 

Frühzeitig, zum Teil noch im XII. Jahrhundert, erwarb Göttweig 
in der Gegend von Schnozendorf Besitzungen, namentlich zu Chrotendorf 
(jetzf Frohsdorf am rechten Ufer der Leitha), Swartza (Schwarzau am 
Steinfeld, an der Schwarzau, die kurz nachher, mit der Putten vereint, 
Leitha heisst), Praitenawe (Breitenau, ober Schwarzau, am Kehrbach), 
Hedreinswerd (Haderswerd , unrichtig Haderswörth , Nachbarort von 

J ) reber die Bedeutung dos Wortes Hur^stall ist nachzulesen: Topogr. 
von Niederösterr. Bd. II. p. L } 58— 259. 

a ) Notizenblatt 1. o. IX. p. k i83. Die Sektion 77 der Administrativkarte des 
Vereines giebt die Stelle an. an welcher die Veste Sehnepfenstcin stand. 

3 ) Notizenblatt 1. c. V. p. 401. 

4 ) Fontes 1. e. XXXV. p. 130. 



220 

Schnozendorf) und Suotzendorf, unter welchen Namen diese Orte im 
Gültenbuche der Abtei Gottweig vom Jahre 1322 vorkommen. 1 ) Alle 
in diesen und einigen anderen Orten (Neu[n]kirchen, Ostrafinngen) ge- 
legenen Besitzungen verkaufte die Abtei am 1. September 1403 an Conrad 
Helberter, „Techant hie diesshalm des Semmerings in Salzburger Bis- 
tumb vnd pfarrer der Khirrchen Sannd Nikla zu dem PrückleinsV 2 ) um 
307 Pfd. Pfg. 3 ) 

Friedrich von Stubenberg erlaubte 1316 (11. April), dass Hein- 
rich der Götznieh seiner Gattin Agnes einen Zehent zu Snozondorf um 
20 Pfd. Pfg. als Morgengabe verschreibe. 4 ) 

Genaue Andeutungen über die Lage von Schnozendorf giebt folgen- 
der Urkundenauszug: Wr.-Neustadt, 2. August 1458. Kaiser Friedrich III. 
giebt den Leuten zu Lanzenkirchen, die in das dortige Bannteiding ge- 
hören, die Wiese bei Wr.-Neustadt ,,an dem Gisshübel, an dem newen 
Gschaid'\ die jetzt durch einige Zeit der Müller Nikolaus Hofmeister 
inne gehabt hat; dieselbe grenzt an die Wiesen Meister Hartwigs von 
Capell, seines (des Kaisers) Rathes, und des Spitales (von Wr.-Neustadt) 
,,au der Wolken nstorffer ( Klein- Wolkersdorf, neben Lanzenkirchen a. d. 
Leitha) veld, als es geraint vnd gestaint ist vncz (bis) in den Stein- 
polster 1 ', ferner an die Grenzsteine, welche die Grundstücke der (Leute) 
von Lanzenkirchen und der (Leute) von Snoczendorf scheiden. Sie (die 
Lanzenkirchner) sollen diese Wiese wöchentlich einen Tag und eine 
Nacht aus dem Kehrbach wässern etc. 5 ) Wann Schnozendorf in Abname 
kam, ist unbekannt, wahrscheinlich um 1485 (zur Zeit der ungarischen 
Invasion) oder spätestens 1529. 

Schrozendorf. 

Verschollenes Dorf an der Leitha, zwischen Brück und Wülflcins- 
dorf. Schweickhardt. ohne anzugeben, wo dieser Ort bestand, berichtet 
wörtlich : ,.Schrozzendorf, auch Schrezendorf, ein Dorf im V. U. W. W., 
welches im Kirchenvisitations-Protokoll vom Jahre 1544 wegen eines, 

») Fontes 1. <•. VIII. p. 138. 

*) Bei Ülocknitz, jetzt Prigglitz (!). 

s ) Der Käufer widmete «Moses Pfarrgut seiner Pfarrkirche zu einer ewigen 
Messe. Die Urkunde hierüber ist auszugsweise gedruckt. — Fontes I. «. VIII. 
p. 138- 130. 

4 ) Notizenblatt 1. c VI. p. 420. Unter den Zeugen sind Otto von Walpers- 
bucli (gegenüber von Lanzenkirchen). Dietlein von Gösse etc. 

*) Archiv 1. <a. X. p. 217, Reg. Nr. 270. Die Wiesen am Giesshübel und 
der ..Scliiiotzeiihof" sind ersichtlich auf Sektion Wr.-Neustadt (Nr. 101) der 
Adniinistrativkarte des Vereines. 



221 

dein Pfarrer zu Pruegg an der Leitha von Wolfgang Prandtner, Hoch- 
meister ! ) zu Trantmannsdorf, entzogenen Getreidezehents vorkommt. Da 
von diesem Orte seitdem *) gar nichts mehr bekannt wird, so scheint 
es, dass Sehrozzendorf zu Grunde gegangen und verödet worden seyn 
müsse." 3 ) Spätere Daten kann ich nicht beibringen, wol aber einige 
frühere, die über Schrozendorf — auch Schrucendorf, Schrutzendorf, 
Schroczendorf geschrieben — und seine Lage Aufschluss geben. Frau 
Bertha. Witwe des Hainburger Bürgers Dietlein „qui cognominabatur 
in der Lad 1 ', verkaufte 1274 an die Abtei Heiligenkreuz 10 Schill. Pfg. 
jährl. Gülte „in villa, que Schrucendorf dieitur**. Die leider nicht mit 
Datum und Ortsangabe versehene Urkunde hierüber ist höchst wahr- 
scheinlich in Brück ausgestellt worden, alle zehn Zeugen sind Brucker 
Bürger, an ihrer Spitze der Richter Otto. 4 ) 

Im Gültenbuche von Heilfgenkreuz (von 1293 — 1294) steht toi. 
XXVII. „Schrutzendorf 1 (worauf sogleich .,Pruka" folgt) und bezog die 
Abtei jährlich 14 Schill. Pfg. Gülten von einem halben Lehen daselbst.'') 
Die Lage des Ortes geht aus folgender Mitteilung hervor: Herzog 
Albrecht V. belehnte um 1430 Wolfgang den Härder mit 9'/ 2 Pfd. Pfg. 
Gülten auf Ueberländäckern, gelegen in drei Feldern zu Schroczendorf, 
deren zehn Ganzlehen sind und stossen dieselben mit einer Seite an 
die Wülfleinsdorfer Aecker, mit der anderen Seite ,,gen Prukg wercz 
ob der NewnmüT 1 (Neumühle) ; gekauft wurden diese Gülten von dem 
verstorbenen Georg von Ror. 6 ) Sonst ist mir über diese Ortschaft nichts 
bekannt geworden, die gewiss seit 1529, wenn nicht schon seit c. 1485 
(Feldzug des Königs Mathias Corvinus von Ungarn gegen Oesterreich) 
öde ist. 

Steinabrunn. 

Ueber dasselbe schreibt Schw<;ickhardt: „Ein vormaliges Dorf, 
welches zwischen Hundsheim und Deutsch-Altenburg lag, 1529 aber 
von den Türken dermassen zerstört wurde, dass nur der alte Kirchturm 
übrig blieb, welcher durch die Zeit her 7 ) nun auch verschwunden ist' 4 . 



*) Des St. Georgordens. 

2 ) Ich vermute, derselbe sei bereits seit 1529 verödet gewesen, der Zehcnt 
war vielleicht schon vor 15*29 entzogen worden. 

•) Schweickhardt 1. c. VI. |>. 20—21. 

4 ) Fontes 1. e. XI. p. 191-192, Nr. 209. 

*) Gültenbuch 1. c. p. (>7. 

•) Notizenblatt 1. c. VIII. p. 471. 

7 ) Vor 1833, in welchem Jahre der VI. Band von Schweickhanlts Werk 
erschien, der auf Seite 154 obige Nachricht über Steinabrunn enthält. 



222 

Nach Theodor Mayer aber lag Steinabrunn zwischen Hundsheim und 
Schönbrunn, und der Turm, der nach Sehweickhardts Bericht um 1832 
schon „verschwunden" sein sollte, war nach Mayer noch um 1852 vor- 
handen. 1 ) Wer von Beiden hat Recht? Ganz gewiss der Letztere, dessen 
kurzer Bemerkung ich Folgendes beifügen kann : Steinabrunn stand süd- 
lich von Hundsheim, dessen Grundstücke aber gehören wol alle zu 
Deutsch-Altenburg und scheinen die ,, freien Ueberländer 4 ' und die an- 
stossendeu ,,Hundsheimer Neuriess" einen Teil davon auszumachen. 

Unmittelbar ober diesen Ackerrieden auf der Altenburger Hutweid** 
finden sich Reste des erwähnten Turmes, der jedoch auf der Katastral- 
mappe als „Hundsheimer alter Turm" erscheint, 2 ) richtiger aber Steina- 
brunnor Turm heissen sollte. Di* verlässliehen Nachrichten über dieses 
verödete Dorf sind gering, obgleich es ein grösseres Dorf gew r esen zu 
sein scheint. 

Vor 1388 hatten hier die Abteien Göttweig und Klein-Mariazell. 
Ritter Georg Derr und wahrscheinlich auch Herzog Albrecht Besitz. 
Letzterer kaufte 1388 (Wien, 20. April) von Georg Derr f> Pfd. Pfg. 
Geld auf zehn Halblehen zu Stainabrunn um 30 Pfd. Pfg., von Abt 
Friedrich und dem Couvent von Göttweig 12 Schill. Pfg. zu Steinabrunn 
bei Hundsheim auf vier Halblehen um 10 Pfd. Pfg. ,.zu der Veste Boten- 
burg' 4 , 3 ) ferner von Abt Leopold und dem Convent von Kl. -Mariazeil 
zwei Pfd. Pfg. auf 5 Halblehen zu Steinabrunn um 12 Pfd. Pfg. 4 ) 

Ritter Georg Derr wurde 1412 (Wien. 14. Jänner) vom Herzoge 
Albrecht V. mit dem väterlichen Erbe, soweit es landesfürstliches Lehen 
war, gelegen zu Schergenbrunn, Rauhenwart, Hundsheim, Steinabrunn, 
Deutsch-Altenburg etc. belehnt. 5 ) Die Familie Derr hatte demnach noch 
immer in Steinabrunn Besitz, obgleich dortige Gülten auf zehn Halb- 
leinen 1388 verkauft worden waren. 

Derselbe Herzog belehnte um 1430 Conrad von Stickelberg mit 
Wiesen bei Strannesbrunn und einer Mühlgülte, liehen von der Herr- 
schaft Trautmannsdorf. *) Sollte unter Stranesbrunn nicht dieses öde 
Steinabrunn gemeint sein, wie ich vermute, so müsste es ein anderer. 



M Archiv 1. e. VI. p. 28«. 

*) So auch auf der Adininistrativkarte des Vereines. Sektion Prelleii- 

kirchen. Nr. 81. 

a ) Diese Veste war kaum zwei Wegstunden von Steinabrunn entfernt. 

4 ) Lichnowsky 1. c, III, Nr. 2130, 2191, 2133. 

5 ) Lichnowsky 1. c. V., Nr. 1267. 
") Notizeilblatt 1. c. IX. |». 207. 



223 

verschollener Ort in dieser Gegend sein. Spätere Daten über Steinabrunn 
kenne ich nicht. 

Sunzendorf. 

Stand zwischen Wr.-Neustadt und Frohsdorf (alt Krottendorf) an 
der Leitha. Heiligenkreuz hatte schon vor 1210 in „Suncendorf Be- 
sitzungen. 1 ) Nach seinem Giiltenbuche (1293 — 1294) hatte es „in Chotzs- 
dorf (s. d.) et in Svntzendorf 1 zusammen zwölf und halbes Lehen, 
wovon 8Vjj in Svntzendorf. 2 ) 

Um diese Zeit scheint der Ort gleich Chotzsdorf öde gewesen zu 
sein. Am 24. Juni 1321 verkaufte die Abtei viele Gülten an die Wr.- 
Neustädter Bürger Leb und Erhart Prunner; im betreifenden Kaufbriefe 
lesen wir viele Holden, welche von Aeckern zu Sunzendorf Pfennigdienste 
reichten, doch wohnte keiner im Orte, der woi nicht mehr besiedelt war 
und öde lag. Es diente Heinrich der Bergmeister von Chrotendorf 
(Frohsdorf) 32 Pfg., Rudolf, der Enkel Gotsleins, 02 Pfg.. Heinrich 
Zephel in der Oed 57 Pfg., Berchtold Poschai in der Oed 25 Pfg. 
Wolfhart, Sohn der Müllerin zu Lanzenkirchen, 18 Pfg.. Seibot im 
Winkel beim Neunkirchn«r Burgtor (in Wr.-Neustadt) 48 Pfg., Rudolf 
Hollvewer zu Chetzleinsdorf (Katzelsdorf) 39 Pfg., Leupold Rusteupauch 
zu Chetzlcinsdorf 20 Pfg., die Leutoldin daselbst 20 Pfg.. Engelbrecht 
daselbst 25 Pfg. und ein Huhn, Rudel Zahmann daselbst 40 Pfg. t 
Hailweich, des Bergmeisters Schwester zu Chetzlcinsdorf, 18 Pfg., Leu- 
pold, des Bergmeisters Schwager daselbst, 18 Pfg., Rudel, des Berg- 
meisters Bruder, daselbst 14 Pfg. und Rudolf, Wilhelms Schwiegersohn 
zu Chetzleinsdorf, 15 Pfg.; alle diese Gülten werden von Aeckern zu 
Sunzendorf jahrlich am St. Michaelstag gedient. 3 ) 

Am 19. Oktober 1450 belehnte König Ladislaus den Thomas W T isent 
mit von Dietz Praun gekauften Besitzungen, landesfürstlicher Lehenschaft, 
darunter mit dem Öden Dorfe ,,Sundleinsdorf'\ dem Dorfgericht sammt 
grossen und kleinen Zehent daselbst, sowie mit der neuen Mühle und 
einer Au an der Leytha. 4 ) Später wird diese verschollene Ortschaft nicht 
mehr erwähnt, welche mit jenem ,,Dunzendorf % an der Leitha identisch 
ist, wo zwischen 1190 — 1209 Wichard von Zebing 8 Lehen an Heiligen- 



l ) Fontes 1. c. XI. p. 42, angeführt in der vom 31. Jänner 1210 (Lateran) 
datierten Bestätigungsbulle des Papstes Iniioeenz III. für Heiligenkreuz. 
') Gülteuhuch 1. c. p. IG 

3 ) Fontes 1. c. XVI. p. 70—71. 

4 ) Notizcnhlatt 1. c. IV. p. 427. 



224 

kreuz schenkte. 1 ) Dunzendorf durfte übrigens nur ein Schreibfehler 58 ) in 
jener Urkunde sein. 

Tagais, Tagnitz. 

Am Ursprünge der Fischa (Tagnitz-Fischa) oberhalb Harschendorf, 
(bei Ebenfurt), wo noch eine Ackerried „Tagnitzbreiten" heisst, stand 
einst ein Dorf Namens Tagais, später Tagnitz genannt, welches im 
XIV. Jahrhundert verödet ist. 3 ) 

Tristanberg. 

Verschollen, doch im V. U. W. W., vielleicht in der Umgebung 
von Prellenkirchen zu suchen. Herzog Ernst von Oesterreich belehnte 
1422 (Wr.-Neustadt, 1. Oktober) Barbara, Tochter des verstorbenen 
Herrn Seifried von Kranichberg, mit der Veste Prellenkirchen und dem 
Dorfe Tristanberg, Lehen der Grafschaft Ort, ererbt von ihrer Mutter 
Margaretha, gebornen von Haslau. 4 ) 

Kaiser Friedrich III. belehnte 1455 (Wr.-Neustadt, 25. August) 
Hanns von Kranichberg mit der Veste Prellenkirchen und dem Dorfe 
,,Tristamsperg u , Lehen der Herrschaft Ort, wovon er die Veste von 
seinem Vater Sigmund ererbt, das Dorf aber von seiner Muhme Elsbeth 
von Kranichberg, Gemahlin des Herrn Thomas von Stubenberg, gekauft 
hatte. 5 ) Sonst ist mir über diese Ortschaft nichts bekannt; dass sie zum 
Lehensbande der Herrschaft Ort (im Marchfeld) gehörte, besagt noch 
nicht, sie habe unfern davon bestanden, wie denn selbst im Stockerauer 
Gerichtsbezirke diese Herrschaft Lehensobjekte hatte. Weil aber mit 
Prellenkirchen zweimal genannt und derselben Familie gehörig, scheint 
die Anname nicht ganz unbegründet, es dürfte Tristanberg — der 
Name weiset auf hohes Alter — in der Gegend von Prellenkirchen zu 
suchen sein. 

Urtail. 

Herzog Friedrich der Aeltere belehnte 1428 (Wien, 23. Jänner) 
Jörg den Pökiein für seinen Vater Ulrich und Sigmund Gowmann mit 

l ) Fontes 1. c. XI. p. 2«. 

*) Schon die erwähnte Bulle von 1210 hat richtiger „Sunccndorf*. 

8 ) Vgl. den Artikel . El»enfurt~ im zweiten Bande der Topographie von 
Niederösterrcich. Erwähnt wird das öde Tagnitz noch iui Urbar der Herrschaft 
Ebcnfurt vom Jahre 1558. 

4 ) „Adler", genealog. Zeitschrift, Jahrg. 1874 (IV.) p. 103 (wo Grafschaft 
Ort steht). Lichnowsky 1. c. V. f Heg. Nr. 2088 (wo Herrschaft Ort und Dorf 
Tristan l>erg steht). 

6 ) Archiv 1. c. X. p. 07. 



225 

einer Pfenniggulte zu Urtail in der Pfarre (Deutsch-) Prodersdorf. ') 
Sonst ist mir über diesen verschollenen Ort nichts bekannt. Derselbe 
muss sehr nahe bei ßrodersdorf (an der Leitha) gestanden haben (weil 
J428 diese Pfarre nicht umfangreich war), etwa zwischen Unter-Walters- 
dorf und Reisenberg. Ein „Urteil" am Wartberg bei Guntrarusdorf wird 
um 1182 und wieder 1216 genannt,*) scheint aber nur eine Wein- 
gartenried zu bezeichnen. Ein Urtail staud bei Falkenstein im V. U. M. B. 
und soll im „Nachtrag" beschrieben werden. 

Utendorf. 

Zu den ältesten Ortschaften im Lande gehörte ohne Zweifel Outen- 
dorf (auch Vtendorf geschrieben), schon Anfang des XII. Jahrhunderts der 
Sitz eines adeligen Geschlechtes. Utendorf, dessen alte Grenzmarkung noch 
jetzt besteht, war von den ebenso alten Orten Hintberg (jetzt Himberg), 
Ebergassing, Grammatneusiedl und Velm umgeben und ist dermals ein 
Allodialgut unter dem ganz unpassenden Namen ,, Gutenhof", welches 
von c. 110 Personen bewohnt ist. Hier haben wir es nicht mit dieser 
neueren Ansiedlung, sondern vielmehr mit der alten zu thun, die spätestens 
1529 eingieng. 

Die Kirchliche Topographie, Bd. III. (erschien 1823) Seite 264, 
teilt mit: „Der Guttenhof, eher auch Vettenliof oder Uttendorf genannt, 
ist ein altes, wahrscheinlich seit 1529 verödetes Dorf, welches ursprüng- 
lich ein kaiserliches Kammergut war, zum kaiserl. Gestute gebraucht, 
zuerst dem Petro de Rada, kaiserl. Bereiter, von Kaiser Ferdinand I. 
1549 geschenkt (?), dann aber dem Peter Heniau, Kammerdiener, lehen- 
weise verliehen worden war. Von dessen hinterlassenen Erben brachte es 
der Hofkammerrath Hieronymus Bekh 3 ) im Jahre 1504 käuflich an sich 
und empfieng hierüber von Kaiser Maximilian II. die gewöhnlichen Lehen. 
Heutiges Tages 4 ) zählt Gutenhof 31 Bewohner.* 1 Das kaiserl. Gestüt 
bestand 5 ) hier bis 1 7 4 (> . 

König Heinrich V. bestätigte 1108, 29. September, zu Pressburg 
die Schenkung des Gutes Viehbach von Seite Heinrichs von Schauenburg 
an das Bistum Bamberg. Unter den Zeugen sind die Oesterreicher Wolfker 
von Naliuhe (Nalh, V. U. M. B.), Boto von Asparn, Adalram von Vtendorf, 



'; Lichnowsky 1. c. Y., Reg. Nr. 2613. 

*) Fontes 1. «. XI. p. 12 und 50. 

s ) Von Leopoldsdorf. 

4 ) Nämlich im Jahre 1823. 

6 ) Nach Schweiekhardt 1. c. II. p. 106. 



22 ß 

Diepold von Butinberg etc. 1 ) Höchst wahrscheinlich war Adalrara von 
Vteudorf in Utendorf bei Hintberg sesshaft, vielleicht gab er oder einer 
seiner Ahnen dieser Ortschaft den Namen, oder gründete dieselbe ; ohne 
Zweifel gehörte Adalram einem vornemen Geschlechte an, denn er er- 
scheint in jener Urkunde neben hochadeligen Männern, wie die ob- 
genannten und Rupert von Balsenz, Rudolf von Berge, Adalbero von 
Griesbach. Später kommen wol noch Edle von Utendorf vor, doch ge- 
hörten sie nur dem Ritterstand au ; ob sie aber zu Utendorf. Ottendorf 
oder Autendorf sassen, lässt sich für jetzt — da ja bekanntlich die 
Familiengeschichte vieler erloschener Geschlechter, geschweige der meisten 
noch blühenden , wegen Mangel oder Unzulänglichkeit von urkund- 
lichem Beweismateriale noch sehr wenig aufgehellt ist — schwer ent- 
scheiden. 

In der schon bei Hadmarsdorf und Ronziuesdorf angeführten Urkunde 
vom 7. Jänner 1120, betreffend die Pfarrgrenze von Draiskircheu, wird 
bemerkt, dass die Felder von Velweu (Velni, unrichtig Fölling) an die 
Felder des Dorfes Outendorf reichen, wie dies jetzt noch der Fall ist. 
Erst am Anfange des XV. Jahrhunderts begegnet uns Utendorf wieder 
urkundlich. Herzog Leopold belehnte 1408 den Ritter Gerhard von Fronau 
(als ältesten von seinen Geschwistern) mit dem Dorfe Utendorf.-) Herzog 
Albrecht V. belehnte um 1432 Erasmus den Ponhayiner, Bürger von Wien, 
mit dem halben Zehent zu Feld und Dorf, grossen und kleinen, auf dem 
ganzen Dorfe „Uttendorf** in der Pfarre Hiinberg, gekauft von Heinrich 
dem Wolfs öl er. 3 ) 

König Ladislaus belehnte 1450 (Wien, 10. Juli) die Brüder Ger- 
hard und Gamerith von Fronau mit dein Dorfe Utendorf bei Hintberg 
und 2 7,, Pfd. Geld auf behausten Gütern zu Velben. 4 ) Derselbe belehnte 
145U (19. Oktober) Thomas Wisent mit von Dietz Praun gekauften 
1. f. Lehen : Vom ganzen Dorfe Utendorf in der Pfarre Hintberg den 
halben grossen und kleinen Feld- und Dorfzehent.*) Conrad , Sohn 
Gerhard des älteren von Fronau, besass um 1400 Fiseha, Velin, Uten- 
dorf, Göttclsbrunn etc.") Ich vermute, dass diese Ortschaft schon vor 



') Archiv 1. e. VI. p. 205. 

a ; Wi88grill 1. e. III. p. 111. 

*) Notizenblatt 1. e. IX. p. 237. 

4 ) Notizenblatt 1. e. IV. p. 47. 

s j Notizenhlatt 1. c. IV. p. 427. 

'') Wiss grill 1. c. III. p. IIS. Wie gezeigt wurde, waren die von Fronau 
nicht Alleinbesitzer von Ctendorf, wie man aus diesen (und vielen anderen) Aus- 
zügen aus Wissgrill* Adelslcxikon sehliessen könnte, sondern nur Teilbesitzer. 



227 

dem Türkeneinfalle (1529), in Folge der ungarischen Invasion, also 
c. 1485 verödet worden ist. 

Uttesthal. 

Herzog Friedrich der Aeltere verlieh 1428 (Wr.- Neustadt) dem 
Ritter Urban von Hundsheim, dessen Bruder Coloman und Vetter 
Albrecht einige Lehen zu Uttesthal, Scheringbrunn an der Leitha und 
Hundsheim, alles Lehen der Herrschaft Ort. ! ) Frau Hazicha von Tegirin- 
wac-h (Tegerinbach) schenkte dem Stifte Klosterneuburg um 1130 bis 
1136 ihren Besitz zu Ontendale*) und Veluvaren (Velm). Wahrschein- 
lich ist Uttesthal und Outendal (Utenthal) ein und derselbe Ort. der viel- 
leicht unweit Utendorf (s. d.) und Velm bestand, gewiss aber im 
V. U. W. W. zu suchen ist. 

Ein Idung von Vtental kommt als Zeuge im Klosterneuburger 
Saalbuche zwischen 1185 — 1195 vor/*) M. Fischer vermutet, es habe 
sich derselbe von Ottenthai 4 ) benannt, was ich bezweifle. 

Weidling (Ober-). 

Vormals bestand oberhalb des noch blühenden Ortes Weidling auch 
ein zweiter, gleichnamiger Ort, welcher Ober-, ersterer hingegen Nieder- 
Weidling genannt, wurde. Eines dieser gleichnamigen Dörfer bestand 
sicher schon um 113f>, wie aus dem Saalbuche des Stiftes Klosterneu- 
burg zu erweisen ist/') 

Gewiss scheint «s zu sein, dass Nieder-Weidling, oder wie man 
seit der nach dem Ausgange des XIV. Jahrhunderts eingetretenen Ver- 
ödung Ober-Weidlings kurzweg sagt: Weidling älter sei, als Ober- 
Weidling. Allein erst eine Urkunde vom 27. März 1302 verschafft uns 

! ) Lieliiiowsky 1. e. V. Keg. Nr. 2607. 

f ) So steht bei Fischer 1. e. II. p. 24, Nr. 38. — Fontes 1. c. IV. p. 103, 
Nr. 476 Otewlale : im Originale des Saalbuches von Klosterneuburg steht ein nach- 
träglich und seitwärts beigefügtes „Vtcutal". 

8 ) Fontes 1. c. IV. p. 91, Nr. 422. 

4 ) L. c p. 275. Der 1230 lourkundete Siglochus von Vzental, der im Zwetler 
.Stiftungenbuch mit mehreren Edlen aus Manswerd, Parz. Peugen, Als etc. vor- 
kommt scheint auch hier sesshaft gewesen zu sein? — Fontes 1. e. III. p. 440 
und Archiv 1. c. II. p. 395. 

5 ) Weidling wird in demselben erwähnt (als Wirinich, Widinich, Widnik, 
Widenic ete ) in den Tradit. Nr. 4, 76, 77, <:0, 136, 319, 367,395,408,437,443. 
504, 683. Vgl. den Abdruck dieses Saalbuches in den Fontes 1. c. IV. Auch ein 
edles Geschlecht sass schon im XII. Jahrdundert zu Weidling; aus allen diesen 
und andern vielfachen Belegen lässt sich doch nicht, mit auch nur anscheinender 
Gewissheit, das Vorhandensein zweier Orte Namens Weidling annemen. 



228 

die Gewissheit, dass damals zwei Orte unter dem Namen „Weidnich" 
bestanden : weil in derselben von Nieder- Weidling die Rede ist, so 
kommen wir zum Ergebnisse, es müsse 1302 auch ein Ober-Weidling 
gegeben haben. M Letzteres wird, so viel ich weiss, zuerst am 2. Februar 
1342 urkundlich erwähnt: Margaretha „die alt Ammanin von Obern 
weydniclr, ihre Tochter Margaretha und deren Gatte Chunrat (Conrad) 
bekennen, dass sie mit Händen ihres (will sagen des Stiftes Klosterneu- 
burg) Amtmannes, Wisent von Ruckesdorf (nannte sich nach Rückers- 
dorf bei Korneuburg), verkauft haben ihr Haus „daz do leit ze Obern 
Weidnich auf dein pach a an den erbaren Mann Herwart, Sohn des 
Ludweich, um 31 Pfd. Pfg. Die Verkäufer erhielten aber nur 11 Pfd. 
Pfg. : weil nämlich das Stift Klosterneuburg auf diesem Hause eine Burg- 
rechtsrente von jährl. 2 Pfd. Pfg. hatte, die jedoch mit 10 Pfund für 
1 Pfund abzulösen war, so wurden vom Kaufschilling gleich 20 Pfund 
in Abschlag gebracht. Sofern aber die Ablösung erfolgte, muss fortan 
dem Stifte ein jährlicher Grunddienst von ! / 6 Pfd. Pfg. gereicht werden.*) 

Noch l3*Jtt bestand Ober-Weidling. Am 31. März 1393 kauften 
,.der besehaiden mann Ruedlein der Oder von obern Weidnik' und 
seine Hausfrau Dorothea einen Weingarten zu Klosterneuburg. 3 ) Die 
xVngaben der Kirchl. Topogr. sind daher (in Bezug auf die Verödung 
dieses Ortes) nicht ganz richtig, da sie meldet: Ober-Weidling lag jen- 
seits des Weidlingbach, gegen den Wald zu, bei Kogelbrunn (s. d.) und 
verödete bald nach 134(1, sicher noch vor Schluss des XIV. Jahr- 
hunderts gänzlich. 4 ) Bald nach 1346 war der Ort gewiss nicht verödet, 
kann auch kaum ,. sicher" vor dem Ende des XIV. Jahrhunderts „gänz- 
lich" abgekommen sein, weil in den Neunzigerjahren in dieser Gegend 
kein kriegerisches Ereignis nachweisbar ist, noch 1393 (wenigstens) eine 
Familie im Orte sesshaft war und nicht leicht anzunemen ist, es hätte 
sonst ein Unglück (Ueberschwemmung, Brand) in diesen Jahren das 
Eingehen der Ortschaft verursacht. Eine teilweise Verödung ist übrigens 
nachweisbar. 

Friedrich der En und dessen Sohn Nikolaus besassen 1387 ,,aiu 
uiül vnd hol'stat Weingarten daran mit aller zugehörung, genannt die 
cristofter mül vnd leit an dem weidnik pach zunächst des eypfs iniil". 
welche jährlich dem Stifte Klosterneuburg 26 Pfg. (jrunddienst und der 



') Fontes 1. e. X. p. 77. 

-') Fontes 1. e. X. p. 286. 

8 ; Fontes 1. c. XX VIII. p. 68. 

4 > Kirchl. Topogr. 1. e. I. Bd. I. Tl. p. 134. 



229 

St. Johannkapelle in Klosterneuburg 5 Pfd. Pfg. Ueberzins zu dienen 
hatte. Aus einein Gerichtsbriefe ddto. 23. August 1387 ersieht man, 
dass diese Mühle „mit sampt dem Weingarten daran vnd der Mülgraben 
pawloz lag 14 , daher die erwähnten Giebigkeiten nicht mehr geleistet 
werden konnten und die Mühle mit Zugehör von der Kapelle l ) ein- 
gezogen wurde. Im Grundbuche von 1512 findet sich diese Mühle unter 
demselben Namen wie 1387, nämlich „Christoferinn 41 und noch jetzt 
ist sie im Betriebe. Sie steht am oberen Ende von, Weidling. 

Weitere Nachrichten über Ober-Weidling, die Zeit und Ursache 
seiner Verödung dürften sich zweifelsohne im Stiftsarchive zu Kloster- 
neuburg befinden, doch ist aus demselben seit dem Ableben des fleissigen 
Forschers Dr. Hartmann Zeibig (f 1856) fast nichts der Topographie 
unseres Vaterlandes zu Gute gekommen ! 

Wienerfurt. 

Markgraf Leopold III. bestätigte um 1 1 30 — 32 die Schenkung des 
Hofes Wienenvurt und der dazu gehörigen Weingärten, durch Bruno von 
Pusinberg (Bisamberg) an die Abtei Formbach. Zugleich stellte Leopold 
der Abtei eine Wiese ,,in monte Comagensi in loco qui dicitur Wolues- 
gruobe u zurück, welche seine Ministerialen von eben diesem Hofe früher 
gewaltthätig an sich gezogen hatten ; und weil ein Ritter des Markgrafen 
Namens Mercho, dieselbe Wiese gewaltsam sich angemasst hatte, machte 
Abt Dietrich dadurch dem Streite ein Ende, dass er dem Mercho 9 Schill. 
Geld dafür bezahlte. 2 ) 

Meiller, Keiblinger und M. A. Becker glauben, dass der genannte 
Hof in der Nähe von Bisamberg lag; die Wiese in der Wolfsgrube 
sucht Keiblinger an der nördlichen Abdachung des Kahlengebirges, 3 ) 
erklärt übrigens an anderer Stelle 4 ) Wienerfurt als einen von den Fluthen 
des Wienflusses längst verschlungenen Ort. Letzterer Ansicht stimme 
ich entschieden bei. Am linken Donau-Ufer könnte Wienerfurt — wie 
der Name heutzutage lauten würde — das seinen Namen von einer 



*) Heber dieselbe berichtet Fischer, Schicksale der Stadt etc. Bd. I. 
I». 363— 3G6. Sie war dem heil. Johann dem Täufer 1224 geweiht worden und 
kommt in Urkunden aneh als .,sehöne" oder als „marmorne" Kapelle vor. 

f ) Mon. boica IV. p. 48—49. — Urkundenbuch des Landes ob der Enns I. 
p. 646—47. — Meiller, Babenb erger- Kegesten p. 19, Nr. 43, mit der Note 
p. 214. 

*) Keiblinger, Gesch. von Melk II., I. p. 546. — Topogr. 1. e. II. 
p. 172. 

4 ) Keiblinger 1. c. IL, I. p. 334. 

BUtt. d. Vereines f. Landesk. 1888. 4—9. 16 



230 

Furt durch ein Flussbeet hat, schwerlich bestanden haben, weil bei 
Bisainberg, in Anbetracht dessen, dass der Donaustrom damals viel 
wasserreicher als jetzt war, eine Furt durch den Strom nicht gut denk- 
bar ist. obgleich der Umstand dafür zu sprechen scheint, dass damals 
die Konfiguration des Stromlaufes gerade in der Gegend von Bisainberg 
eine von der nunmehrigen ganz verschiedene war. Wie angenommen 
wurde , hiess die Furt wol deswegen Wienerfurt , weil sie die Ver- 
bindung mit Wieu herstellte ; dies könnte aber nur durch eine Furt 
irgend eines Seitenarmes der Donau möglich gewesen sein, über den 
Hauptstrom konnte nur eine Fähre (Ueberfuhr) oder eine Brücke führen. 
Erstere ist aber im gegebenen Fall kaum gemeint, daher die ganze 
Mutinassung, Wienerfurt (oder Wienfurt) habe nahe bei Bisamberg be- 
standen, ziemlich unwahrscheinlich ist, wozu noch kommt, dass um 1130 
eine am rechten Ufer der Donau befindliche Wiese zu einem Hofe am 
linken Ufer gehören sollte, was gleichfalls zweifelhaft ist, da der Hof 
(im Besitze eines unfreien und minder begüterten Geschlechtes) wahr- 
scheinlich selbst am rechten Ufer zu suchen sein wird. 

Die (ungenannte) Witwe Wernharts von Utendorf übergab um 
1 100 der Abtei Formbach ein Gut zu „Wienvurt 14 . Unter den Zeugen 
sind Merch und Marquard von Hackingen, Ministerialen Heinrich II. 
Herzogs von Oesterreich, ferner Udalrich uud Merch, die Söhne dieser 
Witwe. Der vorhin erwähnte Merch 1 ) dürfte ein Verwandter der Familie 
von Utendorf oder jener von Hacking sein. 2 ) Udalrich von Traeheschirehen 
<Draiskirchen) schenkte um das Jahr 1165 der Abtei Formbach einen 
Weingarten im Orte ,,Wienervourte'\ 3 ) 

Mehr ist über diesen Ort bisher nicht bekannt. Ohne Zweifel lag 
derselbe am Wienfhisse, an einer Stelle, wo in diesem (einst schiffbaren 
Fluss, der seinen vormaligen Wasserreichtum durch vielfache Ableitung 
von Zuflüssen allmälig einbüsste) eine Furt bestand. Die Wiese Wolfs- 
grube „in monte Comagensi" lässt sich nicht einmal annäherungsweise 
bestimmen. Wolfsgruben (Fanggruben) gab es in jener Zeit (XII. Jahr- 
hundert), wo eben auch viele Wölfe vorkamen, selbstverständlich viele 
und von einer solchen hat die erwähnte Wiese ihren Namen. 

1 ) Den K u i b 1 i n g u r 1. c. II., 1. p. f>4tJ für den Gründer Meivlicn- 
steins hält. 

2 ) Urkundunbueh von Obcrösterreich I. p. B7(>— »577. — Mon. boiea IV. 
p. 70—71. 

*) Mon. boiua V. p. 73. — Die Kirchl. Topogr. IV. p. 285 hält Wicnervurte 
für Wienersdorf bei Draiskirchen. 



231 

Nach einer Vermutung dürfte Wienerfurt, „Wienervurt* 1 . bei Purkers- 
dorf zu suchen sein. Dort ist die Wien, der Wolfsgraben (mit Wiesen), 
der Wolfsgrabeiberg (die Heigelsfiirtermühle) und die Strasse, welche 
dem Wienfluss entlang über Hacking (siehe oben die Zeugen von hier) 
und Weidlingau nach Purkersdorf zieht, daselbst die Wien übersetzt und 
nach Gablitz, Ried etc. geht. Sie war bekanntlich schon in der Röiner- 
zeit vorhanden. 

Wildehdorf. 

Zwischen Erlaa und Inzersdorf (am Wienerberg), in der Nähe des 
Steinhofes. v ) Herzog Rudolf IV. von Oesterreich verpfändete 1301 (Wien, 
4. December) dorn Wiener Bürger Nikolaus Drathlauf die ,,den Hann- 
auern 44 gehörigen zwei Höfe zu Wildendorf für 1761 Goldgulden (?) und 
soll der Landmarschall Leutold von Stadeck ihn dabei schirmen, bis 
die Hannauer wieder iu's Land kommen und ihm seine Forderungen auf 
irgend eine Art vergüten. 2 ) 

Meister Hanns von Meiers, Pfarrer von Gars etc., verkaufte als 
Testamentsexekutor des Wiener Bürgers Erhart Griesser 1444 (am 
19. December) zwölf Tagwerk Wiesen beim Steinhof zu Wildendorf an 
das Chorherrenstift zu St. Dorothea in Wien/ 1 ) 

Hanns der Laubner, gesessen zu St. Christophen ,, enthalb des 
Waldes" (V. 0. W. W.), verkaufte 1447 (Wien, 19. Juni) eine Wiese 
zu Wildendorf unterm Wienerberg, ..stosset vnden an die wisen, genant 
die Vogelaw\ um 60 Pfd. Pfg. an Martin Hackenteufel, Kaplan bei 
St. Stephan in Wien. 4 ) Der Ort scheint im XV. Jahrhundert, spätestens 
1529 eingegangen zu sein. 5 ) 

Wolrates. 

Verschollen; der Ort war nach Draiskirchen schon vor 1120 ein- 
*epfarrt und muss zwischen Steinabrückl und Weigelsdorf bestanden haben. 
Als Grenze der zum Dorfe Wolrates gehörigen Gründe wird in der schon 



h 



') Ucber diesen schreibt Schweickhardt 1. c. VI. p. 102—163. Vgl. 
Archiv 1. c. II. p. 128, wo aber Wilderndorf statt dem richtigeren Wilden- 
dorf steht. 

a ) Lichnowsky 1. c. IV., Reg. Nr. 812. Die Pfaudsuimiie „1701 Gl. 
ilor." dürfte (hei Lichnowsky) richtiger „701" lauten sollen? 

8 ) Keiblinger, Gesch. von Molk, II., 1. p. 078. 

4 ) Blatt, des Ver. für Landesk. V. p. 200, Nr. 373. 

*) Ueber Wildeildorf und den Steinhof enthält die Monographie: „Inzers- 
dorf am Wienerberge" von Oberlehrer <i. Freund daselbst (18£2, Selbstverlag) 
p. 130 ff. einige Nachrichten, die aber teilweise gänzlich unrichtig sind. 

16* 



234 

Konrad von Guntrainsdorf und Katharina, seine Gattin, beurkunden 
1343 (Wien, 25. Jänner), dass sie an die Herren Ulrich und Bertold 
(Bruder) von Bergali die von ihnen zu Lehen gehabten 4% Pfd. Pfg. 
Geld auf Ueberländ ,.datz Semingdorf bei der Newenstat 11 um 37 Pfd. 
Pfg. verkauft haben. 1 ) Zemingdorf scheint sich bis in die Nähe der 
Fischa erstreckt zu haben, wenigstens war die Kirche nicht weit davon 
entfernt, die aber kaum am äussersten Ende des Ortes stand. 

Kaiser Friedrich III. giebt 1454 (Wr. -Neustadt, 1. Juli) seinen 
Mühlschlag zu Wr.-Ncustadt, an der Fischa gegenüber der Licbfrauen- 
kirche zu „Zemendorf' 1 , wo vormals eine Mühle gewesen, die von den 
Feinden zerstört und abgebrochen wurde, dem hiesigen Stadtrichter Georg 
Geiselhavmer und dessen Hausfrau Cäcilia und sollen dieselben jährlich 
zu Weihnachten 12 Pfd. Pfg. dafür in die kaiserl. Kammer reichen.*) 
Nach 1529 wurde der Ort, dessen Grundstücke alle zu Wr. -Neustadt 
gehören, wie schon erwähnt wurde, nicht mehr aufgebaut. 

Zohensunsdorf. 

Eine verschollene Ortschaft, an deren Stelle nun Ober-Meidling ge- 
treten ist. 3 ) Klöstern enburg erlangte hier viele Besitzungen und blieb 
auch bis zur Lösung der Unterthänigkeitsbandc Grundherr über jene 
Grundstücke, welche einst zu Zohensunsdorf, nachher zu Meidling ge- 
hörten. Die Tochter Ulrichs von Schönkirchen, Bertha, war in das Frauen- 
kloster zu Klosterneuburg eingetreten, daher ihr Vater das Stift mit drei 
Lehen zu Zohensunsdorf, zwei Lehen in Erlaa, Wiesen zu Riedendorf, 
nebst einem Walde bei Medling beschenkte. 4 ) Dies geschah zwischen 
1108 bis 1186. l'm diese Zeit beschenkte auch Albert von Liechten- 
stein das Stift mit drei und einem halben Lehen zu Zohensunsdorf. 5 ) 

Otto von Zo(hen)sunsdorf vermachte c. 1179 demselben Stifte 
einige Besitzungen, das durch den Ritter Wiehpreeht, dessen Gattin 
Kunigunde und beider Sohn Ulrich um 1220 abermals Besitzungen und 
Rechte zu Zohensunsdorf und Weingärten im Isingrabn und Riehen- 
grabeu (Eisen- und Reichengraben bei Klosterneuburg) und den Wald 
Topl erhielt. ) 

•) Urkdb. von Oberöstcrr. VI. p. 435—436. 

2 ) Archiv 1. c. X. p. 192. 

*) Bartsch. Gesch. von Meidlin? und Umgeb. 1877, p. 17. 

4 ) Fontes 1. e. IV. p. 75, Nr. 362. 

b ) Fischer 1. c. IL p. 6, Nr. 113 und Fontes 1. e. IV. p. 75, Nr. 363. 

*) Fontes 1. c. IV. p. 118, Nr. 541. p. 166, Nr. 761. 



235 

Nach dem Stiftsurbar von 1258 waren einige Lehen in Zohensuns- 
dorf öde. 1 ) Rudlo, genannt Hyetzinger (aus Hietzing), gab dem Stifte 
1263 (Klosterneuburg, 17. August) die durch Erbschaft an ihn ge- 
kommenen Besitzungen zu Hietzing und Zohensunsdorf. 2 ) Einem Reverse, 
den Herr Ulrich von Pilchdorf (jetzt Pillichsdorf, V. LT. M. B.) 1308 
(Wien, 25. Juli) dem Stifte Klosterneuburg ausstellte, entnemen wir: 
Ulrich hatte einen aus drei Lehen bestehenden Hof nebst einer Hofstatt 
„paide ze Zohensunsdorf, enthalbe der Wienne gelegen 41 mit Zustimmung 
des Stiftes (als Gruudherrschaft) von dem Wiener Bürger Wernhart 
Chrannest gekauft und sich verpflichtet, davon jährlich am St. Michaels- 
tage 3 Pfd. 12 Pfg. dem Stifte zu dienen; ein halbes Pfd. Pfg. soll er 
demselben dienen von einem Halblehen im Dorfe Zohensunsdorf, welches 
er von Bertold dem Schützenmeister gekauft hatte. 3 ) Otto von Gezendorf 
und Euphemia. seine Gattin, verkauften 1304 an Herzog Rudolf zwei 
Lehen zu „Hohensunnestorf l . 4 ) Im XV. Jahrhundert gieng diese Ort- 
schaft zu Grunde. 5 ) 

Zweirech. 

Hadmar von Arnstein überliess 1277 (10. August) der Abtei 
Heiligenkreuz tauschweise u. a. eine Hofstatt . „qui vocatur zeirech", 
welche jährlich 60 Pfg., zwei Hühner und zwei Käse diente/*) Im oft- 
erwähnten Gültenbuche (1293 — 1294) heisst diese Oertlicheit .Jn 
Zweirech 14 . Noch im XVI. Jahrhundert (schreibt der Herausgeber des 
Gültenbuches, Dr. Benedikt Gsell) kommt bei Alland ein Feld mit 
Namen „Zweirat" vor, weicher Name sich verloren hat. 7 ) Zwischen 
Alland und Windhag stehen einige Bauernhäuser, genannt „im Zweier" ; 
sollte darunter das alte Zweirech zu suchen sein? 



l ) Archiv 1. c. II. p. 129. 

») Fischer 1. c. II. p. 251, Nr. 82. 

8 ) Fischer 1. c. IL p. 331-332, Nr. 135. 

4 ) Wissgrill 1. c. III. p. 315, wo Hohensunnesdorf steht; dieser Name 
scheint auch der eigentliche zu sein; das Z" in den älteren Urkunden ist wol 
nur eine Vorschlagsilbe, wobei das H, weil als zweiter Buchstabe stumm, ganz 
wegblieb ; mundartlich ist dieser Vorgang ganz logisch. 

& ) Bartsch 1. c. p. 17. Archiv 1. c. II. p. 129. 

ü ) Fontes 1. e. XI. p. 210. 

') Gülten buch 1. c. p. 20 (wo durch einen Druckfehler Zweizech steht). 



236 



Oesterreicher an italienischen Universitäten zur Zeit der 

Beception des römischen Rechts. 

Von Prof. Dr. Arnold L tisch in von Ebengreuth. 

(Sehlust.) 

Die 747 Oesterreicher, deren Namen oben mitgeteilt wurden, verteilen sich 
nun in folgender Weise nach den Jahren auf die Universitäten Bologna, Ferrara, 
Padua, Perugia und Siena: 

1. Bologna. 

XI1L, XIV., XV. Jahrhundert. 

1290 Bertoldus de Kunringin. 1291 Arnoldus et Dominus Symon de Austria et 
soeius ejus Ulricus. 1295 Gebhardus de Waise, Conradus et Joannes de 
Austria. 1302 Uelvinus (Hiltwinus) und Fredericus de Austria, Fridcrieus 
de Vienna. 1309 H. de Austria. 1451 Albert Graf v. Schaunberg. 1490 Vitus 
de Zelkiug cum pneeeptore D. Wenceslao Hoayder et ininistro Joanne 
Hoayde. 1491 Georgius Newdeck. Vor 1494 Alexander Pellendorfer. 
1495 Sigismundii8 Rainung. 1497 Johannes Trapp. 

XVI. Jahrhundert. 

c. 1540 Wolfgangus de Zeltig. 1547 Sebastian Höflinger, Joes Ba. Weber, 1552 Hiero- 
nymus Schweibermair und Martin Seiberlich. 1553 Joannes Huetstocker. 
1554 Kilian Schenpüchler. 1555 Gabriel Castner. 1557 Hannibal a Zinzen- 
dorf, Joh. Leo Flushardt, Joh. Prunner, Joh. Stockharner, Abraliam Jörger, 
Sigismund Eiselcr, Wolfg. Theodorieus a Trautmansdorf, Joh. llegenmuller. 
1558 Maximilianus a Kuenburg. 1559. Joseph Sigharter, Jacob Huetstocker, 
Hieremias Hussel. 15(51 Henricus B. a Staremberg. c. 1564 Gabriel Kremer 
Austriacus. 1573 Paulus Reichelius, Georgius Wildperger, Joh. Christo. 
Füringer, Thomas Tonr, Joh. Holczer, Christo. Pirckhanicr. 1574 Joh. Paul 
Cremmcr, Petrus a Molart. 1575 Wilhelm Seuian a Mangern, Melchior Pyr- 
nesius. 1576 Oswald Grueblerus. 1578 Joh. Scharberger. 1579 Wolfg. Ortner. 
1580 Christo. Enzianer. Ulrich Khren, Bern. Eder, Nicolaus Lob, Seb. 
Werncrus. 1581 Michael Püdler, Wolfg. Jöchlinger, Christo. Schallenberger 
Rud. und Wolfg. Theodorieus a Greissen. 1583 Mathias Püdler, Joh. Glierer, 
Stefan Angelus. 1584 Joh. Ba. Eiseier, Paulus Bio. 1585. Wolf Händl, 
Paulus Lackner. 1586 Maximilianus Edems. 1587 Wolf Nicolaus Grünthaler, 
Georg Fuchs, Joh. Carl Gienger. 1588 Sebastian Vogt, Joh. Ba. Kexius. 
1589 Henricus Huer (Auer? Nr. 276). 1590 Wolfg. Christo. Stubner. 
1592 Georg Pölsteri, M. Andreas Weissenstein, Abraham Khlockhr. 1596 Joh. 
Wilh. a Greissen. Paul Viereggelius. 1597 Joh. Gottfr. Linsmair, Wolfg. 
Händl, Thomas Naogeorgus. 1598 Abraham Handl, Tobias Eisselius, Zaeharias 
Priintl. Georg Hoffmann, Philipp Jacob und Hieronym. Fuert, Adam Schwann, 
Wolfg. Händl. Mag. Joh. Leutner, Tobias Piripachius, Dr. Guilielmus Rech- 
berger. Lucas Reisolt. 1599 Thomas Pärstorferus. Joseph Püdler, Andreas 
Wolzogen, Henricus Hofer, Elias Bayr, Maximilian Hoe. 1600 Caspar u» 
Quorkius. 



237 

2. Ferrara. 
1581 Mathäus St uff. 

3. Padua. 

XIV./X V. Jahrhundert. 

1314 Albert Herzog v. Sachsen. 1364 Johann v. Pergau. Zwischen 1404—1411 
Andreas Blank. 1435 Petrus Chottner (? Nr. 67). 1446 Paulus Aeinger 
1471 Georgius Hohenfelder. 1478 Bernhard de Pollheim. 1498 Vulchangus 
de Rogendorf. 

XVI./XVII. Jahrhundert. 

1534 Leonardus de Harrach. 

1544 Hieronymus Beckh a Leopoldstorf. 

1546 Andreas v. Polheim, Carl Entzianer, Melchior Geyr. Sebastian Höflin^er, 
Laurentius Kirchamer, Ferdinand Collonitsch, Job. Kellenbeck, Friedr. Fern- 
berger, Thomas Mairhofer. 

1547 Leopold Reinacher, Job. Hein. 

1548 Christoph Wech, Stephan Haubtman, Wolfg. Notlitz, Alex. Liphart, Heliseus 
Buchler. 

1549 Wolfg. Guerlich, Christo. Huetstockher, Wolfg. Putler, Georg Aigmair. 

1550 Bernhard, Sigismund und Heinrich Grfn. von Hardeck, Hieronyni. Schweiber- 
mair. 

1551 Joh. Friedr. Hoffmann z. Grünbühel, Melchior Hoffmair. Kilian Schenpüehler, 
Martin Seiberlich, Bernh. Schallenberger, Nicolaus Waldner, Joh. Walds- 
perger. 

1552 Peter Wilh. v. Zelking, Joh. Friedr. Gf. v. Hardeck, Joh. Episcopius, Joh. 
Huetstockcr, Joh. Grafensteiner, Wolfg. und Georg Kremer, Georg Tanner. 

1553 Wolfg. und Georg v. Liechtenstein, Ferd. Hoffmann v. Grünbühel, Joh. Frh. 
v. Tschernembl, Wolfg. Christ, v. Enzestorff, Wolfg. Jörger. 

1554 Seifried, Gottfried und Friedrich Breuner, Richard Strein v. Schwarzenau, 
Hannibal und Julius v. Zinzendorf. Georg Mütkreych, Joh. v. Sinzendorf, 
Gabriel Castner, Joseph Sigharter, Joh. Diener, Johann Leo Flusshardt. Joh. 
Lingl, Leonhart Lackner. Joh. Prunner, Joh. Stockhorner, Sebastian Schwarz, 
Abraham Jörger, Georg Ehn. 

1555 Sigismund Eiseier, Michael Winter. 

1556 Wolfg. Theod. v. Trautmansdorf. 

1557 Sigismund v. Puecham. Joh. Albert, Joh. Auer. Jodok Castner. 

1558 Jacob Huetstocker, Johann Fiibert. 

1560 Carl und Ferdinand Schallauzer, Eitel von Althan, Philipp Landsidel. 

1561 Maximilian Schallauzer. Sebastian Edelmann-Stainstrasser. 

1562 Christoph v. Puecham, Elias Corvinus, Leonhard Hoe, Carolus Pacheleb, 
Johannes Haymer. 

1563, 1 ) 1/2 Joh. Ambros Brassicanus, 27/5 Franz Lagkner, Wilh. Benih. Behm von 
Friedeshaim und Georg Bernh. Urschenpeckh, 26/6 Gabriel. Michael, Mathias 
Uriel Kremer, Johann Boniatus, Joh. Moser jun. und Hans Lengenfelder 
von Heidesdorf, 14/10 Hans Eysler und Achaz von Landau, 1/11 Georg 



*) Mit dem J. 1ÄC3 erscheint in der Matrikel bei den Eintragen auch das Tagesdatum, 
welches im Abdrucke durch einen Brach angegeben wurde. 



238 

Achaz und Joh. Willi, von Losenstein, Helfrid und Joliann Preyner, Leon- 
hard Hohenfelder, Wilhelm Jörger und Georg Nusbaum. 31/12 Joh. Phil. 
Brassicanus. 

1564, 4/1 Joh. B. Sepacher. März— Aug. : Balthasar Christo. Tanradl Franz a 
Breyting (sie Nr. 490). 18/4 Georg Purckstaller. 21.8 Joh. Linsmaier. 
25/8 Martin Pusehman. 19/10 Georg Haymer, 2/11 Ludwig Gomez v. Hoyos. 
4/11 Ulrich Frh. v. Eytzing und Andreas Hirsch. 23/12 Stephan Engehnayer. 

1565, 2/4 Wolfgang Koel, 18/4 Joachim und 3/6 Lucius v. Landau, 20/4 Andreas 
v. Lapiz. 21/5 Joachim v. Syntzendorf und Johann Schwarzenthaler. 

156(5, 6/3 Ulrich Harb, 20/10 Christian Talhamer, 2/11 Sigmund Ludwig und Sigfrid 
Frh. v. Polheini . 

1567, 10/4 Johann Hirsch, Christoph Abraham v. Redschan, 25/7 Maximilian 
Maming, 16/9 Andreas Zehentner, 27/1 1 J(»haun Füsk 18/12 Martin Ortner. 

1568, 29/6 Christoph Kärner, 5/7 Reymund Straub. 8/7 Adam Ubermann und 
Nicolaus Renner, 9/7 Georg Schwarzpekh. 

1569, 6/5 Jacob Mackhl, 21/10 Michael Kham, Hans Bernhard Herr zu Losen- 
stein. 

1570, Febr. Johann Jacob und Johann Bernhard Löble a Greinburg, 2/4 Zacharias 
Mors. Paul Reuchelius, 6/5 Joh. B. Zandekher, Oct. Vitus Sigismund B. a 
Zelting, 3/11 Georgius Wildperger, 30/11 Christoph v. Lindegg. Joh. Christo. 
Füringer, Nicolaus Wagner und Tomas Tour. 

1571, 8/1 Wolfeang Jörger a Tollet, 13/5 Joh. Alphons ab Hoyos. 29/5 Ferdinand 
Vandcrster, Johann Plomerer, 1/8 Joh. Holezer. 30,10 Wolfgang Suanser 
und Mathias Pertl, 2/11 Johann Listhius jun. 

1572. 16/3 Joachim Spiller. Jacob Heekelbergerus, 22/7 Erasmus Goldt und Christoph 
Pöttinger, 23/10 Hans Christo, v. Prag und Wilhelm Walterskireher, 2/11 
Joh. Paulus Cremmer, 11/11 Wilhelm Seman a Mangern. 

1573, 10/4 Leonardus Hagn, 6/5 Heinrich und .Johann Septimius B. v. Lichten- 
stein, 19/5 Marcus Hann, 26/5 Wenzl Martin zu Wiemitz, 14/6 Michael 
Wolzogen. 30/7 Jacob Peer de Stettemberg, Joh. Christo, ß. a Pucheim. 

1574, 23/4 Joh. Friedrich und 11/5 Joh. Adam Hoffmann L. B. a Gruenpühei, 
22/5 Michael Teufl, 26/5 Zacharias Castner und Leonhard Iglshofer, 27/5 Carl 
und Joh. Christo, v. Gera, 8/6 Wolfgang Willi, von Rogendorf, Wolfgang 
und Georg Wilhelm v. Hofkirchen, 29/6 Johann Fernberger. 10/11 Johann 
Graf Hardeck. 

1575, 1/4 Sigismund Ilsung, 22/6 Christoph Holzer, 9/10 Georg Christo. Teufl. 
24/10 Johann Scharberger. 31/10 Marcus Praitnaicher. 

1576, 5/5 Ferdinand Geyer in Osterburg. 9/6 Bartholomeus Stettner. 19/6 Simon 
a Stampp, 26/6 Oswaldus Gruebler. 

1577, 22/4 Georg Schwab, 31/10 Andreas Wolfgang und Georg Rupert xvn Pol- 
heim. Johann Schifer v. Irnharting. 3/12 Jsaac und Jacob Asdipan ab Hag. 

1578, 26/5 Bernhardin Ludwig von Towar. 14/6 Caspar und Ernreieh Wurmprandt. 
Johann k'ölbl, 3/7 Stephan Kölner. 2/10 Mathäus Stuff. Georg Achaz v. 
Starchemberg, 9/10 Johann Jörger in Tolleth und Joh. Christo. Jörger in 
Reuth, 21/11 Marcus Ba. a Rappach, 12/12 Carolus Schenpüchlcr. 

1579, März Wolfgang Ortner, 16/5 Joh. Ba. Piickeraiu . 25/5 Joh. Vischer. 
30/5 Jacobus a Seebach, 20/7 Ferdinand Herr zu Schönkirchen und Hein- 
rich Wolfg. Kneysl, 29/9 Otto Cyriacus Weber und Joh. Adam Gienger, 



230 

7/11 Sigmund Ludwig Herr zu Polheim, 9/11 Maximilian Püehlerus a Weit- 
teneek und S. Walther, 16/11 /Vndreas Christianus a Königspergk. 

1580, 25/1 Johann Georg Böringer, 7/2 Ernrieus a Neydeg, 18/3 Georg Christoph 
v. Losenstein, 19/4 M. Georgius Stadius, 6/7 Christo. Eneianer und Jacob 
Muelk-h, 19/9 Michael Püdler, 19/9 Wolfgang Zeillinger. 11/10 Hypolitus 
Lechner. 22/10 Udalrieus Khren. 4/11 Christo. Schallenberger, David Aspan 
und M. Philippus ßitbina. 

1581, 30/1 Joh. Georg Tegernseer, 30/3 Philipp Fridericus, Siegfrid Christo, und 
Joh. jun. Breiner, 2t"i/4 Paulus Seeauer, 10,5 Joh. Ba. Eiseier. Mai Sebastian, 
Rudolf und Wolfg. Dietrich Greysscn in Wald, 26/7 Joh. Christo. Kaufmann, 
26/8 Wolfgang Jöehlinger, 27/8 Henricus Porsohins, 4/9 Otto Bernhardus 
B. a Traun, 2/11 Joachim B. ab Eitzing, 2/12 Joh. Cyr. L. B. a Polheim. 

1582, 2/3 Tobias und Daniel Pauckher 19/9 Paulus Bio, 3/10 Joh. Georg Eisen- 
reich. 31/10 Wolfg. Wilhelm B. in Yolekensdorf. Wolfg. Sigismund B. a 
Losensteiu. Johann Ursinus und Paul Hohenprunner. 2/12 Ferdinand Graf 
zu Hardegg. 28/12 Stephanus Engel und Georgius Steuerus. 

1583, 26/1 Mag. Christoph Pallinger, 12/5 Gotthard B. a Starhemberg, 17/6 Maxi- 
milian Teufel und Johann Glierer. 21/7 Joachim und Marcus Beck a Leopolds- 
torfif. Nov. Franz Zanger, Georg Sehrötel, Wolfg. Woller jun. und Joh. Ba. 
Gattcrmayr, 11/12 Wolf Händl. 

1584, 19/1 Maximilian Pusehmuun, 2/10 Leonhard jun. und Carl von Harrach, 
7/10 Paulus Gurttner, U/10 Johann Adam ab llofkirchen. Christoph Greyesen 
zu Waldt, Georg Christo, von Ncuhauss. 

1585 ? 29/1 Joh. Christo, und W T olfg. Mathäus Teuffl von Gundersdorf, 3/4 Hans 
Wolf Grueber von Grueb, 28/5 Neinrot Kholmpeekh, Carl Ludwig Fernberger, 
und Wolf Niclas Grünthaler, 27/9 Wolfgang Huetstocker, Beimund Weiss. 

1586. 17/3 Joh. Wilhelm und Joh. Jacob von Rottal. 12/6 Joh. Christo. Prunner. 
17/7 Ludwig und (Aug.) Bartholomeus v. Starhemberg, 13/8 Ernst und 
Johann a Molart, Wolf Emreich Strein v. Schwarzcnau, Joh. Georgias ab 
Heussenstein, Wilhelmus B. a Rogendorf 

1587, 18/2 Georgius Adler, 12/3 Georg a Landau, Joachim l'lricus a Neydegg 
und Georjr Grün, 25/4 Georg Fuchs (Mai !) Joh. Christo. B. a Tschcrnembl, 
22/6 Christo. Leysserus in Idolzberg, 2/10 Sebastianus Voitt. 11/11 Wolff Emreich 
Jagenreutter. 

1585, l/l Seifrid und Nicolaus Hofman zum Grienpichel. 3/3 Ernrieus a Gera. 
5/3 Georgius Ernrieus Perger a Clam. 5/4 Hans Gothard Strein von Schwar- 
zcnau. 18/6 Martinus a Starhenberg, 22/7 Victor ab Althan, 25,-7 Georg 
Friedrich Gf. v. Hanleck. Aug. Georg Andreas a Puchaimb, 16/10 Mathias 
Scholts J. U. Dr., 25/11 Wolfg. Ernst Fatzius, 7/12 Ferdinandus Hoe und 
Franz Lackener, 15/12 Erasmus a Landau. 

1589. 2/1 Wolf Dietrich Fleckh von Dross, Rudolf Wurmbrand und (?) Christoph 
Zenchler Stirensis. 25/3 Joh. Wilhelm Gf. von Hard«*ck. 13/4 Max Breuner, 
15/4 Georg Pölsterl und Michael Händl. 21/4 Christoph Marchstaller, 
2/5 Martin Herzog, 17/5 Samuel Stettnerus, Joa. Fridericus a Concin, 
6/6 Johannes Fnert. Wolfgangus Stubenvoll jun., Joannes Reiehardus und Paulus 
Schoeniwitz. 7/6 Joannes Adamus Geyer, 13/6 Ehrnreich, Dietmar und Ludwig 
von Kunigsperg, 7/8 Rudolf Teuffl, 1/10 Cornelius ab Oedt, 3/10 Johannes 
und Rudolf aPuchaim, 1/11 Wolfg. Christo. Stubner, Sigismund a Malendem. 



240 

Joh. und Caspar Geyer, 29/11 Hans Gailfaig von Auhausen, 31/12 Wolfgang 
Strasser. 

1590, 13/3 Petrus Stainpacher, Christo. Jae. Matseder, 4/6 Christo. Grafensteiner 
jun. 22/6 Daniel Bierleutgeb, Georg Bernhardus a Neuhaus. 27/6 Andreas 
und Erhard Grünthaler, Adam Schmidauer, 30/6 Adolf, Wolf Theodorich, 
Quintin, Johann und Wolfg. Georg Althan, 5/9 Joh. Elias Tötseh, 7/9 Jere- 
mias Stettner, Johann Hermann von Roggendorf, Richard Strein v. Schwar- 
zenau und Stephan Tanpeck. 

1591, 4/1 Wolfg. Hector Jagenreuter, 10/3 Leonhard Helfrid v. Meggau und Johann 
Praun. 12/6 Balthasar a Prösing, Abraham Greyss, Nov. Andreas Tallinger, 
Joh Fried. Kielmann, 18/11 Sebastian Bio. 

1592 M 31/1 Andreas Falkhenberger und Joh. Ba. Prock, 10/2 Sigism. Adam 
von Traun, 29/2 Helmhard Jörger jun., 11/5 Georg Weidner, 18/5 * Joh. 
Fernberger, 5/7 Wolfg. v. Polhaim, 26/8 Adamus Eques, 15/11 Christo. 
Scheinwein. 

1593, 30/1 Adam Abel Peuger, 3/3 und 9|3 Albert und * Ferdinand Geyer, 
24/4 * Joh. Christo. Wolzogen. 3/6 t Anibros Schmatzer, t Leonhard von 
Harrach, 11/6 Joh. Christo, v. Prag. 27/6 Wolfg. Christo. Jägnreuter, 
21/7 Peter Andreas Erstenberger, 14/8 Ernst Willi. Geyer. Joh. Ba. Pacheleb, 
18/8 Paulus, Chrysostomus und Melchior Ostermair. Sebastian Egcn. 

1594, 24/2 Christo: Willi, a Zölking, 18/4 Joh. Christo, a Puchaim. 26/4 Roman 
Geyer. 2/5 Pilgramus a Sintzendorf, 6/6 f Stephanus Engelmair jun., 
20/6 Joannes Rueber L. B. in Pixendorf. Joh. Wilh. Greissen in Wald und 
Joh. Theodoricus Kozerus. 25/6 Simon Schrotelius, 27/6 f Friedrich Hoberg 
von Gutmansdorf, 1/7 Christo. David Urschenpekh, 13/7 Maximilian B. de 
Polheim. 19/10 Georg Wilhelm und Carl Jörger, Paul Viereggelius, 13/11 Jacob 
Gruenthaler, Caspar Preiner. 

1595, 11/1 Maximilian und f Gnndakar v. Liechtenstein, 24/5 Seyfrid Hohencgger, 
1/6 Joh. Hieronymii8 Stubner, 8/7 t Thomas Ruef und f Jacob von Conczin, 
Juli t Alexander Huctstocker de Felln, 8/7 f Joh. Ba. Fuzshig de Winden- 
bur*r, t Jacob Scholz und f Tobias Schwab, 15/10 Joh. Georg a Sintzen- 
dorf und Achatius Urckauff, 13/11 Tobias Eisselius. 

1596, 28/2 Zacharias Prüntl, Mai Joh. Ortolph Geyman, 19/6 Wolfg. Mathias v. 
Königsberg, 28/6 Philipp Christoph v. Eitzing, Sigismund v. Greyss und 
f Georg Hofmann, 1/7 * Sigismund a Lozzeytsperg, 14/10 Philipp Jacob 
und Hieronymus Fuert, Joh. Georg v. Khienburg, 23/10 Wilh. Thechel, 
25/11 Job Hartmaun Ennenkl, 14/12 Reinprecht v. Polhaim. 

1597, 22/5 Joh. Gottfr. Linsmair, Joh. Volkhard v. Conczin und Tobias Kirch- 
inair, 23/5 Weichard v. Polheim jun., 1/6 Adam Schwann, 14/9 Joh. Schwab, 
10/10 Joh. Bnd. Schenk v. Stauffenberg, 8/11 Wolfgang Händl, 23/11 Abra- 
ham Händl. 

1598, 12/4 Fridericus a Polheim, 17/5 Ferdinand Jörger, 6/6 Joh. Friedrich 
Gienger. 14/6 f Andreas Gilleis, 21/7 Ludwig Hohenfelder, Maximilian 
Luffenegger, 22/10 Wolfg. Händl in Raumingdorf. 



') Bei den Jahren 1592—1598 bedeuten die den Namen vorgesetzten Sternchen, dass der- 
selbe nur in der offiziellen Matrikel des Kectors, die Krenzchen. das» er nur im Album der 
Nation erscheint. Alle übrigen sind in beiden Listen eingetragen. 



241 

1599, 29/6 Elias jnn. und .Toh. Paul Bayr, 10/8 Reimnnd Straub und Urban 
Stubenvoll, 23/10 Elias Huetstocker, 24/11 Ferdinand Helfrid, Georg Hel- 
frid v. Meggau und Joh. Christo. Löbl. 

1600, 21/1 Joh. Jacob Kuefsteiner, 10/4 Ludwig Althamer, 22/4 Andreas Wolzogen 
und Maximilian Hol», 9/5 Tobias Prunner und Caspar Schütter, Friedr. 
Stuebick, 26/7 Joh. v. Kolonitsch, 4/8 Joh. Ludw. Kueffstainer, 6/10 Wolfg. 
Adam Fernberger, 26/10 Joh. Joachim v. Trautmansdorf, 20/12 Wolfg. Steger, 
Joh. Melchior Maschko. 

1601, 24/9 Jonas ab Heisperg und Christoph Pirkheimer. 

1602, 12/2 Michael Friederich, 24/5 Wolf Dietmar Grünthaler, 29/5 Caspar Art- 
stetter, Nicolans Berohtoldus, 6/7 Julius Nicolai, 16/8 Michael Stubenfoil, 
4/9 Carl Willi. Zehentner, 11/9 Ferdinand Diliherr, Sigismund Jacob Büttner 
und Nieolaus Maillinger, 12/9 Willi. Bair, 3/11 Balth. Thonradl, 30/12 Gott- 
fridus B. in Polhaimb. 

1603, 1/1 Henricus B. in Polhaimb, 21/1 Wolfg. Grueber, 8|2 Adam Eusebius ab 
Hoyos, 19/5 Melchior Wurmprandt, 25/6 Joh. Willi. Zoppel und Georg 
Achaz Schrötter, 25/8 Job Benin, ab Oedt, 6/11 Georg und Christoph 
Welzer, 21/11 Joh. Balthasar ab Hoyos, 7/12 Paulus Craye. 

1604, 29/1 Michael Huebmer, 15/4 Joh. Reinpert Inderseer und Joh. Nicolans 
Sigmar, 30/5 Wolfg. Hentaller, 13/7 Henricus Hoffer, 30/7 Zacharias Cor- 
vinus, 5/10 Caspar Stredeletius und Wolfg. Praitnaicher, 27/10 Ernfrid, 
Max und Ernreich Jörger, 10/11 Mathias Schneller. 

1605, 8/2 Georg Phil, a Gera, 2/3 Valentin Schainckerl, 14/5 Henr. Guilielmus 
und Hans Wilh. von Zelking, 6/8 Gottfried Hasner, 20/8 Michael Zeller, 
22/11 Hans Paul Flusshart, 3/12 Hans Georg Schmuckher. 

1606, 9/2 Tobias Pracker. 

1607, 10/2 Hans Georg v. Kollonitsch, 1/7 Joh. Bernn. ab Hofkirchen, 5/9 Georg 
Achaz a Polheim, 6/11 Georg Christo, a Losenstein, 8/11 Otto Victor 
a Fräncking, 15/12 Hans Christoph Geyer und Moriz Welzer, 26/12 Riehardus 
B. de Tschernembl. 

1608, 11/1 Otto und Christoph Hohenfelder, 9/3 Georg Sigism. Stängelius a 
W T altenfel8, 6/6 Joh. Friedr. a Zinzendorf, 8/6 Hans Sebastian Erlbeckh, 
15/6 Joh. Christo, und Wilh. von Gera, 7/7 Raimund Eham, Aug. Daniel 
Gualterius, 3/10 Joh. Joach. Aspan ab Hag, Maximilian a Landau und 
Balthasar Krabath, Mathias Handl, 1/12 Martinus Khrickl, Alexander Khopp- 
linger. 

1609, 4/4 Pancraz Pfister, April: Wolfg. und Erasmus von Gera, 4/11 Christoph 
Andr. ab Oberhcimb, 20/11 Friedr. v. Pötting, 21/11 Rud. Flushart, 
27/11 Joh. Friedr. und Joh. Philipp Breiner, Clemens Widmer. 

1610, 11/1 Joh. Ulrich und Georg Christo, von Conzin, 3/2 Joh. Theodoricus und 
Rud. Greussen in Wald, Joh. Paul Wolzogen, 8/2 Frieder. Crelius, 
Marquard Christoph ürsenpeck, Mai: Joh. Widmer, 23/5 Dionys Perchman, 
25/5 Tobias Eiselius, 16/7 Mathias Wolzogen. 27/7 Wolfg. Sigism. Fuert, 
4/11 Adam Stettner, 18/12 Heinr. Sezima. 

1611, 16/3 Raphael Khugler, 25/5 Wilh. Baro de Volkerstorf, 30/5 Gasparus Scholtz, 
31/5 Laurentius Schaplwein, 26/6 Georg Adam Flusshart, 16/8 Mathias Jahn, 
10/10 Erasmns Ferdinandus und Georg Gabriel a Kolonitsch. 



242 

1612, 3/3 Job. Georg Poltz, Mai: Georg Raydt, 9/6 Joh. Erhard Stangl a Walden- 
fels, 20/6 Richard. Heinrich Wilhelm und Gundaker Starhenberg. 29/6 Fer- 
dinand v. Conzin, 1/8 Georg Ernreieh von Roggendorf und Georg Achaz 
v. Losenstein, 22/10 Elia» Laekhner, 12/11 .loh. Andreas de Grünthal, 
14/11 Wolfg. ah Oedt, Georg Dietmar v. Losen stein. 

1013, 2/1 Sebastian und Franz Sigismund Hager, Wolfg. Willi, von Lasperg, 
19/3 Carolus Zehentner, 31/3 Thomas Fuert. 1/12 Joh. Stör. 

1614, Mai: Joh. Nimrod de Gruenthal, 26/10 Joh. Helfrid und Joh. Septimius 
Jörger, 12/12 Friedrieh und Victor Frosch, 14/12 Wenzel Reichart L. B. in 
Sprinzenstein. 

1615, Juni: Joh. Bernh. Wasner, 20/6 Willi. Albr. Pernstorff und Ferdinand Volkra, 
17/7 Joh. Christo. Sehmitzperger. 24/7 Maternus Hermannus. 27/7 Maximilian 
jun. und Adalbert Teufel, 10/10 Stephan Listhius, 16/10 Hans Adam von 
Greiflenberg. Oet. : Joh. Adam Urkhauff, 17/11 Andreas Sebastian Eyseller. 
2/12 Ferdinand Jörger. 

1616, 8/3 Wolfg. Seeauer, März: Jacob Bischoff, 30/4 Elias Heuserer, 1/5 Andreas 
von Grünthal, 10/5 Joh. Christo. Otto und Hans Cyriae von Traun. 
5/7 Ernricus Seeauverus. 

1617, 9/11 Christian Moser, 21/11 Franz Listius. 24/11 Georg Guertnerus jun. 

1618, 12/8 Ulrich Wernhard Strein. 

1619, 14/2 Wolfg. Ludw. Jörger, 20/2 Andreas Vincker, April: Christo. Lud. Weiss, 
17/5 Joh. Christo, a Funffkirehen, 15/10 Max Albert Geyer. 

1620, 15/7 Joh. Jac. Heck, 20/7 Erasmus a Starhemberg, 6/8 Daniel Grucber und 
Georg Gumbelzheimer, 5/11 Wolfg. Andreas Pcnczinger. 

1621, 3/1 Caspar B. Starhcmbergius, 13/6 Wolfg. Mathüus Wurmprandt. Joachim 
Spindler, 2/7 Georg Ehrnreich Schifer, 18/9 Joh. Ludw. Schneeweiss. 
21/10 Philipp Fricdr. und Gottfr. Breiner, Willi, von Hofkirchen, 20/11 M. 
Joan. Paumbschaber. 

1622, 24/3 Stephan Schönfelder, Nov.: Wolfg. Hofinan v. Grünpühl. 

1623, 19/7 Georg Hartmann und Otto Heim*, v. Ziuzendorf. 

1624, 24/5 Hans Wilh. von Kufstein und Victor v. Althan, 1(>/G Christoph Forstner. 
Joh. Friedr. Gastgeb, Jonas und Daniel Paur, Mathias und Lazarus Stubich. 

1625, 11/10 Hans Rudolf von Puchaimb, Ferd. Friedr. Gienger und Seyfried 
Christoph Strauss, 8/11 Joh. Ba. Pfeiffer. 31/12 Joh. Georg Heniseh. 

Anhang. 

Oesterrei eher als Functionäre der deutschen Nation zu Padua 
und Stammb uch-Einzei chn ungen seit 1625. 

1627 Eustach ab Althan und Elias Stauffer. 1628 Franz a Prösing L. B. in Stain. 
1629 Hans Carl Wolzog und Carl von Sinzendorf. 1630 Ernst a Traun. 
1634 Octavian Feigcl a Karpsenstein und Joh. Math. Häudl. 1638 Wolfgang 
Philipp Unverzagt. 1640 Thomas Eiseier, Joh. Georg Judex. 1641 Rupert 
Schorer. 1645 Adain Anton Grnndeman de Falkhenberg. 1618 Sebastian de 
Pötting et Persing. 1664 Joh. Baro Gaag a Löwenberg, Hieronymus Barioni. 
1721 Augustin Hirneys. 

4. Pavia 

um 1565 Johann Linsmaier. 



243 

5. Perugia. 

1584 Maximilian Edems. 1593 Ludovieus a Mollart. 1636 Job. Georg Orttner 
1642 Leopold a Thirheimb und Job. Christ, dns. in Clam. 

6. Pisa. 

1566 Sebastian Edelmann Stainstrasser, ausserdem ist auch der bei Nr. 85 er- 
wähnte Michael Eham jun., ein Doetor Pisami8 vom J. 1604. 

7. Siena. 

1573 Willi. Seemann a Mangern, Ferdinand Geyer in Osterburg, Jaeobus Peer a 
Stettenberg. 

1574 Job. Listhius, Michael Teufl. 

1575 Thomas Tour. Henricus und .loh. Septimius B. a Liechtenstein, 20/3 Wolfg. 
Jörger, Georg Christoph Teufl, Ernestus a Molart, Johannes Comes in 
Hardeck. 

1576 9/1 Joa. Christo a Prag. 

1582 Christo. Schalleuberger, Sebastian, Rudolf und Wolfg. Theodorich Greyssen 

in Wald, Job. und Jacob a Mollart, Jaeobus Muelich. 
1591 Joh. Rupert Hegenmuller. 

1595 Maximilian und Gundacker B. a Liechtenstein, Maximilianus B. a Polheim, 
Joh. Rueber in Pixendorf. 

1596 Alexander Huetstocker de Felln. 

1601 Ferdinand Helfrid und Georg Helfrid v. Megkau. 

1610 Joh. Beruh, ab Hofkirchen. 

1616 Weichart Freiherr v. Enenckl. 

1633 Joh. Math. Händl von Krumnusshauui. 



Schon diese tivirkene Namensliste gewährt einigen Aufschluss über dan 
Herumziehen d*»r deutschen Studenten von einer Musenstadt zur andern, da wir 
für 747 Oesterreieher nahezu um hundert Daten mehr 1 ) an italienischen Univer- 
sitäten nachgewiesen haben: Noch deutlichem Einblick in das Ganze erhalten 
wir, wenn ausserdem der Aufenthalt an deutschen und französischen Hochschulen 
berücksichtigt und dabei auf die Reihenfolge geachtet wird, in welcher dieselbe 
Person an verschiedenen Orten auftaucht. Von obigen Namen erscheinen beispiels- 
weise*) 47 gemeinsam in den Matrikeln von Päd ua und Wien, darunter 26 zuerst 



') Nämlich 702 für Padua, 106 für Bologna, 30 für Siena, 5 in Perugia, 2 in Pisa, je 1 in 
Ferrara und I'avia. 

2 ) Ich netze da» vollständige Verzeichnis hieher, um auch jene Daten zu verwerten, welche 
ich hnterher erkundet habe. Die Nummern entsprechen den betreffenden Namen im 2. Abschuitte : 
Wien-1'adua Nr. «. 40, 87/8, 127, 140, 241, 279, 280, 291, 343, 37G, 415, 481, 487, 5i>5, 536, 562, 
565, 573, 576/7, 611, «17/8, 714. Padua-Wien Nr. 3, 224, 213, 252. 317, 3.'>3, 374, 418, 427, 4»2, 493, 
507, 515, 525, 511. 572. 584, 612, 641, 693, 702. Wittemberg-Padua Nr. 44, 88, 196, 240/1, 277, 279. 
21M, 320, 337/41, 357, 361, 467/9, 471/2, 482, 578,597,644,693. Padua-Wittemberg Nr. 80. Bologna- 
Wittenberg Nr. 601. Tubingen-Padua Nr. 32. 44/5. 60, 73, 79, 84. 122, 126, 128, 147, 154, 157, 
187. 254, 257, 261/5, 269, 281, 284/6, 294, 296/8, 302/4, 319. 355, 365, 379, 392, 438, 469, 470, 473, 
477, 480, 513, 549, 551, 561, 569, 572, 588, 599, 603, 656, 677, 696. PaduaTübingen Nr. 179, 31b. 
396, 484. Tobingen -Bologna Nr. 131. Strassburg-Padua Nr. 58/9, 132, 154, 184, 215, 248, 266, 319, 



244 

in Wien, und spater in Padua, 21 umgekehrt. Für Wittembcrg-Padua, wo die 
genaue Vergleiehung mit dem Jahre 1560 endet, weil die spätere Matrikel nicht 
gedruckt ist, kenne ich 25 Einträge, für Padua-Wittemberg nur einen einzigen 
52 Oesterreicher, deren Namen die sorgfältigen Auszüge Elzes aus der Tübinger 
Matrikel enthalten, treten später in Padua auf, aber nur vier in entgegengesetzter 
Richtung. Marburg-Padua ist mit vier Einträgen, Leyden-Padua mit dreien. Graz- 
Padua und Padua-Marburg mit zweien nachzuweisen. Spärlicher fliessen die Nach- 
richten von andern Universitäten, deren Matrikeln mir nicht zugänglich waren, 
da ich hier nur auf Stamnibucheinträge und ähnliche Notizen angewiesen war. 
Immerhin zeigt sich schon jetzt die Bedeutung Strassburgs für die Oesterreicher, 
da mir Strassburg-Padua 21mal, Padua-Strassburg zweimal aufstiess. Je zwei 
Studenten kamen über Bourges und Orleans nach Padua, je einer von Rostock, 
Helm Stadt, Ingolstadt, Dölc und Bourges, drei von Paris. 

Was nun das Verhältnis der italienischen Universitäten untereinander be- 
trifft. 1 ) so gab Padua 56 Studierende an Bologna, 25 an Siena, und je einen an 
Pavia, Ferrara und Pisa ab, und empfieng im Austausche nur 3 von Bologna 
und 2 von Siena. ein offenbares Zeichen, dass die grosse Menge der deutschen 
Studenten seit der Mitte des XVI. Jahrhunderts beim Besuche italienischer Rechts- 
schulen zuerst auf Padua Bedacht nam, von wo aus dann ein Bruchteil derselben 
nach längerem oder kürzerem Aufenthalte noch weiter zog. Ein direkter Verkehr 
von Deutschland mit andern italienischen Universitäten wird darum in dieser 
Zeit nur selten zu erkunden sein, ich wüsste nur etliche vierzig Oesterreicher zu 
nennen, deren Einträgen ich eiuzig zu Bologna. Siena, Perugia, nicht aber zu 
Padua begegnet bin. 

In geringer Zahl sind uns endlich auch noch Fälle erhalten, in welchen 
man den Namen des Studierenden an drei und mehr Universitäten nachzuweisen 
rennag: 

Padua-Ferrara-Wien Nr. 641. 
Padua-Pisa-Wien Nr. 612. 
Padua- Bologna-Siena Nr. 174/5. 585. 
Padua-Marburg-Tübingen Nr. 306 und umgekehrt Nr. 60. 
Marburg-Helmstadt-Padua Nr. 189. 
Jena-Padua-Siena Nr. 474. 
W T ien-Wittemberg-Bourges-Paris-Padiia Nr. 644. 
Wien-Padua-Bologna Nr. 40, 291, 343, 493, dazu Siena Nr. 611. 
Wien-Padua-Bologna-Tübingen Nr. 484. 
Wittemberg-Tübingen-Padua Nr. 44 (resp. 469). 
Wittemberg-Wien-Padua Nr. 241, dazu Bologna Nr. 88, 279. 



334'-">, 3ii«. .394. 478, 480, 485, 560, 673, 697, 720. Padua Strasburg Nr. 301, 85o, 6>8. Rourges- 
Padn» Nr. 449, 644. Hole- Padua Nr. 17». Grat -Padua Nr. 127, «46. Helmutadt-Padua Nr. 1*9. 
Jena-Padoa 1G3, 190, 474/5. Ingolstadt Padua Nr. 271. 596. Leyden-Padua Nr. 19*. 260, 611. Mar- 
burg-Padaa Nr. 60, 188/9, 482. Padua Marburg Nr. 828, 396. Orleans-Padua Nr. 274, 304. Paris- 
Padua 5(7, 641. 738. Paris-Bologna Nr. 438. Rostock-Padua Nr. 472. Padna-Orleans Nr. 3. 

•) Padua-Bologna Nr. 32, 40, 64, 88. 90/1. 101, 106, 121, 133, 136 7, 169, 174/5, 178, 185, 
1*7. 200. 202/3, 245/6, 253, 269, 271, 278 9, 293, 318, 339, 342/3, 378, 433, 461, 484. 493, 505. 508, 
522, 543, 545, 549, 574. 578, 584,5, 587, 639, 669, 684. 687, 693, 7l3, 742. Bologna- Padua Nr. 131, 
204. 718. Padua-Siena Nr. 103, 173/5. 2' 5, 250, 281, 295, 370/3, 380, 407/9, 447, 474. 185, 535, 543. 
5*5. 611. 617/8. Siena- Padua Nr. 151, 206. Bologna-Perugia Nr. 83. Padua-Orlean.» Nr. 3. Grosso 
Keism unternamen insbesondere Nr. 34, 115, 188, 371, 469, 470, 477, 608, 650. 



24 o 

Wittemberg-Paris-Padua Nr. 597. 

Witteniberg-Padua-Bologna Nr. 293, 339. 

Tübingen-Padua-Bologna Nr. 32, 131, 187, 209, 281, dazu Siena Nr. 543. 

Tübingen-Padua-Siena Nr. 215. 

Tübingen-Strassburg-Padua Nr. 319, 392. 

Tübingen-Strassburg-Siena-Padua Nr. 154. 

Tübingen-Wien-Padua Nr. 280. 

Strassburg-Padua-Siena Nr. 485. 

Strassbnrg-Wittemberg-Roßtoek-Padua Nr. 472. 

Marburg-Wittemberg-Padua-Wien Nr. 482. 

Graz-Wien-Padua Nr. 127. 

Graz-Padua-Bologna Nr. 137. 

Für die Frage »ach dem Einfluss ausländischer Universitäten auf den 
Bildungsgang der deutschen Juristen des XVI./XVJI. Jahrhunderts sind vor allem 
zwei Umstände wichtig: die Dauer ihres dortigen Aufenthalts und das Lebens- 
alter, in welchem sie damals standen. Die Ermittelung dieser Thatsaehen stösst 
aber auf viel grössere Schwierigkeiten, als der trockene Nachweis des Besuchs 
italienischer Universitätsstädte durch namentlich angeführte Personen. In dieser 
Beziehung ist nicht einmal die Aufname in die ämtlichen Verzeichnisse der 
Universität für die Schülereigenschaft der Betreffenden absolut beweisend, da es 
vorkam, dass zuweilen auch andere Reisende der materiellen Vorteile wegen die 
akademischen und Nationsvorrechte erlangten, 1 ) doch dürfen wir dies immerhin 
als seltene Ausnamen ganz bei Seite lassen. Bedenklicher könnte dieser Fehler 
bei den Nationsmatrikeln erscheinen, da diese um der Ehre und des erwarteten 
Geschenks willen u. A. überhaupt allen ankommenden Standespersonen zur Ein- 
zeichnnng vorgelegt werden sollten. Doch beruhigt auch in dieser Beziehung die 
Stichprobe, welche man durch Vergleichung der erhaltenen Rektorsmatrikel von 
1592—1598 mit den betreffenden Jahrgängen des Albums der Nation anstellen 
kann. Von 83 Oesterreichern, deren Anwesenheit zu Padua während dieser Zeit 
mir bekannt wurde, erscheinen 63 Namen in beiden Listen, (5 blos in der Matrikel 
des Rektors und 14 nur in jener der Nation. Auch unter diesen mögen noch 
mehrere wirklichen Studenten angehören, da nachweisbar Manche, welche «1er 
Studienzweck nach Padua geführt hatte, die doppelte Eintragung der Kosten 
halber unterliessen, oder jene des Rektors erst viel später nachsuchten.*) Von 
Andern allerdings lässt sich mit Bestimmtheit sagen, dass «lies«» der Verfolg 
anderer Zwecke in die Universitätsstadt geführt habe, so wenn wir beispielsweise 
den k. Gesandten am päpstlichen Hof Leonhard von Harrach (222) als angehenden 
Fünfziger und Friedrich von Hohberg (2151) als Vierzig«!' lf>93/4 in den Nations- 



l ) Vgl. das Keiiipiel in den Anualen Jörgers vom ?H. bis .10. April lä'iS. 

*) Von den fi.'l gemeinsamen Hintragen erfolgten 1 ■> am gleichen Tag in beiden Matrikeln, 
.1 Bind ungenau oder zweifelhaft. In 4f» Fällen aber »chrieheu »ich di« Studenten zuerst in das 
Album der Nation ein, und trugen die gleiche Förmlichkeit beim Kektor erst einen oder mehrere 
Tage »p&ter nach. Itinweilen zögerten *.ie selbst woohenliiiig. Christoph S««heinwein |">47). seit 
1"». November lf>92 Mitglied der Nation, inscribierte >ich erst um vf». April Jfj9:i b**i der Univer- 
Hität, und Keiuprecht von INdhelm (47.'») waltet» damit &ogar vom 14. December ifüMJ bib /.um 
3. Juni 1597. Maximiliau von Liechtenstein (372 • gab der Nation seinen Namen im Jahre 159."> 
auf der Durchreise nach Siena und dem Kektor von Padua erst nach »eiiier Rückkehr am 
2. April 1597. 

Matt, d. Vereinet f. Landesk. 1882. 4-9. 17 



246 

matrikeln zu Padua und Siena eingezeichnet finden. 1 ) Im Grossen und Ganzen 
gewährt demnach dort, wo keine hesondere Veranlassung zu zweifeln vorliegt, 
schon der blosse Eintrag eines Namens in die Nationsmatrikel eine begründete 
Vermutung dafür, dass wir es mit einem wirklichen Studenten zu thun haben, 
und mit diesem Ergebnisse kommen wir für iinsern Zweck hinreichend aus. 

Was nun den Aufenthalt selbst an den italienischen Universitäten betrifft, 
so war dessen Dauer für die einzelnen Studierenden sehr verschieden, da hier 
nicht nur die individuellen Verhältnisse, sondern auch die Mode bestimmend ein- 
wirkten. Je mehr die Länderreise überhand nam, je mehr Orte und Reiche sie 
umfassen sollte, 2 ) um so kürzere Zeit konnte Jemand einer Universität angehören, 
und Stölzel hat bereits darauf hingewiesen, dass man in Lehrkreisen diesem 
Umstände durch Einrichtung kurzer Lehrkurse von wenigen Wochen Rechnung 
zu tragen suchte. 

Die vorhandenen Anhaltspunkte um das Verweilen der Studierenden an 
einem Orte zu bestimmen, sind leider zufalliger Art. Bisweilen helfen Briefe aus. 
Wir erfahren z. B. aus einer Reihe von Schreiben Georg Tanners (G44), dass er 
durch 16 Jahre Deutschland. Frankreich und Italien durchwandert habe. Nach 
Padua kam er. wie die Matrikel zeigt, im Oktober 1552 und blieb dann hier bis 
zum März 1555. Im Jänner 155G treffen wir ihn in Wien, welchen Ort er 1560 
verliess. um sich auf einer zweiten Reise nach Italien den Doktor-Grad zu holen. 

Aber nicht immer sind wir so gut bestellt. Wo nun keine positiven Nach- 
richten ans Biographien oder andern siehern Quellen vorliegen, dort sind wir 
beinahe ausschliesslich auf Stammbucheinträge beschränkt. In den seltenen Fällen, 
in welchen sich das Stammbuch eines Studenten erhalten hat, da wird man 
allerdings mit dem Ergebnis zufrieden sein. Wir können so z. B. den Freiherrn 
Georg Wilhelm von Ilofkirehen (248), dessen Stammbuch als Cod. %89 in der 
Wiener k. Hofbihliothek verwahrt wird, während seiner Studienjahre auf Schritt 
und Tritt begleiten: Vom Jahre 1571 bis 9. August 1573 reichen die Einträge 
zu Strassburg, dann folgt eine Lücke bis zum Erscheinen in Padua am 8. Juni 
1574. sie mag wohl durch eine Reise in Frankreich auszufüllen sein. In Padua 
ist der Aufenthalt bis zum 29. Jänner 1576 durch zahlreiche Blätter verbürgt, 
am 2. Februar 1576 finden wir den Freiherrn auf der Rückreise zu Venedig, 
am 24. März d. J. bereits wieder in der Heimath. In gleich günstiger Lage sind 
wir bezüglich des Freiherrn Johann Bernhard von Hofkirchen (250), welcher 
vom 1. Juli 1607 bis 1610 in Padua, und von Juli 1610 bis Mai 1611 in Siena 
verweilte, endlich bei Johann Mathias Händl von Gabclsberg und Krummnuss- 
baum (206). welcher 1631 zu Ulm, 1632 in Regensburg lebte, 1633 nach Siena 
zieht. 1634 Padua besucht und auf seiner Rückreise 1635 auch nach London 
kam. Wo aber, wie leider meistens, nur eine vereinzelte Notiz vorliegt und diese 
überdies eines erläuternden Beisatzes (adveniens, abiturus u. dgl.) ermangelt, 



M Hieher gehören der Pßeger der Herrschaft Volkensdnrf Paul Hnhenprtinner (2GS\ welcher 
l.*>82 »*>inen jungen Herrn Wolf Wilhelm v. V. (fisH) nach I'adua bracht*, ferner Richard von 
Starhemberg M>07), welcher sich ebenfalls nur als Begleiter seiner Srthne einsrhrifb, Graf Ferdi- 
nand von Hardeck und Freiherr Wilhelm von Ilofkirehen (210. 251). deren liesuche in zu vor- 
gt-rückte Lebensjahre i'32-3S J.) fallen, der Wiener Prof. Thomas Kuef (Mtii. welcher sich am 
*«. Juli 150.") als Föhrer einer Reisegesellschaft (71, 140, 281, 562, 571) in's N'ationsalbutn eintrug, 
Dr. Wilh. Rechperger (520) u. s. w. 

3 ) Grossere Reisen nntemamen insbesondere Nr. 115, 188, 371, 409, 470, 477, 008, 650. 



247 

da ist das Ergebnis begreiflicherweise viel unsicherer, weil man nicht wissen, 
sondern nur vermuten kann, dass sich der Einzeichnende in der Zwischenzeit 
vom Eintrag in die Matrikel bis zum Datum im Stammbuch fortdauernd an jenem 
Orte aufgehalten hat. und nichts über dessen Weiterreise erfahrt. Immerhin sind 
aber auch solche Angaben in Ermangelung von bessern für uns sehr wertvoll, 
da sie erkennen lassen, dass es während der ganzen Zeit von U>4(>— 1G25 Oester- 
reiober gab, welche Studien halber durch mehrere Jahre zu Padua verweilten. 1 ) 
Bei vielen Andern mag allerdings der Aufenthalt weit kürzer gewährt haben. 

Für die Ermittelung des Alters der Besucher von italienischen Univer- 
sitäten mussten lediglich Nachrichten von auswärts benützt werden, weil es in 
Bologna. Padua u. s. w. während des XVI./XVII. Jahrhunderts noch nicht üblich 
war, diese Daten wie etwa in Lcyden oder Tübingen den Namen der Aufge- 
nommenen beizusetzen. Daher betreffen die meisten Nachrichten den Adel und 
vorzüglich den vornemern Herrenstand, für welchen genealogische Werke den 
gesuchten Nachweis lieferten, während «1er Bürgerstand nahezu leer ausgehen 
nnisste. 

Geordnet ist die nachfolgende Zusammenstellung nach den Jahren, welche 
die Studierenden zur Zeit ihrer Eintragung schon vollendet hatten. Der Raum- 
ersparnis wegen wurden aber mit Rücksicht auf eine im Anhang folgende Unter- 
suchung noch andere Angaben beigegeben, wo sich diese feststellen Hessen, und 
zwar einmal in Klammern die Lebensjahre, welche von den betreffenden Personen 
wirklich erreicht wurden, anderseits die mittlere Lebensdauer, welche denselben 
nach den Tarifen unserer Versicherungsgesellschaften gegenwärtig zukommen 
würde. Letztere Zahl wurde in der Art gefunden, dass zu dem Jahr der Inserip- 
tion als gemeinsamen Ausgangspunkt die Zahl der erwarteten Lebensjahre nach 
den Ansätzen dreier Mortalitätstabellen hinzugefügt wurden. Nr. I entspricht der 
verbesserten Süssmilch-Baumanni6chen Tafel, welche zwar heutzutage als un- 
günstig gilt, aber der Yergleichung im allgemeinen wegen beigezogen wurde. 
Nr. II. die sog. Tafel der 17 englischen Gesellschaften und Nr. III die Oarlislc'- 
schc nemen hingegen auf die bessere Lebensstellung jener Gesellschaftsklasse 
Rücksicht, welcher die Studenten durchwegs angehörten und bieten daher höhere 
Zahlen. 

Alle Inscriptionsdaten beziehen sich auf Padua, soweit nichts anderes be- 
merkt wurde. 

11 jährig ( Lebenserwartung I, 52.33; II, 58.08; III, 59.04 Jahre). 

.Nr. 3ö Marcus Beck (59 J.) 

., 53 Johann Brenner jun {62 B ) 

Summe 121 ~ . , ... ..,, _ , . 

.„ = Durchschnitt t>0.5 Jahre. 

12jährig (Lebenserwartung 1, 52.05: II, 59.01: III, 511.27 J.). 

52 Sigfriod Christoph Brenner (82 J.) (178 Georg Bernhard von 

328 Ludwig v. Königsberg (51 „ ) Urs<-henpe<:kh. 

Summe 133 n . , „ 

=_ Durchschnitt (>'».»> J. 

V Jrh führe heispielhweine an: Nr. 6. 30, 76, 102. 125. 131, l.T/7. !■»». H»l. 17H, l'-W. 2™. 
279, »3, 3'»7, 3JÜ, 435, 1C1. 369/70, 604. 656, 673 u. s. w. 

17* 



248 

13jährig (Lebenserwartung I, 52.96; II, 59.33; III, 59.51 J.). 

10 Quintin v. Althau (57 J.) 408 Georg Helfried v. Meg- 

175 Wolf Theodorich v. Greissen [Bologna] (40 „ ) gau [Siena]. 

345 Joh. Ludwig Kuefsteiner (70 „ ) 

Summe 167 Fr 

- - - = Durchschnitt 55.6 J. 

14jährig (Lebenserwartung I, 53.26: II, 59.64; III, 59.75 J.). 

50 Johann Breuner (45 J.) 

54 Maximilian Breuner (60 „ ) 

221 Carl v. Harrach (58 „ ) 

271 Ludw. Gomez v. Hoyos (50 „ ) 

329 Wolf Math. Königsberg (71 „ ) 

371 Joh. Septim. v. Liechtenstein . . . . (37 „ ) 

Summe 321 ~ . . ... , _. . 
„-- = Durchschnitt o3.5 J. 
u 

löjahrig (Lebenserwartung I, 53.56; II, 59.96; III, 60 J.). 

9 Wolf Th. v. Althan (45 J.) 476 Weichard v. Pollheim. 

70 Joh. Friedr. v. Concin (24 „ ) 743 Julius v. Zinzendorf. 

98 Christo, v. Eytzing (39 „ ) 

168 Andreas v. Gilleis (4J „ ) 

174 Rudolf v. Greissen . . . (32 „ ) 

362 Joh. Andr. v. Lappitz (17,,) 

391 Sigismund v. Losenstein (59 „ ) 

393 Georg Achaz v. Losenstein (56 „ ) 

497 Sigism. v. Puchheim (53 „ ) 

651 Mathaeus v. Teufel (18 „) 

688 Willi, v. Volkensdorf _^ . (49 n ) 

Summe 433 : 11 = Durchschnitt 39.36 J. 

16jährig (Lebenserwartung I, 53.86; II, 60.27; 111,60.27 J.). 

8 Adolf v. Althan (62 J.) 46 Seifried Premier. 

12 Wolf Georg Althan (58 ., ) 288 Leonliard Igelshofer. 

35 Joachim Beck (35 „ ) 358 Wolfgang Georg von 

116 Carl Ludw. Fernberger (65 ., ) Liechtenstein. 

162 Max. Alb. Geyer (vor 44 „ ) 742 Hanibal v. ZinzendorL 

220 Leonh. j. v. Harrach (40 „ ) 174 Ihid.v.G reissei; ISienaJ. 

503 Joh. Christo, v. Puchheim (41 „) 3T1 Joh. Sept. v. Lie>hten- 

Ö32 Georg Ehrenr. v. Rogendorf (57 „ ) stein [Siena]. 

691 Pilgram v. Sinzendorf (53 „ ) 

689 Wilh. v. Volkensdorf j (17 „ )_ 

Summe 472 : 10 — Durchschnitt 47.2 J. 

17jfihrig (Lebenserwartung 1, 54.16; II, 60.58; III, 60.57 J.). 

3 Georg Aigmair (41 J.) 173 Sebastian v. Greissen. 

49 Helfried v. Breuner (33 „ ) 



249 



128 Wilh. Beruh, v. Friedesheim (60 n ) 

227 Georg Haymer (36 „ ) 

262 Seifried v. Hoheneck (66 „ ) 

387 Joh. Willi, v. Losenstein (52 „ ) 

394 Georg Dietmar v. Losenstein (29 „ ) 

411 Jacob v. Mollart [Siena] (51 ,,) 

506 Maximilian Püchler (20 „ ) 

593 Karl v. Sinzendorf (40 n ) 

628 Richard Strein (63 „ ) 

650 Joh. Christo. Teufl (57 „ ) 

667 Hans Cyriac v. Traun (53 „ ) 

Summe 601 : 13 = Durchschnitt 46.23 J. 



18jährig (Lebenserwartung I, 54.46; II, 60.88: III, 60.87 J.). 

69 Joh. Christo, v. Clam [Perugia] ... (73 J.) 74 Georg Christoph von 

115 Joh. v. Fernberg (44 „ ) Conzin. 

189 Erhard v. Grünthal (42 „ ) 679 Christoph David Ur- 

226 Joh. v. Haym (72 „ ) schenpeck. 

326 Ehrnreich v. Königsberg (26 „ ) 656 Balthasar Thonradel. 

335 Achaz v. Landau (56 „) Siena: 

387 Georg Achaz v. Losenstein (52 „ ) 175 Sebastian v. Greissen. 

392 Georg Christo, v. Losenstein (33 „ ) 

458 Christoph v. Pirkhaimer [Bologna] . . (64 „ ) 

466 Andreas v. Polheim (63,) 

468 Sifcfried v. Polheim (44 ., ) 

609 Gundaker v. Starhemberg (58 ., ) 

649 Max. v. Teufel (66 „ ) 

665 Joh. Christo, v. Traun . (56 „ ) 

Summe 749 : 14 = Durchschnitt 53.5 J. 

19jährig (Lebeuserwartung I, 54.75: II, 61.19: III, 61.17.). 

301 Ferdinand Jörger (87 J.) 147 Ehrenreich v. Gera. 

470 Georg Rup. v. Polheim (50 „ ) 370 Heinr. v. Liechtenstein. 

479 Heinrich v. Polheim (44 „ ) 486 Joh. Christo, v. Prag. 

4H0 Georg Achaz v. Polheim (43 „ ) 535 Joh. Rueber von Pixen- 

531 Joh. Hermann v. Rosgendorf (42 r ) dorf. 

543 Christo. Schallenberger (36 „ ) 632 Ulr. Wernh. v. Strein. 

551 Joh. Schiefer v. Irnharting (65 ., ) 680 MarquaidChr.v. Ursen- 

5% Wenzel Rcichard v. Sprinzenstein . . . (57 „ ) peck. 

«02 Georg Achaz v. Starhenberg (38 ., ) 690 Ferdinand v. Volk». 

603 Gotthard v. Starhenberg (65 ,, ) Perugia: 

608 Heinr. Willi, v. Starhenberg (82 ,. ) 659 Leopold v. Thierheimb. 

6('»4 Sigism. Adam v. Traun (61 „ ) Siena: 

C>66 Otto Maximilian v. Traun (61 „ ) 154 Ferdinand Geyer. 

742 Hanibal v. Zinzendorf . ( 42 „ ) 413 Joh. v. Mollart. 

Summe 776 : 14 =^ Durchschnitt 55.4 J. 



250 



20jährig (Lebenserwartung I, 55.03; II, Gl .49; III, 61.46 J.). 

99 Job Hartmann v. Enenkel (51 J.) 73 l'Irieh v. Conzin. 

164 Adam Gienger ((55 „) 81 Ferdinand Dillherr. 

165 Johann Carl Gienger [Bologna] .... (38 n ) 193 Job. Nimrod v. Grün- 
170 Erasmus Gold v. Lampoding (70 „ ) thal. 

187 Wolf Xiclas Gruenthaler (61 „ ) 735 G. v. Zelking [Bologna]. 

217 Georg Friedr. Gf. v. Hardeck .... (60 „) 543 Christo. Schallenberger. 
296 Johann Jörger v. Tollet (60 „ ) 

306 Joh. Septim. Jörger (65 „ ) 535 Johann Rueber [Siena). 

365 Christoph Leysser (81 „ ) 

469 Andreas Wolfg. v. Polheini (65 „ ) 

585 Wilhelm Seeiuan v. Mangern (69 „ ) 

587 Joh. Sigharter (63 „ ) 

589 Joh. v. Sinzendorf (60J 

705 Christo. Ludw. Weiss , (24 „ ) 

723 Ehrnreieh Wnrmbrandt (62 „ ) 

745 Georg H artin. v. Zinzendorf (29 ,, ) 

Summe 923 : 16 = Durchschnitt 57.68 J. 

21 jährig (Lebenserwartung I, 55.39; II, 61.79; HL 61.75 J.). 

68 Georg Ehr. Perger v. Clam (53 J.) 57 Joh. Phil. v. Bieuner. 

152 Erasem v. Gera (.69 „) 191, 194 Wulf Dietmar und 

159 Ernst Willi. Geyer (26 „ ) Andr. jun. v. Grünthal. 

176 Christo. Greissen in Wald (54 „ ) 212 Sigm. Gf. v. Hardeck. 

188 Andreas Grünthaler (28 „ ) Siena: 

386 Joh. Christo. Löbl (50 „ ) 343 Chr. Schallenberger. 

467 Sigmund Ludw. v. Polheim (31 „j 370 Heinr. v. Liechtenstein. 

471 Sigmund Ludw. v. Polheim jun. . . . (62 „ ) 

473 Wolfgans v. Polheim (44 „ ) 

590 Joh. v. Sinzendorf (60 ., ) 

601 Heinrich v. Starhenberg [Bologna] . . (31 „ ) 

605 Barthol. v. Starhenberg .j.54 ., ) 

Summe 562 : 12 = Durchschnitt 46.83 J. 

22jährig (Lebenserwartung I, 55.74; II, 62.09; III. 62.04 J.). 

10 Johann v. Althan (61 J.) 5 Ludwig Althamer. 

14 Victor v. Althan (52 „ ) Bologna: 

72 Joh. Volkh. v. Conzin (53 „ ) 187 Wolf Nielas Grünthaler. 

154 Ferdinand Geyer (40 „ ) 378 Joh. Gottfr. Linsmayr. 

265 Ludwig v. Hohenfeld (68 „ ) 

378 Joh. Goltfr. Linsmayr (66 ., ) 

474 Max v. Polheim (44 „ ) 

477 Friedrieh v. Polheim (53 ., ) 

604 Ludwig v. Starhemherg (56 ., ) 

606 Martin v. Starhemberg (54 „ ) 

668 Ernst v. Traun (HO „ ) 

720 Math. v. Wolzogen (77 „ ) 

Summe 684 : 12 =- Durchschnitt 57 J. 



251 

23jährig (Lebenserwartung I, 56.09; II, 62.39; III, 62.31 J.). 

7 Victor v. Althan (30 J.) 96 Ulrich v. Eitzing. 

45 Joh. Phil. Brassicanus (50 „ ) 198 Georg Gurtner. 

58 Phil Friedr. Breuner (71 „ ) 552 Georg Ehmr. Schiefer. 

151 Wolfgang v. Gera (48 n ) 560 Ferd. v. Schönkirchen. 

190 Jacob v. Grünthal (55 „ ) .652 Rudolf Teufel. 

344 Joh. Jac. Kuefsteiuer (56 .. ) 474 Max v. Polheini [Siena]. 

413 Joh. v. Mollart (56 „ ) 

472 Joh. Cyriac v. Polheiui (24 „ ) 

611 Caspar v. Starhemberg (48 ., ) 

Summe 438 : 9 -- Durchschnitt 48.6 J. 

24jährig (Lebenserwartung I, 56.44: II, 62.68; III, 62.59 J.). 

196 Georg v. Gumbelzheimer (47 J.) 75 Ferdinand v. Conzin. 

406 Leonhard Helfried v. Meggau .... (67 „ ) 357 Lucius v. Landau. 

621 Johann Stockhorner (75 „ ) Bologna : 

448 Alex. Pellendorfer (f). 

Summe 189 : 3 =- Durchschnitt 63 J. 

25jährig (Lebenserwartung 1, 56.78; II, 62.98; III, 62.86 J.). 

76 Elias Corvin (65 J.) 

356 Joachim v. Landau (55 „ ) 615 Wolfgang Steger. 

475 Reinpreeht v. Polheim (44 n ) Bologna: 

482 Heinrich Porschius (54 „ ) 587 Johann Siegharter. 

610 Erasem jun. v. Starhemberg . . . . (69 ,, ) 

6*29 Wolf Ehrnr. v. Strein (52 „ ) 

670 Joh. Joach. v. Trautmansdorf (67 „ ) 

Summe 406 : 7 = Durchschnitt 58 J. 

26jährig (Lebenserwartung I, 57.12: II, 63 27; III, 63.14 J.). 
401 Max v. Mamming (70 .1.) 317 Lorenz Kirchamer. 

27jährig (Lebenserwartung I, 57.45; II, »3.56; III, 63.41 J.). 
160 Roman Geyer (36 J.) 

28jährig (Lebenserwartung I, 57.79; II, 63.86; III, G3.69 J.). 
267 Christoph Hohenfeld. 

30jährig (Lebenserwartung I. f>8.57; II, 64.43: III, 64.34 J.). 

478 Gottfried v. Polheim (57 J.) 157 Albert Geyer. 

266 Otto v. Hohenfeld. 

32jährig (Lebenserwartung I. 59.35: II, 65.01; III, 65.03 J.). 
216 Ferdinand Graf v. Hardeck (55 J.) 

38jährig (Lebenserwartung 1. 61.78 J.). 
251 Wilhelm v. Hofkirchen. 

42jkhrig (Lebenserwartung I, 63.48: II. 67.84: III, 68.34 J.). 

261 Friedr. v. Hohberg (45 J.) 

607 Richard v. StarhenlM*rg (43 „ ) 

51 jährig (Lebenserwartung I, 67.46: II, 70.50: III, 71.39 J.). 
222 Leonhard v. Harrach (55 J.) 



252 

So unvollkommen diese Liste auch ausfiel, da sie kaum ein Viertel der 
Namen umfasst, so gestattet sie doch einige Folgerungen mit Wahrscheinlichkeit. 
Eiu/.eichnuugen von Kindern, das steht fest, kamen in dieser Zeit zu Padua 
ebensogut vor als anderwärts, doch sind sie selten, und nur bei Adeligen nach- 
zuweisen (11 — 14 Jahre =- 15 Posten). 

Der ordentliche Besuch der italienischen Universitäten, zumal Padua s, 
dürfte erst nach dem 15. Lebensjahr begonnen haben, denn von da ab wächst 
die Zahl der Einträge bis zum vollendeten 19. und 20. Jahr mit dem Alter der 
Jnscribierten. Mit 21 Jahren beginnt schon der Rückgang (18 Daten gegen 23 
und 22 in den beiden voraufgchendeu Jahren), mit 25 Jahren hören die Immatri- 
culatiouen last ganz auf. doch mögen die wenigen Nachzügler bis zum 30. Jahre, 
namentlich wenn sie bürgerlichen Standes sind, noch als verspätete Studenten 
hingehen. Personen, welche in höherem Alter sich einzeichneten, finden jedoch 
unter ihnen keinen Platz mehr. 

Im Allgemeinen kann man sagen, dass sich das Alter zur Zeit der Iuserip- 
tion nach dem Stande der Studenten richtete, so zwar, dass es desto geringer war, 
je vornehmern Geschlechtern diese angehörten. Der jüngste Bürgerliche, den ich 
in Padua nachweisen kann, ist Georg Aigmair. Er stand im achtzehnten Lebens- 
jahre, als er sich 1549 in die Nationsmatrikel eintrug, zog aber dafür im 25. Jahre 
nochmals von Wien aus und zwar nach Orleans. Der spätere geadelte Johann 
Gottfried Liusmayr besuchte Padua und Bologna mit 22 Jahren, Gumpelzheiiner 
Padua mit 24, Heinrich Porschius und Elias Corvinus mit 25 Jahren 1 ) 

Ich komme nun zum schwierigsten Teil der Abhandlung. In nicht geringer 
Anzahl sind Jahr um Jahr Oesterreicher über die Alpen gewandert, um dem 
lockenden Iiiife der italienischen Hochschulen zu folgen, und manches Studien- 
jahr haben sie dort, fern der Heiinath verbracht. Es entsteht nun die Krage, wie 
soll man den Eiiitluss ausmitteln. welchen das Rechtsstudiuiu in Italien auf die 
deutschen Besucher und durch diese auch auf österreichische Verhältnisse im 
allgemeinen geübt hutV 

Auf eine literärgesehichtliehe Würdigung der italienischen Rechtslehrer 
im XV1./XVI1. Jahrhundert kann ich mich an diesem Orte nicht einlassen. Es 
erübrigt daher nur eine indirekte Beweisführung, sofern nämlich die spätere 
Lebensstellung mindestens zum Teile als Erfolg des Studienganges aufüefasst 
werden darf und andererseits die Vermutung naheliegt, dass auch die als Beamten, 
Sachwalter u. dgl. thätigen Personen noch von manchen Anschauungen beeinflusst 
wurden, welche sie auf den fremden ("niversitäten kennen gelernt hatten. 2 ) 



>.• Die Verteilung der Studierenden nach dem Geburtsorte wolle aus Anhang II ergehen 
werden. Wien nimmt in die>er lieziehuug mit nahezu 160 Daten unbezweifelt die erste Stelle ein. 

») Aus diesem (Jiunde wurden hei den folgenden Uebernchteu die Namen jener Personen 
weggelassen, von welchen ich annemen mu.->«te, dass der von mir nachgewiesene Aufenthalt in 
einer italienischen Universitätsstadt mit ihrem Studium nichts mehr zu thun hatte. Es sind dies 
der unglückliche Kommandant von I!aab. Ferdinand <*raf Hurdeck Nr. 2lt>, der k. Regiments- 
rath Krnst von Mnllart 112, der kaiserliche Gesandte Leonhard v. Harrach 222. Wilhelm von Hof- 
kirchi'ii 2;'il, Friedrich v Hohnerg ü»»l. die Professoren Dr. Wilhfhu Rechb*»rger .VJO und Thomas 
Kuef . r >3G und d*r päpstliche Notar Lorenz Schaplwein 5-14. Paul Hohen prunner 2<>H und Richard 
von Starheml.org GOT. -■ Personen, welche in verschiedenen Lebensstellungen in l'etracht kommen, 
wurden entsprechend oft wiederholt. Die F.inklammorung eines Namens bedeutet, dass eine Angabe 
nicht ganz sicher ist; solche Posten wurden nicht gezählt. 



253 

Sehen wir zunächst, auf welche Posten der akademischen Verwaltung 
Ocsterreicher während ihrer Studienzeit durch das Vertrauen ihrer Mitschüler 
berufen wurden. 

Als Reetores Magnifiei waren Georg v. Neudeck zu Bologna, Paul Acinger, 
Peter Chottur, Georg Hohenfelder, Johann Kölnpeck, Bernhard von Polheini und 
der Wiener Pfarrer Albert Herzog zu Sachsen zu Padua thätig. *) Viel zahlreicher 
ist die Zahl der Consiliarien, welche die Nation mit entscheidendem Votum im 
akademischen Senate zu vertreten hatten. Phil. Jac. Fürth und Heinrich Hoffer 
bekleideten dies Amt zu Bologna, Michael Teufel zu Siena. Zu Padua aber 
können wir Eitl Job. v. Althan, Job. Ba. Brock. Thomas Eiseier, Stephan Engel- 
mayr sen., Oetav. Feigel von Karpsenstein, Job. Theod. v. Greissen. Aug. Hirneys, 
Seb. Höflinger, drei »Jörger (293, 307/8), Lorenz Kircbamer, Scb. v. Pötting, 
Franz von Prösing, Hier. Schweibermair, Joh. Christo. Teufl, Ernst v. Traun, Wolf 
Phil. Unverzagt, Christoph Wech, und Georg Hartman von Zinzendorf nennen. 
Georg Fuchs war überdies eine Zeit lang consiliarius nationis ungarieie suppleuda?. 

Procuratoren der Nation waren zu Bologna Joh. Hegenmüller, Abraham 
Jörger und Joh. Ba. Weber, zu Padua u. a. Michael Eham, Joh. Ba. Eiseier, Joh. 
B. Gagg a Löwenberg, Jacob Heckelberger, Joh. G. Judex. Joh. Ch. Kaufmann, 
Baltb. Krabat, Gabriel Kremmer, Zacharias Präntl, Wolfg. Schwanser, Georg 
Stadius, Sebastian Stainstrasser (612), Elias Staufer und Thom. Tonr. Der letzt- 
genannte versah das gleiche Amt später auch zu Siena. Job Hartman von Enenkel 
und Georg Fuchs waren Assessoren der deutschen Nation zu Padua, und eben- 
daselbst fungirten als Bibliothekare die Ocsterreicher Friedrich Frosch, Adain 
Ant. v. Grundeman, J. G. Judex, Joh. Ad. Prunner, Joh. Ludw. Schneeweiss, 
Rupert Schorer und Elias Staufer. Zum Vertrauensamte eines Syndieus der Nation 
wurde Christoph Forstner, Eques divi Marci berufen, den gleichen Posten bei der 
Universität versahen Georg Gumbelzheimer und Jacob Huetstocker. 

Mehr als ein halbes Hundert oder nahezu V 18 aller Einträge gehört Per- 
sonen an, welche wir späterhin als Baccalaureen, Licenciaten, meistens aber als 
Doktoren der Rechte begegnen, wir finden ferner unter ihnen einen gekrönten 
Poeten (Elias Corvin) und mehrere Magister, beziehungsweise Doktoren der 
Theologie, der Künste und der Medizin. 1 ) 

Nicht eben gross ist die Zahl derjenigen unter unsern Studenten, welche 
eine kirchliche Laufbahn einschlugen, das Zahlenverhältnis würde aber nahezu 



>) Ausserdem waren Rectoren zu Jena Nr. 475, Ingolstadt. 271. Rostock 472, Wittern - 
berf? 21. r >, 4G7, 469, GUI. 

') Baccalaurei. Licenciati und D res. Juris: tieorg Aigmair. Wilta. Rair, Joh. 
Ambr. lSrassicanus. Elias Corvin, Max Eder, Michael Eder 8en.ot.jun. (85). Sigism. Eiseier, (auch 
l>r. A.), Steph. Engelmair sen. et jun. (102/31, Mich. Friedrich, Georg üumpelzheimer, Steph. 
Hanfctinan. auch Ma&. A.. Joh. und Joh. Rupert Hegenmüller (229,30); Leonh. und Ferdinand 
Hoe (24?/3) Magister Molch. Hofmair. Georg Hohenfelder, auch Dr. Theol., Johann Huetstocker, 
Lor. Kirchamer, Joh. Kölnpeck. l'dalr. Kren, Franz Lackner, Alex. Liebhart, Magister J«ih. 
Lingl, Joh. Linsmayr, Georg Mötkrench. Joh. Ba. Pfeiffer. Christo. Pirkhaiuier (458). Georg 
Pftlaterl. Beruh. Polheim, Juh. Prunner (4i»3), J. B. Puckeram iBic», Wolfg. Püdler, Mart. Pusch- 
rnann. Paul Reiche). Albert Gt\ v. Scbauuherg. Mathias und Jacob Scholz {.Vil/iM, Tobias Schwab, 
Wolfjf. Schwanser. J. lt. Schwarzenthaler, Paul Seeauer, Martin Seiberlich, Seb. Stainstrasser. 
Sam. Stettuer. Matth. Stuff, Andr. Tallinger, Georg Tanner, J. G. Tegernseer, Joh. Waldaberger, 
J. B. Weber, Joh, Widmer. Ausserdem noch Nr. 5.16, 514 — Graduiert in Artibns oder der Medizin 
wurden Nr. 1, 4, ftl, 7i>, 88, 224, 252, 37K, 441, 444, 457. 182, 520, 536, 544, 51)7, 70t!, 711. Bacca- 
laurei und Doktoren der Theologie waren Nr. 1, 185, 263, 2ö3. 516, G27. GG2, 7u6, 711. 



254 

umgekehrt sein, wenn sieh das Verzeichnis gleichmässig wie üler das XVL/XYIL, 
so auch über die vorhergehenden Jahrhunderte erstrecken würde. Immerhin sind 
wir auch so in der Lage eine Anzahl österreichischer Kirchenfürsten als Besucher 
italienischer Universitäten nachzuweisen, ich nenne drei Bischöfe von Tassau 
(Nr. 461, 537, «94), einen Bischof von Trient (422) und zwei von Wien (58, 
465), einen Domprobst von Passau (462), 2 l'röbste von 8. Stephan zu Wieu 
(546, 571), Frühste zu Ardacker (185, 263, 627) und Zwetl (516), Domherrn zu 
Passau (165, 263. 465), zu Olinütz (56, 58, 627). Dechante zu Klosterneuburg 
(7(6) und zu Kürnberg (414), Passauische Officiale zu Wien (516, 571, 627), 
Pfarrer zu Altenmarkt bei Windischgrätz (450), Gars (16,), S. Georgen im Attergau 
<23J) und Vöekiahruck (263, 465). 

Den geistlichen Kitterorden gehörten die Comthure des Deutschen Ordens 
Erasem Ferdinand von Kollonitseh und Ludwig von Mollart an (334, 414). Jodok 
Castner starb (65) als Jesuit, Clemens Widmer war Minoritenguardian zu Wien. 

Desto reichlicher ist unsere Liste an weltlichen Würdenträgern. Das Kin- 
drin<ren und die schnelle Verbreitung des römischen Rechts in Oesterreich wird 
leichter begreiflich, wenn man sieht, wie die Jünger Justinians die eintlussreichen 
Posten des öffentlichen Dienstes gewinnen und wie sie nach und nach auch für 
das ständische und städtische Leben von Bedeutung wurden. In allen Schichten 
der Gescllsehaft, vom schlichten Bürger aufwärts, in Gelehrten und Beamten- 
kreisen, unter den rechtsgelehrten Beisitzern des ständischen Landrechtes so gut. 
wie in der Stube des Stadtrichters und Bürgermeisters, unter den Kcgiments- und 
Hofkammerräthen nicht minder als unter den Personen des besonderu kaiserlichen 
Vertrauens, den geheimen Käthen und den hochmögenden Ministern — überall 
stossen wir auf Persönlichkeiten, welche ihr Studiengang über Pa-dua. Bologna. 
Sicna oder andere italienische Universitäten geführt hatte. 

Beginnen wir mit den landesfürstlichen Aemtern. Unter don 39 kaiser- 
lichen und 2 erzherzoglichen Käthen 1 ) mögen sich immerhin einige befinden, 
welche bloss tituliert waren. Dagegen müssen die Käthe der s. g. Kegierung 11 ) einer 
Oberbehörde für Justiz und politische Angelegenheiten als wirkliche Beamte be- 
trachtet werden. Obgleich unser Verzeichnis im Grunde nur die Besucher der 
Universität Padua während eines Zeitraums von 80 Jahren mit annähernder 
Vollständigkeit enthält, und die beigebrachten biographischen Daten noch manche 
Ergänzung erfahren werden, so bin ich demungeachtet schon jetzt in der Lage 
auf drei Statthalter der n. ö. Kegierung hinzuweisen, welche an italienischen Kechts- 
schulen studierten: Seifried und Seifried Christoph von Brenner und Leonhard 
Helfried von Meggau. Ihnen schliessen sich in gleicher Weise au die Kegierungs- 
kanzler .loh. Ruprecht von Hegenmüller, Pirkhaimer und Georg von Neydeek, 
ferner 49 Käthe der n. ö., 5 der i. ö. Kegierung und 3 liegimentssekretäre. 



'; Kaiserlich.- Käthe: Nr. 7, 10, 33. 4S, 115, 1G4. IG*, 17x, l«»„\ 11)«;, :»12, 224. 233. ülO, 

2:,c, 2JMS. sin, :wa, 312, 355. 377. aas. 410, 4M. 4. r >:., 4i>5, 4W, 471. 4t»s, -51. uoj, «;.vj, ü7i, ü«»h, 

«H«. 7U.">, 723. 739. 74U, erzherzogüchti Käthe 212, 5«5. 

*) Nieden*isterreii;hische ftegirruiiK : Statthalter 4H, 52. 4(m1, Kcgierunji^knii/lcr 230, 422, 
4. r »fc. Hegiiii*iit.srsithe: Nr. 15.35, 7ü. {♦!). 102, HO. 112. Ml, 170. 173. IS*. 1K). 211», J2», 22«. 2^1. 
252. 25.., 271, aTS, 21»>. 317, 331, 343. 345, 34S, 384. 385, 31M . 43>, 4»>7, IUI), 500. 507. ;',<JH. 543, 
5«».'. 571». •«.'>. 5S7, . r i!»U. 51M. 601, fiOG. (J47, G4S, «.Vi. ÜSi», «-7H -- die JUthr 4lHi. 412 brachte!! eh 
bis zum Statthalter. KexinieuUrtekrelära Nr. 10!«, 565. Ü45. 

Iunerö9terreichitf<:he Kegiiuentsräthe Nr. 83, 148, .'!)! (auch Kanzler) 330. 317. 



255 

Kaum geringer ist die Anzahl derjenigen, welche Stellungen im landes- 
fürstlichen Finanzwesen 1 ) fanden. f> Präsidenten, 1 Vicepräsident, 4 Direktoren 
der Hof kam mer, 18 Hofkam meiTÜthe und 2 Hofkainmersekretäre sind aus den 
Reihen unserer Studenten hervorgegangen. Die n. ö. Kammer dankt ihnen 3 Präsi- 
denten und 20 Kammerräthe, die schleiche Kammer 1, die ungarische 3 Käthe. 
Als Kammerproeuratoren waren die Doktoren Joh. Ambro» Brassicanus, Joh. 
Linsmayr und \V T olfgang Sehwanser, als Vieekammerprocurator Georg Aiginair 
thätig. Für den letztgenannten Posten wurde 15SM) auch der bekannte Rechts- 
gelehrte Joh. Ha. Schwarzenthaler in Vorschlag gebracht, wie es seheint jedoch 
ohne Erfolg. Als Klosterräthe und Commissari vertraten die Doktoren Stephan 
Engelmair sen., Tegernseer, Michael Friedrich, Ulrich Kren und Adam Grunde- 
nian die Rechte der landesfürstlichen Hoheit gegenüber kirchlichen Ansprüchen. 
Un^i auch sonst standen studierte Leute im landesfürstlicheu Kammerwesen bis 
auf die mehr untergeordneten Posten eines Salzamtmannes oder k. Waldmeisters 
herab, vielfach in Verwendung. Ich nenne den Landesvicedoin von Oberösterreich 
Joh. Adam Gienger, welcher seines Amtes in schwieriger Zeit durch mehr als 
30 Jahre waltete, des Obergespans von Ung.-Altenburg Joh. Hreuner (50), der 
Hauptleute zu sz. Endre, Forchtenstein, Klitsch, der Burggrafen zu Stadt Steyer, 
der Burgvögte zu Wels, des Burghauptmanns zu Wr. -Neustadt u. s. w. 

Ebensowenig war der Staatsdienst in seinen Beziehungen zum deutschen 
Reich und zum Ausland unsern Studenten verschlossen. Ich beginne mit 22 Männern, 
welche das besondere Vertrauen des Monarchen zu geheimen Käthen 14 ) machte und 
von welchen zwei, Leonhard IV. von Harrach (21i>) und Bernhard Herfried von 
Meggau sogar mit dem österreichischen Vliessorden ausgezeichnet wurden. Ihnen 

') Hofkammer-PrftMdenten: Nr. 255, 25b", 411, 62$. 668. Vicepräsident: 596. Dir* kWen : 
52, 274, 585, G<>4. Käthe: 12, »I, «W, 145. 170, (l73>, 220, 226. *?8, 292, aU8, 365, 3'.7, 438, 4M, 
589, G5(>, 055. 4 658>, 699. Sekretäre: 3i(), 461. 

Inneiösterreicuittcher Hwt'karumer Ruth: Nr. (47). 

Niedeiösterreichische Kammer-Präsidenten : Nr. 52, 23.', 274.(373) Käthe: 34, 44, 81, US, 
1135), 164, U68 :, 173, 178, 221, 255, 32««, 314, 375, IUI, 497. 508, 565, 585. 589, (648), 655, 
717. (737». 

Kammerproeuratoren: 44, 377, 573. Vice-Kammerprocurator : 3 (576). 

Klosterräthe und Cummitf&ari: 10*, 127, 195, 313, 646. 

Viceduiu üb der Kns: 161. 

Kaiserliche Waldmeister: 580, G18. 

£alzamtinann: 135. 

Oherge>«paD zu l'ng. - Altonburg: 50. 

Hauptleute zu t>z. Kndre : 531, Forchtenstein 335, 406, Flitacu 148. 

Burghauptmanu zu Wr.-Neut.tadt : 255. G50. 

Hurgxrafen zu St«-yer : 'i."»G, 257, 604, zu Wr. Neustadt : G55. 

Burgvftgte zu Wels: 292, 7u5. 

5 ) Geheime Käthe (kaiserliche und erzherzoglich«»» : Nr. 46. 52, 195, 219, 221, 232. 251, 256, 
874, 313, 315. 359, 391, 40«. 413. 111, 501. 52* 6"8. 661, 6«M, 6.-9 

Kanzler Nr 16, 17. Hutkatizler -.99. HoCvicekanzler 3-13. 

Gewandte, kaiserliche, Nr. 271.482, zu Koii&taiituiopel 48, 256 (auch in Moskau* 345. :171, 
413. 411, .'04, 590,628, 650. zu Dresden 211, in Italien 465, k. Prinzi[»alkommi«K.iriurt beim Reichs- 
tag zu Kegfiisbuig 393. 

Hofräth«, kaiserliche Nr. 52, 170. 229, 313. 573. Keichahufräthe :2, 16, 5», fc5, 173. 226, 
230, 242, 243, 252, 271, 274, 314. 3*7, 3s*l, 411. 45*, 576, 585, 590 601, 6.9, 678, 699. 

Keuhnh -fiiskal Nr. 102, A<ljunkt 103, 

Keichakainiuergrericht, HeiwiUer Nr. 164, lh8. 

Hufitekretär Nr. 81, kaib. Sekietär 666 ■ /» 696. 



25 rt 

r^ihe ich die Kanzler der alten österreichischen Herzoge au. ßlank und Chottur 
und aus. neuerer Zeit den Hofkanzlcr negenmüller, sowie den Hofvicekanzler 
Kren von Krenherg. Stattlich ist ferner ilie Zahl der kaiserlichen Gesandten, 
unter welchen wir den kaiserliehen Prinzipalkommissarius leim Reichstag zu 
Regenshurg (ioorjr Adiaz von Losenstein, 10 Oratorcn bei der hohen Pforte und 
noch vier au anderen Höfen antreffen. 

Im Reiehsdienstc hegcgmm uns 24 unserer Studenten später als Reichs- 
hotrsithi*. und zwar mitunter, wie das Beispiel Heinrichs von Starhemberg lehrt, 
in ül»crrasehend kurzer Zeit nach Vollendung ihrer Länderreise. Das gleiche gilt 
auch von den Ifoisitzern am k. Reichskamnicrgerichte, deren ich allerdings nur 
*2 nachzuweisen vermochte. Ausser dem Reichshof-Fiskal Dr. Stephan Engelmair, 
welchem sein gleichnamiger Sohn als Adjunkt beigegeben war. wären dann noch 
i"> kaiserliche Hofräthe und ein Paar Ilofsekretäre zu erwähnen, um diese Seite 
de«! Bildes zum Absehluss zu bringen. 

Der Stand, welchem die Studierenden vorzugsweise angehörten, sowie die 
Zeitverhältnisse brachten es mit sich, dass sehr viele von ihnen ihr Fortkommen 
auidi in Hof- und Kriegsdiensten suchten. Wir treffen darum in der unten folgen- 
den Liste 1 ) fast alle Hofämter vom einfachen Hofdiener bis zum Hofmarschall 
und Obristhofmeister hinauf mehr minder stark besetzt. Am zahlreichsten, mit 
42 Nummern erscheinen die Kämmerer, denen sich noch 4 Obristkänimerer, 
1 Obrister Silberkämmerer n. s. w. anreihten. 

Was dann die landestürstlichen Kriegsdienste*) anbelangt, so übergehe ich 
die rein militärischen Posten vom fieneral-, Feld- und Hauszeugmeister abwärts 
bis zum einfachen Lieutenant und wende mich den Kriegsbehörden zu. Ich 
erwähne aber als Leute, welche sämmtlich in Italien studiert hatten, die Hofkriegs- 
raths- Präsidenten Mollart und Traun, den Erbauer der Löblbastei zu Wien, welcher 
als Vizepräsident fungierte, mehr 7 Hofkriegsräthe, 3 Hofkriegskanzlei-Verwandte, 
je einen Kriegseommissiir, Proviantverwalter, Kriegszahlmeister, Zeugwart u. s. w. 

M II "filmt er, kaiserliche und er/herzo^liche: 

Hof- und kaiserliche Diener Nr. 41, 45, 240. 312, 4<i9, 43.">, 438, 508. 5(>1, (570). 

Truchsesseii Nr. |4tf. 154, 1(50. 257. 284. 3IS, 42.'!. 41>7. 543. 055, 733. 

Patiatierfi Nr. 11«, 35!«, M3. 

Vftrsih nnder Nr. 17J», 215. 257. 298. 358. 4S0, 60 1. GS8. 722. 723 

MiiiuUuhenkfn Nr. (132). 297. 29!», 31M, 359. »US. 050, 072. Obriatinunduchenk 49. 

Kämmerer Nr. 7, 9. 14K. |52, 108. 217, 220. 232, 254. 250, «200:, 328. 331, 334. 344, 346, 
3IS. 358. 370, 381, 385, 388. 390, 391. :<0>, 393, 411. 413, 498, 504, 531, 513, Gi>2, «Ol, 606, G4H. 
G50. 005. i;78, G80, 0*8, 7-2, 740. Obribtkämmerer 219, 3*5, I0o, 410 

Ulirioi ItMt'mfiictHr Nr. 219, 391, 40'i. G04. 

Ilolniui schall Nr. 47. 388. 3:H. 53«. 

JiuermiM^ter Nr. 3«i3. FalkenmeisW 500. Ohristlandjäpermeister in Oe. o. E. 221. 

Stallmeister Sr. 393, 021». Ohriststallm«isW 3»9. Hufstabelmoister 284. Obristerkucliel- 
rneister : J G5. 

') Kri^psdiciKte, kainerlirhe, unbestimmt: Nr. 33. 117, 212, 339, 471, 474. 

(»prteml-Fild- und IIaus-Zeu£m«Mister Nr. 503, 008. (jenerulwarhtinei»ter 386. 

nbrUte Nr S, li, :<5. 3«. 47, 5i. 57. 211. 284. 321». 341. 311. 3'.i3, 41 3, 503, . r i04, 603, 667. 
715. olirisllifutpnaiit 152. 0n8. ÜhrUtwachtiiieister il32i. 599. Hauptleute, Rittmeister 9, |51, 192, 
104. 326. :'.27. 5*8. 070. Leih^ardi-hauptmann 232. Fähnrich" 158. 171, 051. 

llofkjiejrsrath: Präsidenten Nr. 113. GGS. Vjcuurasideiit 38<i. Käthe 11. 30, 57, 350, 4M. 
503. i. ö. 17. Ktinileiverwandte 521, 500. Rejristratur 231. KrieKS/.ahl meist er GlHi. Kriegtiroinroisp&r 
192. l'roviuntvprwalter (il). Obriate ProviantinfiMfr Nr. 31. 292. Obrister Schiffiueister 543. 
Feld- und Zeugwart 130. Stadtcomniandauteu von Wien 3«<G, 4i3, 068. 



257 

Auch in den Diensten der Landstände begegnen wir solchen schon in 
namhafter Anzahl. *) Beginnen wir mit den höchsten Posten, welche halb landes- 
fürstlichen, halb landschaftlichen Aemtern angehören, so haben es 8 unserer 
Studenten zum Land marsch all, 6 zum Landuntermarschall in Oesterreich unter 
der Enns gebracht, 5 wurden Landeshauptleute ob der Enns. einer (Christoph 
David Ursehenbeck) in Kärnten. Ausserdem wären noch zwei Anwälte und ein 
Verwalter der Landeshauptmannsehaft o. E., endlich 19 Landräthe hier anzu- 
führen. 

Unter den rein landschaftlichen Aemtern wären zunächst die Verordneten 
zu nennen, welchen die Besorgung der laufenden Angelegenheiten und die Aus- 
führung der Landtagsbeschlüsse oblag, für uns kommen hier 21 Verordnete im 
Lande unter der Enns und 24 ob der Enns in Betracht. An Landschafts- 
ausschüssen wären 9 zu verzeichnen; an Gesandten, welche von den Landschalten 
zur Besorgung ihrer Angelegenheiten an den Landesfürsten, beziehungsweise an 
den Reichstag entsandt wurden, 7. Das landschaftliche Wirthschaftswesen ist 
durch Generaleinnehmer, Raitmarschälle und Herren, Gegenhandler u. s. w., das 
Kriegswesen durch Landesobriste, Muster-, Viertels-, öbercommissäre u. s. w. 
vertreten. 

Von grösserem Interesse für die Frage nach dem Eindringen des römischen 
Rechts in unsere Verhältnisse, ist aber der Nachweis, dass 15 Beisitzer des n. ö. 
Land- und Hofrechtens, ein landschaftlicher Syndieus (Schwarzenthaler) und zwei 
landschaftliche Secretäre aus der Reihe unserer Studirenden hervorgegangen sind. 

Weit geringer ist die Zahl derjenigen, welche Stellung bei städtischen 
Behörden') gesucht und erhalten haben: ein Bürgermeister von Wieu und einer 
von Krems, mehrere Stadtrichter von Wien, Krems, Wels und Wr. -Neustadt, 



',) Landschaftliche Dienste: 

Landmarschälle u. E. Nr. 52, 271, 393, 528, 655, 664, C68. 678. 

Land-Untennarschalle Nr. 170, 17G, li>5, 230, G2I, 669, 67«. 

Landeshauptleute: Kärnten Nr. 679, Oe*U*rreich o. K. 34"), 384, 411, G08, 683. Anwälte 
der Landeshauptmann schaft o. E. 230. 585. Verwalter 2s26. Landräthe 118, 164, 176, 192, UM, J95, 
205, 206, 300, 357, 4«>6, 551, 585. 596, 602, 611, 651», 671, 739. 

Vorordnete de* Herren- und Kitterstandes u. K. Nr. 104, 112, 161, 173, 212, 244, 217, 
274, 328, 341. 315, 365, 368, 373, 388, 401, 474, 664, 7*3, 73:), 746, ob der Enns 68, HS. 146, 151, 
152, 265, 266, 285, 292. 296, 298, 300, 4»6, 471, 476, 551, 588, 596, 6i>8, Oll, 671, 688. 739, 746. 

Laud*chaftsausschüsse ob und u. d. K. Nr. 19, 15. 9 ), 178, 2lK), 315, 400, 401, 565, 652. 

Landschaftliche Gesandte Nr. 212. 247, 290, 401, 47 1, 476, 661, der umfängliche Gesand- 
schaftsbericht Ilofkirchens ist hei Kurz. Beiträge z. Gesch. IV., 273 — 345 gedruckt. 

Besitzer des Land- und Hofrechtens Nr. 13. 116, 170. 178, 181, 244, 247, 254, 319, 35*i, 
377, 411, 423, 499, 701. Zeugscommi^an 4*5, 442. 

Generaleinnehmer der La. in Steiermark Nr. 347. 

Kaitmarbchälle Nr. 147, 311 Kaitherren 69. 112. Gegenhandler 352, Kitte/* tand s- 
director 211. 

Sjudicus Nr. 576. Secretäre 61, 642. 

Ständische Truppen: Landesobriste Nr. 274, 292, 603, 664. Dragonerhauptmann 303. 
Lieutenant 297. Fähnrich 15t 

AI u 8t er- und Knegscominissäre Nr. 147, 608. Ohercomraissari 262, 716. Viertelcomm ih.-ar 
10, 279. Viertelhuuptmaun 733 

3 ) Städtische Aernter: Wien: Bürgermeister Nr. 277. Stadtrichter 277, 278, 493. SUdt- 
anwalt 330. Syndicu* und Stadtschreiher 712. Stadtoberkämmerer 493. Gegenschreiber an der 
Tabormauth 539. 687. Präsident des inuem Ruths 277. Kathsherr C2i. 

Krems: Bürgermeister Nr. 279. Stadtrichter 62, 27i». Weif: Stadtrichter 275. Wr. -Neu- 
stadt: SUdtrichter 715. 



258 

1 Stadtsvndieus von Wien. 1 Anwalt, 1 Oberkäunnerer, ein paar liathshcrren 
und untergeordnete Mautbeamten, da* ist Alles, was ich erkuiwhüi könnt«. El »cd so 
ist * 1 i * * Zahl der patrinionialeii Pfleger und »1er LVchtsanwälte gering. 1 ) Zur 
Erklärung dieser Thatsache dient zweierlei. Einmal lässt sich nicht verkennen, 
dass an den italienischen Tni verspäten vor 10^5 der österreichische Biirgerstand 
in der Hesueherzahl hinter dein Adel zurückstand, was wohl mit der Kostspielig- 
keit des Aufenthalte» zusammenhängen dürfte. Anderseits boten die städtischen 
Hedienstungen in Oesterreieh damals noch sehr geringe Aussichten für studirte 
Leute. Der Betritt' des soff. Hrotstudiums hingegen hatte sieh schon ausgebildet. 
Der Bürgerliche, welcher Fähigkeiten besass und dieselben zu seinem Fort- 
kommen verwerten wollte, der trat am liebsten in die Dienste des Staates, weil 
hier nach einer in die Tage Maximilians 1. zurückreichenden Tradition das 
Talent zu Amt und Ehren auch dann gelangen konnte, weun ihm die Unter- 
stützung durch edle Geburt und Jtcichthum fehlten. Ja, zu Amt und Ehren, denn 
der Herrscher lohnte es seinen Dienern durch eine Keine von Mitteln, welche 
heute zum Teil uns ganz sonderbar anmuthen. Zu geschweige!! von den Provi- 
sionen, aus welchen sieh unser Pensionswesen entwickelt hat, gab es Gnaden- 
gaben aller Art. Expectanzen auf Lehen und heimfällige Erbschaften. Pfand- 
schaften von Kammergütern, Yerheirathung mit reichen Bürfferstöchtern, und 
endlich, nicht als das Geringste, die Standeserhöhung. Wer sich in seinem Amte 
während einer gewissen Zeit nur halbwegs bewährte, der konnte mit grosser 
Sicherheit auf einen Wappen- oder Adelsbrief rechnen, wer darüber hinaus nach 
höherem Titel strebte, der konnte unter l.'mständen auch diesen erreichen. Solehe 
Aussichten lockten nun eheninässig den Bürgerlichen wie den Adeligen in den 
Staatsdienst und wir können hinlänirlich viel Beispiele für das Gesagte aus unserer 
Namensliste beibringen. Abgesehen von den gar nicht seltenen Fällen, in welchen 
erst der Vater des betreffenden Scholaren geadelt worden war. 2 ) nenne ich als 
Personen, welche durch landesfürstliche Wappenhriefe ausgezeichnet wurden. 3 ) 
die Wiener Büriror Johann Hein und Hierein ias Hassel. Den einfachen Adel, 
beziehungsweise den (Titular-) Ileichsritterstand erhielten die Reichshofräthe 
Michael Ehain. Leonhard Hoc, der Salzburtrische Kanzler Sebastian Höflinger. 
der Hofkanzler Johann Hegenmüller, der kais. Yicekanzler l'lrich Kren von 
Krenherg, der Kainmerprocurator Johann Linsmayr. der Regimentsrath Kirehanier, 
die Beamten Wolf Henthaler und Georg Pölsterl. die Wiener Stadtrichter Christoph 
Huetstocker und Johann Prunner, ausserdem Johann Lcutncr. Wolf Praitnaicher 
und Paul Viereggel. 

Aber mit der Nobilitierung war wohl die ersehnte Adelsqualität, nicht aber 
die sociale und rechtliche Gleichstellung mit dem alten Landesadel gegeben, 
welcher sich gerade damals, zum Schutze gegen dergleichen Eindringlinge, als 



1 > Pfleger: pass.iuisoh: Nr. 170. refjen.sburgisoh 1^75. — Ailvocaten und Procuratoren 85 
jun.. 242. 364. 4 1 7. 561. 615. 

a ) Z. lt. Nr. 81. in, li»7, 269. 398. 416. :Vi!i. 569. «27, «J.W. 7«>3. 

J i Wappnihrief* Nr. 2.11. '1*3. einfacher Adel oder Kitterntan«! 85, 22!». 231. 242. 245,277. 
3i7. 343, 367, 377. 461. iss. 40:5. 6*1. n. ö. Lan>lmann?ehaft neuen, l»oii«'liun«j*wi'iKc« alten Kitter- 
*tandos .".3.41. 76. 81. 230. 213, 342, 343, 409. |417], 41!». 458, 508. (;24. 4599. Freiherren, bexiehuiifr». 
weise Aiifname in den 11. ö. lierrenstand 19, 33, 71, 72, 7. f >. 145. 166, 167. 17«, 206. 226, 227, 355. 
377. 378, 8*0. 384, 3*5, 121. 551, 585, 591. 615, 678, 717, 723, (»raten 8. 33, 73, 221, 274, 3ü6, 315. 
393. 406. 407, 59 i, 596, 608, 659. 668, 679. Keicusfiirst*n«.tand 372, 373. 



259 

Corporation abschloss und die landschaftliehen Vorrechte vom Eintrag in die 
Laudes-Matrikel abhängig machte. Gerade darum galt aber die „Landmannschaff 
diesen Familien als ein besonders begehrenswertes Ziel, an welches zwar der 
Adelserwerber nur in seltenen Fällen selbst gelangte (ich nenne beispielsweise 
die Doctoren Elias Corvin. Ulrich Kren. Johann Linsmayr und Johann Ha. Weber), 
das jedoch dessen Nachkommen ebenso unablässig verfolgten, bis sie es erreichten. 
So glückte es dem Johann Paul Bayr die Aufnahme unter die sog. neuen Geschlechter 
des n. ö. Kitterstandes durchzusetzen, von welchen mit der Zeit der l-ebertritt unter 
die alten Geschlechter möglieh war, und gleichen Erfolges hatten sich auch die 
Doctoren Johann Ambros Brassicanns, Johann Ruprecht Hegenmüller, Ferdinand 
Hoe. Christoph Pirkhaimer, Michael Püdler von Völbin, der Wiener Rathsherr 
Reimund Straub, der Kammerrath Ferdinand Dillher, ferner Johann Paul Kremer, 
Wolf Andreac Penzinger und Jacob Muelich zu erfreuen. Die nämliche Bewegung 
wie im Bürgerstande lässt sich ausserdem in jener Zeit unter den alten Adels- 
familien wahrnehmen, welche aus dem Ritterstande in den Ilerrenstand, aus 
diesem in den Grafen- und Fürstenstand überzutreten suchten. So wurden u. A. 
zu Freiherren Jacob Aspan, mehrere Mitglieder der Familien Conzin, Gera und 
Gienger. die Gebrüder Haym und Löbl von Greinburg, Erasmus Gold von 
Lampoding. Georg Bernhard von Neuhaus. Johann Schifer, Wilhelm Seeman, 
Pilgram von Sinzendorf, Wolf Steger, Balthasar Thanradl, Georg Bernhard 
Ursehenbeek. Johann Christoph Wolzogen und Ehrnreich Wurmbrand. Die Frei- 
herren Adolf von Althan, Johann VW. von Conzin, Carl von Harrach, Johann 
Balthasar von Hoyos, Johann Sept. Jörger, Weuzel Reichard von Sprinzenstein, 
Georg Achaz von Losenstein, Gebrüder von Meggau, Karl von Sinzendorf, Heinr. 
Wilh. von Starhemberg, Leopold von Thürheim, Ernst von Traun, und Christoph 
David von Urschenbeck wurden Grafen. Maximilian und Gundaker Herren von 
Liechtenstein Deutsche Reichsfürsten. Der Bürgerliche Dr. Johann Linsmayr 
brachte es zum Freiherrn von Greiffenberg zu Weinzierl und Seisseneck, die 
einfachen Adeligen Johann Paul Bayr und Johann Ludwig von Kuefstein erwarben 
den Grafentitel. Nicht bloss dem Titel, sondern dem Inhalt nach, erlangte die 
Stellung eines Reichsritters der zum Reichsfreiherrn erhobene Johann Math. 
Händl von Gabelsberg und Krummnussbaum, durch seine Aufname in den Ritter- 
kanton Altmühl. 

Auch in die Gelehrtenrepublik des XV1./XVII. Jahrhunderts ist so mancher 
unserer Studenten aufgenommen worden. Die Universität Wien 1 ) dankt ihnen 
2 Kanzler. 1 Superintendenten, viele Rectoren. Facultätsdekane und Procuratoren 
der akademischen Nationen, ausserdem 15 Rechtslehrer, unter welchen ich vor- 
erst die Professoren des kanonischen Rechts Johann Ambros Brassicanus, Stephan 
Haubtmann, Lorenz Kirchamer und Wolfgang Püdler hervorhebe. Sigismund 



») Wiener Universität: Kanzler Nr. 546, 571. Superintendent 122. Kectoren 8, 44, 85, 88, 
127. 224, 252, 317, 313, 351, 457. 458. 507, 516. 525, 562, 576. 662. Dekane der juridischen Farul- 
tftt 3. 85. 88. 102. 127. 242, 252, 278. 317, 343, ?,5I. 371, 418. 461. 507, 51',», 52>. 562, 573, 576. 
f'»44. 693. rrocuratoren 351, 512, 614. 706. Syndicuii und Notar 411. Professoren an der juridischen 
Facultät 44, 76 (xu Prag), 88, 102, 224, 252, 317, 351, 374, 376 (Paduat. 377, 418, 506. 576, 611, 
693. Proft'Büor der griechischen Sprache 641, andere Professoren 457. 525, 662. 

Als Erzieher werden genannt 8*b. Stainstrasser 612, welcher Pr&ceptor eines Freiherrn 
von Stubenberg in Padua war, die UebrQder Castner 64, 65 in bairipchen Diensten, J. Hegen- 
mttUer 229 am kaiserlichen Hofe. Thomas Pdrstorfer 440, war 1506 Erzieher eines jungen Weber. 



200 

Eisler war Professor Codicis, die Institutionen waren ebenso den Doctoren Stephan 
Kngelmaier sen., Franz Lackner und Georg Miitkreuch, die Pandekten den Pro- 
fessoren Michael Friedrich Johann Linsmayr, Melchior Hoffmayr und Math. 
Stuff zugefallen. Juridische Lehrkanzeln hatten ferner noch Dr. Elias Corvin zu 
Prag und die Doctoren Alexander Liehhart und Johann Waldsbergcr(V) zu Wien 
inne. Dr. Johann Lingl docierte das Lehenrecht zu Padua im Jahre 15f)6, 
Pandekten, jedoch nur als Nebensache, Georg Stadius an der landschaftlichen 
Stiftsschule zu Graz. 

An literarischer Bedeutung überragen Georg Tanner (gestorben zwischen 
ir>$0 und 1593) und Johann Bapt. Schwarzenthaler alle Genannten. Tanner, den 
ein Zeitgenosse einen der Begründer der Rechtswissenschaft nennt, ist neuerlich 
durch Stinzings Bemühungen der unverdienten Vergessenheit wieder entrissen 
worden. 1 ) Er war zu Emersdorf geboren, wo sein Vater zu Zeiten K.Maximilians 
als landesfürstlicher Kanimerbeauiter waltete. Das erste Lebenszeichen von ihm 
ist ein Brief, den er am 1. April 1541 aus der Rosenburse zu Wien an den bekannten 
Humanisten und spätem Bischof von Wien Friedrich Nausea richtete. Vom Mai 
1543 datiert Tanners Immatriculierung an der Universität Wittenberg, um 1549 
finden wir ihn zu Bourges als Schüler Baro's, Duaren's und BaMuin's. 1550 besuchte 
er Paris bevor er Frankreich verliess, in den folgenden Jahren Basel, Strassburg, 
Genf und Lausanne, im Herbste 1552 kam er nach Padua. Alsbald sehen wir ihn 
mit ernstlichen Vorbereitungen zu einer verbesserten Ausgabe des Originaltextes 
d«r Novellen K. Justinians beschäftigt. Durch seine Ausdauer und Opferwilligkeit 
erwirkte er 1554 die Benützung der schwer erreichbaren Novellenhandsehrift in 
der Marciana zu Venedig, welche einstens dem berühmten Kardinal Bessarion 
gehört hatte, später, vermuthlich im Herbste 1555, hat ihn ein ähnlicher Beweg- 
grund, obwol vergeblich, nach Rom geführt. Leider sind Tanners Bemühungen 
\'i\v die Wissenschaft grossenteils verloren gegangen, denn die beabsichtigte Aus- 
gabe unterblieb und das dazu bestimmte Manuscript ist verschollen. Georg 
Tanner hat in den Jahren 15G5 und 1571* zwar das Decanat der juridischen 
Facultät versehen, dem Lehrfache nach gehörte er. obsehon ein tüchtiger Jurist, 
der Artistenfacultät zu Wien an, da ihm die Professur der griechischen Sprache 
übertragen worden war, doch mag er später zur juridischen übergetreten sein. 
Aus seiner Ehe mit Anna, der Witwe des Med. Dr. Elias Anhart, a ) entsprossen 
3 Söhne, welche der Vater nach damaligen Gebrauche bald nach ihrer Geburt 
(1565. I5i>8. 15H0) in die akademische Matrikel eintragen liess. 

Johann Baptist Schwarzenthaler aus Wr.-Neustadt begann seine Studien 
an der Universität zu Wien im Jahre 1557 und setzte sie später (1565) zu Padua 
fort. Die akademischen Grade scheint er in Wien genommen zu haben, und zwar 
in rascher Aufeinanderfolge, denn es notiert die Matrikel der juridischen Facultät 

') Georg Tanners Briefe an Ronifuz und HasiliuB Amerbach, herausg. von K. v. Stintzitig. 
Bonn 1871», S. ä ff. — Briefe Nuuseas. Lil». VII, S. 3o7. IWgniami in Bl. l!». r >. Für das AiiHehtn, 
in wek-hem Tanuer un der Wiener Universität stand, spricht nicht Mos diu ttegrüssung durch 
seine Schüler bei Heiner Kückk«*hr au* Italien l. r >(U>, sondern auch das Festgedicht des Puul Schediun 
„e nova Strurtura Aulue Universitatis. Georgii Tanneri .1. C. Museo" das l.">«;3 zur Feier de? Kinzugs 
Kg. Maximilians II. in Wien veröffentlicht wurde. Denis, Wiens Uuehdruckevgeschichte S. 610 
Nr. 643 und A. M u y n r, idem, Nr. 330, 331. 

a i l>ie Epithalamien in griechischer und lateinischer Sprache von seinen Schülern Georg 
und Paul Fubricius und Andreus Churupus vom J. 1563 t*. A. Mayer, Wiens Buchdiucker- 
geschichto 1182- 18M2 ^Wien 1882). Nr. 3ÜÄ/6. 



2(51 

zur Zeit des Dekanats Dr. B. Hausteins, welches am 26. Oktober 1567 anhub. 
dass Sehwarzentbaler Bacalaureus in J. U. geworden sei. Sehon im folgenden 
Halbjahr erhält er als Doktor zugleich mit seinen Mitschülern Leonhard Hoc, 
Stephan Engelmaier und Martin Puschmann Zutritt „ad arcana facultatis consilia". 
Schwarzenthaler wurde hierauf Professor, und zwar zunächst, wenn die Nachricht 
Lochers richtig ist, fürs kanonische Recht. 1573, als er zum ersten Mal Dekan 
wurde (diese Ehre widerfuhr ihm im Ganzen sechsmal), war er Professor Ordi- 
narius der Pandekten, 1577 des Codex, welche Lehrkanzel er bis an sein Lebens- 
ende (f 31. März 1614) inne gehabt haben dürfte. Seit 1595 Senior der Juristen- 
facultät war Schwarzenthaler ausserdem Syndicus der n. ö. Landschaft, mark- 
gräflich brandenburgischer Rath, Reichshofrath und juridischer Schriftsteller von 
Namen. Paul Sorbait bezeichnet ihn in seiner Fortsetzung von Eders Katalog 
der Wiener Rektoren S. 141 als einen in vielen Beziehungen berühmten Alt- 
meister der Wiener Universität, Beckmann, als inagnum Jurisconsultorum Austria- 
corum lumen und Herrenleben spricht von ihm in der Einleitung zum 1. Nach- 
trag des Codex Austriacus als von dem fürtrefflichen Praktiker in Oesterreich. 
In seinen Schriften, unter welchen ich zumal die Abhandlungen über Pfandrecht 
und Process hervorhebe, bildet Schwarzenthaler in gewissem Sinne einen Gegen- 
satz zu seinem Zeitgenossen Bernhard Walther. Dieser, der Vater des öster- 
reichischen Rechts im XVI. Jahrhundert, verteidigte die Bedeutung des selbst- 
ständigen Gewohnheitsrechts gegenüber dem eindringenden römischen Recht, 
Schwarzenthaler hingegen ist zunächst Romanist, der nur gelegentlich auf öster- 
reichische Gerichtsgebränche zurückkömmt. 1 ) 

Nächst den Vorgenannten wäre dann der k. Kammerprocurator und Hof- 
rath Wolfgang Schwanser ein s. Pöltner zu nennen, dessen handschriftliches 
Berichtbuch von den Zeitgenossen und dem jungem J. B. Suttinger als wichtige 
Quelle des österreichischen Rechts betrachtet und benützt wurde. Von dem Fleisse 
dieses Mannes giebt die Thatsache wol genügend Zeugnis, dass er drei Jahre vor 
seinem Tode bereits den 1364. Bericht an die Hofkammer eingereicht hatte. 2 ) 
Gedruckte Werke Schwansers sind nicht bekannt, ausgenommen ein paar lateinische 
Gedichte, welche er seinem Freunde Schwarzenthaler widmet, damit sie nach der 
Sitte jeuer Zeit dessen Tractaten vorangestellt würden, ein Epithalamium, das er 
1564 als Bacalaureus in Artibus verfasste und ähnliche Gelegenheitspoesien mehr. 

') Ueber Schwarzenthaler vgl. ausser den schon üben (Nr. 576) citierten Quellen noch 
die Matrikel der juridischen Facult&t tu Wien, Beckmann, Idea juris statuturii . . Stiriaci et 
Austriaci, Graz 1684, Autorenregister, Chorinsky, das Vorinundsfchaftsrecht Niederösterreich>, 
S. 16, Anm. lü, De Luca, Jnstizcodex 1. 125, Nr. 191. Schw. schrieb: 

a) Tabula juri* repraesentandi circa successionem . . . Wien 1591, 4°. Mayer, Wiens Buch- 
druckergeschichte Nr. 820. 

b) Tractatus Judicium urdinis in tres libros digestus, Frankfurt 1.192, 4° (neue Auflagen 
von 16ll und 1013 citiert De Luca a. a. 0.). 

(•)' Tiactatus corapendiarius de Nuvationibus Wien lö9l mit Schw. Wappen auf der Kehrseite 
des Titels. Mayer a. a. 0. Nr. 836. 

d) Tractatus de pignoribus et hypothecis mit Beigabe de« kleinerem Tractat de novationibu* 
et delegationibas und einer tabula juris repraesentationi«, (s. oben «, c.) Frankfurt 1.194, 4°. 

e) Repetitio leguro libri VIU (Jodids, Frankfurt 1603, 4° (Lipenius, bibl. realis juridica). 

f) De contrahenda et committenda stipulatioue, Frankfurt 1603 und Hannover im selbeu 
Jahr, 4° (Lipenius a. a. 0.). 

*) Nämlich am 12. Febr. 1602. — Vgl. Chorinsky, österr. Executivprocess, Wien 1879, 
8. 33, Anm. 11. Das Epithalamium u. s. w. bei Mayer a. a. 0. Nr. 363, 565, 575, 772, 862. 
Blatt, d. Vereines f. Landesk. 1882. 4-9. 18 



2(52 

In's XVI. Jahrhundert fallen auch gewisse Bestrebungen der Stände ob 
und unter der Enns. welche für die österreichische Rechtsgeschichte von Bedeu- 
tung sind. Ich nenne vorerst die Versuche einer Codification des landesüblichen 
Rechts, welche in ihren Anfängen bis auf die Tage Maximilians I. zurückgehen, 
jedoch im Zusammenhange noch nicht völlig erforscht sind. So viel steht indessen 
fest, dass an denselben in hervorragender Weise Personen beteiligt sind, welche 
ihre Studien in Italien gemacht hatten, beispielsweise die Freiherren Reichard 
Strein von Schwarzenau, Heinrich von Starhemberg und Ferdinand Hofmaun, 
dann Wolf Christoph von Knzersdorf und die Doktoren Aigmair. Püdler und 
Holfmair. 1 ) 

Herrn Reichard Strein von Schwarzenau begegnen wir übrigens noch bei 
••ineiu zweiten Unternemcn der Stände. Srhon als Student zu Strassburg hatte er 
sich seine literarischen Sporen durch eine antiquarische Untersuchung verdient 8 ) 
und sein Ruf als Gelehrter hatte mit den Jahren stufig zugenommen. In vor- 
gerücktem Alter übernam er «He Zusammenstellung einer Landhandfeste des 
Landes ob und unter der Enns, welche nach einem von Steiermark gegebenen 
Beispiele eine möglichst vollkommene Sammlung der Landesfreiheiten bieten 
sollte, jedoch durch den Tod des Verfassers unvollendet blieb. 3 ) 

Ich übergehe eine Reihe gedruckter Schriften ungleichen Wertes, welche 
Eitl Adam von Althan, Elias Continus, Georg Gumpelzhaimer. Kirchmaier, Stadius 
Tallinger 4 ) u. s. w. herausgegeben haben und erwähne lieber, dass Job. Lndw. 



') Eine Liste der bei Ausarbeitung der ^Landtafel % -Ent würfe lteschäftigtpn giebt Oan* 
stein, Lehrbuch des österr. Civilprocessrechts, J. 166, ein /.weites «Verzeichnis der Herrn Lund- 
lout und anderer Personen, so zur Herathschlagung der Landsnrdnung durch die R». Kai. Mt. 
/.um Theil hievor forgenommen und noch verordnet werden möchten 4 *, siehe in der landschaftl. 
.Antwort auf die k. Triplik vom 21. Dec. I5fiß*' im n. 5. Landesarchiv. 

2 ) Gentium et familiarum Komanarum hteramata. Ao. 1559. exeudebat Henr. Stephanus. 

3 ) Sie war auf 6 IHicher berechnet, gedieh aber nur bis zum Schluss des 4. Pu.hes. Kiue 
ausführliche Inhaltsangabe bietet De Luca, Justizcodex I. 127—182. Diese Landhandfestc wurde 
niemals gedruckt, kömmt aber handschriftlich häufig vor. 

*) Von den Werken Schwarzonthalers und Reichard Streins abgesehen, welche ich schon 
früher angeführt habe, find mir noch folgende Schriften ehemaliger l'aduaner Studenten dem 
Titel nach bekannt geworden: Althan, Eitl Adam, Nr. 6, Gedichte i.'.,">9. Wien. Denis, Buch- 
d rucke rgeseh. Nr. 60S nnd p. 604. Nr. 637. — Auer, Mag. Joh. Nr. 22. schlechte Hochzeits- 
gedichte 1560. Denis, Nr. 6'=1. — Corvinus Elias. Nr. 76, Gedichte 1557 ff. Denis, Nr. .V.u. 
604, u. ö. eine Sammlung «einer Poesien ist l.Mfo zu Leipzig erschienen. Deuis Merkw. d. Gareil. 
Bibl. S. 306. — Forstne r Christoph (Nr. 125?), epistola de comitiis electoralibus Katisbonae 1631 
celebratis. Lipenius, hihlioth. juridica 1. 271. Judicium de raoderno imporii statu. Freistadii 1670, 

I. CIO. Kpistola de negotio pacis Osuaburgo-Mona-tteriensis. Mürapelgard 1656, lf>71, II. 139. — 
G ruber Daniel, Nr. l."4, De Peregrinatione Studiosorum. — Gum pel zhai mer Georg. Nr. 196, 
Gyiiinasina de exercitiis ucadentiris. Argentinae 1662. 12. Disputatio de jure clientelari, Jena 1619. 
De interregno. Jena, s. a. Dissertatioues di» politico Arg. 1652. de Kegibus, de seuatu imperii 
aulico. Arg. 1623. De sponsalibus Kill», Jena. Lipenius I. 4, 252, 03", II. 123. 163, 251, 2K5. Jöcher 

II. 1216. - Hardegg, Johann Gf. Nr. 215. Keden. Witteroberg 1573. Jöcher II. 1358. Hegeumülltr, 
J<>h. Kup. Nr. 230, Kechtsgutachteu. Frank f. 1619. Lipenius II. 3n6. — Hoy»s, I.uiw. Gomez 
271. Hede 1565, Itologna. K i rchm ai er Tobias. 31«: Anatome corporis utriusque juris. Strass- 
burg 160S, Kesponsum circa succossioneiu ab intestato. Lipenius I. 16. Jöcher II. 2100. Ku*>ff>tein 
Job. Ludw. 345. I'ebersetzung von .1. de Montemayors Diana. Jöcher II. 1378. - Li c h t en stet n, 
Gnndaker Fürst zu - Nr. 373: Von Zaumung der Pferde, Wien 1625. A. Mayer, Wiens Hucbdruckergesch. 
Nr. 992. — Mütkreyrh Georg, Nr. 418: Gedichte. Denis, S. 601, Nr. «37. — Parsd orfer Thom., 
Nr. 440: Hochzeitsgedichte. Wien 1596. Mayer, Nr. 893. — Quorckius Caspar, Gelegenheitsgedicht 
als Joh. Kaskius Dr. Med. wurde. Wien 1593. Mayer a. a. 0. Nr. 833. — Stad ius Georg. Nr. 597: 
Kalender und Prognostica für die steirische Landschaft. — Stuff Math., Nr. 611. Ductorthesen, 



263 

von Kueffstein die erste deutsche Uebersetznng des berühmten spanischen Schauer- 
romans ,,Diana" besorgte. Joh. Christoph Freiherr von Teufel, dem schon in der 
Studenten Matrikel der auszeichnende Beisatz gegeben wurde „is, qui perieulostw 
peregrinationes Orientis confecif ist der Verfasser eines der wichtigsten Reise- 
werke aus dem 16 Jhdt. Erasem v. Starhemberg d. j. war (mit dem Beinamen 
der Leidende) Mitglied der fruchtbringenden Gesellschaft, ebenso Mathias Wol- 
zogen aus der Missingdorfer Linie. 1 ) 

Noch andere unserer Studenten wurden von ihren Zeitgenossen als geistig 
hervorragende Persönlichkeiten angesehen. Christoph Sehallenberger heisst poeta 
insignis et eruditus. Paul v. Seeau war mit verwunderlicher grosser Gedächtnuss 
begabt, Johann Cyriae v. Polheim galt als sehr gelehrter Mann, ebenso Wolf 
Händl. Joh. Wilhelm v. Greissen, Wolf Niclas Grünthaler und Wilhelm Beruh, 
v. Friedesheim, Joh. Septimus Jörger war ein „vieler Sprachen kundiger, wegen 
seiner durch den grössten Teil Kuropae und Asiae vollbrachten Reisen, auch 
seiner Gelehrsamkeit halber berühmter Herr'. „Otto Heinrich v. Zinzendorf wegen 
seiner lieredtsamkeit sehr geschätzt, und von Jacob v. Grünthal, welcher 1626 
als kurfürstlich sächsischer Kriegsrath, Generalcommissarius und Oberaufseher 
der Grafschaft Mannsfeld zu Voigtstädt an der Pest starb, ist wie das Sanger- 
häuser Kirchenbuch meldet", ein kleines aber lustiges, gelehrtes und politisches 
Mänulein gewesen, der jedermann gute österreichische Worte gegeben. 2 ) 

Es bedarf wohl keiner Erklärung, weshalb die Mehrzahl der Studierenden 
nach ihrer Rückkehr von den fremden Universitäten das erworbene Wissen zu- 
nächst in der Heimath zu verwerten strebte, doch haben einzelne von ihnen ihr 
Fortkommen auch ausserhalb Oesterreichs gesucht und gefunden. 3 ) Die Veran- 
lassung dazu war freilieh eine sehr verschiedene. Wenn Joh. Hapt. Schwarzen- 
thaler und Dr. Paul Reichel Rathsstellen beim Markgrafen von Brandenburg 
annamen. Reuchel insbesondere als Lehenspropst für die namhaften Lehen des 
Markgrafen in Niederösterreich fungierte, so geschah dies ohne gewaltsames Los- 
reissen vom Vaterlande. Ans ähnlich freiwilligem Entschlüsse sind u. A. Erasmus 
Gold. Andreas Grünthaler. Christoph von Lindegg und Ulrich Kren in die Dienste 



:581. Ferrara. — Talltn ger Andreas, Nr. 613: Dissertatto de judice ejusque officio Witteraberg 
1601, 4°. Desgl. de farto et rapinu uml de justiria et jure. Lipeuius I. 670 und in den Nachträgen 
von Schott 2or,, 2i>2. — Teufel. Joh. Christo, Nr. 6M>: II Vinggio . . . fatto di ConsUntinopoli 
r*Tso Levante. Wien 1-yjS. Mayer a. a. ü. Nr. Ki»0. — Tschernembl Job. Christoph. Nr. 672: Oratio 
seeundae clasBis. Altdorf lf>82. EmblemaU academiae Altd. 66. Als Gelehrte werden noch bezeichnet 
Nr. 12«, 17K, 187, UM). 200, 371, 472. f>13. f>79, als sehr beredt 746. 

') J«»h. Christoph v. Wolzogen, welcher durch 7 Jahre in der Türkei verweilte, boII die 
damals abgeschlossenen Friedenstractate in türkischer Spra he beschrieben haben. Es ist jedoch 
zweifelhaft. i»b sich diese Notiz auf unsern Studenten (Nr. 717). uder auf dessen Vater bezieht. 
JA eher IV. 2ort«. 

*) Monatsblatt des Herald. -gen. Vereins Adler. Nr. 7, Juli 1881, S. 28. 

*) Fremde I>iei>xte: Markgräfl. Krandenburgisr. he: Käthe Nr. .'.22 fauch Lehens- 
prop>tl und "»76. Geh. Kath: 711», Hauptmann ui.d Stallmeister M»8. Braun schweig: Ubrist 
und »nerahdjutant 332. Lothringen: Hofdimst 9«. Oldenburg. j:eh. Kath, Landdru«t und 
Kath* praüident 7^0. I'ole n: 65i, 713. 720. I'falzgraflicber Rath : 1« 6. K m s a c h s e n: Kriegsrath, <Je- 
neralkonimissarins, Uheraulseher dir (tralschatt Mausfeld li»o. Geh. Rath, Kämmerer und Ge- 
sandter am k. Hole b'.Vl. Schweden: Ubriste: 610. 72.">. Gar.he I., 2201 (Krtlnder der ledetnen 
Kanonen i. Bischöflich breslauischer Kanzler 343. Passaner Hofrath 1 70. Ke g e n sb u r ge r 1* f I e u er 
37;». .Salzburger Kanzler 213, Kath 323. Speirischer Kath ISS. licgensburger RathskonsuKoit l!M>. 
Agent der Reichsstädte Augsburg, Nürnberg und Ulm beim König ioh Frankreich OiM. In Dienste» 
«1t» Herzogs von Liegnitz 250. 

18* 



M4 

der Bisehöfe von Passau, Speier, Regeusburg und Breslau getreten, sind Sebastian 
Höflinger Kanzler und Johann Kölnpeck Katli des Erzstiftes Salzburg geworden. 
Endlieh wären diesen auch noch anzureihen, der Sekretär des polnischen Königs, 
Wildperger, der Regensburger Rathskonsulent Gumbelzhaimer und der Agent der 
Reichsstädte Augsburg, Nürnberg und Gin beim Könige von Frankreich, Nielaa 
Wagner. 

Anders stellte sieh die Sache für diejenigen, welche eine bittere Notwen- 
digkeit gegen ihren Willen aus Oesterreidi verdrängte. Die Ausweisungsedicte 
K. Ferdinands II., darüber darf man sich nicht täuschen, waren nicht blos im 
kirchlichen Juteresse erlassen worden, sondern mindestens ebensosehr auf Kräfti- 
gung der landesfürstlichen Gewalt berechnet, allein immer wird man den Verlust 
so vieler charakterfester Familien beklagen müssen, denen die reberzeugung 
höher stand, als ihr materielles Wol. Die Bilanz der Gegenreformation in Oester- 
reich ist noch nicht aufgestellt worden, so wünschenswert eine eingehende Unter- 
suchung des Gegenstandes auch wäre, um die Folgen dieser Massregel für das 
gesammte geistige Leben, für unsere staatlichen, ökonomischen, gesellschaft- 
lichen . . . Verhältnisse unbefangen auf Gewinn und Verlust prüfen zu können. 
Einen traurigen Beitrag zur Lösung dieser Frage liefert unsere Liste von 
26 Exulanten. ') wenn man bedenkt, wie viel Wissen und Tüchtigkeit mit diesen 
Personen aus der Heimath in fremde Dienste getrieben wurde. Wir finden unter 
denselben Namen, welche bei den Zeitgenossen guten Klang hatten: Die Brüder 
Wolf Niclas und Jacob Grünthaler galten als gelehrte Leute, und Jacob brachte 
es im kursächsischen Dienste zum Hofkriegsruth, Generalkommissarius und Land- 
hofmeister der Grafschaft Mannsfeld. Johann Wilhelm von Greisseu besass aus- 
gebreitete Kenntnisse in der Geschichte und Diplomatik, dem Regimentsrath 
Maximilian von Hoe, rühmt ein geheimes Gutachten des n. ö. Statthalters an 
K. Ferdinand III. nach, dass er zwar lutherisch, aber gelehrt, wol erfahren, gar 
aufrecht fleissig und einer Gnad wol würdig sei, ein Lob das umso höher anzu- 
schlagen ist, als das Urteil über mehrere seiner Amtscollegen geradezu ver- 
nichtend lautete, 2 ) demungeaehtet starb auch Hoe im Exil. Mathias Wolzogen, 
den wir schon oben als Mitglied der fruchtbringenden Gesellschaft kennen gelernt 
haben, wurde des Grafen Anton Günther von Oldenburg geheimer Rath, Landdrost 
und Rathspräsident, Georg Ehrenreich von Rogendorf, kursächsischer Geheiin- 
rath und Gesandter am kaiserlichen Hofe zu Wien. In schwedische Dienste traten 
alsObriste, Maximilian Teufel, (fiel 1G31 bei Breitenfeld) und Melchior Wurmbraudt, 
der Erfinder der vielberufenen ledernen Kanonen, Besitzer der Herrschaft Juleta 
in Schweden und von Blomberg und Ottobeuern in Schwaben, in Braunschweigische 
ebenso Hans Georg von Kollonitsch. An den Hof des Herzogs von Liegnitz flüchtete 
Johann Bernhard von Hofkirchen, an den markgräflich brandenburgischen, Georg 
Sigismund Stängl von Waldenfels, und Johann Paul von Wolzogen der spätere 
geh. Rath und Landeshauptmann zu Culmbach. 

•> Exulanten: Nr. 32, 116, 1.18. 149. 151, 155. 178. 187. 206, 214. [?5<>j, 260, 2» 5, 267, 300. 
306, 332, 359. 532, 598, Ol». 677, 707, 709, 719. 72<>. 725. Geächtet wurden 1620: 2f»0. ttil, 29» v 
303, 305, 358, 359, 404, 501, 601, 606, 720, 725. 

a ) Schon Joh. von Kollonitsch Nr. 331 kum in demselben nicht gut weg, .hat sondern 
nicht studirt, nicht gar emsig in seinein Dienst, begehrt Kegen Bezalung seiner Ausstand sein» 
Bntluasung". Das Gutachten vom 6. Mar/. 1637 bei Wiedemann, Gesch. d. Gegenreformation 
I. CÜ2 ff. 



265 

Genug; der Aufzählungen, ich glanbe, dieselben erweisen, so lückenhaft die 
bisher beigebrachten Daten auch sind, wie einflußreich in jener Zeit der Besuch 
auswärtiger Universitäten für das rasche Fortkommen des jungen Mannes war. 
Wer sich auf einen Aufenthalt in Padua, Bologna, Siena . . . berufen konnte, der 
hatte die Vennuthung für sich, dass er die Befähigung für die wichtigsten Auf- 
gaben im Staate erworben habe. Was dabei überraschen kann, ist weniger die 
Thatsache. dass bei Besetzung solcher Stellen „studierte Leute" bevorzugt wurden, 
obwol sich darin der grosse Umschwung zeigt, welcher durch die Ausbildung 
der Bureaukratie in der Gesellschaft eintrat als vielmehr der Grad der Zer- 
setzung mittelalterlicher Verhältnisse. Die Prärogative des trotzigen Landadels, 
der geborene Berather des Hegenten zu sein, war gebrochen, seitdem auch diese 
Familien ihre Söhne an die Universitäten schicken mussten, um den Wettbewerb 
mit fähigen Köpfen aus dem Bürgerstande au fn einen zu können. Schon fühlen 
die Stände die Notwendigkeit, ihre Behörden nach dem Muster des Staates 
rechtskundigen Personen anzuvertrauen, und selbst die Städte beginnen zögernd, 
das gegebene Beispiel nachzuahmen. So waren denn in Oesterreich die rechts- 
gelehrten Beamten überraschend schnell von den höchsten Aemteru aus auch 
nach den geringeren und untergeordneten Posten vorgedrungen und hatten nicht 
nur im Dienste des Staates, sondern auch in der autonomen Verwaltung der 
Stände und Städte festen Fuss gefasst. 

Mit dem Nachweise dieses Zustandes sind aber ebensoviele Kanäle auf- 
gedeckt, durch welche das römische Hecht Eingang in unsere Verhältnisse fand. 
Es hätte uns wol ganz überfluthet und das heimische Hecht völlig vernichtet, 
wenn diesem nicht wahre Freunde aus den Reihen der Juristen selbst zu Hilfe 
gekommen wären, allen übrigen voran unser Bernhard Walther, welcher sein 
reiches, auf den Universitäten zu Pavia und Bologna erworbenes Wissen in den 
berühmten „goldenen Traetaten" zum Schutze altösterreiehischen Gewohnheits- 
rechts liebevoll verwendete. 



Anhang I. 

Ueber die mittlere Lebensdauer im XVI./XVII. Jahrhundert. 

Bei den Nachforschungen über die Lebensschicksale der oben angeführten 
Personen gewann ich auch Daten, welche mir zur Aufklärung gewisser biolo- 
gischer Probleme geeignet erschienen. Ich hielt es jedoch für zweckmässiger, 
dieselben abgesondert als Excirs und mehr andeutend als erschöpfend zu be- 
handeln, da sie mit dem Zweck meiner Abhandlung keinen innern Zusammen- 
hang haben. 

Die erste Waiirnemung. welche ich machte, bezieht sieh auf die mittlere 
Lebensdauer der Familie. Wurzbachs „Biographisches Lexikon des Kaisertums 
Oesterreich 1 * enthält im wesentlichen ..Lebensskiz/eu der denkwürdigen Personen, 
welche von 1750- l*öo im Kaiserstaate und seinen Kronländern gelebt haben", 
greift aber bisweilen, zumal in den neueren Bünden, viel weiter zurück. Es 
konnte darum nicht überraschen, dass die biographische Ausbeute bezüglich der 
Oesterreicher meines Verzeichnisses sehr gering war, weil dies mit wenig Aus- 
namen nur Personen umfasst, welche vor dem Jahre 1650 gestorben sind. Desto 



266 

auffälliger war es zu sehen, dass bei Wurzbach meistens sogar die Namen der 
gesuchten Familien fehlten, l ) denn dies schien darauf hinzudeuten, dass in Oester- 
reich nur mehr ein kleiner Teil jener adeligen und bürgerliehen Familien fort- 
existiere, aus welchen die erwähnten Studenten im XVI./XVII. Jahrhundert hervor- 
gegangen waren. Mit andern Worten: Da wir die einzelnen Geschlechter als die 
Elemente betrachten müssen, aus welchen sich die Gesellschaft jeweilig zu- 
sammensetzt, so erwächst aus der genannten Beobachtung die Vermutung, 
dass Adel und Bürgerstand in Oesterreieh in der Zeit von 1650 (spätestens) bis 
1750 einen durchgreifenden Wechsel ihrer Grundbestandteile erfahren haben. 
In bestem Einklang mit dieser Anname. stehen die Ergebnisse, zu welchen ich 
schon früher einmal durch Stichproben in den Steuerregistern der Stadt Laibach 
gelaugt bin ,J ) und ebenso die Thatsache, dass von den 124 Geschlechtern, deren 
Angehörige sich an italienischen Universitäten als Wiener einzeichneten, heute 
nur noch die Hälfte dem Namen nach in der Reichshauptstadt fortlebt. Dabei 
liegt es auf der Hand, dass zwischen den Adler, Albert, Blau, Eder. Friedrich, 
Haubtmann, Hirsch. Hoffer. Hoffmann, Lackner, Pfeiffer, Prunner, Scholz, Schwarz, 
Stettner, \\ eiss u. s. w. des Lehinannisehen Adressenbuchs von 1**2 und den 
gleichnamigen Familien des XVI./XVII. Jahrhunderts nur selten ein verwandt- 
schaftlicher Zusammenhang zu erweisen, ja oft nicht einmal zu vermuthen sein wird. 

Diesen Maugel an Bodenständigkeit erklären nur zum Teile die Ausweisungs- 
dekrete K. Ferdinands II.. von welcher wir schon oben gesprochen haben, fast 
ebensoviel dürfte auf Rechnung des Aussterbens von Familien zu setzen sein. 
Zum Beweise dessen diene die Thatsache, dass von den (etwa 200) adeligen 
Häusern unseres Verzeichnisses ein Zehntel schon mit jenen Personen erlosch, 
welche wir als Studenten in Italien kennen gelernt haben. 8 ) Sieht man ferner 
von dem jetzigen Aufenthaltsorte ganz ab, auf welchen die Gegenreformation 
allerdings entscheidenden Einffuss nam, so wird mau demungeachtet in Deutsch- 
land und Oesterreieh zusammengenommen, nicht einmal die Hälfte der oberwähuten 
Adelsgeschlechter noch als blühend nachweisen können. 4 ) 



'; Vüd 331 Familien unseres Verzeichnisses tA— Thüi enthält Wurzhuch kuum eiu Viertel 
gleichen Klange«, die Identität der Familien ist nur vorhanden bei : Althan, llerchtold. Clamin, 
Diener, Gatterburg, Hackelherg, Hardeck, Harrach. Heis^enstein, Hoheneck, Hohenfeld, Hovos, 
Jftrger. Kielmansegg, Knllonitscb, Kretnmer, Kuefstein, Kuenburg, Liechtenstein, Neuhaus, Pol- 
heim. Rosendorf, Kottal. Sneau, Sinzeudorf, Sprinzenstein, StahrrnSerg. Thflrheim, be: den übrigen 
aber selten zu präsumieren. 

2 ) Ueber Orts- und Personennamen in Krain, Laibach 1870, auch in den Mitteilungen der 
Wiener anthropologischen Gesellschaft, band X, S. 56 ff. 

*) Nämlich Nr. 21. 3«. 64, 98, 99. 10*. 181. 226, 32\ 313, 362. 106. 43.i, 526, .Mit?, 587, 
67'.), GH8. Andere beschlossen die <~>t»terreichischen Linien ihres lieM'hlechte« /.. B. 102. 

*) Das Stammbuch de.* blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland zählt folgende 
unserer Familien als noch nicht erloschen auf: Nr. 6, :t7, 46, CO. (58. 70, mj, KM. UU, 126, n2, 
141. 113, 144, 153, 163, 171. 195, 197, 1^9, 211, 219. 232. 242. 24*». 261. 163, 271, 2S4, 289. 291. 
316, 325, 330. 337, 344, 317. 3K3. 368, 375, 884, 400, 401, 410. 429, 450. 454. 461, 46.'. 465, 487, 
490, 506, 528, 542, 548. 551, 5«<i, 579, 585. 596, 601, «21, 624, 627, 6. '8, .633, «39, 663. 669, 67-'». 
684, «07, 699, 703, 707, 717, 722, 7*29. 

Als ausgestorben : 5, 18, 32, 34, 44, 64, 81. 88, 96. 99, 101, 112. 111. 121, 128. 135, 115, 
164, 168. 170. 173, 18?. 187, 196, 200, 208. 226. 229, 2;K 217, 26. \ 277. 299, 311. 317, 318, 319. 
323. 343. 349. 35.. 362. 365, 377, 380. 387, 403, 406. 420, 422, 128, 435. 431, 4.>2, 458. 4S5. 497, 
518, 519, 526, 533, 536, 546, 565, 586. 587, 588, 539, 59*, 626, 637, 647. 6*>5. «Tl. 67S, 68S, 690, 
€91. 705. 733, 742. 



207 

Ob sich die Verhältnisse bei den bürgerlichen Familien, was deren Lehens- 
dauer anbelangt, wesentlich günstiger gestaltet haben, dies zu beurteilen fehlen 
mir leider alle Anhaltspunkte. 

Gleich interessant wie das soeben behandelte Thema ist die Untersuchung, 
ob das Leben des Individuums seit dem XVI./XVI1. Jahrhundert im Durchschnitte 
länger oder kürzer geworden sei. Die Materialien, welche mir diesfalls unter- 
kamen, gestatten jedoch nur eine indirekte Beantwortung der Frage, da sie weder 
auf die Gesammtheit der Bewohner eines Ortes, noch der Mitglieder eines Standes 
oder gewisser Familien sich erstrecken. Sie bestehen vielmehr iu den Lebensdaten 
von 141 Personen, welche zwar sämmtlich den bestbegünstigten Schichten der 
Geseilschaft, dem titulierten und einfachen Landesadel, sowie wolhabenden Bürger- 
familien angehörten, aber untereinander keineswegs Zeitgenossen im engeren Sinne 
waren. Ich musste mich darum auf die Erörterung der mittleren Lebensdauer 
beschränken. 

Mit diesem Ausdruck bezeichnet man jene Anzahl Jahre, welche ein Mensch 
von bestimmten Alter erreichen würde, wenn alle gleichzeitig lebenden Individuen 
desselben Jahrgangs gleich alt werden würden. Die mittlere Lebensdauer setzt 
sich demnach aus zwei Bestandteilen zusammen: aus dem bekannten Alter, 
welches der Mensch bereits erreichte, und aus den unbekannten Jahren, welche 
er noch zu leben hat, der Lebenserwartung. Diese ist je nach dem Alter des 
Individuums verschieden, wird auch durch dessen Körperbeschaffenheit, Lebens- 
verhältnisse u. s. w. beeinflusst, bildet aber demungeachtet das Objekt eines 
häufigen Versicherungsvertrages, indem die Prämie auf Grund erfahrungsgemäss 
zusammengestellter Sterblichkeitstafeln berechnet wird. 

Auf Mortalitätstabellen, welche derzeit bei österreichischen Versicherungs- 
gesellschaften im Gebrauch sind, stützt sich auch mein Versuch, die mittlere 
Lebensdauer während des XVI./XVII. Jahrhunderts zu bestimmen. Freilich ist 
der Weg, den ich einschlagen musste. primitiver Art. Bei den oberwähnten 
141 Personen sind mir als gemeinsame Momente bekannt: 1. Die Lebensjahre, 
welche sie überhaupt erreichten (-4). 2. Das Alter, in welchem sie zur Zeit ihres 
Kintrujrs in das Album einer italienischen l'niversität standen (a). Wenn ich 
mich nun auf (\t^i\ Standpunkt einer Versicherungsgesellschaft stelle, so erhalte 
ich die mittlere Lebensdauer (L), welche mau heutzutage diesen Personen zu- 
schreiben würde, sobald ich zu der gegebenen Grösse a die Lebenserwartung (/) 
aus einer oder mehreren Sterblichkeitstabellen hinzuaddiere. Vergleiche ich nun 
L mit .4, so kann ich zum mindesten ersehen, wie sich die präsumierte mittlere 
Lebensdauer von heute {— a + /) zu dem von jenen Personen im XVI./XVII. 
Jahrhundert wirklich erlebten Alter verhält. In diesem Sinne sei das Resultat 
meiner rntersuchung als Anregung für Andere zu weiteren Nachforschungen 
mitgeteilt. So wenig eine Durchschnittszahl bedeutet, welche nur aus ein paar 
Posten abgeleitet wurde, umso mehr gewinnt sie nach dem Gesetz der grossen 
Zahlen an Bedeutung, wenn sich die Menge der Beobachtungen vermehrt. 

In der nachstehenden Tabelle verwerte ich nun in kurzer Uebersicht das 
Material, welches ich schon weiter oben, bei Besprechung des Lebensalters der 
Studenten beigebracht habe. Die erste Reihe bezeichnet das Lebensalter zur Zeit 
der Inskription (ci), die zweite die Anzahl der Posten, die dritte die Summe der 
wirklich erreichten Lebensjahre (A). Die drei folgenden Rubriken geben die 
Summe der mittleren Lebensdauer [L) in der Art, dass a -(- / nach den Ansätzen 



268 

dreier verschiedener Mortalitütstabelleu mit der Anzahl der beobachteten Posten 
multipliziert wurde. I entspricht hier den Ansätzen der verbesserten Süssmileh- 
Baumanschen Tafel. Dieselben im Grunde auf Beobachtungen des vorigen Jahr- 
hunderts fassend, werden heutzutage als ungünstig angesehen und nemcn überdies 
auf die bessern Lebensverhältnisse jener Bevölkerungsschichte keine Rücksicht, 
welcher die Studenten durchwegs angehört haben, wol aber ist solches bei II, 
und ITI der Fall. II ist die sog. Tafel der 17 englischen Gesellschaften, III die 
Carlisle'sche. 

Alter zur Zeit Anzahl Sainu.e der «„».« Ä j„ i.u^ a~- i .i....»..^... 

der der wirklich erreichten Sttmme der Jtthre dor 1^«"** Wartung 

Iunnatriculierung Posten Lebensjithre I. II. III. 

11 Jahre 2 121 10466 117-36 11808 



12 „ 2 133 10530 118-02 118-54 

13 „ 3 167 15888 17799 17853 

14 „ 6 321 31956 357 84 358-51) 

15 „ 11 433 589 16 659 56 66000 

16 „ 10 472 53860 60270 60270 

17 „ 13 601 70408 78754 78741 

18 „ 14 749 76244 85232 85218 

19 „ 14 776 766 50 R56 66 856 38 

20 „ 16 923 880-48 98384 «83-36 

21 „ 12 562 664 68 74148 74100 

22 „ 12 684 66888 74508 74448 

23 „ 9 438 504-81 56151 56079 

24 ., 3 189 16932 18804 18777 

25 „ 7 406 39746 44086 44002 

26 „ 1 70 5712 6327 63-14 

27 n 1 36 57-45 (53-50 63 41 
30 „ 1 57 58 57 64 43 6434 
32 „ 1 55 59 35 6501 65 03 
42 ., 2 88 126 96 13568 136-68 
51 1 55 67 46 70 50 7139 



Summe 141 7336 7761 72 865325 865373 

Die Schlüsse, welche ich nun aus dieser Zusammenstellung ableite, sind 
folgende : 

1. Die 141 Personen, deren Namen oben mitgeteilt wurden, haben insge- 
samuit 7336 Jahre erlebt, oder durchschnittlich ein Alter von 52 Jahren (5202) 
erreicht. 

2. Die mittlere Lebensdauer auf das Jahr der Inscription zurückbezogen 
würde heute betragen: 

a) nach der Süssmilch-Bauniannischen Tafel 

776l*7 c > 

i-/7 " : &ö'33 Jahre; 
141 

b) nach der Tabelle der 17 englischen Gesellschaften bei Berücksichtigung 
der socialen Verhältnisse dieser Personen 

8653 25 -,«,,. 

- =-6137 Jahre; 



269 

c) nach der Carlisle'schen Tafel unter der gleichen Voraussetzung nur um 
einen Tag mehr, nämlich 

865373 111 »>7A T i 

- ., r . — = 61374 Jahre. 
141 

3. Die Summe der wirklich erlebten Jahre ist gegenüber den drei andern 
in sofern e gewiss zu klein angesetzt, als sie die Bruchteile des letzten Lebens- 
jahrs nicht enthält. Allein selbst dann, wenn man der Korrektur wegen dies 
eine Jahr überall voll zugeben wollte, würde demungeachtet die durchschnittliche 
Lebensdauer von 53 Jahren hinter der Süssmilch-Baumannischen Tabelle um 
zwei ganze Jahre zurückbleiben. Gegenüber den Tabellen II und III würde sich 
sogar ein Abgang von 8 ! / 3 Jahren herausstellen. 

4. Eine weitere Korrektur dieser Ziffern etwa durch Eliminicrung aller 
Posten von Personen, welche gewaltsam oder auffallend früh starben, wurde 
unterlassen, weil auch die zur Vergleichung dienenden Mortalitätstabellen ohne 
eine solche Ausscheidung aus den gesammten Sterblichkeitsverhältnissen der 
Menschen eines Jahrgangs abgeleitet werden. Die vielen Fälle gewaltsamen Todes 
im Kriege, im Zweikampf, durch Meuchelmord und andere Ereignisse (Nr. 70, 
144, 153, 154, 159, 174, 216, 297, 308, 362, 424, 430, 473, 478, 631, 649, 651, 
745) sind einmal, gleich den häufigen Seuchen, mit den Lebensverhältnissen im 
XVI./XVII. Jahrhundert untrennbar verknüpft. Nimmt man endlich auch noch jene 
in der Liste der 141 Posten noch nicht berücksichtigten Fälle hinzu, in welchen 
mir zwar ein früher Tod der betreffenden Person, nicht aber deren genaues Lebens- 
alter bekannt geworden ist (Nr. 18, 51, 100, 180, 264, 302, 304, 339, 420, 448, 
452, 459, 693, 702, 738, 743, 744 .. . .), so gelangt man zu dem Schlüsse, dass 
die dem menschlichen Leben feindlichen Einflüsse in ihrer Gesammtwirkung vom 
XVI./XVII. Jahrhundert her eine Abschwächung erfahren haben. 

5. Durch neue und wiederholte Beobachtungen wird es sich zeigen, wie- 
weit die von mir aufgefundene Ziffer des Abgangs an der mittleren Lebenser- 
wartung der Wirklichkeit nahe gekommen ist. Es ist jedoch die Grösse dieses 
Unterschieds so bedeutend, dass wir auch bei Auname einer sehr weiten Fehler- 
grenze mindestens zur Vermutung berechtigt sind, dass die mittlere Lebensdauer 
in Oesterreich ob und unter der Enns vom XVI./XVII. Jahrhundert herwärts ent- 
schieden sich vergrüssert haben inuss. 



Anhang IL 

Ucbersicht der Studierenden nach den Geburtsorten. 

Dem Namen folgt das Jahr der Inscription und die Nummer des Ver- 
zeichnisses. Die Namen jener Wiener Familien, welche dem Klange uach noch 
im Lehmannischen Wohnungs-Anzeiger vom Jahre 1882 vorkommen, wurden 
durchschossen gedruckt. Das beigesetzte Sternchen bezeichnet überdies, dass die 
Identität der Familie nachgewiesen ist. 

Oberösterreich. 

Unbestimmt. 
Henisch Joh. Georg ex Austria superiori 1625 (233). 



270 

Brau n an. 
Höflinger Seb. 1546 (245). 

Efferding. 
Hasner Gottfr. 1605 (223). 

Enns. 

Ursinus Joh. 1582 (681 j ; Winter Mich. 1555 (714). 

Freistaat. 

Schönfelder Stef. 1622 (559); Stör Joh. 1613 (622). 

Gmundcü. 
Seeauer Paul 1581 (579). 

Harne 8 öd. 
Schmatzer Ambros 1593 (553). 

Ha s lach. 

Castner Gabriel 1554; Jodok 1557; Zacharias 1574 (64—66). 

Ischl. 
Seeauer Wolfg. 1616; Ehrnreich 1617 (580/1). 

Kremsmünster. 
Auer Mag. Joh. 1557 (22). 

L ein b ach, welches? 

Parstorferus Thomas, Leopagita 1599 (440) ; Schenpüchler Kilian ex Oberleompago 
Austriae 1551,4 (549). 

L i n z. 

Gumbclzheimer Georg 1620 (196); Khügler Raphael 1611 (315); Wildtperger 
Georg 1570 (713). 

Losdorf. 
Herzog Martin 1589 (236). 

Rohrbach. 
Praun Joan. 1591 (489). 

Schärdin^. 
Orttner Joh. Georg 1636 (434). 

Stadt Steyer. 

Engel Steph. 1582 (101); Grueber Wolfg. 1603 (183); Händl Wolf 1583 (200, 
vgl. auch 201/6); Kölnpeck Joh. 1546 (323. vgl. auch 324); Mattseder Christo. 
Jac. 1590 (405); Ortner Wolfg. 1579 (433); Stainpacher Peter 1590 (600); 
Stettner Barth. 1576 (616, vgl. auch 617 619); Urkauff Achaz 1595 (676, 
vgl. 677); Zenchler Christo. 1589 (741). 

V ö c k 1 a b r u c k. 
Eques Adam 1592 (108): Scheinwein Christo. 1592 (547). 

Wald, welches? 
Steuer Georg 1582 (620). 

Wels. 
Huebiner Michael 1604 (275); Schorer Rupert 1641 (564). 



271 

Niederösterreich. 

Baden. 

Crelius Friedr. 1610 (79); Heck Joh. Jac. 1620 (228); Mors Zacharias 1570 (415); 
Tanpek Steph. 1590 (645). 

Brück a. d. L. 
Pfister Pancratius 1609 (456). 

Brunn am Gebirge. 
Palfinger Mag. Christo. 1583 (441). 

E m in e r s d o r f . 
Tanner Georg 1552 (644). 

Gumpoldskirchen. 
Kämer Christo. 1568 (310). 

H o c h e n a u. 
Wasner Joh. Bernh. 1615 (698). 

Klosterneuburg. 

Liebhart Alex. 1548 (374); Paumbsehaber Mag. Joh. 1621 (444); Schwärm Adam 
1597 (574). 

Korneu bürg. 
Engelmaier Steph. 1564 (102). 

Krems. 

Büchler Heliseus 1548 (62); Huetstocker Wolfg. 1585 (280); Ortner Martin 1567 
(432); Präntl Zacharias 1596 (484); Schwarzpekh Georg 1568 (577). 

L a n g e n 1 o i s. 
Vincker Andreas 1619 (685). 

Melk. 
Kölner Stephan 1578 (322). 

Neustadt (Wiener-). 

Bierleutgeb Daniel 1590 (38); Praitenaicher Marcus 1575; Wolfg. 1604 (487 ; 8): 
Schwarzenthaler Joh. Ba. 1565 (576); Vischer Joh. 1579 (686): Woller 
Wolfg. jan. 1583 (715). 

Retz. 

Hermann us Maternus 1615 (235); Hofmann Georg 1596 (253); Heisolt Lucas 
1593 (524). 

Sanct-Pölten. 

Lechner Hyppolit 1580 (364): Lufftenegger Max. 1598 (396): Sehwanser Wolfg. 
1571 (573). 

Sicrning. 
Kölbl Johann 1578 (321). 

Stadt Stein. 
Stadius Mag. Georg 1580 (597). 

Tuln. 
Fuzshig Joh. Ba. 1595 (140). 

Waidhofen a. d. Ips. 
Glierer Joh. 1583 (169). 



272 

Waidhofe n a. d. Thaya. 
Schneeweis Joh. Ludw. 1621 (557). 

W e 1 z e 1 s d o r f. 
Hagen Leonhard 1573 (207). 

Wien. 

Acinger Paul 1446 (1); Adler Georg 1587 (2): Aigmair 1549 (3); Albertus 
Joh. 1557 (4). — Barioni Hieron. 1664 (31); Bayr Elias 1599 (32); 
*Berchtold Nicol. 1602 (37); Blau Paul 1582. Sebastian 1591 (40/1); 
Böringer Joh. Georg 1580 (42); Brassicanus Joh. Ambros 1563, Joh. 
Philipp 1563(44/5); *Breuner Joh. Phil. 1609 (57); Büttnerus Sigism. 
Jae. 1602 (63). - Dillherr Ferd. 1602 (81). - Eder Bernard 1580 (82); 
Max Edems(V) 158c (83); Egen Seb. 1593 (84); Eham Michael 1569, 
Raimund 1608 (85/6); Ehn Georg 1554 (87): Eiselcr Sigismund 1555, Joh 
Ba. 1581, Tobias 1595 (88, 90/1, vgl. auch 89, 92/4): Engeiniair Steph 
1594 (103): Enzianer Christo. 1580 (106): Episcopus Jim. 1552 (107). — 
Fatzi Wolfg. Ernst 1588 (112): Filbert 1558 (119); Fr i der ich Michael 
1602 (127): Füringer Joh. Christo. 1570 (133): Füssk Joh. 1567 (134); 
Fürth Joh. 1589, Thomas 1613 (135, 139, vgl. 136-138). — *6attcr- 
mayrJoh. Ba. 15S3 (144): Gurttner Paul 1584. Georg jun. 1617 (197/8). 
— Harb ülr. 1566 (210); Hau bt mann Steph. 1548 (i>24): Hein Joann. 
1547 (231); Hentaller Wolfg. 1604 (234): Hirneys August 1721 (239): 
Hirsch Joh. 1567 (241): Hoe Ferd. 1588 (243): Hoffer Henr. 1604(246): 
Huer Henr. 1589 (276): Hussel Hieremias 1559 (283): Hutstocker Christo. 
1549, Joh. 1552. Jacob 1558 (277/79). — Igelshofer Lconh. 1574 (288). — 
Judex Joh. G. 1640 (309). — Kirchamor Laur. 1546 (317); Koel Wolfg. 
1565 (3-20), Kollonitseh Ferd. 1546 (330): Kozer Joh. Theodor. 1594 (3&5) : 
Kremer Wolfg. und Georg 1552, Michael und Mathias Uriel 1563. Joh. Panl 
1572 (337/8, 340, 342, vgl. auch 339): Kren von Krenberg l.'lr. 1580 (343). — 
Lackner Franz lf>63 und 158*, Paul 1585 (351/3); Landsidel Phil. 
1560(361); Leutnor Mag. Joa. 1598 (367): Lingl Joh. 1554 (376): 
Linsmayr Joh. 1564 (377): Listy zu Kittsee Joh. jun. 1571 (380). — 
Mackhl Jacob 1563 (397); Maiflinger Nie. 1602 (398); Marchstaller 
Christo. 1589 (402) : Moser Johann 1563, Christian 1617 (416/7); Müt- 
kreych Georg 1554 (418). - Oedt Job Beruh, v. 1603 (430); Oster- 
mair Paulus 1593 (435, vgl. auch 43»i/7). — Pacheleb Carl 1562 (438); 
Pauckher Tobias und Daniel 1582 (442/3): Paur Daniel 1(524 (446); 
Peer de Stettenborg 1573 (447): Perkmaiin Dionys 1610 (451); Pertl 
Mathias 1571 (453); Pfeiffer 1625 (455); Piripaohius Tobias 1598 (457): 
Pirkhaimer Christoph 1573 (458): Pölsterl Georg 1589 (461); Prunner 
Joh. 1554. Joh. Christo, und Tobias 158«) (493/5); Puckeram Joh. Ba. 1579 
(505): Püdler Wolfg. 1549, Michael 158«», Mathias 1583, Joseph 1599 (507/10): 
P n sc hm an n Max 1584 (513). — Querlich Wolfg. 1549 (515). — Rainung 
Sigism. 1495 (518): Heichard Joh. 1589 (521); Keichel 1570 (522); 
Rtiinachcr Leopold 1547 (523): Henner Nicolaus 1568 (525): Pexius 
Joh. Ba. 1588 (527): Jtuef Thomas 1595 (536). — Schänkerl Val. 1605 
(538); Schallautzer Carl und Ferd. 1560, Max 1561 (539/41); Schaplweiu 
Lor. 1611 (544); Sehe npüch ler Carl 1578 (550); Schonewitz Paul 1589 



273 

• 

(558); Scholz Jacob 1595 (562); Sehrötel von Schrottenstein Georg 1583, 
Simon 1594 (565/6); Schrott er Georg Achaz 1603 (567); Schneller 
Matthias 1604 (568); Schütter Caspar 1600 (569); Schwab Georg 1577, 
Tobias 1595, Joh. 1597 (570/2); Schwarz Sebastian 1554 (575); Schweiber- 
maier 1550 (578) ; Seiberlich Mart. 1551 (584) ; S p i n d 1 e r Joach. 1621 (595) ; 
Edelmann, genannt Stainstrasser, Seb. 1561 (612)- Stamp Simon 1576 (613); 
Stettner Samuel 1589, Jeremias 1590 (617/8); Straub Reym. 1568(624); 
Stredele Caspar 1604 (627); Stubenvoll Wolfg. jun. 1589, Urban 1599, 
Michael 1602 (633/5); Stuff Mathäus 1578 (641). — Theo hei Willi. 15% 
(657); Tötsch Joh. Elias 1590 (660); Trapp Joh. 1497 (662). - Ueber- 
niann Adam 1568 (674). — Vanderster Fcrd. 1571 (682); Vienna. Fridericus 
de 1302(683). — Wagner Nicol. 1570(691); Waldsperger Joh. 1551(693); 
Walther S. 1579, Daniel 1608 (695/6): Wech Christo. 1548 (702); 
Weidner a Billerburg Georg 1592(703); Weiss Reim. 1585(704); Werner 
Seb. 1580 (710); Widmer Clemens 1609, Joh. 1610 (711/12); Wolzogen 
Mich. 1573 (716). — Zaudekher Joh. Ba. 1570 (727); Zannger Franz 1583 
(728); Zehentner Andreas 1567 (729); Zeillinger Wolfg. 1580 (732). 



Beiträge zur niederösterreichischen Rechts- und Verwaltungs- 
geschichte. 

Von Gustav Winter. 

V. 
Zur Geschichte der Forstverwaltung. 

Die vier Documente zur Verwaltungsgeschichte des Wiener Waldes, welche 
hier zur Veröffentlichung gelangen, sind bald nach der Mitte des XVI. Jahr- 
hunderts in ein Folioheft von 14 Papierblättern abschriftlich eingetragen worden, 
welches heute im Archive des k. und k. Reichsfinanzministeriums (Niederösterr. 
Herrschaftsacten Fase. W. 51) aufbewahrt wird. Diese Abschrift bietet, so weit 
ich sehe, die einzige Ueberlieferung jener Documente. Die Originale scheinen 
verloren; auch den Registraturbüchern der Hofkammer, den sogenannten „Gedenk- 
büchern" — deren ältere Reihe freilich längst nicht mehr vollständig ist - 
sind sie nicht einverleibt worden. Bei der stellenweise recht verderbten Gestalt 
der Ueberlieferung gereichte dieser Mangel dem Herausgeber zu nicht geringem 
Bedauern. 

Der Inhalt des Heftes besteht ausser den hier gedruckten Urkunden nur 
noch aus folgenden Aufzeichnungen: 

Bl. 2 b -3* Die grüben so in das ambt Dornpach, doch kainem forster 
sonder dem waldmaister zuegehören. Am Schlüsse: Daß soll der Englmair 
vorster zu Dompach verlassen von ambts wegen und den dienst dem wald- 
maister Uetz Oclxssen geben. Actum im aintausent fünfhundert und in dem 
fünften jar. Daneben am Rande von jüngerer Hand : Gehort in des vorstmaister 
ambt und darumb solhes dem w alt inaist er abzustellen. 



274 

Bl. 3* Vermerkt die graben so cor malen albeg ain vorster zu Dorn- 
pach verlihen hat und nun der brobst und convent zun Closterneunburg, dem 
gotshauß zu aigen. (9 genannte Gräben.) 

Bl. 3 l, -4 a Vermerkt die march des gotßhauß Clossterneunburg höher. 
(1(5 Marken.) 

Bl. 4» Die graben des wildpann so in des gottshaus hölzer seint. 
(lti genannte Gräben.) Am Schlüsse: Nota. Auf Andreen von Teuffenpach 
suplication, Georgen Freisleben (seit 1552 Waldmeister) und anderer darüber 
gethonen bericht belangt die robat geen Burkhersdorff ist den vierten tag 
Febrnarii anno etc. im fünf und funfzigisten beratschlagt worden, das die zu 
Burgkersdorf, Gäblitz und Lab welche aigen züg haben sechs tag, und icehhe 
nicht aigen züg haben soril tag von hand robat ten sollen, ist im ersten tail 
des expeditpuech folio sibenundneunzig bei der niderösterreichischen camer- 
canzlei eingeschribne ze finden. 

Bl. 9 b ~ 13 b Instruction König Ferdinands für den Forstmeister Wolfgang 
Kalenberger ddo. 1528 März 14. Wien. 1 ) Der Abdruck dieses Stückes unterbleibt 
hier, weil Direktor J. Newald dasselbe aus besserer Vorlage demnächst in der 
.Jagdzeitung" mitteilen wird. 

Gleich bei den Eingangszeilen des ersten Stückes (A\ welche das Datum 
desselben enthalten, bereitet die Fehlerhaftigkeit unserer Abschrift Schwierig- 
keiten. Der König Albrecht der l'eherlieferung passt nicht zum Jahre 1403: 
die kurze Zeit des XV. Jahrhunderts, in der ein Albrecht König war. lässt sich 
nicht ohne Gewaltsamkeit in die vorliegende Jahresangabe hineinemendieren. Zu 
dem Jahre 1403 stimmt auch nicht der in Art. 1 genannte Forstmeister: denn 
dieses Amt bekleidete damals Johann von Dietrichstock, welcher schon 1376 als 
Forstmeister genannt wird (Lichnowsky 4 Reg. nr. 1267) und erst zwischen 
dem 17. Juni und 1. September 1405 als Forstmeister gestorben ist (Urk. der 
Pfarrkirche zu Eggenburg, abschriftlich in S mit in er s Cod. dipl. Austr. inf.. 
Cod. 99 des k. und k. II.-. IL- und Staatsakt, zu Wien, Bd. 3 Bl. 27» nr. 63, 
und Urk. d. fürslerzbisehöti. Areh. zu Wien, ebd. Bd. 7 Bl. 143* nr. 109). Da- 
durch wird die Eincndation herzog statt kunig ausgeschlossen. 

Die Jahreszahl in 1503 zu bessern, könnte die Notiz Wissgrills 4. 
491 verleiten: „Wolfgang Inpruckcr, K. Max J. Obrister . . . . ist 1510 ge- 
storben . . . .". Aber abgesehen davon, dass diese Stelle ohne alle quellenmässige 
Beglaubigung geblieben und jener Wolfgang Inprucker sonst nicht nachweisbar 
ist: dass. wäre dies selbst der Fall, die Vereinigung der Christen- mit der Forst- 
meisterstelle in einer Person nicht gut denkbar ist: dass der Schreibfehler Albrecht 
statt Maximilian ein auch in sehr fehlerhafter Abschrift kaum erklärlicher wäre 
— ist auch das Jahr 1503 schon mit seinem urkundensicheren Forstmeister ver- 
sorgt. Laut des Stückes D Art. 1 führte diesen Titel seit 1500 der frühere Jäger- 
meister Ulrich Ochs, und er behielt ihn bis zum April 1505, zu welcher Zeit er 
ihn auf Befehl des Königs au Wolfgang Kalenbcrgcr abtrat, während er selbst 
den Titel eines Waldmeisters empfieng (k. und k. Iteichstinanzarehiv, Gedenk- 
bücher Bd. 15 Bl. 145 b ); dieser blieb ihm bis zu seinem c. 1517 erfolgten Tode. 



') Auf der Grundlage dieser Instruction ist im Mai 1573 eine neu«», wesentliche Fortschritt« 
aufweitende Instruction für den Forstmeister in Oesterreich unter der Knns .Ukob Puckl verfaest 
and Ton Maximilian II. erlassen wurden. Sie ist gedruckt Aren. f. osterr. Gesch. 38, 384-392. 



275 

Die Zurücksetzung der überlieferten Jahreszahl um ein Jahrhundert scheint 
gegenüber den eben abgewiesenen Versuchen die zutreffendere Emendation. Sie 
rettet den König Albrecht; ihr steht kein anderer beglaubigter Forstmeister ent- 
gegen. Allerdings wird sie nicht durch einen nachweisbaren „Wolfgang Ysprugkher 44 
gestützt, wol aber durch jenen Wolf hart von Iinprukke, der im Vereine mit 
seinen Brüdern Wolfker und Dietrich am 15. Juni eben des Jahres 1303 *) mit 
dem Nonnenkloster zu Tuln einen Vertrag schloss (Kersch baumer, Gesch. 
von Tuln 343 nr. 130; Orig. im Staatsarch.). Der Name Wolfhart kehrt in der 
Familie der Imprucker im Anfange des XV. Jahrhunderts wieder (Wissgrill 4, 
490, wo der Stadtanwalt nach Lazius irrig Wolfgang statt Wolfhart") genannt 
wird); unserer Handschrift einen solchen Schreibfehler im Vornamen zuzumuten, 
dürfte bei der sattsam kenntlichen Unzuverlässigkeit derselben nicht zu gewagt 
sein. Dass im Eingange der Urkunde nicht von den Ruthen des Landesfürsten 
Rudolf, sondern von den Räthen des fernweilenden Römischen Königs, der erst 
im September Oesterreich wieder betrat, die Rede ist, darf kaum beirren: die 
Räthe waren nicht von dem jugendlichen Herzoge gewählt und ernannt, sie waren 
ihm von seinem Vater, dem Könige beigegeben worden (Kurz, Oesterr. unter 
Ottokar und Albrecht 1. 22G); so mochten sie des Königs Räthe heissen. 

Die Verquickung der Jahreszahl 1403 mit dem König Albrecht hat übrigens 
in der auf uns gekommenen, c. 1555 gemachten Abschrift der Dornbacher Wald- 
ordnung nicht zum ersten Male stattgefunden : sie war schon älteren Copien der- 
selben eigen. Im Jahre 1537 weigerte sich das Schottenstift zu Wien der ihm 
nach Art. 12 der gedachten Ordnung obliegenden Wiederherstellung der beschä- 
digten Dornbacher Brücke. In der Beschwerdeschrift, die der Waldmeister 
Nikolaus Pitti deshalb beim niederösterreichischen Regiment einreichte, beruft 
er sich mit besonderem Nachdrucke auf die „Ordnung und Instruction" des 
Dornbacher Forstamtes „von weiland König Albrechts Räthen ausgegangen, da 
man hat gezählt tausend vierhundert und drei Jahre zu St. Jörgentag", von 
welcher er eine Abschrift aus der niederösterreichischen Kammer in Händen 
habe: sie werde noch immer allgemein gehalten und beobachtet. Die Entschei- 
dung der Regierung (vom 26. September 1538) fiel zu Ungunsten des Schotten- 
klosters, „dieweil nicht allein in jüngst aufgerichtetem Waldbuche, sondern auch 
in weiland König Albrechts hochlöblicher Gedächtnis Waldordnung, deren Datum 
steht im 1403 ten Jahr, der durch den Waldmeister bezogene Artikel [12] be- 
griffen ist". (Reichsfinanzarch., n. ö. Herrsch.-A. Fase. W. 38.) 

Ein zweites Mal enthält unsere Handschrift beim Stücke D eine unrich- 
tige Jahrcsangabe. Schon der Königstitel verwehrt das Jahr [15]15: das fünf- 
zehnte Jahr des Römischen Reichs (1500 Apr. bis 1501 Apr. 8), sowie der 
Ausstellungsort (vgl. Stalin in Forsch, z. dtschn. Gesch. 1, 360. 377) bestimmen 
da» Datum. 

Vi Er ist ferner bezeugt: 1297 Jnni 24 (Melly, Beitr. x. Siegelk. 51); 1 3U0 Okt. 2 
(Font. r. Austr. Dipl. 1. 288 nr. 221); 1309 Apr. 7 (Ke rieh bäum er, Gesch. t. Tuln 345 nr. 147). 

•) Der Käme Wolfbart ist durch mehrere Original-Urkunden des Staatsarch., durch eine 
Reihe von Urkunden-Abschriften in Smitmers Cod. dipl., durch eine St. Dorotheer-Urkunde 
▼on 1413 (Kirchl. Topogr. 15, 158 nr. 26) vollkommen sichergestellt. Uebrigens findet sich der 
unrichtige Name Wolf gang auch im Original des Leopoldinischen Landfriedens von 1407, 
nicht nnr im Druck bei Kurs, Albr. II. 1, 282. 



276 

Bei den Vorbereitungen zur Herausgabe der unten Gehenden Texte hat 
sich eine Reihe von Notizen zur Verwaltungsgesehiehte der n. ö. Forste vom 
Ende des XIII. Jahrhunderts bis zum Ausgange Kaiser Maximilians I. ergeben. 
Sie sollen, da sie einmal gesammelt sind, trotz ihrer Dürftigkeit Weiterforschenden 
hier dargeboten werden: Erschöpfung des Gegenstandes war nicht beabsichtigt, 
da der Sammler eben nur mit jenen Vorbereitungen, nicht mit einer Geschichte 
dieser Forste ') befasst gewesen ist. 

Der Verwaltungsorganismus der weitgedehnteu Forstgebiete Niederöster- 
reichs überhaupt und insbesondere jener des Wiener Waldes hat die volle innere 
Festigung erst in einem Zeitpunkte gewonnen, der jünger ist als die letzte der 
hier mitgeteilten Instructionen. Wichtiges und Dauerndes ist zumal unter der 
Regierung K. Maximilians II. geschaffen worden. Da sind es der „Hauptauszug 
über des Waldineisteramtes des Wiener Waldes Ordinari- und Extraordinari- 
Gefalle und Ausgaben" von 1565/66 (Reichsfinanzarch., n. ö. Herrsch.-A. Fase. 
W. 51), dann das Waldamtsurbar von 1572 (ebd., Urbarien nr. 62;, das Grenz- 
aii8markungsbuch von 1573 (ebd., u. ö. Herrsch.-A. Fase. W. 50/1), endlich und 
insbesondere K. Maximilians II. „Reformation und Ordnung der Land- und Hof- 
jägerei im Erzherzogtum Oesterreich unter der Eniis*' von 1575 (mitgeteilt von 
Dudik im Areh. f. österr. Gesch. 38, 343 ff.), welche klaren Einblick in die 
Einzelheiten der Administration gewähren. Nach diesen Quellen ist in der zweiten 
Hälfte des XVI. Jahrhunderts der Wiener Wald in zwölf „Wählämter" geteilt: 
Alland, Sittendorf und Dürrliesing, Anninger, Reichliesing, Purkersdorf, Dom- 
bach, Klosterneuburg, Tulbing. Ried, Kogel, Anzbach, Anzing. Ueber das ganze 
Gebiet der zwölf Aemter walten der Waldmeister und der Waldschaffer, die 
ihren Sitz zu Purkersdorf haben, dann drei ihnen untergeordnete „Ueberreiter" 
(zu Hütleidorf, Weidlingan und Purkersdorf), endlich der Waldrichter (zu Pur- 
kersdorf); für jedes Amt ist ein in demselben ansässiger Förster bestellt, weichem 
wieder Forstknechte zugewiesen sind. Zu oberst steht der „Obriste Landjäger- 
meister des Erzherzogtums Oesterreich unter der Enns", dessen Amtswirksam- 
keit, wie der Titel besagt, nicht auf die Grenzen des Wiener Waldes beschränkt 
ist, „nächst nach uns (dem Kaiser) das Haupt, auf den alle Jägerpersonen seines 
tragenden Amts halben ihre Achtung haben und seinem Befehl gehorchen sollen" 
(Instr. f. d. 0. JM. Wolf Sigm. v. Auersperg von 1575.*) inseriert in die „Reform, 
u. Ordn. u , S. 345). 

Wie die Dinge im Laufe der Jahrhunderte zu diesem (hier nur in äusserster 
Kürze angedeuteten) Gefüge sich geordnet haben, ist bei der Spärlichkeit der 
älteren Quellen nicht immer klar zu sehen. 

Der Oberste Landjägermeister Maximilians II. ist vorbereitet durch die 
Jägermeister (magistri cenatorum) , welchen wir vor Herzog Rudolf IV. 
begegnen: Konrad 1331 (Chmel, Oest. Geschichtsf. 2, 224. am 24. Apr. des- 

l ) Sehr schätzbare Materialien zu einer solchen bietet Johann Newald in seinen beiden 
Abhandinngen : Deitr&ge zar Geschichte des Wiener Wald**« (Jagdzeitung 1870 ur. 20, daraus ab- 
gedruckt in unseren Bl. f. LK. v. NOe 1870, 277—282), und: Wer ist der Eigentümer des W. W.- 
Fur*taiutes oder u. 6. Waldamtes? (Wien 1873, 8°). Vgl. auch desselben: Die Jagd in Nieder- 
österr. (Cit. ltl. f. LK. 1880, t03 - 228). 

*> Das Original derselben liegt im Keichyfiuanzarch. (n. ö. Herrsch.-A. Fase. J. 4). Es 
int vom 1. Februar datiert. Die Abschrift, welche dem Druck der „Reform, und Ordu.* zu Grand« 
li«(!t. enthält den Monatstag nicht. 



277 

selben Jahres. Smitmer 1 Bl. 256» nr. 388, bereits als verstorben genannt); 
Niklas 1331 Apr. 24 (Smitmer a. a. 0.), 1333 Dee. 11 (Sinitmer 1 Bl. 
267-» nr. 411), vgl die ürk. v. 1357 bei Lichnowsky 3 Reg. nr. 1949. Am 
20. November 1358 ereirte Herzog Rudolf IV. neuerdings das Jägermeisteramt, 
welches „von Todes wegen vor viel Zeiten" ledig geworden war; er belehnte 
damit den Ritter Friedrich von Kreuspach und gab ihm zugleich das „Haus" 
Rapotenkirchen zu Lehen, das „durch Gleichnis willen des Amtes" fortan Jäger- 
berg heissen sollte (Steyerer, Comment. pro hist. Alb. II., Add. 274). Seit ihm 
befestigt sich der Titel , Oberster Jägermeister ". Dem Friedrich von Kreuspach 
folgte sein Sohn Wilhelm, welcher zuerst 1361 Dee. 12 (Smitmer 7 Bl. 80 b 
nr. 51 aus dem Wiener erzbischöfl. Archive), zum letzten Male 13*>5 Apr. 29 
(Kurz, Rud. IV. 4' 2 nr. 25) genannt wird. Der nächste bekannte Jägermeister 
ist Jakob der Seebeck; er empfängt am 14. März 1428 das Amt sammt Rapoten- 
kirchen zu Lehen (Lichnowsky 5 Reg. nr. 2627). Erst von der Zeit Maxi- 
milians 1. an sind die Nachrichten über die Träger des Obersten Jägernieister- 
amtes bestimmter und vollständiger. Am 15. December 1500, zu Linz, nimmt der 
König den Wilhelm von Greiss (auch Greissheim genannt) zu seinem „Obersten 
Hof- und österreichischen Jägermeister" auf, bewilligt ihm vier Pferde, jährlich 
150 fl. rhein. und vier Kleider zu Sold und für die Pferde, „so er in unserem 
Dienste abreiten möchte". 50 fl.. sodann zwei reitende Jäger, zwei Knechte zu 
Fuss und zwei Knaben; er soll in Oesterreich ob und unter der Enns mit seinen 
zugeordneten Knechten und Knaben die ordentliche Hegung der Wildbanne über- 
wachen und „laut seiner vorigen alten Instruction" daselbst Rotwild und Sehweine 
jagen und sonst in allem Anderen des Königs Frommen fördern und Schalen 
wenden (Reichsfinanzarch., Gedenkb. Bd. 5 Bl. 123 b ). Oberster Jägermeister 
heisst Greiss schon am 23. Juni (unten D Art. 9. 11. 14. 19). Zu Augsbun: am 
25. März 1510 bewilligt ihm (oder seinem gleichnamigen Sohne? vgl. Wiss- 
grill 3, 393 fg.) der Kaiser 200 fl. jährlich zu Provision und Dienstgeld 
(Gedenkb. Bd. 17 Bl. 335b). In diesem Decret und fortan heisst er Oberster Hof- 
und niederösterreichischer Jägermeister. 

l'nter dem Obersten Jägermeister reihten zur Zeit Maximilians I. Jäger- 
meister und Unterj äger meiste r. Zu den ersteren zählt Ulrich Ochs 
c. 1495 -1500 (unten B, C, /)); sein Hnterjägeriiieister war Wölfel 1497 (unten 
C Art. 6. 11). Wolfiiang Fueger (der. seitdem er vom Könige das Sehloss Kalen- 
berg pflegweise erhalten hatte — 1502 Okt. 15, Reichsfinanzarch., Gedenkb. Bd. 1 
Bl. 154» — sich Kalenbcrger nannte und mit dem späteren Forst- und Wald- 
meister identisch ist) heisst 1501 März 2 und 10 Jägermeister in Steier (Gedenkb. 
Bd. 9 Bl. 43»». 57*0, 1501 Aug. 3 und 1502 März 10 Unterjägermeister in Oester- 
reich (der niederösterreiehischen Lande) (ebd. Bl. 121 a . 122» und Bd. 11 
Bl. 22b), 1502 im Okt. Jägermeister (Gedenkb. Bd. 1 Bl. 154*. Bd. 11 Bl 73b. 
74*, Bd. 12 Hl. <>9M. 1503 Mai 12 und 24 Hofjägermeister (ebd. Bd. 12. 
Bl. 468b. 471*. 473*). 

Das Treiben der österreichischen Jägermeister in frühmaximilianischer Zeit 
stellt sich nach folgendem Krlass des Königs an dieselben (genannt sind in der 
Adresse nebst Anderen Ochs und Fueger), ddo. Hall im lunthal 1497 Nov. 10, 
in sehr eigentümlichem Lichte dar: 

Etlich unser lantleut unsers furstenthumbs Österreich haben sich der 
hasen und anders ivUtprats, deshalben si gegen uns als sollten si das bisher 

BMtt. d. Vereines f. Landesk. 1982. 4-!>. 19 



278 

fast gejagt und gefangen haben l ) versagt 2 ) sein, dermassen entschuldigt, ver- 
antwurt und uns dabei die Ursachen der ödung angezaigt, das all unser 
jägermaistcr. überreifer und ander so wir zu bcwarung unserr vorst in 
Osterreich verordent, bisher nichts fruchtpers das zu bcwarung der vorst 
wol gedient liette, gehandlt, sunder st alle in unser stat Wienn den 
mcrerntail in wiertsheusern gelegen und wie ainer dem an- 
dern bei uns ungnad machen möchte gedieht, auch den mererntail 
die personen so die wiltbret auf dem markt oder hund in der stat gehabt, 
verdacht *) und ir uufsechen auf dem vcld und bei den vorsten. das inen 
dann damit si iren sohl verdienten wol gepurt hette, nit gehabt haben, dar zu 
auch, nachdem der öden Weingarten darinn sich die hasen den meremtail 
enthalten nit fil mer sein sonder ittz fast aufgepaucn, werden dieselben 
hasen durch die pauren, hauer und hueter mit drätten und massen*) so si 
darein legen und durch die geiren, icolf und fu.c so man die nit vertreibt, 
auch durch die reschen rüden die die hierten an denselben enden haben, so 
dieselben an dem hindern fuess nit gelembt noch inen ander hunt die dem 
wiltpret kain schaden thun möchten gelassen, gefangen, zusambt dem daz 
die pauren zwischen Schadwien und der Thunaw bis gen Wien und enhalb 
der Thouaw von Marchegkh bis gen Krcmbs über tausent hund die all 
hasen und ander wiltpret fachen mugen, auch nütz haben und damit unser 
rarst gar veröden, auch inen daz von iederman gestattet und nit gewert 
wirdet. dar zu auch, das sich die obbemelten unser luntleüt des auf unsern 
ha übt man und regenten und rate unserr niederösterreichischen lamle so zu 
Wienn sein siechen, das die genannten unser jager maistcr. uberreiter und 
andere ir kainen nie an frischer tatt begreifen noih si vor denselben utisern 
regenten der suchen halben verclagt haben, demnach emphelhen wir dir mit 
ernst, daz du hierinn dein fleissig aufsechen habest und aigentlich betrach- 
test, was du uns und dir selbst schuldig seiest, dann wann wir hinab körnen, 
wellen wir uns das aigentlichen erkunden und sover wir dem also sein er- 
finden, an niemants anderm dann an dir und deinen mitverwanten allen 
schaden bekamen, darnach wiss dich zu richten. (Conc. im Staatsarch.) 

Die Reihe der Forstmeister (magistri forest orum) liissr sieh seit dein 
Anfange des XIV. Jahrhunderts erbringen: ziemlich vollständig für dieses, nur 
lückenhaft für das folgende Jahrhundert. Man findet, von dem fraglichen lin- 
prueker 1303 abgesehen, folgende Namen (nur die Daten des ersten und des 
letzten urkundlichen Erscheinens sind ihnen beigesetzt) : 

Ludwig von Dobling: 1309 Dp«. 21 (VB. f. Oberösterr. 5, 2G) — 1321 
Febr. 2 (Kerseh ha inner a. a. 0. 350 nr. ltfti. Zeuge). 

Jans der Schenk von Ried: 1324 Febr. 2 (K erschbaumer 301 ur. 15*5. 
Zcuirei — 1326 März 2 (ebd. £52 nr. 210. Zeuse L 

Lentold von Wildeck : 1330 Juni 6 (Font. r. Austr. Dipl. 1(>, 13(5 nr. 134) 
- 1335 (HiHiel. Gcschichtsf. 2. 42tf). 

Wem her der Schenk von li'ivA: 1352 Febr. «1 (Font. cit. 18 ; 274 nr. 244) 
— 13(>2 März 24 (Stcyerer I. c 342). 



') Durchstrichen. 

*> Verlan mdet. 

*i Bparg* Mint, in Vordacht gehübt. 

4 ) Schlingen (Maschen); im «,'oncept oorr. aas mochten. 



279 

Albreoht der Schenk von Ried: 1363 Jan. 5 (Font. oit. 21, 247 nr. 262) 

— 13G5 März 16 (Steyerer 502). 

Johann von Dictrichstock : 1376—1405 (siehe oben). 

Hans der Schenk von Ried: 1408 Jan. 14 (Kurz, Aibr. II. 1, 289 nr. 12) 

— 1412 Jan. 28 (Staatsareh., Cod. 16 Bl. 79b nr . <>Ü6). 

Hans Zink: 1413 Nov. 6 (Kirchl. Topogr. 15, 158 nr. 26) - 1415 Juli 24 
<Sniitmer 3 Bl. 63* nr. 136). 

Peter der Rockendorfer: 1421 März 7 (Gerichtsbrief des Landmarschalls 
Pilgrim von Puohheim für das Nonnenkloster St. Clara zu Wien, Absehr. im 
Reichsfinanzareh.. n. ö. Herrsch.-A. Fase. \V. 39). 

Erhart Doss: 1438 Febr. 9 (Kurz, -Albr. II. 2, 353 nr. 29) - 1448 
Dee. 19 (l'rk. Kg. Friedrichs für das Sehottenkl. zu Wien, Abschr. im lieiehs- 
finanzarch., n. ö. Herrseh. -A. Fase. W. 38). 

Michael Burggraf zu Maidburg Graf zu Hardeek: 1450 Juni 2 (Absehr. 
eines von ihm ausgestellten „Raumbriefes' 1 r i im Reichsfinanzareh., n ö. Herrsch.- 
A. Fase. W. 50/2) und Juni 8 (Smitmer 3 Bl. 217» nr. 375). 

Sigmund Kizinger: 1453 März 3 (Font. oit. 2, 39 nr. 1) — 147«) März 26 
(Staatsareh, Cod. suppl. 668 Bl. 78»). 

Georg von Eitzing: 1482 Nov. 27 befiehlt ihm der Kaiser, das Forst- 
meisteramt des Wiener Waldes dem Grafen Miehael von Maidbunj abzutreten 
(Lieh no wsky 8 Reg. nr. 515 a. d. Areli. zu Aspern). 

Mert Burger. zugleich Hubschreiber: 1483 Apr. 22 (Liohnowsky 8 Reg. 
nr. 555) — 1484 Apr. 22 (Smitmer 3 Bl. 321» nr. 548 aus dem Wiener 
Domeapitelarehiv). 

Balthasar Weihenpuehl: genannt als Forstmeister des Wiener Waldes 1494 
März 8 in einer Crkunde. mit welcher der König den Büsserinnen zu St. Hicro- 
nymus in der Simrerstrasse zu Wien den Brennholzbezug aus dem Wiener Walde 
gewährt (Abschr. im Reichsfinanzareh.. n. ö. Herrsch. -A. Fase. W. 39). 

Joachim Sehcttel : bis 1500 Juni 23 (unten D Art. 1). 

ririrh Ochs: 1500—1505 (siehe oben). 

Wolfgant: Kaleuhergf»r: bestellt 1505 Mai 1 mit einem Jahressold von 
50 fl. rhein. (Rei«distinanzarch. ? Gedenkb. Bd. 1 Bl. 16SM: 1517 Nov. 20, nach 
des Waldmeisters Hrich Ochs Ableben, zum Forst- und Waldmeister ernannt 
(Staatsareh.. Reichsregistratur Bd. BB Bl. 214 a ). erscheint als solcher noch 1532 
(Smitmer 3 Bl. 135« nr. 247). 

Die meisten dieser Forstmeister heissen nicht Forstmeister des Wiener 
Waldes, sondern Forstmeister in Uesterreich oder schlechtweg Forstmeister. Der 
Titel Sigmund Eizingers wird in d«-r oben angeführten Urkunde von 1453 und 
in einer andern von 1470 (Lieh im» wsky 7 Reg nr. 1433) auf den Wiener Wald 
bezogen, in fünt weiteren von 1454. 1456 (zwei), 146i* und 1479 (Reichsfinanz- 
areh., n. ö Herrsch.-A. Fase. W. 39 und 5(12. Smitmer 3 Bl. 246» nr. 432 
und 277* nr. 490. Staatsareh.. ("od. snppl. C»nH w. o.) lautet er wie gewöhnlich 
„Forstmeister in Oesrerreieh". Dann heisst noch 1494 Weihenpuehl Forstmeister 
des Wiener Waldes. Das ..Forstamt" «»der „Forstnieisteramt des Wiener Waldes 4 * 



1 ■ *■• liei«*"»t «-in»« Urkuii'io. «lurch welch« Jei:.au(l«Mu von <l«r da7U berufenen Autorität 
(Forst-, Waldmeister |reeit:itt*-t, winl, ein* bestimmte. WuMflfiche /.u Wieneii <»J«r Aeckern zu rodeu 
l.MUnirn-). Vgl. U o t h. <ie>ch. «1. F«r*t- nml Jag.lweMiu. in Deutscht. (Uerlin 187»i, 2«.'i. 

19* 



2«0 

ist urkundlich genannt 1306 (Staatsareh., OL 16 Hl. 30b nr# 65). H42 (Chmel, 
Mat. 2. 372) und 1482 (siehe oben). 

Für das Forstgebiet des Wiener Waldes entwickelt erst das XVI. Jahr- 
hundert bestimmter ausgeprägte Verwaltungsformell und besondere, nur für dieses 
Gebiet competente Instanzen, welche in den früheren Jahrhunderten nur zum 
Teil vorbereitet sind. 

Die Gliederung des Wiener- Wald-Gebietes in Aemter tritt schon im 
öttokarischen Ilationar hervor; in demselben werden die officio, Alland. 1 ) Dorn- 
bach, Kogel. Laab. Mauerbach genannt (Notizenbl.. Beil. z. Arch. f. FC. österr. 
GQ., 185£. 377); nahezu ein Jahrhundert früher, 1177, ist für den Wald (saltus) 
um Hciligcnkieuz die (landesfürstlicbe) custodia des Wk-hard von Arnstein be- 
zeugt (Font. r. Austr. Dipl. 16, iJ nr. 7». 1381 ist das Kieder Waldamt nach- 
gewiesen (Liehnowsky 4. Reg. nr. 16J5), 14U1 das Forstamt zu Kloster- 
neuburg (ebd. 8 Reg. nr. 1491). 

Für die oberste Verwaltungsinstanz des Wiener Waldes befestigt sich »eit 
der Zeit Maximilians II. die Bezeichnung „Waldamt", ihr Sitz ist Purkersdorf. 
ihr ('lief der Waldmeister. 

Nicht für den Bereich des Erzherzogtumes wie in der Kenel die Forst- 
meister, sondern für den engeren des Wiener Waldes sind die Waldmeister 
beamtet. Sie begegnen zuerst in der Zeit Maximilians I.. von da an aber ist aus 
den Acten ihre Bei he ziemlich lückenlos bis ins XVIII. Jahrhundert herauf- 
zuführen. Der älteste mir bekannte ist jener Joachim Schettel, der, bis 1500 
Forstmeister in Oesterreich, damals vom König den Titel r Waldmeister des 
Wiener Waldes" emplieng (unten 1) Art. 1). Sein Nachfolger war der Forst- 
meister IMrieh Ochs. der. als ihm am 21. April 1505 die Abtretung de» Forst- 
ineisteramtes an Wolfgang Kaienborger vom Könige befohlen wurde, zugleich die 
Verwaltung des Waldmeisteramtes, wie solches bisher .1. Schettel inne gehabt, 
überkam (Beiidistinanzarch.. Gedenkb. Bd. 15 Bl. 145 b >. Nach dem Tode des 
Ochs wurden Wahl- und Forstmeisteramt in der Hand des Wolfgang Kalenberger 
vereinigt, wie bereits erwähnt ist. Diese Vereinigung hat jedoch den zuletzt Ge- 
nannten nicht überdauert. 

Innerhalb der Grenzen des Wiener Waldes ist durch die Competenz seines 
Waldmeisters jene des Österreichischen Forstmeisters nicht ausgeschlossen. Wie 
sich diese Competen/.en auf dem bezeichneten Gebiete gegen einander abgrenzen, 
ist in allen Einzelheiten nicht erkennbar. Jedoch gestatten die unten gedruckten 
Stücke, insbesondere I). zu vermuten, dass dem Forstmeister vornemlich „Wild- 
bann und Wildbret", also das Jagdwesen, dem Waldmeister das Waldwesen 
im engeren Sinne, die Sorge für Wald und Hol/, (vgl. 1) Art. 13 — 18) über- 
tragen war. 

Das Keiclislinanzarehiv (n. ö. Herrsch. -A. Fase. W. 51) bewahrt kaiserliche 
Instructionen für die Waldmeister von 10*26' März 11. 1034 Jan. 1, 1081 Apr. 2ü 
und Juni 1*. und 1718 Juli 1. 



'i 128:), Mai 8 ist lawr Alhri'ihl Friwl tlar vomtnuiislrr van Ah'chl Zonge einer Urk. 
Kallmoli- v. E*«ersd<>rf für das Wiener iLir^eispital (clliit. Abschr. d XV; . J.ihrh. im k. und k. 
H*Mclisfin:m/;ircli.. n. n. Herrsch. -A. F.isc. W. 50'5>. Er i*t im Uikundenbuch v«ui Heiligeukreut 
iKurit. r. Austr. Dipl. 11 und Itil von J27(* bif> 1301 bezeugt. Vgl. übripunt» U * f. I I, Gd'lrob. 
v. UKr. öl. 



281 

Zunächst dem Waldmeister steht als sein Gehülfe der Wald seh affer, 
dessen Amt ebenfalls noch im XVIII. Jahrhundert besteht. Ich Hnde es zuerst 
erwähnt 1497, unten C Art. 2. Der erste bekannte Träger desselben ist Paul 
Denk, genannt in einer Grenzausinarkungsurkunde des Forstmeisters in Oester- 
reich, Ulrich Ochs, für das Nonnenkloster St Jakob zu Wien ddp. 1504 Sept. 21 
(Abschr. im Reichslinanzareh.. n. ö. Herrsch. -A. Fase. W. 39). Dann Wolfgang 
Hohenberger. 1517 Nov. 2t) (Staatsarch., Reichsregistratur Bd. BB Bl. 214»); 
dieser ist 1519 zu Hütteldorf sesshaft (Sniitmer 4 Bl. 4G a ); später hat der 
Waldschaffer seinen Amtssitz zu Purkersdorf. 

Ueber den Waldrichter und das Wald ge rieht des Wiener Waldes 
hat Lusc hin, Gesch. d. altem Gerichtsw. in Gesten*. 172—174 gehandelt. Die 
Institution reicht ins XIV. Jahrhundert hinauf. Ein benannter Träger des Wald- 
richteramtes begegnet erst 1519: Hans Kern (Smitmer a. zuletzt a. 0.). 

Das oben erwähnte Waldamtsurbar von 1572 giebt Aufschlags über Grenzen 
und Coinpetenz des Waldgerichtes: Das waltambt hat das icaltgericht auf aller 
Herrn höher und so weit die au;>marchung der waltmarch u/nb den Wien- 
ner walt [geet], wie dann alle gemerk in dem waltpuech ordenlich beschriben 
sein (Bl. 220»). Ferner: Was sich in allerlai st raff massigen handlangen bei 
allen dörfern, ämbtern und underthonnen in der herrschaft Burgckherstorff 
zuet ragen, die sollen alle durch die Herrschaft nach gelegenhait der verpre- 
chungen an leib oder gutt gestrafft und in alweeg guete manzucht erhalten 
werden, sonst aber haben die richter in allen dar fern und ämbtern die 
gemuinen wändl, sodll sich deren auf 72 t) erstrecken, einzunemben. was 

aber höhere wändl dieselben solle iederzeit durch si die richter 

und ambtleut der herrschaft anzaigt und durch die herrschaft nach gelegen- 
hait der rerprechung gestrafft werden; dann was wider die waltordnung ge- 
hundlt und in derselben verbrochen wirdt, hat die herrschaft Burckherstorff 
als innhaber des waltmaisterambts zu straffen (Bl. 6 b ). Nach den oben ange- 
führten Waldmeister-Instructionen von 162«, 1034. 1681 und 1718 hat der Wald- 
meister die Jurisdiction erster Instanz über die zum Schlosse Purkersdorf ge- 
hörigen Landgerichtsunterthanen und über die Verbrechen, die sich im Wiener 
Wald und dessen ein- und zugehörigen Orten zutrauen, zu verwalten: Malefiz- 
personen sollen alsbald ins kaiserliche Vicedomaint und von da ins Wiener 
Stadtgericht abgegeben werden. Die wöchentliche Besoldung des Waldriehtcra 
von 6 Schilling Pfenn. erhöhte K. Maximilian II. am 2. Januar 1565 um 
15 Kreuzer, „also dass er jede Woche völlig einen Gulden zur Besoldung haben 
soll* (Rcichslinanz:iivh.. n. ö. Herrsch. -A. Fase. W. 51). 

In Art. 2 der unten mitgeteilten Instruction 1) ist eine eigentümliche In- 
stitution erwähnt, über die noch einige weitere urkundliche Belege vorliegen, 
ohne dass es freilich möglich gewesen wäre, trotz derselben über den Zweck 
jener Institution eine völlig bestimmte Vorstellung zu gewinnen. Ks ist das 
Haspanamt. später Haspelanit oder Haspel in e i stemmt genannt. 

Die erst«? Erwähnung dieses Amtes linde ich in einem Schreiben des 
Kaspar Heinniger, königlichen „Dieners", an den königlichen Stallmeister Sig- 
mund von Liechtenstein ddo Wien 1495. Juli 20. worin jener mitteilt, dass sein« 
Briefe „der Aembtcr halben haspan und Dornhach" noch nicht ausgefertigt seien, 
weil die Regenten nicht beisammen gewesen : dass er für diese beiden Aeniter 
nur 16 Pfd. Pfenn. jährlich beziehe, womit er das Auslaugen nicht linden könne 



282 

dass der Garten des Königs zu Erdberg, worin dieser ain hassen zu fuß ge- 
fangen hat, gewisser Herrichtungen bedürfe; das» darin gar viel Hasen seien, 
die er (Heinniger) selbst habe hineinfangen helfen. etr. (Staatsarch.. Maximilians» 
Fase. 3.) 

Auch im Jahre 1500 war, wie der angezogene Art. 2 des Stückes i> 
zeigt, zur Verwaltung dieses Amtes noch nicht ein besonderer Beamter bestellt, 
es oblag dieselbe vielmehr dem Forstmeister in Ocsterreich. Der Bezirk des Amtes 
wird in nicht allzu präciser Weise so umgrenzt: auf dem Wienerberg bis aur 
Schweehat. von der Sehwechat bis nach St. Veit: hier darf (ausser dem Landca- 
fursten und dessen Organen) Niemand „hetzen noch fangen* 4 . Der zweite Absatz 
des citierten Artikels scheint diesen Bezirk noch über Teile des Tuluerfeldes. des 
Marchfeldes und des Wiener Beckens zu erweitern. 

Am 2. Januar 1509. zu Antwerpen, nimmt der Kaiser den Friedrieh Jäger 
zu seinem „Haspelmeister zu Wien" auf bis auf Widerrufen, bestimmt ihm einen 
Jahressold von 150 ti. rhein. und verweist ihn auf die Instruction. ..so wir ihm 
gefertigt haben oder noch fertigen werden" (Kcichsfinan/arch.. Gedenkb. ßd. 17 
Bl. 8 :| ): dieselbe ist leider nicht erhalten. Dieses Decret ist nur der formelle 
Vollziehungsaet einer schon geraume Zeit zuvor formlos erfolgten Amtsverlei hung. 
Denn schon am 23. Februar !50Ö war von Toblach ans der kaiserliche Befehl 
an den Vieedom unter der Enns ergangen, dem Hans Schmid, den der Kaiser 
aufgenommen und bestellt habe, „das? er unserem haspanmeister Friedrich Jäger 
das haspanambt um Wien bereiten und versehen helfe", einen jährlichen Sold 
von 20 fl. rhein. auszuzahlen (ebd. Bd. IG Bl. 5JM unter der leberschrift: 
Hansen Schmid gescheft an Mader ritzthumb ander der Knns berucrend da» 
hasenpunambt umb Wienn). und am 21. Oktober 15UK wird der Vieedom 
verständigt, dass der Kaiser den F. Jäger zu seinem haspanmeister gen Wienn 
aufgenommen habe. Der Amtsrevers des letztern um das „Haspelmeisteraint - ist 
zu Brüssel am 24. Januar 1501» ausgestellt (Hormayr. Wien. 2. Bd. 1. Hft. 
S. CXXXIII nr. 117: Orijr. im Staatsareh.). 

Zugleich mit dem Bestallungsdecrete für Jäger ergieng ein Befehl an den 
Vieedom. der wegen des ihm innewohnenden nicht geriniren Interesses im Wort- 
laute hier Platz finden soll: 

Lawrentzen Satrrer ritzthumb 1 ) ist berolheu daz er Fridrichm Jäger 
hasphneister zu Wien des Waldners haus zu Wien eingebt' und duz derselb 
Jäger ein st üben und cammeru in dem hindern stock gegn der Saglergassen, 
auch ein kuchen und ein kcller ein tum und in denselben gemächen sein 
wonung hab f und daz die rodern gemäch in dem haufi und die ain kuchen 
verspert seien und auf kais. viaj. warten, er solle auch in dusseih haus artig 
malen lassen, neinblich Jäger, pawm, hasen, hunt und ander tier so Fridrick 
Jäger obgemelt zu verwuren hat, auch ein panket von hasen und hunden die 
mit einander tanzen, singen und ander spill treiben, und daz si die fucJts 
und luchs todten, zerschnitten, praten und in ander weg kochen und rcr- 
panketicren, und ein pheifer dabei der inen zu tanz sjtill. damit des Waldners 
namen durch solh st-ltzam gemäll rergessen und furan daz Hasplhatis 
genant werde. Actum Anntorf 2. januuri 1'uHK ((ji'denkb. Bd. 17 Bl. bM 



•> Der früher adressieite Müder war zwischen dem 2". Mär/ und ö. April lf>0** gestorben. 
Gedenk b. Bd. IG Hl. 101« und Wh«. 



283 

In welcher höchst ergötzlichen Art der die Wandmalereien betreffende 
Teil des kaiserlichen Auftrages von einein unbekannten Künstler ausgeführt, wie 
in einer Reihe phantastischer Darstellungen der Triumph der Hasen über ihre 
Todfeinde: über Jäger, Hunde, Geier, Falken, Habichte, Raben u. s. w. verherr- 
licht worden ist, zeigt eine 1749 oder kurz vorher verfasste sehr ausführliehe 
Beschreibung der Reste, die damals von den Fresken noch erhalten waren. Sie 
ist in Hormayrs Archiv 182i>, 242—244 veröffentlicht. Durch den oben mit- 
geteilten kaiserlichen Erlass zerfallt in Nichts, was der Herausgeber dieser Be- 
schreibung über die Entstehungszeit und die Bedeutung des seltsamen Wand- 
schmuckes sich zurecht gelegt hat. 

Der nächste, und zugleich der letzte bekannte Haspelmeister ist Laurenz 
Schulthaiss. Der Kaiser nimmt ihn am 18. Mai 1518 um der treuen Dienste 
willen, die er ihm in dem vergangenen venezianischen Kriege und sonst gethan. 
zu seinem Haspelamt zu Wien auf. bestimmt, dass er die Behausung zu Wien, 
die zn solchem Amte gehört innehaben und sie baulich und wesentlich halten 
solle 1 ) und weist ihm ein jährliches Gehalt von 200 11. rhein. auf «las Yiecdomaiut 
zu Wien an: am 3. August wird diese Anstellung für eine lebenslängliche erklärt, 
daferne sie Schulthaiss „treulich und aufrichtig" verwesen werde ( Reichsiinanz- 
arch., n. ö. Herrsch. -A. Fase. W. 29/1 ; Revers des Schulthaiss von 1518, Mai 18 
im Staatsarchj. Bald nach dem Tode des Kaisers erhob sich schweres Zerwürfnis 
zwischen Schulthaiss und seiner Hausfrau, einer geborenen Helfensteiuerin ; die 
Sache gedieh vor das geistliche Recht, die Gatten trennten sich. Da ist nun 
merkwürdig, dass Erzherzog Ferdinand den Mann seines Amtes entsetzte, weil 
er berichtet worden, dass von Kaiser Maximilian die Anweisung jenes Gehaltes 
„am meisten der iremelten seiner (Schulthaiss 1 ) Hausfrauen zu Tinten geschehen" 
war. Uebrigens konnte der Entlassene darthun. dass er „seiner Hausfrauen 
Handlung ganz unbillig entgalt", weshalb er in Amt und Gehalt und in den 
vorderen Stock des Haspelhauses wieder eingesetzt ward. (Act von 1521 Oet. 12 
im Reiehsfinanzarch. a. a. 0.. mit der gleichzeitigen Dorsalnotiz Jiaf.'panma ister 
zu Wienn.) 

Das Haus und seine Fresken haben das Amt um vielleicht zwei Jahr- 
hunderte überdauert, .lenes ist 1749 abgebrochen worden, um neuen Bauten Platz 
zu machen: von diesem schwinden die Spuren schon in der zweiten Hälfte des 
XVI. .Jahrhunderts. Die letzte ist eine Stelle der Instruction K. Maximilians II. 
für den Obersten Jägermeister von 1575, worin die Haspelmeister in Ocsterreich 
unter der Enns angewiesen werden, in allen landesfürstlichen Gejajdsachcn 
Achtung und Aufsehen auf den Obersten Jägermeister zu haben, wo sie Mangel 
und Beschwerung finden ihm dieselben anzuzeigen, und was sie in seiner Ab- 
wesenheit nicht abstellen und wenden könnten, an den Landesfürsten oder in 
dessen Abwesenheit au die Regierung und die. Kammer zu bringen (Arch. f. 
osterr. Gesch. :IX. 372). 

Zur Geschichte des Hauses rinden sich in Hormayrs Archiv au ange- 
führter Stelle eine Reihe von (nicht immer zuverlässigen I Notizen, zu denen 
hier einige Ergänzungen geboten werden. 



M Am 27. März 1 ."> 1 7 hutte Il.ms Carl, den d«<r Kaiser zum Hauspfleger im Hub|»elhuu» zu 
Wien aufgenommen, einen Revers ausgestellt, «lu«8 er daitolnst Heiuo Wohnung neinen, dun Haus 
„■»rdentlich, lustig und nun bei* halten, du« Keuer wul bewahren werde etc. (Urig. hu Stxatxarch.) 



284 

Am 12. Oetober 1521 hatte, wie erzählt ist, Kr/herzog Ferdinand dem 
wieder zu Gnaden aufgenommenen Haspelineister den vorderen Stock des Ifaspel- 
hauses, wie er ihn vormals inne gehabt, zur Wohnung auf Lebenszeit angewiesen. 
Nieht ganz zwei Wochen früher war das Haus, mit anderem Namen bezeichnet, 
noch einer anderen Bestimmung gewidmet worden : am 30. September wies der 
Erzherzog seinem Historiographen Dr. Johannes St&bius unser behuusung genant 
das Hasenhaus in Kar ner Strassen zu Wienn gelegen an, dass er dasselbe 
innehabe, baulich und wesentlich halte und darin alle Sachen, es seien Bücher. 
Formen, Modeln und anderes, was zu den Historien und begrebnus des Kaisers 
Maximilian gehörig ist und dieser hinterlassen hat, bei einander behalte und 
verwahre (Hl. f. LK. 1874, 242). Dass das ., Hasenhaus" identisch ist mit dem 
M Haspelhanse", ergiebt sieh aus dem Zusammenhalte unserer Mitteilungen mit 
jenen Hormayrs: es war ein weitläufiges Gebäude mit drei Fronten, eine nach 
der Kärntnerstrasse (1521). eine nach der Seilergasse (150*1), «^ ö dritte gegen 
den Stock im Eisen. Mit dem von Maximilian geschaffenen Amte schwand die 
von ihm selbst dem Amtshause beigelegte Bezeichnung und es befestigte sich 
statt derselben jene andere, die an der wunderliehen und bald nicht mehr ver- 
standenen Ausschmückung des Gebäudes sich stets lebendig erhalten konnte. 

Im Jahre 1584 befand sich das Hasenhaus im Privateigentum der Familie 
Zay. welch« es «lern Kaiser um den Preis von y8.CKX) fi. zum Kaufe anbot. Erz- 
herzog Ernst widerrieth seinem Bruder den Ankauf mit Rücksicht auf den be- 
trübenden Zustand der kaiserlichen Finanzen, auf den baufälligen Zustand des 
Hauses und darauf, .dass doch dies ein Burgershaus und von Hof etwas unge- 
legeu u . Man erfährt bei «lieser Gelegenheit, dass in dem Hasenhause bis dahin 
wiederholt „ansehnlicher Potentaten Botschaften" einquartiert worden waren. 
(Reichsfinanzarch.. n. ö. Herrsch.-A. Fase. W. 42.) 

Was ist nun aber das „Haspelamt", welche Aufgabe ist dem „Haspel- 
meister* 4 zugewiesen? 

Eine bestimmte Mitteilung hierüber findet sich in keiner der Urkunden, 
von welchen soeben Gebraueh gemacht worden ist. Zu diesen aber kommt noch 
eine. Das k. und k. Reichslinanzarchiv (n. ö. Herrsch. -A. Fase. J. 4) besitzt 
einen Personal- und Besoldungsstatus des landesfürstliehen Forstpersonales 
( Vermerkt tras der jegertHuistrr und rarst waister und eorstkutcht solt ist 
im laut ob der Iüi,i und Östereych und Steirmarkt, Kerendt.n und Kran). 
welcher, da darin Ulrich Ochs bereits als Forstmeister. Wolfgang Kalenherger 
über noch unter »lern Namen Fueger und als Unterjägermeister in Oesterreich 
und Steiermark vorkommt, in der Zeit zwischen dem 23. Juni 1500 und dem 
Oktober des Jahres 1502 zusammengestellt worden sein imiss. Aus dieser Liste 
erfährt man unter Anderem, dass „Wolf Hasenluiter am Wienerberg 4 * jährlich 
ein Gewand und IG Pfund Pfennig erhält: „der mag sich von dem haschxpan- 
ampt bezahlen 4 ', während alle anderen Forstleute in Niederösterreich : Forst- 
meister. Unterjägermeister. Forstknechte an das Vicedniiiamt gewiesen werden. 
Bringt man mit. der Thatsache. dass der Hasenhüter am Wienerberge dem Haspel- 
amt untersteht und von diesem seine Besoldung empfängt, die weitere in Ver- 
bindung, dass in dem oben abgedruckten kaiserlichen Erlasse von 1509 die 
Hasen und Hunde als diejenigen Thiere genannt sind, welche der Haspelmeister 
zu ..verwahren" hat. so wird man zu der Vermutung geführt, dass der Haspel- 
meister zur Verwaltung des Hasengeheges und zur Hut und Hegung alles des- 



265 

jenigen bestellt war, was mit der Niederjagd auf Hasen in den Feldern um 
Wien zusammenhieng: der Netze, Windhunde, Beizvögel ete. (Roth. Gesch. d. 
Forst- u. Jagdwesens in Deutschi. 71. 77. 300). Beide überlieferte Formen des 
Wortes: Hasenbann- (oder Hasbann-) Amt (bis 1508), dann Haspel- Amt (seit 
1509) — seien sie nun ursprüngliche Bildung oder etwa Tmdeutung eines ent- 
legenen Wortes 1 ) — lassen sich für diese Vermutung geltend machen: die letz- 
tere insoferne, als darin Beziehung auf die zur Jagd vielfach verwendeten Netze 
und Leinen gefunden werden mag, die ja auch in den Gemälden des Hasen- 
hauses vertreten waren (Hormayrs Archiv a. a. Ö. bei nr. 25). An der beweis- 
losen Behauptung Hormayrs: „Mit dem Mautneramt am Roten Turm stand 
auch das Haspelmeisteramt für Flachs, Leinwand und Bleiche in Verbindung, 
an welches nach dem Muster seiner niederländischen Städte K. Maximilian den 
Friedrich Jäger von Brüssel berief- 1 (Wien IV/1. 2. S. 1*26), dürfte (ausser der 
Berufung Jägers) nur etwa die Hindeutung auf niederländischen Ursprung des 
Haspelamtes begründet sein. 



Während sich die vorliegende Arbeit im Drucke befand, gelangte ich durch 
die Freundlichkeit des Herrn Direktors J. Newald zur Kenntnis folgender weiteren 
Daten: Gedenkb. Bd. 30 Bl. 77*: Erlass des Königs an den Hofjägermeister 
Georg von Wolframsdorf ddo. 1530, Juni 20: „Weil unser Hasengeheg um Wien 
vormals in L. Schulthaiss' als Haspelmeisters Verwaltung gewesen ist, dieser 
aber dasselbe haspanambt uns abgetreten hat", wird dem G. v. W. befohlen, 
dass fortan er diese Hasengehege bereite und zu haien verordne. — Gedenkb. 
Bd. 50 Bl. 101 h : Bestallbrief für Balth. Hoffmann über das Forst- und haspan- 
mairterambt ddo. 1540. Jan. 1. 

Also Rückkehr zu dem System von 1500: kein besonderer Haspelmeister 
mehr, sondern Vereinigung des Haspelamtes und des Forstmeisteramtes in einer 
Person. Dagegen 1575 wieder mehrere Haspelmeister (siehe oben). 

A. 

Waldordnung im Dornbacher Amte, insbesondere Rechte und Pflichten des 

dortigen Försters. 

1303(9), Apr. 24. 
Bl. /"- i h . 

Am ersten, als man /alt nach Christi geburt tauseut fimdiundert 8 ) und 
drew jar, zu sand (ieörgciitag, haben unsvrs genedigisten herrn kiinig Albrechten 
etc. rät in ireschrift gehen und anzaigt die hernach gesehribne stuck und artigkl, 
wie dann von alter licrkomcu 8 ) und gehandlt ist. daß auch also 4 ) handien und 
gemessen sol ain ieder vorster zu Dompach. 

') Vj»l. lau« Westfalen) hairnpant — HaMeugarii. HaitenneU (Schiller und Luhbpu. 
Mittelniederdeutsche* Würterb. 2, 213). — Pebrigeiih kommt der Auudruck ,Hastjnbanii" in Lau 
iVUMIt.i und l'muebuiiK noch im XVII. Juhili. vor (Iteichfcfln.inAarch. . n. <>. Hem.«.'h -A. 
Fase. L. 1>). 

*) Handuchr. riVr/i. 

') Ine eiste Silbe »pater corr. ib hrvr. 

*) Handschr. ul*o ir. 



286 

fl.] Am ersten bat Jacob Heiniger bestanden das vorstambt zu Dornpaeb 
umb aclit pfunt pfenning, die soll er järlieh raichen meines genedigen herrn 
vorstinaister, die zeit Wolfgang Ysprugkher verweser des Wienner walds. 

Im geend zwai roß frei in doli fursten bolz.. 

In aller herrn hölzer seind im windfäll und nacbmaiß y ) erlaubt ze gemessen. 

Alle kleine wildpret seind im erlaubt ze gemessen. 

Die beruaeb genennten Wassergräben daß voglgcjad zu verlassen von der 
Rorerwisen binzt gen Huetldorff: am ersten der Korergrab, der Sifferingergrab, 
die Fvrumpaw, Puechgrabner, Sultzgraben, Streitgraben. Mittergraben, Melgraben, 
Puechleutten. 

Mer hat der vorster ze gemessen all twerchaichen, 2 ) wintfäll, hümbpuechen, 
heslein bolz, felber, erlein bolz, massalter, 8 ) espen bolz, alt*) schaurschlechtig *) 
holz, all nacbmaiß mag der vorster geniessen und verkaufen. 

[2.] Wo ainer durer paumb steet, es sein aicben, weißpueeheu, picrpaum, 
apbaltern,*) kerspaumb, atlitzpanmb. 7 ) es sol der vorster den aigcntlich besiebten 
ob er geschwend wäre worden, ist er geschwendt. so soll der forsehter dem nach 
aischeu und nicht haimblich von im nemen und dcnselbigcn dem vorstmaister 
ansagen, sol der forstmaister dem forster für in geben zweiundsihenzig pbenning. 

[3. | So ainer in dem wald ön Urlaub geet und tregt ein backen damit 
einer ein raifstüngl 8 ) abbagken mag, begreift in vorster im bolz, er ist im schuldig 
das wandl. 

[4.] So ainer abscblecbt ein erdstamb*) das nit sein kaufts guet ist. er- 
greift in der vorster, er ist im schuldig das wandl. 

[5.] So ainer abschlecht spannholz 10 ) das vierklüftig 1 ') ist, das nit sein 
kauft guet ist. ergreift in der vorster, er soll im »eben von ieder kluft zwelf 
pbenning. 

[ti.| So ainer auß^rebt in dem wald oder auf den baiden pelzdarn, 12 ) es 
war pirpaumb oder apflpäni, ergreift in der vorster, er ist im schuldig daß wandl. 

[7.] So ainer abhagkt atlitzpanmb oder ahorn die fruchtig sein ön erlaubnas 
des forster, begreift in der vorster. er soll in dem vorstinaister ansagen, soll der 
forstmaister für in geben zwenundsibenzig pfenning für sein wandl. 

[8.| Mistlholz mag der vorster geniessen und leimber. 18 ) alle wilde obß 
soll der vorster verpieten. aich- nnd pueehgöß w ) ist wrpotten aus dem wald 
ze tragen. 

') Nachlese im Holzschlag? 

*) twrictt = quer; verkrüppelte Eichen (Gegensatz ifv<liicht)? 

*\ Masah"lder, Acer campestre. 

•' L. oll? 

*> Vom Schauer /.erschlagen. 

6 > Apfelbaum. 

T ) An einigen Orten die Garten Eberesche Morbus doinestica L.\ an anderen die Atlas- 
beer-Eberesche (Crataegus torminalis ],.). Schmeller-Fr. s. v. Äiliibrr, 1, 112. 

p i Vgl. die l.itute bei Lexer s. v. rrifboum, i vi fstnniff . 

*) Haumstruuk. 

lo ) Zu Licht*pan*n dienliches oder Föhrenholz. S ehm. -Fr. 

"I In vier Teile gespalten oder ppaltbar; kluß i*t nicht nur der Spalt, sondern auch das 
durch Spaltung losgetrennte Stück H»lz. 
") Gepfropfte Obstbäumchen. 

'»» Weisse Mistel (Visrum albuiu I,.); vgl. Bl. f. LK. 18(58, 117 nr. WS. 
'*) Eicheln und Bucheckern, du* "Geässe' der Schweine. 



287 

[9.] Waß [man] erdrich verkauft auf den haiden im amht. was zwischen 
der ortstauden und deß walds ist auf aller probaten und lierrn grünten, gehört 
halb dem vorster. 

[10.] E9 ist auch dem forster bevolhen in ainem ieden maiß steen ze 
lassen bei zehen oder zwelf aichcn erdstam 1 ) die gesehlacht 9 ) sein, mit ainem 
creiz zu Vorzeichen. 

[ll.'l So ainer den walt anzünt, der ist verfallen leib und guet dem forst- 
maister auf genad. 

[12.] Die herm von Schottn sein schuldig ze machen die pruckn zu Dom- 
pach von irem aigen guet. 

[13.] Slitkuefen ze graben sein verpotten bei leib und guet. 

[14.] So ainer abhakt ain bezaichents panreiß mit dem creuz im maiß, 
begreift in der vorster. er ist im schuldig ze geben das wandl zwenundsibenzig 
Pfenning. 

[15] Es hat ein forster nit weiter ze greifen nur soferr deß fursten grund, 
die ortstauden 3 ) des holz und der haiden wert. 

[16.] Auch gehörn all haiden als weit daß ambt wert dem forster ze ge- 
messen, wer sein viech darauf treibt, der ist schuldig ze geben dem vorster von 
dem haubt vier pfenning. 

[17.] Begreift ain der vorster der ön urlaub fert in des fursten holz und 
maist ain fueder holz und dasselbig wegfüert, so soll im der vorster legen ain 
phenning auf die lankwid, 4 ) nemb im die roß und antwurt die dem vorstmaister 
auf gnad. und den wagenknecht [geh] die gäsl in die haut, daß ei* haimb gee 
und seinem herrn sag. 

[18] Auß den clösterhölzer ist man schuldig halben zinß dem fursten, 
auf das roß fünf pfenning; und aus allen hölzern «lern vorster das weegreeht, 
von dem fueder ain pfenning. und wer dem forster das mit fräwel wegkfüert. 
der ist verfallen dem forstmaister in sein straff. 

[19.] Es soll der vorster all vierzechen tag besichten die straß in allen 
dörfern. das die gemain darob sei das prukn. weeg und steg gemacht sein, da- 
mit deß fursten zins nit gemindert werde, wo aber solch hindernnß von ainem 
beschäch, den mag man durch sein aigen hofmark varen oder prechen. 

[20.] Ain vorster ist schuldig ein steeg zu Dornpach zu machen über den 
obern pat*h, do deß fursten grünt und die herrschaft an einander stössen. 

[21.] Die von Otterkrin diennt järlich in das ambt Dornpach dreizechen fc ) 
Schilling zechen *) pfening.*) 

Zu sant Martintag dient man järlich von ainem iedlichen hauß zu Dorn- 
pach sechzchen pfenning feuergelt, darumben haben si nachmaiß und gipflholz 
und speegnest 6 ) zu iren heus«»rn ir notturft ze brauchen, sol in der vorster 
anzaigen. 

V> Handsohr. entstain. 
2 \ Gera<!e. gut gewachsen. 
*) llundtfcur. erihtnuden. 

*) 'Die Langwiede, den Wagen durchziehender Kaum, der da» hintere Gestell mit dein 
▼orderen verbindet' Weigand ' 1, U)M. 
*) Auf Kasur. 
«) spuch — dürr (mhd. npuche, dürre» Keisholz ; na*l = A^t. (Weigand * 2, 202. 7J4.) 



288 

Die von den obern aigen 1 ) dient in das amlit von ainem hauß zweit' 
pfenning. 

Die von Bezelßdorf diennt jarlieh in das amht Dornnaeh feurgelt zwölf 
Pfenning. 

Die von der Neustift diennt jarlidi in das anibt zu Dom^ach von ied- 
lichen haus eindlef Pfenning stubhuener.*) 

Die von Salmasdorf diennt järlieh in daß amht zu Dornpaeh von einem 
ieden hauß zwelf pfenning stubhuener. soll zu sunt Martintag geraicht werden. 

li. 

Instruction für den königl. Jägermeister in Oesterreich Ulrich Ochs. 

Ohne Datum, ic 1495.) 

tu. j''-.v". 

Ulrichen Ochsen waldjagfcr und vorstmaister in Österreich Instruction. 

|1.] l'nser jagermaister in dem Kisenärtzt sol unserm Jägermeister in 
Österreich, so oft er zu im hinein kumbt. in all vorstee 3 ) seiner \erwesungcn 
fuern und mit einander all«» gebrechen besichtigen, und was si dawider anzu- 
zaigeu not zu sein bedunkt. aigentlieh aufschreiben und solches der kun. maj. ete. 
fiirderliehen zuschreiben und zu wissen thuen. 

\±] ririirh Ochß soll auch den. genannten jagermaister im Kiscnärtzt von 
der kiin. maj. etc. wegen sagen und bevelhen den teicht daselbst niemant on der 
kiin. maj. ete. erlauben visehen zu lassen sonder getreues aufsehen zu haben, 
damit der alla'ii zu der kiin. maj. ete. last und gevallen gehalten werde. 

[•5.] J>er kün. maj. jagermaister in Österreich llrich Üehü soll all heehc 
im Wienner wähl so der kiin. maj. zuegehörn und bißhecr timli zinse verlassen 
sein, haien 4 ) und vlcissigs aufsehen haben, damit solch beehe hinfur nicht hht 
gevi»»«'het sunder zu der kün. maj. etc. wolust und gevallen gehalten werden, dan 
die seiner kun. maj. diümals zu verleihen nit gemaint sein will."*) 

|4.| Und ob dem so seine 6 ) Fridcrbdien jager oder Ueörgeii Burgkhart 
ainicherlei so ir Verwesung von der kün. maj. wegen herurt mangln oder gebrechen 
wirt. sollen dieselben solch ir mangl und gebrechen dem gemelten Ulrichen 
Oehsseii jagermaister zu erkennen geben, der solchs furter der kiin. maj. zu be- 
richten in bevclch hat. 

|.")j Item, ilas man die. geirenhütten von stund an lass machen nach aii- 
zaigung deli jagermaister*. 

ji>.| Item, dergleichen den wulfgarteii linder dem ('ilutliafn. ülß dan der 
genannt llrich Ochss jagermaister auch uu/aigeii wirdet. 7 ) 



M I). i. NVuwalili'jjij ( Dornki. h oho in <iu1»m. 

•: Die '■>tuMiühn>*r' sind sjiütHrhiu ilurrh d;i.« "Stulijfrlii* riM-t/t wurden: ^in«» im Kloster- 
neuhurirer. Tull»ini;t»r, I.><irnbarhcr und • >ri>iis- ((•■icliliesin^Hr Amt »Tholiün«» Abgabe lür die Ei- 
laulwii.x, d;t~ ilijrif Klaubholz, in d*>n Wäldern zu siiinnifln. So erklärt in d«r Wcl.itiou der Wald- 
bfr^itun^K-romnii^'CiriiMi von ir,«0, prues. I»e<:. li. K»»ich>lir).ujzai< h . u. «V Hei i «i:1i.- A. Fu*c. \V. .">l \ 

') So die Hiilldsi.-hr. 

1 H«'irt'ii. »chr.tzni. pfl»»i*pn. 

'•> VkI. unt-n (' Art. 3 a. K. 

■') .-o fii«- Hand »ehr. : am xrinr i»»t wn| zu stit-icli^n. 

; i V h 'l. unten 1- Art. 10. 



289 

[7] Item, auch sollen kün« r maj. etc. regenten und rate zu Wienn den 
gemelten Ulrichen Ochsscn der kün maj. jagermaister in allem dem so er innen 
vorstambt und waitwerch halben anbringt und anrueft hilflichen sein und gegen 
den personell, kainen auligenumen, so im irrung thun, furderlich recht ergeen 
lassen. 

Maximilian per m. ppriam. 1 ) 

C. 

Instruction für den Jägermeister Ulrich Ochs. 

1497, Febr. 26, Innsbruck 
Hl. 5"-6'. 

Instruction von unserm allergenedigisten hcrrn dem römischen kunig auf Ulrichen 
Ochssen jagermaister. was er aus bevelch seiner kün. maj. etc. handln und aus- 

richtn soll. 

[1.] Item, soll auf den offen geschäftbrief, so im kun er - maj. haubtman r 
regenten und ritte zu Wien an die herschaften und dörfer der prelaten, herrn 
vom adl und an kün er - maj. und ander herrschaft vorster die umb und in dem 
Wienner walt gesessen sint und davon holz und nutzungbrauch haben, nnd auch 
au die leut und holden der kün. maj. vorstamhts auf kün er - maj. bevelch geben 
werden, innen ansagen und sie erfordern, damit sie alle alt weg die er innen 
anzeigen sol ietzo von stund au und hinfur so oft des noturftig wirdet räumen, 
au breiten und abmaissen und darinne allen miglichen vleis ankeren, damit solch» 
alle zeit wann «s not ist beschehe. ob sich aber in solchem ainer oder mer 
speren und unirehorsamb erzaigen wurde, die soll er dem haubtman und regenten 
anzaigen t die alßdan dieselben ungehorsamen darzue halten sollen, daß sie 
disem der kun. maj. etc. bevelch also nachkumen. 

[2.] Item, es soll der waldsehaffer, die uberreuter und alle ander kun« r - 
maj. vorster des bemelten vorstamhts denselben Ulrichen Ochssen jagermaister 
in allem dem so zu bewarung kun pr - maj. etc. wiltpann, vorst und wildpredt» 
noturftig, nutzlich und guet ist, gewartig und gehorsam!» sein, ininassen innen 
kün. maj. etc. solchs vormals auch bevolhen hat, damit der walt nit geödet und 
verwuest werde. 

[3.] Item, as-) soll der kun. maj. huebmaister in Österreich den benannten 
jagermaister in kün* r - maj. bevelch besonder der maderjiiger. vögluräben und 
auch deß geeß der aicheln und puecheln halben ungeirrt und die päch in dein 
vorstambt und wasser nit vischen lassen. 8 ) 



*i An obigen Text schlie«sen sich, t.»d gleicher Hand, folgende Notiteu . 

Item, die von der bewxtat lassen du* holz hin- und her wider ttchlnhtii auf dem Hart 
zicifichen Starchenberti und Enntzesfelldt. 

Item, in die ateen zwischen IJchtenwerd und Xcunstat zwo null (Salzlecke) schlahen und 
zw* auf dem Hueperq und eine auf der Her dl. 

Item, zu Siufiery (1. Hitnperg?» bei der raigenzucht tu machen «inen cluinen weier und 
da all monat uin vds*l krridvrlinu (CyprioiiH n;i*us, vgl. Höfer, Etymol. Wb. 2. 28-1) darin zu 
thun, und diesen w int er darbet zwanzia raiger aufzuziehen; und daß der kuechl all nacht dabei 
schlaff der den leicht macht, und ain hunt hei im. 

*) Hundschr. er. 

') Vgl. oben H Art. 3. 



290 



[4.| Item, os soll auch der hnebmaister die huener und air von vorstambt 
mit dem benannten (Missen tailen, dergleichen im» auch all*? jar acht einer 
wein gulifii. 

[5| Item, kiin* r - maj. bcvelch ist. das Seitz Jäger dem beuanntn Oehssen 
in dem verwarn des wildprets. auch der vorst und walds, jrewertisr und jrehor- 
saiub snie.M 

[0.| Item. es soll aueh kün*-'- maj. underjägermaister der Wöltl dein be- 
rührtem jajrermaister Ulrichen (Missen, wan er im land ussf erreich jajren wil. 
ansagen, und soll aueh nit anders jasreii dann wie er des ein instruetion hat: 
darzue soll im der (Miü helfen und nit weiter dan kun er - maj. bevcleh innhelt. 

|7.| Item. Larentz uinl Wülfll vorstkncelit in der Neuenstat sollen /zueten 
vleis haben, der kiin. maj. etc. 2 ) so ine sein maj. des jajrens und hetzen s halben 
nach laut einer instruetion gehen hat. also nachkomen. und wer dawider jagt 
oder hetzt, dasselb sollen sie den jagermaistcr I'etz Oehssen heriehten. iler soll 
dan solch* t\ent*) haubtman. recenten miil raten zu Wieiin auch zu wissen tliun. 
[die] weiter darinnen handlen und solchs weren werden, die benanten zwen 
forstknecht sollen au«:h den Oehssen. so er ir zu kün er - maj. notmiten bedarf, 
«rc wertig sein. 

|8.] Item soll aueh der benannt Ulrich Ochli die saweii. so si schaden in 
weinpenren thuen. jagen wie vor und sol nit vil vahen. darzue sollen im »lie 
rejrenten lndfen wie vor. dar/'on 4 ) soll er zwai oder drew sehwein mit sanibt 
unserm huebsehreil»er Hannsen Mader. der uns dan dasselb herauf schiken soll, 
einschlagen.') 

[9.] Item, das der huebmaister von den nutzen und reuten des vorstambts 
den tiiTirart«»w*) zu Laben unib Wienner wald nach guetbeduuken Uetz Oeh- 
ssen paw. 

[10.] Item, der benannt Hrich jairermaister sol zuerichteu und machen 
den wolfgarten 7 » zwischen Entzesfeldt und Starheuihwg auf dem Hart. 8 ) darzue 
im d»<r huebmaister gelt von den nutzungen des vorstambts geben soll. 

[ll.| Item, er soll dem underjagermaister dem YA'öltTIin sagen, das er nit 
anilerst dan wie sein instruetion innhelt jag und handle, auch an die end laut 
derselben zicch. 

|l*J.l Item, i-r soll dein WoltTenrenter. dem Verweser der haubtmanstdiaft 
in iler Neueiistat. sagen, das er auf dem Stainfeldt robatten und akern lau und 
itarein den samen so von Xurmberg 9 ) gebracht wirdet säen. 

(n-ben zu Ynnsprug am suntag Uciili anno et»*. 07 jar. 



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H;imi-vlir. .wiii. 
Es scheint brrrlch zu fehlen. 
Iltiiflschr. 'Itr. 
H:in«l^chr du ir nn. 

In «lie Ma-t treiln-n. «frniiiii Wl>. H. 27.'i. 
Hands<:hr. -anrtiit-r. 
Vjrl. iil^n U Art. <?. 

l'as Appellativum iW;ild) ist hier /.um K i gen nn inen für «len liewaMeten Kergrürlcen 
-1er An* linke Her der I'iesting von ober-rie*ling bis zum Austritt di-s Flaues in 
liejrlfitet. 

Vgl. hie^tt Newa 1.1 in IM. f. LK. l?*«Ji>. i»i..<). Uel«er «lie Nürnberger Ueiehs forste: Roth, 
Forst- u. .lug.lw. in Deutschi. l.V» f,'. 170-17:». 337 fa. 



291 

D. 
Dritte Instruction für Ulrich Ochs, Forstmeister in Oesterreich. 

1500, Juni 23, Augsburg. 

EL 6 b -9 b . 

Maximilian von gutes gnaden römischer kunig, zu allen Zeiten nierer deß 
reichs etc. 

Instruction, was unser getrewer Ulrich Ochs unser vorstmaister in Öster- 
reich neben den andern zwaien unsern instructionen so er von uns hat l ) handeln, 
furnemen, bestellen und ausrichten soll. 

[1.] Anfanklich, nachdem wir dem bemelten Ulrichen Ochssen bisher sein 
titl 'unserm jagermaister in Österreich' und Joachim Schettl 'unserm vorstmaister' 
daselbst gegeben und geschribeu, und aber ietzo aus Ursachen ire tittl verändert 
und Ulrichen Ochssen 'unsern vorstmaister in Österreich' und Joachim Sehetln 
'unserm waldmaister unsers Wienner walds' a ) genennt haben : 

so soll bemelter Ulrich Öchs unser vorstmaister den Wienner wald. Lcutters- 
perg, 8 ) den hart zu Hainburg des von Khrauenburg. auch alle awen zwischen 
Tulln und Hamburg mit ir iegliohs zugehörung vleissiglichen haien und bewaren 
und dariu niemant, wer der sei, weder rot- noch schwarzwildpret, nichts auß- 
genomen. zu jagen noch zu fahen gestatten. 

[2.] Item. das haspanambt sol er den Wiennerperg bis zu der Schwechat, 
von der Schwechat bis zu sant Veit haien und daselbst gar niemand, weder 
herrn noch andern, zu hetzen noch zu fahen gestatten. 

Deügleichen sol er von sant Veit am wald herumb nach Clossterneuburg 
bis geen Tulln zwischen dem Wienner wald imd der Tunavv, darzue zu Greifen- 
stain 4 ) biß geen Wolkherstorff, von Wolckhenßdorf bis gen Ort und von Ort 
biß geen Hainburg und von Hamburg geen Wieun, von dan geen Laxennburg 
und davon geen Baden, von Baden geen Medling und Pettersdorf und darnach 
geen sant Veit und Wiennerperg auch haien und bewaren. 

\'S.\ Item, so wellen wir auch, das niemant in unserm vorst Wienner wald, 
Lewtersperg und allen awen kain hantpuchs trag und damit nit schiesse, wo 
unser vorstmaister oder die sein so im helfen ainen oder meer begreifen, den 
oder die selben sol er straffen an leib oder guct. 

[4.) Item, es soll kain burger noch pawcr kain klain wildprät noch hasen 
nit fahen noch schiessen in unserm land Österreich: mit allen gerichten 5 ) 
verpotteu. 

[5.] Item, es soll kain hauer noch iemand kain huiul mit im in die Wein- 
garten fiio-rn noch kain jungen hasen mit im haimbtragen. 

[<i.l Item, so sol niemand kain hunt in den wald und in die maiß fuern. 

[7.] Item, es soll kain hueter so in dem lesen ist kain vaühuen, 6 ) pirk- 
huen noch rephuen nit fahen. 

') Oben n und C. 

3 ) A1b Wjildni ei Hl er erscheint Schettel i^Schoif) l.MM) Aug. 29: Sek läge r, Wiener 
Skizzen 2, lf>fi nr. <",. 

■) Leitkagebirge. 

*) Km ist wol Greitzenst. zu lenen. 

») Üer&th. 

*) Fuan. 



k J92 

[8.1 Item, was wildprüt aus Hungern. Behaim und Märhern kninbt, soll 
dem benannten vorstmaister oder wen er darzne verorden wirdet angesagt werden. 

[9.] Item, unser lantherru und edlleut mugen wo II sawen und seh wein 
[hetzen] auf iren aigeu grünten, da wir die nit zu haien bevolhen haben und 
wie und wo unser öbrister jagermaister Willialm von Greyshaim anzaigt hat, 
auch wir und derselb von Greishaim noch kurzlieh anzaigen werden, si Hingen 
auch wol rech, hasen und klain wildprüt an denselben enden und sunst Hindert 
hetzen und fahen. 

[10.] Item, von saut Phillip- und Jacobstag im maien bis zu sant Jacobs- 
tag im schnit sollen die pauern die in unserm vorst Wienner wald, Lewtters- 
perg, hart und awen sitzen, allen iren hundon und riden gros prigl anhenken. 
welcher pauer aber solehs nit thuet, als oft und dick man solch hunt in iren 
heusern oder auf dem velt vindet. sol man alweg von ainem deU der hunt oder 
ridt ist neinen zwenunddreissig pfenning. 1 ) 

[11.] Item, es sollen alle Überreiter und vorster so zu dem Wienner wald 
gehörn, und ander so vor unsers öbristen jiigermaisters Wilhalmen von Greis- 
haimbs zukunft in unser nidertisterreiehisehe land dem Ochssen mit glübd ver- 
punden gewest sein, denselben ririchen Ochssen als vorstmaister 8 ) wölf zu jagen 
und anders laut unser instruction und bevelhen so wir im gegeben und gethan 
haben und im der genannt von GreiÜhaim noch von newen bevelhen wirdet, 
verhelfen. 

[12.] Jtem. was redlichen schaden unser vorstmaister nimbt, die wellen 
wir im bezallen und auf unserm vitzdumb in Österreich Sigmundten Schnait- 
pekhen schaffen zu»* bezallen. item, darzue sollen im gegeben werden jarlich 
zwai hofelaider. 8 » 

[13.] It^m, unser gegenwirtiger und ain ieder künftiger unser waldmaister 
des Wienner walds soll kainen schachen 4 ) holz sonder die gewendliche zinß- 
hölzer. wie von alter herkomen ist, hingeben, auch dem waldambt sein alte frei- 
halten und gerechtijrkaiten der hölzer oder schedlichen leut so am wald schaden, 
thucn und anders halben niemants entziehen lassen, welche aber ainiehn schaden 
zu thnen understeen wurden, die soll unser vorstmaister I Tlriclt Ochs anzaigen 
und darzue solch schaden mit seinem pesten vleis wem und nit gestatten, die- 
selben schedlichen leut sollen auch nach laut unsers waldpuechs*) und freihält 
gestraft und gcrieht werden. 

[14.] Item, so sol derselb unser vorstmaister *) mit sambt dem waldmaister 
von allen prclaten. klöstern. herrn. edeln, burgern und j)auern so hölzer und 
perg im Wienner wald haben, derselben irer hölzer und perg namen, darzue ire 
freihaitbriet'. gercehtigkaitn, hetter oder mark so si derhalben haben oder wo si 

'.) Vgl. Art. 17. 

*) Hundschr. -rnaixtt'it.. 

') Nach dem in der Einleitung erwähnten Personal- und Beseldutigeitatas von c. 1500-ift02 
gebührten dein Forstmeister Üohs für sich und einen Knecht jährlich zwei Kleider und ein Sold 
von 2M> Hund Pfenu.; auch soll er zwei Rosse halten. 

4 i Kinzeln stehendes Waldstück. 

~ J Du« 'Waldbnch'. in deu Kriegsläufen verloren gegangen, wurde von K. Maximilian I. 
'nach glaubwürdigem Yidirnue' am 31. Pecember 1511 neuerdings aufgerichtet. Der Text dieser 
KriK-Uf>ruiig wird im ersten Bande der n. 6. Weibthümer. nr. 114, veröffentlicht werden. 

') Hundschr. -muutcrs. 



293 

nmb solche ir hölzer und perg nit 1 ) freihaitbrief oder hetter und mark oder 
ander brieflich gereehtigkaitn betten, doch genuegsame kundschaft und anzaigen, 
das dieselben ire hölzer und perg rechtlich ir sein, innen baiden neuilich unserm 
vorstmaister und waldmaister von unsern wegen furzubringen und auzuzaigen, 
auch die abschreiben zu lassen ervordern ; die soll alüdann unser gedachter vorst- 
maister in ain puech aigentlich registrirn und abschreiben lassen und unserm 
obristen jagermaister Wilhalmen von Greiühaim dasselb puech wann das berait 
ist zuschiken. welche aber dermassen nit furbringen, anzaigen und thuen sonder 
sich uugehorsamb halten wurden, dennen sol unser waldmaister ire hölzer zue- 
schlagen. 8 ) 

[15.] Item, welche walddörfer ir aigne ginaiu 3 ) haben, die sollen sie nützen 
und niessen wie von alter herkumen ist und uns unser hölzer und perg unab- 
gemaist lassen, welche aber dawider thätten, die sollen unser genannt vorst- und 
waldmaister darumb straffen wie sich geburt und si wol wissen. 

[16. J Item, so soll meergemelter unser waldmaister kaineu edlman sonder 
die jen so im wald gesessen und darzue tauglich sein, auch selbst in das vorst- 
aniht geen, zu vorstnern aufneinen noch halten, darauf soll den vorstnern in irem 
furnemen und handlangen gegen denen so uns unser« vorstambk 4 ) hölzer. perg, 
wisen, dienst und anders uns zugehörent einziehen oder darin schaden thuen, 
von unsern haubtman, regenten und raten zu Wien allzeit gueter ruken gehalten 
werden, wie wir dan denselben unsern haubtman, regenten und raten vor mer- 
mals darumb bevelch gethan und geschriben haben, wo innen aber unser haubt- 
man, regenten und rate nit rukeu haltn wurden, sollen uns unser vorst- und 
waldmaister furderlich verkünden und zu wissen thuen. 

[17. | Item, unser vorstmaister Ulrich Ochs sol den paursleuten umb unsern 
Wicnnerperg und neinblich an den nachgeschribnen enden: zu Siemeriug, zu 
Law, zu Neusidl, Inntzisdorff, Schweitzerhof, Zcllitzer hof, Augustiner hof, Alt- 
rnersdorf, Hietzendorf und Lantz kainen grossen rüden sonder allain klaine hindl 
die innen ir viech und gueter verwarn mugen zu haben und zu gehalten ge- 
statten, auch welche fleischhaker von Wienn oder vieehhierten im Wiennerperk 
mdn bei iren viech haben, das dieselben rudn nit ain prigl drei span lang und 
so dick das in ainer umbgreifen mag am hals tragen so oft unser vorstmaister, 
waldmaister, jager oder vorstknecht ainen begreifen, sollen si von seinem viech 
ain schaf, welher aber kain schaflf het, abweg zwenunddreissig pfenning wie ob- 
stet 6 ) nemen, und wo die von unser stat Wienn den unsern dali nit gestatten 
oder si darumb straffen wollten, so sollen unser haubtman, regenten und rate zu 
Wienn demselben vor sein und iuuen wie vorsteet ruken halten. 

[18.] Item, unser vorstmaister und waldmaister sollen allzeit in iren Hand- 
lungen laut irer Instruction und bevelch ainander nnderricht und gueten verstand 
geben und thuen, damit, was ir ainer handlt und zu handln hat, das er dem 
and»-rn in sein bevelhen nit widerwärtig sei, irrung noch hindernuü bring. 

[19.] Item, unser vorstmaister I'Irieh Ochs soll in allen sein handlungen. 
thuen und lassen laut seiner Instruction allzeit sein aufsehen auf vorbemelten 



') Handscbr. mit. 
*) Sperren, verbieten. 
>) Gemeinschaftlicher (Wald-) Besitz. 
•) Handichr. unter vorntambt. 
s ) Art. 10. 
Blatt, d. Vereines f. Landenk. 1883. 4—9. 20 



l>94 

Wilhalmeii von Graißhaimb als unsern obristen jagermaister hüben, und waß 
im ie zu zciten in denselben »ein handlangen furf allen und begegnen wurde das 
in an uns zu bringen not sein bedeichte, das sol er allzeit an den von Greiß- 
haiinb gelangen lassen, der hat von uns beveleh darein zu sehen und wendung 
zu thun; und was dan dem selben von Greißh&imh darin zu schwär sein wurd. 
sol er furter an uns bringen und gelangen lassen. 

Das alles soll merbeinelter unser vorstrnaister Ulrich Ochs mit vleiß und 
ernst von unsern wegen handeln, furnemeu, auch aigentlieh bestellen und auß- 
richtn und darin nicht seumig erscheinen bei unser sehwären ungnad und straf: 
danin thuet er unser ernstliche maiuung und guet gevallen. 

Geben zu Augspurg an sant Joanusabent sonwenth anno doinini im funf- 
zehen/wncferfisfen, 1 ) unsers reiehs des römischen im funfzehenden jarn. 

Per regem Commissio doinini regis 

proprium. propria.*) 



Das Geschlecht der Dachsberge in Niederösterreich. 
Vortrag, gehalten im Vereine für Landeskunde von Niederösterreich. 

Von Dr. Anton Kerschbaumer. 

So manche edle Familie unseres lieben Heimathlandes ist ausgestorben, die 
einst im hohen Ansehen gestanden und segensreich gewirkt hatte. Es ist ein 
schuldiger Tribut, welchen die späteren Generationen ihren verdienstvollen Vor- 
fahren zollen, wenn sie deren Andenken in Ehren halten, und es ist eine edle 
Aufgabe des Vereines für n. ö. Landeskunde, in den vergilbten Blättern der Ge- 
schichte den Kdlen der Vorzeit nachzuforschen und deren lorbeerumkränztes 
Lebensbild im Gedächtnisse aufzufrischen. 

Um dieser Pflicht als Vereinsmitglied zu genügen, wähle ich heute zum 
Gegenstande meines Vortrages: r Das Geschlecht der Dachs berge in 
N i e d e r ö s t e r r e i c h". 3 ) 

Das G esc hl echt der Dachsberge stammt aus Baiern. 4 ) Zu jener Zeit, 
als unser liebes lieimathlaud durch Gründung der Ostmark für die Kultur wieder 
gewonnen wurde, kamen zahlreiche Ansiedler nach Oestcrreich, namentlich aus 
dem benachbarten ßaierlande. mit welchem durch den Donauverkehr stets eine 
innige Verbindung bestand. Unter den aus Baieru in das Land ober der Emis 
eingewanderten Adelsgeschlechtern befand sieh auch die Familie der Dachs- 



M Handschr. I'unfzelicnitcn. 

*) Nandschr. proprium. 

') Die Familie der Dachsbergo ist wol zu unterscheiden von der gleichfalls adeligen 
Familie der Dachpeckh und D.ichsenbeokh ; jene waren zu Grillenstein uud Siegharts begütert, 
diese zu Karnabrunn, Ober-Siebonbrunn. VV i s g r i 1 1, Schauplatz des n. ö. Adels. Wien 1 7t»ö. 
II. Bd. p. 183. 

*) Kin bairischer Kertheld von Dachsberg kommt cchon 1185 und ein Ulrich von Duchs- 
l'trg 1197 urkundlich vor. Kneschke, Deutsches Adelslexicon. II. 397. 



L>95 

berge. In Oberöaterreieh steht noch ein Schloß», welches ihren Namen trägt und 
ohne Zweifel von der Familie Dachsberg, die es lange besass, erbaut wurde. 
Dieses Schloss, die Wiege der österreichischen Familie Dachsberg, kommt in 
den urkundlichen Blättern der Geschichte zuerst im Jahre 1212 vor. 1 ) Es lag im 
sogenannten Traungau in der Nähe von Prambaehkirchen.*) In Oherösterreioh 
tritt ein Pertoldus de Dahsperg um das Jahr 12ÜO auf, dessen Sohn Ulrich eine 
Passauer Urkunde für Kremsmünster am 2. Juli 1218 bezeugt. 8 ) 

Aus Oberösterreich kam die Familie nach Niederösterreich. Wann 
dies geschehen sei, lässt sich nicht mehr genau angeben, aber wahrscheinlich war 
es nach dem Aussterben der Babenberger. Der erste Dachsberg, der urkundlich 
iu Niederösterreich nachgewiesen werden kann, ist Wernhardus de Dahs- 
perg (Sohn des obgenannten Ulrich). Derselbe kommt 1255 als erster Zeuge 
unter vielen in einer Urkunde des Heinrich von Kuenring vor, ddto. 31. Juli 
Weitra;*) als vorletzter Zeuge in derselben Urkunde wird Ortolf von Dahs- 
berg genannt, Wernharts Bruder, und wie dieser mit der damals so angesehenen 
Familie der Kuenringer in freundlicher Beziehung. 5 ) Auch im folgenden Jahre 
1256 erscheint Wernhardus de Dahspereh als Zeuge in einer zu Passau aus- 
gestellten Urkunde.*) Im Jahre 1257 bezeugt Wernhard einen Vergleich der 
Brüder Otto von Wald mit dem Bischof Otto von Passau bezüglich der Pfarre 
Melk und des Schlosses Weichselbach. 7 ) Derselbe Wernhardus de Dahsperg be- 
zeugt 1269 in Gesellschaft der^ebte. ytfn..IIeiligenkreuz, Zwetl und Lilieufeld,. 
des Heinrich von Chunringen und seiner Söhne Heinrich und Hadmar und 
mehrerer anderer Edlen eine Schenkung des Grafen Heinrieh von Hardeck an 
das von diesem (und dem Khunringer) gegründete Cisterzieuser Nonnenkloster 
Mailan (Alt-Melon im V. 0. M. B.). 8 ) Da der genannte Graf Heinrieh von Hardeck 
einer jener österreichischen Adeligen war, welche König Ottokar besonders aus- 
zeichnete,*) und da ferner Wernhard von Dachsberg in der Reihe der Zeugen 
eine bevorzugte Stellung einnimmt, so darf man daraus wol den Schluss ziehen, 
das s die Familie der Dachsberge schon damals in Ansehen stand und in Nieder- 
österreich eine hervorragende politische Stellung einnani. 1 ") 



') Urkunden buch des Landet ob der Enns. I. Bd. S. s«9 ; II. S. 596. Vgl. Lara pr echt. 
Historisch-topographische Matrikel des Landet» ob der Enns. Wien 1863. p. 34. 

*) Vgl. l'ill wein, Geschichte, Geographie und Statistik. III. Teil (Hauxruckkreis). 
S. 2:',b. Das Schlots Dach>*berg fiel I4»»7 durch Erbschaft an die Starheraberge, 1493 durch Hei rat li 
an die Herren von Perneck, in der Folge an die Oeder und Schiffer, 1713 un die Freiherren vou 
Manstorf, 17fi4 darch Heirath an die Freiherren von I'ilati und Tassul ; 1827 an Franz Bernklau. 

*) Hagen, Urkuudenbuch Kremamünster. Nr. 58. 

*) Urkundenbach des Landes »b d r Enns. III. IM. p. 217, Nr. 213. 

•) Friess, Die Herreu von Kueming. Wien 1874. Nr 267. 

«l I2'»<i, 8. Au.ust, Pasxau. (Monura. b.»ic. XXIX. Bd. p. 240.) 

Y ) 1257, 30. Juni, St. Polten. Die Urkunde int mitgeteilt in Keihlinger« Ge».olticht.j 
«les Stiftes Melk. II. Bd. p. 81t. 

•i 1269, Mellon. 11. Febr. (Archiv Jür Kunde ö.terr. Geschkhtsqmllen. II. 19».) Vgl. 
Fontes rer. Austr. (. Bd. p. 95, Nr. 81. 

*) Vgl. Firnhaber, Heinrich Graf von Hardeck, judex provincialis in Gestenreich. 
Archiv a. a. 0.. II. Bd. p. 170, 180 

M ) Wernhard von Dachsberg kommt noch als Z-uge vor im Jahre 1274 (Per, thesaur. 
Ton.) VI. p. III, p. ig); 1280. 4. April, Wien (Fischer, Klonternenburg, II. 1:80, Nr. lit); 
1285, 3. April, Wien (Fontes I. c. XI. Bd. p. 240, Nr. 2G3> ; 1292, U. Oktober. Imbach (Fouto* 
I. c. I. 251, Nr. 79.) 

20* 



29 Ö 

Sein Bruder Ortolf von Dahsperg kommt noch 12(31 als Zetiue in einem 
Sehenkungsbriefe Chunnuls von Ottenstain vor; 1 ) ferner im Jahre 12G7 in einem 
Schiedssprüche von Albrecht von Velßberg zwischen dem Grafen Heinrich von 
Hanleck und den Brüdern von Kuprechtsdorf über die Orte Buprechtsdorf und 
Dürrenbach.*) Bemerkenswert hiebei ist. dass alle anderen Zeugen, fünfzehn 
an der Zahl, dem Allel Niederösterreiehs angehörten. 

Die darauf folgende Generation der Dachsberge treffen wir bereits im Be- 
sitze des Felsensehlosrtes Rappottenstein (V. 0. M. B.). Drei Brüder, Wolfger, 
Hein rieh und Ulrich von Dachsberg, stellen 1305 dein Stifte Zwetl eine 
Urkunde wegen der Güter in Plezberg, Czaglaw, Schaffberg und Poesenweizen- 
bach aus „vns, vnd vnserm vater vnd vnsr Hinter, vnd allen unsern vodern . . . 
cze ein selgeret 4 *. 8 ) Dieselben drei Brüder (Wolfger, Heinrich und Ulrich) er- 
scheinen als Zeugen in einer Schenkungsurkunde des Leutvin von Veundorf über 
uwei Lehen zu Sehafberg an das Stift Zwetl. 4 ) Jin Jahre 1327 dotiert Ulrich von 
Daehsberg von Rapotenstein aus eine Stiftung an das Stift Zwetl, von welcher 
wir noch später sprechen werden. In dieser Urkunde sagt Ulrich, dass er die 
Stiftung mit Zustimmung seiner Gattin Eupheinia und der Kinder seines Bruder» 
Heinrich (Eberhart. Wolfker. Elsbeth und Clara) mache. s ) 

Abermals begegnet uns im Laufe der Decennien ein Trio der Gebrüder 
von Dachsberg, nämlich Wolfger, Ulrich und Hanns (1371). Söhne Eber- 
hards, während 1379 ein Heinrich von Dachsberg, „Sohn des verstorbenen 
Wolfger von Dachsberg", genannt wird (also ein Vetter zu dem eben genannten 
Trio), und ein Enkel Wolfgers, Namens Jörg von Dachsberg, als Herr von 
Rapotenstein erscheint. Unter diesen Geuannten erweiterte und vergrösserte sich 
der Familienbesitz der Dachsberge durch Käufe. Schenkungen und reiche Heirathen. 
Wir wollen einige Fälle anführen. 

Herzog Rudolf IV. belehnte (1359) Eberhard von Dachsberg und seine 
Gemahlin Kunigunde mit der Hälfte der von Kunigundens Vater. Hermann von 
Leonberg. hinterlassenen Lehen. 6 ) 

Georg (Jörg) von Daehsberg, vermählt mit Wiliburg von Capellcn, ei hielt 
durch deren Vermächtnis ein Anrecht auf Stetteldorf. 7 ) 

Herzog Albrecht bewilligte deu Brüdern Wolfger, Ulrich und Hanns von 
Dachsberg und ihren Vettern Heinrich und Gundaker den gegenseitigen Anfall 
der zwischen ihnen geteilten herzoglichen Lehengüter. H ) 

«) Link. Annul. Zwetl. Tum. I. fol. WO. - Vgl. Fontes 1. c. III. 175. 21*8. 

*, 12Ö7. 14. Nov., Wien. Archiv a. a. 0. I. Bd. p. IUI. 

') 1305. Chrembs in Zwctler liove. VII Idua Nov. (Link, Annal. Zwetl. Tom. I. fol. 530 
und 574.) Diese Urkunde, welche im Stiftungsbuch Zwetl einfach erwähnt wird, folgt in der Bei- 
lage I. Dun Siegel Heinrichs von Daehsberg hängt, gut erhalten, un der Pergamenturkuude ; 
die Sifgel der andern zwei Brüder fehlen. 

«) 130S, St. Agatha, Zwetl im Kloster. (Fontes 1. c. MI. Bd. p. 383.) — Wolfger vo» 
Dachs per g kommt schon 1303. 8. Janner, Wien, als Zeuge v.>r. (Fontes 1. c. III. n. 34».) 

J ) 1327, Coloman, Kapotenstein. Zeuge ist sein (Ulrichs) Oheim Ulrich der ürünburg. 
Fontes 1. c. III, p. 078-67!». Vgl. K e i b l i n g e r 1. c. 11. 7M. 

*) 1359, HJ. Febiuar, V> it»n. K. u. k. Hof- u. Staatsarchiv. Vgl. L i c h r. • w s k y 1. c. 

III. Nr. 32. 

*i I3t»i>, 17. Febiuar. Schadlosbrief der Brüder Wolfger, Ulrich und Hanus von Daehsberg 
auf ihm Vettern Heinrich und Üundacker. Adier, 1871», p. 102 aus dem k. u. k. Hof- und Staats- 
archive. 

") 1371, k3. Janner, Wien. K. u. k. Hof- und Staatsarchiv. - Lichnowskyl. c. 

111. 1021. 



297 

Herzog Albrecht belehnte die Brüder Wolfgang. Ulrich und Hanns von 
Dachsberg mit Gütern zu Ulrichskirchen, dein achten Teile der Veste Pilichdorf 
und einein Teile des Hauses zu (Markgraf-?) Neusied], die Wolfgang und Hanns, 
Brüder Streun, und der Jude David Struzz an die von Dachsherg verkauft haben. 1 ) 

Der Vetter Heinrich von Dachsberg hatte die Pfandschaft der Herrschaft, 
Veste und Stadt Waidhofen an der Thaia für 6200 Gulden und 900 Pfd. Pfg. 
inne. als Morgengabe seiner Gemahlin Clara, Tochter des Heinrich von Meissau: 1 ) 
ausserdem 200 Pfd. Pfg. Leibgeding auf der Maut zu Stein. 8 ) 

Wenn wir bisher einzelne Glieder der Familie Dachsberg als -Zeugen bei 
Privathandlungen kennen gelernt haben, so treffen wir sie jetzt als Zeugen bei 
politischen Dokumenten und in stets wachsender Zuname ihrer socialen Stellung. 
Während sich die früheren Glieder der Familie von Dachsberg nannten, zeichnete 
sich Eberhard als Herr von Dachsberg. So z. B. in dem Diplom über das 
Erbjägermeisteramt in Oesterreich. welches Herzog Rudolf IV. im Jahre 1359 
dem Friedrich von Kreuspach erteilte, uud in dem drei Jahre später (1362) zu 
Pressburg geschlossenen Bündnisse der österreichischen Herzoge mit König 
Ludwig von Ungarn und Casimir von Polen. 4 ) 

Ulrich von Dachsberg unterzeichnet den Vertrag des Herzogs Wilhelm 
und seiner Brüder Leopold, Ernst und Friedrich mit seinem Vetter Albrecht wegen 
der Verwaltung der vom verstorbenen Herzoge Albrecht hinterlassenen Länder.*) 
Unter den fünf Herren, welche Herzog Albrecht während seiner Abwesenheit 
über seine Einkünfte und zu Schirmern seiner Gemahlin Johanna bestellte, 
befand sich auch der Landmarschall Ulrich von Dachsberg. 6 ) 

Georg von Dachsberg unterfertigte das von den österr. Ständen ge- 
schlossene Bündnis zum gemeinsamen Vorgehen in Betreff der Vormundschaft 
über den jungen Herzog Albrecht V. und die Verwaltung des Landes. 7 ) 

Jörg uud Ulrich machten glänzende Partien. Jörg, der sich Herr vo» 
Dachsberg zu Rappottenstein, Wolfstein, Grünburg und Spitz nannte, heirathete 
Frau Wiliburg, Tochter des Eberhard von Capellen, welche ihm grosses Vermögen 
und viele Güter zubrachte, unter andern die Herrschaft Stetteldorf nach dem 
Tode ihres Vaters Eberhard von Capellen, 8 ) drei Häuser zu Wien in der Juden- 



') 1371, 11. Augast, Wien. K a. k. Hof- und Staatsarchiv. -• Lichnowsky 1. c. 

in. io;>o. 

') 1379, 20. Sept., Wien. K. u. k. Hof- und Staatsarchiv. — Lichnowsky 1. c. III. 
1444. 144'). 

*> 1386, 91. Oktober, Wien. Herzog Albrecht gab ihm dieses Leibgfding wieder, obwol er 
sie verwirkt. <K. k. geh. Archiv. — Lichnowsky 1. c. III. 20 .'4. Vgl. Y. 83.) Dieser Heinrich 
hatte allerlei Zwiste mit der Familie von Meinsau u. a., in welchen Herzog Albrecht den Schieds- 
richter machte. Lichnowsky 1. c. III. 2124. 

*) Wi «grill 1. c. p. 185. Herr Eberhard kommt auch aU Zeuge vor: 1358, 1. Juni, 
Wien (Fönte» 1. c. X. p. 385, Nr. 3<W); U.VJ. 30. Juni Notizenblatt 1. c. IV. p. 3U. 

») 1306. 22. November, Hollenburg. K. u. k. Hof- u. Staatsarchiv. ■ Lichnowsky, V. 
9. Reg. 9. 

*» 1398. 8. Sept., Venedig. Hormayr, Taschenbuch. 1829, p. 28. — Lichnowsky. 
V. 264. 

') 1406, G. August, Wien. Rauch, Script, rer. Au«tr. III. p. 418. — Lichnowsky, 
V. p. 80. 

*> Das Geschlecht von Capellen erhob sich seit dem XIII. Jahrhundert zu grossem An- 
sehen. Der Letzte dieses Stammes, Eberhard II.. starb 1406 und hinterließ mr zwei Töchter: 
Wiliburg (f 1434) und Dorothea. Erstere war mit J3rg von Dachtberg vermahlt, letztere mit 



298 

gasse, ') die Vesten Brandeck (ein Lehen dos Bistums Regensburg), Arbesbach, 
Licbtenfels u. a. m. Jörg von Dachsberg kaufte zum Stifte Melk gehörige Lehens- 
güter zu Marehartsdorf an der Pulka (rntermarkerBdorf) und Windpassing und 
besass Gülten und Güter zu Ziegstorf (Ziersdorf bei Meissau).*) 

Ulrich von Dachsberg war in erster Ehe vermählt mit Anna von Losen- 
stein und in zweiter Ehe mit Margaretha Herrin von Walsee. einer Tochter des 
Heinrieh von Walsee zu Drosendorf. Diese reiche Erbin brachte ihm 1385 ein 
Heirathsgut von 1300 Pfd. Wiener Pfennige zu. Im Jahre 1399 kaufte er die Veste 
Ulrichskirchen mit allen Lehen von Ulrich von Walsee. 8 ) Von seinem Vetter 
Georg, der keinen männlichen Erben hatte, erhielt er die zwei Vesten Wolkers- 
dorf und Pilichdorf. 4 ) In Wien besass er ein Haus. 6 ) Die Herzoge Wilhelm und 
Albrecht stellten ihm Reverse aus über 3000 Pfd. auf die Veste Rappottenstein 
und über 4075 Pfd. auf dem Satze zu Krems und Stein, den er inne hat. 6 ) 

Der Letztgenannte (Ulrich III.) hob die Familie der Dachsberge auf den 
höchsten Glanzpunkt. Er war 1391)— 1402 Marschall von Oesterreich und spielte 
als solcher eine hervorragende politisch-kriegerische Rolle, (f 1415.) 

Unter den vom Herzoge ernannten, sogenannten „Geräunmeistern" 7 j zur 
Bändigung des adeligen und gemeinen Raubgesindels, welches um jene Zeit 
unser Heimathland belästigte und alle Art von Gräuel und Uebermut ungehindert 
verübte, befand sich Ulrich von Dachsberg. Er zog mit mehreren Edelleuten 
gegen die Raubritter aus und machte mit ihnen kurzen Process. Er vernain unter 
Eidesbekräftigung einige achtbare Männer des Ortes und Hess die von diesen als 
Raul »er bezeichneten Individuen ohne weitere Gerichtsverhandlung aufhängen oder 
zur Nachtszeit (wie ein Chronist sagt) wie räudige Hunde in der Donau ersäufen. 
Die Burgen der Raubritter Hess er zerbrechen. 

Diese martialische Anwendung des militärischen Standrechtes klingt unserem 
humanen Zeitalter, das selbst die Verbrecher mit Schonung und Zartheit behandelt, 
allerdings etwas barbarisch: aber eigentlich übte der an der Spitze bewaffneter 
Executionstruppen im Lande umherziehende Marschall nur dasselbe Faustrecht, 
wie die Herren Räuber, vor denen kein Haus, kein Sehloss, keine Stadt, keine 
Frau und kein Mann sicher war. 

In kurzer Frist waren die beiden bisher so geplagten Viertel ober und 
unter dem Mannhartsberge von den frechen Bösewichtern gereinigt.*) 

Die Edlen von Dachsberg stellten aber auch auf dem friedlichen Gebiete 
der Kirche ihre Männer. Ein Dachsberg leitete als Abt Johann III. von 1423—1436' 
das Benediktinerstift Lambach. Er richtete das Kloster neu her und wird als der 



llartneid ton Lichten*t*in ; Weide teilten du« Erbe. Dorothea erhielt das Schlons Schwertberg in 
Oberösterreich. Geschichte der Herrschaft Windeck uud Schwertberg. Archiv I. c. XVII. p. 175. 

».) Wiener Altert.-Ver. XV. p. 182. 

*) Keiblinger 1. c. III. ».Vi. 

a ) 1399. 7. Jänner. Wien. Zustimmung zum Kaufe von Seite der Herzoge Albrecht und 
Wilhelm. Lichnowsky, V. *88, 29l. Vgl. NntizenMatt. Beil. z. Archiv 1. c. 1. p. 376. 

4 ) Licbnuwflky, V. 536. 

*i 1404. «1. November, Wien. Schiedsspruch. L i c h n o w * k y, V. 661. 

*i 1401, 29. Jänner, Wien. 1402. 2». November. Wien. Lichnowsky. V. 438. 527. 

') Geräuneu, greinen, raunen, insgeheim verhören. 

•) Chron. Mellic. p. 250 bei Fez, 1. Chron. Zwetl. p. 545 bei Pez, I. Lichnowsky. 
1. c. V. p. 44. 



299 

zweite Stifter desselben verehrt, wie die schöne Grabschrift beweist, welche seine 
geistlichen Mitbrüder ihm setzten, und die lautet: 

„Nobilis hoc tumnlo Daxperger rite Joannes 
Clauditur et nostrae gloria magna domus. 

Namque reformavit monachos prudcnsque paravit 
Piscinas verus religionis amor. 

Hiuc pia verba Deo fratres effundite: tales 
utinam plnres cerneret iste locus." ') 

Der freigebige Wohlthätigkeitssinn der Familie Dachsberg ergiebt 
sich aus vielen Schenkungen und frommen Stiftungen zu kirchlichen Zwecken, 
deren etliche hervorgehoben zu werden verdienen, weil sie zugleich ein kultur- 
geschichtliches Interesse haben. 

Die Brüder Wolfger und Hanns von Dachsberg (Brüder Eberhards) kauften 
13G7 ein Melkerlehen und gaben es «1er Kirche zu Reichestorf (im Marchfeld).*) 

Im Jahre 1305 errichteten die Brüder Wolfger, Heinrich und Ulrich von 
Dachsperg eine Stiftung für sieh nnd ihre Vorfahren mit «lern Beisatze, dass 
jährlich am Mittwoch „vorm antlaztage" (Gründonnerstag) der Abt des Stiftes 
Zwetl einem jeden Conventual eine Mass des besseren Weines aus des Abtes 
Keller, ein Pfenuigwert Semmeln (weisses Brod) und drei Stück Fische gebe. 3 ) 

Eine ähnliehe Stiftung errichtete im Jahre 1327 IMrich von Dachs berg 
von Kappottenstein aus für das benachbarte Stift Zwetl, mit welchem die Familie 
Dachsberg von jeher in freundlicher Verbindung stand. In dem Stiftbriefe be- 
urkundet ririch von D.ichsberg. damals Dienstherr (ministerialis) in Oesterreich. 
dass er mit Willen seiner Hausfrau Oflfmev (Eufemia) und der Kinder seines 
Bruders Heinrich, nämlich Eberhard, Wolfker, Elsbeth und Clara „zu seinem und 
seiner Vordem ewigen Seelengeräth 11 folgende Stiftung errichtet. Er giebt von 
seinem ererbten Gute f> Pfd. und 17 Pfg. Geldes an die Abtei Zwetl, damit dort 
all** Jahre am St. Bartholomäustag jedem Herrn und jedem Bruder drei Stück 
guter Fische gegeben werden sollen, nämlich ein Stärk Hausen, ein Stück Karpfen 
und ein Stück Hecht, oder wenn man eine Gattung nicht haben kann, dafür eine 
andere oder eine gute Schüssel mit grünen Fischen, ferner einen Pfennigwert 
Semmeln, drei Eier, einen Krapfen und die grössere Mass guten Weines aus 
d»»s Abtes Keller, nach den besten vier Fässern, die in seinem Keller sind, da- 
mit der Convent des Stifters und seiner Vorfahren im Gebete desto besser ge- 
denke. — Wenn mau diesen Speiszettel liest oder hört, so wässern fast lukullisch 
die Zähne: allein man darf dabei nicht übersehen, dass damals die Cisterzienser- 
mömdie nach ihren Statuten nie Fleischspeisen genossen, und dass die Fische 
die Stelle des Braten an einem Festtage vertreten mussteu; für gewöhnlich be- 
kamen die Mönche nur zwei Speisen. Der biedere Stifter wollte den Mönchen 
am Aposteltage St. Bartholomäus ein Frcudentnahl bereiten. Warum soll mau es 
ihm verübeln und jenen die Extraspeise nicht gönnen? — Hören wir aber noch 



1 1 Hoheneck. Genealog. histor. Beschreibung der Stande etc. 1. Bd. p. .'»79. 

'> Kei b 1 inger 1. c. III. 253. 

*; 1305, Sonntag i.nch Allerheiligen, Krem*. (Archiv Zwetl. Siehe Beilage I.) — Während 
dt* in Niederösterreich unflätigen Dachsberge das benachbarte Stift Zwetl bedachton, errichtete 
Ulrich II. im Jahre 1337 im Stifte Wilhering ein ähnlich«« .Heelgerith» für sich nnd seine Vor- 
fahren. (Copialbuch A. p. 78; B. p. 650 im Stiftsarchiv za Wilhering.) Dieser Vlricus de l>*hn- 
perg ist in dus Necrologiutn des Stiftes Wilhering (V. Culend. April) eingetragen. 



300 

den vorsichtigen Beisatz lies Stifters. Derselbe sagt am Schlüsse: „Würde das 
Mahl gänzlich nicht gegeben werden, so solle der Geber oder seine Erben der 
Sammnung (Oonvent) ft Pfd. Geld (Gülten) ncinen und so lang behalten, bis der 
vorgeschriebene Dienst dein Convent völliglich gegeben wird. 1 ) — Aus einer 
Aufschreibung des Stiftes Zwetl vom XIV. Jahrhundert über die gestifteten Extra- 
speisen geht hervor, dass mehrere Edle von Dachsberg ähnliche Widmungen 
dem genannten Stifte gemacht haben. 8 ) Der vom Abte Friedrich (1410—1424) 
geschriebene Dachsberg'sche Stiftbrief giebt eine dem Gotteshause zu Zwetl ge- 
widmete Summe von 100 Pfd. sechsthalb und 50 Pfd. Pfg. und Güter an. wo- 
für das Stift sich verpflichtete, jährlich einen Jahrtag am Sonntag Invocavit zu 
halten des Nachts mit gesungener Vigil und Montags mit 16 Messen, ebenso am 
Quatembersonntag vor St. Michaelstag. 8 ) Nach einem mir aus Stift Zwetl zu- 
gegangenen Bericht« werden daselbst jetzt noch alljährlich 25 heil. Messen ge- 
lesen, und zwar 12 nach dem ersten Sonntag in der Fasten und 13 nauh dein 
Quatcmber des Monates September. 

Die oben erwähnte Vorsicht bei der Errichtung von Stiftungen scheint 
eine Art Familientradition der Dachsberge gewesen zu sein, wie aus der wahr- 
haft originellen Stiftung hervorgeht, welche die Witwe Ulrichs von Dachs- 
berg, geborene Walsee, in der Stadt Krems errichtete und die wir noch be- 
sprechen müssen. 

Ulrich von Dachsberg war längere Zeit kaiserl. Burggraf zu Krems unter 
K. Friedrich III. gewesen. Er hatte diese Stadt liebgewonnen, wie die grossmütige 
Stiftung, die er zu Gunsten derselben machte, beweist. Er schenkte der Stadt 
sein Haus und 30 Viertl Weingärten in der Nähe von Krems. „Mit all' diesen 
Gütern möge die Stadt schaffen, wie sie wolle". Dagegen verpflichtete er die 
Stadt zu folgenden Leistungen. Jährlich niiiss sie für den Stifter und seine Frau 
Margaretha am Mittwoch nach St. Martini ein Seelenamt mit vorhergcsunjrcner 
Vigil, nebst einem Libera und Lobamt, Alles unter dem grossen Geläut, halten 
lassen, und dem Pfarrer hiefür das 1 Untergestell von einein Ochsen, einen Wecken 
und eine Kanne Wein geben. Ferner soll die Stadt an diesem Jahrtag an haus- 
arme Leute drei ganze Stück wollene Tücher zu Gewand, in das Spital drei 
ganze rupfene Tücher zu Strohsäck und vier härene Tücher zu Lcilaeken aus- 
teilen. Tuch und Leinwand sollen beim Libera auf der Tuinba liegen, damit 
nicht darauf vergessen werde. 4 ) 

Diese älteste Stiftung bei der Pfarre Krems wird bis auf die neueste Zeit 
getreu eingehalten. Am Abende vor dem Mittwoch nach St. Martini ertönen 
feierlich alle Glocken der Stadt Krems und die Pfarrgeistlichkeit singt die Todteii- 
vigilie. Auf der Tumba liegen während der Vigilie die für die Armen bestimmten 
Stücke Tuch und Leinwand. Tags darauf, am frühen Morgen, erMnt abermals das 



1 ) Fönten rer. Austr. II. Abteil. 111. Bd. p. 673, 070. -Die Gülto lajf auf Besitzungen zu 
Talein, Zitfstorf (Zirodorf) und Gnanzstorf (Ckloubendorf). 

*) .Inm-.entium do Pachspergariis tria fiUhta vinum et. panom . . . Item quinta feiia in 
ebdoinada palrourum de DacliKpergariis tria frusta vinum et pauein ... In inventione b. crucic 
de dominn Hainrico de Dachsperck pixces vinum panem . . . In die Hartholemaoi de dorn. Vlriro 
de Dachtfperg piscea viuum panera artoereas . . . lt«*m Dyonisii de doniini* Wolfgero et Vlrico 
de Dachsperg pisces vinum et panom. " (Archiv a. a. 0. II. 371 — 375.) 

») Archiv a. a. ü. IT. 387, 388. 

*) Der Stiftbrief datiert aus Kbenfurt, Eritag vor Pfingsten 1452, und folgt in der Hei- 
lage II. nach einer getreuen Abschrift Im Pfarrarchiv Krem». 



301 

harmonische Glockengelänte und um zehn Uhr werden zwei Seelenämter für 
Ulrich und Margaretha Dachsberg gehalten, wobei stets die Gemeinde -Reprä- 
sentanz in den vordersten Stühlen erscheint. Nur das Hintergesteli des Ochsen 
ist neuerer Zeit in moderne Kilo umgesetzt worden und wird nach den mittleren 
Fleischspeisen in Geld bezahlt. Der Wecken aber wird noch in natura gegeben. 
Wer weiss, ob diese Stiftung die Stürme der Reformation uud des achtzehnten 
Jahrhunderts überdauert hätte, wenn der Stifter nicht die vorsichtige Familien- 
tradition klug und weise beobachtet hätte. 

Es erübrigt, dass wir das Aussterben der Familie Dachsberg kurz be- 
sprechen. Mit Jörg und Ulrich von Dachsberg hatte die Familie den Zenith 
ihres Ruhmes erlangt. Nach ihrem Tode giengen die reichen Besitzungen in 
andere Familien über, da beide keinen Sohn, sondern nur eine Erbtochter hatten. 

Georg, Herr von Dachsberg, zu Kappotenstein, Wolfstein, Grünburg, Spitz 
und Arbesbach, besass eine einzige Tochter Namens Anna. Diese war seit dem 
Jahre 1370 vermählt mit Rudiger III. von Starhemberg zu Wildberg. Den aus 
dieser Ehe entsprossenen zwei Söhnen Gundakar und Caspar vermachte 1415 
Georg von Dachsberg testamentarisch seine Herrschaften und Schlösser Rappotten- 
stein, Arbesbach, Wolfsteiu und Dachsberg. 1 ) Viele Lehen fielen an den Landes- 
fürsten zurück. Er selbst starb 1423 zu Wien und wurde in der Stiftskirche zu 
St. Dorothea begraben: ebendaselbst ruht auch seine Gemahlin Wiliburg, die 
1429 starb. 8 ) 

Auch Ulrich von Dachsberg hatte keinen männlichen Erben. Herzog 
Albrecht IV. bewilligte ihm 1403. im Falle er (Ulrich) ohne Söhne sterben sollte, 
die Güter Ulrichskirchen und Kronberg seinem Vetter Georg von Dachsberg ver- 
machen zu dürfen. 3 ) Da jedoch auch Georg, wie eben erwähnt, ohne Söhne starb, 
gieng das Erbe Ulrichs auf seine einzige Tochter Kunigunde über, welche mit 
Heinrich von Pottendorf vermählt war. Nach dem Tode ihres Mannes verschaffte 
dieselbe 1443 für den Fall, dass ihr einziger Sohn Georg von Pottendorf ohne 
Kinder abgehen sollte, 8000 Pfd. Pfennige schwarzer Münze aus ihren Gütern 
Ulrichskirchen, Pilichsdorf und der abgebrochenen Veste Kronberg ihrem Vetter 
Rüdiger von Starhemberg. Dieser Jörg von Pottendorf, oberster Schenk in Oester- 
reich, errichtete 1452 im Auftrage der Frau Margaretha, gebomen von Walsee, 
„Herrn Ulrichs von Dachsberg seeligen Wittib mein Aendl seelige" jene originelle 
Stiftung zu Krems, die wir soeben besprochen haben. Der grösste Teil des Be- 
sitzes der DaeliBberge gieng somit auf die Familie Starhemberg über, das Erbe 
der Pottendorfe fiel nach dem Aussterben des Mannsstammes (1487) an Kaiser 
Friedrich III. 4 ) 

Nach dem Tode der Beiden entstand unter den Verwandten (Pottendorf, 
Stubenberg und Eckartsau einesteils und der Starhemberge andernteils) ein 
Erbstreit über den Besitz der Dachsber^'schen Güter, welcher nach dem Aus- 



') Wis grill 1. c. p. 187. Er Int also der mütterliche Ahnherr der Starhemberg«. 

*) Kirchl. Topogr. XV. 33 giebt 12. Mai 1434 all Begrabniatag an. — Georg und Ulrich 
Ton Dachiberg sicherten ihrer Mutter Anna. geb. Scbiferin (vermählt mit Hartneid ron Dach«» 
berg, der auf Schlot* Daxberg las»), jährlich 150 Pfund Zulage zu ihrem wittiblicben Unterhalt. 
fEnnenkel , II. 121.) 

•) Lichnowiiky 1. c. V. 536. — Zeitschr. des herald. Vereines „Adler", Jahrg. V, 98. 

«)WiHgrill I.e. II. 186. — Schweickhardt, Urkundeubuch. VII. p. 126 — 
Lind, Ein Votivbild der Familie Pottendorf und Kbenfurt. ( Altert.- Ver. X X. 99 ff.) 



302 

spruehe des Grafen Josef von Schau nberg von Herzog Albrecht im Jahre 1430 
mit Gutheissung beider Parteien friedlich beigelegt wurde. 1 ) 

Von den Seitenlinien der Dachsberge werden später noch folgende erwähnt : 
Georg der Jüngere, welcher beim Leichenzuge des Kaisers Albrecht IL (1439) 
mit dem Stabe als Marschall des Hauses erschien. — Engelbert und Caspar, 
Herren von Dachsberge, fertigten 1452 das grosse Bündnis der österreichischen 
Stände wegen Einsetzung des jungen Königs Ladislaus in die Regierung seiner 
Länder. 2 ) 

Ein Hanns von Dachsberg stellte sich im Kriege gegen Mathias Corvinus 
an die Spitze von hundert geworbenen Fussknechten und schloss sich dem zu 
Hilfe eilenden Herzog Albrecht von Sachsen an, welcher die Fussknechte mit 
ihrem Anführer in dreimonatlichen Sold uam. 8 ) 

Der letzte Herr von Dachsberg, Namens Bernard. heirathete 1479 Katharina 
von Wirsing: deren Tochter Anna war 1523 Ehefrau des Eustachius von Aspan 
auf Lichtenhag und Harthaim. Mit ihm starb der n. ö. Mannesstamm der Dachs- 
berge aus.*) Eine Amalie von Dachsberg ehelichte circa 1570 Paul Freiherrn von 
Thannhausen, Landesverweser in Kärnten.*) 

Das Familienwappen der Herren von Dachsberg in Oesterreich ist ein 
weisser Dachs im rothen Schilde.") — Nomen et omeii. 

Ich bin am Schlüsse meines Vortrages über das Geschlecht der Dachsberge 
in Niederösterreich. In einem abgelegenen Zimmer des Bürgerspitales von Krems 
befinden sich die beiden Porträte der zuletztgenannten Stifter Ulrich und Marga- 
retha von Dachsberg. Er eine lebensfrische Mannesgestalt mit offenen Zügen, 
den Degen umgürtet, im kleidsamen deutschen Wamse. Sie eine schmächtige, 
aber noble Erscheinung. Ob die Porträte echt sind, kann und will ich nicht 
verbürgen: jedenfalls sind sie zweihundert Jahre jünger, als das XV. Jahr- 
hundert. Jüngst stattete ich dem edlen Paar einen Besuch ab und Hess bei dem 
Anblick der Bilder die Geschicke der Familie Dachsberg an meinem Geistes- 
auge vorüberziehen. Dabei konnte ich das Bedauern nicht unterdrücken, dass 
die Porträte so grosser Wohlthäter der Stadt Krems in einem dunklen Winkel 
versteckt sind. Ich bin überzeugt, dass die weitaus grosse Mehrzahl der geboruen 
Kremser diese Bilder nie gesehen hat. Wenn ich in Gemeindeangelegenheiten 
etwas zu sprechen hätte, so würde ich einen Vorschlag machen, wie die Stadt 
Krems die Edlen von Dachsberg und nebenbei sich selbst am besten ehren 

') Notizenblatt 1. c. IX. Jahrg. p. 33» ff. 

») W in grill 1. c. 117. 

») Schreiben de« Herzog» an die Stadt Krems. EniiB 1487, 24. Aaguft. (Orig Stadtarchiv 
Krems.) 

*) Ueheneck, TU. Bd. Der bayrische Stamm der Dachsberge erhielt eich langer. Noch 
1781 lebte Johann Freiherr von Dachsherg, Herr auf E< 'g1hofen, kurhayrischer Kämmerer und 
Vkedotn zu Burghausen, mit dem jedoch der Stamm ausgestorben ist. (Kneachke I. c. II. 3'J8.) 

4 ) Mergmann, Medaillen. I. 142. So erklart «ich das Wappen der Dachsberge auf einem 
Grabsteine an der linken AuBBenseite der Domkirche zu Klagenfurt. 

*j So auf dem gut erhaltenen Siegel einer Pergament-Urkunde dcB Stiftes Zwetl rom 
Jahre 1306 (im Archiv des Stifte» Zwetl). — Das Wappen dor bayrischen Linie Dachsberg ist 
quadriert; im ersten und vierten Felde befindet sich in Koth ein weisser Dachst, links springend; 
nnf dem ersten Helm **in niederer Hut, darauf der wachsende weisse Dachs, auf dem zweiteu 
Helm ein bärtiger Mannsrumpf. (Alter Siebinacher. Wappenbuch. I. LH. Adler, II. [1872] S. 53. 
-- V. Hefner, Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland. I. 261.). 
Dieses Wappen war im XVI. Jahrhundert auch das Wappen der österreichischen Dachsberge. 



303 

könnte. Auf dem Platz vor dem historischen Rathhause, welches ein Geschenk 
des edlen Ulrich von Dachsberg ist. steht eine von einem Brunnen umflossene 
Marmorsäule, die seit Jahren auf die Lebensfigur wartet, welche sie krönen 
soll. Ulrich von Dachsberg, — ein Edelmann aus uraltem Geschlecht, ein Bürger 
von Krems, der Stifter des Kremser Rathhauses, der Landmarschall von Nieder- 
österreich und kaiserliche Burggraf von Krems, einer der grössten Wohlthiiter 
der Stadt — Ulrich von Dachsberg sage ich, würde dieses Monument in der 
inodellgünstigen Gewandung des XV. Jahrhunderts am schönsten zieren und wäre 
zugleich ein offen aufliegendes Buch, aus welchem die jetzige und kommende 
Generation österreichischen Patriotismus lernen könnte. 1 ) 



Beilagen. 
1. 



Wir wolfger, hainrich, vnd vlrich di brueder von daehsperg tfin chunt 
vnd verichen an disem brieve allen liuten, di nv sint oder her nah chunftig 
werden, daz wir mit guetlichen willen, vnd gemaincleichen nah vnser vreunde rat, 
vnd besunderleichen durch got vns verczigen haben aller ansprach di wir bieten 
gegen dem apt vnd der samung von zwetel, vmb daz gut cze blezperg. cze 
czaglaw, cze schaffperg, cze poesenwcizenbach. also daz wir in iehen des vor- 
genanten gutes cze rechtem aigen, dar vmb daz si daz gfit cze pramperg vns 
ledigez lazen vnd cze rechtem aigen, vnd also beschaidenlichen, daz der vor- 
genant apt vns, vnd vnserm vater vnd vhsr mfiter, vnd allen vnsern vodern zv 
^ehoegeuiss vnd cze ain selgeret, gebe alle iar ain dienst der sammung, davon si 
getroestet wdn gemaincleichen ieeleichem di merer mazz des pezzern weines auz 
des aptes kelrr. vnd ain pfcnnwert senden, vnd drev stuk vissche. so man daz 
pest von vier pfunten ercziugen mach, als sschol man daz dienst geben alle iar, 
am nächsten mitwochen vorm antlaz tage. Vnd also beschaidenlichen wanne daz 
dienst als hie vorgenant ist ab gieng, oder nicht volcleichen gegeben wurd. daz 
wir di vorgenanten bruder von daehsperg vnd vnser nachkomen, vns vnderwinden 
sehullen, vunf pfunt gült auf dem vorgenanten aigen cze schaffperg vnd cze 
poesenweizenpaeh, vnd sehullen daz haben vnz an di ezeit daz vns daz dienst 
volcleichen ge . . zzert wirt. Vnd daz ditz ding immer stete sei, dar vmb gebe wir 
dein vor genanten apt otten vnd siner samung von zwetel disen brief, versiglet 
mit vnser dreier ingcsigel. vnd mit hern chunrath von pöchprg vnd mit hern 
hougen des tvrsen von liechtenvels ingesigel di dits dingef schiedliut waren, vnd 
dith dinjres geeziug sint. dar vber sint her wulfing des vor genanten hern chunrath 
sun. her hainrich hern hoogen des vorgenanten sun. her chunrat, her ott di 
briider von liechtenek dits dinges geeziug. vnd ander guter Hute vil. ditz ding 
ist geschehen vnd dis brief ist gegeben cze chrembs in zwetler hove. do man 
raitte von christes geburt dreveehen hundert iar, vnd fünf iar. am nächsten 
siintag nach aller hailigen tage, daz ist Vil jdus novembr. 

') Der Monumentalbrannen ist ein Geschenk des Fieiherrn von Wertheini an ftfiue 
Vaterstadt Krems. — In neuester Zeit hat man eine Uu&se der Stadt Duchsberggasse getauft. 



304 

Von den fünf angehängten Siegeln giengen das erste und dritte verloren 
während die drei übrigen gut erhalten sind, und zwar das des Heinrieh v. 
Daehsberg, des Chunrad v. Puehbcrg und des Hugo Turso v. Liehtenfels. Die 
Urkunde selbst ist auf Pergament gesehrieben und gut erhalten. 

II. 

Tch Jörg von Podendorf Obrister Rehenk in Oesterreieh vergieh für mich und 
allen meinen Erben, und tue kund öffentlich mit den Brief allen, den er fürkummt. 
als die Edl und wohlgeborn Frau Frau Margarethen gebohrn von Waise Herrn 
Ulrichs von Daehsberg seeligen Wittib mein Ändl seelige. den Erbern weisen den 
Rath zu Krems Tausend vngerisch Gulden in gold zu einem Ewigen Jahrtag in 
St. Veits Pfarrkirchen zu Krems zu Begeen und hundert pfund pfening zu unser 
Frau n Kirchen zu dem Bau daselbs geschaft hat. und um die vorgenannten 
tausend vngerisch gülden mit hundert pfund pfening hab ich den vorgenanten 
Rath und den Burgern gemeiniglich der Stadt zu Krems recht, und redlich 
übergeben, und mit Bürkherrn und Bürkfrauen Händen ingeantwurt, mit guten 
willen, und wohlbedachten mut. und nach Rath meiner Freund zu der Zeit, da 
ich es woll getun mocht. die hernach benannten Stück, und guter etc. von erst 
ein Haus mit sammt der press und Märstall, und anderen sein zugehörungen 
gelegen zu Crembs in der neuen Landstrass zu nächst Hansen des gürtlers Haus, 
da man von den Benannten Haus jährlich zu Burkrecht gibt dem Krsamen und 
Hochgelehrten Meister Petcrn von Linz Pfarrern zu Krems und seinen Nach- 
kommen acht und vierzig Wiener pfening und von der press und Märstall Sechs 
pfening, und in das Stadtgericht Baider Statt Creins und Stein zwelif pfening zu 
Vogtrecht an St. Michaelistag und nicht mehr, item ein Jeuch und ein aehtl wein- 
gartten gelegen in den inneren Lindberg zunächst des Prenaistel Hafner Wein- 
garten, davon jährlich zu Burkrecht gibt dem Erwürdigen geistlichen Herrn 
Herrn Jörgen Abbt zu Zwetl in den Zwctlerhof zu Weinzier] zween und Siebenzig 
pfening an St. Oolmanstag und nicht mehr. 

Item anderthalb Jeuch weingartten genant der gross Kobel zu nächst der 
ClostiT Frauen von Passau Weingartten davon man Jährlich zu Burkrecht gibt 
dem Erwürdigen geistliehen Herrn Herrn Benedikten Brobst des gottshaus zu 
Hegi'lwerth in Hegelwerther Hof zu Weinzierl acht pfening an St. Miehaelistag, 
und nicht mehr. 

Item zwey Jeuch Weingartten genannt das Marthall zu nächst der schedin 
von Lengenfeld weingartten, davon man Jährlich zu Burkrecht gibt dem Ehr- 
samen Herrn Herrn Wolfgangen Scherchhamer Hofmeister in Admunderhof zu 
Krems Sechs pfening am St. Michaelistag und nicht mehr. 

Item anderthalb Jeuch Weingarten genant «1er Küchenmeister zu nächst 
der Herrn von Zwettl Weingt. : davon man jährlich zu Burkrecht gibt der 
Erwürdigen geistlichen Frauen Schwester Agnesen Weintingering Priorin zu 
Mimpach und ihrem Nachkommen fünf pfening, und drey viertel weingartten 
genant das kleine Kobel, zwischen dem grossen Kobel, und dem Küchen- 
meister gelegen, davon man auch jährlich zu Burkrecht giht der vorgenanten 
Priorin, oder ihrem nachkommen vier pfening. alles am St. Michaelistag. und 
nicht mehr. 



305 

Item drty viertl Weingartten genant der gros Kobel zu nächst der Cluster 
Frauen von Passau weingartten, davon man Jährlich zu Burkrecht gibt dem 
Ehrsamen Herrn Hrn. Pongrazen, Hofmeister in Egelzelierhof zu Weinzieri 
vier pfening, und ein halb Jeueh Weingartten genant das Marthal zu nächst der 
schedin von Lengenfeld weingt. : davon man auch .Jährlich zu Burkrecht gibt 
den vorgenanten Engelzellerhof fünfzehn pfening, alles in St. Michaelstag, und 
nicht mehr. 

Item Drey viertl weingartten gelegen auf dem Berge zu Rechberg zunächst 
Stephans den Eggenburger Weingartten, genant der gatem, davon nun Jährlich 
zu Burkrecht gibt dem Edlen Jörgen Mühlbanger zu der Vesten gehen Rechberg 
fünf pfening an St. Michaelstag, und nicht mehr. 

Die vorgenanteu Stuck und guter mit allen ihren zugehörungen, auch mit 
allen den Ehren und rechten, als die von alther vnversprochentlieh in Burg- 
rechtung und gewähr herkommen seyn, als habe ich die dem Burgermeister 
Rath und den Bürger gemeiniglich der Stadt zu Crembs, und allen ihren Nach' 
kommen um die obgenanten Tausend Vngerisch Gulden in Gold, und hundert 
pfund pfening lediglich übergeben, und Ihn auch die aus meiner nuz und gewähr 
in ihr nuz und gewähr geantwortet in solcher Meinuug, dass sie und all ihr 
Nachkommen nu für Bass die vorgenante Stück Haus und Weingarten mit allen 
ihren Zugehörungen sullen innen haben, nuzen nuessen und allen ihren freuen 
damit Schäften, mit Verkaufen, Versetzen, und geben, wenn sie wollen, und alle» 
das mit handeln und tuen, das in dan aller Best fügt, od. wohlgefählt, ohne mein 
meiner Erben, und ohn mänigliehs von Vnserwegen Irrung und hintemuss unge- 
fährlich doch also, dass sie und all ihr Nachkomen nu für Bass Jährlich und 
ewiglich einen Jahrtag und Seelgrecht begehen sullen des Mittichen nach 
St. Martim Tag, ob aber etwas Ehrhaft noth darinnen verhindert, so sullen sie 
es dann immer den nächsten acht tagen darnach on Werer waigerung und ver- 
ziehen Begeen und ausrichten, in allen der Masse, als nehmlich hernach 
geschrieben stcct von erst des Nachts mit einer gesungen Vigil mit neun Lotion 
und nach den Vigil auf das Grab geen mit dem Plazebo und Respons mit auf- 
gehellten Paar mit sechzehn stekkörzen und vier Wandlung kürzen, die bey dem 
Vigili und des Morgens bey den Ämtern und Messen brienen sullen, und mit 
den grossen geleuth des Abends und des Morgens ausläuthen, des Morgens mit 
einen gesungen Seelamt, und zu den Oblav sullen sie lassen fürtragen ein ganz 
Kutergestell von ein ochsen, und Wein und Brot als gewöhnlich ist, und au 
denselben Tag ein Loblichamt von vnser lieben frauen Schidung lassen Singen, 
und darzu ausrichten und sprechen lassen Drcyssig Seelmess Jährlich desselben 
Tags, und indem derselben Priester für seine Mühe und Kost geben vier grossen, 
oder für jeden grossen Sieben pfening die dann die Zeit gib und geb sein, auch 
so soll ein jeder Priester, der da in derselben Pfarrkirchen zu Crembs zu 
St. Veit an Suntag, od. an anderen Tagen predigt für das Geschlecht von 
Dachsberg, und für die obgenannten Frauen Margarethen gebohrn von Waise 
und Frauen Kunigunden Ir Tochter mein Mutter selige, und für mich all vnser 
Vorfordern und Nachkommen Seelen bitten, und der gedacht uns haben, item 
sie sullen auch von Jar zu Jahrn die Kerzen zu den Begeen machen und das 
aufbarn thun, sie sullen auch an dem Tag, so sie den Jahrtag begehen wissent- 
lich geben Haus armen Leuthen, drey ganze wollene Tücher zu gewand, als 



306 

vere die graichen mugen. uml daselbst auch den armen Leuthen in das Spittall 
drey ganz rnpfene Tücher zu Strosäcken, und vier ganze Härberne Tücher zu 
Leiblacher, und dan darob zu sein, damit ihr Spitelmeister das unter die armen 
Leuth getreulieh aus Teil, und zu dem allen ist geordnet, dass sie das alles so 
vorgeschrieben stett mit zwey und dreyssig Pfund pfening gelts Jährlichen gnlt 
für und für ausrichten und Bezahlen, und geben Armen Leuthen getreulich und 
uugeferlich, und ob besehen, dass sie oder Ir nachkommen die vorgeuanten 
Begeuung alle so vorgeschrieben stett ewiglich nicht aufrichten und denselben 
Jahrtag jährlich nich begengen. mit allen dem so vorgemelt ist. od. aber von 
den zweydreyssig Pfund pfening über solch Begeen nicht überblieb, und das 
armen Leuth noch geben noch reichen, dass ungefährlich wissentlich gemacht 
wurd, so sullen sie zu peen verfallen sein, zu geben ou widered einen jeden 
Landesfürsten in Oesterreich hundert pfund pfening on alle Gnad, und darzu 
den armen Leuthen in dem Burger-Spittall zu Krems auch jährlich, als oft sie 
das übertretten zwey und dreyssig Pfund pfening, die mit unseren wissen und 
willen ausrichten und geben, damit die zu ihren Nottdurften angelegct und 
gebraucht werden ungefarlich Ich bin auch mit samt allen Meinen Erben unter- 
schiedentlich der vorgenanten Güter Haus und Weiugartteu mit allen ihren 
Zugehörungen des obgenannten Raths und gemeiniglich der Burger zu Krems und 
all Ir Nachkommen Recht, und gewer und Schirmung für all rechtlich ansprach, 
als solches Übergebens Burkreehts und des Lands Oesterreich Recht ist, und in 
den Rechten so vorgesehrieben stet, ging sie aber daran nicht ab, oder stund 
in icht Krieg oder ansprach dran auf von wenn das wer mit Recht was sie de* 
Schaden nennet den gelob ich in allen auszurichten und wider zu keren an allen 
Schaden und sullen auch sie das haben auf allen uusern gut. wo wir das haben 
in dem Land zu Oesterreich, wie das genannt ist nichts ausgenommen, wir sind 
leutig od. Tod, und dass die Sach und Handlung fürbas ewichlich also ganz 
stet u. unzubrochen Beleih darüber zu einer waren Urkund gib ich für mich u 
all mein Erben den egenanten Rath, und den Burgern gemeiniglich der Stadt 
zu Crembs und allen ihren nachkomen den Brief besigelteu mit mein obgenanteu 
Jörgen von Pottendorf anhangenden Insigill und mit der vorgenanten Burk- 
herren und Burkfrauen auch anhangenden Insigeln doch in und ihren Nach- 
komen, an den vorgenanten ihren Burkrechten unvcrgrifenlich der Sach siut 
auch gezeugen durch meiner tteissiger Bett Willen die Edlen Herren Hr. Wilhelm 
von Topf mein lieber Freund und Hr. Veit von Eberstorf mein lieber Vätter 
mit ihren anhangenden Insigelln In und Ihren Erben an Schaden, geben zu 
Ebenfurt an Eritag vor Pfingsten nach Christigeburt vierzehnhundert Jahr und 
in den zwey uml fünfzigsten Jahre. 



307 



m. 

Stammtafel der Dachsberge. 1 ) 
Pertoldus de Dahsperg (c. 1200). 



Urions de Dahsperch. 1218—1240. 



Wernhart 1. 1256—1292. — Ortolf. 1261. 



Wolfker I. 1300—1315. - Heinrich I. 1305-1321. - Ulrich II. 1305-1327. 



Eberhart. 1327—1360. 



Wolfker II. 



Elspet. 



Clara. 



Gundaker. — Heinrich II. 1369. 



»•v- 



Jörg f 1423. 
ux. Wiliburg geb. Capellen. 



Anna, 
ux. Kugef von Starhemberg. 1370. 



Ulrich III. Breid. Wolfker III. Hanns. Eberhard. 

1368— 14U6. ux. Ulrich 1367. 1367-1411. 1367. 

ux. von ux. 

Margaretha Kranich- Anna Schifer. 

von VValsee. berg. 



Johann. 

1 1436 als Abt 

zu Lambach. 



Chunigunde. Elsbet. Erntraud. 

ux. ux. Fried von ux. 

Heinrich von Stubenberg. Leopold von 



Pottendorf. 
1420. 



Ekartsau. 



Ulrich Lcutold von Stubenberg. 



Besprechungen. 

Scriptores ordinis S. Benedicti qui 1750—1880 fuerunt in Imperio 
Austriaco-Hungarico. Vindobonae 1881. Suinptibus Ordinis. 
In aedibus Leon. Woerl Librarii Herbipolensis et Vindo- 
boncnsis. KI. fol. CXIX. 600. 
Der Orden der Benediktiner hat im Jahre 1880 nicht nur unter be- 
geisterter Teilnaine seiner Mitglieder, sondern auch unter lebhaften Sympathie- 
bezeugungen der Männer der Wissenschaft und aller wahrhaft Gebildeten sein 
1400jähriges Jubiläum gefeiert. Ein Orden, welcher sich durch nahezu vier- 



') Vgl. Julias Strnadt, Penerbach (im 27. Bericht« über das Museum Francisco 
Carolinnm tu Lins, 1868, S. 340—343). Irrtümlich ist daselbst Anna, Gemahlin des Kuger von 
Btarhemberg, als eine Tochter Eberhards angegeben, da sie die Erbtochter des Jörg von Dachs- 
berg war. - Notizeablatt 1. c X. Jahrg. S. 901. 



308 

zehn Jahrhundert« um Wissenschaft und Künste, um die ireistige und materielle 
Kultur der abendländischen Welt so ausgezeichnete Verdienste erworben hatte, 
konnte aber dieses hehre, alle Geister erhebende Fest seiner Bedeutung naeh 
nicht wirkungsvoller begehen, als dass er neben kirchlichen Feierlichkeiten auch 
in der Wissenschaft sieh neue, dauernde Denksteine zur Erinnerung an das 
vierzehnte l'entcnarium setzte. Der Eine ist die Benediktincr-ZeitBchrift, benannt 
„wissenschaftliche Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner -Orden mit 
besonderer Berücksichtigung der Ordensgeschichte und Statistik, zur bleibenden 
Erinnerung an das Ordensjubiläum begründet und herausgegeben von Mitgliedern. 
Freunden und (.fönnern des Benediktiner-Ordens 1 ', ein zweiter ist — abgesehen 
von so manch' anderen literarischen Gaben aus jenem Anlasse — das ins- 
besonders für die österreichischen Benediktiner wichtige, an der Spitze dieser 
Zeilen erwähnte Werk. 

Die österreichischen Benediktiner haben nämlich den Plan gefasst, das 
grosse Werk Ziegelbauers. dessen „historia rei literariae ordinis S. Benedieti", 
mit Rücksicht auf Oesterrcieh- Ungarn fortzusetzen. d. h. mit dem Jahre 175ü. 
mit welchem Ziegelbauer seine Literargeschichte abgeschlossen hatte, zu beginnen 
und bis zur (fegenwart fortzuführen. Damit haben sie einer künftigen, dem 
Stande der heutigen Forschung entsprechenden Umarbeitung und Fortsetzung 
Ziegelbauers. die schon der gelehrte Benediktiner P. Gallus Morell angebahnt 
hatte, worüber er aber starb, ein gewaltiges Stück vorgearbeitet. Dieses Werk 
gereicht daher den österreichischen Benediktinern zur hohen Ehre, und Dank 
sei ihnen dafür gezollt von der ganzen gelehrten Welt! 

Die im Jahre 187U in Wien versammelten Bevollmächtigten der öster- 
reichischen Benediktinerklöster haben nun ihren würdigen Mitbruder, den ge- 
lehrten Forscher auf dem Gebiete der Literargeschichte des Benediktiner-Ordens. 
Professor Dr. Gottfried Friess im Stifte Seitenstetten, dessen .,Studien über das 
Wirken der Benediktiner in Oesterreich für Kultur. Wissenschaft und Kunst 1 * so 
ungeteilten Beifall gefunden, mit der Redaktion und Herausgabe der „Seriptores*" 
betraut; sie hätten wol keine geeignetere Kraft dazu linden können. Und darum 
ist dieses vortrefflich beschlossene Werk auch in vortrefflicher Weise gelungen. 
Das Prooemium (I- IV) um! die „brevis historia Ordinis Imperii Austriaco- 
Hungariei" in drei Kapiteln (VI— CXIX) stammen aus der stilgewandteu Feder 
des Herausgebers. Sie sind, wie das ganze Werk, wegen allgemeiner Brauchbar- 
keit in gelehrten Kreisen in lateinischer Sprache geschrieben. Das reiche Mate- 
riale für die Geschichte der österreichischen Benediktinerklöster, das in diesem 
Prooemium in einfacher, edler Sprache klar und übersichtlich niedergelegt wurde, 
ist auch ein überaus wichtiger Beitrag für die Geschichte der Kultur in Oesterreich 
in früheren Jahrhunderten. Was die Benediktiner hier in Schule um! Kirche, für 
Erziehung und geistige Bildung, für Landwirtschaft und Entfaltung materieller 
Kultur im Laufe der Jahrhunderte geleistet haben, konnte bei der Menge des 
Stoffes freilich nur in Umrissen dargestellt werden, aber wie dies geschah, ver- 
leitet uns zu den Worten: „In der Beschränkung zeigte sich der Meister." Naeh 
diesem allgemeinen Teile werden in alphabetischer Reihenfolge alle jene Ordens- 
mitglieder aufgezählt, welche in der Zeit von 17f>0— 188o irgendwie literarisch 
thätig gewesen. Bei jedem macht uns eine mehr minder ausführliche Biographie 
-- Geburtsort und Geburtsjahr. Studiengang bis zum ersten Messopfer. Thätigkeit 
als Lehrer oder Seelsorger — mit seinen Schicksalen, seinem Bildungsgange 



309 

und seiner Thätigkeit bekannt, worauf Alle» namhaft gemacht wird, was er an 
literarischen Arbeiten dem Drucke übergeben oder als Manuscript hinterlassen 
hat. Dass hier für den Literarhistoriker ein wahrer Schatz zu heben ist, braucht 
wol nicht erst näher bewiesen zu werden. 

Die österreichischen Benediktiner haben sich aber nicht nur mit der 
Herausgabe dieses Werkes grosse Verdienste erworben, sie haben dasselbe auch 
entsprechend der Bedeutung des Festes und seines Inhaltes in hübscher Aus- 
stattung erscheinen lassen. Druck und Papier sind zu loben. A. Mayer. 



Beiträge zur Chronik der Stadt Baden bei Wien. Von Dr. Hermann 
Hol 1 et. Stadtarehivar. Mit einem Titelkupfer und acht Abbildungen im 
Texte. Baden bei Wien. Verlag von Ferdinand Schütze. 1880. 4". 247 S. 

Dr. Hermann Hellet, der in jüngster Zeit in den weitesten Kreisen be- 
kannt gewordene Herausgeber der Göthehildnissc, bekleidet in seiner Vaterstadt 
Baden, wo seine Familie seit Jahrhunderten ansässig ist, das Amt eines Stadt- 
archivars. Als solcher hat er sich nun um Baden ganz besondere Verdienste 
erworben; er hat die ihm anvertrauten Archivalien geordnet, in entsprechenden 
Häumen untergebracht und verwaltet nun seitdem seine Sehätze in fachmännischer 
Weise. I'nseres Wissens haben wir in Niederösterrcich gegenwärtig nur ein 
Beispiel noch zu verzeichnen, wo ein Mann das Archiv einer Stadt sozusagen be- 
grün, let und sich nun um dasselbe hochverdient gemacht hat: Stadtsekretär J. K. 
Puntschert in Hetz. Auch dieser hat hier das Archiv geradezu musterhaft ein- 
gerichtet -- welches Lob ihm selbst strenge Fachmänner erteilten — sorgte und 
sorgt noch mit nachahmenswerter Pietät für alle die Schätz»« zur beschichte von 
Hetz, die er gesichtet, geordnet, ja oft vom l'ntergauge gerettet hat. Leider 
finden die uneigennützigen und patriotischen Bestrebungen solcher Männer nicht 
immer die verdiente Anerkennung unter ihren eigenen Mitbürgern, und nur 
Wenige sind es, die frei von Missgunst und in gerechter Beurteilung solcher 
Mühewaltung diese Männer unterstützen. 

Dr. Hermann Bollct kann erzählen, wie es ihm mit seinen „Beiträgen 
z ii r t ' li ro n i k der St a d t B a d e n" ergangen ist. Voll Fifer für eine gute 
Sache und noch dazu im Jubiläumsjahre der Stadt Baden, hatte er den be- 
danken getasst. Vergangenheit und Gegenwart des weltbekannten (Juellenortes zu 
lebendiger Darstellung zu bringen und zugleich eine notwendige Grundlage für 
dessen Geschichte zu bilden, die erst nach Herbeisehatfung des möglichst voll- 
ständigen Materials in gründlicher Weise und in richtigem Sinne geschrieben 
werden kann. Kr war dabei nur von dem Wunsche erfüllt, «lern Gemeinwesen 
zu nützen und einer solchen künftigen Gesammtdarstellung der Ortsgeschichto 
eine festere und umfassendere Grundlage zu schallen, als sie bis jetzt vorhanden 
gewesen ist. Dabei rechnete er auf die Unterstützung aller Intelligenten, deren 
Interesse in irgend einer Weise mit Baden verknüpft ist. 

Mit 1. Jänner 1880 begannen die „Beiträge zur Chronik der Stadt Baden 
bei Wien** zu erscheinen. Wir halten es für unsere Pflicht, sie in den „Blättern 
des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich" ihrem Inhalte und ihrer 
Bedeutung nach, wenn auch nur kurz zu kennzeichnen. 

Blatt, d. Vereinen f. Landeik. 1882. 4-9. 21 



310 



Die uns vorliegenden swei Jahrgänge geben zuerst eine Chronik der Ver- 
gangenheit Badens, chronologische Nachweise zur Geschichte desselben. Mit 
Flciss und Sorgfalt sind da alle wichtigen Momente aus den Quellen vom zweiten 
Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung au zusammengetragen. Aus dein 
Archive der Stadt Baden sind diplomatisch sorgfältig neun Crkunden abgedruckt, 
darunter auch K Friedrichs IJ1. Privilegium, womit Baden zur Stadt erhoben 
ward (1480). In den Memorabilien der Stadt wird von den Wahrzeichen, dem 
Wappen und den Siegeln, von Betsäulen und Volksinythen. Denkmünzen. Pro- 
testanten. Tiirkeneintallen, Pest und Brand gehandelt: die Häuser-Chronik, die 
Badenor- Familien. Theater und Bäder, die Reihenfolge der Pfarrer, die Burg 
Baden, das Geschlecht der Herren von Baden u. s. w. schliessen sieh in ebenso 
sorgfältiger Darstellung an: auch über die alten Ansichten der Stadt Baden, be- 
sonders die interessante Ansieht Dreieckers aus dein Jahre 1480. deren überaus 
nette Radierung von Emil Hütter dem Buche 'als Titelblatt zur besonderen Zierde 
gereicht, sind genaue Besprechungen enthalten. Die Chronik der Gegenwart ist 
von Nummer zu Nummer mit sichtlicher Liebe und andauerndem Fleisse. den 
Hauptcigenschaften eines Chronisten, zusammengestellt. Cnd um unsere Auf- 
zählung von dem Inhalte des so schönen Unternemens. wie es Kollet für seine 
Vaterstadt Baden begonnen und mit allem wissenschaftlichen Kruste durchgeführt 
hat. vollständig zu machen, erwähnen wir, dass ausser jenem Titelblatte noch 
sieben Abbildungen beigegeben wurden. 

Man sollte nun meinen, dass bei Dr. Kollet sich das erfüllt habe, was er 
in seinem Programme erhofft hatte. Aber weit gefehlt! Am Schlüsse des Jahre« 
1881 musste derselbe die „Beiträge zur Chronik der Stadt Baden" eingehen 
lassen, im milden Euphemismus und mit Iiesignation erklärte er. „dass sie zwar 
— viel gelesen — in weitesten Kreisen entschiedenes Interesse erregt, doch nicht 
die entsprechende Verbreitung durch Pränumeration gefunden, so dass knapp 
nur die Herstellungskosten gedeckt worden sind und der Verfasser - der (dabei 
vollständig auf seine eigene Kraft angewiesen) nicht geringe Mühe aufgewendet 
und auch noch mehr geboten hat. als angekündigt war — ganz umsonst (hoffent- 
lich nicht in jeder Beziehung) arbeiten musste." Wir können zur Ehre Nieder- 
österreichs nur wünschen, dass dieser so eklatante Fall vereinzeint bliebe, und 
andere ebenso edle und nützliche Bemühungen um die Pflege der heimathlichen 
Geschichte künftig besser gewürdigt werden möchten. A. Maver. 



Zar sechshundery ährigen Gedenkfeier 

der 

Belehnung des Hauses Habsburg mit Oesterreich, 

dem Slammlande der Monarchie.*) 



Rudolf von Habsburg 
und der österreichische Staatsgedanke. 

hundert Jahre sind verflossen, seitdem der römi- 
ip König Rudolf seine Söhne mit den österreichi- 
ten Ländern belehnte und dadurch den Grund 
te zur heutigen habsburgischen Monarchie. An 

*) Die einzelnen Abhandlungen, welche diesem Feste gewidmet sind, 
(•reellen sich, wie schon dir Themata besagen, mit AiiHiiame des Fest- 
artikels des Herrn k. k. UniversiliitsprofeBaors Dr. Heinrich R. v. Zeiss- 
berg, weither den Österreichischen Staatsge danken in und seit der Be- 
lehuung am 27. Deoember 1282 in der Politik der hab ab urgi sehen Fürsten 
überhaupt entwickelt, nur in der Zeit Her ersten Sprössliuge dieses er- 
lauchten Regen tengeschlenht09. Uiuversitätsprofessor Dr. Arnold Luaohin 
von Eben Kreuth schildert die Bedeutung König Rudolfs für das öster- 
reiehische Miiuzwescn, Gyimiasialprofessor Dr. Gottfried Friess führt uns 
den Kampf Albrechts, des ersten habsburgischen Fürsten in Oesterreich, 
mit den Dienstherren daselbst vor Augen. Hegiernngsrath Dr. Eduard 
Freiherr von Kacken giebt eine kritische Untersuchung der authen tischen 
Porträts König Rudolfs von Habsburg und dessen Grabsteine, Graf 
Pettenegg eine eingehende Darstellung des habsburgischen Stamm - 
wappens. Sektionsrath Dr. Karl Lind behandelt die sphragistisoben Denk- 
male Albrechts und Beiner Gemahlin Elisabet, sowie wie die Ruhestätten 
der ersten österreichischen Habsburger. 



einem Ereignisse von so hervorragender, ja epochemachender 
Bedeutung durfte die Erinnerung nicht teilnamslos vorübergehen ; 
dynastische und heimathliche Gefühle haben daher den Gedanken 
zur Reife gebracht, den inhaltsreichen Gedächtnistag in einer 
der Bedeutung desselben angemessenen Weise zu feiern. 

Wenn man nun Rudolf von Habsburg — und dies mit 
vollem Recht« — als den Fürsten bezeichnet hat , der dem 
österreichischen Staat sgedanken zum ersten Male Ausdruck gab 
und denselben zu verwirklichen suchte, so darf man dabei doch 
nicht übersehen, dass sein praktischer Sinn, wie überall, so auch 
hier an ein Gegebenes anknüpfte, das er aus bereits vorhandenen 
Keimen nur weiter zu entwickeln bemüht war. Will man daher 
die Belehnung der Söhne Rudolfs in ihrer ganzen Tiefe erfassen, 
so empfiehlt es sich, bis zu den Anfängen österreichischer Ge- 
schichte emporzusteigen und sich die Frage vorzulegen, ob nicht 
vielleicht schon im Beginne derselben Ansätze zu einer staat- 
lichen Bildung sich erkennen lassen, die Rudolf als Fundamente 
zu seinem eigenen Werke benützt hat. Sollte diese Frage bejaht 
werden müssen, so wird dadurch die persönliche Bedeutung Rudolfs 
von Habsburg nicht im mindesten geschmälert. Denn echte, staats- 
männische Weisheit hat sich jederzeit nicht so sehr in der Hervor- 
bringung völlig neuer, aber der Mitwelt unverständlicher und 
fremder Ideen, sondern vielmehr darin bewährt, dass sie den in 
der Zeit vorhandenen, aber noch halb unbewussten Stimmungen 
und Bestrebungen zu bestimmtem Ausdrucke verhalf, dass sie 
den Zauber löste, der zwischen den Wünschen der Zeit und ihrer 
Erfüllung lag. 

Bekanntlich hat zuerst Karl der Grosse auf den Avaren 
abgerungenem Gebiete jene Mark gegründet, aus welcher das 
spätere Herzogtum Oesterreieh hervorgieng. Es war ein unansehn- 
licher Landstrich. Die Ostmark reichte im Süden der Donau von 
der Enns bis an den Wienerwald ; im Westen war mit derselben 
in fränkischer Zeit auch noch der Traungau verbunden. Im Norden 
der Donau gab es keine feste Grenze. Das Land war noch viel- 
fach Urwald und wol nur spärlich von jenen Slaven bew r ohnt 
und bebaut, die bisher unter avarischer Herrschaft gestanden 
hatten und diese nun mit der fränkischen vertauschten. Aber 
eben in der Zeit der fränkischen Herrschaft begann in ununter- 



812 



hrochener Folge die Einwanderung deutscher Ansiedler, zunächst 
aus Baiern, die zuletzt das einst slavische in ein kerndeutsches 
Land verwandelt und den Urwald und Sumpf mit ausdauerndem 
Fleisse urbar gemacht haben. 

Die Bestimmung der Mark war zunächst eine militärische. 
Sie sollte ein Bollwerk des fränkischen, später des deutschen 
Reiches im Osten sein und hat sich als solches unter kräftigen 
Fürsten in der Folge auch bewährt. Die dominierende Stellung, 
welche das deutsche Reich besonders im XI. und XII. Jahr- 
hunderte gegenüber den böhmischen und ungarischen Nachbarn 
einnam, war wesentlich durch den Bestand dieses östlichen Vor- 
werkes bedingt. 

Allerdings wurde die Ostmark noch einmal zerstört. Unter 
den Einfällen der Magyaren gieng sie ein Jahrhundert nach ihrer 
Entstehung zu Grunde; mit ihr auch die bereits vorhandenen 
Anfänge höherer Kultur und christlichen Glaubens. Wieder, wie 
einst, bildete die Enns die Grenze des ostfränkischen — oder was 
dasselbe ist, des werdenden deutschen Reiches. Erst nach dem 
entscheidenden Siege Otto's des Grossen, der nach dem Lechfelde 
genannt wird, wurde das Land östlich der Enns wieder besetzt. 
r In dem Siege von Augsburg" sagt ein hervorragender Geschichts- 
schreiber unserer Zeit ,. liegen die Anfänge Oesterreichs". 

Aber noch war diese wieder hergestellte Ostmark unfertig 
und schwach. Die Grenze im Osten blieb noch lange Zeit 
schwankend und hat anfangs wenigstens nicht bis zum Wiener- 
w r alde gereicht, bis wohin sich die MaTk in fränkischer Zeit 
erstreckte. 

Erst dem Geschlechte der Babenberger, deren Ahnherrn 
Leopold Kaiser Otto II. für die ihm gegen den abtrünnigen 
Herzog von Baiern geleisteten Dienste mit der Ostmark belehnte 
(976), war es vorbehalten, unterstützt von den Kaisern jener 
Zeit in unablässigen Kämpfen den Ungarn das Land bis an 
dessen heutige Grenze abzuringen. Leopold I. selbst erstürmte 
nach einer glaubwürdigen Sage die von den Ungarn besetzte. 
Festung Melk, in welcher die nächstfolgenden Babenberger ihren 
Sitz namen. Unter Leopolds Nachfolger Heinrich 1. erscheint der 
Name „Oest erreich* (Ostirrichii zum ersten Male in einer 
Urkunde (996). Auch erstreckte sich unter Heinrich I. die Mark im 



Btt 



Osten bereits wie 1er bis an die Abhänge des Wienerwaldes. Denn 
hier, zwischen der Liesing und Triesting, also in der Umgegend 
des heutigen Medling und Baden, wird dem Markgrafen Heinrich 
Königsgut angewiesen. Und im Norden der Donau scheint damals 
die Schmida die Grenze der Mark gebildet zu haben. Allmälig 
rückte sie im Norden und Süden der Donau immer weit er nach 
Osten vor. Hier bis nahezu an die Fischa, dort bis an die untere 
March. Aber die Gegend um Wien war noch ein bestrittener 
Besitz. In einem Kriege, der zwischen Kaiser Konrad IT. und dein 
ungarischen Könige Stephan dem Heiligen ausbrach, wurde von 
den Magyaren Wien erobert, das unter diesem Namen hier zum 
ersten Male in der Geschichte auftaucht (1030). 

Um so erfolgreicher waren die Feldzüge, welche nach Stephans 
Tode Kaiser Heinrich III. nach Ungarn unternam, und die auch 
auf die Gestaltung des Nibelungenliedes mit seinem Markgrafen 
Rüdiger von Bechlarn Einfluss geübt zu haben schienen. Das 
Land zwischen Fischa, Leitha, March und Thaya wurde den 
Ungarn entrissen und aus diesem Gebiete eine neue Mark ge- 
bildet, welche der Sohn des Markgrafen Adalbert von Oesterreich. 
Leopold, zum Lohn für seine persönlichen Verdienste um den Kaiser 
zu Lehen erhielt. Nach Leopolds Tode erscheint ein Graf Sigfried 
im Besitze dieses Grenzgebietes. Später aber (um 1058) wurde 
diese Neumark mit der Altmark Oesterreich vereinigt. Damit war 
die Grenze gegen die Ungarn endgiltig festgestellt, während jene 
gegen Böhmen hin noch bis 1179 strittig blieb. 

Die Mark Oesterreich scheint anfangs in Abhängigkeit von 
dem Herzogtum Baiern gestanden zu haben. Die Lösung dieses 
Verhältnisses erfolgte jedoch noch unter den Babenbergern, denen 
dabei ihre nahe Verwandtschaft mit den Staufern und die Fehde 
der letzteren mit den Weifen zu statten kam. Als König Konrad III. 
dem Weifen Heinrich dem Löwen die Herzogtümer Sachsen und 
Baiern entzog, verlieh er das letztere seinem Stiefbruder, dem 
Markgrafen von Oesterreich Leopold IV., und bald nach dessen früh- 
zeitigem Tode dem Bruder desselben, dem Markgrafen Heinrich 
Jasomirgott. Wol musste dieser, als der neue Kaiser Friedrich 
Barbarossa sich mit den Weifen aussöhnte, auf Baiern verzichten ; 
dafür wurde aber Heinrich anderweitig in reichem Masse ent- 
schädigt. 



814 



Auf demselben Reichstage zu Regensburg (1156), auf welchem 
Heinrich Jasomirgott mit sieben Fahnen Heinrich dem Löwen 
das Herzogtum Baiern zurückgab, erhielt er aus dessen Händen 
zwei Fähnlein als Symbole der Mark und der dazu gehörigen 
drei Grafschaften zurück. Zugleich wurde die Ostmark mit 
jenen Grafschaften zu einem Herzogtume erhoben und 
letzteres mit ungewöhnlichen Vorrechten ausgestattet. Darnach 
sollten Heinrich und seine Gemahlin, sowie ihre Kinder nach 
ihnen, ohne Unterschied, Söhne wie Töchter, das Herzogtum 
Üesterreich erbrechtlich vom Reiche innehaben, ja für den Fall 
ihres kinderlosen Todes berechtigt sein, den Nachfolger zu 
designieren. Jede fremde Gerichtsbarkeit sollte von dem öster- 
reichischen Herzogtume ausgeschlossen und der Herzog dem Reiche 
zu keinem weiteren Dienste verpflichtet sein, als zum Besuche 
der auf bairischem Boden anberaumten Hof- und Reichstage und 
zu Feldzügen in die österreichischen Grenzländer. Natürlich hörte 
jetzt auch das Verhältnis der Abhängigkeit von Baiern zu be- 
stehen auf. Oesterreich bildete fortan ein neues, selbständiges 
Reichsterritorium, das durch die demselben gleichzeitig erteilten 
Befugnisse die Keime einer bedeutsamen Entwicklung in sich 
trug. Das neue Herzogtum erforderte aber auch einen bestimmten 
Mittelpunkt, zu dem sich vor allem Wien eignete, das eigentlich 
erst unter Heinrich Jasomirgott, zugleich begünstigt durch die 
Kreuzzüge, in die Geschichte eintritt. Denn, nachdem schon 
Leopold der Heilige das Schloss auf dem Kahlenberge zu seinem 
Sitze erkoren hatte, verlegte Heinrich die Residenz nach Wien 
und den Schwerpunkt des Landes nach Osten. 

Aber wenn auch das neue Herzogtum Oesterreich ein un- 
mittelbares, selbständiges Reichsterritorium war, so hatte es doch 
damals bei weitem noch nicht seine territoriale Ausgestaltung 
erreicht, die ihm vielmehr erst in Folge eines langandauernden 
Kntwicklungsprocesses zu Teil geworden ist. Im Südosten gehörte 
das Land vom Semmering bis an die Piesting — die einstige 
Mark Putten — in politischer Hinsicht noch zur Steiermark. 
Und ebenso grenzte Oesterreich im Westen mit der Enns an 
steirisches Gebiet. Nach der Burg Steier, dem Stammsitze ihrer 
alten Landesfürsten, denen auch Enns gehörte, ist die Steier- 
mark benannt, und der Traungau wurde noch im Xlil. Jahrhunderte 



315 



in politischer Hinsicht nicht zu Oesterreich, sondern zur Steier- 
mark gerechnet. 

Da war es in mehr als einer Richtung von der grössten 
Bedeutung, dass Heinrich Jasomirgotts Sohn und Nachfolger, 
Herzog Leopold V. von Oesterreich, auch das Herzog- 
tum Steiermark erwarb und dass dieses fortan fast immer 
mit Oesterreich dieselben Fürsten teilte. Dadurch wurde einerseits 
die definitive Abgrenzung beider Herzogtümer angebahnt, wie sie 
den natürlichen Verhältnissen entsprach und unter König Ottokar 
(1254) in Folge eines Friedensschlusses mit Ungarn zu Stande 
kam, wonach das Gebiet nördlich vom Semmering und den von 
diesem westwärts streichenden Bergen zu Oesterreich geschlagen 
wurde. Anderseits lag in der Vereinigung zweier Herzogtümer in 
einer Hand und in der gleichzeitig sich geltend machenden Ent- 
wicklung einer starken Landeshoheit der Beginn eines Processes, 
der, wenn ihn die Umstände auch weiter begünstigten, zur Aus- 
bildung einer neuen staatlichen Schöpfung führen konnte. Bereits 
die Babenberger haben dies Reichsterritorium ansehnlich erweitert : 
sie haben im Lande ob der Enns weitere und beträchtliche Er- 
werbungen gemacht, in Krain und in der windischen Mark festen 
Fuss gefasst. Ja Friedrich der Streitbare hatte seine Hand -bereits 
nach dem angrenzenden Teile von Ungarn ausgestreckt. Und als 
Kaiser Friedrich II. sich mit diesem, seinem einstigen Gegner, 
versöhnte, da dachte er ernstlich daran, Oesterreich und Steier- 
mark zu einem Königreiche zu erheben. Der Bischof von Bamberg 
überbrachte dem Herzoge bereits den Königsring und der kaiser- 
liche Kanzler Peter von Weingarten hatte schon die Erhebungs- 
lirkunde ausgefertigt. Doch der Plan zerschlug sich und ein Jahr 
darnach fand Friedrich der Streitbare, der letzte männliche 
Sprössling der Babenberger, in der Schlacht an der Leitha 
gegen die Ungarn den Tod (1246). 

Die beiden Herzogtümer hatten während der kurzen Zeit 
ihrer Vereinigung, unter der Herrschaft kräftiger und weiser 
Fürsten, zumal des vorletzten derselben, jenes Herzogs Leopold VI., 
auf dessen Tage man bald wie auf eine Zeit dahingeschwundenen 
Glückes mit Wehmut zurücksah, einen hohen Grad der Blüte 
erreicht. Im Dienste am herzoglichen Hofe und in den zahlreichen 
Kriegszügen der Zeit fand ein glänzender Adel vielfach Gelegen- 



31ti 



heit zur Erwerbung von Reichtum und Macht und zur Betäti- 
gung seiner ungestillten Kampfeslust. Heitere Minne und ernste 
Fehden bildeten abwechselnd den Inhalt eines Ritterlebens, von 
dem Ulrich von Liechtenstein, der glänzendste Repräsentant seines 
Standes, so farbenreiche Bilder in seinen Gedichten entworfen 
hat. Wol hatte sich diese übersprudelnde Kraft bis zu Stolz 
und Uebermuth, ja bis zur Empörung gegen den letzten Baben- 
berger gesteigert; aber seine eiserne Faust hatte sie doch wieder 
in die gesetzlichen Schranken zurückgedrängt. 

Ringsum im Lande blühten zahlreiche Klöster, allen voran 
das altehrwürdige Melk, als Pflegestätten geistiger Kultur und 
als Mittelpunkte weit ausgedehnter Ländereien, die beharrlicher 
Fleiss den Einöden und Urwäldern der Vorzeit abgerungen. Be- 
günstigt durch die kluge Politik der Landesfürsten wuchsen 
blühende Städte empor, vor allem Wien, das nach Köln für die 
schönste Stadt Deutschlands galt und in dankbarer Gesinnung 
dem bürgerfreundlichen Herzoge Leopold VI. zu Ehren einen Um- 
zug veranstaltete, dessen heitere Farbenpracht an einen ähnlichen 
Huldigungsakt aus jüngst vergangenen Tagen erinnert. Und ein 
Strahl dieses Glückes und Behagens drang selbst in die arme 
Bauernhütte ein ; das lustige Treiben des Landvolkes in Oester- 
reich hat Nidhart von Reuen thal in seinen lieblichen Liedern 
besungen. Am herzoglichen Hofe selbst aber ertönte das Minne- 
lied und wurde nicht müde, die milde Freigebigkeit der Fürsten 
zu preisen, von Reimar an und von Walther von der Vogelweide, 
der in Oesterreich singen und sagen lernte, bis zu jenem Tan- 
hauser, der eine so erschütternde Todtenklage über Friedrich den 
Streitbaren hinterlassen hat. 

Das alles war nun plötzlich dahin. Die beiden schönen 
Herzogtümer waren verwaist und blickten in eine unbekannte 
Zukunft, die um so dunkler war, da der Stern des im fernen 
Süden weilenden Kaisers im Sinken begriffen war und bald völlig 
erlosch. 

Wol lebten noch zwei weibliche Verwandte des letzten Herzogs: 
seine Schwester Margaretha, die Witwe Heinrichs, des Sohnes 
Kaiser Friedrichs IL, und seine Nichte Gertrud, deren Gemahl, der 
Markgraf Hermann von Baden, ebenfalls frühzeitig starb, mit 
Hinterlassung eines Sohnes, jenes Friedrich von Baden, welcher 



an 



später mit seinem Freunde, dem letzten Staufer Konradin, auf 
dem Blutgerüste zu Neapel endete. Allein nicht einer der beiden 
Babenbergerinnen wurden Oesterreieh und Steiermark zu Teil. Viel- 
mehr kam das Erlöschen des baben bergischen Mannsstammes zu- 
nächst den Pfemysliden zu statten, welche in engem Anschlüsse an 
die Staufer die böhmische Königswürde erlangt, bei dem Untergange 
des staufischen Kaiserhauses aber sich der weifisch-päpstlichen 
Sache angeschlossen hatten. Als Kaiser Friedrich II. und sein 
gleichnamiger Enkel, dem er im Testamente Oesterreieh und Steier- 
mark vermacht hatte, starben, gewann die päpstliche Partei in den 
vormals babenbergischen Ländern immer mehr an Ansehen, und 
der böhmische König Wenzel und sein Sohn Pfcmysl Ottokar, 
die schon längst mit den vornemsten österreichischen Edlen und 
den in Oesterreieh begüterten Bischöfen in Verbindung standen, 
besetzten im November 1251 Oesterreieh. Dagegen entbrannte 
über die Steiermark, wo sich König Bela IV., gestützt auf die ihm 
übertragenen Rechte der Babenbergerin Gertrud, festsetzte, eine 
Fehde, die der Papst dahin entschied, dass dies Land zwischen 
Ottokar und Bela nach den natürlichen Grenzen geteilt werden 
sollte. Allein nach wenigen Jahren entstand ein neuer Krieg. 
Ottokar siegte bei Kroissenbrunn an der March und gewann im 
Friedensschlüsse ganz Steiermark. 

Ottokar hatte sich, um einen Rechtsanspruch auf Oesterreieh 
zu erlangen, mit der Babenbergerin Margaretha vermählt; da 
aber die Ehe kinderlos blieb, verstiess er Margaretha, um Kuni- 
gunden, einer Enkelin Bela's IV., die Hand zu reichen. Ottokar 
nam nach dem Tode des kinderlosen Herzogs Ulrich von Kärnten 
aus dem Hause Sponheim, der ihn zum Erben eingesetzt hatte, 
auch dessen Länder — darunter Teile von Krain — in Besitz, 
so dass sein Reich sich vom Erz- und Riesengebirge bis an das 
adriatische Meer erstreckte. 

Ottokar war eine für seine Zeit ungewöhnliche Erschei- 
nung. Man rühmte seine Klugheit und Beredsamkeit, seine Tapfer- 
keit und Freigebigkeit. Durch sorgsame Pflege ihrer materiellen 
Interessen suchte er die neugewonnenen Länder an sich zu 
fesseln und sie den Verlust ihrer alten Selbständigkeit und ihrer 
unmittelbaren Verbindung mit dem Reiche vergessen zu machen. 
Wie aus einer merkwürdigen Denkschrift hervorgeht, die er auf 



81S 



dem Concil zu Lyon durch den Bischof Bruno von Olmütz, 
bewährten Rathgeber, dem Papste überreichen Hess, schwebte 
ihm als letztes Ziel die Bildung eines selbständigen Staates vor, * 
der, als starker Damm gegen die von Osten her drohenden Ge- 
fahren, ausser Böhmen die deutsch-österreichischen Länder und 
Teile Ungarns umfassen sollte. 

Doch zur Bildung eines derartigen Staatswesens war die 
Zeit noch nicht gekommen. Auch hatte Ottokar die Kraft des 
deutschen Reiches, auf dessen Kosten das seinige sich erweitern 
sollte, unterschätzt. Nicht im Gegensatze, sondern im Anschlüsse 
an das deutsche Reich, gewissermassen aus demselben heraus, 
konnte und sollte sich der österreichische Staatsgedanke ent- 
wickeln. Dem Träger der deutschen Königskrone war es vor- 
behalten, die für die ganze Zukunft massgebende Entscheidung 
im Osten herbeizuführen. 

Dieser Träger der deutschen Königskrone war Rudolf von 
Habsburg. Eben in ihm, dem Ahnherrn seines Hauses, tritt 
uns eine Herrschergestalt entgegen, die in ihrem zugleich im- 
ponierenden und gewinnenden Wesen der Typus des ganzen Ge- 
schlechtes geworden ist. Sein frommer Sinn, seine Klugheit und 
Mässigung, seine Gerechtigkeitsliebe, seine biedere Ritterlichkeit, 
ja vielfach selbst seine Gestalt sind das Erbteil seines Hauses 
geworden. Eben diese edlen Eigenschaften hatten die Augen der 
deutschen Fürsten gerade auf ihn gelenkt, als es galt, der 
„kaiserlosen", der „schrecklichen Zeit", die dem Sturze der Staufer 
gefolgt war, ein Ende zu machen. 

Vom Beginne seiner Regierung an beschäftigte Rudolf von 
Habsburg die böhmische Frage. Zwar hatte Ottokar sich mit 
Oesterreich und Steiermark von Richard von Cornwallis die Be- 
lehnung erteilen lassen. Allein das Königtum Richards war ein 
Parteikönigtum gewesen und hatte sich niemals der allgemeinen, 
unbezweifelten Anerkennung erfreut. Für Kärnten aber vermochte 
Ottokar nicht einmal den zweifelhaften Titel einer Belehnung 
durch König Richard nachzuweisen. 

Rudolf hielt im Streite mit seinem böhmischen Gegner die 
strengsten Formen des Rechtes ein. Da Ottokar die widerrecht- 
lich in Besitz genommenen Länder nicht herausgab und sich 



au 



weigerte, um die Belehnung mit seinen eigenen Ländern nach- 
zusuchen. Hess Rudolf auf einem Reichstage zu Nürnberg (^1274) 
durch den hiezu berufenen Pfalzgrafen bei Rhein die Entscheidung 
fällen, die ihn ermächtigte, die entfremdeten Reichsgebiete einzu- 
fordern, Ottokar aber, falls er binnen Jahresfrist die Belehnung 
nicht nachsuche, seiner Lehen verlustig erklärte. Ottokar wurde 
aufgefordert, sich im Januar 1275 vor dem Pfalzgrafen in Würz- 
burg einzufinden, und da er nicht erschien, ihm ein zweiter Termin 
nach Augsburg gesetzt. Der Böhmenkönig blieb auch dem Hoftage 
zu Augsburg (Mai 1275) ferne. Nur sein Machtbote, der Bischof 
von Seckau, erschien, der in offener Versammlung Rudolfs Wahl 
und Wähler so rücksichtslos angriff, dass ihn der römische König 
persönlich gegen den drohenden Unmut der Fürsten schützen 
musste. Aber erst nachdem auch die Sendung des Burggrafen 
Friedrich von Nürnberg nach Prag fruchtlos geblieben war, wurde 
Ottokar geächtet und demselben der Reichskrieg erklärt. 

Gleich zu Beginne des Krieges gelang es Rudolf Ottokars 
mächtigsten Verbündeten, den Herzog von Baiern. von diesem ab- 
zuziehen. Schon früher hatten sich die in Oesterreich begüterten 
Bischöfe von Salzburg. Passau und Regensburg dem römischen 
Könige angeschlossen. Einer der wichtigsten und treuesten Bundes- 
genossen Rudolfs war ferner der Graf Meinhard von Görz-Tirol, 
dessen Tochter Elisabet des Königs ältester Sohn Albrecht als 
Gemahlin heimführte. Noch mehr aber als die sich bildende Allianz 
benachbarter Fürsten förderte Rudolfs Sache die Unzufriedenheit 
in Ottokars eigenen Ländern, namentlich in Steieimark, wo sich 
der Adel nicht länger unter das strenge Regiment des Pfemysliden 
und seines Hauptmannes, des Böhmen Milota von Dieditz. beugen 
wollte. Selbst in Böhmen gährte es, als der Krieg begann. 

Rudolf zog mit seinem Heere längs der Donau bis vor 
Wien, während Graf Meinhard von Görz-Tirol von Süden über 
Kärnten und Steiermark herankam, wo im Kloster Reun in grosser 
Anzahl die steirischen Edelleute zusammentraten und sich gegen- 
seitig eidlich gelobten, als Reichsvasallen ihrer Pflicht gemäss, 
dem Könige Rudolf zu dienen und sich nur durch den Tod von 
einander zu trennen. Dagegen blieben der Klerus und die Städte, 
die Ottokar vielfach begünstigt hatte, neutral oder standen offen 
auf dessen Seite. 



320 



Letzteres war auch in Wien der Fall, das unter der Führung 
des angesehenen Bürgers Paltrani für Ottokar eintrat und sich 
bis in die fünfte Woche hielt. Ottokar, der einen Augriff Rudolfs 
auf Böhmen erwartet hatte, eilte auf die Nachricht von dessen 
Zuge durch das Donauthal nach Oesterreich, wo ihn zuletzt die 
Donau von seinem Gegner trennte. Endlich entschied die Ein- 
name Wiens, das sich Rudolf unterwarf, den Krieg. Auch Ottokar 
beugte sich jetzt vor dem Reichsoberhaupte, lieferte die drei 
Reichsländer in einem Friedensschlüsse aus und empfieng von 
Rudolf die Belehnung mit Böhmen und Mähren. Kaum aber hatte 
Rudolf das Reichsheer entlassen, als Ottokar im schmerzlichen 
Gefühle gebeugten Stolzes und wol auch gereizt durch die Vor- 
würfe seiner herrschsüchtigen Gemahlin Kunigunde. mit über- 
legenen Streitkräften den Krieg erneuerte. Jedoch gelang es Rudolf, 
den König von Ungarn, Ladislaus IV., für sich zu gewinnen. Auch 
führte ihm der Bischof von Basel einige Truppen aus seinen 
Stammtanden zu. Mit diesen und dem Aufgebote der jüngst dem 
Reiche wieder gewonnenen Länder zog Rudolf in das Marchfeld. 
Er vereinigte sich hier mit dem ungarischen Heere und lieferte 
dem Böhmenkönige am Weideubache bei Dürnkrut 1 ; die 
Entscheidungsschlacht (26. August 1278). Beide Könige leuchteten 
an diesem Tage durch Tapferkeit den ihrigen voran, Rudolf im 
schlichten Reitergewande, Ottokar in glänzender Rüstung. Mit 
dem Schlachtrufe «Rom!" und „Christus!" giengen Rudolfs 
Mannen, mit dem Rufe „Praga!" die Böhmen vor. Zuerst befand 
sich Rudolf im Nachteile; die Oesterreicher am rechten Flügel 
wurden zurückgedrängt. Hier war es, wo das Banner von Oester- 

') Es sei mir hier gestattet, die im Texte der Festrede mehrfach 
angewendete Bezeichnung der Marchfeldschlacht als Schlacht am Weiden- 
bache zu rechtfertigen. Bekanntlich hat die Schlacht nicht auf dem 
Marchfelde stattgefunden, und es kann daher die Bezeichnung Marchfeld- 
schlacht nur als eine conventionelle gelten, ist aber in Wirklichkeit 
ebenso unrichtig, wie die Bezeichnung des Sieges Kaiser Otto's des 
Grossen über die Ungarn am Lechflusse als Lechfeldschlacht, da letztere 
nicht auf dem sogenannten Lechfelde südlich von Augsburg, sondern 
vielmehr nördlich von dieser Stadt geschlagen wurde. Man hat denn 
auch für die Marchfeldschlacht neuerlich andere Bezeichnungen einzu- 
fuhren gesucht, und die Schlacht bald nach Dürnkrut, bald nacli Jeden- 
speugen benannt. An sich ist. es ja keine vereinzelte Erscheinung, dass 



%\ 



reich der entkräfteten Hand des alten Haselauer entsank und 
ein Liechtenstein es rasch erhob. Hier fiel Rudolf selbst, von 
einer feindlichen Lanze angerannt, vom Pferde. Doch rettete ihn 
ein Ritter, worauf er ein zweites Streitross bestieg. Dagegen 
drang sein linker Flügel siegreich vor. Und als Milota von 
Dieditz mit der Nachhut Ottokars ausblieb, während jene Rudolfs 
unter Ulrich dem Kapeller rechtzeitig eingriff, lösten sich die 
böhmischen Haufen in wilde Flucht auf. Ottokar selbst fand im 
Getümmel den Tod. 

Als Rudolf nach der Schlacht über Mähren in Böhmen ein- 
drang, schloss Ottokars Witwe Kunigunde im Namen ihres un- 
mündigen Sohnes Wenzel IL Frieden, der durch eine Doppel- 
heirath zwischen Rudolfs Kindern, Rudolf und Juta, und Ottokars 
Kindern, Wenzel und Agnes, besiegelt werden sollte. 

Schon nach der Beendigung des ersten Krieges gegen 
Ottokar trat an Rudolf von Habsburg die Frage nach dem 
Schicksale der österreichischen Länder heran. Es dürfte hier der 
Ort sein, die Streitfrage zu berühren, ob Rudolf „der Gründer 
des gewaltigsten deutschen Fürstenhauses der späteren Jahr- 
hunderte an sein Werk mit der bewussten Initiative herangetreten 
ist, seine königliche Würde in erster Linie dazu zu verwenden, 
eine habsburgische Hausinacht im Südosten des Reiches zu 
gründen, oder ob ihm diese Politik erst durch den Gang der 
Ereignisse nahe gelegt wurde. Wol fehlt uns auf diese Frage jede 
direkte Antwort; es lag eben nicht im Charakter der Geschichts- 
schreibung jener Zeit, sich über dergleichen hochpolitische Fragen 
auszusprechen. Der Gedanke an sich aber lag nahe und Rudolf 

eine und dieselbe Schlacht, je nach der Aufstellung des einen oder des 
anderen Heeres verschiedentlich genannt worden ist. Allein es will mich 
bedünken, dass in dem gegebenen Falle die verschiedenen Ansichten 
über den Verlauf der Schlacht mit im Spiele sind, und die wünschens- 
werte Einigung über eine und dieselbe Bezeichnung derselben erschweren. 
Eine solche Einigung liesse sich aber möglicherweise erzielen, wenn es 
gelänge, die Schlacht nach einer Oertlichkeit zu benennen, bezüglich 
deren ein Zweifel darüber, dass an ihr die Schlacht, stattfand, nicht be- 
stehen könnte. Eine solche Benennung wäre allenfalls: die Schlacht an 
der March. Allein dieser Ausdruck ist zu unbestimmt, und daher dem- 
selben die Benennung nach dem Weidenbache vorzuziehen, der zu Be- 
ginn der Schlacht die beiden Heere von einander trennte. 



822 



selbst war klug und scharfsinnig genug, um wol schon vom 
ersten Augenblicke seiner Regierung an die Notwendigkeit der 
Begründung einer grossen Hausmacht zu erkennen, woferne sein 
Königtum nicht ganz von der Willkür der Fürsten, die ihn auf 
den Thron erhoben hatten, abhängig bleiben sollte. Er selbst 
sagt in der Urkunde über die Belehnung seiner Söhne, dass er 
stets auf die Erhöhung seines Hauses bedacht gewesen sei und 
wo hätte sich sonst hiezu eine günstigere Gelegenheit, und das 
gleichsam von selbst dargeboten, als in jenen südöstlichen Ge- 
bieten, deren Zurückbringung an das Reich für ihn und sein Haus 
zugleich einen moralischen Anspruch auf dieselben begründete? 
Aber freilich darf man anderseits die immerhin beschränkte 
Macht, über die der König unmittelbar verfügte, die Verhältnisse, 
mit denen er in Folge dessen zu rechnen hatte, und die Hinder- 
nisse nicht übersehen, die er besiegen musste, ehe er die Früchte 
seiner Bemühungen pflücken konnte. Hält man sich dies gegen- 
wärtig, so wird man auch begreifen, weshalb der Gedanke, auch 
wenn er längst in Rudolfs Seele lebte, doch erst allmälig zu 
Tage treten konnte und dass, nachdem bereits die Entscheidung 
an der March gefallen war, noch Jahre vergiengen, ehe Rudolfs 
Wünsche ihre Erfüllung fanden. Ja, während seines Streites 
mit Ottokar sah sich Rudolf zu einer Reihe von Verfügungen 
gedrängt, die — statt ihn dem Ziele näher zu bringen, ihn 
von demselben immer mehr zu entfernen drohten. 

Dies war zunächst in Bezug auf Kärnten der Fall. Ottokar 
hatte den letzten Herzog Ulrich von Kärnten zur Abfassung eines 
Testamentes vermocht, durch welches Ulrichs Bruder Philipp um 
sein Erbteil, sowol das Herzogtum als auch das Eigen, gebracht 
wurde. Nach kurzer Gegenwehr war Philipp im ungleichen Kampfe 
mit Ottokar erlegen und hatte mit einem geringen Jahrgehalt 
seinen Aufenthalt in Krems nemen müssen. Aber auf die Kunde 
von Rudolfs Wahl eilte Philipp zu diesem, der ihn sofort mit 
Kärnten, Krain und der Mark belehnte. — Unter den Verbündeten 
Ottokars war der Herzog Heinrich von Baiern der mächtigste. 
Namentlich lag es in seiner Macht, dem römischen Könige den 
Zug durch das Donauthal zu verlegen. Um Heinrich von Ottokar 
ab- und auf seine eigene Seite zu ziehen, gab Rudolf dem Sohne 
des Herzogs eine seiner Töchter zur Ehe und verpfändete ihm 



82& 



als Brautschatz das Land ob der Enns. Bei dem Friedensschlüsse 
zwischen Rudolf und Ottokar (November 1276) wurde u. a. auch eine 
Doppelheirath zwischen Rudolfs Tochter Juta und Ottokars Sohne 
Wenzel einerseits und Ottokars Tochter Kunigunde und Rudolfs 
Sohne Hartmann anderseits festgesetzt. Rudolf versprach seiner 
Tochter 40.000 Mark als Mitgift und setzte für diese Summe 
das Land nördlich der Donau, mit Ausname von Krems und Stein, 
in der Weise als Pfand, dass dieses nach Wenzels unbeerbtem 
Tode an den König von Böhmen selbst fallen sollte. Ottokar 
dagegen musste seinem Eidam Rudolf alle seine eigenen Lehen 
und erkauften Besitzungen in Oesterreich resignieren, damit sie 
der römische König seinem Sohne um 40.000 Mark als Aussteuer 
verpfände, auf welche jedoch die Tochter des Königs von Böhmen 
kein Erbrecht haben sollte. — Was endlich Krain betrifft, so 
musste Rudolf dies Land gegen ein Darlehen von 20.000 Mark 
an den Grafen Meinhard von Görz-Tirol verpfänden. 

So hatte Rudolf von Habsburg über einen ansehnlichen Teil 
der dem Reiche zurückgewonnenen Länder in einer Weise ver- 
fügt, die deren einstige Erwerbung für sein eigenes Haus auszu- 
schliessen schien. Wol waren das Land ob der Enns. Oesterreich 
nördlich von der Donau, sowie die Landschaft Krain nur pfand- 
weise weiter geliehen worden, aber bei der finanziellen Bedräng- 
nis Rudolfs, stand die Einlösung dieser Pfänder in ferner Zukunft 
oder überhaupt nicht zu erwarten. 

Den Steirern hatte Rudolf, als er ihnen das alte ottokarisch- 
leopoldinische Privilegium bestätigte (18. Februar 1277), ver- 
sprechen müssen, sie unmittelbar bei dem Reiche zu behalten 
oder ihnen wenigstens nur mit ihrer Zustimmung einen Landes- 
herrn zu setzeu. Und ebenso wurde in dem Teile von Oesterreich, 
der nicht verpfändet worden war, die künftige definitive Regelung 
der Verhältnisse zu Gunsten eines Landesfürsten dadurch er- 
schwert, dass Rudolf, in der misslichen Lage, in der er sich 
bei dem Ausbruche des zweiten Krieges mit Ottokar befand, der 
Stadt Wien, um sie in ihrer Treue zu befestigen, die Reichs- 
unmittelbarkeit, die ihr einst Kaiser Friedrich II. verliehen hatte, 
neuerdings erteilte. Auch die Babenbergerin Agnes, Tochter Ger- 
trudens, in zweiter Ehe mit dem Grafen Ulrich von Heunburg 
vermählt, meldete ihre Ansprüche auf die hinterlassenen Allode 



3*4 



Herzog Friedrichs des Streitbaren und auf die Mitgift ihres 
ersten Gatten, des Herzogs Ulrich von Kärnten, an. 

Aber Rudolf verstand es, mit geschickter Hand sich all- 
mälig all' dieser Fesseln zu entledigen, die ihm gewiss nicht 
ein freiwilliger Entschluss, sondern vielmehr der Zwang widriger 
Verhältnisse aufgenötigt hatte. Auch das Glück zeigte sich hiebei 
seinen Plänen günstig. 

Die Belehnung Philipps mit Kärnten blieb ohne weitere 
Folgen. Philipp ist nie in den Besitz von Kärnten gelangt, wenn- 
gleich er bis zu seinem Tode sich Herzog dieses Landes nannte. 
Er starb zu Krems, wohin er, als man sich von seiner völligen 
Unfähigkeit zu der ihm zugedachten Rolle überzeugt hatte, neuer- 
dings verwiesen worden war. — Herzog Heinrich von Baiern ver- 
wirkte seine Ansprüche auf das Land ob der Enns durch die 
feindselige Haltung, die er während des zweiten entscheidenden 
Krieges gegen Rudolf an den Tag gelegt. Auch die Verpfändung 
des Landes nördlich von der Donau wurde bald wieder rück- 
gängig, und zwar durch Ottokars eigenes Verschulden, der, um 
den ihm lästigen Bedingungen des November-Vertrages zu ent- 
gehen, Hartmanns Braut zum Eintritt in ein Kloster zwang und 
dadurch die ganze Uebereinkunft in Frage stellte. Es folgte daher 
im Mai des Jahres 1277 ein neuer Vertrag, in welchem nicht 
mehr von der Vermählung Hartmanns mit Kunigunde die Rede 
war, aber auch für die Braut Wenzels nicht mehr das Land 
nördlich von der Donau, sondern Eger als Heirathsgut bestimmt 
wurde, wogegen ' zwischen Oesterreich, Böhmen und Mähren jene 
Grenzen beibehalten werden sollten, die unter den letzten Baben- 
bergern gegolten hatten. — Die Babenbergerin Agnes fand Rudolf, 
als er 1279 die Steiermark besuchte, mit einer Geldsumme ab. 
Nur Krain blieb uneingelöst und bis 1335 im Pfandbesitze der 
Herzoge von Kärnten. Was endlich die den Steirern und der 
Stadt Wien gemachten Zugeständnisse betrifft, so waren diese, 
so zu sagen, eine interne Angelegenheit der betreffenden Länder, 
und Rudolf durfte einer ihm günstigen Lösung derselben um so 
zuversichtlicher entgegensehen, je achtunggebietender er seit der 
Schlacht am Weidenbache dastand. 

Als einen ersten vorbereitenden Schritt zur dauernden 
Festsetzung seines Hauses in Oesterreich darf man den oben 



8% 



berührten Vertrag vom November 1276 ansehen, soweit durch 
denselben die gewiss ansehnlichen Besitzungen Ottokars in Öster- 
reich an Rudolfs gleichnamigen Sohn fallen sollten. Wichtiger 
noch waren die bald darnach angeknüpften Verhandlungen mit 
dem Erzbischofe von Salzburg und den Bischöfen von Passau, 
Regensburg, Freising und Bamberg die Rudolf von Habsburg 
zu bewegen suchte, ihre in den wiedergewonnenen Ländern ge- 
legenen Kirchenlehen seinen Söhnen Albrecht, Hartmann und 
Rudolf zu übertragen. Diese Bemühungen waren vom besten Er- 
folge gekrönt. Durch die Uebertragung der bischöflichen Lehen 
an seine Söhne war die einstige Erwerbung der Länder, in 
denen sie lagen, für sein Haus vorbereitet. Denn im Besitze 
jenes ansehnlichen Kirchengutes repräsentierten die Söhne Rudolfs 
eine Macht, neben der die landesfürstliche Macht eines anderen 
Hauses schwerlich Raum zu gedeihlicher Entwicklung finden konnte. 
Aus jenen Verhandlungen geht aber zugleich hervor, dass Rudolf 
«anfangs die Absicht hatte, die Herzogtümer allen seinen Söhnen 
gemeinsam zuzuwenden, und dass diese Absicht aucli auf Kärnten 
gerichtet war. 

Rudolf hielt sich nach der Schlacht am Weidenbache noch 
drei Jahre in Oesterreich auf. Denn nach den vorausgegangenen 
Kriegen und unter den neuen, völlig veränderten Verhältnissen 
gab es hier gar vieles zu schlichten und zu ordnen. In Kärnten 
setzte Rudolf seinen vertrauten Freund und Waffengenossen, den 
Grafen Meinhard von Görz-Tirol, den Pfandinhaber von Krain, 
zum Reichsverweser ein. Dagegen behielt er Oesterreich und 
Steiermark unmittelbar in seiner königlichen Obhut. Während 
dieser Jahre weilte Rudolf meist in Wien, wo auch seine erste 
Oemalin Anna aus dem Leben schied. Doch besuchte er 1279 
auch die Steiermark. 1270 richtete er für Oesterreich, Steier- 
mark und Kärnten einen fünfjährigen Landfrieden auf. Er be- 
stätigte den meisten Klöstern und Städten ihre Privilegien, und 
stellte auch manchen neuen Freibrief aus. Abgesehen von den 
beiden grossen Handfesten, die er den Wienern erteilte, erfreuten 
sich von den Städten im Lande unter der Enns besonders Wiener- 
Neustadt und Tuln seiner Gunst. Aus letzterer Stadt stammt 
jener Landschreiber von Oesterreich, Meister Konrad, der sich 
als einer der treuesten und selbstlosesten Diener der neuen 



i 



i 



82& 



Habsburgischen Herrschaft bewährte. In Tuln gründete Rudolf 
in Erfüllung eines Gelübdes, das er in der Schlacht am Weiden- 
bache geleistet hatte, zu Ehren des heilbringenden Kreuzes ein 
Frauenkloster, welches bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts 
als Erinnerung an einen der glorreichsten Momente habsburgischer 
Geschieht* bestand. 

Wenn nun auch nicht, wie eine fromme Sage will, in diesem 
Kloster Rudolfs Herz beigesetzt wurde, so Hess er doch, als er 
endlich von Österreich Abschied nam, im Lande das zurück, 
was seinem Herzen besonders nahe stand, seinen ältesten Sohn 
Albrecht. Ihn ernannte er im Mai des Jahres 1281 in einer feier- 
lichen Landesversammlung „mit Willen und auf Bitten des Adels 
und der Bürger* zum Reichsverweser in Oesterreich und Steier- 
mark — ein weiterer wichtiger Schritt auf der Bahn, die zur 
Erwerbung dieser Länder für sein Haus fuhren sollte. 

Dagegen hatten, was das entscheidenste war, die Unter- 
handlungen mit den Kurfürsten, um deren verfassungsmässige 
Zustimmung zu der beabsichtigten Verfügung über die Herzog- 
tümer zu erlangen, noch nicht zu einem bestimmten Ergebnisse 
geführt, als Rudolf Oesterreich verliess. Erst im Jahre 1282 
erlangte er von den Kurfürsten die erforderlichen Willebriefe. 
Sie lauteten übereinstimmend dahin, dass Rudolf seine Söhne 
Albrecht und Rudolf mit Oesterreich, Steiermark, Kärnten, Krain 
und der windischen Mark belehnen möge. Nur der Willebrief des 
Erzbischofs Siegfried von Köln unterschied sich in seiner Fassung 
von den übrigen Zustimmungserklärungen. Der Erzbischof, der 
in scharfer Opposition dem Könige gegenüberstand, gab nur in 
allgemeinen Ausdrücken seine Einwilligung zur Belehnung mit 
einem beliebigen Fürstentume, wovon er jedoch das „Reich" aus- 
drücklich ausnam. Am 1. December 1282 konnte König Rudolf an 
den König von England schreiben, dass er demnächst seine Söhne 
mit den Herzogtümern Oesterreich, Steiermark und Kärnten be- 
lehnen werde. 

Also auch jetzt noch dachte Rudolf ernstlich daran, Kärnten 
mit in die Belehnung seiner Söhne einzubeziehen. Dagegen wird 
sein Sohn Hartmann in den Willebriefen nicht mehr genannt; 
denn er befand sich, als dieselben ausgefertigt wurden, nicht 
mehr unter den Lebenden. Der achtzehnjährige Jüngling war am 



m 



Vorabend des Thomastages 1281 auf einer Rheinfahrt mit seinen 
Hegleitern ertrunken. 

So sah sich also Rudolf zu Knde des Jahres 1282 nach 
langjährigen Bemühungen am Ziele seiner Wünsche angelangt. 
Das Weihnachtsfest des Jahres 1282 feierte Rudolf in Augsburg, 
wo ein glänzender Reichstag sich um ihn versammelte. Ausser 
seinen beiden Söhnen war eine nicht unbeträchtliche Anzahl von 
Reichsfürsten erschienen. Auch österreichische und steirische Edle 
fanden sich ein, um dem bevorstehenden Akte der Belehnung 
als Zeugen beizuwohnen. Dagegen wird eine ähnliche Deputation 
aus Kärnten nicht erwähnt. 

Man nimmt gewöhnlich an, dass die Belehnung am 27. De- 
cember stattgefunden habe. Denn von diesem Tage datiert der 
Belehnungsbrief. Allein die Richtigkeit dieser Anname dürfte min- 
destens zu bezweifeln sein. Das geh. Haus-, Hof- und Staatsarchiv 
in Wien besitzt zwei Originalurkunden, beide zu Augsburg am 
24. December 1282 von. Rudolfs Sohne Albrecht ausgestellt, der 
hier bereits als , Herzog von Österreich und Steier und Herr 
von Krain und der Mark" bezeichnet wird. Beide Urkunden 
beziehen sich auf den oberwähnten Landschreiber von Oesterreich, 
Meister Konrad von Tuln. In der ersten Urkunde genemigt 
Herzog Albrecht die Rechnungslegung desselben für die Zeit von 
der ersten Ankunft seines Vaters, des römischen Königs, in Oester- 
reich bis zum letztverflossenen Katharinentage. In der zweiten 
giebt Albrecht seine Zustimmung zu der von seinem Vater ver- 
fügten Verpfändung der Münze zu Enns an eben jenen Meister 
Konrad. 

An der Echtheit beider mit dem herzoglichen Reitersiegel 
versehenen Urkunden ist nicht zu zweifeln. An eine Zurück- 
datierung derselben ist ebenfalls nicht zu denken. Vielmehr wird 
in der zweiten Urkunde ausdrücklich bemerkt, dass Rudolf die 
Verpfändung der Münze zu Enns -jüngst (proxime) zu Augsburg 
vor der uns erteilten Belehnung mit Oesterreich und Steiermark* 
vorfügt habe. Die Urkunde Rudolfs über die genannte Verpfändung 
ist ebenfalls noch im Originale erhalten. Sie datiert vom 14. De- 
cember 1282. Am 16. December urkundet Albrecht noch als Graf 
von Habsburg und Kyburg, Generalvicar in Oesterreich und 
Steier. Die Belehnung wäre sonach zwischen dem 17. und 



3* 



23. December, d. i. vor Weihnachten 1282 erfolgt. Der anscheinende 
, Widerspruch des Lehensbriefes gegen dieses Resultat wiegt nicht 
allzuschwer. Man ist heute von der Meinung abgekommen, die 
Datierung der Urkunden als eine zugleich über die Zeit der 
in ihnen erzählten Rechtsgeschäfte unbedingten Aufschluss ge- 
währende Angabe zu betrachten. Die Thatsache, dass die Ur- 
kunde erst einige Zeit nach dem Ereignisse, von welchem sie 
Zeugnis geben soll, ausgefertigt wurde, ohne dass dies aus- 
drücklich bemerkt wird, oder, wie sich die Fachmänner ausdrücken, 
dass „Actum" und , Datum ^ der Urkunde nicht zusammenfallen, 
kehrt häufig wieder, namentlich dann, wenn, wie in dem vor- 
liegenden Falle, die feierliche Ausfertigung einige Zeit in An- 
spruch nam. 

So ist also der Tag der Belehnung unbekannt ; denn auch 
die übrigen Quellen geben darüber keinen Aufschluss. Nur ganz 
allgemein werden in den Annalen die Weihnachten als die Zeit 
bezeichnet, zu welcher die Belehnung erfolgte. Bloss der steirische 
Reim-Chronist nennt den Perchtag (6. Januar», was offenbar falsch 
ist. Unter solchen Umständen wird man die Erinnerung an das 
Ereignis doch wol immer am besten mit dem Ausstellungsdatum 
des Belehnungsbriefes verbinden und auch künftighin der heutige 
Tag als Gedächtnistag zu gelten haben. 

Die Belehnungsurkunde ist in lateinischer Sprache 
abgefasst und lautet in deutscher Uebertragung folgendennassen: 
.Rudolf, von Gottes Gnaden römischer König, allzeit Mehrer, 
allen Getreuen des heil, römischen Reiches, die gegenwärtigen 
Brief lesen, auf ewige Zeiten. Der Lenker des römischen Reiches 
ist zwar von der Beobachtung des Gesetzes entbunden, weil der 
Schöpfer der Gesetze nicht durch die Bande der bürgerlichen 
Gesetze beschränkt wird ; dennoch erkennt er notwendig die 
Herrschaft des Naturgesetzes an. welches überall und über alles 
gebietet. Denn die gebieterische Macht dieses Gesetzes herrscht 
so gewaltig, macht in so überreichem Masse ihre Befehle geltend, 
übt auf alle einen 90 überwältigenden Zwang, beugt jedermann 
so unerbittlich unter ihr Joch, dass jedes Wesen den Satzungen 
desselben gehorcht und dessen Vorschriften sich fügt, seine Herr- 
schaft anerkennt und seinem Machtgebote sich unterwirft. Daher 
beugen auch wir, obgleich wir auf die hehre Höhe königlicher 



3» 



Würde und über Recht und Gesetz gestellt sind, dennoch vor 
dem Walten des natürlichen Gesetzes demütig unser Haupt, und 
um letzterem unsere gebührende Schuld abzutragen, geben wir 
den Getreuen des römischen Reiches in Mit- und Nachwelt zu 
wissen, dass wir unter mancherlei Bezeugungen unermesslicher 
Freigebigkeit, die wir vom Beginne unserer Regierung vielen Ge- 
treuen des Reiches zu teil werden Hessen, auf Antrieb, ja viel- 
mehr auf Refehl und Gebot jenes Naturgesetzes die Standes- 
erhöhung und Macht unseres Geschlechtes zu fördern beflissen 
gewesen sind und daher mit freier und ausdrücklicher Zustimmung 
der nach altem Herkommen zur Königswahl berechtigten Fürsten 
die Fürstentümer und Herzogtümer Oesterreich, Steiermark, Krain 
und die Mark mit allen Ehren, Rechten, Freiheiten und Zugehör, 
wie sie glorreichen Andenkens die Herzoge Leopold und Friedrich 
von Oesterreich und Steier besassen, sowie mit allem, was in 
den genannten Ländern König Ottokar von Böhmen rechtmässig 
erworben, unsern erlauchten Söhnen Albrecht und Rudolf zu 
Augsburg feierlich mit Fahnen und in den sonst üblichen Rechts- 
formen zu Lehen gegeben und sie selbst in die Reihe der Reichs- 
fürsten aufgenommen, ihnen Fürstenrecht verliehen und von ihnen 
für die genannten Fürstentümer den Eid der Treue und die 
Huldigung empfangen haben. Möge es daher niemand wagen, 
diesen unsern Gnadenbrief zu verletzen oder demselben frevent- 
lich zuwiderzuhandeln, widrigenfalls er sich einer schweren Be- 
leidigung unserer Majestät schuldig macht. Zum Zeugnis dessen 
und zur ewigen Bekräftigung haben wir gegenwärtigen Brief 
anfertigen und mit dem goldenen Majestätssiegel verscheu lassen. 
Zeugen: Die Ehrwürdigen Konrad, Bischof von Strasburg, Hart- 
mann, Bischof von Augsburg, Heinrich, Bischof von Regens- 
burg, und Bernhard, Bischof von Seckau ; die Erlauchten Ludwig, 
Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Baiern, unsere Fürsten Konrad, 
Herzog von Teck, Hermann, Markgraf von Baden, Heinrich, Mark- 
graf von Burgau, und Heinrich, Markgraf von Hachberg; die an- 
gesehenen Männer und Grafen Albert und Burkard von Hohen- 
berg, Heinrich, Friedrich und Egeno von Fürstenberg, Eberhard 
von Habsburg, Ludwig von Oettingen, der von Vlügelau, Meinhard 
von Tirol, Günther von Schwarzburg; der edle Herr Friedrich, 
Burggraf von Nürnberg ; Wernhard von Schaumberg, Leutold von 



330 



Kuenring, Friedrich, Truchsess von Lengbach, Ulrich von Capellen, 
Erchanger von Landeser, Hertnid und Leutold, Brüder von Stadeck, 
und viele andere mehr. Zeichen des Herrn Rudolf, unbesiegten 
Königs der Römer. Gegeben zu Augsburg von der Hand Meister 
Gotfrieds, Probstes zu Passau, unseres Protonotars am 27. De- 
cember in der 11. Indictiou, im Jahre des Herrn 1282 und unseres 
Reiches im 10. u 

Dies ist der Wortlaut der Belehnungs-Urkunde. durch welche 
Rudolfs Söhne in den Besitz von Oesterreich und Steiermark 
gelangten. Kärnten wird in der Urkunde nicht genannt, obgleich 
Rudolf noch wenige Tage zuvor die Absicht ausgesprochen hatte, 
auch dieses Herzogtum seinen Söhnen zuzuwenden und obgleich 
die Mehrzahl der Willebriefe auch auf Kärnten lautete. Das ist 
um so auffallender, da Rudolf, als er drei Jahre später (1286) auf 
Bitten seiner Söhne Meinhard von Görz-Tirol mit Kärnten be- 
lehnte, in der darüber ausgestellten Urkunde ausdrücklich be- 
merkt, er erinnere sich, dereinst zu Augsburg seine Söhne auch 
mit Kärnten belehnt zu haben. 

Um diesen auffallenden That bestand zu erklären, hat man 
zu verschiedeneu Hypothesen Zuflucht genommen. Die einen be- 
haupten, die Belehnung von 1282 habe nicht auch Kärnten um- 
fasst, und bezeichnen zwar die Urkunde über die Belehnung 
Meinhards nicht für unecht, aber doch den eben berührten Passus 
derselben als zur Zeit der späteren Erwerbung dieses Landes 
zu dem Zwecke interpoliert, um daraus ältere Ansprüche für das 
Haus Habsburg abzuleiten. Allein die Belehnungsurkunde von 
1286 ist noch im Original erhalten und unzweifelhaft echt. 
Von einer Interpolation findet sich in derselben nicht die mindeste 
Spur. Ueberdies besitzen wir auch den Willebrief Herzog Albrechts 
von Sachsen zu Meinhards Belehnung (28. März 1285) im Original 
und auch in dieser ebenfalls durchaus echten Urkunde heisst es, 
Rudolfs Söhne hätten den Herzog von Sachsen um seine Zu- 
stimmung zur Belehnung Meinhards mit dem Herzogtume Kärnten 
gebeten, welches sie selbst von dem römischen Könige zu Lehen 
trügen. 

Man hat daher anderseits die Behauptung aufgestellt, Rudolf 
habe 1282 seine Söhne wirklich auch mit Kärnten belehnt. Denn 
die ebenfalls geäusserte Ansicht, Rudolf habe in der Urkunde 



33V 



von 1286 wissentlich eine Unwahrheit ausgesprochen, steht mit 
dem strengrechtlichen Charakter Rudolfs von Habsburg in einem 
so entschiedenen Widerspruche, dass dieselbe keiner weiteren 
Widerlegung bedarf. 

Der Ansicht, dass Rudolf seine Söhne 1282 mit Kärnten 
belehnte, scheint jedoch die Urkunde selbst, in welcher Kärnten 
nicht erwähnt ist, und die Thatsache zu widersprechen, dass 
die Söhne Rudolfs sich niemals Herzoge von Kärnten nannten, 
auch von andern niemals — nicht einmal von ihrem Vater — als 
solche bezeichnet wurden, und dass sie in Kärnten niemals Re- 
gierungsrechte ausgeübt haben. 

Was nun die Urkunde von 1282 betrifft, so hat man deren 
bedeutsames Schweigen über Kärnten durch die Anname zu er- 
klären versucht, es sei wol in der ursprünglichen Belehnungs- 
urkunde von 1282 auch Kärnten vorgekommen, aber dieselbe 
sei aus Anlass der Belehnung Meinhards später mit Weglassung 
von Kärnten umgeschrieben worden, um allfälligen Missverständ- 
nissen zu begegnen. Hierauf lässt sich aber erwidern, dass die 
Cassierung der früheren Urkunde zwecklos war, da ja die Be- 
lehnungsurkunde, welche für Meinhard ausgestellt wurde, die 
diesem vermeintlich unangeneme Thatsache der früheren Beleh- 
nung Albrechts und Rudolfs mit Kärnten ausdrücklich erwähnt. 

Auch der zweite Punkt füllt gegen die Ansicht, dass Rudolf 
1282 seine Söhne mit Kärnten belehnte, anscheinend schwer 
ins Gewicht. Denn richtig ist. dass nicht Albrecht und Rudolf, 
sondern Meinhard nach wie vor dem 27. December 1282 in 
Kärnten Regierungsrechte ausgeübt. 

Dem gegenüber dürfte sich eine dritte Anname empfehlen, 
welche hier freilich nur in Kürze angedeutet werden kann. Dass 
Rudolf Anfangs auch Kärnten seinem Hause zu verschaffen suchte, 
wird kaum zu bezweifeln sein. Allein diesem Wunsche standen 
die wolbegründeten Rücksichten gegenüber, welche Rudolf auf 
seinen treuen Bundesgenossen und nahen Verwandten Meinhard 
nemen musste. Schon der Umstand, dass ihn Rudolf zum Reichs- 
verweser in Kärnten bestellte, beweist, dass er dessen Verdiensten 
um seine Sache auch wirklich gerecht zu werden Willens war. 
Rudolf konnte sich aber auch nicht verhehlen, dass Meinhard 
auf Grund jener Würde sich allmälig in Kärnten in einer 



382 



Weise festsetzen werde, die seine dereinstige Enthebung schwer, 
wo nicht zu einem Ding der Unmöglichkeit machen werde. 
Ueberdies heisst es, dass der König 1279, gerade zur Zeit als 
der Titularherzog von Kärnten, Philipp, starb, von Meinhard um 
Verleihung eines der dem Reiche wieder gewonnenen Länder an- 
gegangen worden sei, worauf Rudolf zwar wegen der notwendigen 
Einwilligung der Kurfürsten keine bestimmte Zusage erteilt, ihn 
aber auf den nächsten Reichstag vertröstet habe. 

Wenn trotzdem Rudolf zu Augsburg vielmehr seine Söhne 
auch mit Kärnten belehnte und Meinhard erst drei Jahre später 
in den Besitz des von ihm beanspruchten Landes gelangte, so 
scheint dieses eine Folge der Schwierigkeiten gewesen zu sein, 
die sich der Erhöhung des Heerschildes Meinhards entgegensetzten. 
Insbesondere bairischerseits wollte man, wie es scheint, lange 
nicht zugeben, dass Meinhard in den durch die eventuelle Be- 
lehnung mit Kärnten bedingten Reichsfürstenstand erhoben werde, 
da sich die bairische Herzogsgewalt einst auch über Tirol er- 
streckt hatte. Schon am 25. Mai 1282 also noch vor der 
Belehnung der Habsburger — verkündete König Rudolf einen 
Rechtsspruch, wornach Meinhard mit zwei Fürsten oder Edlen 
des Gebirgs beweisen sollte, welchem Lande und welchem Rechte 
Tirol angehöre, und in der That liegt uns in dieser Frage eine 
für Meinhard günstig lautende Erklärung des Bischofs von Chur 
vor. Aber im allgemeinen scheint sich die Entscheidung dieser 
Frage verzögert zu haben, während Rudolf mit der Verfügung 
über die heimgefallenen Länder nicht länger zuwarten mochte. 
So Hess sich also Rudolf von den Kurfürsten ermächtigen, 
seine Söhne auch mit Kärnten zu belehnen und hat sie 1282 
auch wol wirklich mit Kärnten belehnt. Aber während Öester- 
reich, Steiermark, Krain und die Mark in den wirklichen Besitz 
seiner Söhne übergiengen, wurde in Kärnten an dem faktischen 
Stande der Dinge durch die Belehnung Albrechts und Rudolfs 
nichts geändert. Hier blieb Meinhard der eigentliche Herr des 
Landes, das zuletzt — nach Behebung der formellen Schwierig- 
keiten auch rechtlich an ihn übergieng. Er empfieng Kärnten auf 
Bitten der Söhne Rudolfs. Denn diese hatte der römische Könij: 
in Kärnten gleichsam als Hüter zu treuer Hand eingesetzt, um 
das Land im geeigneten Momente an Meinhard abzutreten, oder 



333 



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falls dies unausführbar war, seinem eigenen Hause zu erhalten. 
Eben um dieser eigentümlichen Bestimmung willen, welche von 
vorneherein Kärnten zugedacht war, dürfte dasselbe in dem Be- 
lehnungsbriefe von 1282 stillschweigend übergangen sein. Eben 
deshalb war auch zu Augsburg eine Deputation aus Kärnten nicht 
erschienen, eben darum auch eine Aufforderung zur Huldigung 
an die Kärntner nicht ergangen und eben darum das freund- 
schaftliche Einvernemen zwischen König Rudolf und dem Grafen 
Meinhard nie getrübt worden. 

Die Belehnung der Söhne Rudolfs mit den österreichischen 
Ländern war ein Akt von eminent friedlicher Bedeutung, wie er 
der Weihnachtszeit, in die er fiel, entsprach, der versöhnende Ab- 
schluss einer bewegten Periode in der Geschichte unserer Heimath. 
Ein geistvoller Geschichtschreiber der Gegenwart nennt die Schlacht 
auf dem Marchfelde „den Geburtstag des habsburgischen Oester- 
reich", und so hat auch unser grosser vaterländischer Dichter 
die Sache aufgefasst, wenn er Rudolf von Habsburg noch auf 
der Wahlstatt an der March seine Söhne belehnen lässt. Sieht 
mau aber von der poetischen Licenz ab, welche zur Erzielung 
einer dramatischen Perspective die zeitlich getrennten Momente 
aneinander rückte, so dürfte mit noch grösserem Rechte der Tag 
der Belehnung zu Augsburg als ., Geburtstag des habsburgischen 
Oest erreich" bezeichnet werden, da eben an diesem Tage jenes 
unlösbare Band geschlungen wurde, welches fortan die werdende 
Dynastie mit dem werdenden Douaureiche verknüpfte. 

Rudolf belehnte seine beiden Söhne mit Österreich und 
Steiermark und wies auch die Bewohner der genannten Länder 
an, seinen beiden Söhnen als ihren rechten Herrn und Herzogen zu 
gehorchen, indem er sie zugleich von allen ihm und dem Reiche 
geleisteten Eiden entband. Denn Rudolfs Absicht war, die beiden 
Herzogtümer seinem Hause als solchem zuzuwenden und zu- 
gleich den landesfürstlichen Rechten desselben den grösstmöglichen 
Umfang zu ge/ben. Allein so sehr auch sonst die Anordnung 
Rudolfs den Wünschen und Anschauungen der Unterthanen der 
beiden Herzogtümer entsprechen mochte, so ungewohnt und fremd- 
artig war ihnen die jetzt getroffene Einrichtung, nach welcher 
zwei Herzoge zugleich regieren sollten. Noch auf dem Reichs- 
tage zu Augsburg sollen die anwesenden österreichischen Land- 



au 



herru und Ministerialen dagegen Vorstellungen erhoben haben. 
Sicher ist, dass sich im Mai 1283 eine Deputation von vier 
Herren aus Oesterreich und Steiermark zu König Rudolf in die 
oberen Lande begab und die Bitte vorbrachte, ihnen Albrecht 
allein als Herrn zu setzen. Rudolf willfahrte der Bitte in einer 
Weise, die faktisch den Wünschen beider Länder entsprach, im 
Principe jedoch an der früheren Gesammtbelehnung seines Hauses 
festhielt. 

Die denkwürdige Urkunde ist am 1. Juni 1288 zu Rhein- 
felden ausgestellt; sie ist das älteste habsburgische Haus?- 
gesetz. In dieser Urkunde wird zunächst erzählt, dass sich 
der König , als er seine Söhne zu Augsburg belehnte, vorbe- 
halten habe, auch in der Folge, wenn es nötig sein sollte, auf 
die verliehenen Länder sowie auf die belehnten Herzoge selbst 
bezügliche Anordnungen zu treffen, und dass letztere diesem Vor- 
behalte ausdrücklich zugestimmt hätten. Seither nun hätten die 
Unterthanen jener Länder sich flehentlich und in feierlicher Bot- 
schaft an ihn mit der Bitte gewendet, ihnen nach dem Ausspruche 
der Schrift, die da sagt: „niemand kann zugleich zweien Herren 
dienen u , seinen Sohn Albrecht allein zum Landesfürsten zu geben. 
In Anbetracht der bewährten Treue der Länder, heisst es weiter, 
und ihres einmütigen Wunsches, nicht minder in der Absicht, 
dadurch die Eintracht seiner Söhne beständig zu erhalten, will- 
fahre der König, auf Grund väterlicher Gewalt und jenes Vor- 
behaltes ihrer Bitte und bestimme er, dass fortan Albrecht 
und dessen männliche Erben allein die genannten Länder auf 
ewige Zeit und in derselben Weise innehaben, wie er dieselben 
einst seinen beiden Söhnen verliehen habe, doch so, dass, wenn 
innerhalb vier Jahren es dem König nicht gelingen sollte, seinem 
Sohne Rudolf ein Königreich oder ein anderes Fürstentum zu- 
zuwenden, Albrecht, oder dessen Erben Rudolf eine Geldsumme 
bezahlen müssten, die der König selbst oder falls er mittlerweile 
gestorben wäre, vier eigens dazu eingesetzte Schiedsrichter be- 
stimmen würden. Falls aber Albrechts Mannsstamm erlösche, 
sollten die Länder an Rudolf und dessen rechtmässige Erben fallen. 

Diese Verfügung wurde auf einer Landesversammlung in 
Oesterreich am 11. Juli desselben Jahres förmlich und feierlich 
mit dem Ausdrucke des Dankes gegen König Rudolf angenommen. 



336 



Es war eine Folge dieser Verfügung, dass sich Rudolf, der Bruder 
Albrechts, auch fernerhin Herzog von Oesterreich nannte, wozu 
er mindestens so lange berechtigt war, bis die von König Rudolf 
festgesetzten Bedingungen seines Rücktrittes erfüllt waren. Allein 
die letztere Frage blieb ungelöst : die Ansprüche giengen nach 
Herzog Rudolfs Tode auf seinen Sohn Johannes über und wurden 
die Ursache des schauderhaften Endes König Albrechts. 

Rudolf von Habsburg hat Oesterreich, Steiermark und Krain 
an sein Haus gebracht. Eine Zeit lang hat er auch nach dem 
Besitze von Kärnten gestrebt. Damit sind aber die Pläne Rudolfs, 
soweit sie die Erhöhung seines Hauses betrafen, nicht erschöpft. 
Die Heirath seines Lohnes Rudolf mit der Pfemyslidin Agnes und 
die Belehnung mit Ungarn, die er auf einem Hoftage zu Erfurt 
(1290), nach des Arpaden Ladislaus IV. Tod, seinem Sohne Albrecht 
erteilte, eröffnen uns eine weite Perspective. Nimmt man hinzu, 
dass Rudolf seinem ältesten Sohne auch die Nachfolge im Reiche zu 
sichern bemüht war, ja sogar mit dem Plane umgieng, die deutsche 
Königswürde in seinem Hause erblich zu machen, so leuchtet 
ein, dass, wenn alle diese Bestrebungen das Glück begünstigte, 
das Haus Habsburg schon damals jene dominierende Stellung er- 
langt hätte, die es in Wirklichkeit erst nach mehr als zwei 
Jahrhunderten erklimmen sollte. Rudolfs Hoffnungen giengen 
nicht in Erfüllung. In Ungarn bestieg Andreas III., der letzte 
Arpade, den Thron und Rudolf von Habsburg trat seinen Grabes- 
ritt nach Speier an, ohne die Wahl seines Sohnes zum Nachfolger 
im Reiche durchgesetzt zu haben. Immerhin knüpft sich an seinen 
Namen das erste Auftauchen des österreichischen Staatsgedankens, 
einer Idee, die zwar noch unsicheres Dämmerlicht umgab, die 
sodann wiederholt auftauchte, und wieder von der Bildfläche 
schwand, zuletzt aber doch siegreich und segenbringend in die 
Wirklichkeit trat. So steigt am herbstlichen Morgen die Sonne am 
Horizonte empor, Wärme verheissend und Licht. Bald wird sie 
von Nebeln umhüllt, und lange ringt sie mit dem dichten Gewölke, 
das sie umgiebt. Sie erscheint, sie verschwindet wieder, aber 
endlich zerreisst sie die dunklen Fesseln und steigt leuchtend 
und glühend am Himmel empor. 

Was Rudolf von Habsburg nicht mehr zu erreichen ver- 
mochte, das schien dessen Sohn Albrecht durchsetzen zu sollen, 



33* 



ein Fürst, wie ihn die emporkommende Landeshoheit Oesterreichs 
bedurfte, ein Mann voll Verstand und Thatkraft, von eiserner 
Strenge gegen Alle, die sich wider seine Gebote auflehnten, 
aber auch Denen, die sich unterwarfen, zu verzeihen geneigt. In 
Oesterreich räumte er mit den Resten der Reichsunmittelbarkeit 
auf. Bekannt sind die Kämpfe, in die er mit dem Adel seiner 
eigenen Lande und mit den Wienern gerieth. Er gieng als Sieger 
aus diesen Kämpfen hervor. Auch die Krone des Reiches erlangte 
Albrecht, und als der Mannsstamm der Pfemysliden erlosch, be- 
lehnte er seinen ältesten Sohn Rudolf mit Böhmen und Hess sich 
von den dortigen Ständen das Versprechen erteilen, wenn Rudolf 
ohne Erben stürbe, dessen Bruder Friedrich auf den Thron zu 
erheben. Aber ein neidisches Schicksal rief schon nach einem 
Jahre Rudolf aus dem Leben ab, und als Albrecht wider die 
Böhmen, die gegen ihr Versprechen Meinhards Sohn. Heinrich 
von Kärnten, auf den Thron beriefen, zum Schwerte griff, raffte 
auch ihn ein grauenhaftes Verhängnis hinweg. 

Für die Habsburger in Oesterreich trat mit Albrechts Tode 
eine Zeit schwerer Prüfungen ein. Vergebens hatte Albrecht, sowie 
einst sein Vater, die deutsche Königswürde in seinem Hause 
erblich zu machen gesucht ; vielmehr wendeten nach seinem Tode 
die Kurfürsten ihre Stimmen dem Grafen Heinrich von Luxemburg 
zu, dessen Sohn Johann später auf den Thron Böhmens gelangte, 
lud als nach Heinrich VII. Tode die habsburgi sehen Brüder sich 
neuerdings um die deutsche Krone bewarben, wurden in zwie- 
spältiger Wahl Friedrich der Schöne von Oesterreich und Ludwig 
der Baier erkoren. Zwischen den beiden Gewählten entbrannte 
der Kampf um das Reich, in welchem nach langem Ringen die 
Habsburger unterlagen. Immer weiter sahen sich diese von den 
glänzenden Zielen der Politik ihres Ahnherrn abgedrängt. 

In richtiger Würdigung der Verhältnisse gaben nach Fried- 
richs des Schönen Tode die Habsburger die Bewerbung um die 
deutsche Krone auf und suchten vielmehr nach dem Beispiele der 
anderen grossen Fürsten des Reiches, ruhig aber unaufhaltsam 
ihren Besitz zu mehren und ihre Macht möglichst selbständig 
zu begründen. Drei mächtige Häuser: Habsburg, Luxemburg 
und Witteisbach hielten sich damals in Deutschland das 
Gleichgewicht, das aber irgend ein neuer Machtzuwachs in ein 



B87 



Uebergewicht des einen derselben verwandeln konnte. Der 
Tod Heinrichs, Herzogs von Kärnten und Grafen von Tirol, der 
nur Töchter hinterliess, bot die nächste Aussicht auf einen solchen 
Länderzuwachs dar, und die Umsicht und Ausdauer, mit welcher 
die Habsburger dieses Ziel verfolgten, wurde durch die Erwerbung 
zweier herrlicher Länder, Kärntens und Tirols, belohnt. 

Die Erwerbung Kärntens ist mit der Erinnerung an einen 
der weisesten und besten Fürsten jener Zeit, an Albrecht den 
Lahmen, verknüpft : jene Tirols dankt das Haus Habsburg einem 
seiner begabtesten Söhne, dessen Name noch heute in herrlichen 
Stiftungen fortlebt. Mit all' dem Feuereifer, der seine jugendliche 
Brust durchglühte, ergieng sich Rudolf der Stifter während eines 
leider nur kurz bemessenen Lebens in den kühnsten Entwürfen, 
um die Ehre Oesterreichs und seines Hauses zu erhöhen. In 
edlem Wetteifer mit seinem kaiserlichen Schwiegervater Karl IV. 
gründete er die Universität in Wien und förderte er den Bau 
der neuen Stephanskirche. Es verdross ihn, dass die goldene 
Bulle Oesterreichs Fürsten, die doch an Macht und Ansehen be- 
reits alle andern überragten, aus dem Kurcollegium definitiv 
ausschloss, und er suchte daher wenigstens diesem Oesterreich. 
das er auf seinem grossen Siegel als ..Schild und Herz des 
Reiches** bezeichnete, alle die Vorrechte zuzuwenden, deren sich 
die kurfürstlichen Territorien erfreuten, und indem er diese Vor- 
rechte, wie sie vornemlich in dem sogenannten Fridericianum 
maius zum Ausdrucke gelangen, zugleich auch für alle übrigen 
habsburgi sehen Länder in Anspruch nam, wollte er Oesterreich, 
das ihm auch den e r z h e r z o g 1 i c h e n Titel verdankt, gleichsam 
zum Mittelpunkt seiner Länder. erheben, und hat er deren staats- 
rechtliche Verschmelzung für die Folge angebahnt. Er war der 
erste seines Hauses, der, die italienischen Verhältnisse in ? s Auge 
fassend, hier eine selbständige Politik entwickelt hat. Und wie 
sein gleichnamiger Ahnherr griff auch er mit seinen kühnen 
Hoffnungen über die Grenzen des deutschen Reiches hinaus und 
fasste in dem wahrscheinlich aus seiner Initiative hervor- 
gegangenen Erbvertrage zu Brunn (1364), den er mit Kaiser 
Karl IV. schloss und dem bereits ein früherer mit König Ludwig 
von Ungarn vorausgeschickt war, die einstige Vereinigung Ungarns 
und Böhmens mit den österreichischen Erbländern in's Auge. 



33& 



Aber Rudolf vermochte die kaiserliche Anerkennung des Mains 
nicht zu erlangen, und der österreichische Staatsgedanke, den er 
vorbereiten wollte, trat nach seinem Tode hinter der T e i l u n g s- 
p o 1 i t i k seiner Brüder und deren trüben Folgen wieder zurück. 

Im Gegensatz zu anderen Herrscherhäusern hatten die Habs- 
burger bisher in ungeteiltem Besitze ihre Länder gemeinsam 
regiert, und noch Albrecht II. hatte in seinem Hausgesetze von 
1355 bestimmt, dass die Herzoge, „der älteste, wie der jüngste, 
und der jüngste, wie der älteste mit einander lieblich, tugend- 
lich und brüderlich in allen Dingen leben sollten. u Daneben hatte 
Rudolf der Stifter im wohlverstandenen Interesse des Ganzen 
einen gewissen Vorrang des Aeltesten unter den Brüdern zu be- 
gründen gesucht. Allein bei der Verschiedenheit der Charaktere, 
wie sie zwischen Rudolfs Brüdern und Nachfolgern, Albrecht HI. 
und Leopold III., bestand, kam es zu einer Reihe von Teilungs- 
verträgen unter denselben, von denen der letzte (1379) der 
wichtigste ist, da derselbe zur Bildung zweier Linien führte, der 
albrechtinischen in Oesterreich und der leopoldinischen in den 
übrigen Ländern. Von diesen Linien hat sich die letztere be- 
kanntlich späterhin in zwei weitere Zweige, den steirischen und 
den tirolischen, geteilt. Erst mit dem nachgeborenen Ladislaus 
(1457) erlosch die albrechtinische Linie und wurde von der 
steirischen beerbt, die zuletzt (1490) wieder alle Länder ver- 
einigte. 

Die Teilungen haben das Haus Habsburg nach aussen ge- 
schwächt und im innern viele, selbst blutige Zerwürfnisse zur 
Folge gehabt. Die albrechtinische und die leopoldinische Linie 
giengen in ihrer äusseren Politik verschiedene, oft entgegengesetzte 
Wege. Freilich war gerade das die Zeit, wo im Herzoge Albrecht V., 
der seinem Schwiegervater, dem Luxemburger Sigmund, in Ungarn 
und Böhmen und auch auf dem deutschen Throne folgte, der 
österreichische Staatsgedanke zum ersten Male zu 
reellem Ausdrucke gelangte. Ja die deutsche Krone ist 
von da an sogar im dauernden Besitze der Habsburger geblieben, 
eine Thatsache, die für den Ausbau der österreichischen Monarchie 
von nicht zu unterschätzender Bedeutung gewesen ist. Dagegen 
giengen nach dem Tode des Ladislaus Posthumus Ungarn und 
Böhmen in den stürmischen Wogen nationaler Tendenzen und 



339 



unier dem Erbfolgestreile im Hause Habsburg für dieses noch 
einmal verloren. Ja fast schien es, als sollte der Gedanke, hier, 
an der Grenzscheide deutscher und slavisch-magyarischer Zunge, 
ein mächtiges Ostreich aufzurichten, von jenem Corvinen verwirk- 
licht werden, der als König von Ungarn mit dem Pfandbesitze 
von Mähren, Schlesien und der Lausitz auch den Titel eines 
Königs von Böhmen verband und mitten in dem von ihm er- 
oberten Lande unter der Enns in der Hofburg zu Wien sein 
Leben beschloss. 

Und doch leuchtet uns gerade aus dieser dunklen Zeit der 
Gedanke der Einheit der Dvnastie und ihrer Länder und der 
innigen Verknüpfung beider besonders hell entgegen. Trotz 
aller Teilungen legte sich jeder der habsburgischen Fürsten den 
Titel aller Länder, insbesondere jenen von Oesterreich bei. wie 
es der Teilungsvertrag von 1379 ausdrücklich bestimmte, und 
gerade damals bereitete sich die Uebertragung des Namens Oester- 
reich auf die übrigen Länder vor. Derselbe Friedrich III., der 
aus kaiserlicher Machtvollkommenheit die rudolfinischen Haus- 
privilegien bestätigt (1452) und den aus dem maius abge- 
leiteten erzherzoglichen Titel zunächst für die Angehörigen 
seiner Linie erneuert hat, spricht es einmal geradezu aus, dass 
er und sein Haus von dem Lande Oesterreich den Namen führen, 
und sein Bruder Albrecht VI. bezeichnet die Stadt Wien als 
„aller Fürsten von Oesterreich Herz." Das war die Zeit, in der, 
da sich die Einheit der Länder zunächst in der gemeinsamen 
Dynastie aussprach, für diese die Bezeichnung „Haus Oesterreich* 
üblich wurde, und es dauerte nicht lange, so gieng dieser Name 
auch auf die Länder selbst über, die man amtlich als Nieder-, 
Ober- und Innerösterreich bezeichnete. 

Und so düster sich auch die Beziehungen der Habsburger 
nach aussen hin unter Friedrich III. gestalten mochten, so wurzelte 
doch gerade in ihm der Glaube an das Glück und die Zukunft 
seines Hauses unerschütterlich fest, ein Glaube, den der alte 
Weisskunig in die fünf Vocale a, e, i, o, u, d. i. Alles Erdreich 
ist Oesterreich unterthan, oder Austriae est imperare orbi uni- 
verso zusammenfasste. Und in der That wirkte auch in diesem 
bedächtigen und grübelnden, aber dabei doch zähen und aus- 
dauernden Fürsten die Idee seiner Ahnherrn fort. Er hat den 



MO 



ersten jener Verträge geschlossen, welche die dauernde Erwerbung 
Ungarns für sein Haus vorbereiteten, und in Burgund jene Be- 
ziehungen angeknüpft, welche gar bald sein Haus in den Mittel- 
punkt der grossen Politik Europas stellten. Was er begonnen, 
führte sein trefflicher Sohn Maxim il iah glücklich weiter. Durch 
die Verheirathung seines Sohnes Philipp und durch die Ver- 
lobung seines Enkels Ferdinand erschloss er nach Westen, wie 
nach Osten hin seinem Hause eine grosse, ja beispiellose Zu- 
kunft, auf deren Fittigen der Name Oesterreich ruhmbedeckt jenes 
Reich Karls V. durcheilen sollte, in welchem die Sonne nicht 
untergieng. 

In dem Weltreiche Karls V. freilich schien den deutschen 
Erblanden nur eine untergeordnete Rolle bestimmt. Aber Karl 
teilte mit seinem Bruder Ferdinand und wies diesem zuletzt die 
gesammte deutsche Erbschaft zu. So ist Ferdinand I. Ahnherr 
der deutschen Linie des Hauses Habsburg geworden. 
Was sein Ahnherr Rudolf einst vorgezeichnet, was mehrere 
seines Geschlechts versucht hatten, das erreichte Ferdinand: die 
dauernde Vereinigung Böhmens und Ungarns mit 
Deutsch-Oest erreich. Zur vollen Verwirklichung dessen, was 
Rudolf von Habsburg als erhabene Vision geschaut, fehlte Ferdi- 
nand nur der Besitz der deutschen Krone. Aber die Kaiserkrone 
schmückte das Haupt seines Bruders, und zuletzt ist diesem 
Ferdinand auf dem deutschen Throne gefolgt. 

Seitdem blieben die Schicksale Deutschlands und des neuen 
österreichischen Staates durch lange Zeit mit einander enge ver- 
knüpft. Die Interessen des deutschen Reiches und Oesterreichs 
waren nicht gerade identisch; denn letzteres griff tief in das 
Gebiet slavischen und magyarischen Lebens hinein. Aber die 
beiden Staaten, von denen der eine vom Fleisch und Blut des 
anderen stammte, waren miteinander nahe verwandt, und haben, 
dessen eingedenk, auch fernerhin Hand in Hand die ihnen vom 
Schicksal zugewiesenen Bahnen durchschritten. Schon jene Zeit 
gleicht einer Münze, deren Avers Karl V. in seinem Riesenkampfe 
mit dem allerchristlichsten Könige, deren Revers Ferdinand I. 
im Kampfe mit dem Erbfeinde der Christenheit darstellt. 

Aus der corvinisch-jagellonischen Erbschaft fiel Ferdinand I. 
die Pflicht unablässigen Krieges gegen den Islam zu. In diesen 



841 



Tagen war Oesterreich neuerdings, wie in alter Zeit^ eine Ost- 
mark des Reiches, ein Bollwerk des Abendlandes, seines Glaubens 
und seiner Gesittung. Unter den Mauern Wiens hat der junge 
Staat damals die Bluttaufe empfangen. 

So einsichtsvoll Ferdinand war, vermochte er doch nicht, 
sich von dem Principe der Teilungen, das in den althabsburgischen 
Erblanden Gewohnheitsrecht geworden war, loszusagen. Er teilte 
die Länder unter seine Söhne zu einer Zeit, wo die Wogen der 
Reformation und der ständischen Opposition bereits hoch auf- 
zuschlagen begannen .und Einheit und Eintracht dringender nötig 
gewesen wäre, als je. Es ist dies das dunkelste Blatt in der 
Geschichte unseres Staates. Wie ehedem, hatten auch jetzt die 
Teilungen Zwietracht und Schwäche zur Folge, während von allen 
Seiten sich das Gewölk zu einem Sturme erhob, der das noch 
schwach gekittete Reich in seinen Fugen eibeben machte. Aber 
Oesterreich bestand die Gefahr ; die Teile fanden sich wieder zu- 
sammen unter dem Scepter eines Herrschers und es muss als ein 
Zeichen tiefinnerer Lebenskraft gelten, dass der junge Staat nicht 
Schiffbruch litt in dem Orkan des dreissigj ährigen Krieges, dass 
er mit wenig beträchtlichem territorialen Verluste, wenn nicht 
siegreich, so doch ungebeugt aus diesem Titanenkampfe hervor- 
gieng. 

Neue Gefahren bereiteten bald darnach dem Donaustaate die 
Politik Ludwigs XIV. und die agressiven Tendenzen der Pforte. 
Wieder, wie in den Tagen Karls V. und Ferdinands, musste der 
kaiserliche Doppelaar wachsam nach Westen und Osten blicken. 
Wieder wurde unter den Mauern unserer Stadt das Schicksal 
des Reiches entschieden. Merkwürdige Fügung, dass der Mann, 
der zu dieser Entscheidung vor allem beitrug, jener Herzog von 
Lothringen war, dessen Haus mit dem der Habsburger bald in 
eines verschmelzen sollte. 

Durch den Ausgang der zweiten Türkenbelagerung W r iens 
und durch den weiteren Verlauf der Kämpfe mit dem Halbmond 
war die Stellung Oesterreichs als Grossmacht neuerdings ge- 
sichert, und als solche hat sich Oesterreich in dem Kampfe um 
die spanische Succession bewährt. Aber dieses Staatswesen hatte 
noch durchaus ein loses Gefüge. Zwar hatte die Königreiche und 
Länder seit zwei Jahrhunderten ein gleiches Geschick verbunden 



342 



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Und einander genähert. Auch hatten einzelne Kaiser, wie Ferdinand I. 
und Ferdinand II. sich nicht ohne Erfolg um den inneren Aus- 
bau des Reiches bemüht. Aber die gemeinsamen Einrichtungen, 
welche bereits damals iu's Leben traten, betrafen nur einzelne 
Ländergruppen. Es gab ausser der allen gemeinsamen Dynastie 
kein das ganze staatliche Gebiet umschlingendes Band. Und selbst 
dieses Band drohte sich zu lösen, wenn einst der Mannsstamm 
des Hauses Habsburg erlosch; denn nur auf den Mannsstamm 
bezog sich das Erbfolgerecht des Hauses in Ungarn. 

Und nun sah man bald nach dem Erlöschen der spanischen 
Linie auch dem Aussterben des deutschen Mannsstamms der 
Habsburger entgegen. Diese Sorge erfüllte die Regierung Kaiser 
Karl VI., der ein Gesetz zur Regelung der weiblichen Nachfolge 
erliess, und zugleich die Unteilbarkeit der habsburgischen Monar- 
chie proklamierte. Zu diesem Gesetze erfolgten auf Grund mehr- 
jähriger Verhandlungen mit den Ständen die Zustimmungserklä- 
rungen aller Königreiche und Länder, deren Inbegriff eben die 
pragmatische Sanction bildet. Dadurch wurde auch in Ungarn 
die weibliche Nachfolge anerkannt und der Bestand des Reiches 
über das Erlöschen des Mannsstammes hinaus sichergestellt. Zu- 
letzt erlangte Karl VI. auch von den europäischen Mächten die 
Anerkennung und Garantie des neuen Erbfolgerechtes. 

So gieng, als Karl VI., der letzte männliche Sprössling des 
Hauses Habsburg aus dem Leben schied, der österreichische Länder- 
complex an seine herrliche Tochter Maria Theresia über, die 
unvergleichliche Ahnfrau unseres gegenwärtigen, des habsburg- 
lothringischen Herrscherhauses. Aber noch einmal musste dies neue 
habsburgisch-lothringische Oesterreich einen gewaltigen Kampf um 
sein Dasein bestehen. Von allen Seiten von wortbrüchigen Feinden 
umringt, hat Maria Theresia, die nach dem Ausspruche ihres 
Sohnes Josef keinen anderen Schutz in ihrer Bedrängnis fand, 
als die Grösse ihrer Seele und die Treue ihrer Völker, diesen 
Kampf wie eine Heldin ausgekämpft. Und sie hatte Recht, als sie 
später während des siebenjährigen Krieges in der Genugthuung 
über die erste Niederlage ihres grossen Gegners die Schlacht bei 
Kolin in einem Dankschreiben an den Sieger Daun als „den 
Geburtstag der Monarchie" feierte. Es war der Geburts- 
tag der habsburgisch-lothringischen Monarchie. 



S48 



Maria Theresia hegte immer den Wunsch, ihrem Gemahle 
Franz Stephan auch die Kaiserkrone zu verschaffen, und hat zu- 
letzt auch ihre Absicht erreicht. Die deutsche Kaiserkrone ist 
von da an bis zur Auflösung des Reiches im Besitze ihres Hauses 
geblieben. Doch diese Krone hatte ihren einstigen Glanz längst 
eingebüsst; das heil, römische Reich deutscher Nation war zu einer, 
wenn auch durch das Alter ehrwürdigen Tradition herabgesunken, 
die eine Zeit, welche allen historischen Ueberlieferungen den 
Krieg erklärte, nicht zu überdauern vermochte. Das alte deutsche 
Reich ist der französischen Revolution zum Opfer gefallen. Schon 
früher (1804) hatte Franz II. den Titel eines Kaisers von 
Oe st er reich angenommen und damit zu erkennen gegeben, 
dass er Willens sei, auch über den zu gewärtigenden Untergang 
des deutschen Kaisertums hinaus die alte Hoheit und Würde 
seines Hauses zu wahren. Auch sonst war dieser prunklose Akt 
von hoher Bedeutung: der längst vorhandene Staat erhielt hier 
seine erste ofh'cielle Benennung. 

Später wurde noch einmal der Versuch gemacht, diesen 
österreichischen Kaiserstaat mit einem Teile seines Gebietes in 
den Rahmen des auf den Trümmern des alten Reiches neu- 
gebildeten Bundesstaates einzufügen. Allein der Versuch, den 
alten Reichsgedanken in moderne Formen umzugiessen, misslang 
und Oesterreich schied nun auch formell aus dem Verbände eines 
Staatswesens aus, aus dem es selbst hervorgegangen war, als 
dessen vornehmstes Glied es einst gegolten, mit dessen Hilfe es 
beharrlich au seiner selbständigen Grösse und Macht gebaut. 
Das Scheiden aus tausendjähriger Verbindung konnte für die, 
welche davon betroffen wurden, nicht schmerzlos sein. Aber dem 
Schmerze stand die Erkenntnis tröstend zur Seite, dass hier ein 
grosses historisches Gesetz zur Geltung gelangt sei, der letzte 
Schritt auf dem Wege zur Entstehung eines selbständigen 
Staates mit eigenen Gesetzen und eigenen Bedingungen seines 
Daseins. 

Auch im Innern Oesterreichs hat sich seit den Tagen unserer 
grossen Kaiserin vieles geändert. Kaum wird man in dem Oester- 
reich unserer Zeit den mittelalterlichen Staat wieder erkennen, 
dessen erste Umgestaltung die Regierung Maria Theresia's und 
ihres Sohnes Josef unternam. Noch grössere Wandlungen haben 



844 



die letzten Generationen erlebt. Aber wie vielfach auch die Aende- 
rungen sein mögen, die sich im Leben der Völker und Länder, 
in Verfassung und Recht, in Anschauungen und Bestrebungen 
vollzogen haben, eines ist im Wechsel der Zeiten beständig ge- 
blieben: die Treue und Anhänglichkeit, welche Oesterreichs Völker 
mit seinem geliebten Herrscherhause verknüpfen. Auf dieser Treue 
beruhen heute, wie in den Tagen des alten Ratbod, die Mauern 
Habsburgs. 

Und noch ein anderes haben die Jahrhunderte nicht ge- 
ändert. Das Reis, welches einst Habsburgs Ahnherr unserer 
heimathlichen Erde anvertraute, ist seither zum mächtigen Baume 
emporgewachsen, in dessen Wipfeln der Adler horstet und dessen 
Zweige vielen Völkern ein schützendes Obdach bieten. In traulichem 
Geflüster wissen seine Blätter von gar vielen Stürmen zu er- 
zählen, die über ihn dahingerauscht, von manchen Blitzen, die 
neben ihm gezuckt. Aber der Baum selbst ragt noch immer in 
alter Herrlichkeit empor und seine Wurzel haftet noch immer 
tief in Oesterreichs heimathlicher Scholle. 

. Und so kehre ich denn, nach dieser Umschau auf dem Ge- 
biete österreichischer und dynastischer Geschichte, wie von einer 
weiten Reise, noch einmal zu Dir, mein theures Heimathland, zurück 
zu Dir, mein Oesterreich, das Du heute den schönsten Deiner 
vielen Ehrentage begehest. Vor sechshundert Jahren hast Du den 
Söhnen und Nachkommen des grossen Ahnherrn Rudolf ewige 
Treue gelobt. Diesen heiligen Eidschwur erneuerst Du heute aus 
ganzem Herzen. Wohl Dir! denn Du hast Freude und Leid mit 
Deinen Landesfürsten geteilt, Du hast oft in guter Sache un- 
erschrockenen Mutes Dein Herzblut vergossen, Du hast Deinem 
Namen Ehre gemacht. Dein Banner flattere auch fernerhin überall 
da, wo es gilt, einzustehen für die Grösse des Reiches und für 
den Ruhm Deiner Herrscher! Mögest Du jederzeit sein, was der 
steirische Dichter Ottokar an deiner Wiege Dir vorsang: „Ehre 
und Gutes voll", mögest Du auch fernerhin bleiben, was Dich 
Rudolf der Stifter nannte, das Herz und der Schild des Reiches, 
möge an Dir der alte Spruch sich erfüllen: Austria erit in 
orbe ultima! 



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Beilage. 



Die Urkunde über die Belehnung der Söhne Rudolfs von Habs- 
burg mit Oesterreich (27. December 1282). 

Die Urkunde, durch welche Rudolf von Habsburg seine Söhne 
mit den österreichischen Ländern im Jahre 1282 belehnte, ist noch 
gegenwärtig im geh. Haus-, Hof- und Staatsarchive zu Wien im 
Original erhalten und verdient umsomehr nochmals abgedruckt zu 
werden, da die früheren Drucke bei H. Ferd. Schrotte r, „ Erste 
Abhandlung aus dem österreichischen Staatsrechte" S. 106 AT, 
und bei L am b acher, „Oesterreichischen Interregnum" nach der 
Schrift: „Vorläufige Beantwortung der gründlichen Ausführung 
der dem Durchlauchtigsten Herrn aus Bayern zustehenden Erb- 
folge" Beil. in., §. 2 mehrfach, namentlich aber in der Zeugen- 
reihe ungenau sind. Die Urkunde selbst lautet: 

RVDOLFVS Dei gracia Romanorum rex semper Augustus vni- 
versis sacri Romani imperii fidelibus presentes literas inspecturis 
imperpetuum. Romani moderator imperii ab observancia legis 
solutus, legum civilium nexibus quia legum conditor non constrin- 
gitur, et tarnen legis nature dominium, quod vbique et in Omni- 
bus principatur, necessario profitetur. Huius enim legis imperiosa 
potestas sie regnat potenter, sie in dominii sui potentia exvberat 
affluenter, sie eunetos artat et stringit, sie omnes dominii sui 
iugo laqueat et inuöluit, vt omnis caro et lingua statutis ipsius 
pareant et mandatis obediant, profiteantur dominium et imperium 
recognoscant. Ideoque et nos, licet in excellenti specula regie 
dignitatis et super leges et iura simus positi, legis tarnen nature 
preeeptis et imperio caput nostrum sincere submittimus, et eidem 
fidelitatis debitum exsoluere cupientes notum fieri volumus tarn 



m> 



presentis temporis quam future posteritatis imperii Romani fide- 
libus, quod inter multa liberalitatis inmense beneficia, quibus a 
sublimationis nostre primordio plerosque fideles imperii preuenimus, 
ad instinctum imo pocius Imperium et preceptum eiusdem legis 
nature circa magnificenciam status prolis nostre et sublima- 
cionem ipsius studia nostra conuertimus ac de libero et expresso 
consensu imperii principum ius in electione regis Romani ex 
longa consuetudine tenentium principatus siue ducatus Austrie, 
Stirie, Carniole et Marchie cum vniuersis suis honoribus iuribus 
libertatibus et pertinentiis sicut eos clare memorie Livpoldus et 
Fridericus duces Austrie et Stirie tenuerunt ac possederunt et 
aliis que in terris eisdem quondam Otacharus rex Boemie quo- 
cunque legitimo titulo conquisierat illustribus Alberto et Rvdolfo 
filiis nostris karissimis apud Augustam sollempniter cum vexillis 
et sollempnitate debita concessimus in feodum ac principum im- 
perii numero consorcio et collegio aggregantes eosdem et ipsis 
ius principum concedentes ab eis pro principatibus memoratis 
fidelitatis et homagii recepimus iuramentum. Nulli ergo omnino 
ho min um liceat hanc nostre concessionis graciam infringere vel 
eidem in aliquo ansu temerario contraire. Quod qui facere pre- 
sumpserit grauem nostre maiestatis offensam se noverit incurrisse. 
In cuius rei testimonium et perpetui roboris firmitatem presentes 
litteras inde conscribi et bulla aurea thypario regie maiestatis 
impresso iussimus communiri. Testes sunt hü : venerabiles : Chun- 
radus Argentinensis, Hartmannus Augustensis, Heinricus Ratispo- 
nensis et Wernhardus Secouiensis episcopi; illustres: Ludewicus 
comes palatinus Reni dux Bawarie, "principes nostri Chunradus 
dux de Tekk, Hermannus marchio de Baden, Heinricus marchio 
de Burgow et Heinricus marchio de Hahperch, et spectabiles viri : 
Albertus et Burchardus fratres de Hohenberch, Heinricus, Fride- 
ricus et Egeno de Vurstenberch , Eberhardus de Habspurch, 

Ludewicus de Oetingen, *) de Vlugelow, Meinhardus Tiro- 

lensis et Guntherus de Swartzenburch comites; item nobilis vir 
Fridericus burchgravius de Nurenberch, Wernhardus de Schowen- 
berch, Livtoldus de Chvnring, Fridericus dapifer de Lengebach, 
Vlricus de Capeila, Erchengerus de Landeser, Hertnidus et Liv- 

*) Lücke. 



B41 



toldus fratres de Stadekk, et quam plures alii. Signum domini 
Rudolfi regis Romanorum inuictissimi. Datum in Augusta per 
manum magistri Gotfridi prepositi Patauiensis nostri protho- 
notarii VI. Kai. Januarii, indiccione XL anno domini millesimo 
ducentesimo octogesimo secundo; regni vero nostri anno decimo. 

Monogramm: Rudolfus R. R. S. A. Goldsiegel an rotgelber 
Seidenschnur. Beschrieben und abgebildet bei Heffner. Die 
deutschen Kaiser- und Königssiegel nr. 77. mit Tafel Y. 61 
und 62. 

Kanzleibemerk ung: Auf dem umgefalteten Rande innen : 
domino, aussen: d. 

Dr. Heinrich R. v. Zeissberg. 



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Das iMünzwesen in Oesterreich 

zur Zeit König Rudolfs 1 von Habsburg. 



I. Der Zustand des Münzwesens am Schlüsse des 
Zwischenreiches . 

nblutig und überraschend schnell war der Feldzug 
des Reiches gegen König Ottokar von Böhmen 
verlaufen. Der Wiener Frieden vom 26. November 
1276 hatte die Besitzungen zweier während des 
letzten Mcnsehenalters erloschener Fürstenge schlechter in die Ver- 
waltung König Rudolf» I. gebracht: „Wann sy nach Lehens Orden 
— Dem Reich sind ledig worden," wie die Reimchronik meldet. 
Nicht über Oesterreich allein, sondern auch über die mit diesem 
Her/ogtume ins dritte Menschenalter verbundene Steiermark, 
dann über Kärnten und Kram bis in's Friaulische hinein stand nun 
das babenbergische und sponheimische Erbe ohne das Zwischen- 
glied einer landesfürstlichen Regierung unmittelbar unter dem 
deutschen Könige, welcher von demselben sofort Besitz ergriff und 
durch einen am 3- December erlassenen Landfrieden die Wieder- 
kehr geregelter Zustände anbahnte. Vom Münzwesen ist allerdings 
in diesem Gesetze keine Rede, man müsste denn die angedrohten 
ötrafsnminen oder die Taxe von 4 Pfenningen für die gerichtliche 



•~ —- — ■» * —~— -— •-- » -•■ — * ■ •■ ■ -■■■- • ■ - - - ■ .. — , — — — — 

Vorladung dafür gelten lassen, und ebensowenig sind uns von 
König Rudolf spätere Münzverordnungen für Kärnten und Krain 
bekannt. Demungeachtet will das Münzwesen der genannten vier 
Lande im Zusammenhange betrachtet sein. 

Viererlei Münzen beherrschten hier den Verkehr, wenn wir 
die Urkunden aus dem letzten Viertel des XIII. Jahrhunderts 
befragen : Die Wiener Pfenninge in Oesterreich, die Grazer in der 
Steiermark, die Friesacher in Kärnten und die Agleier mit all- 
mäliger Verdrängung der heimischen Laibacher Münze in Krain. 
Dabei ist jedoch festzuhalten, dass alle diese Ausdrücke damals 
schon zu Sammelnamen geworden waren und die Erzeugnisse 
mehrerer Münzstätten begriffen. Wiener Pfenninge waren eben 
alle Münzen, welche ihr Gepräge nach dem Wiener-Schlage einrich- 
teten, mochte auch das einzelne Stück aus Enns oder Wienerisch- 
Neustadt herrühren. 1 ) Ebenso schlug man die Grazer Pfenninge 
zu dieser Zeit wahrscheinlich nicht mehr in der Landeshauptstadt 
allein, sondern auch zu Zeiring in Obersteiermark aus dem dort 
gewonnenen Silber. 2 ) Als Agleier liefen ebenso sicher nicht nur 
die eigenen Münzen der Patriarchen von Aquileja, sondern über- 
dies auch die Gepräge der Grafen von Görz aus Lienz, der 
Bischöfe zu Triest, und Laibacher und Landst rasser Pfenninge, 
soweit diese den schüsselformigen Typus der Agleier nachahmten. 3 ) 
Vollends umfassend war aber der Ausdruck Friesacher, unter 
welchem man nicht blos das zu Friesach in Kärnten von den Salz- 
burger Erzbischöfen gemünzte Geld, sondern im Laufe der Zeit 
die Gepräge von mindestens sechs bis sieben Münzberechtigten 
aus neun bis zehn Münzstätten begriff. Denn es schlugen ausser- 
halb Friesach auch noch die Patriarchen von Aquileja Friesacher 
im Friaulischen, ehe sie den eigentümlichen Agleier Typus ausge- 
bildet hatten, und nebstdem unter Patriarch Berthold zu Windisch- 
gratz. Die Bischöfe von Bamberg münzten sie zu Villach und Griffen, 
die Herzoge von Kärnten zu S. Veit und Völkermarkt in Kärnten, 
zu Landestrost in Krain und zeitweilig auch zu Windischgratz, 
die Babenberger mit dem Salzburger Erzbischofe vereint zu 
Pettau, die Meranier zu Windischgratz und vielleicht auch zu 
Stain in Krain, die Görzergrafen ebenso zu Obervellach u. s. w. 
Man würde aber gewaltig irren, wenn man den Schluss auf 
einfache und geregelte Münzverhältnisse in damaliger Zeit aus 



350 



dem Grunde machen wollte, weil die Urkunden zu Ende des 
Zwischenreiches neben rohem Silber als Zahlungsmittel fast nur 
der Wiener-, beziehungsweise der Grazer-, Friesacher- und Agleier- 
Pfenninge gedenken. Im Gegenteil, da war noch manches zu 
wünschen übrig, schon darum, weil sich oft innerhalb ein und 
derselben Münzsorte bedeutende Schwankungen im Schrot und 
Korn zeigen. Es ist das eine Thatsache, welche zwar die richtige 
Bestimmung der erhaltenen Gepräge sehr erschwert, den Kenner 
mittelalterlicher Münzzustände indessen nicht überraschen wird, 
weil dieselbe ihre hinreichende Erklärung, von der Mangelhaftig- 
keit der alten Münztechnik abgesehen, in der damals bestehenden 
Münzpolitik findet. Galt doch die offen oder verdeckt mit Ab- 
knappung am Edelmetall betriebene Nachmünzung guter Geld- 
sorten diesem Zeitalter als kein Missbrauch des Münzrechts. 

Es war demnach gegenüber der Vergangenheit nur ein be- 
scheidener Fortschritt im österreichischen Münzwesen, dass bereits 
in jedem Lande durch die Bedürfhisse des Verkehrs eine einzige 
Münzgattung zur gäng und geben geworden war, welcher die 
Erzeugnisse der andern heimischen Münzereien mit Verlust ihrer 
lokalen Besonderheiten und Privilegien sich anschliessen mussten, 
wenn sie nicht alle Bedeutung verlieren wollten. Noch fehlte es 
an einem einheitlichen Münzgewichte, da jede dieser Prägestätten 
ihre Münzen nach der eigenen, von Alters herkömmlicher Gewichts- 
mark ausbrachte. So geschah es, dass in den vier Landen neben 
der Wiener Mark von 280006 Gramm Schwere auch noch die 
Grazer von (wahrscheinlich) 248894 Gramm, die Friesacher von 
wenigstens 233*682 Gramm und die im Friauli sehen angewandte 
Venezianer Mark (etwa 237262 Gramm) gleichzeitig in Uebung 
waren. 1 ) Schon dieser Umstand allein hätte jeden Versuch obige 
Münzsysteme einander anzunähern sehr erschwert, da es keine 
leichte Aufgabe gewesen wäre, für das verabredete Schrot die 
entsprechende Aufzahl den verschiedenen Markgewichten ange- 
passt, in einfacher Weise übersichtlich auszudrücken. Zum Ueber- 
flusse herrschte ebensowenig Uebereinstimmung hinsichtlich des 
Feingehaltes der Münzen. Die Grazer und Friesacher sollten lölöthig 
sein, die Agleier waren schon auf 14 Loth zurückgegangen, 
während die Wiener im Mittel kaum 11^ Loth hielten. So ver- 
glichen sich also die erwähnten Pfenninge weder an Gewicht 



851 



noch an Gehalt. Uni die Verwirrung zu steigern, waren sogar 
die Rechnungsmünzen verschieden, in welche sie vom Verkehre 
ohne Rücksicht auf das jeweilige Schrot und Korn nur lediglich 
nach der Stückzahl zusammen gefasst wurden. Während für die 
Wiener im Inlande nur die Pfundrechnung in Hebung stand, welche 
nach bayerischem Gebrauche 30 Pfenninge auf den langen Schil- 
ling und 8 Schillinge oder 240 Pfenninge auf das Pfund ver- 
anschlagte, rechnete man die Agleier, Friesacher und Grazer fast 
ebenso ausschliesslich nach Zahlmarken zu 160 Pfenningen. Der 
Empfang einer grösseren Geldsumme in effectiven Münzen war 
also damals keine einfache Sache, wenn man sich vor Schaden 
schützen wollte, zumal das Feingewicht der Pfenninge sogar in 
ein und derselben Münzstätte, je nach dem Jahrgange, grossen 
Schwankungen unterliegen konnte. Darum erklärt sich zum Teil 
die Höhe des Gewinnes, welchen der Empfanger fremder Münz- 
sorten nam, auch aus seinem nicht unbedeutendem Wagnis; 
darum hielt aber auch der Grossverkehr im XIII. Jahrhunderte an 
der Zahlung mit Silberbarren fest, obschon die Münzherrn um 
ihres persönlichen Vorteiles wegen, nicht selten den Handel und 
Wandel mit ungemünztem Silber aufs Strengste untersagten. *) 
Berücksichtigt man die verschiedenen Anhaltspunkte, welche uns 
zur Bestimmung des innern Wertes dieser verschiedenen Pfenninge 
teils in urkundlichen Nachrichten gegeben sind, teils aus den er- 
haltenen Münzen selbst abgeleitet werden können, so lässt sich 
folgendes Schema von jenen Münzsorten aufstellen, welche um das 
Jahr 1275 in Oesterreich und den Alpenländern im Verkehrewaren : 6 ) 



Name der Münze 



1 Wiener Pfenning 



1 Grazer Pfenning 



1 Friesacher 



1 Agleier 



Gewicht in Gramin_ 
ranh | feiu 



Aufzahl auf die Münzmark 



c. 1 12 778 



c. 0889 836 



c. 854 803 



c, 11 



0% 



l Krainer Pfenning j 696 
(Laibacher?) 



250 Stück auf die rauhe Wiener 
Mark von -, 6 ffVo oder 1 1 J Loth 
Feine und 280 006Gra. Gewicht. 

etwa 248 Stück auf die rauhe 
Grazer Mark von 15 Loth^VöV 
Feine und 24 8 894Gm. Schwere. 

etwa 275 Stück auf die lölöthige 
(tWo feine) Friesacher Mark 
von mindestens 233682 Gm. 

etwa 216 Stück auf die Hlöthige 
(iVA feine) Venezianer Mark 
von 237 262 Gm. Schwere. 

Markgewicht. Aufzahl und Fein- 
gehalt dieser denarii Carniolici 
ist unbekannt. 



3b2 



So ungefähr waren also die Münzverhältnisse beschaffen, 
welche König Rudolf I. bei seiner Ankunft hiezulande antraf. 

II. Die staatsrechtliche Bedeutung der Verordnungen König 
Rudolfs I. über das österreichische Münzwesen. 

Aus der fünfjährigen Regierung König Rudolfs I. über Öster- 
reich, Steiermark. Kärnten und Krain sind uns mehrere Verfügungen 
in Münzsachen erhalten. Bei denselben erscheint aber auf den 
ersten Anblick hin befremdlich, dass sie sich nicht als Erlässe 
des Reichsoberhauptes kraft königlicher Machtvollkommenheit dar- 
stellen, sondern nur als Massregeln, welche Rudolf in Ermangelung 
des Landesfürsten getroffen hat. Bei tieferem Eingehen auf die 
Sache, verliert sich das Auffällige. Man findet, dass das Vorgehen 
des Königs auch in diesem Punkte mit jenen Grundsätzen in 
völliger Uebereinstimmung ist, welche er bei Verwaltung der heim- 
gefallenen Lande überhaupt beobachtete : mit der Wiederherstellung 
gesetzlicher Zustände bei Vermeidung aller gewagten Experimente. 

Ein solches aber wäre zu seiner Zeit die bleibende Einziehung 
der Gebiete zu Gunsten der Krone sicherlich gewesen. So nahe- 
liegend uns heute die Frage ist, warum Rudolf die günstige Ge- 
legenheit zur Kräftigung des königlichen Einflusses in Deutsch- 
land, welche ihm der Friede mit Ottokar zu bieten schien, nicht 
durch Schaffung von Reichslanden ausgenützt habe, so gewichtig 
waren die Erwägungen, welche ein solches Unternemen bei der 
damaligen Sachlage widerrieten. Zu geschwächt war die könig- 
liche Autorität aus den Wirren des Zwischenreiches hervorgegangen, 
zu sehr die Stellung der Fürsten im Reiche befestigt, zu sehr 
endlich König Rudolf auf deren guten Willen, insbesonders nach 
der Demütigung seines gewaltigen Gegners angewiesen, als dass 
er einen so entschiedenen Schritt zur Erweiterung der könig- 
lichen Macht mit einiger Aussicht auf Erfolg hätte wagen können. 
Mit grossem Scharfsinn aber erfasste Rudolf die Lage des Reiches, 
mit richtiger Schätzung erwog er die Kräfte, die ihm zur Ver- 
fügung standen: nur das Erreichbare wollen, stellte er sich zur 
Aufgabe. Und da war denn die Landesherrlichkeit ein Factor, mit 
dem gerechnet werden musste. Seit mehr als einem Menschenalter 
durch Reichsgesetze anerkannt, fand dieselbe ihre Stütze nicht 



353 



blos in den Interessen der Fürsten, sondern ebenso in der Ueber- 
zeugung der Beherrschten. Zur Hindangabe der wichtigsten Re- 
gierungsrechte an die Landesherrn durch König Heinrich und 
Kaiser Friedrich II. war später noch die Verschleuderung der Reste 
des Krongutes durch Konrad IV. hinzugekommen. 7 ) so dass nach 
Beendigung des Zwischenreiches, von einigen Städten abgesehen, 
fast keine grösseren Besitzungen unmittelbar unter dem Reichs- 
oberhaupte standen. Es entsprach mithin thatsächlich der Lage 
des Reiches und war nun auch herkömmliche Ordnung, dass 
jedes Land unter seinem angestammten Fürsten, und dieser unter 
dem Kaiser stehe, und man weiss, was Herkommen im deutschen 
Staatsrechte bedeutete. Vollends in Oesterreich und Steiermark, 
wo sich die Landeshoheit früher als anderwärts in Deutschland 
entwickelt hatte, war dieselbe auch schnell eingewurzelt. Beweis 
dafür, die Haltung der Ministerialen, welchen nach dem Aus- 
sterben der Babenberger die politische Führung in Oesterreich 
und Steiermark während des ganzen Zwischenreiches unbestritten 
zukam, namentlich ihre verschiedenen Gesandtschaften an Kaiser 
Friedrich II. um Beseitigung der anomalen Reichsverwaltung 
durch Einsetzung eines neuen landesherrlichen Geschlechtes. 

Unter solchen Verhältnissen konnte daher König Rudolf 
an eine dauernde Verwandlung der Lande in Krongut gar nicht 
denken, sondern musste zufrieden sein, wenn er der königlichen 
Macht hier jenen Einfluss zurückgewann, welcher vor dem Zwischen- 
reiche zu Recht bestand. Die Aufgabe, welche Rudolf sich so ge- 
stellt hatte, die hat er auch während seiner Verwaltung glänzend 
gelöst, und die Verleihung von Oesterreich-Steiermark an seine 
Söhne ist nicht ein Akt blossen Familieninteresses. Da er nicht 
mehr als vorübergehend Platzhalter für den künftigen Landes- 
herrn sein konnte, so w T ar es auch ein Schritt zu Gunsten der 
königlichen Gewalt, wenn ihm die Einsetzung solcher Landesherrn 
gelang, auf welche er voraussichtlich den grössten Einfluss haben 
konnte. 

Nach alledem kann es uns nicht Wunder nemen, weshalb 
die Verordnungen König Rudolfs in Münzsachen für die baben- 
bergisch-sponheimischen Gebiete zumeist nur den Charakter vor- 
übergehender Verwaltungsakte an sich tragen. Hieher gehört die 
Urkunde, durch welche den Bürgern von Wiener-Neustadt der 



35* 



halbe Schlagschatz der Münze zur Tilgung eines Darlehens von 
1000 tt Wiener Pfenningen überlassen wurde. 8 ) Gleicher Beschaffen- 
heit sind ferner die Finanzoperationen mit jener Gesellschaft von 
Geldmännern, an deren Spitze der österreichische Landschreiber 
Meister Konrad von Tuln stand: sie führten in ihrem Verlaufe 
zur Verpfandung der Münzeinkünfte in Oesterreich überhaupt 
und der Ennser Münzstätte insbesonders. 9 ) Aber selbst in solchen 
Fällen unterliess Rudolf nicht anzudeuten, in welchem Sinne er 
handeln wolle, sobald sie ihm als wichtiger erschienen. Nicht mit 
den Rathgebern des Reiches, sondern mit dem Ausschusse öster- 
reichischer Grossen, deren sich Rudolf als Beirath in Landes- 
angelegenheiten bediente, wurden die erwähnten Abmachungen 
mit dem Landschreiber Konrad besprochen und gebilligt. 10 ) Sollten 
aber Verfügungen bleibender Art ergehen, dann war Rudolf um 
so mehr bemüht zu verhindern, dass durch jene den Rechten des 
nachfolgenden Landesfürsten vorgegriffen werde. Der Freibrief 
vom 19. Jänner 1277, welcher der Judenburger Bürgerschaft 
sechs Wochen nach Erneuerung der Münze die Umwechslung 
alter Pfenninge gegen neue freistellt, 11 ) bezeichnet sich einfach 
als Bestätigung von Rechten, welche der Stadt schon von den 
Babenbergern verliehen worden seien. Gleiches gilt von der Hand- 
feste für die Wiener Hausgenossen vom 16. Juli desselben 
Jahres, 12 ) obwol nach den Eingangsworten alle zur Münze ge- 
hörigen Personen zu des Königs und des Reiches Kammer ohne 
Mittel «wiglich gehören sollten. So gut die Bürger von Wien 
Laa, Tuln, Freistadt u. s. w. die Reichsunmittelbar-Erklärung durch 
Rudolf I. nur als eine vorübergehende Verfügung ansahen, die 
ihnen nach Beendigung der Reichsverwaltung als des Ausname- 
zustandes die vorher eingenommene unmittelbare Unterordnung 
unter dem Landesfürsten sichern sollte, 13 ) so gut waren auch 
die Hausgenossen über die Bedeutung der erwähnten Stelle im 
Klaren. Ja es konnte für sie noch um so weniger ein Zweifel 
darüber entstehen, als ihre Abhängigkeit vom österreichischen 
Herzog im weitern Verlaufe des Privilegiums nicht bloss ein-, 
sondern mehrere Male bestimmt hervorgehoben wurde. 14 ) 

Besonders interessant ist aber die Umgestaltung, welche die 
steirische Handfeste vom Jahre 1237 im Abschnitte, der vom 
Münzwesen handelt, durch König Rudolf I. erfuhr. „Auch wollen 



S55 



wir,* hatte Kaiser Friedrich II. vierzig Jahre vorher bewilligt, 
„dass die Münze, welche man bisher jährlich aus Habsucht zu 
allgemeinem Schaden der Landesbewohner zu erneuern pflegte, in 
Hinkunft ohne gemeinsamen Rath der vornemeren Ministerialen 
von Steiermark nicht mehr verrufen werde, sowie dass man das 
Schrot der erneuten Pfenninge durch fünf Jahre beibehalte. u 
Hier wurde also die Person desjenigen, von welchem der Anstoss 
zu dieser Finanzmassregel im Herzogtume ausgehen sollte, völlig 
unbestimmt gelassen, weil Kaiser Friedrich II. die Einziehung 
des Landes zu Reichszwecken noch für möglich hielt. Rudolf 
dagegen stellte es durch den Einschub der Worte „per dliquem 
futurum privcipcm terrae" ausser Frage, dass die Münzerneuerung 
in Steiermark nur dem Landesfürsten zustehe, dieser aber im 
übrigen an die Vorschriften des kaiserlichen Privilegiums von 
1237 gebunden sei. 1 *) 

So sehen wir, dass König Rudolf in allen Verordnungen, 
welche er für das Münzwesen in den Landen des babenbergisch- 
sponheimischen Besitzes erliess, nicht in seiner Eigenschaft als 
Reichsoberhaupt, sondern nur in Stellvertretung des zeitweilig 
fehlenden Landesherrn auftritt. Nur ein einziger Fall könnte als 
Ausname angeführt werden, die Zuschrift des Königs an den 
österreichischen Kammergrafen und den Wiener Münzmeister vom 
1. Juni 1281, in welcher dem Frauenconvente zu Tuln der jähr- 
liche Bezug von 60 Mark Wiener Münze ohne Bezahlung des 
üblichen Schlagschatzes zugestanden wurde, 16 ) denn hier wird 
unzweifelhaft eine Verfügung getroffen, welche in dauernder Weise 
(wenn auch nicht sehr fühlbar) die Einkünfte der österreichischen 
Kammer schmälerte. Aber auch dies erweist sich bei näherem 
Eingehen auf die Sache nur scheinbar als Ausname, weil der 
erwähnte Befehl nicht für sich allein, sondern im Zusammen- 
hange mit andern Regierungshandlungen des Königs betrachtet 
werden muss: er ist nämlich nur Vollzugsverordnung zur zweiten 
Stiftungsurkunde des Tulner Klosters. In dieser aber ist 17 ) ab- 
gesehen davon, das die Ordensgemeinde aus Dankbarkeit für den 
Sieg auf dem Marchfelde, also aus einem Anlass gegründet worden 
war, den jeder künftige Regent in Oesterreich anzuerkennen 
alle Ursache hatte, die Stellung des Landesfürsten vollkommen 
gewahrt 



m 



III. Die Organisation der Wiener Münze nach dem Hausgenossen- 

Privilegium vom Jahre 1277. 

Weitaus am umfangreichsten und dem Inhalt nach die 
wichtigste Verordnung König Rudolfs für das Münzwesen in Oester- 
reich ist die Handfeste für die Wiener Hausgenossen vom 16. Juli 
1277. Dieselbe giebt sich als Bestätigung von Rechten, welche 
dieser Körperschaft zuerst durch Herzog Leopold V. (1177 — 1194) 
verliehen worden seien, und es lässt sich nicht bezweifeln, wie 
später gezeigt werden wird, dass das Privilegium in der That 
alte bis auf den genannten Herzog zurückreichende Gnadenbriefe 
gutenteils berücksichtigt hat. Daneben aber enthält es eben- 
so sicher auch einzelne Bestimmungen des seither erwachsenen 
Gewohnheitsrechtes und Begünstigungen späterer Fürsten, da es 
der Entwicklung entsprach, welche das Wiener Münzwesen seit 
HO — 100 Jahren durchgemacht hatte. 

Nach dem Privilegium von 1277 erscheint das Münzwesen 
als ein dem Herzoge in Oesterreich von Alters her zustehendes 
Hoheitsrecht. Der Herzog ist hier Herr, in seine Kammer fliesst 
«ler Ertrag, welchen das Münzwesen abwirft, nach seinem Willen 
erfolgt die periodische Erneuerung der Pfenninge. Diese begann 
1277 eine Woche vor Jacobi und dauerte durch 14 Tage, bald 
darauf (1281) wurde sie aber, wie es scheint, zu zweien Malen 
im Jahr, zu Jacobi und Aegidi (25. Juli und 1. September), in' 9 
Werk gesetzt. Ohne uns hier mit dem Ursprünge dieses Gebrauches 
zu beschäftigen, 18 ) sei nur hervorgehoben, dass derselbe, 90wol 
für den einzelnen Unterthan, als für den grossen Verkehr gleich 
lästig und verderblich war, da der allgemeine Wertmasstab 
eine fortwährende Veränderung seiner Grösse erfuhr. National- 
ökonomische Rücksichten gelangten jedoch leider im deutschen 
Münzwesen erst sehr spät zur Anerkennung, und rein fiscalische 
Erwägungen waren für dasselbe zumal im Mittelalter massgebend. 
Der Ertrag des Regales war nun ein dreifacher: 

1. ein unmittelbarer Gewinn bei Erzeugung der neuen Münze, 
indem der Metallwert der Pfenninge hinter ihrem Nennwerte um 
jenen ansehnlichen Bruchteil zurückblieb, welcher den Schlagschatz 
im weitern Sinne bildete. 



861 



2. Beim Einkaufe des Rohmateriales, welches nach Bedarf um 
einen bestimmten Preis an die Münze abgeliefert werden musste. 

3. Der Wechselgewinn beim zwangsweisen Umtausch der 
neuen Münze gegen die umlaufende alte. Dieser war der ver- 
derblichste von allen dreien, und vereitelte geradezu den Zweck 
der Münze Masstab zu sein, da er dem Verkehre die vorhandenen 
Geldsorten zu einem willkürlich tief unter deren Metall werte an- 
gesetzten Preise entzog, und ihm dafür jene Pfenninge als aus- 
schliessliches Zahlungsmittel aufdrängte, welche der Regent neu 
ausgeben wollte. 19 ) 

Der Aufwechsel setzte darum das Verbot anderer (eigener 
und fremder) Münzen oder auch des ungemünzten Metalles voraus, 
und bedrohte die dawider Handelnden mit harten Strafen. Keinem 
Menschen, die Hausgenossen ausgenommen, verordnet die Hand- 
feste König Rudolfs, ist der Einkauf oder Umtausch von Gold, 
Silber und alten Pfenningen gestattet. Würde ein Uebertreter 
dieses Verbotes gefunden, er sei Christ oder Jude, der sei mit. 
Leib und Gut der Gewalt des Landesfürsten und des Münzmeisters 
verfallen. 

Schaden und Nutzen der Münzerneuerung nicht aber der 
einzelnen Ausprägung gieng damals auf Rechnung des Landes- 
fürsten. Darum durfte dem Hausgenossen nicht der Münz-Vorrath 
abgenommen werden, wenn er auf fremdem Markte eine Gewaltthat 
begieng, sondern der Richter sollte ihm „mit dem Gelt daz zu 
des Fürsten Kammer gehört * nach Wien dem Münzmeister über- 
antworten, der ihn erst nötigenfalls dem Wiener Stadtrichter zur 
Bestrafung auslieferte. Ja sogar der Verlust der neuen Pfenninge 
an «auswärtigem Orte traf, wenn er unverschuldet durch Beraubung 
erfolgte, nicht den Hausgenossen, sondern die landesfürstliche 
Kammer. 20 ) 

Ueber die Höhe des Gewinnes, welchen die Münze in Öster- 
reich jährlich dem Herzoge abwarf, haben wir aus den Tagen König 
Rudolfs keine ziffermässigen Angaben. Die Verpfändung der Amts- 
einkünfte an den Landschreiber Konrad vom 1. Juni 1281 giebt 
zwar an, dass auf den Ertrag der österreichischen Münze Schulden 
von 4000 UJ* versichert waren, welche vorweg bezahlt werden 
sollten, allein damit ist nicht viel anzufangen, da ja die Ver- 
schreibung auf mehrere Jahre hinaus lauten konnte. Demungeachtet 



&& 



scheint es, dass der Jahresertrag der Münze schon damals 4000 ti £> 
überstieg und etwa ein Fünftel bis ein Viertel aller Einkünfte 
ausmachte, welche der Herzog abgesehen vom Domanialvermögen 
aus dem Lande zog. 21 ) 

Schreiten wir vom Landesherrn abwärts, so war die Münze 
als Kammergut zunächst der Verwaltung durch den obersten 
Kämmerer als höchsten Finanzbeamten des Landes untergeben, der 
dann seine Controlle durch einen besondern Münzanwalt ausübte. 
Die unmittelbare Verantwortung, sowie die technische Leitung 
des Ganzen, hatte aber der eidlich verpflichtete Münzmeister, 
welcher vom Herzoge selbst ernannt und vom obersten Kammer- 
grafen eingesetzt wurde. Unter ihm standen und seiner weitreichen- 
den Jurisdiction unterworfen waren sowol die Personen, welchen 
die Herstellung des Geldes oblag, die eigentlichen Münzer — nach 
ihren Verrichtungen als Giesser, Zain- und Schrotmeister, Versucher 
oder Brenner, Eisengraber und Eisenhüter, Setzmeister u. dgl. unter- 
schieden — als auch die Corporation' der Hausgenossen, zu deren 
Gunsten eben der gedachte königliche Gnadenbrief erfloss. 22 ) 

Die Hausgenossen, viel bestrittenen Ursprungs, werden ausser- 
halb Oesterreich noch in einer Reihe deutscher Städte zu Köln, 
Basel, Bamberg, Augsburg, Erfurt, Regensburg, Speier, Strassburg 
u. s. w. urkundlich erwähnt. Der Name bezeichnet sie als Genossen 
Eines Hauses und zwar des Münzhauses, welches den Mittelpunkt 
ihrer gemeinsamen Thätigkeit bildete, wo sie ihre Versammlungen 
abhielten, wohin sie das Silber lieferten, wo sie den eingetragenen 
Guss vornamen, wo ihnen endlich auch noch Recht von ihren 
Genossen gesprochen wurde. 

An den Orten, wo seit alter Zeit eine königliche Münze 
bestand, dürfte wol der Zusammenhang der später genannten 
Hausgenossen mit den weit früher vorkommenden Münzercollegien 
anzunemen sein. Wo jedoch eine Münzstätte erst verhältnis- 
mässig spät neubegründet wurde, dort musste der Münzherr 
mit der übrigen Einrichtung auch für ein geeignetes Münzpersonal 
Vorsorgen. Er konnte dies durch Berufung einzelner Personen 
thun, mitunter aber begegnen wir an solchen Orten der Körper- 
schaft, der Hausgenossen als einer Neuschöpfung für Münzzwecke. 
Beispielsweise in Basel, wo der Bischof die Ausprägung seinen 
Gold- und Silberschmieden übertrug. 23 ) 



869 



Aehnlich lagen auch die Verhältnisse in Oesterreich. Heinrich 
Jasomirgott, welcher 115(5 mit dem Herzogtume auch das Münz- 
recht erwarb, mag sich zu Krems anfanglich mit wenigen Münzern 
beholfen haben. Aber schon unter seinem Nachfolger genügte dies 
nicht mehr dem Bedürfnisse. Ein blühender Handel hatte sich ent- 
lang der Donau entwickelt. Manche Geldmittel mag der Durchzug 
des Kreuzheeres unter Kaiser Friedrich dem Rotbart ins Land 
gebracht haben, allein nachweisbar viel Edelmetall war auch bei 
diesem Anlasse durch die heimischen Kreuzschaaren aus Oesterreich 
abgelenkt worden. Hier aber empfand man diesen Ausfall an 
Umlaufsmitteln umsomehr, als man eigener Silbergruben entbehrte 
und den Abgang durch Urproduction nicht decken konnte., Ein 
lebhafter Verkehr mit grossen Bedürfnissen und Geldknappheit 
trafen also zusammen. Vorübergehend griff man, wie es scheint 
nach französischem Beispiele, zur Verringerung des Münzgehaltes, 
als dies nicht genügte, sann man auf Besseres. Um gründliche 
Abhilfe zu treffen, entschloss sich Herzog Leopold V. (1177- 94) 
warscheinlich in den letzten Regierungsjahren zur Errichtung des 
Hausgenossen-Collegiums, welchem er die Beischaffung des er- 
forderlichen Silbers für die Wiener Münze übertrug. Es war unter 
den geschilderten Verhältnissen keine leichte Sache, was da den 
Hausgenossen zugemutet wurde, und der Herzog musste sich 
zu lockenden Zugeständnissen verstehen, eh' ihm die gewünschte 
Vereinigung capi talskräftiger Bürger zur Hausgenossenschaft ge- 
lang. Die Behauptung der Genossen, dass der Ursprung ihrer 
Privilegien in die Zeit des Herzogs Leopold V. zurückreiche, erfahrt 
also, abgesehen von der Anerkennung durch König Rudolf, auch 
noch eine weitere Bekräftigung, sowie ihre historische Begründung, 
wenn man auf die wirtschaftliche Lage Oest.errc.ichs zu Ende 
des XII. Jahrhunderts näher eingeht. 

Sehr gross aber w r aren in der That die Vorrechte, deren sich 
die Wiener Hausgenossen im Jahre 1277 schon erfreuten. Achtund- 
vierzig an Zahl, sollten sie zur herzoglichen Kammer gehören und 
an deren wertvollen Freiheiten teilnemen. Insbesonders sollten ihre 
Forderungen an auswärtige Personen ganz ebenso wie Schulden 
an das Kammergut behandelt und eingetrieben werden. Nicht 
weniger begünstigt waren sie hinsichtlich der Jurisdiction, der 
sie unterstellt sein sollten. Weder Hauptmann noch Landrichter, 



360 



noch irgend ein anderer Richter oder Amtmann sollte über sie 
und ihr Gut Gewalt haben. Vielmehr solle man die Hausgenossen 
um jeglichen Zuspruch nur vor dem Münzmeister belangen können, 
die Friedensbrüche ausgenommen, welche sie vor dem Wiener 
Stadtrichter zu verantworten hätten. Seien sie aber Kläger, dann 
habe der Kämmerer des Landes die Pflicht ihnen nötigenfalls 
ihr Recht vor dem Herzoge selbst zu verschaffen. 

Wie der Schlagstube im Münzgebäude, so solle auch allen 
Häusern der Genossen volle fürstliche Freiung verliehen sein; 
schon das blosse Erfassen der Thür durch den flüchtigen Mann 
sollte das Münzgericht zum Einschreiten ermächtigen. Vielweniger 
aber noch dürfe ohne Zustimmung des Eigentümers einem solchen 
Hause die Beherbergung Fremder durch den Marschall oder irgend 
eine andere Obrigkeit aufgelastet werden. 

Eine Reihe anderer Bestimmungen bezieht sich auf den 
Bestand der Genossenschaft. Die Zahl der Mitglieder, wie schon 
bemerkt auf 48 festgesetzt, sollte nicht vermehrt werden. Wol 
aber war eine Verringerung derselben statthaft, weil die Stelle 
desjenigen, welcher überwiesen worden war, das eingekaufte Silber 
zu anderen, als Münzzwecken verwendet zu haben, strafweise zu 
Gunsten der übrigen verwirkt war, und Niemanden mehr verliehen 
werden sollte. Abgesehen von diesem Falle, hatte die Genossenschaft 
das Recht der Selbstergänzung, wenn kein Erbgang eintrat. 
Denn es konnte über die Stelle wie über anderes Vermögen dis- 
poniert werden, ohne dass der Herzog darauf Einfluss gehabt hätte. 
Zum Hausgenossenamt aber war berufen, wofern der Verstorbene 
keine Verfügung getroffen hatte, der älteste von seinen Söhnen, 
in Ermangelung solcher die älteste Tochter. Gegen die Nachfolge 
dieser Personen konnte von den Hausgenossen keine Einsprache 
erhoben werden, wol aber dann, wenn der nächste Erbe ausser- 
halb der Parentel des Erblassers war. Dann galt jener der Ge- 
nossenschaft gegenüber als Fremder und bedurfte zum Antritte 
des Amtes ebensogut der Zustimmung durch jeden einzelnen Ge- 
nossen, als wenn die Uebertragung durch ein Geschäft unter 
Lebenden erfolgt wäre. 24 ) In jedem Fall sollte aber der ruhige 
Besitz von Jahr und Tag den Inhaber gegen jeden weitern An- 
spruch auf seine Stelle schützen. 

Die übrigen Punkte dieser Handfeste beziehen sich auf die 



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8C1 



Ausübung des Amtes durch die Hausgenossen und auf Vor- 
kehrungen, durch welche das Münzwesen sowol in ihrem Inter- 
esse, als auch dem der herzoglichen Kammer gefordert werden 
sollte. Artikel 22 nimmt die Hausgenossen gegen unbillige Zu- 
mutungen des Münzmeisters in Schutz, es sollte deren keiner 
über die Summe hinaus, wel<*he von altersher üblich sei, zum 
Ankaufe von Münzsilber gedrängt werden. Ein anderer räumte 
ihnen das ausschliessliche Recht des Aufwechsels der alten Münze 
in allen landesfürstlichen Märkten gegen Bezahlung von 72 Pfen- 
ningen an den Marktrichter ein. Ausserdem sollte bei ihnen der 
Vorrath an neuer Münze auch von denjenigen bezogen werden, 
welchen der Aufwechsel in Privatmärkten vom Eigentümer über- 
lassen würde. Ein weiterer Absatz, von dem schon oben die Rede 
war, enthält das Verbot des Handels mit Edelmetallen für Jeder- 
mann, der kein Hausgenosse sei. Im Zusammenhange damit stand, 
dass nur das gröbere Pfundgewicht dem allgemeinen Gebrauche 
freigegeben war, während der Besitz der Gold- und Silbergewichte 
der Genossenschaft vorbehalten blieb. 

Auch über die Art der Müuzerzeugung und über die Haftung 
des Hausgenossen für den von ihm veranstalteten Guss erfahren 
wir manches. 

Die Obliegenheit, dafür zu sorgen, dass die Münze jeweilig 
mit dem nötigen Rohmateriale versehen sei, verpflichtete nämlich 
den einzelnen so oft ihn die Reihe traf, das Silber und Kupfer 
zum Gusse (im XV. Jahrhundert = 130 rauhe Wiener Mark) 
auf seine Kosten und Gefahr einzuliefern, wogegen ihm dann ein 
Anteil am Münzgewinne zufiel. Der Hausgenosse, dessen Guss 
gerade in Arbeit stand, war begreiflicher Weise nicht nur durch 
seine Pflicht, sondern auch ebenso durch sein Interesse auf eine 
genaue Ueberwachung der einzelnen Vorgänge gewiesen. Er wog 
darum die rohen Metalle nach dem Anschlage des Münzmeisters 
den Giessern zu, welche sie schmolzen und in flache Können, 
die Zaine, ausgössen. Diese w r urden dann von den Giessern dem 
Hausgenossen wieder „mit der Wage" überantwortet, wobei aller- 
dings ein Abzug vom ursprünglichen Gewichte für das beim 
Schmelzen verbrannte Metall statt hatte. Der gleiche Vorgang 
mit dem gegenseitigen Zuwägen des Materiales. wiederholte sich 
noch zweimal, indem die rohen Zaine noch den Zainmeistern zum 



362 



Aushämmern auf die erforderliche Dicke und den Schrotmeistern 
zur Zerstückelung mit der Benemscheere übergeben werden mussten. 
Krst nun waren die Münzplättchen soweit fertig, dass sie auf die 
Schlagstube zur Prägung gebracht werden konnten. Ehe sie aber 
in die Hände der Setzmeister gelangten, mussten sie auch noch 
auf Schrot und Korn geprüft werden, und zwar geschah dies, wenn 
wir zur Ergänzung der Handfeste von 1277 den spätem Brauch 
der Wiener Münze benützen, in folgender Weise. In Gegenwart des 
Münzmeisters, des Anwaltes und des Hausgenossen, dess' der 
Guss war, wurden die Schrötlinge auf eine zu diesem Zwecke 
ausgebreitete Haut geschüttet und dann gut durcheinander 
gemischt. Hierauf zählte der Jude des Münzhofes in Würfen 
zu fünf und fünf die sog. Aufzahlmark ab; um das Jahr 1437 
waren es 300 Pfenninge, welche genau 10 Loth wiegen sollten. 
Stimmte das Gewicht oder erforderte es nur den Zuwurf eines 
Pfennings, der von Gnaden gestattet wurde, so war das erforde rliche 
Schrot eingehalten, fehlte es um 2 — 3 Pfenninge oder mehr, dann 
wurden die gewogenen Stücke gesaigert, d. h. die unterwichtigen 
zerschnitten und die schwereren unter die übrigen Münzplättchen 
eingemischt. Hernach wurde die Aufzahlmark von neuem heraus- 
gezählt und das beschriebene Verfahren solange fortgesetzt, bis 
man es zu einer richtigen Aufzahlmark brachte. Nun erst durften 
die Schrötlinge vom Hausgenossen den Setzmeistern zur Prägung 
übermittelt werden, welche dann dem Gewichte nach das gleiche 
Quantum geprägter Münze zu erstatten hatten, das ihnen an 
Münzplättchen war zugewogen worden. 

Genauer gieng es bei Prüfung des Feingehaltes zu, welche, 
um Unterschleife zu vermeiden, erst später nach vorgenommener 
Prägung geschah. Hier nam der Münzanwalt die vorgeschriebene 
Anzahl neuer Pfenninge (um's Jahr 1437 waren es 32 Stücke), 
wog sie mit dem Lothgewicht ein, doch derart, „dass die Pfen- 
ning ein wenig auf das Silber schlagen" und übergab sie dann 
zum Feinbrennen dem geschwornen Versucher oder Brenner. Dieser 
war durch seinen Eid und bei schwerer Strafe verpflichtet, die 
Münzprobe wieder getreulich an die Kammer abzuliefern, doch 
sollte sie nicht zu fein getrieben werden „wann dhain Smelz- 
silber von alter herkommen ist", wie es in einer Instruktion vom 
Jahre 1409 heisst. Das Münzkorn wurde dann mit dem für die 



/ 



368 



Ausmünzung schon vorher angefertigten Korngewichte eingewogen 
und musste die ausgerechneten Bruchteile des Lothgewichts (Medel) 
z. B. bei sechslöthigen Pfenningen 17 Medel enthalten. Gebrach es 
dem Korne um eine Medel (745 oder genauer 3 /i36 Loth) und 
ergab auch das Feinbrennen einer zweiten, dritten oder selbst 
vierten Probe kein besseres Ergebnis, so musste das ganze 
Werk wieder eingeschmolzen werden; der Hausgenosse verlor 
daher sämmtliche Kosten, die an dessen Herstellung gewandt 
worden waren. Fehlte es um weniger, etwa um l j 2 — 3 /4 Medel, 
so waren Aushilfsgüsse erforderlich, welche um drei, beziehungs- 
weise fünf Mark Silber reicher sein mussten. 25 ) Die Pfenninge 
des zu arm befundenen Gusses, die bis dahin unter Siegel 
gehalten waren, wurden nun mit den entsprechend besseren des 
Aushilfsgusses „auf der Haut" gut durcheinander gemengt und 
konnten sodann in den Verkehr gebracht worden. War jedoch das 
Korn nicht einmal um eine halbe Medel zu leicht, dann waltete 
Gnade, d. h. der Guss wurde genemigt, weil er innerhalb des 
gesetzlichen Remediums stand. 26 ) 

So unvollkommen uns heutzutage derartige Münzproben 
erscheinen, da z. B. der Wiener Münz vertrag vom Jahre 1857 
sowol im Rauhgewichte als im Feingehalte der harten Münze nur 
eine Abweichung von wenigen Tausendteilen gestattet 27 ), so 
waren sie doch damals in der Wiener Münzstätte strenger als 
anderswo, z. B. in Regensburg, 28 ) denn der Hausgenosse lief bei 
einem allzuleicht gerathenem Gusse Gefahr, ein mehreres einzu- 
büssen, als ihm ein gelungener einbringen konnte. Darum wurde 
aber auch dem Hausgenossen, dessen Pfenninge die Proben be- 
standen hatten, weitgehender Schutz gegen unbegründete Anschul- 
digungen gewährt. Der Vorwurf der Verfälschung der Münze oder 
der Kürzung am Gewichte sollte nur erhoben werden können, wenn 
man den Hausgenossen oder dessen Wechsler auf frischer That 
begriff, jede andere Beweisführung aber ausgeschlossen sein. Auch 
war das Versuchen der Münze auf Schrot und Korn jedem andern 
als dem Münzmeister und den von diesem frei ernannten ge- 
schworenen Versuchern streng untersagt. Wer es dennoch that, 
dem sollte die Feueresse gebrochen und eine Strafe von 2 ft & 
auferlegt werden. Könne er diese nicht zahlen, so sei ihm ein 
Daumen abzuschlagen. 



3fci 



So sehen wir also die Stellung der Hausgenossen nach allen 
Richtungen hin durch den Freiheitsbrief vom Jahre 1277 gefördert 
und geschützt. Nur noch einer Bestimmung desselben ist zu 
gedenken, deren Sinn viel bestritten ist, jener, dass die Erneuerung 
der Wienerpfenninge, wenn dabei nur ein Prägeisen gewechselt 
wird, -in keiner Stadt des ganzen Lands zu Oesterreich nur 
allein zu Wien, die die vordrist und Hauptstadt ist desselben 
Lands u erfolgen solle. Man wird kaum irre gehen, wenn man 
die Entstehung dieses Artikels in die Zeit König Rudolfs 
verlegt, in welcher das Uebergewicht der Wiener- über die 
Ennser- und Wiener-Neustädter Münzstätte schon zweifellos ge- 
worden war. 

Wollen wir deshalb die Handfeste Rudolfs voll würdigen, 
so müssen wir anerkennen, dass durch die Organisation der 
Wiener Münzstätte, welche sie enthält, ein wichtiger Schritt 
SS r Centralisation des Geldwesens in Oesterreich geschehen war. 
Siegreich drang seitdem die Wiener Münze auch über die Landes- 
grenzen vor. Das Hubbuch der österreichischen Herzoge aus den 
Tagen Albrechts I. veranschlagt bereits den cursus monetae major, 
d. i. jene Summe, welche man mit Vorteil für die herzogliche 
Kammer im Auslande unterbringen konnte, in friedlichen Zeiten 
auf jährlich 14.000 Pfund Pfenninge. Ungefähr zur selben Zeit 
war auch schon das Wiener Münzgewicht bis nach Kärnten vor- 
gedrungen, wo es beispielsweise im Münzvertrage des Herzogs 
Meinhard mit dem Erzbischofe Rudolf von Salzburg im Jahre 1286 
mit Verdrängung der heimischen Friesacher Mark zur Anwendung 
gelangte. 

Die Bahn zur weiteren Entwicklung war damit gegeben. 
Während die Friesacher, Grazer und endlich auch noch die Agleier 
Pfenninge nach und nach aus dem Verkehre gedrängt wurden, 
behauptete sich der Wiener Pfenning sowol neben dem ein- 
strömenden Goldgulden, als neben den Prager Groschen durchs 
ganze Mittelalter hindurch. Stets weiter und weiter wurde sein 
Umlaufsgebiet : nach Nord und Süd schob er sich in die von Slaven 
bewohnten Gebiete vor, bis er schliesslich bei den Slovenen eben- 
sogut als bei den Cechen mit Beseitigung des heimischen 
Ausdrucks zur technischen Bezeichnung des Pfennigstückes 
geworden ist. 29 ) 



365 



IV. Die Budolfsmünzen. 

Die chronologische Anordnung der österreichischen Gepräge 
aus dem Mittelalter, vor allem aber der Wiener Pfenninge, er- 
scheint auf den ersten Blick als eine Unmöglichkeit, vorausgesetzt, 
dieselbe soll ohne Willkür in wissenschaftlicher Weise erfolgen. 
Wahrlich, nur selten treffen bei einer Münzgattung so viele Um- 
stände zusammen, welche deren richtige Bestimmung zu erschweren 
vermögen, als gerade hier. Die Prägeweise der Wiener Pfenninge 
ist roh und unvollkommen, namentlich beeinträchtigt die durch 
vier Hammerschläge hervorgerufene unregelmässige Erhöhung, der 
., Vierschlag 8 , weitaus in den meisten Fällen das Münzbild. Nur 
vereinzelt trifft man auf leidlich deutliche Stücke, fast nie auf 
solche, welche beide Seiten scharf ausgeprägt zeigen. Es fehlt 
ferner an charakteristischen Münztypen, da man bis 1359 viel- 
leicht alle Jahre mehrfach wechselte und das Wappenschild oft 
wegliess, und endlich waren auch noch Auf- und Umschriften fast 
gar nicht im Gebrauche. 

Durch das gemeinsame Zusammenwirken mehrerer Forscher 
ist aber manches sichere Ergebnis auf diesem Felde schon gewonnen 
worden. Durch Beschreibung von Funden nach ihrer Zusammen- 
setzung, durch Berücksichtigung des gleichen Schrot und Kornes 
und der ganzen Mache der Münzen, durch Vergleichung mit Siegel- 
bildern u. s. w. ergeben sich nämlich Merkmale, welche ganzen 
Gruppen gemeinsam sind und so zunächst zur Aufteilung im 
Groben führen. 

Diese mühsame Arbeit wäre mit ihren Ergebnissen ungleich 
weiter gediehen, wenn nicht die Zahl der , Leitmünzen u — so 
nenne ich mit Anlehnung an einen in der Geologie gebräuchlichen 
Ausdruck jene sicheren Gepräge, an welche sich die verwandten 
Gruppen der unsicheren Pfenninge anschliessen — eine etwas 
grössere wäre. Aber leider lässt sowol deren Menge an sich, 
als auch der Zustand, in welchem die wenigen bekannten Exemplare 
sich befinden, noch viel zu wünschen übrig, so dass man die 
Hoffnung auf neue und glückliche Funde setzen muss. Inzwischen 
aber will ich mein Schärflein beitragen, indem ich hier diejenigen 
Gepräge zusammenstelle und einer Kritik unterziehe, welche nach 



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ihren Aufschriften von einem österreichischen Rudolf während 
des Mittelalters ausgiengen. Ausgeschlossen von der Betrachtung 
blieben jedoch die Goldgulden und die für Tirol ausgegebenen 
Gepräge Herzog Rudolfs IV., weil über deren Zuweisung kein 
Zweifel obwaltet. 

Vorausgeschickt sei noch, dass alle folgenden Stücke von 
Silber sind, unregelmässige, eher viereckige als runde Schrötlinge 
haben und dass sie sämmtlich auf der einen oder anderen Seite 
den früher erwähnten Vierschlag, eine Eigentümlichkeit der Münz- 
technik in Bayern, Oesterreich. Steieimark und Kärnten zeigen. 
Diese Umstünde werden daher bei der Beschreibung der einzelnen 
Stücke übergangen, ebenso der Hinweis auf die beiliegende Tafel, 
auf welcher mit Ausname von Nr. 9 alle übrigen Rudolfsmünzen 
abgebildet wurden. Die Ausdrücke „ rechts" und „ links" wurden 
durchwegs im heraldischen Sinne, d. i. objectiv von der Münze 
(und nicht subjectiv vom Beschauer) aus, gebraucht. 

1. "Vorderseite: RV3 — OLF das gekrönte Brustbild des 
Königs von vorn. Das Ganze umgiebt ein geperlter Kreis, 
an den sich innen ein glatter Ring anschliesst. 

Rückseite zwei feine Kreislinien, welche einen Kranz von 
Ringelchen einschliessen, umgeben einen rechts blickenden 
Adler. 

Gr. 18/18 Mm. wiegt 0550. o. 680 Gramm. Beschrieben 
von Primi ss er „das älteste österr. und Wiener Münzwesen" 
in Hormayr's Wien und seine Denkwürdigkeiten 1. Jahr- 
gang, 3. Band, S. 220 aus A p p e 1 s Sammlung und abgebildet 
auf Taf. II, Nr. 11, dann bei Appel. Repertorium II, S. 941, 
Nr. 32 und in meinem Aufsatz z. österr. Münzkunde im 
13./14. Jahrg., S. 33, Nr. 28 (Archiv f. österr. Geschichte 
Bd. XU, S. 273). 

Diese Münze kam (mindestens in zwei Exemplaren) neben 
mehreren unzweifelhaft dem Könige OHokar von Böhmen 
zugehörenden Pfenningen steirischen Gepräges im Münzfunde 
von Völgyfalü (Zalaer Comitat) vor. 

2. Vs. Gekrönter Kopf nach rechts. 

Rs. Die Majuskel R umgeben von zwei feinen Kreislinien, 
welche einen Kranz von Röschen einschliessen. 



361 



Gr. 17/18 Mm. w. 0600, 0620, 0630, 0700 Gr. im Durch- 
schnitte von 13 Stücken = 0*68 Gramm. Ist nach der Cupellen- 
probe /^Vö °d er nahezu 11 Loth fein. 

Beschrieben und abgebildet: Archiv XXIX, 292, Nr. 33, 
Fig. 42; XLI, 271 (S. A. 31) Nr. 27, Wiener Pfenninge 
Nr. 15, abgeb. Taf. II, Nr. 48. 

Nachgewiesen im Funde von Sar - Szent - Mihäly und in 
einem zweiten unbekannter Herkunft, beidemale neben un- 
zweifelhaften Wiener -Pfenningen aus der Regierungszeit 
König Ottokars. 

3. Vs. Umschlossen von einem Kreise ein grosses R, ober dem 
Buchstaben ein gekrönter Kopf von vorn zwischen zwei 
Rosetten und zwei Punkten. 

Rs. Ein rechtsblickender Adler umgeben von zwei Perlen- 
kreisen, welche statt der Schrift leere Ringelchen einschliessen. 
G. 16/17 w. o. 600 Gramm vermutlich um T 8 Ö °A f «n. 
Archiv XLI, 273 (S. A. 33) Nr. 29. 

4. Vs. Umschlossen von einem glatten Kreise und einem 
Perlenstabe ein grosses R zwischen zwei Zinnentürmen. 
Ober dem Buchstaben ein unbedecktes Brustbild von vorn, 
ober den Türmchen je eine Rosette. Die Rückseite ist un- 
deutlich, aber vermutlich gleich der vorhergehenden. 

ü. 17/17 Mm. w. 0770, 0850 Gramm, ist nach dem Striche 
bei 14 Loth oder T Vo 6 o fein. 

Archiv XLI, 273 (S. A. 33) Nr. 30. 
Kam in einem Exemplare auch im Funde von S. Kunigund 
bei Cilli vor. 

5. Einseitig: Brustbild von vorn mit lang herabwallendem Haar, 
auf dem Haupte eine flache dreigeteilte Krone, auf der 
Brust den Balkenschild, in der Rechten ein Scepter; im Felde 
links ein R, darunter ein Röschen. Das Ganze umgiebt ein 
hochaufgetriebener Ring, an welchen sich von aussen ein 
Perlenstab anschliesst. 

D. 19/20 Mm. w. 045, 048, 052 im Durchschnitt von 
5 Stücken 046 Gramm. 

Wiener Pfenninge Nr. 157, Abb. 176. 

In wenigen abgegriffenen Stücken kam diese Münze in den 



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Funden von S. Kunigund, Marburg und noch einem dritten 
unbekannter Herkunft vor, den ich C nenne. 

6. Einseitig : Brustbild des Herzogs nach links, auf dem Haupte 
eine kronenartige Bedeckung, von welcher ein langes Band 
nach rückwärts abfallt. Den Bügel des Herzogshutes schmückt 
ein Kreuzchen, den Stirnreif zieren glatte dreieckige Zinken, 
von welchen vier sichtbar sind. Im Felde die Buchstaben 
R — V. Das Ganze umgiebt ein hochgetriebener Ring, an 
welchen sich aussen ein Perlenkreis anschliesst. 

D. 17 / 17 Mm. w. 047, 050, 056 bis 073 Gramm im Durch- 
schnitt (von 103 Stücken des S. Kunigunder Fundes = 65*1 
Gramm) = 0*63 Gramm. Hält nach wiederholten Cupellen- 
proben 644 — 650 Tausend teile oder 10 Loth, 6 — 7 Grän fein. 

Archiv XLI, 279 (S. A. 39) Nr. 37 — Wiener Pfenninge 
Nr. 156, Abb. 180. 

Kam in den drei obgenannten Funden vor, und zwar in dem 
S. Kunigunder sowol am zahlreichsten (105 Stück), als auch 
mit dem grössten Durchschnittsgewichte. 

7. Dasselbe Stück als Hälbling auf unregelmässig viereckigem 
Schrötling. 

D. 13 / lf <j Mm. w. 0*25 Gramm. 

1 Stück im S. Kunigunder Funde, war vorher unbekannt. 

8. Einseitig: Von einem Perlenkreise und einem hochaufgetrie- 
benen Ringe umschlossen, ein nach rechts gekehrter gekrönter 
und mit einem Pfauenbusche besteckter Helm, von welchem 
nach rückwärts eine kurze ausgezackte Decke niederfallt. 
Im Felde die Buchstaben R — V. 

Gr. 17 / n Mm. w. 0400 bis 0820 Gramm im Mittel von 
54 Stücken des S. Kunigunder Fundes (= 35*7 Gramm) 066 
Gramm. Hält nach der Feuerprobe 640 bis 0662 Tausend- 
teile oder 10 Loth, 5 — 10 Grän fein. 

Archiv XLI, 280 (S. A. 40), Nr. 38, Wiener Pfenninge 
Nr. 230. 

Kam in den drei obgenannten Funden vor, und zwar in dem 
S. Kunigunder sowol am zahlreichsten, als auch mit dem 
grössten Durchschnittsgewichte. 

9. Variante, welche sich von dem vorhergehenden Stück dadurch 



369 



I 

unterscheidet, das» im Felde ober dem R und unter dem V 
je ein Punkt, angebracht ist. 

Gewicht und Grösse stimmen mit. Nr. 8, der Feingehalt 
betrug nach einer Cupellenprobe 672 Tausendteile oder 10 
Loth 13 Grän. 

Archiv XLI, 280 (S. A. 40) Nr. 38 — Wiener Pfenninge 
Nr. 230, Abbildung 34. 

Kam in den drei genannten Funden, jedoch seltener vor 
(im S. Kunigunder 8 Stück gegen 44 der Gattung 8). 

10. Einseitig: Zwischen den Buchstaben R V ein gekrönter 
Stechhelm nach rechts, mit kurzer nach rückwärts abfallen- 
der Decke, besteckt mit einem Adlerflügel. (?) 

Gr. n / 15 Mm. w. 0570— 0800 Gramm, hält auf der Cupelle 
iWo 0(ler 9 Loth, 6 Grän fein. 

Archiv XLI, 271 (S. A. 31) Nr. 26 Wiener Pfenninge 
126, Abbild. 33. 

Kam bisher nur im Marburger Funde; in wenigen schlecht 
erhaltenen Stücken vor. Es muss darum bis auf weiteres un- 
entschieden bleiben, ob dieses Helmkleinod ein einfacher Flügel 
oder ein geschlossener Flug ist, ferner ob durch den Streifen, 
welcher auf ein paar Stücken das Kleinod durchquert, eine 
Binde gleich jener des Tiroler Wappenhelmes bezeichnet 
sein soll. 

Ueberprüfen wir das Gemeinsame dieser Pfenninge, so 
finden wir nur das Eine, dass alle teils durch den vollen 
Namen, teils durch die Anfangsbuchstaben auf einen Rudolf 
als Prägeherrn hinzudeuten scheinen. So wie man aber davon 
absieht, und die vorhandenen Verschiedenheiten ins Auge 
fasst, gehören dieselben nach der Prägeweise verschiedenen 
Gruppen an. Eine Zusammenstellung dieser Eigentümlich- 
keiten in Tabellenform gewährt das Bild auf Seite 61. 

Nach der Beschaffenheit des Schrot lings und der Präge- 
weise gehören daher diese Pfenninge 7 verschiedenen Gruppen 
an, und zwar: 
1. mit dünnem Schrötling, einem Durchmesser von 18 Mm. in*s 
Gevierte und zierlichem Gepräge, das sich den Grazer Pfen- 
ningen König Ottokars I. anschliesst, vertreten durch Nr. 1. 



BIO 



II. mit dickem Schrötling und rohem Gepräge, 17 — 18 Mm. in's 
Gevierte messend im Durchschnitt 008 Gramm schwer und 

tVöV * ein = Nr. 2. 

III. mit dickem Schrötling und schlichtem Gepräge, Iß — 17 Mm. 
in's Gevierte und bedeutend feineren Gehalts (bis 14 Loth) 
= Nr. 3 und 4. 

IV. aus sehr dünnem Silberblech, zierlichen Gepräges. 19- -20 Mm. 
in's Gevierte messend, aber im Durchschnitt nicht einmal 
l Gramm wiegend. j 8 ° 4 ö fein = Nr. 5. 

V. schlichten Gepräges mit dünnem Schrötling, 17 Mm. in ? s Ge- 
vierte, im Durchschnitt 644 050 Tausendteile fein = Nr. 6, 
8, 9. 
VI. mit dünnem Schrötling, 13 Mm. in's Gevierte, 0*25 Gramm 
schwer, der Hälbling zur vorhergehenden Gattung — Nr. 7. 
VII. mit dickem Schrötling, 14 — 15 Mm. in's Gevierte, ^Vo 
fein, rohen Gepräges - Nr. 10. 

Will man nun eine genauere Bestimmung dieser 7 Gattungen 
von Rudolfsmünzen versuchen, so wird Folgendes zu beachten sein : 
I, IL Unzweifelhaft der Regierungszeit König Rudolfs von 
Habsburg, also den Jahren 1276 — 1282, gehören die beiden ersten 
Gruppen an, weil sie aus Münzfunden stammen, welche sichere 
Gepräge König Ottokars in grösserer oder überwiegender Anzahl 
enthalten haben. Mit dieser Zuweisung stimmt überdies das könig- 
liche Bild, das sich auf beiden vorfindet. Da sich jedoch 1. (Nr. 1) 
dem Style nach den Grazer Pfenningen des Königs Ottokar eng 
anschliesst, so werden wir in demselben ein steirisches Gepräge 
aus der Reichsverwaltung König Rudolfs erblicken. II. (Nr. 2) 
hingegen stimmt nicht blos im Aeussern, sondern auch nach 
Durchschnittsgewicht und Feingehalt mit den Wiener Pfenningen 
aus der Zeit des Zwischenreiches. 

III. (Nr. 3, 4) gehört jener Gruppe von Münzen an, welche 
ich in meiner ersten Abhandlung über das österreichische Münz- 
wesen (Archiv XLI, 288, S. A. 48) als Gattung B bezeichnete. 
Leider hatte ich bisher noch keine Gelegenheit einen Fund zu 
untersuchen, welcher über diese Münzsorte sicheren Aufschluss 
gegeben hätte. Nur soviel ist gewiss, dass sie in grösserer 
Menge bei Dölsach an der Grenze von Tirol und Kärnten vor- 
gekommen ist, und dass sie nach Gewicht, Gepräge und Fein- 

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312 



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gehalt von den Wiener Pfenningen so erheblich abweicht, dass 
ich sie in meiner späteren Studie über die Wiener Pfenninge 
(S. 242) bereits als fremde Beimengung ausschied. Darf man 
das j,Vitus ft , das auf einem Stück dieser Gattung zu lesen ist, 50 ) 
auf die herzoglich kärntnische Münzstätte S. Veit beziehen, so 
hätten wir in ihnen Friesacher Pfenninge zu erkennen. Der Fein- 
gehalt von nahezu 14 Lothen stimmt mit der Münzverordnung 
Konrads von Aufenstein vom 24. August 1334. Man könnte also 
immerhin in Nr. 3 und 4 Friesacher Pfenninge aus der Zeit 
des Herzogs Rudolf IV. erblicken, doch muss ich selbst dies Er- 
gebnis noch als unsicher hinstellen. 

IV. Prägeweise und Feingehalt weisen dieses Stück (Nr. 5) 
in die Reihe der sog. breiten Wiener Pfenninge (denarii lati 
Viennenses), welche in ungarischen Urkunden seit 1291 immer 
häutiger auftreten. Nun wäre es zwar möglich, dass die erste 
Ausprägung dieser Münzgattung in die Tage Rudolfs von Habs- 
burg zurückreicht, allein die Beigabe des österreichischen Binden- 
schildes auf der Brust der gekrönten Figur lässt mich ver- 
muten, dass ein Rudolf, welcher König und zugleich Herzog in 
Oesterreich war, der Münzherr gewesen sei. Ich möchte darum 
dieses Stück bis auf Weiteres Rudolf III. (f 1307 als König von 
Böhmen) zuteilen, zumal es auch der Feingehalt von f 8 ö Vo 
dem redenden Pfenning König Friedrichs des Schönen, 31 ) ^VdV 
sehr nahe bringt. 

V. Diese Münzen habe ich in meinem ersten Aufsatze (Archiv 
XLI, 8. 277 ff.) dem Herzoge Rudolf IV., später aber (Wiener 
Pfenninge 245 ff.) König Rudolf I. zugeschrieben. Gegen diese 
letztere Anname hat Herr von Raimann (Wiener numismatische 
Zeitschrift XIII., S. 25) erhebliche Bedenken vorgebracht und die 
erste Zuteilung an Herzog Rudolf IV. verteidigt. Nach eingehen- 
der Prüfung seiner Bedenken und nach genauer Vergleichung 
der Siegel österreichischer Einwände muss ich ihm beistimmen, 
und zwar namentlich aus folgenden Gründen: 

1 . Ist bei Nr. 6 die Uebereinstimmung des Herzogshutes mit 
der Abbildung auf Herzog Rudolfs IV. Siegel, 32 ) vom Jahre 1359 
(vgl. Abbildung m) in der That so augenfällig, dass sie sich 
sogar auf die Form der Zinken und die Befestigung des Kreuzchens 
erstreckt. 



373 



2. Der gekrönte Helm mit. rückwärts abfallender Decke ist 
nach den Siegeln zu schliessen (vgl. die Abbildungen a — 1) bei 
den österreichischen Herzogen erst ungefähr mit dem Jahre 1320 
in Uebung gekommen und wurde insbesondere von Rudolf III. 
(Abbildung f) noch nicht geführt. Ueberdies deutet die Aus- 
zaddelung des Tuches bei Nr. 8, 9 auf eine etwas spätere Zeit, 
und zwar weist das erste Beispiel einer solchen (Abbildung 1) 
ebenfalls auf Rudolf IV. 

3. Der Feingehalt ist für die Gepräge Rudolfs IV. an sich 
von geringerer Beweiskraft, weil eben dieser Regent das Aus- 
münzen nach der Teuerung des Silbers, also nach wechseln- 
dem Münzfusse einführte. Allein es ist unverkennbar, dass die 
Nummern (}, 8, 9 nach Schrot und Korn einander sehr nahe 
stehen und daher auch aus diesem Grunde wahrscheinlich, dass 
sie einem Regenten beizulegen seien. 

VI. (Nr. 7.) Ist das Ilälblingsgepräge zu Nr. 6 und teilt 
daher dessen Schicksale. Im Uebrigen schliesst es sich an Hälblings- 
gepräge an, welche nachweislich der zweiten Hälfte des XIV. Jahr- 
hunderts angehören. 3S ) 

VII. Am schwierigsten ist Pfenning Nr. 10 zu bestimmen. Ich 
habe denselben erst (Archiv XLI, p. 271, Nr. 20) König Rudolf von 
Habsburg, später (Wiener Pfenninge p. 238) Herzog Rudolf IV. 
zugeschrieben, weil ich zur Ueberzeugung gelangt war, dass 
ähnliche Stücke mit kleinem dicken Schrötling unzweifelhaft der 
zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts angehören, wenn sie rohen 
Gepräges und zugleich schwachen Feingehaltes sind. Gegen beides 
hat Herr von Raimann, a. a. 0. p. 25 ff., sich erklärt, und auf 
die Uebereinstimmung der Helmzier mit dem Kleinode König 
Ottokars (Abbildung b, c.) hingewiesen. Er will die Buchstaben 
R (ex) V (tacarus) deuten und das Stück daher dem Zwischen- 
reiche zuteilen. Allein abgesehen davon, dass diese Lesung der 
Buchstaben, was das österreichische Münzwesen betrifft, ohne 
Analogie wäre, und dass der niedere Feingehalt von j 5 8 o 4 n keines- 
wegs in die Tage König Ottokars passt, halte ich auch hier das 
Vorkommen der Helmdecke für entscheidend. Ich möchte darum 
diesen Pfenning gleichfalls Herzog Rudolf IV. zuteilen, zumal, da 
dieser ein ähnliches Kleinod (Abbildung 1) auf dem Siegel von 
1359 als Zubehör zum Schilde von Neuösterreich führte. Er wäre 



S14 



dann als Uebergang zu Pfenningen, welche unzweifelhaft der zweiten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts angehören, unter die späteren Ge- 
präge dieses Regenten einzureihen, wogegen die vorausgehenden 
Gruppen V, VI (Nr. 6 — 9) den ersten Regierungsjahren dieses 
unternemenden Herrschers zuzuschreiben wären. 

Dr. Arnold Luschin von Ebengreuth. 



Noten. 

') Der Name der Ennser Pfenninge verscholl schon in der ersten 
Hälfte des XIII. Jahrhunderts, obwol der Fortbestand einer Münzstätte zu 
Enns bis gegen das Jahr 1340 sichergestellt ist. Ebensowenig wurden 
besondere Wr.-Neustädter Pfenninge unterschieden, obgleich die Zeug- 
nisse für die Münzstätte hier bis 1361 reichen. Vgl. meine Wiener Pfen- 
ninge, welche als Separat-Abdruck aus dem VI. — IX. Bande der Wiener 
Numismatischen Zeitschrift (1874/77) erschienen sind. P. 147 ff. 

*) Der Ausdruck „Zeiringer Pfenninge", ist mir bisher in Urkunden 
nicht untergekommen, obgleich auf der Zeiring eine Münzstätte war, 
welche Herzog Albrecht II. in seiner Münzordnung für Steiermark (1339) 
als von Alters her bestehend, erwähnt. Geschichtsf. von Chmel I, 479. 

8 ) In Krain werden bis etwa 1273 denarii Labacenses, wenn auch 
immer seltener neben den Agleiern genannt, welche seitdem hier zur 
herrschenden Münze wurden. Vgl. Fontes Rerum Austriac. Diplom, et 
Acta, XXXI. p. 320, Nr. 379 Denarii Carniolici marcae 34 ! / a> qui faciunt 
marcas 15 (Salisburgenscs) 1280, bei Verrechnung einer päpstlichen Steuer 
bei Kleymayer,* Unpartheyische Abhandlung vom Erzstift Salzburg, 
p. 867. 

4 ) Die von mir über die alten Münzgewichte in Oesterreich im Archive 
XL VI, p. 247 ff. gebotenen Zahlen, welche eine Schwere von 281 378 Gr. 
für die alte Wiener Mark voraussetzten, wurden hier nach dem Ergebnisse 
der Muffatischen Untersuchung (Abhandl. der k. bayer. Akademie 
der Wissenschaften IQ. CL, Bd. XII, p. 75 ff.) geändert, beziehungsweise 
auf 280006 Gr. als das Grundgewicht der Wiener Mark umgerechnet. 

•) Wiener Pfenninge, a. a. 0. § 13, der Geldumlauf in Oesterreich 
p. 165 ff. 

6 ) Für die Wiener und .Grazer Pfenninge vgl.- Wiener Pfenninge 
a. a. 0. p. 266 und 181 ff, für die Agleier die Untersuchungen über 
den Münzfund von Lanische, Numism. Zeitschrift III, p. 516 ff, für die 
Friesacher die Münzordnungen von 1268 und 1286 bei Kleymayer 
a. a. 0. p. 370 und 374, für die Krainer Pfenninge die Stelle a. a. 0. 376, 
welche hier Anm. 3 mitgeteilt wurde. 



87b 



') Frey, die Schicksale des königl. Gutes in Deutschland unter 
den letzten Staufcrn. Berlin 1881. insbes. p. 170. 

8 ) Wiener Pfenninge a. a. 0. 156. Anra. 32, und Dr. Gustav Winter. 
Wiener-Neustädter Stadtrecht (Archiv LX.) p. 102. Nr. 12. Die Fassung 
der Urkunde lässt es unbestimmt, ob die Münzstätte zu Wien oder zu 
Wiener-Neustadt gemeint war. 

9 ) Gedruckt in den Steiermärkischen Geschichtsblättern, herausg. 
von J. v. Zahn. Graz 1881, p. 129—137, auszüglich bei Kersch- 
baumer. das Nonnenkloster in Tuln, Blätter des Vereines f. Landeskunde 
von N.-Oc. Vni. 3<> ff. und noch früher Archiv XU, 270 ff. 

,0 ) Vgl. den W T illebrief der Ki österreichischen Räthe ddto. 12M, 
1. Mai Wien, in den Blättern f. Landeskunde a. a. 0. VIII. 115. 

n ) . . . Primo, quod cum mnnetarii denarios novos cudunt, camsoros 
in civitate Judenburch sex septimanis soli cambient. et. nullus alter, 
quibus expletis quilibet civis eiusdem loci poterit licenter cambium 
exercere. Item monetarii et camsoros non debent in aliquem auetoritate 
popria manus inicere violentas nee traherc. sed siquid circa eorum nc- 
gocia questionis emerserit, judex civitatis praedicte debet discutere et 
etiam juris ordine judicare*. Steierm. Geschichtsbl. I. 53. 

1S ) Gedruckt Wiener Pfenninge a. a. O. 244 ff., und später: Wiens 
Rechte und Freiheiten I, 34 und II, 212 ff. 

,s ) Vgl. Lorenz über den Unterschied von Reichsstädten und Land- 
städten mit besonderer Berücksichtigung von Wien. Sitzungsb. der 
k. Akad. d. W. Bd. 89, p. 17 ff. 

u ) Noch im gleichen Absätze (§. 5 des Abdruckes in den Wiener 
Pfenningen) findet, sich der Satz, dass der Kämmerer des Landes ihnen 
zum Rechte vor dem Landestursten verhelfen solle. §. 9 und 10 erklären 
das neugeprägte Gehl als zu des Fürsten Kammer gehörig. §. 15 behandelt 
den Fall, ob der Landesfürst die Wiener Pfenning schüff mit aim ain- 
foltigen cysen zu verneuen u. s. w. 

,& ) Monetam quoque. qua k singulis annis avaritia exposcente solebat 
renovari in prrejudicium commune habitatorum eiusdem terra?, ex nunc 
volumus sine consilio communi ministerialium majorum Styrie (per ali- 
quem futurum prineipem terra*) nullatenus renovari et renovatam in 
primo pondere per quinqncnnium perdurare. 

Das Eingeklammerte ist Zusatz der Handfeste von 1277 — Steierm. 
Landhandfeste, Ausgabe von 1S42. p. 6 mit 9. 

1C ) Herrgott. Monumenta domus Habsburgiea*. Numotheca I, i&J. 

11 ) La mb acher. österr. Interregnum, 185. Nr. 100. Die Worte 
Postremo de Tulnio nostro in civitatibus aut locis nostris Austria» 
proveniente nobis, assignamus annuas fiO marcas u. s. w., werden wol 
richtiger: Postremo de telonio u. s. \v. lauten 

,8 ; Einen Erklärungsversuch, welcher jedoch nicht allseitig ausreicht, 
bietet Eheberg, Ueber das ältere deutsche Münzwesen und die Haus- 



src 



genossen. Leipzig 1879, p. C>5 ff. — (Staats- und Sexualwissenschaft]. 
Forschungen, herausg. von Gustav Seh moller, 2. Band, 5. Heft). 

,9 ) Drastisch schildert die Zerrüttung der Münzzustände durch 
Missbrauch des Ernenerungsrecht.es Art. 113 des Wiener Stadtrechtsbuches, 
eines Rechtsdenkmals, welches nach Ansicht des Herausgebers in die 
Tage Rudolfs I. zurückreichen könnte. Bei Zinsung von Weinniass giebt es 
eine gesetzliche Zufristung bis Martini, bei Geldzinsen ist aber jeder 
Aufschub ausgeschlossen, und zwar aus dem Grunde, r wann der Wein 
pezzer ist zu derselben Zeit, wann vor, des sind die^ phenning nicht, 
die werdent. ie lenger je erger.* 

20 ) Die Münzmeisterrechnung vom Jahre 1334 bei Ohmel, Ge- 
schichtsf. II, 2f>7 schreibt darum den Münzverlust bei Einwechslung der 
alten Pfenninge im Betrage von 50 Pfd. dem Herzoge zur Last. 

21 ) Steirische Geschichtsblätter a. a. 0. 131. — Im Jahre 1334 ver- 
rechnete z. B. der Münzmeister im Ganzen 4971 Pfd. Wiener Pfg. an 
Empfangen. Nach Abschaffung des Münzerneucrungsrechtes betrug der 
Anteil des Herzogs im XV. Jahrh. nur noch 1 Pfd. Pfg. vom Gusse, 
welcher auf 136 Wiener Mark rauh gerechnet wurde. Die Gestehungs- 
kosten, welche aus dem Schlagschatze bestritten wurden, blieben aber 
noch so gross, dass auf 240 Pfd. Metallwert (23S Pfd. fürs Silber und 
2 Pfd. fürs Kupfer) Münze im Nennwerte von 271 Pfd. Pfg. kam. Der 
Schlagschatz betrug also beinahe ll'/^/o ad valorem. Davon bildeten etwa 
f) ( 7 u den Gewinn des Herzogs (1 Pfd.) und des Hausgenossen (12 Pfd.), das 
Uebrige diente zum Unterhalte der Münzbeamten, für Kohle und anderen 
Bedarf. — Vgl. das sog. Münzrecht von 1450, das jedoch der Zeit um 
1437 angehört, in: Rechte und Freiheiten der Stadt Wien. II. p. 72. 

**) Vgl. Eheberg a. a. 0. p. 97 und 123 ff., dem aber für die 
österreichischen Verhältnisse die Literatur nach der Karajanischen 
Abhandlung über die Wiener Münze unbekannt geblieben ist. 

• 3 ) Eheberg a. a. 0. p. 106, 109, 121. 

M ) Es verdient hervorgehoben zu werden, dass man schon früh- 
zeitig die Hausgenossenschaft als Vermögensgegenstand betrachtete, 
welcher dem Inhaber zu vollkommen freier Verfügung auch gegenüber 
seinen Erben zustand. Darauf deutet nicht bloss die Normierung der 
Erbfolge r Si aliquem eorum intestatum decedere contigerit, 
sondern noch mehr die deutsche Uebersetzung des unmittelbar voran- 
gehenden Satzes. Das lateinische Original erlaubt nämlich jedem Hausge- 
nossen seine Stelle propter heredum uti litatem cuique voluer i t 
zu veräussern. wogegen die beiden alten Uebertragnngen ins Deutsche 
den Satz haben, .das ain yder hausgenoss mug an seiner erben will 
sein hausgenostschaft geben zu verchaufen oder versetzen wem er welle. 

2o ) Da der Guss von 136 Mark Rohmaterial zu fjlöthigen Pfenningen 
51 Mark Silber enthielt, so mussten die Aushilfsgüssc 54, beziehungsweise 
50 Mark Silber haben. Während also die zu arm befundenen Pfenninge 
anstatt 6 Loth (ca. 375 Tausendteile) nur 5 Loth 14 Gran und 5 Loth 



BIT 



12 Gran oder jVö* ö und yWa fein waren, stellten sich die Münzen der 
Aushilfsgüsse auf 6 Loth 7 — 11 Gran oder auf T Viny bis iVoV Es war 
daher (und dies ist wichtig bei Folgerungen aus dem Ergebnisse von 
Cupellenproben, welche nur an einzelnen Exemplaren vorgenommen 
wurden) eine Schwankung von 60 Tausendteilen oder nahezu einem 
Loth bei Pfenningen des gleichen Schlages gesetzlich zulässig. 

w ) Wiener Pfenninge a. a. 0. § 12, p. 161. 

,T ) Das Remedium darf z. B. bei einem Silbergulden äussersten 
Falls 04 Kreuzer an Wert ausmachen. 

M ) Eheberg a. a. 0. p. 134. 

w ) Slovenisch Vinar, cechisch Vidensky. Wiener Pfenninge 
a. a. 0. p. 203. 

80 ) Wiener Pfenninge Nr. 145. Abbildung 121. 

81 ) Wiener Pfenninge Nr. 46, Abbildung 143. 

") Archiv XLI. p. 278 (S. A. 39) Nr. 36, Wiener Pfenninge Nr. 15T>, 
Abb. 177. 

M ) Die Abbildungen der Helme sind der Arbeit von Savas über 
die Siegel der österreichischen Regenten, in den Mitt. der k. k. Central- 
commission f. Kunst und hist. Denkmale, Bd. IX, XI, XII entnommen. 
Doch wurden für e — g und i — m auch wolerhaltene Originale des 
steiermärkischen Landesarchives benützt, und darnach Einzelheiten in 
der Zeichnung gebessert. 




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Herzog Albrecht I. 
und die Dienstherren von Oesterrelco. 



war am St. Martinsfeste des Jahres 1295, als die 
Schreckensmähre, der Fürst des Landes, Herzog 
Albrecht I. von Österreich, sei plötzlich von einem 
so heftigen Unwohlsein ergriffen worden, dass er 
sterbend in der Burg liege, die Runde durch die Strassen und 
Gassen von Wien machte. Bald hiess es, der Herzog sei dem 
Gifte — denn allgemein wurde diese plötzliche Erkrankung dem Ge- 
nüsse vergifteter Speisen zugeschrieben — erlegen. 1 ) Schnell durch- 
flog diese Nachricht Stadt und Land und rief bei den Getreuen, 
vorab bei der edlen Gemahlin des Herzogs, Elisabet, Jammer und 
Wehklagen, *) bei allen aber Furcht und Schrecken ob der kommen- 
den Ereignisse hervor, da es nicht unbekannt geblieben war, dass 
der Herzog in Oesterreich namentlich unter dem höheren Adel 
viele und mächtige Gegner hatte. Und diese Furcht und Angst 
waren nicht unbegründet; denn seit mehr als einem Lustrum 
hatten die sogenannten Dienstherren, wie sich die Mitglieder des 
höheren und emflussreichen Adels im Lande zu nennen pflegten, 
eine feindliche Haltung gegen ihren Herzog eingenommen und 
warteten nur auf den günstigen Moment, um, wie einst ihre 
Ahnen nach dem Tode des Herzogs Friedrich IL, des letzten 
Babenbergers, selbst wieder die Herren im Lande zu werden. 



Fragen wir um die Gründe, welche den höheren Adel von 
Oesterreich zu der feindlichen Opposition gegen ihren Fürsten, 
dem sie doch wiederholt Treue und Ergebenheit geschworen und 
mit Siegel und Brief bestätigt hatten. 1 ) brachten, so werden 
dieselben weder von der Hauptquelle für diese Zeit, der Reim- 
chronik des steirischen Ritters Ottokar, noch von